Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 790 (9.4.1921)
- Date
- 1921-04-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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K. 7W /Wien, Sanistag lvikisrh- Tätigkeit in Afghanistan nnd in Indien. Lfchttscherin versichert der englischen Re^recurtg, daß die.Näteregierimg f e st e n t s ch l o s s e n 's t i, alle durch das Abkommen übernommenen Verpflichtungen strenge durchz »führen. Mit Bezugnahme auf LsS Begleitschreiben erklärt Tschitscherin, daß den aufgeworfenen Fragen eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden solle. England anerkennt keine Svwjetrnbel. London, 8. April. (Wolfs.) „Daily Telegraph" berichtet, das britische Schatzamt habe die Anweisung erhalten, Zaren-- und Dumarubet als gesetzliche Währung anzunehmen, Kerensky- und Sowjetrubel dagegen nicht. Harding für eine «ene internationale Konferenz. Do'Mon, 8. April. (Wolfs.) Einer Meldung der „Times" zufolge wird aus Washington berichtet, daß die an die Mächte gesandte Note her Vereinigten Staaten als Vorläufer für eine Einladung zu betrachten sei, die Präsident Harding in kurzer Zeit ergehen lassen werde für eine Konferenz in Washington zur Regelung der internationalen Schulden, des Währungsprob lems, der Reparativ ns frage und anderer Hindernisse für den internationalen Handel. Deutschland, England, Frankreich, Italien und Japan sollen ersucht werden, Sonderdelegierte zu entsenden. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die Konferenz im Somnrer stattfinden werde. Faszisten und Kroaten. Triest, 8. April. (Tel.-Komp.) In Dignano kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen italienischen Faszisten und.kroatischen Bauern. Die Bauern unternahmen einen Sturm gegen die Karabiniere- Kaserne. Es sind zwei Todesopfer zu beklagen, fünf Personen wurden verwundet. Mehrere kroatische Dörfer in der Nähe von Dignano wurden in Brand gesteckt. Die „Roten Wölfe" von Ferrara. ' Mailand, 8. April. (Tel.-Komp.) Die Polizei in Ferrara hat eine anarchistische Bande, die sogenannten ,,R o t e tt Wölf e", entdeckt, der etwa 300 Personen rngehören. Es waren verschiedene terroristische Me geplant, so auf das Elektrizitätswerk, mehrere Eisenbahnbrücken pnd Fabriken. Auch die Kaffeehäuser in der Stadt und der Sitz der Kriegsteilnehmer sollten mit Bomben beworfen werden. Die Attentate waren für vergangenen Freitag in Aussicht genommen gewesen. Die tschecho-sLowaLisch-rmgarischert Verhandlungen. Prag, 8. April. (Privat.) Die „Prager Presse" erfährt aus Preßburg, «daß mit dem Beginn der Verhandlungen zwischen der Tescho-Slowaker und Ungarn sor dein 20. April nicht zu rechnen ist. Die Liste der Vertreter der beiden Regierungen wurde aber gegenseitig bereits ausgetauscht. Tagesbericht. Die streitbare Orthodoxie gegen die zionistische Organisation. . Der in der „Agudas Israel" organisierte Teil der jüdischen Orthodoxie hat b;e zionistischen Bestrebungen immer aufs heftigste und oft mit den unschönsten Mitteln bekämet. Er hat über die Zionisten zu wiederholten Malen den Bann verhängt. Nun, da dank der von den verketzerten Zionisten geleisteten Arbeit die jüdische Heimat Palästina zur Wirklichkeit geworden ist, haben die Agudisten ihre Taktik geändert und geben sich selbst itls glühende Zionisten aus, um die zionistische Arbeit unter diesem Borwand stören zu könne«. Porige Woche hat in Wien eine „vertrauliche und geheime" Aguda- Konserenz stattgefunden, über welche uns von streng religiöser Seite geschrieben wird: Dir Agudisten haben vorige Woche ihre Beschlüsse in geheimen Sitzungen gefaßt. Mit gutem Grunde. Sie ahnen nämlich, welcher Dank seitens des indischen Volkes ihnen winkt, tvenn es erfahren sollte, welchen Dienst ihm die sogenannten Führer