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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-03 · Heft 785 (3.4.1921) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 785 (3.4.1921)
Date
1921-04-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Geik ö Men, Sortma, Wiener «rorgenzeunng Tagesbericht. Eine KSifche KunstsnsstrUung. Die Vereinigung Mischer Forscher, Schriftsteller und Künstle- Wiens ^Haruach" veranstaltet 'in detr Atelier- Lämnen Wirrthle und Sohn Nachfolger, 1. Bezirk, Weihpurggasse 9, eine jüdische Kunst- und Buchausstellung, auf die wir alle jüdischen Kunstfreunde aufs nachdrücklichste cufincrvfcnrt machen. Es ist wahrscheinlich mrr ein Zufall» aber ein sehr glücklicher» daß das Arrangement der Bilder gleich dem Erntretcndcn die beiden Extreme versinnbildlicht, die die Pole des jüdischen Lebens btt Gegenwart bilden, auch des geistigen, die jüdische Kunst befruchtenden. Wir haben habet Zwei Bilder von Wachtel im Auge, die, einander gegenüber hängend, so grundverschiedene und für unS doch so bedeutsame Stimmungen wielrergeben, wie sie einerseits ein europäisches Judenviertel mrch dem Pogrom, anderer« seirs die üppige Pracht des OrürntS, symbolisiert durch eine dem Bade entstiegene Odaliske, iim Beschauer wachruft. Vergangenheit und Zukunftstraum drs Judentums sind hier von Künstlerhaud geformt. Auch sonst spiegelt sich die Polarität des indischen Lebens in d<n vor! den Künstlern behandelten Sujets. Wir sehen moderne Judentypen, gezeichnet von Struck, plastisch modelliert von Hochmann und Faöömcmn, und Gestalten aus der jüdischen Geschichte u«b Sage. (ein Studien köpf für eine »Judith" des Bildhauers- Hochmann und eine Statuette von Löw, »Lochs Weib"), Genrebilder aus der europäischen Judengasst (gemalt von Frau Federn-Lippdchih) und solche aus dem Orient (»Basar von Gazah" unter den schwierigsten Verhältnissen während des Krieges gemÄt von Hofmann, von dem auch ein Bild I e ru salems zu sehen ist). Palästina ist übrigens nicht bloß durch Bilder, sondern auch durch Bildner vertreten: Ein Maler namens Hirschfeld lieferte eine »Fruchteträgerin" und eine humorvolle Dar« stellurig iildams und Evas mit der Schlange. Die Polarität jüdischer Geistigkeit gewinnt Leben in einem Struckschen Porträt Tinsteius, der der modernen Wissenschaft neue Wege bahnt, und einer Statuette FarbmännS, einen Ost. juden darstellend, der sich in die Schriften der Bäter. Versen :r. Dem westlichen Großstadtlaben entnimmt der Maler Wachll eine Impression „Kasseehausterrasse", während sich der Bildhauer Hochmann an der religiösen Inbrunst der Ostjuden entflammt. Ein Relief hält die Stimmung des Kol Nid re fest, eine Anzahl Mcrskir betender Juden gibt den verschiedenen Stimmungen Ausdruck, die das Gebet in verschiedenen Typen der Gläubigen auslöst. Eine Gestalt aus der Hagadah. „Der nicht zu fragen versteht", gewann meiner Statuette Lows Leben. Zwischen diesen jüdischen Sujets findet man aber auch solche allgemeine Charakters: Porträtstudien von Gros, LandschaftsLstlder von Krestin, Siernfels und Edelmann. Auch der Altmeister der modernen Kunst, Liebermann, wird nicht fehlen, doch liegt bisher nur seine telegraphische Zustimmung zur Beteiligung an der Ausstellung vor. Und als ob diese das Vorurteil, daß Juden für manche Gebiete künstlerischer Betätigung, di: ihnen bisher ferner lagen, kerne Begabung