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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-31 · Heft 782 (31.3.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 782 (31.3.1921)
Date
1921-03-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«wrc Wien, Donnerstag Wiener Morgettzektmrg R."Wrz"l92r' "Nr. 782 England ernennt eine« Gesandten für Mooka«. Polilische^Rundschau. Die polnisch-jüdische Derständigungs« aktiv«. . Aus Warschau wird uns geschrieben: Die bis- Hseigen Sitzungen der interministeriellen Kommission Lbe» die polnisch-jüdische Verständigung dienten bloß zur Aussprache über' die verschiedenen Gegensätzlichkeiten, welche zwischen der Regierung einerseits und den jüdischen Parteien andererseits über das Wesen der Juden frage in Polen bestehen. Don Wischer Seite betonen sämtliche Redner,-haß die Regierung vor allem sich von. dem.'.'GehänWr befreien müsseals ob' sie mit einem außerhalb ' Polens stehenden, und Polen feindlich. gesinnter Organismus gewissermaßen Kympvomißverhandlungeii.abzuschließen beabsichtige. Denn nur diesem falschen Gedanken konnte der verhängnisvolle Ausspruch des MmistersS k ulskt entspringen, daß die Verhandlungen aujs der Grundlage des Prinzips do uch des geführt werden müssen. Das würde so klingen, als ob die Juden dem polnischen Staate-nicht auch bisher schon alles gegeben'hätten, was ein Staatsbürger dem Staate zu geben habe. .Wenn diese Auffassung schon bei der Regierung besteht, so sei es nicht verwunderlich, daß dann die breiten Bevölkerungsschichten dies m ihrer Weise auslegen und die Juden als illoyale Vaterlands- Verräter bezeichnen und behandeln. Die Regierung müsse zur Erkenntnis gelangen, daß der polnische Staat eZ ist, der den Juden gegenüber noch auf manchem RechtszgebteL im Rückstand ist. Auch die Auffassung des Auslandes über die polnische Regierung hinsichtlich der Judenfrage werde, sich von. selbst , ändern, wenndie Juden in Pole» nicht nuf aus dem Papier und durch völlige AöÄhr von den alten zaristischen Judengesetzen, sondern auch im politischen und gesellschaftlichen Leben Völlig gleichberechtigt sein werden. Daß dies bisher nicht der Fall ist, wird von den verschiedenen Rednern durch Lrnktete Fälle belegt Minister S k u l s k i, der wiederholt zu längeren Ausführungen das Wort ergriff, ist offenbar, bemüht, die Verhandlungen auf. das Geleise der Verstandigung zu bringen, indem er-seinem ominöse« Ausspruch die Erklärung gibt, daß den Rechten, welche der Staat den Juden zu geben beabsichtige, -naturgemäß auch Pflichten für die Juden gegenüberstehen müssen. Was die vielumstrittene „Fremdenfrage" betrifft, steht allerdings Minister Skulski und mit ihm die polnische Regierung auf einem noch sehr intransigenten Standpunkt, der eine der Hauptschwierigkeiten m .der Mrständigungsaktwu bildet. In dieser - Frage werden. KomprAmrßverhandlnngenangestrebt, die hoffentlich zugutem Ergebnis führen werden/ Düe allgemeine Diskussion ist bereits, soweit gediehen, daß nunmehr ruüchi dem Wunsche der Regierung - hie.Behandlung der einzelne» konkreten. Frage» begüüre» kann. Die Anttsemttr» gegen Oie p»lnifch»jSdifche»Berhandlnnge«. »8.(tzw. S»rr.M,r.1 D«Je. kannte antisemitische pvlnische Novellist . Andrzej Niemojewski eröffnet seinem Blatte eine neue Kampagne gegen den bevorstehenden P o I n l s ch - j ü d i,. schen Äusgleich und erklärt, Polen^ sei jetzt stark genug. Um den Kampf gegen die. Juden erfolgreich zu beende». Niemojewski protestiert gegen die Absicht der'Regierung, ein Sekretariat für Wische Angelegenheiten zu errichten und will wissen, daß die vom Finanzminister Steezkowski initiierte Aussprache zwischen den Vertretern der polnischen und jüdischen Kresse zwecks Milderung der öffentlichen antisemitischen Hetze, infolge der ablehnenden Haltung der polnischen Kresse nicht zustandekam. Auch die antisemitische Gesellschaft „R ozwoj" hat gegen die. polnisch-jüdischen Ausgleichsverhandlungen mit einer vehementen Hetze eingesetzt. .