Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 791 (10.4.1921)
- Date
- 1921-04-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Mk 4 Men. Sonntag_ Empfang der zionistischen Delegation dnrch de« Bürgermeister von Rew-Dork Rrw-Aork, 6. April. (Jüd. Aorx.-Bur.) Die Stabt Mew-T-srf bereites der zionistisch."» Delegation »Kien herzlichen vssiziellen Empfang. Unter Vorsitz des Nelv-Aorker Bürgermeisters Mr. Hylan und des gewesenen Generalstaalsanw altes Mister Wickersham fand in der Stadthalle ein besonderer Empfang der Delegation statt. Tausende von Juden und Richtjuden, die in die Räume der mit jüdischen Fahnen beflaggten Stadthalle keinen Einlaß hatten finden können, füllten beit umgebenden Park. Die englische Uresse Rew-Aorks widmet der Ankunft der zionistischen Delegation lange Artikel- Auf die Begrüßung antwortete Professor Weitzmann im eigenen und im Namen der länderen Delegierten. Die Krone M esopotamiens Emir Faisul «»geboten? Äorfcm, 9 April. (Privat.) Wie die „Times" aus Jerusalem melden, habe die Regierung Englands die Kvone von Mesopotamien Emir Faisul angeboren, der bereits nach dem Hedschas zurückgekehrt ist. Die Araber hatten den englischen Behörden Garantien getzebeu, daß sie sich nicht Transjordaniens als Angrifssbasis gegen die Franzosen bedienen würden. Es bestehe Aussicht, daß sie zu einem völligen Abkommen vtit Frankreich gelangen werden. Sokolow Ln einer jüdischen Arbeiter- Versammlung. Jerusalem, 7. 2lpril. (Jüd. Korr.-Bur.) In Jaffa hat heule eine Versammlung aller Vertrauensmänner der Mischen Arbei erschast stattgesuriden,. an welcher Nahum Sokolow teilgenommen hat. Die Arbeiterdllegierten forderten die Verstärkung der Einwanderung «nd die Abschaffung der Zertifikate für Einwanderer. Einigung der Parteien in der TLrkei. Liorrstantittopel, 8. April. (Havas.) Marschalk Pascha hat von der Regierung von Ängvra ißm privates Telegramm erhalten, worin ihm der große Erfolg der nationalistischen Streik äste über die griechischen Truppen vor Eski Schehir mitgeteilt wird. Dieses Telegramm scheint die seit der Rückkehr Jzzet Paschas Umlaufenden Gerüchte über ein mit der gemäßigten Partei von Angora abgeschlossenes Abkommen zu bestätigen. Diese Abmachung, die den Herrschenden Retz ierungsdualismu s beseitigen soll, ist in allen Einzelheiten festgelegt und' die Ausführung hängt ^von den anabolischen Ereignissen und der Bestätigung durch den Sultan ab. Opgalizien vor ernsten Sreig«Lssen. Warschau, 9. ylpril. (Tel.-Komp.) Wie aus wohlßnformierter Quelle verlautet, macht sich in den polnischen maßgebenden Kreisen infolge der jüngsten Beschlüsse des Völkerbundrates, betreffend die zukünftige staatsrechtliche Stellung Ost'galiziens. eine stetig wachende Nevosität bemerkbar. Infolgedessen hat man beschlossen, den bekannten polnischen General Josef Haller zu beauftragen, nötigenfalls, in Ostgalizien ( Wiener Morgerrzettrms NpflonolfoMs-Kommisslön tier Bügiiienau. nniniunHn Montag den 11. d. M. um 8 Uhr abends in der Toynbec-Halle, XX., Denisgasse 33 . VORTRAG des Herrn Dr. Israel Waldmann: ^Schilderungen aus dem neuen Palästina.* Eintritt frei! 834$ Eintritt frei! nach dem Muster Zielt gowskis vorzugehen und auf diese Weise die Ententemächte vor eine vollzogene Tatsache zu stellen. Der Exkaiser mutz die Schweiz verlassen. Bern, 9. April. . (Schweizerische Depeschenagentnr.) Der Schweizer Bundesrat hat Exkaiser Karl wissen lassen, es sei wünschenswert, daß er seinen Wohnsitz außerhalb der Schweiz nehme. Sein Aufenthalt in der Schweiz ist daher nur ein vorübergehender^ Die „Erwachenden Ungarn" gegen Karl. In dem C-omnmniquee über die, dreitägigen, Beratungen des Aktionskomitees des BerbÄches ber' ,,Er- - wachenden Ungarn", welche schließlich zur völligen