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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-03 · Heft 785 (3.4.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 785 (3.4.1921)
Date
1921-04-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 785 r Wien. _ vkrtfchas'üche Sfutortöruie stelld »feie deutsche Wesensart der! Schuten in Frage", sie sei auf eine Masienfrequenz von ausländischen Hochschülern abgestellt und schaffe so eme Autonomie von Auslands Gnaden, das Verhältnis zwischen akademischer Jugend und akademischen Lehrern werde auf materialistische Bahnen gedrängt, die „Lex Kelsen" durchbreche die akademische Einheitsfront und wirke heute schon destruktiv. ‘ Daß der Antisemit Oslermayer, dessen Ziel in Wirklichkeit die „judenreine" Hochschule ist, diesen Standpunkt vertritt, ist weiter nicht verwunderlich. Aber im Verlauf seiner Ausführungen lädt er auch einiges einfließcu, was Aufschluß gibt über die tieferliegenden Motive seiner Stellungnahme und für die „Noblesse" antisemitischer DenkUNgsart int allgemeinen und für Herrn Ostermayer tm besonderen ungemein charakteristisch ist. Gr sagt nämlich, die „Lex Kelsen" werde den kleineren Hochschulen keine nenenswerte finanzielle Hilfe bringen, diese würden sehr bald in einen beschämenden Abstarch zu ihper glücklicheren Dchwesteranstalt in Wien gelangen. Der akademische Senat habe sich dieser Tatsache gegenüber völlig empfindungslos gezeigt, „indem er nicht zu bewegen war. . von den reichen Auslandsgebühren der Wiener Universität bescheidene Beträge zur Linderung der wissenschaftlichen Not der kleineren Hochschulen zu leisten". Das heißt auf gut Deutsch: Wenn die Wiener Universität bereit gewesen wäre, aus den ihr zuflietzenden „Auslcrndsgebühren (lies: Judengeldern) die antisemitischen kleinen Hochschulen zu soutemeren, so hätte die antisemitische Hochschulclique sich mrt der wirtschaftlichen Autonomie der Universität Wien vielleicht noch abfinden können. Da ße dies aber nicht will, darf der Kelsensche Entwurf wicht Gesetz werden, die Wiener Universität soll mit den anderen Hochschulen zugrunde gehen,, schon aus dem Grunde, weil sie diejenige Hochschule ist, welche die größte Zahl von Juden unter den Dozenten und unter der Hörerschaft aufweist. Diesen seinen Herzenserguß hat Professor Ostern'.eher unter anderen Zeitungen auch der „Neuen Freien Presse" zum Abdruck überlassen. Die «Neue Freie Presse" fühlte sich natürlich bewogen, diesem Gebräu aus borniertem Judenhaß und ans Geldneid. aus deutscharischem «Edelsinn" und „Fair plah" in ihren Spalten Raum zu geben — es rst ja vom Rektor einer österreichischen Hochschule, und „so etwas mutz man bringen". Schließlich durchschaut aber auch die, „Neue Freie Presse" Herrn Ostermayer und fugt als Schlußzeile die Bemerkung hinzu, daß fie sich den Schlußfolgerungen nicht anschließen könne. Telegramme. Internationaler Gerichtshof. Genf, 1. April. (Wolfs.) Der Generalsekretär des Völkerbundes hat die ersten Schritte zur Vorbereitung der Wahl der Mitglieder des permanenten internationalen Gerichtshofes'unternommen. Bekanntlich haben der Völkerbund und die Volkerbundversammlung die Wahlen uvrzunehmen. Die Wahl der Richter erfolgt aus den von den vertretenen Nationen beim Schiedsgerichtshof bezeichneten Kandidaten. AstS diesem Grunde ist eS notwendig, daß die Signatar st aaten dem Generalsekretariat deS Völkerbundes die Namen ihrer Vertreter beim Schiedsgericht Mitteilen und daß die übrigen 'seinerzeit im Haag vertretenen Staaten des Völkerbundes, insbesondere