Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 795 (14.4.1921)
- Date
- 1921-04-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«wir*_g-Dim, TrrnmersiaF , Direkte Verhandlungen über die mesopotamischen Oelfelder. Washington, 13. April. (Funkspruch.) Die britische Negierung hat der amerikanischen Regirrung den Vorschlag gemacht, einen Vertreter zu ernennen, der mit der kritischen Petroleum kommission in der Frage der mesopvtamischen Oelfelder'in direkte Verhandlungen zu treten hätte, mn die Verhandlungen rascher als auf di;,lomanischem Wege zu Ende zu führen. Die ungarische Krise. f Budapest, 15. April. Heute nachmittags fand im Minister- Präsidium eine Be'prc.-bung der Minister statt, die sich ausschließlich mit der Kriie befaßte. Nach der Besprechung erschienen Ministerpräsident Graf T e l e k i «ud Graf Stephan B e t h l e n beim Neichsverweser in Audieuz. In der chr'stlichnalionalen Bereinigung erklärte heute abends Graf Julius Andraffp, daß die Regierung demissioniert »ud der Reichsverweser die Demission angenommen habe. An der Partei der kleinen Landwirte machte Minister Stephan Szabo-Naghatad Mttellnng von der Demission der Regierung, die er als eine Folge des Rücktrittes des Mimsierpräsidenren bez ichnete. Ueber den Nachfolger des Grafen Trleki, erklärte der Minister, verhandeln wir schon seit Tagen. Tagesbericht. Der Keren Hajessod und die traditionsireuen Inden. Bon Jakob Friedman«. In diesem Monat jährt sich der Tag, an dem die Friedenskonferenz in San Remo den Anspruch des jüdischen Volkes auf Erez Israel feierlich anerkannt hat. Dieses große historische Ereignis ist merkwürdigerweise von einem Mischen Wessen im 12. Jahrhundert vorausgesagt und als Borstadium der endgültigen Erlösung bezeichnet worden. Nachmanides (Rambam), der von allen glaubenstreuen Juden als eine unserer größten Autoritäten betrachtet wird, schrieb vor über 650 Jahren in seinem ^rmmentar zum Hohenlied:. Mit Zustimmung der Völkerregierungen wird die Rückkehr der Jirden nach Erez Israel erfolgen und der eigentlichen Erlösung vorangehen. Um diese Rückkehr ins Heilige Land und dessen Wiederausbau nun durchführen zu. können, fehlen nur die Geldmittel, die das jüdische Volk allein beschaffen muß. Zu diesem Zwecke hat. die zionistische Jahveskonserenz.in London im Juli 1920 die Schaffung des Keren Hajessod (Pa äftina Aufbaufonds) beschossen, der' durch großzügige Selbstbefteuerung aufgebracht werden soll. Die Beaufsichtigung dieses Fonds hat der Economic Council übernommen, der aus hervorragenden Männern besteht und den jüdischen Minister für öffentliche Arbeiten 'im englischen Kabinett, Sir Alfred Mond, zum Vorsitzenden hat. Kein Jude, der dieses - Namens würdig bleiben will, darf sich der heiligen Pflicht, die von ihm für das große Werk der nationalen Befreiung geforderten Opfer darzubringen, entziehen. Und die traditionstreuen Juden müssest in der Opferwillig beit allen anderen vorangehen, da die jüdische Ansiedlung in Erez Israel und dessen Wiederaufbau ein religiöses Wcrk darstellt, das dem ganzen Komplex der religiösen Gebote gleichwiegt (Sifri). Und rasch muß. diese Pflicht erfüllt werden, denn von diesem Fonds, «.m die Worte Sit Alfred Monds zu gebrauchen^ hstngt Nicht allein die Zukunft Palästinas ab. sondern ststch die des ganzen jüdischen' Volkes in der Welt, s Es ist ein Gnadenakt des Himmels, daß Erez Israel bis zur Ermöglichung der jüdischen Kolonisation wüst geblieben ist (Jalkut. Raschi Wajikra 26, T2) und sozusagen seiner vertriebenen Kinder harrt, damit die ganze Welt erkenne, daß Erez Israel und das jüdische Volk zueinander gehören. Nun ist uns jetzt, dank göttlichem Beistände, die Möglichkeit gegeben, unser Land, unser Volkstum und unsere in der Galnth bedrohte Religion zu retten, wer will die Strafe mitverschuldet haben, die uns ereilen würde, wenn wir diese Unwiederbringliche Stunde unbenützt verstreichen ließen? Wer hat den traurigen Mut, auch nur einen Teil der Verantwortung für die ungeheuren Folgen auf sich zu nehmen, welche diese Unterlassungssünde nach sich ziehen wmtte. Es ist erstaunlich', wie manche gesetzestreue' Juden ihre bedauerliche Teilnahmslosigkeit mit religiösen Bedenken zu begründen suchen. Man hört oft Fragen, wie diese.