Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 782 (31.3.1921)
- Date
- 1921-03-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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St TM_«51m. VöimeiM r SBtmct 91. MK, ISA .«■rv NMMK« »erde«. Zunächst wirb ein Memorandum ausdafür die vier alliierten Negierungen, brr an Le» -submee Beschlüssen mitgewirkt haben, bestimmt ist. Dieses Memorandmn knüpft an die Londoner Beschlüsse an, erweitert sie aber insofern, jite die von den vier alliiertL» Regienrngsir gemachte« Zugeständnisse in allen Einzelheiten konkret ausgearbeitet werden, so daß sie die Grundlage van Kru-rten bilden können. Das Memorandum wird also insbesontzers genau umschriebene Vorschläge über den Umfang'der vM'deu Alliierten zurückzustellenben Garanti e» und über die Zeitdauer enthalten, für die dir Zurückstellung zu gelten hätte. Ei« zweites Memorandum soll an die österreichische Regierung gerichtet werben und wieder genaue Angaben über die Lvraussetzunge« enthaltezi, diehon Oesterreich zu erfüllen wären. Es werden, wie im ersten Memorandum, ganz bestimmte Bedingungen ausgestellt.sHnS*. besondere werben Maßnahmen vorgeschlagen, von denen idas FrnanzkomitsL des Völkerbundes eine Verbefserüng der finanziellen Lage Oesterreichs erhofft, - Ferner werden die Garantien, die die Anterlage der Kredite bilden sollen, genau umschrieben. / Es ist ferner beabsichtigt, diese beide Memoranden noch vor ihrer Absendung den Bankengrup.peir vorzulegen und von ihnen womöglich schon jetzt bindende Zusagen eülzuhMn, für den Fall, als die Memoranden von:de:rb.ttreffettden^ Regierungen angenommen werden. Das FürmrzkomM hofft, sy d r der Lage zu sein, das Kreditprojekt der BcmkLugrWpen schon zugleich Mt der: Memoranden den vier allMteü Regierungen und Oesterreich mitteilen zukönnen.-.-!'Mast Wüvt, die ^Fassung der Memoranden bisDonfterstag ^ber . F-rei tag sertiggestellt zn haben, und tm die Besstied^gen mie den Bankengruppen parallel lauferr^ hofft daS'' Ko-Aites, hPt ersten Teil seiner Tätigkeit Ende de/'Woche' zu' 'beschließen. ■ Zur Beantwortung der Memoranden wird den'.Mgis- Mngen eine Frist von sechs Wochen bis zu zwei Monaten gegeben werden. Mit den Vereinigten Staaten isowie den alliierten und neutralen Regierungen, die in London nicht vertreten waren, wird auf anderem Wege, .aber gleichfalls parallel mit den übrigen Verhandlungen 'in Fühlung tzetretmtverden. ’ Der Völkerbund wird Oesterreichs Unabhängigkeit achten. Paris, 30. März. (Havas.) „Petit Pcrrisien" veröffentlicht über die gestrige Sitzung des Finanzausschusses d e 'S V ö 11 c unde tfolgende Einzelheiten: Während einerseits die Rechte und Privilegien, die der Friedensvertrag von St. Germam den Verbündete gewährt, nach dem im allgemeinen angenommenen Plan einstweilen zürückgefrellt werden sollen, stellt sich andererseit die Notwendigkeit -heraus» den ausländischen Darlehensgebern Garantie« für eine gute Geschäftsführung §u geben. Die KontrollmatznahmeN würden in ihrer Gesamtheit einem Studium unterzogen .und die. gestrige Erörterung galt insbesondere diesen Matznahmen. .Auf keinen Fall kann jedoch die Rede davon sein, dir nationale Unabhängigkeit Oesterreichs .nicht vollkommen zu achten. Das Blatt glaubt, daß die Verhandlungen bis Donnerstag Lauern werden. > - - > < Die österreichische Frage Kommt »»r das Pariser Parlament. Paris, 26. März, ^er .Ldmps" bespricht daS stau Avsnol entwickelte Programm und. nennt als Zeitraum, wHrend dessen die Hypotheken