zu leisten im Begriffe sind. Die Delegierten, welche an dieser Konferenz teilgenommen haben, gehören verschiedenen Kategorien an. Die einen sind Träger einer dem Wesen des Judentums frernden Ideologie deutscher und ungarischer Herkunft. Sie sind fromme Assimilanten, für die kein Mittel..zu schlecht ist, um die nationalen Regungen .im Judentum zu bekämpfen. Die anderen werden teils vott jenen gefährlichen Ideologen ins. Schlepptau genommen, ohne die Tragweite ihres politischen Tun und Lassens zu begreife«, teils von ihrer Abneigung gegen den'Zionismus gesittet, btt sich damit erklären läßt, daß sie in den zionistischen Erfolgen, die sie nicht vorausgesehen haben, die Gefährdung ihres wunderrabbinüchen Prestiges erblicken. Selbstverständlich wird dieses selbstische Motiv hinter religiöser Larve versteckt. Endlich gibt es solche, die aus Schwäche oder aus Furcht, die eigene Position zu ruinieren, mittäten, es aber mit ihrem jüdischen Gewiss nicht vereinbaren Kumten, das. UnLett i* tefr Wiener Morgenzerrnng Juden aller Parteien und RicMnngen! Sonntag den 10. April d. J. um 4/2lQ Uhr vorm, im KomSdienhaus, IX., Nussdorferstrasse 4—6 Sprechen werden Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes Ing. Robert Stricker . über „Die Gegenwart Vmd Zukunft des jud. Volkes.“ HfltlonaMonds-Koimeisslon de; Brigittenau. •niMHiittainni Montag den 11. d. M. um 8 Uhr abends in der Toynbechalle, XX , Denisgasse 33 VORTRAG des Herrn Dr. Israel W a 1 d m a n n: „Schilderungen aus dem neuen Palästina.“ Eintritt frei! Eiintritt frei! schweigen, das diese Konferenz zu stiften sich anschickt. Diesen verdanken wir die Informationen, von denen wir hier das Wesentliche nur kurz mitteilen. Ein Führer der deutschen Agudisten schilderte in grellen Farben die finanzielle Not der Agudas Israel, die nicht einmal in der Lage fei, ihre Agitation gehörig zu betreiben. Um diese desolaten Zustände zu illustrieren, liest der Referent ein Schreiben vor, in dem ihm ein eifriger Agudist mitteilt, baß dieser nur mit schwerer Mühe die Juden seines Wohnortes von Spenden für den Keren Hajessod (Palästina-Aufbausorcks) zurückhalten könne. — Folgende Beschlüsse wurden gefaßt: 1. Die ganze Ene gie der Aguda-Mttglsider soll für die Beschaffung von GeLmitteln aufgewendet werden; 2. eine Delegation soll nach London und eine andere nach Genf abgehen. Diese sollen mit anderen jüdischen, nichtzionistischen Körperschaften in Verbindung treten und gemeinsam oder allein bei der englischen Regierung, beziehungsweise dem Völker bundrat, dahin wirken, daß das englische Mandat für Palästina zugunsten der Aguba abgeändert wird, so daß die Aguda (welche der nationalen Heimstätte der Juden stets entgegengearbeitet hat!) gleichwie die zionistische Organisation als Vertretung des jüdischen Volkes (dessen Existenz die Aguda immer geleugnet hat!) bei Verhandlungen über die Palästina-Fragen anerkannt wird (damit die Zwietracht, welche die Aguda stiftet, auch nach außen hin sichtbar werde!); 3. der Rabbi von Gora begibt sich nach Palästina, Um an Ort und Stelle die Verhältnisse zu studieren und mit den Rabbinern Diskin und Sonnenfeld über die Haltung zu beraten, welche die Aguda in den verschiedenen Fragen, die das Leben in Erez Israel betreffen, anzunehmen hat. Im Verlaufe der Beratungen würde auch' ein Antrag gestellt, mit den Zionisten über die Basis eines Zusammenarbeilens Verhandlungen anzukuüpfen. Der Rabbiner Israel Fried mann aus Cz-srtkow unterstützte diesen Antrag, worüber sich insbesondere der Altstädter Rabbiner sehr erboste. Die Mehrheit lehnte hierauf mit großer Entschiedenheit den „ketzerischen" Antrag ab. Dem besagten Rabbiner F ri ed m a n n gebricht es anscheinend an dem bißchen Mut, um die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, obwohl