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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-31 · Heft 782 (31.3.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 782 (31.3.1921)
Date
1921-03-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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gtt 782 Wien, Donners«- »yym können, wenn wir die wirtschaftlichen Fundamente für ein großes und kraftvolles Ungarn g-legt halben werden. Der Gatt der Magyaren wird uns helfen, diese Zeit zu überwinden. Eurer Majestät aber muffen wir sagen, daß Sie sehr schlecht beraten waren, Es Sie gerade jetzt nach Ungarn eilten. Weder hier noch drüben in Oesterreich sind die Dinge reif fitr diese nette Ordnung. Oesterreich ist ebenso unfrei wie wir, aber innerlich ganz anders konstruiert. Tort sind die Sozialdemokraten außerordentlich'stark, ein namhafter LeU des deutschen Bürgertums strebt nach dem Zusammenschluß aller deutschen Stämme. Die große christlichsoziale Partei muß vor den parlamentarischen' Stärkeverhältnissen. die doch nur die Meinung des Volkes veranschaulichen, schmerzbewegt ibne loyalen Empfindungen zuruckstellen. Die eigentlichen treuen Anhänger der geheiligten Person Eurer Majestät sind dort sehr gering an Zahl und politischer Bedeutung «nd kommen über die Veranstaltung antisemitischer VLraßenszenen nicht hinaus. Also auch dort würde ein Versuch der Wiederaufrichtung des Thrones zu schweren, mneren Unruhen fuhren und vielleicht sogar, da es sich um ein europäisches Zentrum handelt, etn scharfes Auftreten dar Alliierten provozieren. Aus diesen Gründen kommt die Regierung zu der Anschauung, «8 fei Eurer Majestät zu empfehlen, so bald als möglich wieder zu Ihrer Familie zurückzukehren und uns zu überlasten, den Zeitpnkt für die.Rückberufung Eurer Majestät zu erwägen. Seien Eure Majestät versichert, daß.. /! _ »Genug," sagt der König. »Weshalb haben Sie ntfe mich gerufen, mir Streite geschworen, mich in Liedern und Gebeten gefeiert? Was ist wahr an euch asten? Oberst Lehar ist gegen Herrn von Horthy, dieser gegen jenen. Andrassy gegen Apponyi, Telekr gegen Andrpssy. Ich glaube fast, daß nur der Jude Dcizsoiiyi rsir treu ist. Zwar hat mir Frankreich durch meinen Schwager Sirius, den Sie ja kennen ach. wäre es ihm . doch im Jahre 1918 gelungen — die Zustimmung zur Fahrt geschickt, aber ich reise. Ich g«be zu Lehar und warte, dort inmitten seiner treuen Truppen und der . noch treueren Franziskaner auf weitere Beweise Enreihoma° gialen Ehrfurcht. Nur eine Bitte: Ns ich herkam, saßen Pronav und Hejjas neben mir. Tii-Hnge. brave Burschen. Aber sie riechen zu stark nach Judenblut."!; Horthy bleiht zurück und reibt sich lächelnd die Hände: „Der ist besorgt und aufgehoben!" KSstiK Karl in tt*g<rh&. ' r Der Plan zu dem Putsch ist, wie erzählt wird, nicht Ha Budapest oder in Prangins, sondern in Steinajuanger entstanden.. Sein Autor ist der . Bischof Graf Mikes, . her auch die Grafen Josef H u n y a d i, Jos.s E r d ö d y «nd Dela v. Jarny nach Prangins sandte, um den König abznholen. In Budapest wunde der Königder die Marschallsunfform trug, von der Wache vor... der Hofburg erkannt nnd mit »Gewehr heraus!" empfangen. Graf Hunyadi eilte in das Zimmer Hörthys' und rief ihm zu: „D er Kö n i g i st da!" Ein Offizier sagte ihm: »Es ist noch nicht der 1. April. „Horth y, der außerordentlich erregt war, begrüßte den König und ließ die Anwesenden abtreten. Die Unterr.dung beider dauerte dreiviertel Stunden und soll sehr bewegt gewesen, sein. D.i König sagte, er sei zurückgekommen, seine