Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 789 (8.4.1921)
- Date
- 1921-04-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener MorgenMnrng 6. Apm 1V21 _ Der ünfbais Palästinas. Nr. T50 'Mm. Der Aionismus ln AMeLika. Enthnstastischer Empfang der zwrrMschen Delsqatkon in Amerika. New-York, 8. April. (Privat.) Die Ankunft der zionistischen Delegation, bestehend aus Professor Doktor Weitzmann. Ussischkin, Zlatopolski und Professor Ernstein> gestaltete sich zu einer enthusiastischen Kundgebung ftir den Zionismus. Die Delegation, welche Samstag mittags im Hafen von New-Aork eintraf, verblieb mit Rücksicht auf den Samstag bis nach Sonnenuntergang an Bord des Dampfers und wurde am Abend von dem zum Emffang eingesetzten Komitee auf dM vom Rew-Porker Bürgermeister zur Verfügung gestellten „Mayors cutter" ünS Land gebracht. Hier sowohl als auch bei ihrer Fahrt in die Stadt, wurde die Delegation von einet unübersehbaren Maffe enthufiaftischakklamie r t. Die gesamte englische Presse und selbstverständlich auch die jüdische widmet den Gästen spaltenlange Begrüßungsartikel sowie Aufsätze über die Bedeutung des Zionismus und der von der' Delegation mit den amerikanischen Juden zu pflegenden Verhandlungen. Die Tatsache, daß Professor Einstein als Mitglied der zionistischen Delegation nach Amerika gekommen ist, wird besonders heworgehoben mid ihr für die weitere Entwicklung des Zionismus große Bedeutung beigemessen. Die englische Presse nennt dm Einzug der zionistischen Delegation einen Triumphzug des Zionismus, dessm Aeußerfichkeitm nur mit dem Empfang Roosevelts nach seiner Rückkehr^bon Uganda verglichen werden können. Die monistischen Führer von Amerika gaben der Delegation im Hotel Commodore einen intimen Empfangsabend. Am 10. d. M. findet in der Me t r o p o l i t a n e ropeir ein großes zionistisches Begrüßungsmeeting statt, Während am 11. im Riesen-Armourysaale eine allgemeine Volksversammlung zu Ehren der Gäste abzehalten werden soll. Die gegenwärtige zionistische SiLrrsrtisn in Amerika. Heber die gegenwärtige Lage des Zionismus m Amerika und das Verhältnis der amerikanischen zur Gesamtorgamsation schreibt »DaS jüdische Volk", das zionistische Zentralorgan der Vereinigten Staaten, unter anderem folgendes: »Die Keren-Hajessod-Konferenz, welche am 12. März in Rew-Aork in Anwesenheit von Vertretern aus 21 Distrikten und von 22 anderen zionistischen Organisationen stattgesuriden hat, stellte drei Dinge fest: Erstens, daß die Masse der amerikanischen Zionisten keine Absonderung von der zionistischen Weltorganisation in bezug auf die zionistischen Arbeiten dulden wird; zweitens, daß der Keren - Hajeffod stark an de Führer der zionistischen Distrikte appelliert und es infolgedessen offenbar ist. datz die Massen für den Ruf des Keren - Hajessod empfänglich sind; dritten?, daß die zielbewutzten Zionisten, welche gewohnt sind,, für die Bewegung zu arbeiten, der Untätigkeit müde sind und stch darum bemühen, Positives für Erez Israel zu leisten. Me privaten Vereinigungen, unter denen für' Erez Israel agitiert wird, umfassen trotz allem eine kleine Zahl von Juden, und zwar nur die Wohlhabenderen. Die Masse der Juden, welche nicht auS eigener Initiative Paläftina-Tätigkeit betreiben oder Anteilscheinbesitzer einer privaten Gesellschaft werden kann, bleibt außerhalb jeder Tätigkeit. Der Appell des Keren-Häjessod scheint, daher in einem richtigen Augenblicke zu kommen und eS ist kein Zweifel, daß er bei der zionistischen Masse in Amerika lebhaften Widerhall finden wird." In derselben Nummer deS offiziellen zionistischen Organs schreibt Leon Solotkoff unter dem Titel: »Man H8re auf, den Beleidigten zu spielen" unter anderem folgendes: »DaS Bösesein, welches jetzt in der zionistischen Organisation besteht, wurde dadurch he-rvorgerufen, datz zwei