Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 782 (31.3.1921)
- Date
- 1921-03-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979861--07130-2993151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in E-iMck, Mm, Donnerstag Wiener Morgenzeitnng Nachfolgestaaten der österreichisch-ungarischen Monarchie in Rom für hatten von ganz besonderer Bedeutung. M-^nz Osteuropa, wo sich die Lage seit einigen Monaten ruhig gestaltete, entsteht von neuem ein Chaos. Italien fehlt es nicht an Mitteln, bei seinen wahren Frsmdeü sowie feinen heimlichen Feinden seine Gründe zur.- Geltung g«; bringen. Das Vorgehen der italienischen Regierung wird es verhindern, daß die bind} das JBIui von 500.000 Toten erworbenen Rechte mit Füßen Wetteten werden. Der Sta«dp«nkt der österreichische« . , ' Aegierrwg. Wien, 30. März. Wie die Politische Korrespondenz ttfafjrf, sind bisherAngelegenheit des früheren Kaisers leiste'schritte anderer Mächte bei der österreichischen RegiEung -unternommen worden. Bis Haftung, die die ösMrrerchksche RemerUng gegenüber den burc* die MEfe^: bfk Ex-Kaisers hervorgernjenen Ereignissen ein. nimmt, ergibt sich aus den positiven Maßnahmen, die sie sogleich vsisügt' hat und die eine Gewähr dafür bieten, daß eine unerwünschte Beeinflussung der inner« politischen Lage in Oesterreich vermieden werden wird. Die Regierung betrachtet, die Angelegenheit als eine zunächst inner um gar isch e und ist der Auffassung, daß sie im eigenen Wirkungskreise olles vorgekehrt hat, um eine. Gefährdung österreichischer Interessen hintan- , zuhalten. Die - UnLersuchimg darüber, ob und unter welchen Umständen der Ex-Kaiser im Laufe seiner Reise österreichischen Boden betreten hat, nähert sich ihrem Abschluß: ihre Ergebniste werden also bald der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. In politischer Hinsicht ist hervorzuheben, daß die Regierung in ihrer Gellüngnahme zu dieser Angelegenheit auf die übereinstimmende Auffassung und Unterstützung der parla-' Mentarischen Parteien rechnen darf. i ' Der Beschluß des sozialdemokratischen Verbandes. Der. Vorstand des sozialdemokratischen Verbandes jhveü heute nachmittags eine SitzirnKab, in der er sich Mit der Rückkehr: des ehemaligen Kaisers nach Ungarn beschäftigte. Der Vorstand beauftragte das Präsidium, Kn der morgigen Sitzung des Ausschusses für Aeußeres die Angelegenheit sofort zur Sprache zu bringen und Leim Präsidenten des Nationalvates die sofortige Eürhttufung des Hauses zu begehren. > s Demgemäß hatte das Präsidium des Verbandes, Kestehend aus Leu Abgeordneten Seitz, Elderfch und!Wßer^ Unterredungen mit dem Bundeskanzler Doktor Mayr und mit dem Präsidenten Dr. Weiskirchner. | :r Dem 'Präsidenten würde folgendes Schreiben übervkkHt: 's '' : . Wehr' geehrter Herr-Präsident! ' Der Staatsstreichversuch Karl Habsburgs m Wntzarn macht die unverzügliche Einberufung des Rationalrates notwendig.? Wir betrachten den Versuch zur Wiedereinsetzung eines Habsburgers in Ungarn nicht als eine innere jstngansche Angelegenheit. Man könnte es allenfalls eine innere ungarische Angelegenheit ansehen,.w-erm die herrschenden Klassen Ungarns «inen Mann aus einem beliebigen anderen Geschlecht« zum König einsetzeü Wollten. Aber die Einsetzung eines Habsburgers würde bleuten, daß einem Usurpator, der sich auch Deutschs österreich unterwerfen will, die Waffen des ungarischen Staates zur Verfügung gestellt werden. Die Erhebung Karl HabsLurgs auf den ungarischen Thron wäre daher eine feindliche Handlung gegen die-deutschösterreichische Republik.