■«■■■"■» ■■■ - Telegramme. Protest der jüdische« Abgeordnete« Polens gegendie Optionserschwerungen Warschau, 30. März. (Funkspruch.) Die jüdischen Abgeordneten haben bei der Negierung Vorstellungen gegen den K 6 des Friedens Vertrages von Riga ererben, wodurch den an der Grenze wohnenden Juden die Erwerbung der polnischen Staatsbürgerschaft erschwert wird. : i> />!* .;:. Die Fre«de«frage t« Pole«. Warscha«, 28. März. (Jäh. Dorr-Bur.) „Rasz Karjer" erfährt, büß die Regierung gleich nach Ostern an die Behandlung der Fremdonfrage heran treten werde. Wie verlautet, wird auch . Liese Angelegenheit der interministeriell«! 5dom- Mission für . jüdische. Angelegenheiten übergeben werden^ da es sich vEehrnlich um viele Tausende von in Rußland geborenen Inden handelt, die seit Jahrzehnten in Polen wohnen und bisher in Fremdenlisten geführt mid mit Landesverweisung bedroht^wEt. ' ' /1/ FreMdenanswelsmg I« Da«,lg. , . 1 Danzig, 29. März. (Jüd. storr.Mr.) Die . Danzig» Wegittung betreibt seit einige« Lägen eine Freyrdenausweisung, gelegenheit beim Hlgh Eommissioner, Haking Beschwerde zu führen, , , i , . Die Lage der Z«den 1« A«m8«ie«. Bukarest, 2S. März. (Verspätet.) (Jüd. Korr.-Bur.) In einem „Unglückliche PoMk" betitelten Leitartikel bespricht der „Cnrierul Israeli das vorn rumänischen Preßbureau lancierte Dementi der Nachricht der Transatlantischen Agentur in Berlin, daß die Juden durch.die Erlangung eines rumänischen Ausländpasses die rumänische Staatsbürgerschaft ohneweiters verlieren. Dieses Dementi behauptet weiter, daß die Juden jetzt in gleichem Maße wie die «mtochthonen Rumänen sich aller bürgerlichen und politischen Rechte erfreue«. Alle Behauptungen, daß in der Armee die Juden einer ungütkski'Kn 'Msüahmsöehanölung Unterliegen miL nicht in BureauS oder als Kuriereverwendet werden dürfen, sind unwahr. Die Armee zähle sogar in den Grenzstädten zahl-' reiche O ffiziere ' und -Unteroffiziere, und die Delogierunye«- von Familien (kaum 10 an der Zahl), die auch gar nicht durchgeführt wurden, waren Unbedingt notwendig. ES ist wahr --- schreibt der „Curietu! Israelit" — daß durch die Erlangung eines Paffes ein Jude das Bürgerrecht nicht verliert, aber nicht minder wahr ist-es, baß die Regierung ein Air kular erließ, baß jeder Jude einen Auswanderungspaß erhalten kön ne, wen« er auch eingerückt sei, aber unter btt Bedingung, daß er aus sein S taats bür zerre cht verzichte und nicht in das Land zurückkehre. Für die in detArmee vorkyannenden Uebelstände sei zwar nicht die Regierung verantwortlich, zu machen^ äber sie wolle nicht durch.pjne allgemeine Amnestie die an jüdischen Soldaten verübten Justizverbrechen gutmachen. Was die politischen Rechte betrifft, so gibt eS noch Tausende von Juden, die als Fremde betrachtet werden, da sie die vom Gesetz Bratianu verlangten Erklärungen nicht abgehey konnwn. Auch in. bezug auf die Delogierungen ist das Dementi von der Wahrheit sehr weit e«tstrnt. "Es wurden solche, und zwar nur bei Judeit, vorgenommen, welche auf die Straße "geworfen wurden. Sei dieser Gelegenhüt ist es in M.ause-nburg und Hermann stad t zu wildMr Szenen gekommen^ die den Verband einheimischer Juden zu energischen Schritten bei der Regierung veranlaßten. Die englischen Unabhängigen nehmen