Standpunkte aufeinanderftießen und bisher keinen Ausgleichspunkt fanden. Will man in ganz kurzen Worten den unterscheidenden Punkt der beiden Auffassungen fLststellen. so kann man ihn folgendermaßen charakterisieren: Die eine Steite sagt „Wir bauen Erez Israel für das jüdische Volk auf"; die zweite Seite sagt: „Mlir bauen Erez Israel für uns auf". Wie man steht, bestellt der Unterschied darin, daß die eine Seite fühlt, sie selbst benötige nicht eine jüdische Heimstätte, die zweite Seit« dagegen fühlt, sie selbst habe ein jüdisches Heim ebenso wie ganz Israel notwendig. Daher ist eS ein Irrtum, zu denken, der Zwiespalt beschränke sich bloß auf New-Dork und London oder der eine Standpunkt sei der europäische, der andere der amerikanische. Beide Standpunkte sind in jeder zionistischen Gegend vertreten, in Europa so gut wie in Amerika. Solange die Aussichten auf Erez Israel alS jüdische Heimstätte noch ungewiß waren, war der Unterschied beider Auffassungen nicht deutlich und die beiden Setten konnten mehr oder weniger harmonisch Zusammenarbeiten. So wie eS aber zur praktischen Aufbmrtätigkeit kam, bei welcher der Baumeister stet? den Wunsch hat, dem Bauwerk seinen Stempel aufzudrücken, mußte der Unterschied beider Stand» punkte sich fühlbar machen." Im Grunde wollen beide Seiten dasselbe, nämlich Erez Israel als vollkommene Heimstätte aufgebaut sehen. Da dies nun Zeit, Geld mrd Opfer von alle,: Juden fordert, ist es natürlich, daß die Seite, welche Erez Israel für das jüdische Volk und nicht für sich selbst aufbauen will, sich zu der großen Unternehmung objektiver verhalten und sich besser auf Berechnungen einlassen kann, was im Augenblick am notwendigsten, am leichtesten ausführbar und am billigst«: ist. So können die Leute, welche diese Anschauung vertrete», zur Sparsamkeit raten und darauf Hinweisen, daß eS nicht notwendig ist, so viel Geld ans Erziehung auszugsbeu. All dies klingt fa wohlberrchM, daß MM anscheinend Mts. FVrderuug der ^KlAftrna-JmmigvMon durch dis Exekutive. Wie die zionistische Korrespondenz aus den Kreisen der provisorischen Exekutive der Zionistischen Organisation - erfährt, ist diese fest entschlossen, irnter Anspannung aller ihr zur Verfügung stehenden Kräfte die jüdische.Emigration Nach Palästina zu fördern. Als erste Maßnahme ist die. Erleichterung der Einwanderung von 1600 neuen Emigranten der Kategorie 91' (arbeitende Elemente, Chaluzim) beschlossen worden; die erforderlichen Zertifikate werden in diesen Tagen verschickt. Auch für Einwanderer der Kategorie V (bemittelte Einwanderer) sind Erleich ternngen bezüglich der EinreiseformalitLten und der Unterkunftsmvglichkeit-en in Aussicht genommen. Der Tran sp ort der Emigranten nach Palästina soll Verve ssert werden. Es wird mit einer Schiffahrtsgesellschaft zwecks Bereitstellung eines gut ausgerüsteten Dampfers verhandelt. Soweit die Aufnahmefähigkeit Palästinas und die finanzielle Stärke der Organisation es nur eben erlauben, soll die Immigration gefördert werden,^ wobei zu. berücksichtigen ist, daß die Zionistische Organisation für die Unterkunft und Beschäftigung der von ihr empfohlenen Einwanderer die Verantwortung zu tragen hat. Die Mdische hi Palästina. In einer Konferenz des Oberkommissärs von Palästina mit Vertretern des Jüdischen Nationalrats wurde festgesetzt, daß bis zur Ausarbeitung eines Verfass u n g s r e ch t s für die jüdischen Stadt- und Landgemeinden die derzeitigen leitenden Komitees als die repräsentativen Institutionen anerkannt werden sollen. Bei Meinungsverschiedenheiten entscheidet der Rationalrat. Die Departements der palästinensischen Regierung sollen den jüdischen Rationalrrt als kompetente K örperschaft der'jüdischen Gemeinschaft betrachten, wie seine Entscheidungen auch für die inneren Angelegenheiten der jüdischen Gemeinschaft maßgebend