bis heute ruhende königliche Macht weiter auszuüben. Er sprach Hortchy für die ihm geleisteten Dienste seinen Dank aus und tat so, als wäre dn Reichsverweser nun seiner Aufgabe enthoben. Horthy erklärte, er sei nicht in der Lage, die Macht zu übergeben. Er habe die Macht nicht vom -König, sondern von der Rationaiverfammlung er. halten und der Nationalversammlung den Eid geleistet. Horthy soll wörtlich gesagt haben: „Vor die Wahl: König oder Nation gestellt, wähle ich ohne Zögern die Nation!" Horthy gab hierauf Auftrag, die Regierung einzuberufen. Eine Anzahl von Ministern war sndes nicht in Bridapest anwesend. Es kamen Graf A n° drassy, Graf B e t hle n, die keine Minister sind, und vom Kabinett nur Tomesanyi. Für die Beratungen entscheidend war Oberst Pronay, der für Horthy eintrat. Auch Hejja8. der Führer 'der Erwachenden Ungarn, betrachtete die Situation für den Exkönig für sehr ungünstig. Horthy forderte den König in aller! Form auf, Budapest und Ungarn sofort zu verlassen. Interessant ist. daß die vorgestrigen Pariser Abendblätter und ein Teil der Schweizer Presse bereits Nachrichten Lb.r den versuchten Militärputsch in Ungarn zu bringen vermochten. Danach hatte die Entente bereits auf irgendeinem Wege (radwtelegraphifch?) Kenntnis von der Ankunft des Exkaisers Karl auf ungarischem Boden. Es scheint auch, daß die Abreise des Exkaisers aus Prangins trotz aller Vorstchtsmatzregeln nicht geheim geblieben ist. Die Budapester Blätter dürfen über das plötzliche Anftanchen de8 Königs in Ungarn nichts schreiben. Man findet kein Wort über dieses Ereignis. Schon daraus laßt sich darauf schließen, in welche peinliche Ueberraschung die ungarische Regierung geraten ist. Nur aus einer. kbsmer^ m den Blättern versteckten i Wiener Morgenzemrn- 81. Marz 1921 Sette V, Klirren in Deutschland. Mafferwerhafltrngen iit Berlin. De?in. 30 März. (Wclff.) Die Schw'poN ei bleibt in A.armberei.schaft. Bisher sind ungefähr 200 Personen fest genommen worben. die schon in den nächst'n Ta^en von ei e:tt a '.he o dentlichcn G.r'cht abg"nr:eilt werden \oiCA. Al.'e di:j.nigen Ruhestörer, die in die Betriebe, ei.igedrungen sind und Sabotageakte verübt haben, we Len we^en La' dfri. denZbruch 's. und die Verteiler hetzerischer Flugbl Itter wegen Hochverrates abgeurteilt we den. B-rltt,, 30. März. In Berlin herrschte heub, von kleineren Ruhestörungen abgesehen, im großen und ganzen Ruhe. Die Schutzpolizei-brauchte n irgends emzugreisen. Abgesehen von einigen Deilstceiks, wird überall gearbeitet. Blutige Kramalle in Karlsruhe. ' Kacksruhr, 30. März. (Wolfs.) Als gestern abends ,bie Polizei den Marktplatz von kommunistischen Demonstranten räumen wollte, würde sie. mit Handgranaten und. Revolverschü'srn empfangen. Die Polizei erwiderte das Feuer. Aus Seiten der Demonstranten sollen eine Person getötet und fünf Personen verwundet worden seien. Im übrigen badischen Lande ist die Lage ruhig.!- Magveburger Kriegsbericht. MtgdckMg, 30. Mörz. Wolfs.) Di« Meldest««- beim Oberpräsidium teilt mit: Nach der Besetzung der Leuna-Werke hat sich die Zahl der Gefangenen auf 1200 erhöht. Viele Gewehre, Maschinengewehre, drei Lastkraftwag:n und ein Panzerzug wurden erbeutet. Aus den übrigm Kreisen des Regierungsbezirkes Merseburg li.