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Wiener Morgenzeitung · 1921-04-01 · Heft 783 (1.4.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 783 (1.4.1921)
Date
1921-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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feeffcT* _ Wien. Frettas swelche demokratisch und sozialistisch geleitet werden. Eine vom Abgeordnete» Machat beantragte Resolution, welche die ^Gründung einer engrren Reichsarbeiterstelle befürwortet, wurde Angenommen. Dem Parteitag ivohndm 149. Delegierte bei. Telegramme. Der Wiederaufbau in Frankreich. Loucheur gegen Simons. Paris, 30. März. (Havas.) In der Kummer fragte im Verlaufe der Beratung über das Budget- -rvvisorium für den Monat April ein Mgeord- «eter,. was an den Gerüchten von deutschen Angeboten für die Wiederinstandsetzung von Nordwestsrankreich durch deutsche Arbeitskräfte und deutsches Material Wahres sei. Der Minister für die befreiten Gebiete, Loucheur, erwiderte, die deutsche Regierung habe keinerlei Initiative bezüglich der Beistellung von Arbeitskräften'ergriffen und bei der Zusammenkunft von Sachverständigen habe der Vertreter der deutschen Gewerkschaften unzulässige Ansprüche gestellt, indem er insbesondere das Recht, in den Ausstand zu treten und. sich dem französischen Allgemeinen Arbeitsverband ünzuschli-ßen, verlangte. Die im Laufe dieses Jahres zwischen der C. G. T. und den deutschen Gewerkschaften geführten Verhandlungen hätten zu denselben Forderungen geführt. Die französische Regierung habe solche Bedingungen nicht unterschreiben können. Der Minister legte dar, daß die Bemühungen, die Lieferung von Material zu erlangen, auf passiven Widerstand und systematischen bösen Willen gestoßen '«len. Die an Deutschland gestellten Forderungen hätten 5,.Milliarden Mark betragen, die erfolgten Lieferungen bloß 4 Millionen Mark erreicht. Die deutsche Regierung habe beständig den Anspruch auf. doppelt so hohe Preise als im deutschen Inland erhoben. Alles, was Deutschland ‘ diesbezüglich erklärt habe, widersvreche der Wahrheit. Die Repara- Lronswmmiis'on habe sogar bezüglich der Holzlieferungen feststellen müssen, daß die Angebote Deutschlands. lacherl'ch seien. Weder bezüglich der Beistellung von Arbeitskräften noch bezüglich der Lieferung von Material habe Deutschland zur Wiederherstellung der verwüsteten Gebiete beitragen wollen-. 'Der Minister wendete sich gegen die Erklärungen des Ministers des Aeußern-Dr. Simons im deutschen Reichstag, wonach Deutschland, zur Wiederherstellung der verwüsteten Ge-' biete beitragen wolle, und legte dar, daß sich die Deutschen darauf beschränkt hätten, ein System'für den serienweisen Wiederaufbau auszuarbri'en, das dem französischen Bauplan angepaßt werden, sollte. In Spa h ätren die Deu i schen ein i n t e r n a t i o n a l e s S h ndikat vorgeschlagen, das die AufräumungsarLeiten und den Wiederaufbau in den verwüsteten Gebieten durchführen sollte. Das, sagte der Minister, sind alle sogenannten konkreten Vorschläge der deutschen Regierung. Wahr ist, daß jedesmal, wenn die deutsche Regierung gedrängt wurde, irgendetwas Präzises vorzuschlagen, sie immer einen Beweis-des bösen Willens gegröe-il hat. Loucheur gab sein-M Erstaunen Ausdruck, daß Vertreter der C. G. T. nach Genf gegangen seien, um einen Vertrag' mit den Deutsch?» zu unterzeichnen, ohne sich vorher über die Ansicht der Regierung unterrichtet zu haben. Dieser Vertrag, sagtder Minister, enthält für Frankreich unannehmbare Bestimmungen.' Redner schloß mit der Erklärung, daß die Deutschen außer den kindisch'» Vorschlägen von London und Spa keinerlei Angebot gemacht haben. Die sSafzigprozentige Abgabe auf deutsche Ware». London, 31. März. (Tel.-Komp.) Einem Zirkular der englischen Zollverwaltung, bas die Instruktionen über die Anwendung der 50prozentigen Abgabe auf d e u.t i'c) e Waren enthält, ist zu entnehmen, daß dieses Abgabegesetz am 1. April in Kraft tritt. Prag, 31. März. (Tel.