unzweideutigen Lossagung von Exkönig Karl führten, heißt es unter anderem: Das Laiideszentralaktionskomitee des Vevbattdes der „Erwachenden Ungarn" beschäftigte sich mit dem Besuche Karls IV. bei dem gesetzlich gewählten Reichsverweser Ungarns, Nikolaus v. Horthy. Obgleich das Aktionskomitee den Standpunkt, vertritt, daß der Verband M gesellschaftliche Formation sich mit der Tagespolitik nicht beschäftigen könne, erachtet es demwch als seine Pflicht, seine Ansicht in dieser Frage der ungarischen Nation zur Kenntnis zu bringen. Das Aktionskomitee hat mit patriotischer Empörung und tief beunruhigt zur Kenntnis genommen, daß einzelne, den Willien. des Volke) u: d >es Landes mißach ande.Jridividr.en Karl IV. dazu verleiteten, die Ausübung seiner angeblichen Herrscherrechte, auf welche er am 18. November 1918 freiwillig verzich et hat, von neuem aufzunehmen und fortzusetzen, und daß er diese Rechte von Nikolaus Horthyt der gegenwärtig die Macht des Staatsoberhauptes auSübü..zurückfordiert. Mit dieser Erklärung stellen sich die „Erwachenden Ungarn" auf den. Nechtsbod^n der. Oktobristen, welche bekanntlich auch von "dem. Rechtsstandpunkc ausgingen, daß Karl im November 1918 füi: immer auf feine Herrscherrechte verzichtet habe. Die ungarische Krise. BrÄspest, 9. April. (Ung. Tet.-5korr.-Bur.) Zur Entwirrung der politischen Lage werden morgen beim Reichsverweser Kollektivaud lenzen stattfinden. Es werden die Parteiführer mit mehreen Mitgliedern ihrer Partei beim Reichsverweser erscheinen. Heute haben keine Audienzen stattgefunden. Staatenfusioniernng. WaHi-yton, 9. April. (Funkspruch.) Die Republiken Honduras, Salvador und Guatemala haben sich zu einem Staate zusammengeschlossen'. 10. Aprkl 1921 Rr.J&x G§Ms rmd ProuLy hraucheu wieder Geld. Budapest, 9. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bm.) Di« Stadtverwaltung der Hauptstadt Budapest hat zur Erleichterung des Besuches der Orievtmesse das Frem-. denverkehrsbureau der Hauptstadt der Messeverwaltung zur Verfügung gestellt. Das Fremdenverkehrsbureau sorgt für die Unterbringung der zum Besuche der in der Zeit vom . 14. bis 27. Mar zu veranstaltenden Messe erntrefftnden Kaufleute und Industriellen. Wer das Fremdenverkehrsbureau in Anspruch nehmen will, muß seine Ankunft acht Tage vorher dem Fremdenverkehrsbureau anrneüren. Demobilifiernng 1« Polen. Warschau, 9. April. (Tel.-Komp.) Infolge der- Demobilisierung eines Teiles der polnischen Arm« ist ditz Entlassung des Jahrganges 1896 angsordnep worden, in absehbarer Zeit sollen auch die Jahrgänge 1897 bis 1899 entlassen werden. Die Denkmalunruhe« in Teplitz. Pilsen» S. April. (Tschrcho-flow. Preßbur.) Bor de» Divisionsgericht wurde heute das Urte l gegen 11 Soldaten rmd Unterofsiziere der Maschlnengewehrabterlung des Infanterieregiments Nr. 35 gefällt, die während der bekannten - Denkmalunruhrn im November v. I. das Denkmal Kaiser JosrlS v. in Teplitz umgestülzt hatten. Sämtliche' Angeklagten wurden von der Anklage des Verbrechens des Aufruhrs freigesprochen* Wegen V r s ch 8 d l g tut g fremde» Eigentums wurden drei vd» ihnen zy vierMonaten.siebm zu drei Monaten wd einer, der außerdem wegen des Vergehens gegen die Sicherheit deS Lebens angellagt war, zu 4*/, Monaten Kerkers verurteilt. Die Verurteilung der Angeklagte» erfolgte bedingt ans die Dame von zwei Jahren. Keine Offensive Rntzlands. »kirnt, 9. April. (gitni|>tut|0 ,M«stnik" b«. zeichnet die in der fremden Presst verbreiteten Nachrichten von einer beabsichtigten Frühjahrs offensive gegen Rumänien, Ungarn vmb die Tscheche- Slowabei als reine Erfindung. Bukarest, 9. April. (Funkspruch.) Die von der ausländischen Presst gebrachten Nachrichten über eine Bedrohung der rumänischen Ostgrenze entsprechen nicht