Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 785 (3.4.1921)
- Date
- 1921-04-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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€*ue A Mm, Vlwnrag Mener MorgenzettAng A. April IM 788 Hat Deutschland zur Erhöhung der Kohlenförderung ge« -Wimgen und damit die englische Kohlenkrise erzeugt, die jetzt zu einem bedrohlichen Streik angewachsen ist. Das ist nur eine der vielen Folgen des Versailler Friedens, der sich durch nichts paralysieren läßt. Die Konferenz zu Rom, die morgen ihren Anfang nimmt, wird' Wenigstens den Versuch machen, das Chaos in den Nachfolgestaaten Oesterreichs aufzuklären. Ihr Grundgedanke. den Krieg zu liquidieren, wird sie bei diesem Programm nicht stehen lasten. Es wird zu einer neuen, alleuropäischen Konferenz kommen müssen, die dem ‘ Friedens krieg ein Ende macht. Sie wird die internationale Krankheit bekämpfen müsten, -die aus ganz Europa ein Elenöshaus gemacht hat, in dem. aus einer Seite gemordet, auf der anderen gestohlen wird. Exkaiser Karl. . Die bayrischen Allbenlschen ärgern sich. ' München, 2. April. Die hiesigen Blätter verurteilen ohne Unterschied der Partei das Vorgehen des früheren Kaisers. Besonders scharf wendet sich die deutschnationale „Augsburger Abendzeitung^ gegen den Exkaiser, den sie als Verräter bezeichnet, für den nach monarchistischen Ideen kein Platz auf einem Thron mehr sei. Das Organ der Bayrischen Dolkspartei, der „Bayrische Kurier", meint, daß zwar die Anhänger Kaiser Karls in den führenden politischen Parteien Ungarns zurzeit die Mehrheit haben, doch sei für eine bodenständige Restauration, die einen Monarchen wieder ins Land bringen soll, das Land noch nicht reif. Das Vorgehen des Exkaisers erscheine als Abenteurerpolitik schlimmster Sorte. Auch die Entente würde ihre ganze Kriegszielpolitik desavouieren, wenn sie in eine Restauration Karls eimvilligen würde. Die Staatsform Ungarns. k Budapest. 2. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Ueber Me Haltung der Nationalve «ammluug angesichts der durch die Rückkehr des Exkönig Karl geschaffenen Lage schreibt das „Reue Pester Journal": N n garn i st e i Ne Monarchie auf der konstitutionellen Grundlage, welche Deak in dem Kampfe gegen den alten Absolutismus zur Geltung gebracht hat, daß «nämlich die monarch'stische Verfassung einen zweiseitigen Vertrag zwischen Volk und Monarchen bildet. Man kann ans dem legitimistischen Prinzip stehen und doch mit der Resolution einverstanden sein, wonach die heute bestehende Rechtsordnung diejenige ist, die die Nationalversammlung bei der Einsetzung des jehigen G taatsoberhauptes festgestellt hat.- An dieser Rechtsordnung läßt sich bei aller sonstiger Legitimität nichts ändern. Mer auch die Anhänger der freien Königswa hl können sich mit dieser Stellungnahme zufriedengeben, da sie in der Königsfrage nicht prinzipiell ftftgelegt ist. Die Königsfrage kann nur im Einvernehmen mit dem ganzen Volke und allen Machtfaktoren, nicht aber in individueller Weise gelöst werden. Sforza über freit Putsch. Rem» 1. April. (Stefam.) Im Senat teilte Minister des Aeußern Graf Sforza die letzten aus Budapest eingelangten Meldungen mit, die das volle Einvernehmen der italienischem der französischen und der englischen Diplomatie dartun, um die Abreise des Exkönigs Karl herbeizuführen. In Wien seien Schritte unternommen worden, um ihm freie» Geleite z« sichern. Im Übrigen würde die italienische Regierung ihre Zustimmung Mrr Durchreise des Exkönigs durch Italien erteilen, wenn Karl nach Sparnen oder anderswohin gehen wollte. Graf Sforza fuhr sodann fort: Das Abenteuer Karls toot feine Ueberrafchung, denn Italien halte eine solche Gefahr vorausgesehen und ist ihr zuvorgekomme», indem es diesbezüglich