Das Wiener Programm an. Berlin, 30. März. Die »Freiheitmeldet a»S South- Port: Nachdem der Parteitag der englischen u n abhängig en Arbeiterpartei nach einer , sehr . em-,. gehenden ÄebaÜe'den' Anschluß an Moskau verworfen hatte, - beschloß' er -Ät Anschluß am die Internationale sozialistische Arbeitsgemeinschaft und die' A nnahme des Wiener Programms mit einem. Stimm«ü^HAt»iS-,.pon--M. zu -1- In dlM inneren Pblriik wurde die sch a rfste O p p ö s i Hon gegen die imperialistische Regienmg beschlossen, die die britische Wirtschaft ruiniere und eine Gefahr.für die Arbeiterbewegung bilde. Der Partei.' tag sprach sich fürdas. uneingeschränkte. SelbstbestimmungS. recht Irlands aus. In einet weiteren Entschließung forderte er die s-förfige Revision der FriebenSverträge in einer W-ise,. die allen Nationen die gleichen Möglichkeiten ihrer wirtschaftlichen und politischen . Entwicklung sichere. Die materielle« Forderungen der Tichecho-Slowakei. Prast, 30. März. (Tel.-Komp.) Die ^Narydni Lifty" veröffentlichen ein Gespräch mit dem Pariser tschechischem ,Gesargten und De.treter in der Reparationskommifstort Dr. Stephan Ossu s ki, der stegeuwärtig in Pr«g tMli. Auf die Frage, ob die tschecho-flowakischen Reparatttnsansprüche gegenüber Deutschland abgelehnt worden seien, erklärte er, dies sei nicht der Fall, man verhandle vielmehr schon sechs Wochen über döese Angelegenheit in Paris. Anfangs nächster Woche soll definitiv Über die Ansprüche entschieden werden. Im Prinzip hat die ReparationSkommission entschieden, daß die Ansprüche der Tschecho-Slowakei als eines verbündeten Staates zu Recht bestehen, nur ist Man sich nicht irn klaren darüber, ob von der Zeitder Anerkennung der tschechischen Republik durch die Entente oder vorn 28. Oktober 1918 an^ Mber die Aufteilung des G t i enbahnwaggon- Parkes der gewesenen Monarchie erklärte.der Gesandte, er hoffe, baß die Aufteilung bald borgen«mmen werben wird. Ueber die Austeilung der D v n a uu n b, Elbe-FlottilIe finden heute und'morgen in Wien die letzten zwei Konferenzen der Vertreter der intevessierten Staaten statt. Bon der Elbe-Flottille dürste der Tfchecho^Slowakei ein Fünftel des im Jahre .1913 zirka 17 Millionen Donnen betragende« Schiffsraumes zugesprochen werden. Die 'Dorrriegsforper.Unge« der einzelnen SUkzesschnsstaaten sollen dem Friedensvertrag gemäß , in der Währung der verbündeten Staaten gezahlt werben, Eine r«sfische Kommission für de« Autzenhandel. MxSIlal«, R>. Mirz. (Fpytspruch,) Cim Mmivission für den"UuHenhandel ist errschjes pnd mit großen Doll--. .MW» ausgestattef worden. Besseaste Schnsschmiinrer. M>«Ä«,-S0.-MÄz. Bunkspruch.)-In Bobrütss wurden 30 Analphabeten wegen Ntchtbesuches der- Lonbm M. Mürz. (Privat.) Nach emer Mellmnz deL „Daily Telegraph" ist Sir Reginald Hoare, ein höh«. Beamter beS Auswärtigen Amtes, zum offizielle«. Rchrä* ' sentante» der britischen Regiernng in Dipskau ernannt word«^ . Erhat den Auftrag, die Beziehungen mit der SowjetregierchlK herzustelle« und die Ausführung der Klauseln des antz^hrussischen Haubelsvertrages einzuleiwu und zu überwache^ ' Die «e«e interalliierte Konfere«^. , Rom, 30. März. (Tel-KoMp.) Unter fcein.'Ä:. sitz Givlittis' soll^, am 10.. April in Jtqlien eine? 5 neue JnterallneHn-KpNferenz' beginnen, .die.sich., m«:. der Frage der Teilung O bersch lest enS mit dem griechisch-türkischen.,Problem befasse«, wird» i . .. ‘ . .. Ledebour bei den englischen U«abhSngigen. j Dordou, 30. März.. (TelF-Komp.) Auf der TaMNK der Unabhängigen Arbeiterpartei sprach auch d^rDeutschS Ledebour, der die englischen Sozialisten einlud, dis Beziehungen mit den deutschen Sozialisten wieder aufzunehmen. Er verteidigte die deutsch n Sozialisten Wege« der von ihnen im Weltkrieg beobachteten Haltung und - erklärte, viele von ihnen seien wegen ihrer kriegst, gegnerischen Haltung im Gefängnis gesessew. Die deutsche.: Sozialisten treffe keine Berank wortung an der Kriegserklärung, vielmehr hättew sie jede Gelegenheit gesucht, die Monarchie zu stürzen^ - Der Streit «wt das Petroleum. Paris, 30. März. (Tel.