Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-04-09 · Heft 790 (9.4.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 790 (9.4.1921)
Date
1921-04-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2979869--07214-2993243
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 3 sjüfcit, Samstag Wiener Morgerrzeitung 9. Apttl 1V21 ' Nr. Inland. Die römische Konferenz. Ra«, 8. April. In der Vormittagssitzung der St. 0 n* ferenz der Nachfolge st aaten konstituiert?: sich die Kommission fiir juristische und Verwaltungsangelegenheiten. Rucci-NusaNi wurde zum Vorsitzenden, Chwalkowskr (Tscheche-Slowakü), NemeS (Ungarn), Antonescu (Rumänien) zu seinen Stellvertretern gewählt. Die Kommission' begann hierauf ihre Arbeiten. In der Nachmittagssitzung konstituierte sich die Kommission für wirtschaftliche und finanzielle Angelegenheiten, unter dem Vorsitz des italienischen Staatsrates Breechi, den Gesandter Kwiatkoski (Oesterreich), Antonievie (Jugoslawien) und Racinski (Polen) im Vorsitz vertreten werden. In Konferenzkreisen witt> der Wahl eines Oesterreichers und eines Ungarn zu Vizepräsidenten einer Kommiission, in der die Verbündeten durch offizielle Delegierte vertreten sind, große Bedeutung beigelegt, da hiemit zum ersten Male Vertreter bisher feindlicher Lander eine so hohe Würde in einer internationalen Konferenz bekleiden. Die österreichischen Vertreter find im Laufe des heutigen Tages zu mehrfachen Besprechungen auf der österreichischen Gesandtschaft zusamme^getreten. Die österreichisch-tschechische» Handelssertragsverhandlungen. Prag, 8. ylpril. Heute sind im Handelsministerium die österrelchijch-tschecho-slowakischen Handelsvertragsverhandlungen wieder ausgenommen worden. Nachdem in einer Plenarsitzung der beiden Delegationen das Verhandlungsprogramm festgelegt worden war, traten die einzelnen Komitees zur Beratung von Spezialsragen zusammen. Morgen soll die erste Losung des ersten Teiles des Handelsvertrages b.gönnen und womöglich beerttet werden. Ueber die meisten Punkte ist beinahe das Einvernehmen erzielt. Vollständig abgeschloss n ist bas schon in Wien vereinbarte Beterin rvaükommen, das nunmehr auch vom tschecho-slowakischrn Ackerbauministerinm genehmigt worden ist. Gleich eitig mit den handelspolitischen Verhandlungen wich gesondert über die noch offenen finanzpolitischen Fragen verhandelt. Die Waffendiebstahle itt TiroL. Innsbruck, 8. Slpril. Wie die „Dolkszeitung" «reibet, erschienen gestern die Nati»nalräte Abram und Scheibe in beim Oberstaatsanwalt von Innsbruck und legten ihm Material über die Waffendübstähle, in Kransach und den Munitionsdiebftrhl in der HöLtingerau vor. Sie erklärte,?, die organisierte Arbeiterschaft Tirols werde daraus bestehen, daß die Diebe und ihre Hehler bestraft werden, und verlangten, daß von den Behörden rasch gehandelt werbe. Die beiden genannten Nationaträte haben von diesem ihren Schritt bei der Innsbrucker OberstaaLsanwaltschaft den Justizminister telegraphisch verständigt. TelegMMme. Exkaiser Karl bleibt in der Schweiz. Bern, 8. April. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, den gewesenen Kaiser Karl bis auf weiteres demAufenthalt auf Schweizer Gebiet zu gestatten. Nach den neuesten Berichten ist es jedoch wahrscheinlich, daß der Exkaiser dauernden Aufenthalt in einem anderen Lande,' voraussichtlich in Spanien, nehmen werde. Bern, 8. April. (Schweiz. Dep.