die aus dem Krieg neuentstandmen Staaten, ihre Vertreter bezeichnen. Die Internationale Geiverkschaflskonferenz gegen die Sanktionen. Amsterdam, 2. April. (Wolfs.)' Di« hier tagende internationale Gewerkschaftskonferenz bestätigte die dom Bureau des Internationalen GewertschaftsbundeS angenommene Resolution. Sie stellt den Fehler der Regierungen fest, für oaS Problem der Reparation eine ausschließlich finanzielle Lösung gesucht zu haben, die mit Rücksicht auf die Lage der Weltwirtschaft zu. keinem Resultat führen könne. Angesichts des durch den Krieg entstandenen ChaoS müßte die internationale Solidarität der Arbeiter und der Gewerkschaften aufgeboten werden, um die Negierungen zu Verhandlungen und zur Verständigung zu bringen. Die Konferenz erklärt, daß eS die Pflicht der Gntenteregierungen fei, Deutschland unverzüglich i n den Völkerbund aufzunehmen und die Errichtung eines i n t e r n a t i onalen Repar'ationsinstituts zu betreiben, das mit dem Studium der Organisation der Wiederaufbauardcit zu betrauen wäre und zusammengesetzt sein soll aus Vertretern der Arbeiterorganisationen und Vertretern des Internationalen Gewerkschaftsbundes, aus technischen und industriellen Fachleuten und den offiziellen Vertretern der beteiligten Nationen. Für die Arbeiten deS Wiederaufbaues sollen von dem genannten Internationalen Institut internationale Anleihen ausgegeüen werden. Die Abtragung dieser Schuld'hat durch Deutschland in Jahresraten zu erfolgen und soll hauptsächlich von den Kapitalisten aufgebracht werden, dis aus dem Kriege Nutzen gezogen haben. , Keine deutsch-amerikanischen Verhandlungen. Brrlttt, 8. April. (Wolfs.) Gegenüber den Nachrichten über angebliche deutsch-amerikanische Verhandlungen in der Reparationsfrage wird von zuständiger Stelle ittcklä-vh daß irgendwelche DerhomdlunAen über das Reparation-Problem zwischen der deutschen und der amerikanischen Regierung nicht stattgesunden haben. Nur aeleaentlick IHmteebaltNua atii h»«w omwtfaiitMMw Amr« TSCasSS B58G8Ä ÄSfJSÄ'ÄSHMawlKS wXSaSBn ÄMever Msrgenzettrmg_ miflär in Berlin hat Reichsminister des Aeußer» Doktor Simonden deutschen. Standpunkt in dieser Frage dar« gelegt. ...! Lord Eeeil für Schiedsgerichte. Berlin, 2. April. (Tel.-Komp.)' Wie aus London gemeldet wird, wervffentlicht Lord Robert Cecil im Auftrag der englischen Vvlkerbundliga eine Denkschrift zur Repa r a t i o n s s r a g e, in der er sich für den Gedanken eines Schiedsgerichtes ausspricht, das die Reparationsfra^qe losen soll. Dieses Schiedsgericht wird vom Völkerbund einberufen werden. Ihm sollen namhafte Finanz leute angehcren. Belgische TrAPpen am linken Rheinrrfer. - Berlin, 2. April. (Wolfs.) Wie aus Essen gemeldet wird, haben die belgischen Besatzungstruppen auf dem linken Rheinufer heute früh eine Reihe von Zechen besetzt. Die Rote ' Kreuz-Konferenz. .Gens, 2. April. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die Internationale Rote Kreuz-Konferenz hat gestern verschiedene Sitzungen abgchalten. Die zweite Kommission, die sich m:t den Bestimmungen für Kriegsgefangene beschchäftigt, setzte ihre Arbeiten fort und stellte einige Grundsätze auf, die den Regierungen vorgeschlagen werden sollen als Grundlage für eine Konvention über die Behandlung der Kriegsgefangenen. Die dritte Kommission für Milderung des Krieges legte ihre Anträge fest, die sich auf folgende Punkte beziehen: Verbot der Bombardierung offener, unverteidigter Städte, Verbot der Deportierung der Zivilbevölkerung, Verbot der Verwendung giftiger Gase und der