- . j7 Wir behalten uns vor, die entscheidende Bedeutung Weser. Frage für unsere gesamte äußere Politik in der morgigen Sitzung des Ausschusses für Aeußeres. abermals z» besprechen. K Indessen wirst der hadsburgische Putschversuch Hst Ungarn noch andere Fragen auf. Es' ist notwendig von der Regierung Rechenschaft zu verlangen für daS Perhalten.Ler österreichischen Behörden, die Karl Habsbürg die.Reise nach Ungarn ermöglicht haben. Es ist Unerläßlich, daß unter der Mitwirkung der Volks Vertretung . entschieden werde, ob und unter welchen Bedingungen die etwaige Rückreise Karl Habsburgs durch' Deutschösterreich zugelassen werden kann. Endlich beweisen pie Ereignisse der letzten Tage die Notwendigkeit, hsts. Gesetz über die Landesverweisung der Habsburger schleunigst..durch Strafandvohungen zu ergänzen, fcfe;. tzegen . jedes. Betreten unseres Bodens durch einen Habsburger und durch jede Unterstützung, einer solche« «GesetzesÜbertretung durch wen immer gerichtet sind., r Aus diesen Gründen bitten wir Sie, sehr geehrter Herr Präsident, als bevollmächtigte. Vertreter der 66 Mitglieder des Verbandes der sozialdemokratischen Abgeordneten unter Berufung auf den Artikel 23 der Bundesverfassung he« Nationalvat sofort einzuLeruferr. £ Ei«ber»f«ug des Nationalrate». [ Infolge der außerordentlich^ Ereignisie der letztm Tgge-...hat.Präsident Dr. Weiskirchner dm Rationalrat für Freitag den 1. April l. J.^3 Uhr nach* mittags, zu einer Sitzung einberufen.! . In der Einberufung ist keine Tagesordnimg. ent* Mitten, dieselbe wird sich vielmehr durch die morgige Witnmn des AusübuLes ttir Die Sozialdemokraten kei Dr. Mayr. Der Vorstand beS sozialdemokratischen Verbandes konferierte heule mit ttetir Bundeskanzler Dr. Mahr in Angelegenheit des ungarischen Aufenthaltes des Exkönigs Karl. Es ergab sich eine Uebereinstimmuug der Ansichten. Dr. Mayr wird morgen im Ausschuß für Aeuße.es erschöpfende. Aufklärungen erteilen. (Sine Habsburger-Debatte im steirische« Landtag. Graz, 30. März. In der heutigen Sitzung des' Landtages brachten die großdeutschen Abgeordneten im Verein mit den bäüernbündlerischen Abgeordneten eine dringende Anfrage an den Landeshauptmann ein, in der sie von ihm Mitteilungen darüber verlangen, welche Vorkehrungen gegen eine Durchfahrt und gegen einen eventuellen Aufenthalt des. früheren Kaisers jn Steiermark getroffen worden seien. Landeshauptmann Professor Dr. Rin tele n erwiderte auf die Anfrage, daß die Bundesregierung entsprechende Weisungen erlassen und auch die steiermärkische Landesregierung im Rahmen ihrer Kompetenz die erforderlichen Verfügungen getroffen habe und dafür sorgen werde, baß auch in Steiermark die-sich auf die Aufenthaltsfrage beziehende« -staatsgesetzlichen- Besttm-> mungen eingehalten werden. Ein Antrag des gvoßdeutschen Abgeordneten Doktor Dantine, der sich gegen die Rückkehr der Habsburger wendet und jede Gemeinschaft mit ihnen,ab lehnt, wurde angenommen. - - •,;. .. , . s t > i„ 1 - Die Grotzdentsche« Kündigen schärfste« Widerstand an. In einer parlamentarischen Derkaütbanmg stellt die Großdeutsche Volks Partei fest, daß sie jedem Versuch, den habsburgischen Putschversuch auf Oesterreich auszndehnen, den rücksichtslosesten Widerstand entgegensetzen würde. Alle Patteibehörden werden sich Unverweilt zu solchem Widerstand rüsten' und hiebei in eine Gemeinschaft mit allen Volkskreisen treten, die gewillt fwtö, unter keinen Umständen die Wiederkehr der Habsburger zu dulden. Die Grvßdeutsche VolkSpartei erwattet, daß die Regierung alle erforderlichen Schritte einlerten wird, um zu verhindern: daß durch das •habsburgische Ab enteuer das Burgenland geschädigt unld gefährdet oder seine Uebergabe an , unsere Republik verzögert wird. König Karl hat in Wie« ühernachteL. Das Abstekgeqnarttes beim Grafen Grdödy. Nach Feststellung der Wiensx Polizeidirektion traf der ehemalige Kaiser Karl am Freitag den 25. März: 1921 mit dem um 10 Uhr 50 Minuten abends in Wien einlangenden Pariser Expreßzuge, der über Straßburg—Salzburg fährt, auf dem Westbahnhofe' in Wien