-Komp.) Wie das „Prager Tagblatt" erfährt, hat das Außenministerium vor kurzer Zeir eine - Note der Ententeregierungen erhalten, mit der Aufforderung, die tschecho-slowakische Republik möge sich an den Sanktionen gegen Deutschland auf legislativem Wege beteiligen, insbesondere den aus Deutschland eingeführten Waren de».öOpvozenligen Zuschlag aufzuerlegen. Auf diese Note ist bisher von der Prager Negierung keine Antwort erteilt worden. Wie aus den.p v l n i s ch e n Blättern hervorgeht, ist eine ähnliche Note der Alliierten auch an die polnische Regierung abgesendet worden. Die gleiche Forderung ist, wie wir bereits meldeten, an Rumänien gerichtet worden. I« Frankreich. Paris, 31. März. (Tel/Komp.) Die Unterkcmmission der Kammer hat den Bericht über den Gesetzentwurf, betreffend dis öOprozentige Abgabe auf alle deutschen Waren, angenommen. Der Bericht wird nunmehr dem Finanzausschuß unterbreitet werden und in ersten Tagen nach dem Wiederzusammentritt des - Parlaments nach, den Osterferien zur Vorhand lang gelange». Wiener MorqrnzesNmz' Die Entivnffilungsfrage in Deutschland. Berlin, 31. März. -(Wolfs.) Nach einer amtlichen Meldung läuft von den in den Pariser Entschließungen gestellten Fristen, für. die Enttv-rffnung der Einwohnerwehren die nächste am heutigen Tage ab. Die Reichsregierung hat den Standpunkt' eingenommen, daß die Entwaffnung pflichtgemäß durchzuführen'ist.. Im ganzen Reiche wird es auch möglich sein, die Frist vom 31. März, die sich auf die schweren Waffen und einen Teil'der leichten Waffen bezieht einzuhalten. Nur Bayern schint in Verzug zu bleiben. Die Reichsregierung hat am 23. d. M. nochmals durch ein vom Vizekanzler Doktor Heinze persönlich überbrachtes Schreiben bei der bayrischen Regierung Schritte unternommen und sie ließ durch ihren'Vertreter in München der Regierung Mitteilendaß die Reichsregierung' des Aufstandes in Mitteldeutschland mit den «ordentlichen Organisationen,. Schutzpolizei und Reichswehr, Herr werden werde, daß also auch diese Bewegung eine Zurückhaltung des jetzt fälligen Teiles der Entwaffnung der Einwohnerwehren nicht notwendig mache. Eine endgültige Ueußerung der bayrischen Regierung liegt noch nicht vor. Die Reichsreg'.erung hat durch den Reichs-- kommissär die für. die völlige Waffenäbgabe der Einrvohnerwehren erforderlichen Anordnungen weitergeben lassen. Kahr will keine Entwaffnung. Bcr^in, 31 -März. Wie das „Berliner Tageblatt" aus München meldet, haben in der Osterwoche zwischen. dem Vizekanzler Heinz« und dem Ministerpräsidenten Dr. v. Kahr Verhandlungen über die Entwaffnung stattgefunhen, wofei Ministerpräsident Dr. v. Kahr erklärte, daß «ine Entwaffnung der bayrischen Einwohnerwehr im gegenwärtigen Augenblick, in dem sich auch die bayrischen Kommunisten zu rühren beginnen, nicht zu verantworten sei. Deutschland protestiert gegen die Besetzung. Berlin, 31. März. (Wolfs.) Gestern ist in Genf dem Generalsekretariat des. Völkerbundes eine neue Denkschrift der deutschen Regierung über die A u s d e h n u n g der Besetzung von deutschen Gebieten zugestellt worden. ' Die Denkschrift hat folgenden Wortlaut: Die Truppen der Alliierten sind nach Besetzung von Duisburg und Düsseldorf.weiter vorgerückt und haben auch die Orte Walsum,' Rätingen, Belbert und Marloh sowie die Bahnhöfe Mülheinv-Speldorf und Oberhausen- West besetzt. Nach den vorliegenden Meldungen über di« Truppenbewegungen scheint noch eine weitere Ausdehnung d e r Besetzung beabsichtigt zu sein. Di« 'deutscheHeKeruntz, erhebt Protest gegetr die 'Fort-' setzung der Berletzuntz von Recht undMrträg und stellt das Verlangen, daß das von ihr bereits beantragte Schlichtungsverfahren gemäß den Artikeln 12 bis 17 der Völkerbundakts auf die neuen Maßnahmen der Alliierten ausgedehnt werde., Ruhe in Mitteldeutschland. Berlin, 31. März. Die Blätter melden aus Halle, daß die Strukbew gurg ihren Hvhenpuukt