besäßen, Hai Fraulein Pntirah Orender ihren Fleiß in den Dienst der mittetÄterli-chen Mönchskunst gestellt und rünsr irische Handschriften von Büchern (»Das Hohe Lred", deurfch und hebräisch, Skizzen von Hoeflich und Sprüche aus dem Talmud in deutschen Lettern) geliefert. Cs findet also jeder etwa» in der Ausstellung und cS ist r.rizu wünschen, dast sich recht viele die Muhe nehmen, dar! Zu frühen... Eine Netze tzes bosnischen Metropsliten KA die Irrderr von Sarajevo. meinen Dank allen seine« Gemeindemitgliedern Mitteilen zu wollen. Die Aufmerksamkeit und Achtmrg, die mir die Juden darbrachten, freut mach umsomehr, als ich diese Nation kenne und schätze. Dieses Volk hat der Menschheit den Glauben an einen Gott gegeben. Diesem Volke halben wir den Monotheismus, die zehn Gebote Gottes und die Bibel zu verdanken, diauch uns das heilige Buch ist wie ihnen. Die Bibel hat das Andenken jener großen musterhaften Charaktere verewigt, wie Abraham, Moses und anderer und selbst unser Erlöser ist ein Sohn dieses Volkes gewesen. Wer die Werke JosephuS FlaviuS kennt, der wird wissen, wie dieses Volk mit seinem beispiellosen Heroismus im Kampfe gegen die römische Gewalttätigkeit die ganze Welt in Staunen versetzt hat. Zu Tausenden fielen die Juden an den Mauern Jerusalems und bis ziun letzten Augenblick verteidigten sie tapfer ihr Vaterland, ihre Freiheit und die Heiligtümer ihres Glaubens. Und noch viele andere Tugenden schmücken dieses Volk, die die ganze Kulturwelt, anerkennt. Indem ich hier den jüdischen Oberrabbiner Herrn Dr. Levh begrüße, wünsche ich ihm von ganzem Herzen in der Ausübung seines erhabenen Berufes den besten Erfolg und ersuche ihn. bei der Arbeit für den Fortschritt undstdaS -Glück unserer lieben Heimat alle unsere Kräfte in Liebe und Eintracht zu vereinigen. Der Herr Oberrabbiner Dr. Levh lebe hoch!" Oberrabbiner Dr. Levh dankte.dem Metropoliten für feine Worte. An der Spitze der Juden, die, von früher her die Persönlichkeit des Beschoss Peter Zimonie kennen, begrüße er den neuen bosnischen Metropoliten, welcher als Priester und treuer Arbeiter auf dem Gebiet der Kultur, aber auch als ein wahrer Prediger der allgemeinen Liebe und Eintracht zwischen den Völkern ohne Unterschied der Konfession als Beispiel dienen kann. Er sei überzeugt, daß die Worte des Metropoliten, getragen von großer und wahrer Liebe, entsprungen aus dem Alten und Neuen Testament, einen tiefen Eindruck bei allen Juden üben werden. Help the jewish war invalids and pogroms! Helfet den jüdischen Kriegsand Pogrominvaliden! Jaden des Auslandes and Wiens! In unseren kleinen sind Hunderte von Kriegsopfern, dis ihre Augen, ihre Glieder, Hab und Gut im Kriege verloren haben und, als nach Polen, der Ukraine und IIngarn zuständig, ohne Schuh und Hilfe dastehen. Eine Pogromvrelle hat die Unglücklichsten aus den Ländern gejagt. Jüdische Krüpnel, Witwen, Waisen rufen um Hilfe. Juden! Hört den Ruf der Verzweifelten und zeichnet Anteilscheine zu K lO.OOO ' und 5000 als einmalige Spende, alspessach- Geschenk. Jeder Baustein rettet eine jüdische Kriegsinvalidenfam'lic. Aach die Kleinste Spende willkommen! Der Verband der jüdischen Heimkehrer und Invaliden braucht da» Geld für: Prothesen für Kriegskrüppel, Maschinen and Werkzeuge für Arbeitsfähige, Hunti v für Bilnde, sanitäre Hilfe fiir Kranke, Brot utd Bekleidung für hilflose Kriegswitwen. Zeichner von Anteilscheinen werden für eine Ehrenkarte zur Konzert Veranstaltung vorgemerkf, die am 17. Mai im Grossen KoiuerthaussaaJe zugunsten ,der Kriegsopfer stattfindet. Mitwirkende sind: Kammersängerin Goffr H-Schoder.KammeTsängerLeoSlezak, SteffJFredden, Loe Ley, Univ.