den Tatsachen; für den unwahrscheinlichen Fall eines, feindlichen Angriffes würde die rumänische Armee ihn abzuweijen wissen. ' Die jüdischen Flüchtlinge in der Tschechs- Slowakei. Pari», e. April. (Privat.) Das Komitee der jüdische» Delegationen in Paris hat die Nachricht erhallen, daß btc Tschecho- Slowake: über 6 00 F l ü ch t l i n g «, die auf ihrem Gcbietr weilen, a n s w e t f t « will. Andiesem Grunde hat daS Komitee sich offiziell an den Außenminister B e n r s ch mit einer Dcpcsche gewendet. Än dieser wird Benesch ersucht, die Ausweisung dieser 600 Flüchtlinge einzustrllen, da diese, die ihre wutschastliche Existenz in der Tschecho-Slowakei.begründet haben, keineswegs eine Gefahr für diesen Staat biüen. Da Minister Benrsch stets der Aktion der jüdischen Delegationen größte Aufmerksamkeit geschenkt hat/ersucht das Komitee um sofortige Znrückziehnng des AnsweisNngSerlasseS. hier sich selbst treu zu bleiben. Nach der wenig« interessante« Musikkonversaücm zwischen Helene und Pichl« dringt Gracomelli Hvrnz etwas gewaltsam ein. Er kommt aus dem Goldland, erscheint aber nicht spanisch, sondern italienisch und' deklamiert ebenso pathetisch als fehlerhaft komisch seine Arre. Ein flottes Walzertempo nach Grinzing« Art zu Ende des ersten Aktes ist echtester Bittn«. -?• Der zweite Akt steht, auch musikalisch, im Zeichen des RaüschgötteS, Dionysos. BreLarrtinnen schwärmen umher, Lrekespaave kommen und gehen. Dazu hat Bittn« in seiner ftischen, unkompliziektsn Art hübsche'Musik gemacht, cchne jede Hypertrophie des Erotischen. Anscheinend leben die Bacchantinnen „am Platze!" in Hietzing tn einem ganz anderen LiebeÄbezirk als im Venusberg oder auf Schrekers Liebesinsel. Langsame und flotte Walzerrempi wechseln mit derb-sinnlichen Tänzen, einschmeichelnde Melodien lösen einander ab, ernste Musik paart sich mit helleren Einfällen, wie der Mozartsche Schlutzfall der Papagena oder ihr munteres Duo mit Papageno. Ergötzlich ist auch die ferne Szene zwischen Mnder-BacchuS und dem vom Polkarhvlhmus begleiteten Hoftat Wokurka, die in Text und Musik ftri nach Schumanns „Widmung" bearbeitet ist, ebenso Binders „Kaffee"-Sch«z, mit Verwendung der Töne c—a—f—f—e als musikalischem Motiv. Auch rhythmisch sind die einzelnen Personen gut charakterisiert, der schlotternde Gang , und das lauernde Wesen des „Alten" kommt auch melodisch durch fern chromatisches Motiv zum Ausdruck. — D« Verführungsszene deS Salbatotre fehlt die dramatische Eindringlichkeit. Helene ist offenbar schon sehr schwach geworden, wenn ste ihm trotzdem nachgibt. Ein Höhepunkt der Oper scheint mir die Szene nach der Verwandlung vor KohlhaymerS Bild, das plötzlich vom Mondlicht bei Trompeten- und Posaunenöegleitung geftraift wird, worauf sich in Helene die Wanitunz vollzieht. — Nach dem Zwischenspiel „Der Hofbauer-Kranz", in dem es so bewegt zugeht wie im Innern deS verliebten Kommissärs, wirb die Musik wienerisch-gemütlichwenn Hof» bau« bün seiner Kohlhahmeriu, seinem Menuett-Tr:o und dem Bier des Stern-Wirten träumt. Aus seinen Träumen wird er jäh herausgerissen, da die den Marchese lirdenden Damen dessen Befreiung erflehen. .Sie sirrgen parodrcrentz Die Kohlhaqmeri«. Oper in drei?lkten von Julius Bittn er. Uraufführung in der Staatsoper. Auch rn der „Kohlhaymerin", Bittn ers erstem nmfikalischen Bühnenwerk, das er selbst als Oper bezeichnet, ist der Künstler sein eigener Textdichter geblieben. Er bringt hier keine Bild« aus Oesterreichs Vergangenheit, sondern die alte, ewig neue Geschichte des jungen, liebedurstlgett Weibes, das nach manchen Irrungen und Wirrungm in den friedlichen Hafen der Ehe einfahrt. — Schon das zweite Jahr lebt die schöne, kaum Kjährige Helene Kohlhaym« nach dem Tode ihres Gatten allein in