Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 785 (3.4.1921)
- Date
- 1921-04-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Men. Sonntag Wiener Morgenzeitnnft „DaÄH Telegraph". ^»Age» ferner gut Kenntnis nehme», daß, als eine palästinensische Zeitung einen Artikel veröffent- Lchte. der die Araber zum Aufstand gegen die Franzosen aufforderte, der Herausgeber angeklagt und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde» während bei einer anderen Gelegenheit der Herausgeber durch den Gouverneur von Jerusalem eine ernsthafte Derwarung bekam, weil er verletzende Ausführungen gegen die Franzosen veröffentlicht hatte." In beiden Fällen sei Sir Herbert Samuel auf eigene Initiative eingeschritten, bevor die französischen Behörden in Syrien puch nur eine Beschwerde ausgesprochen hatten. Diese Vorfälle seien typische Beispiele für den freurw» schaftlichen Geist, der die britische Verwaltung gegenüber dem französischen Nachbar erfüllt. Auf der anderen Seite habe aber in Damaskus und Beirut, also innerhalb der ftanzosischen Zone, die Presse in der jüngsten Zeit wiederholt Artikel mit den heftigsten Angriffen gegen England und mit persönlichen Attacken auf Sir Herbert Samuel veröffentlicht und eine ununterbrochen« Propaganda gegen den Zionismus und sein« britischen Vorkämpfer entfaltet, doch sei bis in die jüngste Zeit gegen die Autoren dieser Anginffe, die auch in Reden zum Ausdruck gekommen find, niemals eingeschrtUen worden. Es ist sicherlich nicht ohne Bedeutung, daß die Londoner Presse gerade in diesem Augenblick, da Churchill fich in .Jerusalem befindet, den Franzosen diese Rechnung Vorhalt. Wahlrechtsreform in RitmLnie«. f Aus Bukarest wird uns berichtet: Der Ausschuß zur Aenderung des Wahlrechtes ,ün demokratischen Sinne hat seiwr Arbeit beendet und in Form von Vorschlägen der Kammer unterbreitet. Die Vorschläge des Ausschusses bedeuten gegenüber dem ursprünglichen Regierungsentwnrf einen wesentlichen Fortschritt. Von den wichtigsten Aenderungen sei hervorgehoben, daß nach den Beschlüssen des Ausschusses auf fe 50.000 Einwohner ein Abgeordneter zu entfallen habe, während der Regierungsentwurf für je 250.000 Einwohner einen Volksvertreter vorsieht. Der Ausschuß verlangt, daß auch die Wahlkreiseinteilung einen integrierenden Bestandteil der Wahlrechtsreform bilde und nicht durch ein besonderes Gesetz geregelt werde. Von Wichtigkeit ist auch das Bestreben des Ansschußanträges, nicht in den Fehler des alten ungarischen Wahlrechtsgesetzes zu verfallen, welches dazu angetan war, die nationalen Minderheiten zu unterdrücken. Der Antrag des Ausschusses ist nach Möglichkeit bemüht, die Schaffung von gemischten Wahlbezirken zu vermeiden. Es soll zum Beispiel in einem Wahlkreis mit überwiegend magyarischen Wählern die rumänische Minorität dem nächsten rumänischen Wahlkreis angegliedert werden, damit die Magyaren ungestört ihnn Willen bei der Wahl kundgeben können. Was den Senat betrifft, akzeptiert der Ausschuß wohl auch die berufsmäßigen Senatoren, lehnt jedoch die gewesenen Minister ab, welche nach dem ursprünglichen Entwurf gleichfalls hatten Senatoren werden sollen. Von großer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Frage der Staatsbürgers chaft. Wohl hat der Ausschuß in dieser Frage keine dezidierte Stellung angenommen, doch hat er in einem wesentlichen Punkte sich gegen die Auffassung der Regierung ausgesprochen. Im Sinne des Regierungsentwurfes wären diejenigen österreichischen und ungarischen Staatsbürger, welche vor dem Jahre 1914 in den nunmehr Rumänien angegliederten Gebieten sich nieder, gelassen und im Sinne des Friedensvertrages für die rumänische Staatsbürgerschaft optiert haben, als rumänische