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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-30 · Heft 781 (30.3.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 781 (30.3.1921)
Date
1921-03-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 9 % März 1921 Krsnrr MorgenzeLtnug Wien. Mittwoch Rr. 781 TelegraMMe.; - Die englischen Unabhängigen gegen Moskau. London, 29. Marz. (Tel.-Komp.) Die unabhangrge Arbeiterpartei nahm gestern in Zwei Sitzungen Stellung zu der Frage des Anschlusses an die Dritte Internationale. Der Delegierte Palin brachte ein enAntrag ein, in dem erklärt wird, daß die 21 Be. dingungen als Voraussetzung des Anschlusses an Moskau « n a n n c h nr b a r seien. In dem Antrag heißt es: Wir können «ns nicht borstellen, das; der soziale Sieg errungen werden kann durch den s o z r a l c n Krieg. Die englischen Arbeiter können nicht Anhänger der russH scheu G c w a l t m e th o d e n sein. Der Delegierte Denson unterstützte den Antrag, da die Bedingungen von Moskau nichts anderes bedeuten, als da§ Proletariat Englands unter die Gewaltherrschaft eines fremdländischen Organismus zu bringen. Die Diskussion zeigte, daß zwischen den Anhängern des Bolschewismus und seinen Gegnern eine große Kluft bestehe. Mit 521 gegen 97 Stimmen nahm die Konferenz eine Tagesordnung an, in der die Bedingnngetr Moskaus verworfen wurden. ,h-M«e ULue inLernKllouKle Paris, "29. März. (Tel.-Kontp.) Rach einer Mitteilung des „Petit Parisien" ist eine neue internationale Konferenz geplant. Der „Jntransigeant" erfährt hiezu, daß man in Londoner diplomatischen Kreisen als Sitz der Konferenz 'Italien wählen Wörde, um Giolitti die Konferenz präsidieren zu lassen. Amerika bleibt-bei der ,Wi!s0Nschen MußenPolMk. Washington, 29. März. (Tel.-Kontp.) Die Regierung der Vereinigte» Staaten hat an alle Staaten der Welt, besonders aber an die Alliierten, eine Note gerichtet, in der erklärt wird, daß die Vereinigten Staaten sich ihren Anteil an der Festsetzung aller Bestimmungen Vorbehalten, die sich ans die Beendigung des Kriegszustandes beziehen. Ferner wird gesagt, die Alliierten feie» zweifellos von einem M i ß v e r^st 8 n d i s befangen, wenn sie annehmen, sie dürften internationale Angelegenheiten nach eigenem Gutdünken regeln ohne die Vereinigten Staaten zn befragen. Der „New Jork He'tald" legt diese Erklärung des Staatsdepartements fa aus, daß es sich hanptsächlich auf die Frage der deutschen Kabel und verschiedene andere Gegenstände beziehe. Das Staatsdepartement wolle damit zu verstehen' geben, daß es die Politik weiter verfolgen werde, die der frühere Staatssekretär Colby eingeschlagcn habe. Larrfing gegen WUssn. , ' London, 29, März. (Wolfs.) Die »Times" veröffentlichen den ersten mit sehr großer Spannung erwarteten Artikel über das Büch/ Lausings „Die FriedenZoerhandlungm". Darin wirft L Ms sin a dem PrMenten'W i l s o'n vor, daß er als Mann voNWen'Grundsätzen einige dieser Grundsätze, die dem Volk der MMtztewStaaten ebenso leurr waren wie chm, geopfert habe, um diMMym'e besBölkcr bundvertragcs zu sichern. Er beschuldigte ihn. di^baldigr Schaffung des Völkerbundes nicht nur über den Abschluß deö,Friedens, sondern auch über die «Ewigen Grundsätze der Gerechtigkeit" gesetzt zu haben, deren erklärter Advokat er gewesen sei. Wilson habe nicht des Friedenwegen, sondern des VölkerbundvertrageZ wegen der Anerkennung einer Vorherrschaft der großen Mächte über die kleinen Nationen sowie , einem Verteidigungsbündnis mit Frankreich, dem Skandal der Geheimdiplomatie und den japanischen Ansprüchen auf Schanwng zugcstimmt. Lausiug ist außerdem der Ansicht, daß die Gewährung dieser Zugeständnisse aff