Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 788 (7.4.1921)
- Date
- 1921-04-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Rr. 788 Wim, Donnerstag Wie«er Morgenzeitumz ist, eine solche umwälzende Tat möglich Zu machen, und da« alles schlicht und im höchsten Grade wirkungsvoll begründet durch das beglückende Bekenntnis: ..Wir sind ein Volk, ein Volk!" Es fällt einem Juden von heute schwer, die Erschütterung nachzuempfinden, in« jene Worte vor fünfundzwanzig Fahren, auslosten. Aber trotz allem enthalt dieses Buch erst die Keime des späteren zionistischen Programms. Noch operiert der Schriftsteller Herz!, aus dem erst später, nachdem er selbst die Ausstrahlungen der von ihm entfachten Bewegung an sich erlebt hatte, der Volljude Herz! geworden war, zu sehr mit verstandesmätzigem Narsonnement, noch fehlt, hier die unbedinZte Einstellung auf Palästina und die Errichtung des JudsnstaateS. erscheint vielmehr als mechanisch-kolonifatorischeS Problem. Aber gleichwohl — hier ist in Größe und keine Konsequenzen scheuender Kühnheit der neue Weg gezeichnet und den mutigen Mann nahm die kleine, aber gewählte Schar der damaligen Ztonsfreunde für ihre Sache in Beschlag, die sich rasch äuS der'Angelegenheit eines engen Kreises zu einer umfassenden Volksbewegung wandelte, der Theodor Herz! seine persönliche Groß« lieh. . Heute, da der Zionismus auf entscheidende politische Erfolge zurückbUcken darf, die Anerkennung unserer Bewegung als Repräsentantin dcS jüdischen Volks- und. Auferstehungs- Willens durch die Mächte in unzweideutiger Weise erfolgt ist. und die Idee des zioniAschen Programms, der Gedanke der Schaffung des jMfchnationalen Heims in Palästina, aus der jüdischen Gaffe den Weg zu jenen gefunden hat, die. dre Geschicke der Staaten lenken und die mit ihr als einer realen Tatsache zu . rechnen, heute geziemt es sich, in dankbarem Gedanken bei jenem schmalen Büchlein zu verweilen, daS die spätere Entwicklung gewissermaßen in den Grundrissen. antizipiert und den Weckruf an ein Volk ergehen ließ, daS in diesem Zeichen den Weg zur Einheit wiedergefunden hat. Die zionistische Entwicklung ist gewiß über Herzls Gedankengänge hinausgegangen. Aber die Größe der Auffassung und der ideale Schwung, der seine ganze Arbeit beseelte, äußert sich schon in dieser Schrift, wlche die zionistische Bewegung einkeitet und ein bleibendes Dokument in der jüdischen VelkSaefchichte ist. PoMsche^undfchau. Briand droht De«tschland. Der französische Senat begann gestern mit der Bildgetbebatte. Der Ministerpräsident Br in üb erklärte: Wenn Deutschland morgen sich noch immer seinen Verpflichtungen zu entziehen versucht, wird e i n e st a r ke Han d sich auf seinen Nacken legen. (Beifall.) Jedes deutsche Aktivum, j e d e große Werkstätte in Deutschland bürgt für -unsere Forderung. An dem Tage, wo die deutschen leitende:'. Kreise mrd > V , ..... die: destsch-ere Großindustrielle« , . . . tftticc der Mwißhttt des Zwanges, der bort vor.sich.gehe»., tvirb, wo es notwendig sein wird, begreifen werden; das; ske einen Teil der deutschen Einnahmsquellen für die Bezahlung der Schuld verwenden - müssen, werben Siesehen, wie sich neue Quellen erschließen? Jetzt verhehlt sie Deutschland, in der Hoffnung, daß wir ermüden' und daß. kä ta stro phale Er ei gni s| e eintreten werden. Der Zusammenbruch der- Politik Deutschlands rückt näher. Frankreich, das mit seinen Verbündeten einig ist, ist durchaus entschlossen, das letzte Wort zu behalten. (Beifall.) Nnstre Zwangsaktion ist mit jenem Maß - an Kraft* und