Staatsbürger anzusehen. Der Ausschuß hat nun nachgewiesen, daß diese Bestimmung dem Friedens- Vertrag widerspreche, welcher auch den vor dem Jahre 1918 Angesitzdelten die rumänische Staatsbürgerschaft zuspricht, wenn sie für einen anderen Staat optiert haben. Diese wichtige Frage gilt noch immer nicht als entschieden und wird erst im Plenum der Kammer zur Entscheidung gelangen.! - Die Oedenburger öffentlichen Beamten gegen die „Erwachenden Ungarn". r Wie bereits berichtet, hat der Nationalverband der rmgarländischen öffentlichen Beamten sich als Organisation in den Dienst der Boykottaktion gegen die liberalen Blätter gestellt. Im Zirkularwege sind die Zweigvereine der einzelnen Komitatsmunizipien auf gefordert worden, in der gleichen Richtung Hand in Hand mit den Lokalvrganisationen der „Erwachenden Ungarn" tätig zu sein. Ein Großteil der Mitglieder des Oedenburger Vereines der öffentlichen Beamten hat jedoch gegen diese Einspannung in den reaktionären Dienst Stellung genommen und die Aufforderung der Budapester Zentrale zurückgewiesen. Hierauf begann sowohl vem Zentralverband als auch vom Verband der „Erwachenden Ungarn" eine förmliche Hetzjagd gegen die Oedenburger Remittenten, welche als unpatriotfich vnd illoyal angeprangert wurden. Wie uns nun aus Oedenburg berichtet wird, hat der Ausschuß b«S Verbandes der öffentlichen Angestellten des Komitatß Oedenburg gegen die Drohungen der „Erwachenden Ungarn" und der ihnen gleichgesinnten Beiter des Zentralverbandes eine Erklärung veröffentlicht, i« welcher sie gegen die terroristische« Einschüchterungsversuche protestieren, und einfür allemal erklären, daß sie selbst auf die Gefahr hin, als unpatrioiisch verleumdet zu werden, niemals einen Beschluß ober fi&Ll&ag ausMren werde»« wÄHer LujWrmg und ihrem Willen zuwiderläuft. Dies sei der Fall mit der Zumutung, an der Knebelung brr Preßfreiheit mitzuarheiten und hiezu ihre Stellung als öffentliche Beamte zu mißbrauchen. , ,. Die Juden find an allem schuld. Im Verlause der letzten Ereignisse (gemeint ist die Heimkehr Exkönig Karls. Die Red.) war die Haltung der „Erwachenden Ungarn" und ihres Führers im weißen Terrorismus, des berüchtigten Ivan HejjaS, wohl am bezeichnendsten. Präsident des Verbandes der „Erwachenden Ungarn" ist bekanntlich Szmrecsan yi, der zu den eifrigsten Legitimisten gehört und, wie behauptet wird, in die Vorbereitung des karlistischen Putsches eingeweiht war. Man war nun der allgemeinen Meinung, daß Präsident Szmrecsanyi die „Erwachenden Ungarn" in seiner Gewalt habe und daß fctefe sich auf die Seite Karls schlagen würden. Die Sache kam jedoch anders. Hejjas, ein Verwandter Horthys, stellte sich nicht Karl, sondern Horthy zur Verfügung, und es erwies sich, daß feine Macht über die „Erwachenden Ungarn" eine größere ist als »diejenige des nominellen Präsidenten Szmrecsanyi. In der Nacht vom letzten Dienstag auf Mitttvoch hielt die Zentralleitung des Verbandes der „Erwachenden Ungarn" Unter Vorsitz eines der VizepräsÄeriten, Ludwig Lukacsovich, eine Direktionssitzung ab, um zum Putsch der Karlisten Stellung zu nehmen. Es handelte sich hiebei <umt die schwerwiegende Frage, ob die „Erwachenden Ungarn" Szmrecsanyi oder dem Hejjas folgen sollen. Es wurde nach dem Berichte des Vorsitzenden beschlossen, das B dauern darüber auszudrücken, daß Präsident Szmrecsanyi als christlicher Politiker einer s o klaren jüdischen Machination hineingefallen sei. Es sei jedem klar gewesen, daß Wilhelm Vazsonyi als Quartiermacher Karls nach Hause gekommen sei und seine Heimkehr im Einverständnis mit den übrigen Juden erfolg^. Es wurde beschlossen, einerseits dem Präsidenten Szmrecsanyi nahezulegen, seine Demession als Präsident des Verbandes der „Erwachenden Ungarn" zu geben und ande.erseits üuf bas „jüdische^ Manöver^ mit einer imposanten Demonstration der „Erwachenden" für Horthy zu antworten. I Verstsigeruiigsamt DOROTHEUM 1 3 Wien, L,,.Dorqtheergäss0 17. 