Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 789 (8.4.1921)
- Date
- 1921-04-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Men. Freitag Wiener Morgenzeitmrs & April 1921 Ir. 7SS Gelte 4 herabsetze». Dieser Plan hat zum Streik der Bergarbeiter geführt, zumal die Negierung jede Subvention eines der beiden Streit teile ablsbnte. Die englische Krise ist nichts anderes, als ein TeilausfchniLt aus der. großen Weltkrise und ihre Beilegung kann nur gelingen,^ wenn zugleich das Uehel unserer heutigen Zeit/ biß1 französische Gewaltpolitik, beseitigt wird, die nicht'.den deutschen Kapitalisten, sondern den deutschen' Arbeiter zur Tilgung der Reparationen heranzieht. Die Meldungen, die aus England einlaufen, brrichten vielfach über Ruhestörungen und über Ersäufun-: gen von Bergwerke», die dadurch, entstanden sind, daß die Streikenden die Pumpen verlassen habe«. London, 7. April. (Muter.) In der Konferenz beg Premierministers Lloyd George mit den Bergarbeitern haben dies« es abgelehnt, den Pumpenarbeitsru die Wiederaufnahme der Arbeit , zu gestatten, da sie dadurch eine ihrer wirksamsten Waffen verlieren würden. Die Delegierten der Bergarbeiter habensodann mit den Delegierten der Eisenbahner - und der Transportarbeiter beraten. In Downing streßt ist ein Kabinetts.- ra.t zusammen getreten. Inland. Das KabLnett Mayr in Not. Die Ehristlichsozialen haben sich von ihrer, begreiflichen Verblüffung über den Verlauf der Ereignisse in Ungarn bereits erholt und suchen nach einem Prügelknaben. Mit der Parole „Jud!" ist in dieser Artgelegenheit kein Staat zu machen, und so suchen sie sich an ihrem Kanzler Dr. Mayr schadlos zu halten.. Minister Glanz ist aus dem Kahn ausgestiegen und die kaiserlich republikanische Partei läßt durch eine Korrespondenz erklären, daß die Regierung Mayr viele solche 'Belastungen wie die Glanz-Krise nicht ertragen könne. Herr Seipel hat bereits die Presse, die eine Woche lang nicht aus noch ein wußte, zum Sturm-vorgeschickt. Die „Reichspost" redete gestern ' auffallend viel von Schweifwedeln und kann ihren Zorn über die scharfen Worte Dr. Mayrs gegen Karl nicht verbergen. Allerdings hat sie die richtige Orientierung noch nicht gefunden. Sie ist noch auf Horthy eingeschworen, gegen den fotzt in Ungarn der Kampf beginnt. Mit -der Koalition scheint es nichts zu werden, die Großdeutschen find auf der Gegenseite. Die Christlichsozialen wollen also — da ja auch Landtagswahlen kommen — die rauhere Seite der Volkspartei hervorkehren. Vizekanzler Drerfky Leiter. des Bundes- Ministeriums für Inneres, Anterrrcht und Seeresivesen. Bundesp'.asidrnt Dr. Harnisch hat an den Bundeskanzler Dr. M a y r folgendes Schreibcn gelichtet: .Heber den mir zur Kenntnis gebrachten Wunsch enthebe ich den art der Leitung des Bnndesmiuistermms für Heere wesen betrauten BundcSmimster für Inneres und Nnreuicht Dr. Ego» G l s n? nur heutigen: Tage vom Amt-. Gleichzeitig betraue ich über .Ihren Vorschlag den Vittkanzle: Walter B r e t f f » gemäß Art. 71 des B-mdssver ^.ssungsgeietzeS mit der Leitung der Bundesmi»ist-r:m für Inneres und Unterricht und für HeeieZwrsrR." . _ Sir Gsode in Me«. Sir William Goode ist nach Wien zurückgekrhrt und 1nt grsirm bereits einer Sitzung der Wiener Sektion der NeparanoriSkomm-jsion präsidiert. _ Friedrich Ad Zer gegen die KoaLMsrr. Mittwoch abends befrßke sich, wie die «Ärbeiter-Zeitung" meldet, der Wiener K r e i s a r b e r t t x r a t mit der polst'.