-Ag.) Exkaiser Karl hat den Wunsch geäußert, bleibenden Aufenthalt in der Schweiz nehmen zu können. Die ihm vom Bundesrat erteilte AusenthaltsbewUligung in der Schweiz hat bekanntlich nur provisorischen Charakter und gilt nur f ü r e i n i g e Tage. Der Bundesrat wird demnächst darüber entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen Exkaiser Karl sich wieder dauernd in der Schweiz niederlassen kann. Genf, 8. April. (Schweiz. D-ep.-Ag.) Nach.Erkundigungen aus zuverlässiger Quelle wird die Familie des Exkaisers Karl die Villa Prangins Ende Viril verlassen. Die ungarische Krise. Erklärungen des Ministerpräsidenten Teledr. BÄapest, 8. April. (Ung. Del.-Korr.-Bur.) Ministerpräsident Graf Tele kr erklärte heute Zeitungsberichterstattern gegenüber:. Es gibt t e ine Krise. Eine formelle Demission ist nur seitens des Außenministers Dr. Gratz erfolgt, der schon am 4. d. M. seinen Rücktritt angemeldet hat. Ich habe weine Demission dem Reichsverweser angeboren. Der Reichsverweser erklärt jedoch, er sehe keinen Grund für die Demission und er halte sie im gegenwärtigen Augenblick für höchst unangezeigi. Ich werde mit den Führern der Parteien heute noch in Fühlung treten und hoffe die Krise in kürzester Zeit zur allgemeinen Zufriedenheit lösen zu können. haben, fegte der Ministerpräsident weiter, eii'-:.;:n außenpolitischen Erfolg (!?) Wir haben ein Problem auf die^mögdeHe Art gelöst, gut, daß Mst m AuslLLÜ Die WMtisn für Oesterreich. Der Bericht der Ftnanzfektion des Völkerbundes. London, 7. April. (Reuter.) Die Finanzsektion des Völkerbundes hat den Bericht üb.^r die Hilfe für Oesterreich fertiggestellt.Die Sektion hofft, daß die bei der Londoner Konferenz nicht vertretenen Regierungen ebenfalls so bald als möglich zu dem Entschluß konnnen werden, die aus dem Vertrag von Saint-Germam erwachsenen' Pfandrechte auf eine Reihe von Jahren zurückznftellen. Dies sei die Grundbedingung für die Wiederherstellung des österreichischen Kredits.' Die Sektion Ichlägt vor, daß die Rück st ei l u n gs Periode nicht kürzer als z w a n z i g I a h r e sein dürfe. Alle während der ersten fünf Jahre von der Sektion genehmigten Anleihen sollen die Priorität vor den suspendierten Pfandrechten auch über, die Frist von zwanzig Jahren, hinaus genießen, bis ihre Rückzahlung erfolgt ist. Das Entfernen der Handelsbarrieren zwischen den Staaten ist von Beö'utung. Die Sektion hofft, daß die Konferenz von Portorose rasch zu Ergebnissen m dieser Richtung führen werde. Die Sektion dringt auf eine schnelle Lösung des Probl.ms 'der Schuldenaufteilung der früheren österreichisch-ungarischen Monarchie. Oesterreich solle einen genügenden Teil der Aktiven der Bank erhalten, damit die Reorganisation seiner Emissionsbank erleichtert werde. Es sollen sofort Schritte unternommen werden, um eine öffentliche Anleihe aufzulegen, die ganz oder teilweise das bestehende Budgetd^fizit decken würde. Die Ausgaben sollen insbesondere in bezug aus die Zubußen und den Beamtenstaat eingeschränkt werden. Die frühere Organisation der Oesterreichisch-ungarjschen Bank soll für die Anleiheoperationen Verwendung finden. Die Ausgabe einer inneren Anleihe isteine wichtige Voraussetzung für die Erlangung einer äußeren Anleihe und fiir die Anwendung des von der Finanzsektion angenommenen Systems von Anleihen und Krediten aus Sicherheiten. Die Sektion sammelt die notwendigen Informationen, um in dem Augenblick, m dem sie die nötigen Vollmachten erhält, rasch handeln zu können. Wenn die oben genannten Bedingungen angenommen werden, ist die Sektion bereit, die Aufgabe, die anerkannt wird, daß eine bessere Lösung kaum hätte gefunden