ihm, wie er selbst in einem Privatgespräch freimütig zugab, die Gefahr für das jüdische Volk bekannt ist, welche der Beschluß der Aguda in sich birgt. Das Treiben der Aguda ist eher geeignet, Mitleid hervorzurufen, denn schließlich ist es auch nur eine Folge der Ghettokrankheit des jüdischen Volkes. _____ Die Ausländer an der Universität. Eine Kundmachung des Rektor-. Die Wiener Universität zählte im ab gelaufenen Wintersemester 11.229 Hörer, unter welchen sich 5652 Ausländer befanden. Der Rektor der Wiener Universität Professor Dr. Dop sch hat gestern auf dem schwarzen Brett an die Studierenden nachstehende Kundmachung erlassen: „Aus Grund des § 2 der Vollzugsanweisung des Staatsamtes für Inneres und Unterricht vom 21. Februar 1920, St.-G.-Bl. Nr. 7 t, und der Verordnung des Bundesministeriums für Inneres und Unterricht, Uttterrichtsverwaltung, vom 8. März 1921, B.-G.-BI. Nr. 150, kann bezüglich der Zahlung des Kollegiengeldes ausländischer Studierender die Gleichstellung mit den Inländern gewährt werden. Ich' weise diejenigen ausländischen Studierenden, welche diese Begünstigungen ansprechen, an, entsprechend belegte Gesuche, die vom betreffenden Dekanat vidiert sind, im Rektorat einzureichen. Ich werde solchen Gesuchen, wenn sie nebst einem Visum eine Befürwortung des Herrn Dekans enthalten, im kurzen Wege stattgeben. Wir haben bereits mitgeteilt, daß diese Erleichterung infolge der Intervention des Oberrabbiners Dr. Chajes bei der Aockefeller-Stiftung eingetreten ist. Die GirrfcheetbuttKe«. Heute endet an der Wiener Universität die Jnskriptionsfrist der inländischen Studierenden für das Sommersemester. Montag den 11. b. M. beginnt die EüMreibung M ausländilÄe Studierende« die bis 6. April vm tzette -—---- r>, i—~» ■ -~n< .'i r -----^ 16, b. M. währt. Gleichzeitig tritt in diesem Sommers semester die Erhöhung der Kollegiengelder und Audi--, tortengelder für Ausländer in Kraft. Die Kollegien-, gelber wurden um die Hälfte, Anditoriengelder auf das! Fünfnndzwünzigfache und die Doktoratstaxe auf de§ Zehnfache erhöht. Für die Ausländer wird daher das! Kollegiengeld für die wöchentliche Unterrichtsstunde von 15 K. auf 250 K-, das Audihoriengelv in Wien von 90 K. auf 1500 K. und die Doktoratstaxe von 1350 K« auf 9000 K. erhöht. Ein medizinisches Studiensemester für einen Ausländer wird bei 20 Vorlesungsstunden in Wien insgesamt statt bisher 400 Knunmehr 6510 kosten. Diese bedeutenden Erhöhungen finden hau.-««! sächlich bei der medizinischen Fakultät Anwendung. ScheckrfKlschtt«ge« dttrch LaWfbrrrsche«. In der gleichen Weise wie Ende Februar der Laufbursche einer hiesigen Großbank, Rudolf Math, seine Dank mit einem gefälschten Scheck um 700.000 Kronen geschädigt hat, haben seit mehr als Jahresfrist mehrere Laufburschen eines hiesigen Geldinstitutes Betrügereien in der Hohe - von 085.000 Kronen verübt. Wir erfahren über diese Angelegenheit folgende Einzelheiten: Das Geldinstitut zeigte am >18. Februar 1921 dem Sicherheitsbureau an, daß ihm am 27. Jänner mit gefälschten Schecks auf den Namen eines Kommittenten ein Betrag von 245.000 Kronen entlockt worden sei. DaZ Institut hat ein Ansuchen des Kontoinhabers um Ausfolgung eines Scheckbuches erhalten und das neue Scheckbuch war dann am Schalter bchoben worden. Unterzeichnet hatte die Quittung ein Mann mit dem Namen »I. Förster"« Das Sicherheitsbureau hat nunmehr diesen Mann in dex Person des 19jährigen Maschinenschlossers Jgüäz Förster, 5. Bezirk, Kriehubergasie 9> am 2. d. M. verhaftet. Förster hatte m dem Institut Genosten, und zwar den Laufburschen Franz Renka. der sich die U-nterschristformulare des Kommittenten in der Bank angeeignet hat und damrt die Unterschrift auf dem Briefe mit dem Ansuchen auf ein «Scheck« lonto und auf dem Scheck selbst gefälscht hat. Das Scheckheft behob dann Förster, der mit dem gefälschten Scheck auch das Geld entgegennahm. Als dann die Bank au den Kommittenten die Verständigung von der erfolgten Abhebung brieflich einsendete, haben die Laufburschen Karl Hruska, .noch nicht 18 Jahre alt, 4. Bezirk, Phorusplatz 3, und Thomas- Strassak, 17 Jahre alt. 15. Bezirk, Oeverseegaste 45. im Expedit die Briefe unterschlagen. Die entlockte Summe wurde in der Weise aufgeteilt, daß Franz Renka 32.000, Hruska. 