Clemenceau, Lloyd George und Orlando niemals erfolgt seln würde, wenn der Präsident nicht nach Frankreich gegangen wäre. Das sei die größte Sünde gewesen, .aus der' alle Übrigen in fataler Folge entsprungen seien. Lansing stellt fest, er sei den 'Direktiven Wilsons mit äußerstem Widerstreben gefolgt, da er gefühlt habe, daß Wilsons Politik durch und durch falsch sei und notwendigerweise zum Verlust des Prestiges der Vereinigten Staaten sowie ihres Präsidenten führen werde. Kundgebungen für die Verstärkung der Einwanderung nach Palästina. Jerusalem, 26. März. (Jüd. Korr.-Bur.) Der tzapoel Hazair Hai in Jerusalem und Jaffa große Massenkundgebungen für die Verstärkung der Einwanderung nach Palästina veranstaltet. Es wurden unter großer Begeisterung Resolutionen gefast, die baldige Verstärkung der Einwanderung nach Palästina, besonders die der ukrainischen und yemeniiischen Juden, zu fordern. Zwi Jehuda ist als Delegierter des Hapoel Hazair nach Amerika abgefahren. Ein Diner zu Ehren des Ministers Sir Alfred Mond. Lolndon, 26. März. (Jüd.Korr.-Bur.) Anläßlich der Rückkehr Sir A l f r e d M o n d s ans Palä st i n a gab das Zentralkomitee des Acren Hajessod ein Diner, zu dem auch Vertreter der eMiMr, Mytzruner- Bf#*™* . ,Y Ein Heeresbericht über die KoMMN- . UiftenkämPfe in .Deutschland. Magdeburg, 28. März, 10 Uhr abends. (Wolfs.) Die M e l d e st e l l e b e i m O b e r^p rä s i deuten teilt mit: Oberst von Pontnskr hat seinen Vormarsch auf dem Südgebiet his hinter Schafstädt fortgesetzt und dabei eine, größere Beute eingebracht' 84 Gefangene, zwei Lastkraftwagen, einen Aichängewa'gcn, zwei schwere Maschinengewehre und einige dreißig Gewehre. - 'Die Geiseln: ans Sangerhansen und Ouerfirrt wurden von ihm befreit. .Die nach Lauchstädt unternommene Aktion ist Ebenfalls erfolgreich Verläufen. ' Me Lage in Erfurt ist ruhic;, ebenso iw Suhl undMöinmerda. Die Unabhängige''Pätter in - S r f it r t ließ abends Flugblätter verbellen, worin dringeiw vor einer Beteiligung an einem etlvaigen Streif gewarnt WirdU In Z ö r b e g 'hatte sich gestern e'uw kleine Bande von ungefähr dreißig jungen, unreifen Leuten im dortigen Rathaus festgesetzt und Plünderungsverfuche. unternommen.- In L e u n a ist die ' Lage noch unverändert. In Hettstedt imd Mansf e l 8''herrscht Ruhe. Von-Eisleben aus sind Schönburg und Krughütte g es äub ert worden. Dia nähere Hm* gebüng vöü EisleWn UHei. 'In Gera herrscht Ruhe.v In Gotha herrscht Generalstreik. Alle Betriebe ruhen, auch das' Elektrizitätswerk. Samstag haben die' Kommunisten 81 Gefangene aus dem hiesigen Landesgonchts-. gefängms befreit. Unter dem kommunistischen Druck macht sich im Hiesigen Braunkohlenlager eine Gärung bemerkbar. Heute morgens stellten die Belegschaftest dreier Gruben , die Arbeit ein. Die Landespolizei hat den Bezirk besetzt. - 100© Gefmrgerre irr Merseburg. Merseburg, 29. März. (Wolfs.) Heute morgens wurde das Leuna-Werk trotz heftigen Widerstandes genommen. Ein ^Entkommen war für. die Eingeschlossenen unmöglich. Bißher wurden 1090 Gesang e n e gezählt. Die Materialbeute ist sehr groß. , , VsrhksLWgen. .. Dresden, 29. März, (Tel.