Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 779 (27.3.1921)
- Date
- 1921-03-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 779 Wie»., Sonntag W Lüner MsrgenzeLLurrg 27. Mrz 192! , Seite & fiH der Waffen der ,Selbstschutztruppen und als das Militär nLzog, rrahin es die Waffen mit. So blieben die jüdischen Selbstschutziruppen ohne jede Bewaffnung.'Dies machten sich die Banditen Atamans zunutze und überfielen nach Abzug der Rottruppen nochmals das Städtchen. Nun nahm das Schicksal seinen Lauf.- ^Zweihundert Juden wurden zusammengefckngen und auf den Hauptplatz gebracht. Hier wurden die Frauen und Kinder von den Männern abgesondert, die Männer außerhalb der Stadt gebracht und in bestialischer Weise ermordet. Während nun - die Bande in die Häuser drang und mit den Plünderungen begann, ertönte aus der Ferne der Schuß einer Kanone. Die Pogromhelden, ließen erschrocken ihr Näuberhandwerk im Stiche und zerstoben in größter Unordnung. Der Schuß kam von einem Panzerwagen, den di.e jüdische Selbstschutztruppe aus Behuf law, welche ihren bedrängten Brüdern zu Hilfe eilten, mitgeführt hatte. Den Märtyrern von Horodiscze konnten, sie wohl nicht mehr viel helfen. Die nahmen jedoch die Verfolgung der Golowa« Banden auf, machten.fünfzehn Gefangene, während ein Teil der Fliehenden im Mefechte fiel. . Des heldenmütigen Verhalten der Bohuslawer S.e l b st s ch u tz m ä li ii scha f t wird in dem Berichte B r e gm a uns auch sonst noch mehrere Male Erwähnung getan. Am 1. November,' wird erzählt, ' näherte sich die Golowa- Söombe dem Städtchen Stepance. Ihre Absicht, auch hier einen Pogrom,zu veranstalten, scheiterte jedoch an dem rechtzeitigen Einschreiten der Selbstschutzbrigaden von V,ohuslaw und CHaraszczew, welche die Banditen perjagten, die fünfzig'Tote auf dem Platze ließen. Diese Bande bestand aus. hundert militärisch kewaffneten Soldaten und etwa fünfhundert mit Eisenstangen, Sensen u. derzl. mehr ausgerüsteten. Bauern.' Die Bohuslawer und' Eharaszczewer Selbstschutztruppen zeichneten sich.'.noch bei vielen anderen Gelegenheiten aus. über welche.der''Bericht Bregmanns ausführliches Material enchält. Im Bohuslawer Rayon „arbeitete" zur selben Zeit eine Pogrombande! pon etwa 4000 Mann, welche unter dem Mmen Medwe.dowski bekannt und gefürchtet war. Die Tatsache, daß die stärkste Selbstschutzorganisation in Bohuslaw stand und auch eigene Artillerie besaß, hatte zur Folge, daß die jüdische Bevölkerung der umliegenden kleinen Städte, nach Bohuslaw flüchtete und sich unter den Schutz der jüdischen »Samoobrona" stellte. Dieser Bohuslawer jüdische Selbst» schütz war den Pogrombanden ein Dorn im Auge und es begann ein förmlicher Guerillakampf kleinerer Banden gegen Bohuslaw. So oft sich eine solche Bande der Stadt näherte, wurde sie von den' Selbftschützlern aufgerieben. In Golö'wanowsk vermochte eine Gruppe von 100 bewaffneten Juden lange Zeit hindurch die wiederholten Angriffe der Pogrombande Dienterewq, welche die ganze Umgebung terrorisierte, von der Stadt fernzuhalten. In Taraszcz'e kam die Organisation des jüdischen Selbstschutzes erst . nach dem zwölften Pogrom, Welcher von B u d j e n n h und seinen Barchen auSgeführt wurde, zustande. Diese. Selbstschutzocganisatisn zählte 120 Mitglieder: Es fand eine förmliche Mobilisierung der Juden statt, auf Grund deren kein Jude vom Selbstschuhdienste befreit-war. Sie hatten einen Stad, selbst ein Kriegsgericht und Tag und Nacht Patrouillendienst. Nach dem Be» richt