ein formelles Uebereinkommen mit der Dslgrader Regierung abgeschloffen hat, das durch herzlichen Gedankenaustausch mit der Prager Regierung ergänzt wurde. Dies ist einer der Vorteile des Vertrages von Rapallo und der intimen Beziehungen Italiens zu den Nachfolgestaaten.. Andererseits jedoch schien eS schwer, a-Mnehmen. daß Karl seine Pflichten gegenüber dem Volke, dem er anzugehören dorgibt» so niedrig auffassen werde, um es unbedenklich cm« persönlicher oder Familieneitelkeit in neue Krisen unb Gefahren zu treiben. Jedermann in Ungarn weiß, daß weder Italien noch die Nachbarstaaten jemals die Restauration Karls zulassen würben. Graf Sforza erklärte: Ich will meine Zuversicht zum Ausdruck bringen — und ich wünsche, daß dies jenen Ländern zur Kenntnis gelange, die wie wir durch die Habsburger gelitten haben — daß wir heute zum letztenmal diesem Herrn die Ehre erweisen, von ihm im italienischen Parlament zu sprechen. Militärische Vorbereitungen ln Westnngar«. Wie ,-8ecsi Magyar Ujsag" aus Wiener-Neustadt berichtet, wurden tu der letzten Woche in ganz West- Ungarn zum Teil durch Aus trommeln in den DS fern und Gemeinden, zum Teil durch schriftliche Vorladungen in Steinamanger und Oedenburg fast alle diejenigen, die nicht in der Nativnalarmee gedient habe'-, aber früher Soldaten waren, zur Dienstleistung einba- »fttt. Am Donnerstag abends wurden diese EinberufWngsn eingestellt, die bereits ausgasandten Ayr- ÄabUpMU Idbftfft Uiäfc rfifErt/tttrtlrt in Palästina. Ein Memorandum der Inden. Aus Jerusalem wird uns unter dem 27. v. M. gemeldet: Eine ans dem Waad Leumi, der Zionistische« Kommission und dem- Oberrabbmat bestehende Abordnung hat sich,, beidein in Jerusalem eingetrofsenen. Kolonialminister Churchill zur Audienz an gemeldet Wie wir erfahren, wird die Abordnung Mr. Churchill ein Memorandum überreichen, in dem die Stellung der palästinensischen Judenheit zu den Landes, fragen dargelegt werden wird. Dasselbe anerkennt die großen Verdienste Sir Sam ne lS in seinen Benlühnngen um die.Herstellung freundschaftlicher. Beziehnngen zu. den Arabern und stellt wiederholt fest, daß die Zionisten keinerlei Absicht habe«, die Rechte der arabischen Bevölkerung anzntasten. Hingegen wird das Wiederaufleben deS jndischen Volkes in Palästina sowohl ans die arabische Nation als auch auf alle erwachenden Völker des Orients ermutigend und befrnchtend wirken. Ferner wird in dem Memorandum die Anerkennung des über die ganze Welt verstreuten jüdischen Volkes als eine Einheit gefordert, die znr Mitwirkung an allen, die Entwicklung Palästinas betreffenden Beschlüssen berechtigt sei« soll. Schliesilich fordert das Memorandum die Förderug der j ü d i s ch e n A n s w an d e r u « g aus den wirtschaftlich ruinierten Ländern, insbesondere aus den Pogromländern nach Palästina, sowie die Uebergabe der natürlichen Reichtümer des Landes und der Staatsländereien zum Zwecke d"ren Erschließung und Urbarmachung an das jüdische Volk.. London, 26. Marz. Der „Times"-Korresvr)ndent telegraphiert aus Kairo vom 24. März: Der Kolonienminister Churchill ist in der. Nacht vom 23. zum. 24. März in Gesellschaft von Sir Herbert Samuel und Lady Samuel von Kairo nach Jerusalem abgereist. Lörd und Lady R e a d i n g, die auf der Reise mach Indien begriffen sind und in Aegypten kurzen Aufenthalt genommen haben, fuhren im selben Zuge bis zum Suezkanal. Es ist ein ganz interessantes Zusammentreffen, daß her jüdische VizekLnig von Indien, dessen Aufstieg zu der vielleicht . verantwortungsvollsten Stellung rm bnMchen Imperium die. ganze , englischsprechende'Welt mih der größten. Aufmerksamkeit verfolgt, auf dem Wege nach Indien xn demselben Augenblick Palästinas Grenze streift, ha Sir Herbert Samuel den Staatssekretär der