-Sömp.) Vn aller (Stille ' sind während der Oftßrfeisrtage' ' 92 Kommunisten, 78 Männer'und 14 Frauen, in Dresden verhaftet worden. Die Verhafteten stehen mit den'bereits verübten Attentaten und mit den geplanten neuen kommunistischen Aktionen in Sachsen in Zusammenhang. Es sollen sicherem De-mehmen nach auch große Mengen Sprengmittel beschlagnahmt worden sesft. Aus München wird berichtet, daß 'auch Hort eiste Reihe weiterer Verhaftungen von Kommunisten zu verzeichnen ist. Nach dem Abgeordneten T h o m a s ist ein Kommunist natnens Drechsler und ein 26jährrger Oberrealschuler verhaftet worden, die beide am Freitag in kommunistischen Versammlungen zum Hochverrat anfgefordert haben. Zu irgendwelchen Demonstrationen ist es an den Ostecfeiertagen in ALünchen nicht gekommen. Mit Bsmbe uud Dynamit. - Rom, 28. März. (Stefani.) Wie die Blätter aus Genua melden, wurde ein Anarchist in dem Augenblick verhaftet, als er miteiner Bombe den Olympiasaal betrat. Zwei betrunkene Anarchisten, die Hochrufe auf die Anarchie ausbrachten, veriirsachten eine Gegenkundgebung. Bei dem Zusammenstoß wurde ein Anarchist getötet. Die Blätter berichten über patriotische Manifestationen als Protest gegen das Attentat von Mailand. In Reggio di Calabria und in Padua durchzog eine Menschenmenge unter begeisterten Kimdgebungen die Straßen. Auf der Eisenbahrfttrecke Rovigno—Camponovo fanden Karabiniers ein Paket mit Dynamit. In Casorate hat die Polizei eine sozialistische Versammlung aufgelöst. Die Faszisten von Perugia, die sich nach Citta di Castello begaben, wurden bei ihrer Ankunft seitens der dortigen Sozialisten mit Gewehrschüssen empfangen. Sie drangen in die Arbeiterkaknmer ein und steckten sie in Brand. Zehn Personen wurden leichtverletzt. I« Berlin. BerU«, 29. März. (Wolff.) Ueberall machten sich heule kleinere oder größere Trupps bemerkbar, die in die einzelnen Betriebe eindringen und die Arl-c.lswilligen zum sofortigen Streif zu bewegen suchten. In einigen We>ken wurden bie Demonstranten von der Polizei verjagt und die Rädelsführer festgenommen. In anderru kam es brr der Abstimmung über den Eintritt in dm Streik zu lebhaftm, Allseinandersetzungen. Die erste Begrüßungsansprache hielt Dr. We itz- »tflit.it. Er trat den Gerüchten entgegen, als oh die Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina den englischen Steuerträgeru zur Last fallen sollte, und betonte, daß matt vom englischen Steuerträger nicht einen Penny siir den Ausbau Palästinas nehmen wird. 'Weitere Begrüßungen hielten Mr. Zeitlin, Mister Safllucl Glückstein, Bürgermeister von Westminster, die einen ttachdrücklicheit Appell an die englische Judenhelt richteten, ihr Möglichstes für den Keren Hajessod z« tun. Colonel l A m e r y, Nnterstaatssekvstär des Kolouialmiuisteriums, bedauerte die Abwesenheit Mr. u r- •JjilUt der mtt bejonderrr Zufriedenheit die Gelegen- Berlin» 29. Marz. (Wolff.l Bergangenr. Nacht und vor« mittags war cö, von kleinen Zwischenfällen abzeseheu, ruhig. Alle öffrulltchen Gebäude haben eine besondere Bewachnng erhalte». - Berlin, 29. März. (Wülff.) In der Frage der Unterdruckäng der konnnunistischen Unruhen herrscht, wie von maßgebenpcr Stelle mitgeteilt wird, zwischen der Reichsregierung und der preußischen Regierung volles"Eiüvernehmen. Ein Eingreifen! der Reichswehr hat bisher nicht stattgesunden, da cs sich um eme reine Polizeiaktion handelt. AusnahmszustknÄ in Essen. ' Esten» '29. März. (Wolff.) Heute nacht wurde der Ä u s« n a b ur S z u st a n d verhängt- Im östlichen Industriegebiet sind die Bclcgschasten aller Zechen vollzählig eingefahren. In Essen hat sich die! Zahl, dtt' eiugefahrenen Knappe» bedeutend erhöht.' Im DniSblnger Gebiet und auf der linken Rheinsnte ruht die Arbeit vollständig. In der K r ü p p s ch e n F a b r i k sind die Arbeiter heute vollzählig zur Arbeit erschienen. EiR hlMges Gefecht.' SLnttgärt, 39. März. (Wolfs.) In Sangerhansen wurde» 1ö0 Freiwillige der Württcmberger Berkehrsrvehr, nachdem sie kaum dry.'Zug vtllasscu-hattrn, von Ausrührern überraschend mit Gewehr« und Maschittcngewchrfcuer empfangen. Hiobei wurde ei« Lokomotivführer getötet und 24 Manu der VerkehrSwehr derwrurdet. Dem Ueberfall folgte ein etwa vier Stnnben dauerndes GesechH^ in drsseN Verlauf der Bahnhof und die dazu gehörigen Gchäude in den Hänbrn der Verkehrswehr blieben. EirrsetzWg' .von ^AUSVahMSgerichten.'