-Prof. Mao Cnut Smith, Harry Waiden, Bläserchor der Oper. Zeichnungen und Spenden werden entge-engonommen: In der Redaktion der „Wiener Morgenzeilung“, in der Verkehrsbank, Filiale Tebcrstsaase, i>ad ira Verbände d »r jüdischen Invaliden, II., Obere Donaustrasse 6ö, an Wochentagen zwischen & und 6 Uhr nachmittags. 4898 iins Sarajevo toiz% uns geschrieben: Am 26. Fetcj.cz b. I. fand in der neuen serbisch-orthodoxen Kirche zn Sarajevo die feierliche Inthronisation des bosmschen Metropoliten Herrn Peter Zimonie statt. Unsere sephardische Gemeinde. welche durch die Einladung des OberrabbinerS Tr. L t b h zu dem am Abend im jugoslawischen Klub zu ehren des neuen Metropoliten stattstnbenden Banketts seitens dcü ll.rchlich-eparchischen Kollegiums geehrt worden war, senkte ihre Vertreter zu der trrchlichen Feier und die Abocdxvr:,\ ve stehend aus dem OLerrabiner Dr. Levh, Herrn iVibczt 2t 5 i nun, Dr. §. Pinto und deS Sekretärs A. L c v i, begab sich nach der kirchlichen Feier in die Wohr.ung der neuen Metropoliten. Oberrabbiner Dr. Levh übrrbvachte die Glückwünsche der von ihm vertretenen Gec'-'biöt. Drr Metropolit, umgeben von seinem Prresterkollegimn und mehreren Vorstehern der Zivilbehövde, erwiderte diese Begrüßung mit einer Ansprache, in der er be-' wnte, daß er als Prieste:: sich auch mit dem Alten Testament befaßt habe und wisse, welch kostbarer Schatz für die Menschheit in der heiligen Bibel geborgen sei: ..Auch wir" — sagte er — »halten die zehn Gebote Gottes, wie Sie. Ich kenne wohl Ihre Glaubensgenossen und weiß aus Erfahrung, daß sie den geraden Weg gehen, welchen ihnen die Bibel vorschreibt. Möge Euch der Allmächtige Kraft und Widerstandsfähigkeit verleihen, um auch fernerhin auf diesen Wegen beharren zu können. Vielen Dank für Ihr Erscheinen!" Im Verlauf des Banketts richtete der Metropolit Zimonie u. a. folgende Worte an die Versammelten: ^Gestatten Sie, meine Herren, daß ich noch einmal das Wort ergreife, da ich den Vertreter unserer jüdischen Mitbürger und Jreunlde, Herrn Dr. Levh begrüßen möchte. ES freut mich sehr, daß mich die Juden durch ihren ersten Seelsorger beglückwünschen lassen. Indem ich dem Herrn Dr. Devt, für seinen heutigen Besuch in Begleitung der jüdischen Abordtmu0 tu meine Wohnung sowie auch für sein jetziger Er- Meinen su dieser Fei« herzliM danke, «Luche ich Ln. diesen Einstein über He Aufgaben der Universität in Jerusalem. Professor Einstein hat sich über die Gesichtspunkte, welche ihn bei seiner Amerikareise leiten, die er zurzeit zur Vorbereitung der Jüdischen Universität in Jerusalem unternimmt, in einem. Interview in folgender Weise geäußert: ' Die Jüdische Universität in Jerusalem soll derart angelegt werden, daß sie den gegebenen Bedürfnissen des Landes nach wissenschaftlichen Forschungsinstituten entgegenkommt. Vorerst wird es sich um eine Reihe von Forschungsinstituten handeln, welche sich damit befassen, die natürlichen Bedingungen Palästinas zu erforschen und wissenschaftlich zu bearbeiten. In erster Linie kommt ein agrikultur wissenschaftliches, daneben vielleicht ein chemisches Institut in Frage. Diese