ein. Vom Westbahnhof fuhr der. Exkaiser mit einem Automobil, das noch nicht eruiert werden konnte,- weg. und dürfte vermutlich bei Thomas Erdödy, 1. Bez., Landskrongasse 5, übernachtet haben. Am 26. März 1-921 fuhr der Exkaiser irr Begleitung Thomas Erdödys mit dem Auto B. XIV 7 bei Hartberg in Steiermark : über die österreichische Grenze nach Rotenturm. Beim Grenzübertritt von Oesterreich nach Ungarn legitimierte . sich der Exkaiser mit einem auf falschen Namen lautenden ausländischen, Reisepaß, welcher ihn als Funktionär des Roten Kreuzes bezeichnet«. Da bas Aussehen des Exkaisers verändert war, war' er weder in Salzburg noch in Hartöerg von den Grenzkontrollorganen erkannt worden. Jn der Wohnung des Thomas Erdödy wurde eine eingehende Hausdurchsuchung vorgenommen und aus diesem .Anlasse ein Tagebuch aus der letzten Zeit'beschlagnahmt, aus welchem die Verbindung mit Kaiser Karl festgestellt erscheint. Die Aufzeichnungen in diesem Tagebuch brechen am Gründonnerstag ab. lieber die Reise des Exkönigs nach Ungar« findet sich darin keine Erwähnung. Di« Erhebungen in der Angelegenheit ' werden fortgesetzt.,; Der Pla« der Karliste«. Wie die Zdorvesponbenz Herzog erfährt, stammt der Plan des Exkönigs von den Grafen Hunyadi und Csaky Und bestand darin, den Sohn Karls, Otto, zum Kronprätendenten in Ungarn aüszuruftn und mit der Regent. schaft den Fürstprimas Csernoch und mit dem Oberbefehl über die Armee Horthy zu betrauen. Graf Andrassy sollte her Regentschaft in leitender Stellung bdistehük. Vertreter der Großmächte erklärten heute im Ministerium des Aeußern dezidiert, daß dem Abenteuer des Exkönigs so rasch als möglich em Ende, bereitet werden Müßte. , ‘ ‘!■ j ' England gegen die Wiedrreinletzung des KAnigs Karl. ' London, 30^ März. (Reuter-- Wie das Reutersche Bureau erfähtt, ist die britische Regierung unter keinen l Umstä..den gewillt, die Restauration der Habsburger-! Monarchie zuzulassen, da sie fich bewußt ist, daß die Wiedereinsetzung des ehemaligen Königs Karl zu allen möglichen tttterrl^ionaltt! Verwicklungen führe« «rch »l. Mvj 1981 gtt, 78g Die homagiale Ehrfurcht. -7-Wien. SH. MSr^ . Im Vertrauen auf die Beschwörungen und Dös teuexungen seiner Anhang« in Ungarn hatte König < Karl sein Schweizer Asyl verlassen und war nach einer strapaziösen Fahrt unter dem Namen .»Kaspar Kova.s"'- in dem angestammten Lande dve königstreuen. Männep angekomMeu. Aber schon die ersten Stunden brachten bittere Enttäuschung. Ueberall bettegen-lächelnda 7 Miene«, Flüstern, Bitten» kÄn Aufsehen zn erregen, . Der König wurde ungeduldig' der Ministerpräsidech, soll kommen. Der erschien: ' Majestät sei sicher nicht zu früh fü-r das ungeduldig seiner harrende Volk, -aber -: zu früh für die notwendigen Vorbereitungen der. Regie,! rrmg gekommen. Es gebe in den politischen PerhÄL-i . nisten vieles, das Se. Majestät in dar Eile des Äugen-, blicks nicht ganz übersehen könne.; Er werde .sich aber - dem Gewicht der Gründe nicht verschließen können,- die'< ihm - der nach Budapest eittbewfene Ministevrat vor--/ tragen werde. Mso nach Budapest! , , Im Chrisünenhoftrakt sitzt der Reichsverweser.!, Horthy bei seinen Akten. Plötzliche Unruhe > auf den - Sttegen, Kommandorufe, Autosignale. Durch die hastigaufgeristene Tür flirrt ein Ordonanzoffizier herein, be-,,i staubt, .erregt, hingerissen von der Wucht des historischen Moments: Der König ist da! Hotthy steht, den Rücken ) fest gegen den Schreibtisch gestemmt, dem jungend Gensml gegenüber, der langsam eintritt: ^Eure. Majestät! Dieser Tag wird gefeiert werden überaÜ, wo ungatische Herzen schlagen. Das Volk, auf besten^ Boden ich Sie begrüße, trägt Ihnen sein Herz ent- ‘ gegen und jubelt ob des Glückes, Sie nach mehr densi^ zwei Jahren wieder willkommen heißen zu dürfen. Iw'' dieser Zeit ist über