Sicherheit unternommen worbe::, das unser gutes Recht und unser Vertrauen in bis Z ckunft,nnä geboten erscheinen lassen. Wir beklagen das deutsche Volk, aber eS wird binnen kurzem erfahren, baß wir das Recht für uns haben und entschlossen sind, unsere Forderung im Notfall durch die Gewalt besiegeln zu lassen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen sagte .Priand: E n g l a n b hat ein Handelsabkommen mit dem sowjetislischen Rußland abgeschlossen. Frankreich hält es für klüger, nicht denselben Weg zu betreten. Ich verstehe nicht, wie ein Vertrag wirksam werden könnte mit einer Regierung, die nur bt facto besteht, aber nicht rechtlich anerkannt ist.. Rußland ist ein desorgarrfficrtrS Land yhne Transportmittel und ohne die Möglichkeit. jru?- zutauschen. WaS die Haltung der Vereinigten Staaten anlangt, so nähert sie sich der unsrigen. Amerika sagt den Sowjets: Solange ihr eine Politik des TodeS verfolgt, ist nichts zu machen. Wenn Rußland zur Ordnung zurückgekehrt, wenn daS Eigentum dortselbst geschützt sein wird, werben wir sehen, ob nichts zu macheu ist. Wir stehen in dieser Beziehung in enger Fühlung mit den Vereinigten Staate». $htf!3ftttt§ der italienische« Kaur«er. Mailand, 6. April. (Schweiz. Depeschen-Agentur.) Die Zeitungen teilen mit, daß morgen das Dekret über die Auflösung der Kammer veröffentlicht werden wird. Dem „Corriere della Sera" zufolge wird dem Dekret eiue ErklLrpng Giolittis be:gegeben sein, worin er die Gründe aus- Tinandersetzt, welche die Regierung dazu bestimmte», dem König die Auflösung der Kammer zu empfehlen. Der Ministerpräsident wird daran erinnern, daß nach der Annexion der neuen Provinzen durch das Königreich Italien schon im allgemeinen Wahle» angesagt wurden. Er wird auch auf die Unbeständigkeit der parlamentarischen Lage Hinweisen, die der Bildung «imr bauerüaiten Rca.erung im Wege steht. Der RHMrM des Ministers Dr. Glimz. In dem gestern abends stattgsfundenen Ministerrat machte Bundeskanzler Dr. Mayr, die Mitteilung, daß sein Be such, den Tundetminister Dr. Glanz zur Zurücknahme der Demission zu bewegen, ergebnislos, geblieben ist. Der Ministerrat nahm diese Mitteilung zur Kenntnis. Die Burche Negierung wird nunmehr wegen F» tfi'.h ung der Ceichä'te bis zur Mi d rbes tznng beider Ressorts durch den Nationalrat dem- Bnndesprasid?.nleN die §reignet.'n Vorschläge erstatten. NaLionarr^t. Äie nächste Sitzung des Nationalrates findet Dienstag den 12. d. M. um 3 Uhr nachmittags statt. Die Tagesordnung wird später bekanntgegehen werde«. Die Ko«fere«z z« Rom eröffnet. Rom. 6. April. (Stefani.) Heute vormittags hat die Kaufeenz der Nachfolgestaaten, auf der Italien, Oe sterreich. Ungarn. -Jugoslawien, ' Polen, die Tsch.'cho-Stowakei und Rumänien vertreten sind, im Palais Chigi ihre Arbeiten begonnen.'Minister des Ileuße.n Graf Sf orza hielt die Eröffnungsansprache. In seiner Ansprache, mit welcher Minister des Äeußern Graf Sforza die Teilnehmer an der Konfe.euz der Nach'olgestaaten begrüßte, sag e er: Die Kauft enz hat die ihr in den Verträgen von Saint-Germain und Trianon zugewiesene Rolle zu erfüllen, die davon ausgegangen sind, das; das sicherste Mittel, die beeech'igLen politi'chen und wirtschaftlich.» Jute essen per hier vertrenen S.aaten zu wahren, darin bestehe,, sie zur Anknüpfung unmittelbarer, auf richtiger Verhandlungen ein.zülad.