Institute müssen in engste Berührung treten mit den bereits bestehenden und noch zu entwickelnden Versuchsstationen und Lehranstalten der Landwirtschaft. Ferner kommt vor allem in Frage ein Institut fiir Mikrobiologie. Seine praktischen Auswirkungen werden der Bekämpfung der Seuchen in Palästina zugute kommen. Endlich kommt für den Anfang noch in Frage ein orientalisches Institut, welches der Erforschung des Landes, seiner historischen Denkmäler und der Landessprachen dient, des Hebräischen und Arabischen, vielleicht auch weiterer orientalischer Sprachen. ' Diese Institute werden die Grundlagen der wissenschaftlichen Forschungstätigkeit in Palästina darstellen. Eine eigentliche Lehrtätigkeit der Dozenten dürft? einstweilen weniger /in Frage kommen. Es ist sogar wünschenswert, daß vsnnieden wird, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas, die noch sehr klein ist und erst lotvaiam «rwachlen wird, von Anbeginn weder in allz» «. April 1921 Nr. einseitiger Weise auf die geistigen Berufe hingedrängt wird: eS ist vielmehr wünschenswert, daß eine normale Verteilung der jüdischen Bevölkerung auf die verschiedenen Berufe stattfindet, und daß die bekannten Einseitigkeiten in der Berufsausbildung der Juden außerhalb Palästinas nicht, in gleichem Maße eintreten. Erst mit dem Anwachsen der Bevölkerung wird die Universität eine allmähliche Verbreiterung erfahren und allmählich sich hoffentlich zu einem Mittelpunkt des jüdischen Geisteslebens und überhaupt, zu einem geistigen Zentralpur kt ausbilden. j Ueber seine allgemeinen Anschauungen zum zionistischen Problem äußert Professor Einstein, daß er starke Elemente einer volklichen Einheit bei den^Juden fiir bestehend erachte, die jedoch unter den jetzigen Devhältnrssen in vielen Ländern nicht zur vollen Entfaltung gelangen könnten. Ein jüdisches Palästina werde dazu beitragen, daß dis Juden die nationale Selbstachtung wieder erlangen, die ihnen unter dem moralischen Druck der öffentlichen Meinung ihrer Wirtsvölke? vielfach abhanden gekommen sei. Dieser Mangel au Selbstachtung, der zu einer an die Mimikry der Schmetterlinge erinnernden Anschmiegung der Lebensformen an die der nichtjüdischen Umgebung führe, könne am besten dadurch behoben werden, daß die Juden als Gesamtheit ein Kulturwerk errichten, auf das sie mit Freude und Stolz blicken können. j Professor Einstein erklärte einem Vertreter des Jüdischen Korrespondenz-Bureaus gegenüber, der Keren Hajessod sei von größter Wichtigkeit für die Nenaisfance deS jüdischen Geistes, sü-r die Menschheit. Er nahm mit Vergnügen die Einladung nach Amerikas an, um seine eigenen Kräfte so weit als möglich derj - Unterstützung der Keren Hajessod -Bewegung zui widmen. _ -i1 Alterselend^ Solange er sich rwch schleppen konnte, wunderte der alt» Mann jeden Morgen in sein Geschäft. Die Duchhalterposten» in denen man einen Sieziger brauchen kann» find dun« gesät, auch in der Großstadt, und wenn man noch dazu ein ^Flüchtling" ist, so hat man allen Grund, zu trachten, daß man nicht entlassen wird. Auch die drciundsiebzig Jährlem, die man auf dem Rücken trug, durfte man so ohnewrüernicht Zugeben. Der Alte matz sich fünfimdsechzig bei, reckte sich, so gut es gehen wollte, in die Höhe und bemühte sich, so wohlerhalten und uNternehmend drernzusehen wie ei» alter Hagestolz, der auf die Freite geht. Diese Anstrengungen machte er