- Ist es gottgefällig, mit Unfrvmmen an dem Wiederaufbau Erez Israels zusammenzuarbeiben? — Wird uns das heilige Land nicht wieder ausspeien, wenn Ungläubige sich dort ansässig machen? — Als ob unsere Weisen keine diesbezüglichen Instruktionen gegeben hätten! — Heißt es nicht im Midrasch: Die Erlösung der Juden kann erst dann kommen, wenn sie utk einen einzigen Verband bilden werden (Tanchuma Rizawim)? — Ferner: Diejenigen Volksteile, bei denen Thora, beziehungsweise Wohltaten zu finden sind, sollen sich mit jenen, bei welchen dies nicht der Fall ist, verjeinigen und sie werden für einander Vergebung herbeiführen (Wajitra Naba 30). — Und Rabbi Chia erzählt im Jalkut Echo, wie der Ewige weinend spricht: „Möchten doch die Kinder meines Volkes in Erez Israel wieder, wohnen, auch auf die Gefahr hin, daß 'Ifc das Land euttveihenl" i? > se?et?tr MvvoenzEkttnrq 265, tt. 266. Kuilstauktion von C. Z. Wawra Wien, 3. Bezirk, Lothrrngerstratze Nr. 14 einer Sammlnng von Gemälde« moderner and alter Meister, Miniaturen and Antiquitäten aus dem Nachlasse des Herr» Z. Ritter von Kl. Gleichzeitig gelangt der Nachlaß deS MalerS Moritz Michael Daffinger (Wik, 1790-18«) zvr Berstetgernng. Arbeiten deSKikcstlerS. Aus denis-lben Nachlast eineEammlintg von prächtige» Portätstichen in Schabkunst und Pnnttierman irr. cN n « Mittwoch den SO April». die darauf. folgenden Tage ab 8 Uhr uachmittags. okst-rer««4» er von morgenFrektag denk S.bis inkl.DienS. bryLbgUNg tag den 1».April El. vou 1» bis 5 Uhr. Illustrierte Kataloge zum Subskriptionspreis von je »0O ft. Albert Werner Alfred Wawra beeideter SochverüSndiger beeideter Sachverständiger Experte für Antiquitäten Wien, IW., X., Augnflinerstr. 8. Lothrtngerftraste 14. Den talmudifchen Weißen war die Art und Weife des jüdischen Lebens gewiß sticht gleichgültig. Sie wünschten sowohl in Erez Israel als in der Diaspora ein gottergebenes, sittliches, heiliges Judentum. Aber sie haben die Zeit voraus, wo infolge unjüdischer Erziehung, fremder Umgebung und sonstiger Galujh-Berhältnisse ein großer Teil des jüdischen Volkes die religiösen Gebote mannigfach vernachlässigen wird, und sie suchten die Gefahr einer Trennung abznwenden. Sie waren überzeugt, daß das jüdische Volk in der Atmosphäre der z nationalen Heimat schließlich den in der Richtung der Tradition liegenden Weg einschlagen wird, und bemühten sich, jenen religiösen Bedenken, dis schädliche Folgenhaben könnten, vorzubeugen, Sie wollten es verhindern, daß übertriebene Frömmigkeit uns um unsere Heimat bringt. (Vergl. Gittin 56 a.). v Den religiösen Führern liegt es ob, die ihrem Einfluß unterstehenden Massen Zur begeisterten und opferwilligen Teilnahme an der Aufbringung des Keren Hajessod und zum friedlichen Zstsammenarbeiien mit der Zionistischen Organisation, die eine heilige, ' aber sehr schwere Ausgabe^auf, .sich i genommen hat, cmzu- .ersern. Nur mit vereinen-Gästen-des gesamten jüdischen; Holkes kann seins 'nationale HLimstätje in Erez JsMf> errichtet werden. .!; r Wir beten oft inbrünstig zum Ewigen: „Stehe auf und erbarme dich Zionsdenn deine Knechte: 'lieben sieüw Steineund 'seinem Staupe sind sie hold' (Psalm 102)." ^Es ist jetzü Gelegenheit, diese