sein sollen. Es sollen künftig regelmäßige Besprechungen des Oberkommissärs mit Vertretern des Jüdischen Nationalrats stattfinden. Ein Generaldirektor des »Zion CommonweMH" für Palästina. Die Leitung der amerikanisch-zionistischen Gesellschaft für Bodenkauf in Palästina „Zion Commonwealth", ernannte Emannet Mo hl zu ihrem palästinensischen Generaldirektor. .. Mohl, ein alter Zionist, ist ein amerikanischer Ingenieur. Er besuchte Palästina im April 1920 und griff während der Osterunrnhen zugunsten von Leben und Eigentum der Juden ein. Mohl läßt sich mit seiner Familie in Palästina nieder. SiedrrmftsLAtk^kerL der „Iea" I« PalAstins. Nach einer Meldung des „Doar Hajom" (Jerusalem) ist in Haifa Frank, der Vertreter der „Jca" (Jewish Colonization Association), cingetrofsen, um die Unterhandlungen mit der Regierung zum Abschluß zu bringen, wegen der Pachtung des Küstenstrichs bei Athltt auf die Dauer von fünfzig Jahren. Es handelt sich um ein Gebiet von mehreren tausend Dunam, das die „Jca" durch Einwanderer erschließen und alsdann an Kleinsiedler zu verteilen beabsichtigt. (Die „Jca" | vetivaltet bekanntlich die von Baron tz i r s $ zu jüdischest Kolonisationszweckm gestifteten Gelber.) Die ZUsammeirsetzrmg des SLoirormschen Rates? für den Aafbck« Palästinas. London, 31. März. (Jüd. Korr.-Bur.) Dt. Weitz-) mann erklärte einem Vertreter des Jewish Eortespondenee Bureau, daß die „Jca" beschlossen hat, zwei Vertreter in das Economical Council zu entsenden» Auch die Zionistische Organisation wird tif Metern unter Vorsitz des britischen Ministers Sir Alfred Mond gebikrcten ökonomischen Mts für den Aufbau Palästinas durch zwei Spezialdelegierte vertreten sein. Ter GisenbahrrbarrPetach-Tskivsch—Nas-el-Ein Zu dem bereits gemeldeten Beginn der Banarbeiten ans der neuen Eisenbahnlinie Petach-Tikwah— Ras-el-Ein erfahren wir noch folgende interessante Einzelheiten: Bezüglich dieser Banarbeiten ist zwischen der Regierung und der Stadtverwaltung von Petach- Tikwah ein regelrechter Der trag zustande gekommen, der folgende Hauptpunkte enthält: Die Regierung verpflichtet sich, keine Konzession zur Verlängerung ober Abänderung der Eisenbahnlinie an irgendeine Gesell- . schuft ohne ZUstimmung der Kolonie zu erteilen. Der Zug wird ohne Amsteigen in Lildd »ober ' in Ras-el-EiN direkt bis Jaffa geführt Und wird', weder an Samstagen noch an jüdischem. Feiertagen verkehren. Demgegenüber übernimmt die Kolonie die Garantie dafür, baß die Linie täglich' : von zumindest hundert Reisenden mit durchschnittlich elf türkischen Pfund per Kopf Fahrpreis benützt werden wird. Die Arbeit wurde am 7. März in Gegenwart des Rabbiners Zitwn, dev Kolonisten und sämtlicher für den Ban aufgenommener Arbeiter und Ingenieure in Angriff genommen. Beim ersten Spatenstich hielten Rabbiner Zitron und der Vorsteher der Gemeinde Ansprachen, in welchen sie die nationale Bedeutung des Werkes hervorhoben und betonten, daß dies die. erste Eisenbahnlinie sein werde, welche von I u d e n f ü r e i n eiüdisch e Kolo n'i e erb ent wird. Ein Arbeiter sprach in gleichem Sinne. Grbamrnq einer Mühle iw . Berlin, 7. April, (Privat.) Wie die „Zionistische Korrespondenz" mitteilt, hat die Baron Rot.hschrldsche Verwaltung in Palästina mit dem Bau einer großen modernen Mühle in Haifa begonnen. Die Baukosten belaufen sich auf 100.000 Pfund' Sterling. Die Leistungsfähigkeit der Mühle soll so groß fein, um die Bevölkerung von ganz Palästina mit Mebl versorgen zu können. Oberkommiffär Samuel für die jemenitischen Zudeu. Berlin, 7. April. Wie die Blätter melden, haben itt der letzten Zeit in Jemen wieder schwere Judenverfolgungen stattgefunden. Die zionistische Kommission in Palästina wandte sich an den Oberkommissär Samuel mit der Bitte um Intervention bei der englischen Regierung zugunsten der Juden in Jemen. Der