vom schwedischen und dänischen Roten Kreuze gestellte Antrag, betreffend die Milderung der wirtschaftlichen Blockade gegenüber Kratlken und Kindern der kriegführenden Länder sowie, der besetzten Gebiete. ÖFFENTLICHE JÜDISCHE VERSAMMLUNG Heut®, den 3. i&piril 10 Ohr vm.f im Meiler KomÖdienliaus, IX, Nussdorferstrasso 4 Referenten: Oberrabbiner D)\ P. H.Chajes Frau Anitta Müller Pr. Markus Krämer Thema: s«s Die Dag© der Juden in der Ukraine. Massenemigration. Pogromwaisen 01*. täarfcus &7simep, Mitglied des Zentralrates der jü'd. Welthilfs-Konferenz, wird über seine soeben beendete Tournee durch die ukrainischen Grenzgebiete berichten. Juden? Erscheinet zahlreich2 Deutsche Gewerbeschau. München, 2. April. In einer gestern abgehältenen Sitzung des vorbereitenden Komitees wurde endgültig die Veranstaltung einer Deutschen Gewerbeschau im Jahre 1622 beschlossen. Für diese Gewerbeschau, gebe sich, wie in der Sitzung hervorgehoben wurde, auch in Oesterreich reges Interesse kund. Das Budget der Ausstellung dürfte etwa 19 Millionen Mark betragen. Das Berliner DersammlungsverboL aufgehoben. Berlin, 2. April. (Wolfs.) Der Polizeipräsident hat das am 28. März erlassene Verbot aller Versammlungen unter freiem Himmel und aller Atraßendemonstrati-ouen aufgehoben. , , . Komnnmrsteimnrrchen im Rnhrgediet. <£[fcit, }. April. (Stoff.) Auf dem Unken Rheinuser dauern aus den einzelnen Zechen die Unruhen fort. Zahlreiche Arbeitswillige können infolge der Bedrohung durch die Kommunisten die Arbeit nicht aufnehmen. Auf einem Schacht wurden große Dy na mit mengen aus der Gruibe geholt. Zwischen Arbeitern mrd den Besatzungstruppen wurden Schüsse gewechselt, wobei eine Person getötet und mehrere verwundet wurden. Ein deutscher Heeresbericht. Berlin, 2. April. (Wolfs.) Gestern sind von Halle und Ei S leiben gegen die Lei Beosenftedt festgestellten Aufrührer Polizeitrnppen vorgerückt und haben eine 600 Mann starke Bande zersprengt. Die Kommunisten hatten 20 Tote und kbensovierle Verwundet« und Gefangene. 6 Maschinengewehre, ISO Gewehre und mehrere tausend Schuß Schietzbodars ^wurden erbeutet. Bei einer erfolgreichen Säuberungsaktion von Merseburg aus wurden etwa 50 Gefangene singeibracht. Die Anden von einer Frau überflogen. Paris, 2. April. (Funkspruch.) Die französische Fliegerin Bolland hat dir Anden überflogen. Sie ist in Mendoza ausgestiegen aut dem LWtäEuakeA» von Santtooo gr- 5. April 'NA Eine iALeruLtisNsle ArrtiMilitaristyü Konferenz.' - Amsterdam, 29. März. Während der Osterfeiertag« hs^ im Haag eine internationale Konferenz der Antirwilitariftest stattgefunden, wozu Delegierte aus vielen Ländern erschienen^ toaren. Von Deutschland waren anwesend Frau Dr. Helem( . Stöcker urrd Prof. Nikolai aus Berlin. Zahlreiches Delegierten, besonders aus Frankreich, England und Amerikas war eS nicht möglich gewesen, Pässe zu grHalten, fts. daß einzelne Länder nicht vertreten waren. 1 Rekonstruktion der englische» Regt«- r«mg. London» 1. April. (Reuter.) Folgende Verändenmsen itst britischen Kabinett weidm bekanntgemacht: Sir Rodert H o r n y ist Schahkanzler geworden. Dr. Addison Minister obnö Portcfemlle, B a l d w i n Präsident des Handelsamtes, Sir Alfred Mond.Minister für öffentliche G er f it ndheit und Kellawah Minister für Posten mttz. Telegraphen. Lord TalSot, VrZekönrg von ArLand.' London, 2. April. (Reuter.) Lord Edmund Talboi wurde nach Inkrafttreten des neuen HornerulegesctzeS zumMzyr lönig von Irland eraanw. Er ist der erste r 8 m t f dj»; katholische F u n.k t i o u ä r, der diese