der Alliierten znr'ückzustellen - wäre«, eine Zeit von fünfzehn -oder zwanzig Jahve«. Nachdem <£»«• Wendungen dagegen erhoben worden seien, daß die Hypo* theken nur einzeln, heute ^etwa jene auf daS T ab a t* Monopol, morgen jene auf die Zölle, aufgehoben würden, da dieses Vorgehen die Kreditgeber alschrecken könnte, so neige man dazu, alle Privilegien auf einmal zurück- Mtellen. Die ReparationSkommisfion könne diese Zurückstellung nicht aus eigener Machtvollkommenheit verfügen. Cö werde also die Zustimmung des französischen Parlaments emgeholt werden müssen, da eS sich um die Abänderung'einer siüanziellen Bestimmung des Vertrages von St. Germam bandle. ■ *' ' ' .i v . Oesterreichische Handelsvertragsverhandlnngen «U Sowjetrntzland. Die Regierung trifft gegenwärtig die Dsrbereitun-. tzeu für den Beginn von Verhandlungen über »rinen Handelsvertrag nrit der russischen Republik, und hat den Legationsrat W il d n er rm Auswärtigen Amt mit der Ausarbeitung des Vevhandlungsprogrammes betraut- Dieser Entschluß der Regierung ist außerordentlich begrüßenswert, weil die Verbindung mit Rußland unserer Industrie nurftützorr und bas nötige Gegengewicht gegen die fortschreitende Überfremdung bieten kann. . Vorkonferenz t« Wiy«. — Konstxekz in Portorose. . . >M. ' Prag, 30. März. Die „Prager Presse" berichtet aus Rom: Die Konferenz der. Nachfolgestaaten -unter Teilnahme von Vertretern Italiens, Oesterreichs», fees Tfchecho-Slowakei, Jugoslawiens, Ungarns, RuMniens Und Polens wird über dis Durchführung einerMuzM von Bestimmungen, der Friedensverträge, und ^WWer Artikel 93,191, 193 und 374 des Vertrages vvn'.DM^ Germam, Artikel 77, 175, 176 und 207 des'BerkSageS von Triansn und Artikel 1 des Bsrtragss von GevM beraten. Wenn di« Konferenz diefv Aufgabe ^rfüttr, tvird Italien die Konferenz von 'Portorose einjMrfchr. Dieser wird eine Vorkonferenz in Wien vorangehen, »in deren Pvosramm gegenwärtig np$; gearberiet^ 'ch^ Mitteilmgen aus dm Publikum. Berta Lerner Adolf Nussenblatt ' Wien. II. (Strvi) Wien, II. V e r 1 o b t e März 1921 .. SaloWeiss und Frau zeigen hocherfreut die Geburt eines (Kräftigen Jungen an Wien, im März 1921 «nr RILLAHTEN, Perlen, Goia, Bilbor, Platin « Uhron kauft und verkauft 77« ETTER Boteatursnstr. 23, SSarlaMlferstr. 98 Grösster und bester Käufer Wiens «r« Brillanten, Perlen Juwelen, Edelste! nhändlarRabsnowitsch, Juwelier 1. Maximilianstrasse 5 II. Stephaniestrasse 3, nurNr.3 (jetzige Kahlerstrasse) (jetzige Hollandetrasse) Tel. 8541 und 45148 im eigenen Hause Freüaj ab 6 Uhr ». Samstag geseWowen. 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Da haben sich die klerikalen in der bitteren Erkenntnis, dah sie mit dem 'See'enfang auf -er alten Grundlage des unverhüllten GlaubenS-- hafleS und der rein konfessionellen Verhetzung auf keinen grünen Zweig mehr kommen konr- - vor zwei Jahrzchnten auf das EIS der Naffentheorie locken lasten, um ihre, alten Ladenhüter unter der n:uen Schutzmarke wieder bester an den Mann bringen zu können, und nun muß das klerikale Haupt-- vrgan mit großer Erbitterung feststellen, daß, ungeachtet aller sonstige« unleugbaren Erfolge der neuen Taktik, gerade deren geschäftliche Ausbeute hinter den „frommen" Erwartungen zurückgeblieben süür. Mein Gott, einigen christktchsoziahm Führern hat sich »ja die Verkündigung der neuen Heilslehre Schönererscher Prägung politisch und finanziell ganz außerordentlich rentiert, aber gerade das journalistische Havptsprachrohr dieser Bewegung