-n. Ich wünsche der Konferenz eine Atmosphäre vernünftig e c u n d billiger Abmachunge n. die Wohltaten zeitigen möge, welche, mögen sie augenblicklich auch nur materiel.'er Natur scheinen, in Zukunft eine Rückwirkung auf die politischen Beziehungen, der hier vertreteuen S'aalen haben werden. Dann wird die Konse euz w:eder einmal erwiesen haben, daß in der gegenwärtigen Gesel sch ft. das wirtschaftliche Gedeihe n ei n e r N a L i o n undenkbar ist, wenn es nicht mit jenem ih er Nachbarn verknüpft ist. W nn die Beschlüsse der Konferenz von Billigkeit und Rech L ^^itetiKnd,) Wich, Aber zwei' erreichen:, die wirtschaftlichen Inte.essen seines Landes' zu fördern und idas kostbare Erbgut der morr.lis.chru Aufrichtigftit und ider nationalen Ueberlieserungen zu bereichern. 1 Rom, 6. Avril. (Stesani.) Die ^Sitzung. der.Konfe-enz der Ncch olgestäaien wurde um' 12 U^r 3) Min. geschlossen. Nach dem Minister des Aeußern Grasen Sforza hielt der Doyen der anwesenden Diplomaten, der rumänische Gesyndte in Nom, L ahov üry.eine Rede, worin er Italien für die Initiative zur EinLe-- rufung der Versammlung der Nachfolgestaaten in Rom dankte pnd dem König von Italien Lob zollte. Er schlug vor, den Führer der italienischen Delegation Marquis Jmperiali zum Vorsitzenden der Konferenz ' zu wählen. Marquis Jmperiali bankte für seine Wahl und übernahm den Vorsitz. -> ’p& Konferenz teilte sich itt zwei Kommissionen, deren eine sich mit VerwaltungZ- und Rechtsangelegenche-ten beschäfiigsn und Dienstag, Donn'rZLag' und Samstag Sitzungen abhalten wttb. während die andere wirtschaftliche und fiircin-ielle Angelegenheiten zu erledigen und am Montag, Mittwoch und Freitag Sitzungen abh alten wird. SeLtronschef Riedl Gesandtsr lnDsvU«. Wie die „Politische Korrespondenz", erfährt, hat die beutsche. Michsreqierung dem SektionSchef im Handelsministerium Richard Riedl das Agrement als österreichischer Gesandter in Berlin erteilt. Kärntner LamdesversammlnAD. Klagonfurt, 6. April. Zu Beginn der heutigen Sitzung der vorläufigen Landesversammlung verlas der Landes« Verweser Burger eure von sämtlichen Parteien besch'o,sene Kundgebung in der Angelegenheit des habsburgifchen ReftaurationsversucheS. Danach schließt sich das Land Kärnten der Stellungnahme des österreichischen Nationalrates in dessen Sitzung vom 1. April vollständig an und hält unerschütterlich an der Republik fest. (Lebhafter Beifall.) Eine seitens der Grohdeutschen und der Bauernbündler eingebrachte Anfrage wegen des Aufenthaltes Michael Karölyi.s in Villach würde vom Landesverwesec mit der Darlegung der von der Landesregierung diesbezüglich getroffenen Maßnahmen und dem Hinweis darauf beantwortet, daß die jugoslawische Negierung Karolyi die Bewilligung zum Aufenthalt in Spalato erteilt habe und dieser spätestens am 7. d. M. Kärnten verlasse. Reitze», der Pole. London, 6. April. Das Appellgericht hat die Berufung des Wiener Bankier» Hans Reitzes gegen die erslnchterliche Entscheidung verworfen» welche di« von Reitzes als Polen verlangte Weisung an den Verwahrer feindliche« n EVsrrLmnS, ihm fein EigentuM LuHrufolgen, abgeleM tzatts, , ». «pr» lSSl «MV Beide Entscheidungen gehen auf die Frage der GtaatSbürySG schaft Reitzes' nicht ein, sondern basieren darauf, daß tooft des Friedensvertrages der Krieg im GeseheSsinne noch nichß beendet fei und die definitive Entscheidung über da» feinSj liche Eigentum nur vom Geheimen Rai geiroff«^ werden könne. Die Tscheche« «ntz das Plebiszit t», SalzbWrD «wd Tirol. <j Warscha«, 6. April. Der „Przeglad Wieczorny" *«eld«tz angeblich aus diplomatischen Kreisen, tschechische Truppem werden aus Grund eines von Dr. D e n e s ch in Pari»! unterfertigten Vertrages Wien besetzen, falls das fü» den 24. d. M. in