Bregmanns gab.es auch in Rokins, Spole Koniew und anderen kleineren Städten aktive jüdische Selbstschutz-- orgamsationeri. .; . . . Interessant ist auch, daß, wie aus dem Bericht Hertz ovgeht, die Juden 'mancher'kleiner Städte eine Pogrombande besoldeten, um von ihr gegen eine gndere Bande beschützt zu werden. Dies War der Fall in Zarnice. Monosak.algorka und in anderen Städten, wo die Juden natürlich unter großen Geldopfern eine Zeitlang mit der Baude des Ataman Grizlo in Frieden leben konnten,^ Zum Aufbau Palästinas. Bekanntlich ist auf der letzten Monistischen Jahreskonferenz, welche im vergangenen Sommer in London stattfand, der feierliche Beschluß gefaßt worden, einen großen jüdischen Fonds zu schaffen, welcher bas Zentralvrgan für den.Aufbau des jüdischen Palästina bilden soll. Der Fonds, tvelcher den Namen „Keren Hajessod" (Palästina-Ausbaufonds) führt, soll durch Sammlungen unter den Juden.in allerWelt den Betrag von 25 Millionen Pfund ergeben, die im Verlauf von' fünf Jahren ausgebracht werden sollen. Aus diesen Geldern sollen alle öffentlichen' Ausgaben bestritten. werden, welche die Errichtung der künftigen jüdischen Heimstätte erfordert, wie öffentliche Anlagen, Hafen-, Eisenbahn- und Straßenbauten, die Anlegung''von Stadtvierteln, die AmeliLLierung von Boden, die Errichtung /.von elektrischen Licht- - und Kraftanlagen, der Ausbau des Schulwesens und dergleichen mehr. Ein Fünftel der Gesamtbeträge soll dem Jüdischen Natiönalfo n d s zufallen, welcher das direkte Instrument für die Bodenertverbung selbst bildet, außerdem soll ein spezieller Fonds im Rahmen des Keren Hajessod der Errichtung der jüdischen Universität dienen. . Obgleich die. Schaffung des Keren Hajessod mit voller Einmütigkeit erfolgte, hat später ein sehr erheb¬ Eh, Heer von Sammlern und Agitatoren ist nötig, wenn dem Jüdischen Volk der Ernst der Lage klar gemacht werden soll, wenn der jadische Nationalfonds den letzten Juden bewegen soll, ihm seinen Beitrag zur Schaffung des „Waldes Oesterreich“ — „Jaar Austria“ zu geben. 300.000'mal 100 Kronen sind nötig, damit der Wald von 300.009 Bäumen in Palästina erstehe! Jeder Mann muss raithclfen, um dieses Ziel zu erreichen und 30 Millionen Kronen für den Jüdischen Nationalfonds aufzubringen. 8701 Spenden an den Jüdischen Nationalfonds, II., Zirku»g. 38. licher Teil der Zionistischen Organisation, dem gerade im gegebenen Augenblick infolge seiner materiellen Leistungsfähigkeit eine besondere Bedeutung zukommt, nämlich die Zionisten der Vereinigten Staaten von Amerika, eine Haltung eingenommen, welche von den in London gegebenen Richtlinien ab weicht und geeignet erscheinen könnte, die Großzügigkeit und Einheitlichkeit in der Arbeit für /oen großen Fonds, der gegenwärtig im Mittelpunkt aller zionistischen Arbeit stehen muß, zu beeinträchtigen. Die Zionisten Amerikas haben, wie hier «jüngst dargelegt wurde, auf ihrer Konvention den Beschluß gefaßt, für den Palästina - .Aufbaufonds bloß Spenden tzuzulassen und im übrigen zwischen diesem und der Geldinvestition für rentable und. daher zinsbringende Unternehmungen strenge zu unterscheiden. Dies bedeutet natürlich nicht die bloße technische Aenderung eines bestimmten Finanzplanes, sondern vielmehr die vollständige Umgestaltung des gesamten Aufbauplanes für Palästina. Während die Keren Hajessod-Idee davon ausgeht, daß der Aufbau des jüdischen . Landes das Resultat eines großzügigen nationalen Opfers sein.mußjtnb dementsprechend von jedem Inden