-gen Meldungen vor, wonach sich an ein'«Inen Stellen die Aufständischen wiederum zu kleineren Trupps zusammenrotten. In Zschemowitz sind die Elektrizitäts-und die EaZü"beiter in den'Sympathiestreik getreten. Die technische Nothilfe hat sofort eingesetzt. Bei Gröbers sand ein heftiger Zusammenstoß zwischen einer Hundertschaft und Aufständischen stait. Auf beiden Seiten s'nd erhebliche Verluste zu verzeichnen. In Magdeburg ist alles ruhig. Es gelang, eine schwere Verbrecherbande, das sogenannte Sprengkommando, festzunehmen. Es Notiz g.cht der Ernst der Lage hervor: Die Partei der kleinen Landwirte hat die sofortige Einberufung Her Nationalversammlung gefordert. In der Sitzung dieser Partei würden 'der Ministerpräsident Graf Telekr und d.r Ernährungsminister V as sehr scharf kritisiert. Es scheint, daß diese beiden mit der Reise des Königs in Verbindung gebracht wenden. Der Exkönig befindet sich zurzeit noch immer i n Steinamang/er und wartet dort die weitere Entwicklung ab. Er steht unter Bewachung von Offizieren, die Horthy persönlich ansg.wählt hat, da man dem Obersten Lehar nicht ganz traut. Es ist charakteristisch, daß ausschließlich Offiziere mit dem Dienst um den König betraut wurden, die, mit den Mörderbanden der Erwachenden Ungarn gute Nachbarschaft halten. Es scheint, daß diese Pronay- und H e j j a s-DetachementS auf seiten des ReichsverweserS stehen. Ein Teil der Garnison von Steinamanger soll auf der Seite des Königs st.hen, der erklärt haben soll, er Wolle Ungarn nicht mehr verlassen. Auch die in Westungarn stehenden Truppen des Grafen Sigray sollen sich für Karl erklärt haben. Nach einer noch nicht bestätigten M.ldung sei das Korps Lehar^ das 30.600 Mann zählt, bereits a u f K a r l v e r e i d i g t worden. Sollte von dieser Seite versucht werden, die Thronansprüche des Königs mit Gewalt durchzusetzen, so wäre d.r Bürgerkrieg da. Die westungarischen Truppen könnten binnenzweiTagenin Bndap e st stehen und das Mördergestndel Horthys rasch überwältigen. Die Negierung scheint solche Absichten zu ahnen, denn sie hält nach wie vor St.inamanger unt:r strengster Isolierung. Auch die telephonischen Gespräche mit Budapest stehen unter scharfer Zensur. I» Oesterreich hält man den Staatsstreichversuch des Königs Karl für eine Episode, die Rückwirkungen derzeit kaum befürchten läßt. Zwischen dem Kanzler Dr. Mayr und dem Schweizer Gesandten B o u r c a r t hat gestern eine längere Besprechung stattgefunden, deren Inhalt kaum zweifelhaft ist. Der Schweizer D.rtreier hat über die Verletzung des Asylrechtes gesprochen, Man glaubt, daß die Familie des Königs nunmehr nach Spanien wird übersied.In müssen. Die Untersuchung über die Reise Karls hat bisher wenig Positives zutage gefördert. Der König ist mit einem Patz auf der Namen „Ka f p a r KovacS" über Straßburg und Süddeutschland durch Oesterreich gereist. Er weilte Freitag in Wien und nahm an einem Diner im Palais eines ungarischen Grafen teil. Er soll die U n i f o r m e i n e s EntenteoffizierS getragen haben. Von Wien ist er in Begleitung eines Herrn, der der Prinz Ludwig W indisch- Gr ätz sein soll, nach Steinamcmger gefahren, wo er Samstag ankam, , bestand durchwegs aus Ausländern; In Erfurt herrsch» Ruhe. j * Das ausgehobene „Ka«ptq«artter*.l & tttit, 30. März. Die Blätter melden aus Halles In der vergangenen Nacht ist es der Schutzpolizei ge-, lungm, das Hauptquartier der kommuni-»' st i s ch e n Banden Mitteideutschlands a u s z u h e v e iti Hirbei wurden zwei Personen in einem Han^ gernenge getötet. Streik in Leipzig. Pcrlkr, 30. März. Wie das „s Uhr-AvenMatt" auSf Leipzig meldet, teilt der dortige Verband der Metallindustriellen mit, daß in sämtlichen Vororten dem Rufs der Kommunisten zum Generalstreik seitens der Ar-»' beiterschaft zu erheblichen Teilen Folge geleistet würbe. Der Verband der Metallarbeiter habe bisher den Streik glatt ebgelehnt. Die Schlackt bei Weitzenfels. Weifte felS 29. März. (WolfsBei frtt Kämpfen mit de: Schn' po i ei hatten die Kommunisten mindestens 50 Tote u -d viele Verwundet:, darun'er 25 sehr schwer Verwu^de.e. Aus Seit« der Weißenfelser Schutzpolizei! wurden ein Mann getötet und vier verwundet. Bayrische Tr«ppenverst8rk»ngen. 