stiller Zurückgezogenheit, aber diesmal lockt ste d« Frühling stürmischer als im Vorjahre, LenzeSgebot, die lüfe Not, «wacht auch m ihrer BMst und mit .em betäubenden Duft des blühenden Flieders umschmeicheln schwüle Bilder ihre erregte Phantasie. Gleichzeitig tritt eine keineswegs rauhe Wirklichkeit in Gestalt des ritt«lichen Herrn von Pichler auf. der die schöne Nachbarin zu einer Maskenreunion in sein Haus lädt. Der älteste Junggeselle ist froh, die Zusage der lebenslustigen Witwe nach längerem Zögern zu erhalten, und wäre noch wett glücklich«, wenn et ein anderes Jawort d« geliebten Frau mit sich nehmen könnte. Da taucht plötzlich d« pathetische GiacomeU Franz, vor zwölf Jahren HelenenS Jugendliebe, fei ihr auf und bittet sie ebenso stürmisch wie erfolglos, die Seine zu werden. Auch Helenens alter, treuer Dien« Valentin verzehrt sich in stumm«, unglücklicher Liebe zur Herrin. Etwas von dem Blute der „roten Grob", die alle Männer berückt, scheint auch in den Adern ihrer jüngeren, braven Schwest« Helene zu stießen. Selbst dem gefährlichen Einbrecher und Herzensbrecher Marchese di Salvatorre, recte Nowak aus Schwechat, soll sie gefährlich werden. Me lernt ihn Mf d« Redoute bei Herrn von Pichler tarnen und vermag in dem bacchantischen Treiben der schwülen Nacht nach dem Genuß von altem Bordeaux seinem ur^estümen Drängen kaum mehr Widetstand zu leisten. So führt ste wie nn Damm«zustand den Galan, dsffen Verlangen nicht mehr nach Geld, fond«n nur mehr fegg frffineti ist Hre Witwenstagfe, von dem alten Gefährten des Hochstaplers, der Nüchtern und zum Einbruch bereit ist. — In dem Augenblicke, da das weiße Mondlicht auf das Bildnis des verstorbenen Kohlhaymer fällt, kommt Helene zur Besinnung und entflieht in rhr.Schlafgemach. Der erregte „Marchese" will sich'den Zugang dorthin durch Aufbrechen der Türe erzwingen, da kommt rechtzeitig die Dienerschaft und gleich darauf die Polizei, die den Hochstapler cchführt. Nun tritt der Alte auf, der in Salvatorre seinen Fveund verloren Hai, und bedroht Helene mit. der PistÄe. Da erscheint in höchster Not der schmucke Polizerkommissär Franz Hofbauer und rettet Helene das Leben. — In diesem Bühnenreiche d« unbegrenzten Möglichkeiten stellt sich immer der rechte Mann zur rechten Zeit ein. Auch im dritten Akt überstürzen sich die Ereignisse. In dem Bureau des Polizeilommissärs Hofbäuer geht es ebenso fidel zu wie beiry Gefängnisdirektor in der ..Fledermaus". Hi« treffen sich mit der noch immer um den Marchese besorgten Kohlhapmerin alle Frauen, die durch Salvatorre-Nowak zu Schaden oder Schande gekommen sind, beteuern seine Unschuld und erflehen feine^ Freilassung, während er sich bereits längst aus dem Staube gemacht hat. Auch ein im Jargon redender polnischer Jude, der „durchaus ernst darzustellen" ist, rmltz als Opernrequisit Erhalten, da Salvatorre ihn bestohlen und seine Tochter verführt hat. Allmählich dämmert der Kohlhaymerin der wahre Charakter des GaunerL auf und nun nähert sie sich v«trauenSvoll dem feschen Poffzeikommiffär. Er ist ihr, der Allgeliebten, schon langst in ftrn« Anbetung nahe gewesen, nun umarmen ste einander und wib fchevden mit der Beruhigung, daß die Kohlhaymerin nach den Erlebniffen der letzten Nacht eine kreuzbrave Frau' Helene Hofbauer werden wird. Gleich zu Beginn deS Vorspieles «klingt daS synkopierte Motiv der heißblüstgen Frarl in der Klatinette: Es ist Frühling in ihrem Herzen wie draußen in der Natur; Nach der kurzen, heiteren Weis« des biederen Valentin erscheint dre Kohlhaymerin und bringt mit ihrem sehnsüchtigen Gesa, lg rbr ungestilltes Verlangen sehr hübsch zmn Ausdruck. Richard Strauß hat für das Begehren der Chryfothemis ganz andere i Akzente gefunden, aber Bittner rft ehrlich genug, nur auch