Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 777 (25.3.1921)
- Date
- 1921-03-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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eene A 'SBiett, fititicfa .. .V.ir-,iiwi.|»ai«i-"rt l-»7J.inüiil1-l.i - M .. m ttcnnc sich Arbeiterpartei, in Wirklichkeit jiei sie aber eine kapitalistische Partei. Sie r^iße die anderen Parteien in Stücke, um sodann die bürgerliche Gesellschaft irr Stücke zu reißen. Der Sozialismus bezwecke die Zerstörung alles dessen, was die großen Propheten und Führer der beiden bürgerlichen Partien seit Generationen mühsam aufgebaut' haben. 4!ie unabhängigen Liberalen unterstützen diese Revolution; ihre Artillerie helfe die VeEidigungsstetten der' bürgerlichen Gesellschaft vernichten. Wenn sie Erfolg hätte, würde der Sozialismus in die Zitadelle eindringen und dort allein herrschen. Lloyd-George forderte alle,, die sich der Gefahr bewußt seien, auf, die Reihen zu schließen. Alte Maßnahmen müßten getroffen werden, um die große Wählerschaft aufzuklären, die zu einem nicht so weit entfernten Zeitpunkt zu entscheiden haben werde, damit, wenn die schickschalcscbwcre Stunde schlage, das Wohl Englands ihr ruhig anvertraut werden könne. Die Abendblätter widmen dieser R.de des Premierministers die größte Beachtung. BomSenattentaL in - Mailand. Mailand, 24. März. Durch eine Bckmbenexplosivn vor einer Sicherheitstüre des Diana-Theaters wurden r. cit ir Pers0ne n getötet und gegen hundert verletzt. Von den Verletzten sind im Laufe der Nacht 13 gestorben. Zur Vergeltung zogen Faszisten zur Redaktion des „Avanti", wo sie jedoch von der Polizei znriicigedrängt wurden. Hierauf verwüsteten sie die Redaktion und die Druckerei der „Umanita Nuovr" und steckten sie in Brand. Außerdem zerstörten sie zwei sozialistische Klublvkale. Armland, 24. März. (Schweiz. Dep.-Ag.) Die Zahl der Opfer des Bombenattentats beläuft sich auf fünfzehn Tote, die sich jedoch noch vergrößern dürfte, da sich unter den mehr als 100 Verletzten mehrere Schwerverwundete befinden. Das »Theater ist sowohl außen wie innen schwer beschädigt worden. Ungefähr zur gleichen Zeit explodierte in einem Stadtteil vor dem städtischen Elektrizitätswerk ebenfalls eine Bombe. Glücklicherweise sind hier weder M.'nschenltben noch Matrialschaden zu beklagen. Die ostgalizische Frage frrr Polen erledigt? Eine Erklärung Witos'. Lemberg, 24. März. (Poln. Tel.-Ag.) Auf dem kürzlich hier abgehaltknen Kongreß der Volkspactei KleinpolenZ hielt Ministerpräsident W i t 0 s eine Rede, worin er unter anderem sagte:, ,Es unterliegt heute keinem Zwri'el mehr, daß unsere Ostgrenze längs des Zbrruz verläuft. In Riga haben beide Regierungen auf Grund eener Verständigung diese Grenzen gezogen. Damit ist die Sache erledigt.* Es wurde eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß durch die in Riga erfolgte Greznbestimmung über die Zugehörigkeit der diesseits des Zbiucz gelegenen Gebiete endgültig die Entscheidung getroffen ist. Ewiger Pogrom. Warschau, 22. März. Md. Korr.-Bur.) Einer Meldung der „Swoboda" zufolge veranstaltet« die Reiterarmee Budziennys eine Reihe von Massenpogromen in mehreren Ortschaften der Ukraine. Reform des Strafgesetzes in Palästina. Jerusalem, 21. März. (Jüd. Korr.