-Komp.) Wie den Blätter« - aus New-Aork gemeldet wird, bereitet das ame rp» kanifche Staatsdepartement in der Fragir der mesopo damischen Petroleumfelder .eins' Note an Engl and vor, die in ernstem, aber freupdschafllichem Tone gehalten sein und EnglärS' über«, zeugen soll, daß Mmeribas Ansprüche, berechtigt feieuz. Griechische Blockade ln Kleinafiem LoNdpn, 30. März. (Tel.-Kvmp.) Me aus AtIe«., gemeldet wird, beabsichtigt Griechenland, nach erfolgter Wiederaufnahme der "Offenslpe^^^ über alle KüstLnftädbö Kleinasiens die B'l o ck a b'e' zu verhängen. U l l e a ü.' s-? ländischen Schiffe werben streng untersucht wer--'' den, um eine Unterstützung der türkischen Rationalist^^ zu verhüten. Die Tschecho-SkoMaKer soll die M«t^' . . Li«te prsttzen? ... ... Berttst, 30. März. . „East. Europe". meldet - anÄ-^ Paris: Nach einem. Bericht der »Chicügo Tribuna^-- . wird sich General Weygand morgen nach Prag -fow'v geben. Offiziell wird erklärt» daß er diese Steife im#** . nehme, um eine Mihe französischer OrdensauszeiHnungirn zu überdrmgen... Glei-chzeitig -wird «ber . a'NÄ- ' behauptet, daß uu/ Fatte - eiM .weiteren.- Besetzung deutschen Gebietes nach dem 1. Mai der Tfchecho- Slowakei die Aufgabe Matten-würbe- Om MainÄiW zu besetze«, wodivch -Ba-erw von Meuße« ALtrerm^ würbe. . . - ..... BerWch 30. SAus Paris wird gemeLet': General Weh gand wird in einigen Tagen nach - Prag fahren. Man glaubt, daß er mtt Vollmachten ausgestattet ist, wonach, er im Falle einer weiteren Aug^ dehnung der Besetzung Deutschlandmtt der tschechoslowakischen Regierung Verhandlungen einleiten soll/' die die Besetzung deutscher Gebietsteile durch Lschechy- - slowakische Soldaten zum Ziels haben. Inland. Die Finanzlage OesterMchs wird geprüft. Pari-, M. März. Das Finanzkornittr des Völker-. . b««i.es widmete seine heutige Vo.'mittogssiöutttz dcr eingehende« Prüfung dek gesamte» Finanzlage O e st e r r e i chS. Alle einschlägigen Frage» wurdest fachmännisch dnrchbesprochr«. Um die Mittagsstunde dauerte die Beratung «ach a«. Aa derselben beteiligten sich insbesondere der Vorsitzende Strakosch, der Be-/ richterstatter Avevol, Sir Drumond Fraser, Direktor der Manchester and Liverpool Districi Banking Ca. und Erweiterer «nd Organisator des ter Meulensche». Projekts, ferner ter M e ulen selbst sowie der Vertreter des englischen Schatzamtes Riem eye r. Der ursprüngliche Plaw abgesonderte Memoranden an dir Meierten »nd an Oesterreich zu richte«, wurde falle» gelassen. Es soll eine eiahertliche Note abgefaßt werden, die Punkt für Punkt alle PorauSsetznngen anführt, die von den^ Alliierten, einerseits und'Oesterreich' andererseits zu. schaffru. waren, nm eine Grundlage für .die vom Finanzkomitte Ves'Völke-bunÄeS einzulettrM ' Kreditaktion z« bietvn.' r; 1 Pari-, E' Wrz/' Witz 'tzmr dtfcktuittxLer /ESeste" ve^.../ 'lautetj Ist für die Ätteiw»..tzeS. cinitkeB 'p?'k’’s. BÜlkertzundeS fdlgender Plan vorgesehen: Um keine' Zeitz,., zu verliere», lvttt» zugleich mit dtzn alliierten Regierung«l/mtzj . unfc mtÜr hw»j oJ bon welcher die ostjüdische« Einwohner am meiste« So- *&x*. Die. m&ä&x, dqMM^tzr.WS.,

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