35.000, Förster 40.000 und Strassok 10.000 Kronen erhielt. Der Rest der Beute siel aus den Bruder des ■ Renka, den 20jährigen Schlossergehilfen Johann Renka, der vom Wiener Lndesgericht am 7. Imst. 1916 wegen ... Diebstahls mit einem Jahr schaueren Kerker bestraft ist, und von dem es hieß, daß er in Graz wohne. Bei den Verhöre«, behauptete Franz Renka, daß sein Bruder Hans der' An-! stister des Betruges sei und den Hauptanteil am Erlös nicht nur in diesem Falle, sondern auch bei mehreren weit zurück- - liegenden Gaunerstreichen mit falschen Schecks erhalten habe. Franz Renka gab auch Aufschluß zu drei weiteren Glücksfällen, bei denen Hans gleichfalls Urheber und Anstifter war. Den ersten Betrug in der geschilderten Weise hat Hans Renka unmittlbar nach der Entlassung aus seiner Strafhaft am 13. Februar v. I. aus den Namen eines zweiten Kommit-' teilten mit einem entlockten Scheckbuch und einem gefälschten Scheck verübt und dabei 60.000 Kronen beheben. In diesem Falle war ebenfalls Franz Renka der Fälscher, während zwei Laufburschen, der schon genannte Karl Hrusta und detz 20jährige Hermann Waloszek, der zurzeit Wehrmann bei dem 2. Bataillon des Infanterieregiments 1 ist, und in der Stiftskaserne beqüartiert ist, den Bvief mit der Belastungsanzeige. beseitigten. Der zweite Betrug wurde Mitte Mai vorigen Jahres in dem gleichen Geldinstitute verübt. Dabei wurden an einem Tage 100.000 Kronen, am folgenden Tage 80.000 Kronen mit gefälschten Schecks auf den Namen eines drittel Kommittenten behoben. Der dritte und letzte Betrug vor dem jetzt aufgedeckten toittfce am 18. Oktober vorigen Jahres verübt und kostete - dir Bank bare 200.000 Kronen, die in gleicher Weise jftit entlocktem Scheckbuch und gefälschtem Scheck auf den eines vierten Kommittenten behoben wurden. Antisemitischer SittttchkeiLsLoUer.. - In dem „Spandauer Tageblatt", erneut' „amtlichen" Organ deutschvLMscher Färbung, findet sich - folgende Schilderung: Palästina in Spandau.. Das Warenhaus Hirsch veranstaltete in den Konkordiasälen ein Frühlingspest. Einige unserer Leser hatten Gelegenheit, das Treiben bei diesem Feste zu beobachten. Erbittert teilen sie unS das Gesehene mit, wie betrunkene Juden, halbwüchsige Bengels und ältere. Lebemänner dort deutsche Mädchen als Dirnen benützten. Zn bedauern sind jene armen Mädchen, die kein Tüpfelchen Ehr- und Schamgefühl mehr besitzen, daß sie um eines aus der Brieftasche schauenden. Tausenders willen, ihren Leib jenen zum. Opfer bringen. Aber regt sich in euch deutschen Männern nicht schon ob dieser kleinen Andeutungen — man kann ja leider GotteS bei der heutigen Pressefreiheit" nicht alles sagen» obendrein sträubt sich die Feder eines deutsche« Mannes, jenes wiederzugeben — regt sich in euch nichts? Rüttelt euch das nicht auf auS eurem Taurnel. wollt ihr eure Töchter, eure Schwestern weiter von Juden zu Huren mache« lasten? Auf, erhebt e,uch gegen diese Schmach, di» um nichts geringer ist. als die schwarze Schmach am Rhein. Kein Jude hat das Recht, ein deutsches Mädchen auch nur anzurühren, geschweige denn..." Hiezu bemerkt die „Freiheit", daß gegen den Verfasser dieser „Schilderung" die Strafanzeige erstattet wett Itt das Browüm einer ErüLellmra büdetz.s 3999660897