- - März. (Wolff.), Zur Aburteilung der mit deck- Aufruhr ini'Zusanmrenhang stehenden Straftaten sindüber Verordnung des Reichspräsidenten außerordentliche Gerichte eingesetzt worden, die die beschleunigte Aburteilung der in großer Zahl verhastetm Personen an Sülle der überall-stark brlästetctcnordenttzchen Gerichte zur Aufgabe habem- DiesL außerordcnllichen Gerichte, d e mit drei zivilrn Bnustrichtern b'eseßt sirid und bestimmte schwere Strastattn '(Hochverrat, Aufruhr, Gewalttaten usw nach einem in dieser Verordnung im einzelnem geregelten beschleunigten Straftzrozeßversahren aburteile», wurden durch den ' Reichsminister des Innern sofort berufen und werden m den' nächsten Tagen ihre Tätigkeit beginnen. . — KpIMMshetchLen. Herlm, 29. März, Mrr.-Vur.) Ueber die Streik« läge-iti Deutschland wird berichtet: In Micheln sind die Bergarbeiter durch bewaffnete auswärtige Kommunisten zum Streik gezwirngen -worden. Auch in den Schächten des Geiseltaletz ruht der Betrieb. In Wittenberg wird Ler.Streik ftpf allen grotzen?Werken dn>rchgesiihrt. - , :In ZMornewitz!haben die Arbeiter!eine Ab-' Wehrmannschaft gegett kommunistische Storungen gebildet. ' ' ' . - In Leuna herrscht unter den Arb eitern große Uneinigkeit. Mehrere.Hundert, sind bereits geflohen. In E s s e n ist es zwischen der Schutzpolizei und den Kommunisten zu Zusammenstoßes gekommen, wobei 14 Personen getötet und 46 verletzt wurden. Eine Abteilung Reichswehr ist dort.eingetxoffen. Die Lage im Rrrhrgebiet ist im Atlgenblick noch gefahrvoll. Velbert ist vom einem Teil der Roten Armee beseht. In Mettmann wurden die Gebäude der Staatsverwaltung, der Polizei und der Post besetzt und die Reichsbankfiliale gestürmt. Die Schutzpolizei m Düsseldorf hat von der Cntettte < die Waffen zurückerhalten, um die Stadt gegen die Aufständischen zu verteidigen. Zwischen Köln und /Hagen ist der Personen- Zugsverkehr eingestellt, was auf Unruhen im Wuppertal zurückgefithrt wird. Die Wuppertaler Gewerkschaften haben, den von den Kommunisten proklamierten- Generalstreik abeglehnt. Da die Kommunisten aber aus gewaltsamer Durchführung desselben beharren, erscheint die Lage kritisch. Nach einer Meldung des „Berliner Tageblatt" aus Essen hat eine Konferenz 'des kommunistisch-unionistifchen Aktionsausschusses die Proklamierung des Generalstreiks im Rheinland und in Wesftalen beschlossen. Suhl i« Thüringe«, 29. März. (Wolff.) Heute vob. mittags wurde hier mit Überwiegender Mehrheit der Generalstreik beschlossen. Alle Betriebe rühm. Die Zritangen können von morgen an nicht erscheinen. ' Leipzig. 29. März. (Wolff.) In der vergangenen Nacht bat, wie die „Leipuger Neuesten Nachrichten" melden. Polizei und Reichswehr den Jndnstrieort Ammendorf bei Halle, in dem sich bewaffnete Arbeiter befanden, besetzt. Heft ergriffen hatte, hier sein lebhaftes Interesse für» das Gedeihen der zionistischen Bewegung auszudrücken^ Mr. Churchills Abwesenheit wird durch seinen Besuch' in Palästina und durch feine dort zu tvesfendew Entscheidungen wettgemacht weche». Palästtna sei reich an Schätzen, um eine zahlreiche Bevölkerung zu ernähren, und das Kolonial minister« um wird miß größter Zufriedenheit die Zusammen^ arheit mit dem jüdischen Volke zur erfolg-, reichen Dttrchführung der von England übertrommenÄ Aufgabe begrüßen. i Nachdem noch Eolonell Me in er tz ha gen seine Sympathie für die Verwirklichung des Zionismus, dessen Erfolge er in P«lMna gesehen hat, rMpriM, rxgrjA

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