- schen Lage. Dr. Friedrich Adler polemisierte in seinem Rettrüt gegen die Kommunisten und kam sorcinn ans die nt der l tzien ' Zeit virbreiirten Gerüchte über e ne neue r v n e r v o l i t i s ch e Koalition zu sprechen Ec faßte: Im Laufe der letzten -wer Jabre hat es lernen Moment gegeben, in dem die Sozialdemokra:en der Koalition ferner gestanden sind als jetzt. Sie befinden sich in der Opposition tvohlrr denn je. Dir Lage ist f» Günstig, daß wir heute als Oppositionspartei mehr durchgesetzt haben, als wir in der Koalition dmchfiyen könnten. Du Sopaldemolratie hat g a r kein Bedürfnis, den bürgerlichen Paneren etwas von ihrer Verantwortung abzunehmeu.wi. gönnen sie ihnin restlos nnd sind deren, die Lage als Opposilionsvariel weiter a u s z u v ü tz e n. wie w r es bis jetzt getan habe«. Der Krris.nbeitemN nahm tynn bei Ctrmmcnenthaltung der Kommunisten eine Resolution an, die lautet: ,Der Kre«s» ckrbciieirat billigt die Bo> kehrungen und die Taktik der E^kutwe Gelegentlich des Abenteuers Karl HabSburLs." Kommifsion für AnqelegeuhsiLE des wirtschaftlichen Wiederaufbaues Oesterreichs. Die Kommission für Angelegenheiten deS wirsifhaftlichen, DiLve-rauflraues nahm in ihrer gestern ftattgefunderren Sitzung Referate der Abgeordneten Freundlich und des Kammerrates P a b st über die Frage des Abbaues der zentralen Bewirtschaftung der Lebensmittel entgegen. Nach eingehender Wechselrede faßte die Kommission folgende Beschlüsse: Die Kommission erkennt mit Rücksicht auf die bestehenden außerordentlichen Verhältnisse bis auf weiteresüte Verpflichtung des Staates an, die minder kaufkräftigen Bevölk.rungskreise zu versorgen. De: Staat soll zur Versorgung solche gemeinipützigL Organisationen heranziehen, dir frei von jedem Monopol wirken und grundsätzlich die Berücksichtigung der verschiedenen Jnteressentengruppen gewährleisten. Ueber die Art und Zusammensetzung dieser Organisationen wirb bis Kommission .Vorschläge erstatten, sofern sich die Bundesregierung grundsätzlich auf den Boden dieses Beschlusses stellt. - Im Anschluß hieran erstattete Sektionschef im Bundes- .ministeriurn - für Aeußeres- Dr. S ch ü l l e r einen' Bericht über die Ergebnisse der letzten Verhandlungen der österreichischen Landesregierung in London und Paris. Dre Hilfe für Oesterreich. Paxi-, 7. April. Das Sekretariat des VölkebundS trist M't. daß die Note der Finanz'ommissiou. betreffend die Hilfele siung für Oest rreich. an dre allnttl« Rettungen zu Hände« des Premlrrmmistcrs Lloyd George sowie au dir W r tf» et R r g i e r u n g vnd an den R^a t desBSlkerbu»des r « G e n f abxrstndel worden ist. Oasore Kummer vom Sonntag den 24. April 1. J. . «raeheint als Passah•Festnnmmer mit einer literarischen Beilage und in verstärktem . Umfange. Dieselbe wird auch a’s Ansichts-Nummer für unsere Auslandspropaganda verwendet und in mehreren tausenden Exemplaren in das gesamte Ausland, insbesondere nach Polen, Jugoslawien, Tschecho-Slowakei, Rumänien, Italien und England versendet werden. Daher erhöhte'Wirksamkeit der Insertion. Normaler Anzeigentarif. I Inserate werden entgegengenommen: In unserer Administration, If., Taborstrasse 1., sowie von allen Annoncen-Expeditionen. Auf telephonischen Anruf (Nr. 44*0 83 und Nr. 438-19) Besuch durch unsere Vertreter. sis Exkaiser Karl in Luzern. Paris, 7. April. (Tel.