Zionsliebe durch Kpfervolle Taten zn beweisen. - , ' ’■ - - Die Arbeit in Ostgalizien. In -Lernb erg fand'', eine 'Versammlung' prominenter" jüdischer Persönlichkeiten aus allen Lagern ‘ zyr Einleitung einer gemeinsamen.Acren Häjesioö-Aktivn statt- Anwesend waren unter anderen der Präsident der ' Kyltusgemeinde D'r. Diamand, der Präsident des Rettungs Komitees Dr. Pa rnes,' Herr Präsident '-der ' B'nei B'rith - Loge Professor Schorr, othbdoxe mrd liberale Rabbiner und eine größere Anzahl aickerer b'e-" deutender jüdischer. Persönlichkeiten. Alle Anwesenden erklärten sich zu eifriger Mitarbeit für den Keren Hajessod bereit. Es soll ein großesB ü r ger ko m i tee zur Durchführung der Aktion ins Leben gerufen werden. Zur Förderung der Keren Hajessod-Aksion in den baltischen Staaten ist Professor Dr. Heinrich Löwe nach Riga ab gereist. Bei einer Versammlung in Reval, wo der aus Sowjetrußland zurückgekehrte Dr. Ede, -Mitglied der Exekutive, einen Vortrag hielt, wurden für den Keren Hajessod 800.000 estnische Mark gezeichnet. — Nach Litauen reist Dr. Jakob Klatzkrn, um dort die Keren Hajessod-Arbeit zn fördern. Aus Palästina. Dis nördliche Abgrenzung Palästinas. , Das französisch-englische Abkommen über die Nordost- und. Nordgrenze Palästinas wurde . veröffentlicht. Danach verbleibt D e ras samt Umgebung in französischem Territorium. Das Uarmuktal bleibt gleichfalls in französischem' Gebiet, doch soll die Grenze so verlaufen,daß noch innerhalb des Parmuktals der Bau einer Bahnlinie auf britischem Territorium möglich ist. Bei S e m a k am Tiberiassee sollen beide Teile einen Hafen! und eine . Eisenbahnstation errichten können. Der uördjiDe Punkt wird bei Metullah an her Grenze der Wasserscheide des Jordan und des Unteren Litäni erreicht. Das Mittelländische Mer wird beim Hafen Ras-el-Nakura erreicht, welcher in das französische Mandatsgebiet fällt. Zur Absteckung der Grenze wird eine Kommission eingesetzt; bei Differenzen entscheidet der Völkerbunbrat. Zur Prüfung der Ausnützung der Jordan- und Aarmickgeivässer 'zwecks Erhaltung hydroelektrischer Kraft für Palästina werden Experten eingesetzt. . 14. NM 1321_Nr. 79g Die 2rröeiLslosigLett behoben Die Arbeitslosigkeit in Palästina ist beendet. ES gibt fast keine Arbeitslosen mehr, Sowohl in de« Städten wie in den Kolonien sind alle Arbeiter beschäftigt. Zuletzt waren am 1. Abar als arbeitslos noch festgestellt: in Jaffa 200, in Haifa 100, in Jerusalem und Liberias je 50 Arbeiter. - •* ■ ■ ± \ Keine Unruhen in Pnläftina. Jernsarem, 8. April. (Z. K.) Anläßlich dar An- Wesenheit des Kolonialministers Churchill in Palästina wurden in weheren Städten von einzelnen arabischen Kreisen Demonstrationen inszeniert, die jedoch ohne / Eindruck blieben. Es war festzustellen: daß die arabische., Bevölkerung nicht mit den Provokateuren sympathisiert../ Etwas umfangreicheren Charakter nahmen die Demon-. strationen in Haifa an, wurden jedoch auch hier, wiebereits des näheren von uns mitgeteilt, bald unterdrückt. Die arabischen Führer von Berseba sprachen Chur-/, chi ll und Samuel ihre ausdrückliche Sympathie ans un.d erklärten, daß sie die Stellungnahme des joae-; nannten ,-arabischen Kongresses" mißbilligten. Autobiographie Immanuel L3ws. Der Verteidiger des Szegediner Oberrabbiners Dr. Immanuel Löws veröffentlicht im „Egyenlöseg"- eine autobiographische Skizze, welche Oberrabbiner Löw in der Untersuchungshaft verfaßt hat. Diese Selbst--, befenntnisse eines geistigen Führers des ungarischen) Judentums, in. dem die Assirnilation bis zur höchsten Potenz ausgebildet ist, klingt in unseren Ohren wie die schärfste und schwerste Anklageschrift gegen die Verblendung der Assimilation, gegen die Selbsterniedrigung,, die ganz besonders von der ungarischen Neologie und ihren Predigers verkündet wurde und auch heute noch! verkündet wird. Nein, dieser Dr. Immanuel Löw konntewahrhaftig die ihm von Verleumdern zur Last gelegten illoyalen Handlungen und Aeußerungen nicht getan haben. Aber ebenso sicher ist es, daß ein Judentum, das von diesem Immanuel Löw geführt wurde, Md ein jüdischer Führer von der Geistesrichtung und Beschaffenheit eines Dr. Immanuel Löw schließlich dorthin gelangen mußten, -wo sie sich heute" befinden.