Stellung b« ktridek. Die Iren Werden wählen. London, 2. April. (Funkspruch.)' Der Präsident der; irischen Republik de V a l e r a erklärte Zeitungsbericht», erstattern, daß sich die Sinnfem^rpavtei an den Wahlerr für das südirische Parlament beteiligen werden Heber die spätere Haltung der Gewühlten gab er aber keim! Auskunft; man vermutet, daß sie sich ebenso wie die in daß englische Parlament gewählten Sinnfeiner jeder Betätigung enthalten werden. Frir die Erweiterung des jüdischen Ministeriums in 'Litauen. " Kozvno» 31. März. (Jüd. Korr.-Bur.) Die B u d g e k o m m i s s i o n der litauischen Konstituante beaniragte in der Vollsitzung der Nationalversammlung die Erweiterung desjüdi scheu Ministeriums durch Vergrößerung seines Emts und des Beamtenpersonals. Der Antrag wurde damit tezründet, daß die jüdische Minderheit mehr P a t r i o t r Z m u s und siaatsbildenden Sinn gezeigt habe als die anderen litauischen Nationalitäten. Der Antrag ist irr erster und zweiter Lesang angenommen worden. Für das jüdische Technikum in Haifa»! Jerusalem, 31. März. (Jüd. Korr.-Bur.'» Der bekannte russische Ziomst Boris G o 1 d b e r g. derZcgmwärlig zusammen m»t Ing. Johann K r e «r e n e z k aus Äicn an ,dcr Errichturm emer großen Ziegeündustrie in Palästina arbeitet, hat 2o00 P s v n d für die Banvollendung des hebräischen TechmkumS «Haifa gespendet. Der rumanischT MiMsriLaLeTMinister. Czernowitz, 28. März. (Privat.) Der neu« rumänisches Minoritatenminifter Popoviei-Tasea hat bei seinem Aufenthalt in Temesvar erklärt, für die volle kulturelle^ religiöse und'wirtschaftliche Freiheit der nationalen Minderheiten eintreten zu wollen^ (Die jüdischen Wünsche sind von ihrer Befriedigung' noch immer weit entfernt.) Zolger «nd Rybarz in Ro». Belgrad, 2. April. Wie „Novosti" melden, hat die jugoslawische Regierung zu der römischen Konferenz der Sukzessions^ staaien folgende Delegierte entsendet: Dr. Ottokar Rybarz (ehemaliger Abgeordneter von Triests Dr. Ivo Zolger (ehemaliger österreichischer Mrmstcr) und Dr. Ivo S p e v e z. Die jugoslawische Verfassung. Belgrad, 1. April. (Südslaw. Preßbureau.) In der. gestrigen Sitzung des Verfassungsausschusses wurdest dje Artikel, betreffend die Zusammensetziing der Nationalversammlung, angenommen.. Danach wird diese ausi Grund von allgemeinen, glei-chen, direktest und geheimen Wahlen gewählt. Je fünfzig^ tausend Einwohner wählen einen Abgeordneten. Die Wahlperiode dauert vier Jahre. Zara ein Freihafen. Triest, 2. April. Das italienische Amtsblatt veröfsont» licht «in Dekret, durch daS bestimmt wird, daß Zara und die übrigen italienischen Gebiete Dalmatiens von einem noch, behördlich festzusetzenden Tage an als außerhalb der Zolllinie liegend betrachtet werden. Die Zollfreiheit erstreckt sich^ «auch aus die italienischen Monopolartikel. Griechischer Kriegsbericht. Äthe«, 2. April. (HavaS.) Griechischer Kriegsbericht vom 31. März: Die südlich vorgehenden Abteilungen bemächtigten sich drS Bahnhofes von Mujat Tepaniar nad der umliegenden Höhen. Dieselben Abteilungen wiesen am 30. März heftige * Angriffe bei Kowalitza ab. (Die Türken meldM einen großen Sieg.), \l Zioniatiflche Besdrkssektion Leopoldstadt «Juden im Prater! Erscheinet in Massen boi der am Montag: den 4. April d. J. um 8 Uhr abends im Saale des Restaurant Bayer, II. Venedigetaü 4, stattfindenden Versammlung Redner Dr. Marions Krlme*: Die Lage unserer Drückvr iu d«y Ukraine. —»Oigaiiisaföonsirsgen: GemeinderatDr. L. Haschkes, ±

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