-Bur.) Hier wurde ein Komitee zur Durchführung verschiedener Verbesserungen im Entwurf des ägyptischen Strafgesetzbuches, der unlängst für die ägyptischen Gerichte vorbereitet wurde, eingesetzt, um es auch für Palästina verwendbar zu machen. Die englischen und palästinensischen Richter sind der übereinstimtnenden Meinung, baß das türkische Strafgesetzbuch nicht entsprechend sei und daß es so viele Verbesserungen erfordere, daß es ratsamer erscheint, ein auf moderner Wissenschaft aufgebautes Strafgesetz zu adoptieren. ' Kleine Nachrichten. Mailand, 24. März. (Schweiz. Dcpeschen-Agentur.) Wie r.v.) Bologna berichtet wird, ist bei Jnrola eine Bombe auf ti: Bahnlinie geworfen worden, die einigen Schaden anrich- U'tp. Eine weitere Bombe nmrde in der Nähe der gleichen Orrichaft gcgen einen Güterzug geschleudert. Der ZugsverLhr nach der Romagna äst eingestellt. Die Telephon- und Telegra^henverbindnngen sind unterbrochen. Tagesbericht. Bu-apester Komödie. AuZ Budapest wird gemeldet: Ein Ensemble des Wiener Bnrgtheaters, dem Maria Mayen Und Franz Höbling an gehören, gastiert feit einigen Tagen im Budapester Theater. Ter Vorstellung wohnte auch Horthy mit Familie an. Er wurde vom Direktor des Theaters, Held, mit einer Rede begrüßt, in der der Direktor erkürte,- die Wiener Burgschauspieler seien in erster Reitze, deshalb zu einem Gastauftrettir ciirgeladen worden, um sich' davon zu überzeug«:, daß dir in Wien über Budapest verbreiteten Alarmgerüchte, die sich hauptsächlich auf die Unsicherheit beziehen, unwahr seie'n. Die Wiener Burgschauspieler sähen mit Freude, daß hier Ruhe utib Ordnung herrsche, und hätten Pen Direktor beauftragt, er möge ihren Dank dem Reichsverioeser für seinen Besuch ausdrücken, ebenso ihre Freude, daß sie sich in einem Lande befänden, wo sie ganz offen von. sich sagen rönnen, d-ß sie rai^exiMe Hosschknspftalar. leien., Wiener Morgettzettuug L5. März 1ÄK M. 77? Umett " VS«I Zonmg cissr 27. Mrr k. Z. erscheint N yerslärßter MfM «nä wklü skr pr 0 ya g s rl ü L-NMmer nsed?yleü. ivgorlawien. Rumänien snä anllstr üsrsgeJfuslaw* verrchfem. normale? jtaiptttariü Entgegennahme von Jnstrtionsaufträoen durch aste Ännoncenbnreans sowie in unserer Administration, 2. Bez., Tabor* straße 1—3. Ueber telephonischen Anruf (41-0-38, 43-3-IS) Besuch durch - unsere Vertretet'. 9« •t rin* t Der Neichsverwcser dankte für die Begrüßung und bedauerte, daß dem Gastspiele fo tz wenig Rellame gemacht wurde. Er habe zufällig von dem Auftreten erfahren, sonst wäre er schon früher in das Theater gekommen. Er freue sich, daß die künstlerischen Leistungen der Burgschauspieler in Budapest von Kritik und Publikum gewertet, werden. Goethe hat bckanntnch behauptet, daß Komödianten einen Pfarrer lehren könnten. Vor den ungarischen Repräsentanten, des christlichen Gedankens scheinen aber unsere Burgschanfpieler als dilettantische Schüler im Komödiespielen dazustehen. Denn cs ist durchaus unwahrscheinlich, daß sichihrer zwei in Budapest zu einem öffentlichen politischen Bekenntnis gedrängt gefühlt hätten, das sie an der eigentlichen Stätte ihres Wirkens der Gefahr anSsetzte, nicht mehr rein künstlerisch cingcschätzt zu werden und die G'.lnst des Wiener Publikums gegen die des Herrn Horthy eiirzutauschen. Dev echte Künstler dient nur der Kunst und niemand geringerer als Schiller hat cs der deutschen Kunst hoch angerechnet, das;, sie