werden können. Es wäre sehr schade, wenn dieses moralische Kapital jetzt, verloren ginge. .Was die Kundgebung des K ö n i g s betrifft, so kann ich es nur als Rabulistik bezeichnen, wenn behauptet wird, die Form der Veröffentlichung käme einem gegengezekchneten Regierungsakt gleich. Die Frage der Besetzung der Portefeuilles, schloß der Ministerpräsident, macht keine Schwierigkeiten. Das Portefeuille des Innern wird der Partei der kleinen Landwirte zufallen, ebenfalls das für Volksernährung. Gespannte Beziehungen zwischen Italien und Ungarn. 8. April. Der „Dosfischen Zeitung" zufolge schreibt der römische „Tempo" in einer vom Ministerium des Aeußern inspirierten Besprechung der Lage, daß Karl von Habsburg zwar abgereist sei, daß aber die Haltung der ungarischen Regierung n:ch der Abreise wie eine Herausforderung an die kleine Entente klinge. Solange die gegenwärtige Regierung in Ungarn sich t nicht ändere, müßten auch die italienisch-ungarischen Beziehungen gespannt bleiben. Auslösung des polnischen Oberkommandos. Warschau, 8. April. (Funkspruch.) Das polnische Oberkommando wurde aufgelöst, da mit dem Abschluß des Friedens seine Ausgaben erledigt sind. ReLonstrnktlon des polnischen Kabinetts? Warschau, 7. April. (Privat.) In politischen Kreisen wird eine Rekonstruktion des Kabinetts als bevorstehend erachtet. So soll ' der Außenminister S a p i e h a, >dem von verschiedener Seite zum Vorwurf gemacht wird, daß es ihm nicht gelungen sei. bei der Abstimmung in Oberschlesien die getrennte Abstimmung der sogenannten Emigranten und der autochthonen Bevölkerung bei der Entente zu erwirken, zurücktreten. Es heißt, daß bei 'der nächsten.Sitzung des Sejmausschusses fiir AeutzereS die Linksparteien ein Mißtrauensvotum für Sapieha beantcagen wollen, dem sich auch einige extremrechte Mitglieder des Ausschusses anschlietzen würden, da die Nationaldemokraten darüber verstimmt sind, daß Sapieha den ihnen verhaßten früheren Außenminister P a t e k zum Gesandten in Japan ernannt hat. Als Nachfolger Sa- Prahas wird Roman Dmowsky genannt, welcher infolge seiner Differenzen mit Lutoslawski, die sich bei der letzten Abstimmung über das Verfassungsprojekt offenkundig zeigten, aus. der nationaldemokratischen Pattei austreten und zur Piast-Gruppe übergehen soll. Die Pattei des Ministerpräsidenten W i t os hat bei ihrer Konferenz in Krakauj an welcher mehr als 460 Vertreter aus allen Teilen Polens teilnahmen, unter anderem beschlossen, nicht einzelne Minister wie Sapieha oder Skulskr aus dem Kabinett abzuberufen, sondern nach erfolgter Demission des Gesamtkabmetts eine allman ihr gestellt hat, zu übernehmen. Dazu gehött dis Verwaltung der betreffenden österreichischen Aktiven und die Kontrolle über die Verwendung von Anleihen und Krediten. Die Ausgabe aller äußeren Anleihen müßte der Genehmigung durch die Sektion unterliegen. Der Bericht erklärt: Das vorgeschlagene Werk pass« durchaus in den Nahmen des Völkerbundes und die Oesterreich angebotenen Bedingungen weichen in keiner Weise von jenen ab, die von der Brüsseler Konferenz als uNunerlaßlich bezeichnet würden, falls die inneren FinanHM eines Staates durch eine internationale Aktion verbessert werden sollen. Solche Bedingungen bedeuten feinetlfj Schädigung der Souveränität der dem Völkerbund 0 gehörenden Staaten. Wie die Politische Korrespondenz zu diesem Reuter* Telegrarnm erfähtt. stimmen diese Meldungen im allgemeinen damit überein, was man bisher über die Stellungnahme der Finanzkommission des Völkerbundes