daS Vaterland viel Unglück M. kommen. Es ist durch den verlorenen Krieg, durch'. Revolutionen geschwächt, durch Parteiungen zerristen, der Hilfsquellen seiner Industrie beraubt. ES ist nicht fror, seine Entschlüsse selbst zu besttmmen, und hängt in allem und jedem von dem Friedensvettrag ab^ den ich auf Geheiß der Nation und des Parlaments habe!' unterschreiben müssen. Eure Majestät find sicherlich' davon unterrichtet, daß von seiten unserer Feinde e«$ Einspruch gegen -die Restaurierung Ihrer erhabenM Person auf den St. Stephansthron besteht, dem wir urch^ dermalen fügen müssen." Der König unterbricht rauh:; „Sie haben mich wissen lasten» daß man auf mich toort$;$v daß mein Thronverzicht nicht für Ungarn gilt und daß! nur ich imstande wäre, dem Lande die zu feiner gei deihlichen Entwicklung notwendige Konsolidierung )uj sichern." Horthy richtet,.sich, hoch auf: „Daß, Jnstru-; ment Aefür, diö Armee," habe ich gefijäffefiK ^lf^reii Spitze stehe ich mit Willen und Auftrag der Nation,^ der ich als Reichsverwessr den EU) geleistet habe.^' „Vorher hatten Sie mir geschworen!" „Eure Majestät geruhten im Oktober des Jahres 1918, alle Ihre DienM des Eides zu entbinden." „Ich will die Mnister^ hören." I Mimsierrat. Bis auf Eegedüs und Graß stnb aW. versammelt. Graf Teleki: „Die Regiwung hat ditz"' ernste Pflicht, Eure Majestät mit der vollen Wahrheit vertraut zu machen. Jn per fluchwürdigen Periode der"' bolschewikischen Herrs6)aft war einem großen Telle M: Landvolkes der Boden der Adels zugesagt worben. ES;' hat schwere Arbeit gekostet, hier Wieder den srüherest' Stand hörzustellen. Aber es ist ein böser Stachel zurück^'' geblieben, ein gewitterschweres Warten unserer' Bauern und ihrem'' in dem verlorenen Kriege zü Krüppeln geschossenen Söhne auf den Augeüblich wo stö ' sich des Bodens bemächttgen können. Unsere Industrie' ist kaum arbeitsfähig und mutz um jedes Stückchen' Kohle bei den Tschechen betteln. Wir haben in Bruch mit den Tschechen gesprochen und .mußten schweren'' Herzens es auf uns nehmen, die Königsfrage zurückzustellen, in dev nicht bloß die Tschechen, auch die verdämmen Serben und Äe Italiener einen Stein des' Anstoßes sehen. Unsere Arbeiterschaft halten wir' mit Hilfe der herrlichen Arm-« seit dem Abzug der RumänM nieder. Wir haben ihre Führer teils aus dem Leben/ teils .aus. hem Lande gejagt' . aber der Boden. unter unseren Füßen ist hohl 'und eine vorzeitige -Entrollung^ der Fahne Eurer Majestät wurde eine furchtbare. Katastrophe bringen, bei der Arbeiter rmd Bauern, leicht alle Ihre Getreuen in die Lust sprengen könnten«) Auch in bezug auf die Ansprüche, die Eurer Majestät erhabene.Familie aus. den Thron erhebt, sind die AN7 schauungen geteilt. Eurer Majestät Oheim,. Herr Erz? Herzog,Josef Ferdinand, hat sich in der Züt der Um». Wälzung große Verdienste erworben. Don ihn . ans ging die Anregung zur .Mldungder Regierung, in Szegedin', er führte die Verhandlungen Mit den Rumänen, als sie, in Eurer Majestät treuer Hauptstadt standen. Hinter ihm bat sich eine ansehnliche Gruppe einflußreicher Männer gesammelt. Aber auch der Reschsverweser, Seine Durchlaucht Herr von Horthy, erfteut. sich kraft seiner männlichen Entschlossenheit, mit der yr den inneren Feind, Juden und Sozialisten, niedergeschlagen hat, großen Vertrauens, und es gibt viele, die ihm, sicherlich gegen feinen Willen, die apostolische Krone deS heiligen Stephan aufs Haupt setzen wollen. Alle diese Gruppen verbindet mit der Partei Eimer Majestät ein aufrichtiges, christlichnationaleß Ver. keyntnis. Mer bevor wir nicht darüber hinaus bezüglich, der Person, unseres Königs Königreich ist uns bleibt Ungarn — Klarheit finden können, fit die An* Wesenheit Eurer Majestät in unserem Vaterland ejn > ßtrttHÜ Mt Mwiwit jftavii tttS eba* Str/ttv ftn frfcf tmt «M