die freiwillige Ab gäbe einer Bvlkssteuer in der Höhe des Zehents zu fordern ist, würde nach der amerikanischen Konzeption das gesamte Palästina Werk zu einer rein kolonisatorischen Unternehmung ohne alle nationale Färbung herabgedrückt. Der Gegensatz der Auffassungen zwischen dem alten europäischen Zionismus und dem jüngeren Amerikas hat natürlich nicht verfehlt, die gesamte zionistische. Arbeit in ihrem Tempo zu hemmen. Inzwischen hat sich aber auch in Amerika selbst gegen die Haltung der dortigen offiziellen zionistischen Leitung die Opposition geregt, und von verschiedenen Seiten wird die Leitung energisch angegriffen und die sofortige Aufnahnre der Keren Hajesfod-Arbeit gefordert- Als erftc haben die Zionisten von Kanada in das amerikanische System Bresche geschlagen und es ist namentlich das Verdienst des zionistischen Führers Dr. Schmarja Lew in, die kanadischen Zionisten im Sinne des europäischen Zionismus beeinflußt zu haben, so daß, wie bereits gemeldet, die Konvention der kanadischen Zionisten. die jüngst stattgefunden hat, die Aufbringung von einer Million Dollars im lausenden Jahre beschlossen hat. Mer auch die Zionisten der Bereinigten Staaten selbst wollen nicht länger zurückftehen und dem nationalen Gesichtspunkt die völlige Geltung verschaffen. Hiezu meldet unser Londoner H-Kvrrespoudent: In New-Aork fand Samstag, den 12. März zum ersten hNale eine große Konferenz für die Organisierung der Keren Hajessod-Arbeit statt. An der Konferenz nahmen 248 Del egierte teil, die 43 zionistische Organisationen vertraten. Den Vorsitz, der Versammlung , führte Richter Bernard Rosenblatt, der bekannte Führer der Zion Commonwealth- Bewegung (Plan zur Gründung einer amerikanischen Kolonie in'Palästina). Dr. Schmarja Lew in hielt eine Ansprache, in welcher er auf die grundlegende Bedeutung des Keren Hajessod für den Ausbau Palästinas hiuwies und eine geeinte starke Aktion verlangte. Nach ihm sprach der amerikanische zionistische Führer Masliansky, der sich scharf gegen die bisherige Passwität der -Leitung der amerikanischen Zionisterl gegenüber dem Keren Hajessod wandte'-- Sern Standpunkt wurde nachdrücklich' von Herrn Louis L i p.s k y. unters stützt, der als der Leiter der Organisationsarbeit 'betj Zionistischen Organisation in Amerika die zionistischen- Parteiverhältnisse der Vereinigten Staaten genau, kenntz und dessen kräftiges Eintreten für den Keren Häjesso^ eine großem Bedeutung für Amerika. besitzt. Nach ihn« sprach für den Keren Hajessod Herr-Emauuel Neu-! mann, der die Leitung des soeben eröffneten Bureaus! des Keren Hajessod für die Vereinigten Staaten über-« nommen hat. ' - ] Die Versammlung, welche in einmütiger, enthu-, siastischer Stimmung verlief, beschloß, den K.ereir Hajessod in seiner gegenwärtigen Form aufs kräftigste zu Unterstützen, Es wurde ein! Komitee Eingesetzt, um die Vorbereitungen zum Empfang» Dr. Weitzmanns und der übrigen Delegation deri Zionistischen Exekutive und des Keren, Hajessod zu» treffen. Auf Veranlassung Rosenblatts hat der Bürgermeister von New-Jork /ein offizielles. Empfangskomitee für den Empfang Dr. WeitzmannH eingesetzt. * Nach dieser Meldung ist zu hoffen, baß' es ich kurzer Zeit gelingen wird, die bestehenden Gegensätze^ zu überbrücken und mit der Arbeit für den Palästina- Aufbaufonds in Amerika ehestens zu beginnen. Dis Zionisten Amerikas werden hinter den' Organisationen! in Europa nicht Zurückbleiben wollen, An diesen abe^ wird es liegen, ihre ganze Kraft