fürchtet, . leer auszugehen. Einige. Inserate üt der Osternummer des „Reuen Wiener Journals" geben der „Reichsposk" Anlaß zu folgendem, ergreifenden Lamento: „Arische Bergsteiger suchen nichtjüdische Wanberfrennde im — Judenblatt. Ein christlicher Akademiker sucht die Bekanntschaft einer. Christin im — Judenblatt. Ein arischer Oberingenieur sucht eine Lebensgefährtin rm — . Jubenblatt. Pfui Teu sel, vor solchen Renommierariern und -christen. Sie sind ernander wert, diese reinrassigen Teutschen und das Judenblat^, bas im Vorderteil gegen den Arierparagraphen in den Tvuristenvereinen hetzt und im Hinterteil bereitwilligst die Wünsche der «rifdjen Bergsteiger erfüllt, natürlich gegen Bezahlung." Wie man sieht, richtet sich der Groll des keuschen Blattes nicht zege« bibeachtenswerte Tatsache, daß arisch- Mäurl-dr und Weiölein erotische Beziehungen auf einem Wiege rLnzuknüpsen fache«, der mit sittlich-religiösem Empfinden und der Phrase vom germanisch«! J'ealiSmus Nicht gauz in Einklang zu bringen ist. Die „Reichspost" tabt vielmehr 'unter dem «Leberschmetternbe« Eindruck, daß die Konkurrenz' ei« Geschäft genrachL habe,- das nach dem politischen Bekenntnis der Kontrahenten eigentlich nur bei ihr selbst hätte rayoniert rtmtm atSfeT_ sobtzyt ilmsiärrdNl pfeift sie aus'drL^ Renommier«: mit Arie»- mb Christentum. Denn die schaft chört sie wohl, allein — sie wirft ihr keine. Prozent« ab 0 ■ i '! Eine Aich!eLngelöste DanLesschmLd. . Man schreibt uns: Wie erhebend klangsir einst die Worte: „AllcZ für unsere Helden im Felde! Laßt uns Vov> sor'ge treffen für die Zeit ihrer .Heimkehr! Rrmmermehv darf es geschehen,- daß ein zum .Krüppel gewordener Schirmer des Haterllurdes mit der Drehorgel seinen kärglichen Uutevijo.lt sich wird suchen müssen!" ' Vder Tat, keinen Invaliden sehen wir^ mit einer. Drehorgel umhorzishen. Ein Millionärssohn müßte der Kriegskrüppel sein, der sich den Besitz cinef solchen Instruments leisten könnte. Dis Unzähligen, die chre geraden Gliedsv, -ihre'Gesundheit, ihr Hab und Gut geopfert haben, tragen in stumpfer Verzweiflung ihr Elend; zermürbt von Krankheit und Hunger, ohne Vertrauen auf dis Menschheit und vhue Hofsnuns auf eine bessere Zukunft. 9bur ab und zu hört man dxn .leisen Hilferuf derjenigen, die mit Fug und Recht laut fordern könnten! Beschämend ist dies für alle, die daN Schicksal. davor bewahrt hat, Kriegskrüppel zu hrißerr. Der Verband der jüdischen Invaliden und Heim-- 'k6hrer in Wien (2. Bezirk, Obere Donaustraße LS) sieht fich^ genötigt, anläßlich der ' herannahendeN Petzäch-AeierLage Aufruf um Ausruf in die Welt zu serrdeu um Hilfe für ferne notleid«lden Mitglieder. Die. Wiederholung der Auft rufe verweist, wie wenig Gehör ihnen geschenkt wird'^ wie, verschwindend geringe Erfolge der Appell um den nnabtyeiZlich notwendigen Beistarrd zeitigt. Geschenke, für P.e.ß,ach. erbittet der Verband Zugunsten derjenig«^ die ihr ganzes Sein, dahingegeben haben, um uns ander«: das Leberr zu bewahren!; . ''Noch ist cs nicht zu spät, sich einer bisher, versäumten Hflicht zn erinnern!' Bausteine erbittet der Jüdische JnVälidSn^ Mrbaild für seine, .unglücklichen Kameraden! .'Spenden, wir inirt. vollen Händen, was ein jeder vrrnl-ag, und. bauen wir nnSdamit eül ewig dauemides Denkmal menschlich-jüdischer Dankbarkeit und Pflichterfüllung! Vermag es einernicht allein, in seinein Freundes- und Verwandteukreise findet er .sicherlich freudige Helfer, die zusammen daS leisten werden^, was der einzelne nicht