selbstverständlich nur im Geschäft, wenn er sich keoLachtrt fühlte, zu Hause klappte er zusammen, warf sich in den Kleidern aufs Bett und lag die ganze freie Zeit mit geschlossenen Augen da. unfähig, sich zu rühren. Auch dag Aechzen und Stöhnen konnte er nicht nnwrdrücken. so peinlich das für seine Familie auch anzuhSre» war. Der Arzt, den man berief» zuckte die Achseln und verordnete lautes gute, schöne und angenehme Dinge. Bor allem vollständige Ruhe, dann leichte und doch kräftigende Kost» gute Pflegt kerne Aufregungen, keine Anstrengungen — am nächste« Morgen kroch der Mte wieder um halb siebe» ans den Federn, atz seine paar Dissen Maisbrot mit Rübenmarmetade und girtg den weiten, kalten, windigen Weg zu ferne*} Arbeitsstätte. Das war nicht Schaffensfreude, das war bitterer Muß. Von fernem Verdienst lebte die ganze Famrlie. nicht nur feine alte und noch dazu weit über ihre Jahrs gebrechliche Frau, sondern auch dis verwitwete Tochter mch ihren vier weißblonden Bübchen. Diese T«»ch1er hatte ja eine Hausarbeit übernommen, die nicht so schlecht gezahlt war. Aber wieviel kann man den leiste«, wenn mau danebe» die -Wirtschaft fuhren und für sechs Kinder, zwei alte und vier junge, sorgen muß. So blieb der Baker der einzige -Verdiener*, und wenn ihm die Frauen auch immer zuredeten, sich zu schonen, bei schlechtem Wetter zu Hause zu bleiben, innerlich waren sie glücklich, datz er die Kraft auf» brachte und sie so vor dem Aergsten bewahrte — vor der« Betteln. . Aber eines Tages erM der alte Mann im Geschäft einen Schwächeanfall und mußte im Rettungswagen noch Hause gebracht werden. Die Knochenkrankheit kam dazu und nach drei Monaten qualvollen Leidens war es zu Ende. Leidenschaftlich hatte sich der Greis gegen das ,Sterben gewehrt. «Ich darf nicht sterben, ich kann nicht sterben", wiederholte er eigensinnig. «Wer wird für euch sorgen?" Aber der Tod widerlegt die stärksten Argumente. Mochte der Alte auch dem Chef des Geschäftshauses, der teilnehmend Nachfragen schickte, jedesmal die Botschaft zukammen lassen, es ginge viel besser und in acht, zehn Tagen hoffe er wieder seine Arbeit aufnehmen zu können, der Knochenmann war nicht zu täuschen. Als der Kranke gestorben war, waren voi^ seinen Kleidern gerade noch die schlechtesten vorhanden — alles andere war verkauft, um die Kosten der Krankhen zu decken. Der Chef zeigte sich ftergiebig, zahlte noch ein Stück über die Pflichtsumme hinaus und gab der Witwe überdies noch ein paar freundliche Ratschläge. Für ei« paar Monate mag eS reichen — was dann? Verwert und ratlok steht die Witwe, eine jener hochgebildeten und gänzlich unpraktijchen Frauen, wie sie in den jüdischen Patrizierfamilien GaliztenS heranwachsen, der Situation gegenüber, sie weiß nicht, wav sie tun, was sie lassen soll. Das wenige, was ihr geblieben, zufammenraffen und in die Heimat flüchten? Sie kann bis Tochter, die Enkel nicht im Stiche lassen. Fremder Menschen Mitleid anrufen? Lieber doch verhungern, Außer von chre« Vater und ihrem Mann hat sie van niemandem noch einen Heller, angenommen — auch das Almosennehmen will gelcrnt sein. Sa starrt sie hilflos > der, Zukunft entgegen,' dqm unabwendbaren Schicksal. Ihre einzige Hoffnung ist, zu ster» , ben, ehe ezu« Aeußerste« kommt — die letzte Hoffnung i «nelangen» «LeitSoeichen» rechtbchniftne» AebenS. K» M.

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