Kolonien nach Jerusalem Holtum ihm die Fragen vorzulegen, die für den praktischen Anteil des hrttlsche« Reiches aw Rufbau der füdischnatio- PolitischeRundschau. Antisemiten gegen Antisemiten. Seit dem Umsturz sind die reichtzdeutschen Reaktionäre! bemüht, Oesterreich zu einer Filiale ihres politischen Uuter- ' nehmens auszugestalten. Ihre, allmächtigen Führer, die Schweri industrielle» Unter der Oberleitung deS Herrn Stinnes, haben die Mark im Lande fleißig rollen lassen, Zeitungen und Unternehmungen aller Art ausgekauft, uud nachgerade daS ganze öffentliche Leben unter ihren Einfluß gebracht. Sie haben vor allem, ganz nach einheimischem, reichSdeutschem . Mustex, die. Propaganda extrem antisemitisch gestaltet, «m Elemente heranzuziehen, welche für alldeutsche Politik und Bestrebungen sonst nicht z« haben sind. ES ist ihnen, aus diese Wesse auch gelungen, die Gunst der Wiener Christlichsozialen zu wringen, welche eS gerne znließenl. baß - mit reichSdeutschem Gelbe eine Judenhetze bezahlt würde, deren Kosten sie sonst selbst Hütte« tragen müssen. Nun scheint diese günstige Stimmung zu verfliegen. Die Christlichsozialen haben nämlich die schmerzliche Entdeckung gemacht, daß die Berliner .Herren nicht nur um der elenden Juden willen hier soviel Geld aus geben, sondern nicht mehr und nicht weniger wollen, als Oesterreich z«m willenlosen Werkzeug ihrer selbsüchtigen Politik und unersättlichen Profitgier zu machen. In den letzten Tagen, anläßlich der Reise deS christlichsozialen Bundeskanzlers nach London, ist dieses für Oesterreich ruinöse Bestreben kraß in Erscheinung getreten. Sie' haben den Bundeskanzler, welcher eS wagte, die Hilfe der Westmächte' für Oesterreich anzurufen und di« Wege für erfolgreiche Verhandlungen zu ebnen, hart gestraft. Die unter ihrem Einfluß stehend« Pxeffe hat.ihn akS „Verräter am Deutschtum^ gebraudmarkt, alle seine Schritte als blamahle Mißerfolge hiugestÄlt und schließlich eine Agitation für den Anschluß an Deutschland eingeleitet, welche im jetzigen Zeitpunkt den weiteren Aktionen deS Kanzlers gewiß nicht förderlich fein kann, rüber auch der Sache des Anschlusses nicht dient. Dieses Manöver hat die Geduld der Christlichsszialen erschüttert, und ihr Organ/ di« „Neichspost", rechnet mit den antisemitische« Freunden von gestern gründlich ab. Sie schreibt: „Die heute im Ausschntz für AentzereS vsrgeleaten Mitteilungen des Bundeskanzlers über die Londoner Verhandlungen lassen unzweifelhaft erkennen, daß die Reise einen moralischen Erfolg und Ansätze für praktische Auswirkungen bedeutet. Mit ungeschminkter Offenheit legte der Kanzler dar, daß allerdings die Voraussetzung für den wirtschaftlich«« Wiedesanfban Oesterreichs die loyale Durchführung deS Frieden-Vertrages -et und nalen Heimstätte von entscheidender Bedeutung fein * werden. Churchill ist in I e r u s a l e m am' 24. März,.^ morgens, ejngetroffen. Er wurde nur vom Gouverneur von Jerusalem S t o r r § erwartet. Ein offizieller' Empfang fand nicht statt. Die Straßen waren leer,. M«? Juden lasen gerade die-M egillah. . . .'< '' ■j . .... .. Eine Begrüßung der griechischen" Jude«. -- ..... S^alonikr, .26. .März. (Wd'. Uorr.Mr.r.)' Zionistische Kobcratiön Griechenlands richtete- . folgen-, des Telegramm an Kglonialminister C hu r ch rls. ist Jerusalem:. Die Judenheit Griechenlands enibietrtJhnrst anläßlich Ihres Besuches in Palästina ihre dankbarsten Grüße und gibt ihrer Zuversicht in die Erfüllung.der nationalen Aspirationen des jüdischen Volkes unter hem'. Mandat Großbritanniens Ausdruck. Das jüdische Volk in der ganzen Welt wird mit Anstrengung aller seiner.' Kräfte den:Wiederaufbau Palästinas betreiben, wo die Juden in Frieden und Eintracht mit den arabischen wohnern leben werden. , - Die Mandate. Vorlage