-Komp.) Nach einem Bericht des „Matin" wartet Exkaiser Karl in Luzern die Entscheidung des BundeZrabes über sein weilerez Berbleibeu in der 'Schweiz, ab.'Nach Mitteilungen aus seiner Umgebung wäre es Hm sehrschmerzlich, wenn er die.Schweiz verlassen uttfe nach Spanien übersieöeln müßte. Auch von Prang ins trenne er sich sehr schwer, da dort das Klima für seine Kinder außerordentlich heilsam sei. Bern, 7. April. (Schweizerische Depeschmagentur.) Der definitive Aufenthalt für Exkaiser Karl während seines provisorischen Verweilens in der Schweiz wirb noch bestimmt werden. Der - Kanton Waadt und die Grenzlandone sind ausgeschlossen. Der König muß sich ferner verpflichten, sich jeder politischen Betätigung zu enthalten und seit« Abreise aus der Schweiz 24 Stunden vorher anzuzeigen. Dr. Renner über den Pntsch des Exkaisers. Wie die „Arbeiter-Zeitung" meldet, sprach Doktor Renner,am Mittwoch in Klosterneuburg über die Putschaffäre. Er führte aus: Durch die Mise des Habsburgers hätte neuerlich namenloses Unglück über uns kommen können. Denn da die Tschechen. Südslawen und Rumänen entschlossen', sind, die Wiederkehr der Habsburger unter allen Umständen zu verhindern, hätte die Ausrufung Karls zum König sogleich den Krieg zur Folge gehabt. Wirkwaren aber aufs schlimmste in Mitleidenschaft gezogen worden. Aber nicht einmal in -Ungarn ist das Abenteuer gelungen; es wird sich schon noch zeigen, daß der monarchistische Kurs in Ungarn ein reiner Bluff ist. daß es auch in Ungarn den Kleinbürgern, Bauern und Artei'ern nicht einfällt, sich nach der Monarchie zurückzusehnen. Im Augenblick der grö" ien Erschütterung und Derzweiflnnq des Landes ist es dort einer Gruvpe von Offi-ieren. die käufliche ode" ve brecheriicheßt-me-itc um f'ch simrnelten, gelungen, eine Mili^ä-macht auszurich'en und das Volk niederzuhal'en. Im Ve ein mit b-'N Arifto'raten, Pfaffen, Kavi^listen und der Presse haben sie die Herrschaft an s'ch oe-iisen und dem Volke einaeradet, das geschehe im J"ie"e'fe der Ordnung, im Interesse de? Köuia'nms. Sie haben ale" d^s Bild des Königtums nur gebraucht als Vorwand für die Wre^eraufrichtnnq ihrer eigenen Söbelkerrschnft und die Wrederlierste^nng der Herrschaft de? Kapital? u-b des Gvongrundbesi'-e?. Jedt aber, da sie die Herrschaft wieder haben, brauchen sie das Bild nicht mehr. Ein König bloß kn der Figur ist ihnen lieber als ein König in Natur. Sie staben istn düster wieder h-inigeschickt. Ue^edie Beweaa'-ü-be d^r Nekie sag'« Nenner: Der Dalles erklärt alles! Die Hofhaltung in der Schweiz kostet bei den Sch weiter Franken ' viel Geld und bte achtzig Gefolgsleute sind wie die Haifische in der Menagerie: sie wollen gefüttert werden. (Große Heiterk. it.) Also fuhr^Karl nach Ungarn und sagt«: „Hier bin ich und ich werde bas Land lebend nicht verlassen." Und nun ist er schon auf der Heimreise. (Heiterkeit.) Vorher hat er wenigstens noch eine Z i v i l l i st e y e r a u s g e f ch läge n; damit er seine achtzig Haifische füttern famr, wenn er he'mlommt. Wir werden durch ein-Grs^tz festlegen mttf'sen, baß - jeder eine strafbare Handlung begeht, der den Versuch unternimmt, die Habsburger Mrückznfähren. Wir werden uns gegen die Narren zu schützen wissen.' (Beifall.) Strafrechtliche Deftimmunqen im Gesetz Wer die Landesverweisung der Habsbrrrger. In der heutigen Sitznna des Beriaffuna?au8fK«ffe» wurde an Stelle >e8 Adaeordne»en Dr S e i p e 1. der feine Obmanns stelle zuriickgleet holle, Abgeordneter Schmitz zvm Obmann gewakill. Dir Berichterstattrma über den Antrag S'itz nnd Genoste« wegen Erlaffung nnes Gesetze?, besteffend strafrechtliche Bestimmungen m dem Gt'etze über r-ie Lcmdtsvttweäung und die Ueber» nähme des Vermygens des Hauses Habsbsrg-Lothrlngeu, wurde dem A'.)geordnet tt Dr. Renner maewiesen. Dre näwste Sitzung findet Moutag den il. d. M, u« Vjit Uhr vormittags, statt. ■ -m Laibach, 7. April. (Korr.