Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 785 (3.4.1921)
- Date
- 1921-04-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Slnzelvrels Wk Kronen D»L»«»«e«tto««prell«s sss'isurr.ifc bit tKUwifMtt f»t ©i« «* y -A üflwititlv .. S*MK« 1t.- D»«q«tU» . . Iwm Ifr* LWWLUL-Ä-i a«flM*c rener Nr. 785 Wien, Sonntag den 3. April 1921 "MI Prangins oder Dm? Vor der Abreise des Exkaisers. Der Exkönig noch in Stein, amariger. Einzelpreis 21 KrönAt Prännmernttonspreii«- _ . .} VtoitafM4 .: W!*tf UNertelsshrUch - 84M ia p$Mton Stbiimo( ScitfdiiMb!! «mmntch . «ro»i im _ kknaNieich: Mpmuttch . . FraoeZ 4*41 _ Staüeti: > «munttch ... . Lire M _ Stcwäak«: Monatlich. . . . Lei WM <Sch»eiz u. da» üdri-e «u»I«Nß> Monatlich. . . FvaaeS 3^4 Redaktion «.Ar»n»tntftratt<ch Wte»,^.B«»..L»dorsir^--« Deleddone: 44mti, 43ü|ltnotttr •tenMftv.tml 9»m*ttoflextt>ttta iSOM 3. Jahrgang Budapest, % April. (12 Uhr nachts.) Ex- König Sta r 1 ist «ach nicht abgereift. Es verlautet, daß er durchaus die Sitzung der Nativnalversammluu* am Dienstag abwarten «ist. Die zur Begleitung des Exkönigs bestimmte« EntentevWziere «eilen noch in Wien. Es steht ein »euer Schritt der Entente« «Achte bevor. Die Begrüßung ln der Schweiz. Ber«, 2. April. Die Schweizerische Depeschen-Ageutur ist iu der Lage* i e« Beschlntz heS Bundesrates über die Einreise des ExräiserS Ziarl folaendermatzen zu prSzistere» r Beim Eintritt i» die Schweiz wird ihm er- Sffnet «erde«, daß die Eiureifebewistigung «ur provisorisch fei. da die Begiernug des Ku »t O n s W a a d t ihn nickt mehr auf ihrem Gebiete, wünsche und daß er seinen ÄUenthatt m e d e r i« wre « z g e biete «M; iu^eineU^ große n S t a d t «el men dMt^Oie Der^srtuiffe, unter Mur« Kart die EchipiM' uerkaffmt tzutz solle« durch eine Atzt e i suchun g festgestestt werde«, worauf der - Bundesrat in vollkommener Freihe t, ohne der Fra e irgendwie zu prafudizieren, entscheide« wird» ob ein weiterer Aufenthalt in drr Schweiz «och gestattet wird. Die Untersuchung wird auch jene Personen einbeziehen» die dem Exkaiser bei seinem. Unternehmen be Uflich waren und denen gegenüber ebenfasto entsprechende Maßregel» Vorbehalten bteibe«. „ Wi en. 3. Aprl. •. D'Ä LiqnHation de- Abenttuers>des Exkaisers Karl steht unmittelbar bevor.. Die Verzögerung d^r Abreise war unter.anderem darauf zurückzuführen, daß die Durchreise durch österreichisches Gebiet bis gestern mittags noch nicht gegen alle etwa emt-etenben ZwiichenfW geschützt schien. Der Exkaiser wartete im bischöflichen Palais van Sleinamangec die Bekanntgabe des Abreise^rrmins ab. Die Abreise konnte aber noch nichr erfolgen, da . sich die Parteienvertrerer üher die Modalitäten der Durchreise durch öfterrcichischrs Gebiet bisher nicht geeinigt hatten. Es ist nicht sicher, ob für die Heimreise des Exkaisers ein Sondeczug verwendet werden wird, der immerhin Aufsehen erregen müßte. Es ist eher anzunehmen, daß dem in Betracht kommenden . Rachtzug ein'oder zwei Waggons angekoppelt werden, in dem der Exkaiser sowie die drei Ehrenkavalieve der Entente, je ein sran'd'ischer,-englischer und italienischer Ossizicr, Und der Landesgendarm e rieinspektor eines jeden'zu tu chfahrenden Landes als Vertreter der Regiegierung usw. Platz nehmen. Ob Vertreter d^r parlamentarischen Parteien d!« Fahrt mitmachen, ist nicht b^annt. Wah scheinlich fährt durch Riede rösterreich Ab- Keord eter S e v er mit. D^r Exkaiser ist authentisch darüber informiert, baß weder die ungarische Regierung noch die ungarische Ratianalve sammlung von der bisher in her "'.bsburgerfrage eingenommen.n Haltung abgehen werden und der Termin vom 5. d.-Mfür die nächste Pi ', ang nur deshalb gewählt - wurde.