der Entwürfe vor das englische Anterhans.! London, 28. März. (Privat.) Im Unterhaus Es klärte gestern Lloyd George, baß der KolostüD sekuetär Churchill nach, seiner Rückkehr yuS dem. Orient eine ausführliche Erflärung über die Lage, in. Palästina und Mesopotamien dem Unterhaus, ab-l geben werde. Das Haus werde Gelegenheit haben, W Frage der Mandate «ych vor dem Urteil des Völkerbundes zu. prüfen. Sokolow bei Churchill. Jerusalem, Sü. März. (J.K. B.) Kosonicrlmkniffer Thtwp chill bat tzckern den Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive, R^ bum Sokolow, in Audienz empfangen. Die Unterredung dänMtz^ längere Zeit. ' ' , Feierlicher Empfang Sokolow» nnd James Rothschilds durch die palLftt^ nensifchd Judenheit. ZernfaleMp jäv. März. (I. K. V.), Die, tziovMchz. Käm-j. mifsidn. der Waad Lrmyi und das Oberr-hbrnät gäbest hewr.M Ehren der zionistischen Gäste Nabapl S o tß I oft und d t N o t i s ch 11.6 einen feierlichen Empfang. Sokolow' sprych^ Orr die politische und Rothschild Wer die ökonomische Lage Zionismus. . .V welche im Gegensatz zu diesent die staatlich«' SelbständG-> teit und Unabhängigkeit Oesterreichzu ver-ndem streben^ UM» für Oesterreich steht mehr auf dem Spiele alt Kredites — hie Bewabrung deutschen Bodens, die Sicherest berf Erwerbung WestvngarnS. und auch die M i r v e r a n U Wortung für die Folgen» die jeder Fehler in dev- Anfchlußpolitik für daS in schwerer BedMgnis ringende Deutsche Reich nach sich ziehen würde. Dennoch wäre die Erkenntnis der wirllrchen Tatsachen bei uns heute schon weiter vorgeschritten', wenn nicht durch unverantwortlich« Kreis« Deutschlandsunserem Inland Agitationen genährt worden wären, di« den realen Stand der Ding« immer wieder verdecken«. unS innerlich nicht zur Ruh« kommen lassen und daS Deutschs Reich selbst schädige«. ES'wäre an der Zeit, baß man. von Berlin a«S bi« unruhigenG«ist«r derEchwertt. inbustri« selbst zur Ordnung rufe und »u« Konflllw erspare, die dem gesamtdeutschen Interesse nur.neueNioh.eylagen und Heimsuchungerl bringen können. Die wirtschaftlich« Festigung Oesterreichs ist eine Angelegenheit, die allen Deutschen am Herzen siege« muß. Ein Innerlich ausgebraunteS Oesterreich hätte für Deutschland leinen Wert, auch wenn eS sich anschlietzen dürft«. Und.wer bürgt unS dafür, daß wir selbst am den Preis, daß wir Oester-, reich in Ruinen verwandet, de» Anschluß au Deutschs Icmd vollzieht Vrwen-"! s Herbert Hoover an die amerikanischen Fuders . , R«w»Nork,-35. März. (Jüd. Korr.-Bur.) Die außer-, ordentlich stark Beteiligung der amerikanischen Jndert; an den Spenden für das. amerikanische Ki«berhilfs< werk. in Europaveranlaßt« den Vorsitzenden dieses Hilfswerkes, Mr.. Herbert Hoover. zu nachstehendem. Dankschreiben an Louis Mar shall, als, dem Bor^. sitzenden des American. Jewish Relief Committee: ^Jch bin. mir dessen gewiß, daß Sie als Boxs.itzenhM des amerikanisch-jüdischen Hilfskomitees mit. besonderer^ Zufriedenheit .den großartigen Widerhall empfinden werden, den unser Appell zur Rettung dereuropäischM Kinder in den Herzen des jüdischen Volkes sK unserem Lande, sowohl in bezug auf die.großen und zahlreichen Mischen Spenden, als auch auf.die-edl^ ZusaMlnenarbeiL in allen für diesen. Zweck Mschaffenerx Organisationen, gefunden hat. Das. so glänzend« Ergebnis wird es nun der amerikanischen Hilfsorganisw?. tion, ermöglichen, deren Hissswerk auf eine wett größere Zahl jüdischer Lkinder auszudehnen. Gleichzeitig wird bas Joint Distribution Committee hiedurch in jder- Lage sein, seine Kinderfürsorge, sei es in Form mm. öffentlicher Ausspeisung, oder in der Beflridungs- und- Mdikamentenaktion, erfolgreicher durchzusührcn. -~ Gez. Herbert Hoover.^. Dbe dankt «mn in den europäischen MGanditz l Bkc Mücke SrifltÄ t