3 jg T¥r»^yyrry»rr»»vii'Wvmr'Tyyy»y|n>'»v jg h Gesamteinrichtnng I | Schloss Klessheim | g bei Salzburg gg H Nachlass Erzherzog Lndwig Viktor B- I. Teil: Silberschatz E E E PrächtigesAlt*Wiener Silber, Gebrauchsgegenm stände, vollständiges, reichhaltiges, grosses Hotelservice, Kaffee* und Teesemces, B väjeuners, Nippes etc. jQ Schaustellung: G von Donnerstag den 14-. die Sonntag den G 17. April von 10 bis 5 Uhr im Kar! Laak, Q Versteigerung: G *j von Montag den 18. bis Donnerstag den 21. April G « ab 3 Uhr in den Kunstsälen. « Jjg BBEEEEEEEEEEEEEEHB a a a a a a a a a a Inland. Die Sortierung Oesterreichs. Paris, 2. April. (HavaS.) In feiner Antwort an die alliierte« Regierungen bezüglich der internationalen Kredite für Oesterreich nimmt das Finanzkonritee des Völkerbundes Kenntnis davon, daß die österreichische Regierung wünscht, daS vom Völkerbund genehmigte Projekt der Beschaffung international« Kredite auf Oesterreich angetvendet z« sehen, und daß sie bereit ist, die Verwaltung der alö Sicherstellung für die Anleihen rmb die notwendigen Kredite zu gewesenen Aktive« dem Völkerbund zu übertrage». Das von den alliierte« Regierung«» verfolgte Ziel ist bis Hebung de» Kredits Oesterreichs. Seins Wiederherstellung erfordert nicht nur die Mitwirkung der österreichische« Fi na « zlente, sonder« auch die der österreichischen Regierung selbst. Das Fimmzkointwe ist bereit, feine Hilfe hiezu zu leihen. Die aus btt Londoner Konferenz vertretene» Regierungen erklären, daß sie tm Prinzip der Suspendier«« g ihrer Rechte -«stimmen würbe«. Das Finanz komitee hat daS Bedürfnis, üb« die Entscheidung bet auf dies« Konferenz nicht Vertreter, gewesenen Regierungen informiert Pt werde«. ES ist wichtig, daß die Kredit«, «m sie z« ermögliche«, auf eine» ziemlich bmge« Zeitraum gewährt wecken. Dieser Zeitraum sollte nicht weniger als t»aiuU ft 4* «Mit. a Ayrkr 1921 Nr. 785 daß die österreichische Regierung, damit das Finanzkomite« Oesterreich die notwendige Hilfe bringen könne, die Finanzlage Oesterreichs verbessere, indem sie insbesondere der End Wertung der Krone Einhalt tue. Mit Rücksicht ans daS gegenwärtige Defizit im Budget müßte die österreichische Negierung eine innere Anleihe durch eine öffentliche Subskription aufnehmen, worauf, die Aufnahme einer ouÄvartigen Anleihe ins Auge gefaßt werden könnte, diq ■ durch Garantien, die das tzinanzkomitee als blllig ansehe» werde, gewährleistet werden soll. Gerade in diesem Augenblick könnte bas System der internationalen Kredite mit vollem Erfolg zur finanziellen Wiederherstellung Oesterreichs bei-: tragen. Falls die angeführten Maßnahmen von der öfterreichischen Regierung nicht in zufriedenstellender Weise durch, geführt.wücken, hätte das Fmanzkomitee die Beftrgnis, ergänzende Pfandvbjekte zu verlangen oder sein« Mitwirkung bezüglich der Erlangung «euer Kredite seitens Oesterreichs rinzustellen. Das Finanzkomitee enrpfiehlt, daß bei der Liqnidrerung der Oesterreichisch-ungarischen Bank ein Nebeveinkommen zustandekomme, damit Oesterreich in den Besitz eines Anteils gelange, der hinreichen würde. Um eine wirksame Reorganisierung seiner Emissionsbank zu -sichern. DaS Komitee verlangt auch, daß so bald als möglich die Aufteilung der Schulden der ehemaligen österreichisch-ungarischen. Monarchie erfolge. _! , Die tschechische Gesandtfchaft in Wien. Wie wir erfahren, wird der bisherige Bevoll« mAchtitzte der tscheche-slowakischen Republik in Wie«, Herr Dr. Flieder, zum Gesandten in Bern ernannt, An seine