erfahren hat. Es geht daraus hervor, daß das Komitee sich nicht auf die Frage der Beschaffung bestimmter Kredite beschränk, sondern einen umfassenden Plan verfolgt, in dessen Vordergrund die Sanierung des österreichischen Geldwesens und der österreichischen Finanzen steht. Die Verhandlungen über die Frage der äußeren und inneren Anleihen werden nächste Woche nach Ankunft der Vertteter des Finanzkomitees in Wien stattfinden. Dann erst wird volle Klarheit über den Plan gewonnen werden können. Es kommt jetzt in erster Linie darauf an, daß in der Durchführung der Aktion keine Zeit verloren wird. Sowohl die Zusage des Obersten Rates, als auch das rasche Tempo, in dem die Finanzkommission des Völkerbundes bisher vorgegangen ist, lassen die Erwattung berechtigt erscheinen, daß die Aktion nunmehr in raschem Flusse konkretisiert wird. Die Entscheidungen über die Verhandlungsergebnisse in jedem einzelnen Falle hängen natürlich von . der Zustimmung der österreichischen Regierung - im Einvernehmen mit der Legislative ab. gemeine Rekonstruktion durchzuführen. Bis dahin sollen Sapieha. Steczkowski und andere Minister ihre Portefeuilles behalten. Barthou wird Deutschland am Kragen fassen. Pytts, 7. April. (Havas.) Im Lauf« der Debatte, über das Budget des Kriegsministeriums im Senat erklärte Kriegsrninister Barthou, im KriegsbudHet seien 132 Millionen erspart worden. Er sei für' die unverzügliche Herabsetzung der Militärdienstzeit auf 18 Monate und sei überzeugt, daß eine weitere Herab* setzung später werde eintrettn können. Der Minister fügte hinzu. Nach dem Berichte General Nolletsi setze Deutschland seine Politik des Widerstandes und' der Unaufrichtigkeit fort und wende alle Verschleppungsmittel an, um sich der Ausführung seiner Verpflichtungen zu entziehen. Die Stunde werde kommen,.wo es der Gewalt werde weichen müssen.. Das Kriegsbudget erhöhe^ sich infolge der drückenden Unterhaltskosten der Armee noch um namhafte Ziffern. Der Minister schloß: Vom besiegten Deutschland hängt es ab, den Frieden zu sichern. Wenn es dies nicht will,, dann wird es fühlen, daß wir die Macht für uns haben. Ich habe die gefährliche Ehre, im gegebenen Falle dir Hand zu führen, di« Deutschland am Kragen fassen wirb, aber dazu muß ich die Mittel der Aktion fest in der Hand hallen, deren Verfügbarkeit das Parlament mir sichern lvird. Für eine« Sonderfrirdeir Amerikas mit Deutschland. Patts, 8. Llpril. (Wolfs.) Die „Chicago Tribüne"; berichtet von einer Konferenz, die zwischen Staatssekretär Hugh es, dem für den Londoner Posten bestimmten Colo:.el Barvah, Sena'.or Lodge und Senat.»: Knv x stattgesnndon habe. Alle Anwesenden hätten sich über die Resolution Knox' für einen Sonderfried u mit Deutschland günstig ausgesprochen. Der neue preußische Ministerpräsident. Berlin, 8 April. Wolfs) Wie in gut untelrichtelen Kreisen verlautet, wird der Zenttumsabgevrdmte Herold preußischer Ministerpräsident werde«. Der rassische Towjetdelegierte bei Sforza. Rom, 8. April. (Stefani.) Minister des Aeußern Graf Sforza hat heute den Führer der russischest Handessmission Worowski empfangen. Tschitscheri« verspricht Loyalität. Smi&M, 8. April. (Wolfs.) I» einer schriftlichen Antwort,teilt Lloyd George dem Unterhause mit, daß ein Telegramm T s ch i t s ch e r i n s den Empfang des englisch-russischen Abkommens durch Kurier vom 31. März bestätigt und zu gleicher Zeit den Empsallg des. K-rafsiu überreichten Schreibens über die bolfche- V.>. y=htiii

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.