imstande ist. Peßach, das Fest der Be^ sreiüng, sei uns der Anlaß, der Brüder zn gedenken, die rettungslos dem Untergang geivriht sind, iv:nn fb noch längen darauf - warten müssen! __ Berbarrd der jüdischen GeMeinden in Z«goslL«ien. v Aus Belgrad wird uns geschrieben: Die Regierung präzisierte kürzlich ihre 'Stellung zu den Gemeinden der einzelnerr Religionsgesellschaften und hat fvlgenides ^Prinzip aufgestellt: Die auf dem Gebiete des Könige reiches S- H'. S. bestehenden Konfessionen sirch gleiche berechtigt und dem Range nach gleichgestellt mtb! verwalten ihre inneren AngLlegenheiten in autonomem Wirkungskreise selbst. Entsprechend diesem Grundsatz, ließ die s Regierung albe int Königreiche bestandenen -religiösen Einrichtungen bestehest und rüttelte in keiner. Mise an den autonomen Einrichtungen der Konfessionen. Jtn> alten serbischen Königreich genossen die . jüdischen Gemeinden volle Gleichberechtigung und Autonomie. In strittigen Fragen war der Oberrabbiuer der Belgrader l Judengemeinbe, der gleichzeitig Gwßrabbiner des ganzen Königreiches war, der entscheidende Faktor. Demgegenüber-waren die autonomen Ange^genh-eiten den Judengemeinben in den neuen Teilen des Königreiches recht verworren. Die Orthodoxen hatten eigentlich kein Zentralorgan, die Neologen erblickten in der Buda- Mter Landeskanzlei ihre Vertretung. Die jugoslawische Regierung r.'ht nun daran, die Ang elegenheiten d-er-Fude.: des Landes einheitlich und unter Aüfrechterhaltung der Autonomie zu regeln. Zu diesem Zwecke schuf sie den Verband der jüdische« Gemeinden im Königreiche S. H. S. Dieser Berband wird seine Zentrale in Belgrad haben und daÄ höchste Forum in allen, , die Mischen Gemeinden de^- Lanbes betrefftnden Angelegenheiten sein. Die von deuz seMschen Kultusgemeinden ansgearbeiteten Organs sationsstatuten dürften schon irr nächster Zeit die Ge-! nehmigung der Negierung erhalten, worauf M die Er-- richtung des Zentralbureaus in Belgrad geschritteuj .wirb. Von dieser autoritativen, autonomen Gesamt: Organisation erwarten die Juden einen Vufschlvüng be^ jüdischen Gemeindewesens. Die Verfolgungen der Juden tm Ze«e«. Die Vertreter der Jemeniten im JWischen Bolks^ rat von Palästttm (W-aad Leumi) berichten, daß die! ÄdW. de- Juden im Jemen neuerdings sehr traurig sei. Mährend diese während des Krieges äußerst bedrückt: Wurden^ sei jetzt eine alte' Berfügirng ausgegrabew worden, wonach alle jüdischen Waisenkinder zum Jslanr bekehrt'werden müßten.; ' Äls es den Waisen von Damar gelang, zu -flwhen, sperrte man die Gemeindevorsteher ins Gefängnis, wo sie bereits seit fünf Monate« in Hafsi sitze?: Aehnliche Vorfälle haben sich auch an andere«; Orten abgespielt- Diese'Zwangsbekehruug beschränkt sich Hdoch nicht ausschließlich auf Waisen. Auch die andere«! Hutzen versucht man mit Gewalt zum Islam zu be->- - kehren. Es werden daher alle jüdischen Organisatiisnenum Hilfe angegangen und namentlich wird die Zionistische Organisation ersucht, den in Aden konzentrierten .jührschen Flüchtlingen aus dem Jemen die Einwanderung; Nach Palästina zu errnöglich-en. .^ Bekanntlich fiitb schon vor Jahren zahlveiche., jemv-j mtische Juden vor ihren fanatischen arabischen ^rfolgern nach Palästina ^geflüchtet, wo sie in einem Be* rlagtzttswerten Zustand ankamen. Die Jemeniten habet« sich' infolge ih ^es Fleißes, ihrer besonderen Genügsam-- Mit «nd Geschicklichkeit, bei allerlei manuellen Arbeiteuli äls. ein sehr e^ünschtes Echwanderevelsment für MVL-! Ma Lt'wisM. .. 15061