Oberkommissär nahm sich der Angelegenheit lebhaft an und versprach, die englische Regierung um schleunigstes I Einschreiten in Jemen zu bitten. dagegen einwenden kann. Die andere Seite aber sagt: ES ist gewiß recht gut, die Malaria auszurotten, und es ist gut, möglichst viele Juden mit Geld und Muskelkraft zu ermutigen, nach Palästina zu kommen, ober das wird im besten Falle eine jüdische Siedlung ergeben, aber keine jüdische Heimstätte. Wenn wir darauf hoffen, einmal Erez Israel so zu besitzen^ wie jede andere Nation ihr Land besitzt, so müssen wir dle Institutionen, die ein Staat benötigt, schafft«. Wo werden wir ein Schulsystem hernehmen, wenn wir jetzt dgS Er- FiehungSwcfen vernachlässigen? Wer wird baS Land aufforsten, wer Häfen bauen, wer die Gesetzgebung entwickeln, die Sprachen, das Steuerwesen und hunderterlei andere Institutionen, welche staatSbildend sind, wenn wir dafür nicht von (fitem Anfang an arbeiten? Juden mit gerüdgen Mitteln und Tausende von Chaluzim streben nach dem Lande und ziehen hin ohne eure Hilfe, was lut ihr für die Schaffung des jüdischen Staates? So lange es sich bloß um eine Theorie handelte, hat diese Meinimgsverschiedenheit nicht viel ausgemacht. Jetzt aber flehen wir einer Situation gegenüber, welch« ein« einige zionistische Weltorganisation fordert, es besteht die große Gefahr, das jüdische Bott könnte;, wenn die zionistische Weltorganisation nicht harnionisch zusammenarbeitet, das verlieren^ was mit solchen Opfern gewonnen wurde. Teile der Organisation, welche in verschiedene Richtungen arbeiten, sind keine Organisation. Nur eine ganze Organisation kann alle Zionisten repräsentieren. Darum muß aufgehört, werden, den Beleidigten zu spielen. Wer von beiden Seiten durch Eigensinn, falschen Stolz ober sonst das Zusammenwirken der ganzen zionistischen Organisation stört, begeht ein Verbreche« am jüdischen Volke." HoALndLschrr Kredit für Polen. Amsterdam, 7. Apirl. (Tel.-Komp.) In der zweiten Kammer wird ein Gesctzentwurf vorbereitet, um P o l e n einen gleichen Kredit ri«?,mäun'.:n, wir er vor einiger Zeit auch O eü erst ick «währt worden ist. Die Wojwoden für Ostgalizien. Warschau, 7. April. (Trl.-Komp.'» Ans Antrag dess Ministers deS Innern hat der MiMrriat W o j w o d e n frir^ O st g a l i z t c n ernannt. Zum 8 einberger Kojwodcn.' wurde Kasimir Grabows? i, zum -Stanislawer E. Inrhstowski, zum Tarnopoler Karl O U; pinski bestellt. . <’ Der große Streik in EnglaNd, In letzter Stunde konnte der Ausbruch dos- Generalstreiks in England verhütet werden.^ Der Ministerpräsllrent Lloyd George hat es durch-. gesetzt, daß sich die Führer der Bergarbeiter und der. Grubenbesitzer zu neuen Verhandlungen zusammen- - finden, bis zu. deren Beendigung die Eisenbahner uv& Transportarbeiter mit der Proklamation des Aus-, standes warten wollen. Die Geschicklichkeit des Ministerpräsidenten, der schon im Herbst des Vorjahres den Bergarbeiterstreik mit Geduld und Vorsicht beigelegt, hat, wird hoffentlich auch diesmal die Krise beschwören, > obzrvar ihre Wurzeln nicht in England, sondern auf dem Kontinent liegen. England hat den französische Markt für die Kohle verlorerr. Frankreich ist von deutscher lkvhle überschwemmt und muH die von Deutschland' überproduzierte Kohle in alben WirtschastSzentren Mitteleuvohas anbieten. Es ist ferner festznhalten, daß die Produktionskosten in England tzrößer sind als in .Amerika, und daß die amerikanische Kohle die englische unterbietet. Der Kvhlenexport Englands ist von 73 Mite lionen Donnen im Fahre 1913 auf 25 Millionen Tonnen» im letzten Jahre zurückgegangen. Zugleich ist eine Krise der Schiffahrt eingetreten. Das Defizit der Kohlenindustrie wird derzeit in England mit vier Millionen Pfund berechnet und die Kohlenbesitzer wollten zur Bekäutpjung dieses. Defizits, die Löhne um die H.älftst'