'z München, 30. März. Wie die Blatter melden, ein bayrisches Reichswehrinfanterieregiment mit Ar-, tillerie u::d Kavallerie, ferner eine Pionierkompagnie nach Mitteldeutschland abgegrugen. ESl handelt sich vorläufig nur um eine vorsorgliche SOtefHj nähme, um den Zuzug von Aufrührern aus fcenv Unruheherd fernzuhalten. Die Jagd auf ASIz. , ' Eisleben, 29. März. (Wolfs.) Wie verlautet, svlk'. heüle mit'ags bei Niederröblingen ein Automobil, miß Hölz ü b Lessen Adjutanten von der ReichZwrhr unter-' Feuer genommen worden s-rin. Der Adjutant sei tyt^, Hölz soll dagegen entkommen sein. In Wien muffen sehr viele Personen von dem ge»! planten Putsch gewußt haben. An dem erwähnte«! Äiner haben 14 Adelige teilgenommen und an dem beiden F.iertagen dieser Woche wurden mouarchrstische^ Flugzettel in Massen verteilt. ' j Die „Arbeiter-Zeitung" meldet, daß d e r oste reichische und der tschechische Dertreter! in Budapest von der ungarischen Regierung dir reise des Königs gefordert haben. Außerdem soll ein Kollektivschritt der Entente v in Budapest bevorstehen, «die ihr Mißfallen dckrüüm äußert, daß die Anwesenheit des Königs Lurch v i erf Tage geheimgehalten wurde. I In Wien sind von der Regierung gewisse Vor-? sicht s maßnah men getroffen worden. Alle öffent^ lichen Gebäude sind von Mannschaften b:t Stad schutzwache besetzt, der Grenzschutz wird außerordent-s lich scharf gehandhabt. Die Arbeiterschaft befindet sich in hochgradiger Erregung und ein Teil d^r radikalen Elemente drängt auf die sofortige Bewaffnung derf Arbeiter. Vazsonyi bei Karl? ' Nach einer Meldung deS „Jovo" soll sich in BS» gleitung d-s Ministerpräsidenten Grafen T e l e k i auf dessen Fahrt nach Steinamanger auch der erst vor kurzem heimgekehrte Abgeordnete Wilhelm Vazsonyi befunden haben. Vazsonyi, der, wie erinnerlich, sich kurz vor seiner Rückkehr nach Budapest als Legitimift entpuppte, hat nach dieser Meldung an den Beratungen in Steinamanger t.ilgenommen und gleichfalls den Standpunkt vertraten, daß die Zeit zu aktivem Handrlü noch nicht gekommen sei. „Jövö" weiß übrigens auch zu melden, daß Vazsonyi seit seiner Rückkehr seinen ganzen Einfluß geltend mache, um das Zustandekontme« eines liberalen Blocks zu verhind.wn und süß den Legitimismus, besonders unter den Juden. Anhänger-zu werben. Angeblich soll Dazsorchs auch den Redakteur des „Egyenlöseg", mit den ihn M Beziehungen verbinden, aufgefordert haben, den Kampfs gegen Andrassy wegen sein.s Ueberlaufens zwz' christlichnationalen Antisemitenpartei e i n z u st e l l e n> Ter Redakteur habe dies jedoch abgelehnt, da sich de« „Egyenlöseg" sonst auch bei den neologen Juden unmöglich machen müsse. Vazsonyi. der auch hier Len Standpunkt vertrat, daß im Interesse des LegitüniK» mus alle anderen Rücksichten beiseite gelaffen werde» müsscnß. habe nach diesem RefüS die Verbindung miß dem „Egyenlöseg" abgebrochen. Neue KSmpfe in Kronstadt? yklslngsov-, 29. März. (Havas.) Während beS gestttM Tages wurde von Kronstadt her starker «eßhLtzboimer vevif nomme«. Man glaubt, daß eS sich um ein« Angriff achl das Fort Totleben handelt, den die vost^etersb»rS, den MaLroßen eLageletLat Hab«, " V

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