Stelle tritt der bisherige Gesandte in der Schweiz, Herr Dr. Cyrill Duschet, ehemals Redakteur des Prager Realistenorgans „Cas". Zum tschechischen Generalkonsul in Wien wird Herr Dr. Chwalkowsttz bestellt. _ Die Brotarrstage. Der Finanz- und BudgetauSschutz ist für Freitag den 8. April einberufen. Tagesordnung: Regierung-, Verordnung, betreffend eine besondere Brotauflage im Jahre 1921. * Die Dölkerbrmdkomrnission in Wien. Der französische und der englische Delegierte im Finanz, auSschuß des Völkerbundes, A v e n o l und Drummond- Fraser, haben sich gestern in Begleitung deS dänischen Bankiers Glücks st adt von Paris nach Wien begeben, um mit dar österreichischen Regierung direkte Verhandlungen aufzunehmen. Auch Leon Bourgeois, kommt in den nächsten Tagen nach Wien. Erholungsurlaub Dr. Seipels. Der Obmann der Chrisilichfozialeu Bereinigung Abgeordneter Dr. Seipel tritt dieser Tage eine« vierwöchigen Erholungsmlanb an. Während seiner Abwesenheit werde« die Geschäfte drS Präsidiums der Ehristlichfozialen Bereinigung von den beiden Obmannstellveltretrru FinkuudStöcklrr rm Vereine rmj dr« Präsidenten Dr. WeiLkirchnrr geführt werden- Parteioffiziös wird über Seipels Krankheit gesagt: Dr. Seipel krachtet eS als ein Gebot feiner Stellung, alles zu vermeiden, was den Schein hätte erwecken könne», als ob aach er, der sowohl i» Parlament als in de« Versammlungen und in der Presse die bestimmte Hoffnung auf dir Möglichkeit des WiederanfbaueS unsere- Vaterlandes avfiechrerhielt, Zweifel daran Ran« gebe und etwa der weiteren Verantwortung für die von ihm vertretene« Politik ausweichen wollte. Da eine solche Deutung seinedurch die gebotene Rücksichtnahme auf seinen Gesundheitszustand erzwungenen temporären Ausscheidens ans der Politik nunmehr anSgrschlosseu erscheint, durfte er Nicht länger zögern. Ostermaqer und die UrtiversttStsautonomie. Im Abendblatt der .Reuen Freie« Presse* vom 26. März polemisiert der bekanntlich deutschnattonal-anbi. semitische Rektor der Hochschule für Bodenkultur Professor Dr. Ostermayer gegen die sogenannte „Lex Seifen* Dieser Gesetzentwurf verfolgt daS Ziel, dem durch finanzielle Röte und in weiterer Folge durch die Abwanderung angesehener Lehrkräfte ins Ausland und die Unmöglich k t.-it der Berufung namhafter ausländischer Gelehrten herbeigeführten Sinke« de»- wissenschaftlichen Niveaus der österreichischen Hochschulen dadurch Einhalt zu tun, daß diesen Lehranstalten .wirtschafttiche Autonomie" verliehen wird. Jeder akademische jsenat hätte demnach daS Recht» die Höh« aller Stubien« gebühren selbständig und nach eigenem Ermessen festzusetzen, für ausländische Hörer erhöhte Sondergebühren einzuführen und alle Geldesnnahmen nach fernem Gutdünken zu verwalten und zu verwenden« lieber die Vorzüge und Nachteile der »Lex Kelsen", die in der Hauptsache ja doch nur auf eins Schröpfung der an österreichischen Hochschulen studierenden Ausländer (lies: der Juden) hinausläust, kann man verschiedener Meinung sei«. Aber der zweifellos unter dem Druck der Not und aus wissenschaftlichem VerantwortlichkertS» gefühl heraus entstandenen »Lex Kelsen" wird von einer Sette opponiert, von der man das eigentlich am ollsrwemgsten erwartet hätte, nämlich von den mehr oder weniger .julenrsinen" deutschnationalen Hochschulen, also von den Privat« instituten und vor allem von der Hochschule für Bodenkultur und von ihrem Rektor Professor Ostermayer. Herr Ostermaye, meint nämlich, wen« die Wiener Universität sich selbst helfe« werbe, würde der Staat für die Rein««« Universitäten in Graz und Innsbruck gar nichts «ehr tu« und diese würden der Vernichtung anheimfallen, gegen diesen in der .Lex Kelsen" verankert liegenden Egors« mm geAüH testen» Dwh