Salzburg und Tirol durchgeführt» Plebiszit zugunsten des Anschlusses an Deutschland cmsfalle» sollte. (Die Nichtigkeit dieser Meldung mochten wir sehh stark kezweifeln. Wir geben sie nur wieder, um zu geige* wie durch solche §timm»ngSmache Brunnenvergiftung bvff trieben wird. Die Red.) ' Telegramme. Rußland ratifiziert deuFriede» von Riga. ÄelsiKgfors, 6.April. Bl« Sswßs rsKisr«srrg hat den Bertras RßgO rarifizLsst. _ Keine Demission Steezkowfllisü Warschau, 6. April. Die Im Auslauf Verhrertets» Mewsrugerr vsu dem NLÄtritü des F'mKNMiursters SteeZSLSWfrL «utsj behreu jeder Begründung. Hardlngs Antzenprogram«.; WaMHÄ«, 5. April. „United Telegraph" meldet^ P.ä,".dent Harbin g hat, wie in un!errich^e^nKreise«^ verlautet, nunmrhr das endgültige Programm für dir; Kundgebungen der amerikanischen Außen pol ti'k b'st^mu'L. Diese Poli ik neist solge-.de Punkte aufr Ü 1 Erledigüng der Resolution Knox' zur He st e l l u n g eine s S o n t e c f t i t b c »S m i 13D e«t j tand. '' ■ ■ j 2. Keine RatifikaLL on des BeriraAeH von Versailles. > 3. Krin Einfluß der VeMnigten Staaten im MgttW wärLigen Völkerbund. , 4. Unterstützung der Alliierten in der Forderung^ Deut sch landest r d t n Weltk r ie g als v e tc. n t* wörtlich zu erklären. \ 5. Keine bindende Zusage einrr politischer- oder militärischen Allia nz mit Eürsp'^ jedoch im Rahmen der Knox-NesoluLion Abgabe der Erklärung, daß die Vereinigten Staaten durch eine Bedrohung des europäischen Friedens gleichzeitig de« Eigenen Friede» und die eigens Freiheit bedroht er^, achtet fühlen und bestrebt, fein werden, Mittel aus-» findig zu machen, um eine derartige Bedrohung zw verhüten. D'e zitierte Knox-Resolution lautet: t Min unsere Verpflichtungen gegen «ns selbst nutz' gegen die Welt vollständig und ehrlich zu erfüllen, erklaren wir, daß die amerikanische Politik die folge«««; sein wird: Wenn die Freiheit »nd der Frieds Europas von neuem durch eine Macht oder durch» eine Vereinig««g von Machten bedroht fei« sollten, werden die Bereinigten Staate« eine solche Lage, mit e t n st er Beunruhigung betrachten »ntz! werden darin eine Bedrohung des eigene« Friedens und der eigenen Freiheit erblicke«. Si« werden sich in einem solchen Falle sofort mit den andere« bedrohten Landern zu dem Zwecke he rate», eist; solche Gefahr abzuwenLe«. Wenn sich'die Notwendig« keit ergebe« sollte, wurden die Bereinigten Staate» mit den Freunden der Zivilisatio» g«* fammenarbeite», um diese zu verteidige». | 6. Wi'.de.'l,e.ste.'lung der d i p l o m a t i s ch c n Be - Ziehungen zu Deutschland und Oesterreich sowie Einleitung von Verhandlungen zur Erzielung neuer Llbkommen hehufs gegenseitiger freundschaftliche« Beziehungen des Handels. j 7^. Aufrechterhaltung aller Skechte, Privilegien^ Entschädigungen, Wiede.'gutmachnngen und Vorteile, zu denen die Vereinigten Staaten durch den Waffe»« stiltstand berech'igt sind.! 8. Zurückhaltung des deutschen Eigertzq tums, das am 6. Äp il 19L7 oder später beschlagnahmt wurde, bis der Kongreß darüber verfügt hat. FrLedsRSschrutz mH De«tfchr«nL. WaHL'rg^m, 6. April. (Funkfpruch.) Vivia»^ wurde gelegentlich einer Zusammenkunft mit Senatoren verständigt» daß die amerikanische Regierung de« Kriegszustand mit Deutschland durch ei« Kongreßentscheidnng zu beendigen beabsichtigtz und daß der Eintritt Ln den Völkerbund von dosi Regierung nicht in Erwägung gezogen tperde. Amerikas Antwort a« De«tfchlMtz. Berlin, 6. April. Mokff.) Der airerilNnische Kvnsmissär Dresel hat am 29. März.als Antwort »nf dsch deutsche. MeWoTLNdum im AusVLrL^LBH