- weil - bis dahin Karl das ungarische Gebiet schon langst verlassen haben Vofa- ' ' :;■ J - ' Ministerpräsident Teleki wird am.6. b. M. eine Erklärung über den Abschluß der Angelegenheit ab- Febeni' ' ’ ■ '' 1 Gras Andrassy ’ töat aller, i,lg> .in den letzten Tagen sehr für. den Exkönig. tätig, um eine. Spaltung der Partei der kleinen Landwirt in der Konigsfrage herbeizuführe«, doch Meint ihm dies, nickt gelturgen zu sei». Gegenüber einer Meldung des Mailänder „Avanti", wonach der Exkaiser' in der spanischen Gesandtschaft in Wien übernachtet hätte, wird von zuständiger. Seite erklärt, daß dies unzutreffend ist. Wohl mag - der König von Spanien, . bekanntlich ein Verwandter, des Exkaisersvon der.Reise Karls nach Ungarn gewußt und sie gefördert haben, doch hat sich Exkaiser Karl wohl selbst gehütet, den ganz kleinen Kreis von Personen, die,.von seiner. Anwesenheit in Wien wußten, unnötig zu erweitern. , Die Reise > des Exkaisers geht zunächstan - die Schweizer Grenze, wo ein Vertreter der Bundesregierung dem Exkaiser die vom Bundesrat gestern; gefaßten Beschlüsse mitteten wird. < ES ist noch nicht ausgemacht, ob der Exkaiser nach Prangins fährt; möglicherweise wird er in-Luzern Aufenthalt nehme». Gerüchtweise wird davon gesprochen, daß er dort interniert werden soll. Der Kanton Waadt hat erklärt, Karl nicht mehr auf seinem Gebiet dulden zu wollen. Die Salzburger Parteien für. die RepuhlSK. Salzburg» 2. April. In der heutigen Landtagssitzung ve.rlas dsr LaÄd,eWÄp^Äül'.fotzend'ei'ErWn»g sämtlicher Parteien Landtags: Sämtliche Harteien des Salzburger Landtags schließen sich einstimmig der Kundgebung des Nationalra:eZ vom 1, April an. und legen hiemit Verwahrung ein gegen die den Bestimmungen über die Ausweisung der Mitglieder des Hauses Habsburg aus Oesterreich zuwiderlausende Durchreise des ehemaligen Kaisers Karl durch bas Gebiet der österreich'fchen Republik nach Ungarn zum Zwecke der Wiedetaufrichtung der Habsburger-Monarchie. Die Parteien des Landtages können die mit dieser Reise zusammenhängenden Vorgänge in Ungarn nicht als rein innere Angelegenheit Ungarns betrachten, sondern erblicken in ihnen den Versuch einer Gefährdung der friedlichen Entwicklung, der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung sowie der p o l ltischen Konsolidierung der Republik Oesterreich, der geeignet erscheint, die Gefahr kriegerischer Verwicklungen heraufzübeschwören und dadurch das Elend, das uns Krieg und Zusammenbruch gebracht haben, ins Endlose zu vermehren. Die Parteien erklären daher, daß das Land treu und unerschütterlich zur Republik steht und unbeschadet der Forderung nach Revision der Friedensverträge an der Ausrechterhaltung friedlicher Beziehungen zu allen Nachbarstaaten festhält. Die Parteien fordern somit die Bundesregierung auf, alle Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, um einer Wiederkehr derartiger Works m mn i f f e vorzübengen, alle gegen die gegenwärtige Staatsform gerichteten Bestrebungen zu unterdrücken und ungesäumt alle Schritte einzuleiten, um den Anschluß Westungarns an Oesterreich endlich zur Durchführung zu bringen. Die kleine Entente gegen Karl. Dekgpad, 1. April. (Südslaw. Preßbureau.) Ministerpräsident Pa sic konferierte heute neuerlich längere Zeit mit den Vertretern Italiens, der Tschecho-Slowakei und Rumäniens. Zwischen Belgrad, Rom, Prag und Bukarest findet in den letzten Tagen ein lebhafter Depeschenwechsel statt. Die militärischen Kreise behauptep, daß zwischen den Negierungen der kleinen E n t e n f e vollständige Uebereinftimmung.bezüglich des gemeinsamen Vorgehens gegen Ungarn Herrscht. Falls Exkönig Karl in Ungarn verbleiben sollte, würde sich dje kleine Entente dem auf daS entschiedenste widersetzen. Der Vatikan weiß von nichts. Rom, 2. April. Der „O s f e r v a t o r e R o m a « o" veröffentlicht ein« Note, worin gen die von einigen Blättern wiedergegeb 'nen G e r ü ch t e Einspruch erhoben wird, daß der Vatikan in daS Abenteuer des Exkaisers Karl verwickelt wäre. Der Vatikan habe von der ganzen AnselesenHeit übsrhaupt keine Kentzbn i s. Die nSchfte Ausgabe der „Wiener Morgenjeitung" erscheint Dienstag dey 5. April früh zur gewöhnlichen Stunde. Nach der Episode. —7. W i e n. 3^ Amik. Die Spannung, die eine. Woche lang alle Kräfte der europäischen Politik umfangen hat. löst sich. DeZ Exkais.'r Karl kehrt in die