--Die - «atio- ■ nale Selbstmtäußerung, besonders wenn sie von Juden kommt, hat rwch nieman den-Dank der Nation geerntet, der zuliebe sie erfolgt istl Me die Tragödie der Assimilation lesen sich' zum Beispiel die folgenden. Stellen: „Ich war immer der ersteim Lande, .der die patriytischen Festtage mit meinen Prchigten feierte.- Das Millenium, der Tod Ko s suths und andere patriotische: Stichtage wurden von mir in einem ganzen - Bande-patriotischer Keden gewürdigt- Die Heim- - chringnüg der 'Asche Ra ko e z-Y is. habe ich. vormittags 'in S ze ged i n, nachmittags in Ksi s t-e le k begrüßt. Die verstorbenen Größen der Nation, von Franz -D ea k mrd Fohann-> A r a n h i bis' zu Desidch:, S z ilag y i und' zath, habe ich in G^enkreden gefeiert.. Im Vorjahre noch habe ich' zugunsten dev nationalen Armee gepredigt und viele zum Eintritte in dieselbe geworben .. Bezüglich seines^Verhältnisses Christentum,, das er eine Tochter der jüdischen Religion-nennt, sagt er: „Es gab Zeiten,-- da die Tochter die Mutter nicht liebte. Das kommt auch' im-Familienleben vor. Aber die/Mutter liebt die-Tochter immer. Dieses Gefühl! hat auch mich geleitet. Ich habe, denselben Grundsatz,- den der Herr- Feldbischof Pater Zadraveez in .dem Verbände der Lehrer verkündet hat, daß die Gläubige» aller positiven Msigionmr sich-zusammenschließen müsse» .gegen die Negation. Es war in den Achtzigerjahren, als ich in Meiner Eigenschaft als Mitglied der, städtischen Schulkommission darauf, kam, baß man sin einer Schul«., das herrliche Marien lieb nicht in den Unjerrichtsplun ausgenommen hatte, Heber meinen Antrag hat dir Schulkommission .die Lehrey. aufgefordert,^ diese ernste Lücke wieder gutzumachen.. Zur selben Zeit sipen-, dete Probst O l t v a n y i für sämtliche Schulen. Kruzr-. fixe. Ich war der erste, der für die Annah me des. Geschenkes bas Wort ergriff, nach mir unterstützten die protestantischen Seelsorger meinen Antrag, her barm auch angenommen wurde. Ebenso habe ich'. als Mitglied , der Kommission fürdie 25jährige Gedenkfeier der großen Ueberschwemmnngskatastrophe den Antrag ge-- stellt, daß in dem Ueberschwemmungsfriedhofe. wo damals sämtliche Opfer begrabe,: wurde», ein Gedachtniskreuz errichtet werde." Nur in einem Falle hat sich D?. Löw, wie er rhe» tont,' Zurückhaltung auferlegt, und zwar, wenn im. Szegediner Gemeinderat Fragen zur Sprache. kamen, dje die Stadt Szegedin als K'rchenpatron betrafen. Interessant ist auch die folgende Stelle, in welcher er erzählt, daß im vorigen Jahre in „Szegedin 32 Inden di« Taufe genommen habendi Don einem dieser Täuflinge, erfuhr er, daß-der Betreffende eigentlich schon vor neu» Jahren in Men sich taufen ließ und die Taufe jetzt nur deshalb wiederholt, weit er aus Wien kein Uebertrittszeugnis zu erlangen vermag. Löw hielt es nu» für seine Pflicht,'dem Pfarrer Mitteilung davon zu machen, daß jemand mit der Heiligkeit der Taufe Mißbrauch' zu üben im Begriffe sei. Daß. er Horchy als eine „teure Reliqui« meines guten alten Königs" verehrt und ihm wie «in SNave treu ergeben ist, nur nebenbei. Nicht verschwiegen soll übrigens werden, daß Dr. Immanuel Löw, wenn er „das jetzig« Unglück"' überstarlde» habe» wird,, sein großes -Merk.-