einzusetzen und zu» beweisen, was die rechte Opferwilligkeit auch' in bar-! niederliegenden und valutaschwachen Ländern zu leistech vermag. __' Polttisch^Rrmdschau. FinanzruinisLer Steczkowski Über bicj polnisch-jüdische Versterndigungsaktion Aus Warschau wird uns berichtet: Finanzminister Steczkowski berief letzten Samstag diü Vertreter der Presse zu sich, um ihnen über den StcmH der polnisch-jüdischen Verständigungsaktion folgende Er-! klärung abzugeben:! - £] „Mit Rücksicht darauf, baß die Presse und deir^ zufolge auch die öffentliche Meinung über den Zwecks Inhalt und Fortgang der Beratungen, welche schon seit! längerer Zeit zwischen der Regierung einerseits rmdj den Vertretern der jüdischen Parteien andererseits statö? finden, nicht entsprechend informiert sind, hat die Re-« gierung es für richtig gefunden, die Vertreter der Presse zur Entgegennahme von Aufklärungen einzuladen. Den Ausgangspunkt dieser Verhandlungen bildete das Bewußtsein, baß das gesellschaftliche Interesse die Regelung! der sogenannten jüdischen Frage, welche als ein Ueberbleibsel aus den russischen Zeiten während des Weltkrieges eine gewisse Schärfe angenommen hat, -rrotwendig erscheinen lassen Es. liegt im Interesse, dev Gesellschaft, baß der Staat im Innern eine jüdisch^ Bevölkerung besitze, tvelche vollständig' und ohne Vorbehalt auf seiner Seite steht, daß anderexfeiM der StäaH nach außenhiu nicht infolge falscher Darstellungen» unserer Verhältnisse auf diesem Gebiete Vorwürfen ausgesetzt sei, welche ihm moralischen und mate^ riellen Schaden verursachen. - Die Beratungen bewegen sich im einzelnen in dev Richtung der Revision der administrativen! V.o r s ch r i f t em u n d S L a L u t e n, welche der jüdischen Bevölkerung gewisse Begrenzungen vuferlegen oder ihr die Möglichkeit des Erwerbs im Vergleich mit decj christlichen Bevölkerung beschränken, ebenso in der» Richtung einer . Regelung des Verhaltirisses der jüdischen religiösen Gemeinden. Die interministerielle Kommission soll schon irr dev allernächsten Zeit in den Besitz der konkreten V^or-i schläge der jüdischen Parteien zu diesen! Fragen gelangen. Diese Vorschläge werden die Grunds läge für die weiteren Beratungen bilden. Es ist selbstverständlich', daß diese Angelegenheit nur dann gut vmfy zürn Nutzen der Gesellschaft wird erledigt werden können^ wenn sowohl die Presse als auch' die Gesellschaft aus; beiden Seiten zu einer friedlichen Verständigung imtt zur Erkenntnis der Notwendigkeit des frieblicherr Znsammenlebens gelangen. AlkurcMcher Abbmt der Jiidmgefotze in Poben. Bekanntlich! sind-in Polen, noch' mehrere drückende Ausnahmsgesetze gpgen die Juden in Kraft, welche noch aus der Zeit des zaristischen Regimes stammeM Dank der unablässigen und energischen Intervention! des jüdischen Landtagklubs werden nunmehr alk-i mählich diese Gesetze abgebaüt. Eines der drückendste^ Ausnahnls ge setze lvar dasjenige über die jüdisch,ej Spital st euer. Nach diesem Gesetz mußten die jüdüi schen Kultus gemeinden für die Heilimgs- und Verpflegskosten jüdischer Kranker in den allgemcinenj Spitälern vuskommen, obgleich diese. Spitäler aus. all-! ITALO-WIENER (Gegründet unter der Mitwirkung* des Gredito Xtalieno, Mailand) Wien,!. 2H»ar!SWRH555SS Teiegräminadresse: Vinitalo Wien Xntemrk.Telephon:12211,12240,12249j1409i Durchführung aller btnkgaiohfiftliohis Transaktionen ",—v— ■? Ent^egennahiae von Geldern in laufende Beohnung n cünstigen BediBgnBgen”r --ir,y. Ä'xrfu :a-iSic^u£^: 0465