Schweiz zurück. Er verzichtet auf jedes Abschied'smanifest und soll die Absicht ansgssprochen haben, von Luzern aus. feinem künftigen Wohnsitz, zugunsten seines Sohnes Otto allen- Thronansprüchen zu entsagen. Das kann aber nur mehr, Geste s.in. Die Nachfolgestaaten der habsbirrgischen Man«, archie haben keinen Zweifel damber gelassen, daß sie dre ^Aufrichtung eines neuen Brandherdes nicht dulden unÄ sie gegebenenfalls mit den Argumenten b.waffnete^ Intervention verhindern werden. Die Episode ist äußerlich abgeschlossen.. Innerlich aber nicht. Sie Hat in d«- direkt beteiligten Ländern g.wattige politische Wirkurv'' gen erzeugt. In Ungarn ist die allen monarchistische« Extratouren abholde . Partei, der kleinen Landwirte, die - einzige'Gruppe, die unt.w den bestehenden Lerhältnisie». den arbeitenden Teil des Volkes vertritt, auf dem Pla» erschienen und hat die Nationalversammlung zur Ar« nähme, eines B.schlusses gezwungen, der ausspncht. daß man. Karl nichf will und- Horthy. als das kleinere UvbÄl schätzt,In.- Oesterreich.'/,- haben^^ ^stch' cüle Härteren 7zm sammengeschlöfsen, um das versuchte Attentat auf dich Whe des Landes - abzuweMn.^ Me 'WrWchfozia^etz haben ihre auf den Gefrierpunkt' gesunkene' Stimmung^ nicht verhehlt. Aber daß sie sich zwingenmüßten.--utz: nicht isoliert zu werden, beweist, daß sie die Sachlage und ihre Gefahr nicht unterschätzt haben. Gerade' von Oesterreich mußtedie Erklärung kommen.- daß- -di«) ungarische Thronfrage internationalen .Charakter trags und daß, ihr/Aufrollen, ob es nun improvisiert waff oder von langer Hand vorbereit.t wurde, neue schwer^ Komplikationen für Europa' bedeutet hätte, zunächst aber die in Fluß befindliche Sanierung Oesterreichs verhindert, wenn nicht unmöglich gemacht hätte. Finden die Mitglieder des Finanzkomitees des Völkerbundes, die dieser Tage nach Wien kommen, solcherart eine g-reinigte Atmosphäre vor, so sind doch die Schwierigkeiten. - die sich dem Werk in den- We- - stellen, außerordentlich groß. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, wenn die Kommission erstens richtige Ziffern erfährt und zweitens die Lage Oesterreichs begreift, so gelangt sie dann erst vor die Erkenntnis, haß /Ocft.rreicfj eilt europäisches Problem ist und daß sich seine Schmerzen nicht lokalisieren lassen. Das Wätz» rungselend ist keine auf Oesterreich beschränkte Erichei» nung und die Mahnungen an die Wiener Regierüng^: die Notendruckerei einzustellen, hören sich wie Scherze an. Der Krieg hat aus Wien, das früher die Hauptstadt eines großen R.icheS war. das großstädtische Zentrum einer Gebirgsbauernrepublik gemacht. : Er hat aber anderweit analog gewirkt und unter anderen schöne« Konsequenzen auch -die Sprengung der lat.inische« Münzunion verursacht. Der französische Franc unter» scheidet sich von seinem Schweizer Namensbruder fast, noch schärfer, als. die deutsche Mark von der Polnischen. Die Zertrümmerung der Monarchie hat fünf verschis»' bene Währungssorten erzeugt, die mehr oder mindernotleidend sind, und der Jammer der österreichische« Krone ist nur deshalb so arg gewovd^n, weil durch di« ganz unmögliche Konstruktion des Staates, durch seine Absperning nach innen wie nach außen die gesamt« Wirtschaft zu einem ergi.bigen Jag<dfeld für die intev» notionale-Schieberzunfk «mgestaltet wurde. Aber die gleichen Sorgen, nur nicht so kraß, bestehen-in alle« anderen Staaten und die Ausstrahlung di/fer allgemeinen Niedergangssymptome macht vor keiner Grenze Halt. Der italienische Finanzpolitiker Luzzatti. hat noch wahrend des Krieges diese Ersch.inunggen vorausgesagtz Er hat angeregt, alle Kriegsschulden aller Staaten zu kommassieren und so ihre Tilgung zu versuchen. Man wird auf diesen Plan zurückgreifen und zumindest ein« gemeinsame Aktion in allen Staaten mit gesunkener Finanzkraft einleiten müssen. Frankreich, dessen Rot di« Scharfe sein.« Vorgehens gegen Deutschland, mild«« stimmt, wird sich nicht auf die Zahlungsfähigkeit der l Deutschen verlalle» vru«rr. b» es selbst bewbdrÜckt. Ast