überschritten hat. und daß gestern die Arbeiten im städt schen Gas- und Elektriütäiswerk wieder ausgenommen worden sind. In der letzten Nacht war die Lage m ganz Mitteldeutschland im allgemeinen vollkommen normal. Nur an einzelnen Orlen fanden Gefechte mit zerstieulen Kommnntsten-anden statt. Man hofft, in allernächster Zeit die Säuberung vollkommen durchgeführt zu haben. Berlin» 31 März. Du Mora.'nblälter melden fast übereinstimmrnd eine Entspannung der Lage in den Unruhebezirkcn und die Abkkmuni per kommunistischen Streikparole. In Mitttldeutschl mb, im R'oeinland und in Westfalen ift es nirgends zu grö»ere« Zusammenstößen gekommen, ledigl'ch bei der Nemscheider Talsperre zu einem Fcuergefecht, wobei die Sicher heitspolrzei unarfädr 4vvGefangene machte. DieVBahnstation Gröbcrs zwischen Halle und Leipzig wurde von den Kommun strn gestern geräumt. Fa Erfurt ist die Polizei einer kommunist schen Kamp l.elung auf die Spur gekommen. Die „Freiheit" üb'rschrerdt ihren Vfi'.mfifcl mit ,E r n ü ck> t e r u n a derJrr «geführten*. DaS Blatt meldet auS Halle, daß die' verantworilich n Führer der A'.b.ittrschaft dringend den Abbruch des Generalstreiks wünschen, da ern weilercs Umsichgreifen nur der Reaktion dienen konntt. Du pestripe Sirrikabst-mmuno in den Betriebe« Groß- Berlins ergab fast den einmütigen Willen der Ardeiterschafk, der Ge«eralstr«ikparole der Kommunisten keine F o l g e zu leisten. ZnHambura macht sich bei den Kommunisten nach dem Fehlschlagen der Generalstreiks eine starke Ernüchterung bemerkbar. Sehr viele Arbeiter, namentlich Mitgleder der Gewerkschaften, sind ans der kommunistischen Partei ausgeireien. Konzentrierung von Reichstruppen. Berlin, 31. März. Wie die Blätter aus Gotha melden, hat die Reichsregierung auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf 6CO) Mann Reichswebrtruvpcn zu einer etwa notwendig werdenden Verwendung in Mitteldeutschland zusammengezogen. Ein Fluchtversuch. Berlin, 31. März. (Del>Komp.) Der Berliner Kommmiistenführer S'h l t ist heute mittags, als er anläßlich seiner Vernehmung im Polizeipräsidium einen Fluchtversuch unternahm, erschösse» worden. England vor dem Dergarbeiterstreik. London, 31. März. (Reuter.) Im Handelsministerium fand gestern eine Konferenz zwischen dem Handelsminister Sir Robert Hörne und dem Vollzugsausschuß der Bergleute statt. Der Sekretär des Verbandes, der Bergleute Mltt: die Kordernng auf,. 1 AMlM daß der Staat der Kohlenindnstrie Zuschüsse gewähre, damit den Bergleuten höhere Löhne ausbezahlt werden können. Der Verband verlange weitersi Einzahlungen in einen gemeinsamen Reingewinnfonds,, damit die Bergwerke, die ein gutes Erträgnis abweisend j jenen, die mit Verlust arbeiten, Hilfe leisten. Der! Handelsminister wies im Namen der Negierung darauf! hin, daß es dem Staate unmöglich sei, irgendwelche! j Zuschüsse zu gewahren. Im Namen des Verbandes der! Bergleute erklärte daraufhin Smith, daß beschlossen!! worden sei. sämtliche Arbeiter, einschließlich der! Maschinisten und der Hilfsarbeiter, mit 31. März j mitternachts ans den Kohlengruben abzuperuf-en. Der Handelsminister gab der Hoffnung Aus- ° druck, daß der Verband die Frage neuerlich prüfen! werde, bevor er eine derartige Richtung einschlage. London, 31. März. (Funkspruch.). Die AusgatzA der Streikparole an alle im Bergbau beschäftigten Pev» > so neu wird als ein besonders kritisches Zeichen äuge- > sehen. Bei den bisherigen Ausständen haben di« Maschinisten nie mitgetan und dadurch das Ersaufe«! der Bergwerke verhindert, Man hofft noch immer, daß' die Maschinisten vernünftiger sein werden als die Führer; der Bergarbeiter und sich weigern werden, deren Befehlen nachzukommeu. Die Maschinisten haben bisher! " stets auf die Wichtigkeit hin gewiesen, die Pumpen weite»! zu bedienen, um den gesamte» Bergarbeitern nicht die! Arbeitsmöglichkeit zu nehmen, wenn die Werke durch!! Einstellen des Punrpenbetriebes unter Wasser gesetzt: j würden. Die Grubenbesitzer haben den Maschinisten j besonders günstige Anerbieten gemacht, damit sie auß! ihren Plätzen bleiben. ,! Ei« englischer Arbeiterführer über feiet Wiedergutmachung.; Berlin, 31. März. Die Blatter melden aus Este«: Der! englische Arbeiterführer Thomas, der sich gestern hier auf» ■ gehalten hat und auch eine längere Unterredung mit de« Direktor der Kruppschen Werke hatte, erklärte in einer Konferenz der sozialdemokratischen G e w e r k s ch a f t e n über die Frage der Wiedergutmachung, diese sei in Gold nicht möglich, und bei der Zahlung durch Güter müsse man nach. den Wirkungen auf die Arbeiter in Belgien« Frankreich und England fragen. Würden durch solche Lieferungen die Arbeiter dieser Länder arbeitslos, so wurden diese, nicht aber Deutschland die Zeche bezahlen. ES bleibe also lediglich die Wiedergutmachung durch Arbeit. Die deutschen Sozialisten aber hatten recht, wenn sie sagten» sie wünschten nicht, daß ausländische Kapitalisten aus diesem 1 Wiederaufbau Nutzen zogen. In der Frage der Sanktionen sind wir, sagte Thomas, darin etituj, daß sie Deutschland zugrunde richten, wenn sie die deutsche Ausfuhr unterbinden. -.'.Atzlch wenn die deutsche Regierung den deutschen Exporteuren die ausfallenden 50 Prozent in PapisrUiark ersetzt so würdis'^ dies wahrscheinlich eine unerträgliche Steigerung der deutschen Noteninflation bedeuten. Wir wollen kerne Politik, die Deutsch- , lands Industrie zugrunde richtet, sondern den; gesamten Wiederaufbau, und zwar so, daß nicht die Kapitalisten daraus Nutzen ziehen. Internationaler Gewerkschastobnnfe. Paris, 31. Marz. (Wolfs.) In der aus Anlaß des 1. Mai an die Arbeiter der ganzen Welt erlassenen Proklamation des Internationalen. Gewerkschaftsbundes heißt eS zum Schluß: Anstatt rasch und energisch die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, durch Unterstützung der Lander, deren Wechselkurs entwertet ist, und durch Begünstigung einer rationelle« Verteilung von Rohmaterialien, machten sich die Leiter des Völkerbundes verantwortlich, so für die Arbeitslosigkeit der Bergarbeiter in England, Frankreich, Belgien und Holland» während zu gleicher Zeit die deutschen Bergarbeiter gezwungen waren, Ueberstunden zu leisten. Der 1. Mai mutz der Ausgangspunkt einer energischen Handlung zugunsten der von den organisierten Arbeitern am 1. November auf der letzte« Konferenz in London gestellten Forderungen sein, nämlich der Sozialisierung des Bodens und der Produktionsmittel. Mi ' Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit durch Regelung der Dero teilung.der Rohmaterialien. Die Organisationen sollen dafür Sorge tragen, daß am 1. Mai die im Internationalen Gewerkschaftsbund organisierten 10 Millionen Arbeiter sich zur Erlangung einer menschenwürdigen Existenz erheben. ES lebe der internationale Kampf der Arbeiter! Die imperialistische Politik feer Sozialisten Belgiens. Berlin, 31. März. Die Unabhängige sozialdemokratische Partei Deutschlands hat von der belgischen Arbeiterpartei eine Einladung zum Parteitag der belgischen Sozialisten erhalten, diese aber abgelehnt. Fn dem Ablehnungsschreiben wird erklärt, baß die belgischen Sozialisten ihre Unterstützung einer Regierung gewähren, die eine imperialistische Politik treibe. Diese Politik stehe auch im schärfsten Widerspruch zu den Interesse des gesamten, also auch des belgischen Proletariats, und starke nur Nationalismus und Reaktion. Am Schluffe des Schreibens heißt es: Wir erblicken die oberste Aufgabe und Pflicht aller sozialistischen Parteien im unabhängigen und unverhüllten Klassenkampf gegen Nationalismus und Imperialismus des eigenen LanM. Bor Renwahlen in Italien. Rom, 30. Marz. (SLefani.) Di« „Tribuna" glaubt zu wisfrn. daß der Ministerrat beschlossen habe, dem König die Auflösung der Lkammer vorzuschlagen. Die allgemeine» Dahlen ivürheu am 16.. oder 22. Mal

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