-Bur. Laibach.) Nach! Blättermeldungen aus Be lgrad wird die Abreise des Exkönigs Karl aus Ungarn in Belgrad mit 336» friedigüng .zur Kenntnis genommen. Zugleich wird mitgeteilt, daß die bereits verfügte Bereitstellung breieis Armeekorps werde widerrufen werben. j Den Blättern zufolge werden die jugoslawischen Gesar.dSchäften im Auslande den Auftrag erhalten, bei' den befreundeten Regierungen zu intervenieren,, damit: jede Wiederholung .eines ähnlichen Putschversuches' wie des ^letzierr hintangehalten werde. Telegramme. Teleki Wer die Krise. Budapest, 7. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) .Ministerpräsident Graf Teleri hat Pressevertretern gegenüber in der Angelegenheit der Krise erklärt; Zwei Dinge haben die Gemüter in Aufregung versetzt. Zunächst die gestrige ltkede des Ministers des Aeußern Dr. G.ratz, beziehungsweise ein bis zwei su'bjektibei Momente dieser Rede..Das Bedauerlich? an diesev Sache. ist. daß einzelne Mitglieder der Nationalversammlung diesen Aeußerungen nicht jenes Berstärcknis entgegengeöracht haben, das sie erfordert hätten.. Wir wissen, daß auch unter den Mitgliedern der Regierung in de« Königsfr.age verschiedene Empfindungen obwalten.. Doch hat üns dies nicht an gemeinsamer Arbeit!-, und . auch nicht daran gehindert, nach der Ankunft des Königs einmütig zu handeln. Niemals hat ein Grund dafür bestanden, uns gegenseitig unsere Gefühle vorzuwerfen. Der zweite. Umstand, der. hie Gemüter in Erregung versetzt hat, ist di« Veröffentlichung der Mitteilungen des Königs. Der König hat den Wunsch geäußert, anläßlich seiner Abreise kundzutun^ weshalb §r gekommen und weshalb er gegangen sei. Die Nichterfüllung dieses Wunsches wäre für mich ein« moralische Unmöglichkeit gewesen. Seine Erfüllung war. für mich eine Frage der Wohlanstündigkeit. Die Mitglieder der Regierung hatten Kenntnis davon, daß ich den Brief veröffentlichen, werde. Hiezu f)dt das ganze Ministerium feine Einwilligung gegeben, mit Ausnahme des Ministers Dr. G r atz, der damals nicht in Budapest weilte. ES ist auch der Plast aufgetaucht, daß di« Erklärung vom Gra fen Julius Andrassh veröfseytlicht werde und daß ich nur meine Zustimmung zur Veröffentlichung erteile. Aber ich verstecke mich nicht gern hinter anderen, wenn es heißt, handeln und durchführen, was man übernommen hat. Di« Erklärung beS Königs, ist übrigens kein eNegierungs Handlung, der Brief ist nicht gegengezeichnet und untersteht keinerlei Regierungsverfügung. Die „Erwachenden" habe« sich »e« orientiert. Me die „Ungarische Rundschau" aus Budapest meldet, hat gestern in den Kreisest der Parlamentarier die Tatfach? große Ueberraschung hervorgerufen, daß der Verein. her „Erwachenden Ungarn" korporativ seinen Anschluß an die Politik, der kleinen Landwirts ausgesprochen hat. Der Verein der „Erwachenden Ungarn" hat das Prinzip der freien Königswahl sich zu eigen gemacht, und um dies auch nach antzenhm zu dokumentieren, erschienen mehrere Mitglieder der Vereinsleitung gestern abends im Klub der Partei der kleinen Landwirt? und nahmen dort sogar an einem Bankett teil, in welchem sie sich gegenseitig feierten Dr. Gratz zurückgetreten. .Wie die „Ungarische Rundschau" aus Budapest inelLet, hat der Minister des Aeußern Dr. Gustav Gratz heute seine Demission eingereicht. Der Rücktrittsentschluß des Ministers des Aeußern ist unabänderlich. Graf Karolqi in Aagusa. KlLgerrstrrt, 7. April. Graf Michael Karolyi ist heute von Villach nach Ragufa übersiedelt, wo er mit Erlaubnis der jugoslawischen Regierung stänl feigen AuieuchM nimmt»