von keines Fürsten Mäzenatentum gehegt worden war. Wenn Frau Mayen und Herr'Höbling hierin anderer Meinung fern sollten als Schiller, so wird das das Wiener Publikum zu ertragen wissen, solange ihm die beiden^ ihr Bekenntnis nicht als Kampfansage ins Gesicht schleudern. Deshalb-muß dtz Aufklärung ab gewartet werdest', vb die Genanntenwirk.ich die Helden ihrer Ueberzeugnng spielen wollen ot^r ob fies bloß Opfer der Ueberzeugnng des - Herrn Held geworden sind. Daß sich die Budapester Politiker als Ak.eure in blutrünstigen Haupt- und Staatsaktionen nrit allem romantischen Zubehör dieser veralteten D'ramengattung, wie Menschenraub und Mord in unterirdischen Verließen, gefallen, weiß die Welt bereits. Neu ist der umgekehrte Versuch, Berufsschauspieler zu politischen Zwecken zu mißbrauchen. Er dürste kaum den gewünschten Erfolg haben. Denn selbst tvenn die Wiener darauf angewiesen wären, 'ihre Informationen über ungarische Verhältnisse von Schauspielern zu oezkehen, bann stünde ihnen derzeit in Herrn Beregr ohne Zweifel ein verläßlicherer Augenzeuge zur Verfügung, als es Absolventen kurzfristiger Gastspielreisen nach Ungarn sein können. Herr Beregi und seine jüdischen Berufs- und Leidensgenossen ans Ungarn wissen der Welt viel instruktivere Auskünfte über die „Ruhe und Ordnung" in Budapest' zu geben. Dem Herrn Horthy dürften sie freilich weniger gefallen. Es sprachen noch Zahntechniker. Salzer über di« Kampfsührung in der Provinz und die wirtschaftliche Notlage der dortigen Zahnärzte, ferner die Vertreter.. Szecheny und Urban. Der Arierparagraph im österreichischen Tmrristenklub. - Freitag den 29. April findetdie außerordentliche Hauptversammlung der Zentrale des O e ste r r e i ch i s ch e n . Touristenklubs in der Volkshalle des Neuen Wiener Rathauses statt. Die Tagesordnung bildet der Antrag des Verwaltungsausschasses auf Aenderung der Statuten, und zwar wird beantragt, daß- Mtglicder der Zentrale des Oesterreichifchen Touristenklubs nur Personen arisch«W Abkunft werden können. Die Lorbeeren des Alpenvereines lasten offenbar die i Leitung dcS Ocstcrrcichischen Touristenklubs nicht schlafen j und der Erfolg des Antisemitentages wäre nrcht vollständig,! wenn nicht die Hetze gegen alles Jüdische nun auch in der österreichischen Touristik ihre Forschung fände. Jedenfalls ist es ein Glück für die Menschheit, daß die Tendenz, Juden vom Bergsteigen abzuhalten, erst in der neuesten Neuzeit aufgekommen ist. Die gleiche Tendenz, .im Altertum praktiziert, hätte zum Beispiel die Bergpredigt Christi unmöglich gemacht. Es ist /freilich die Frage, ob Leute, die anderen sogar den reinen Genuß der Natur mißgönnen, das als einen besonderen Verlust empfinden würden .. ♦ ,■ DeuLschnaLLoimLe Erpresser. Wir haben int gestrigen Frühblatt nntgetei.lt, datz die russisch antiiemitischen Erzeuger der „G e h e i mitijf « der Weis cit v 0 n Z i ,0 n" ihre, gefälschten Schriftstücke einer amerikanisch-jüdischen.Gesellschaft zu hohem Preise anboten. Jetzt ist ein Parallelstück dazu da. In München hat ein deutschnationaler Student einen antisemitischen Artikel, den er auf Bestellung einer eifersüchtigen Frau schrieb, dem Angegriffenen verkaufen wollen. Auch ein zweiter deutschnationaler Ehrenmann verdiente an diesem Kettengeschäft. Aus M ü n ch e n wird uns über diese Angelegenheit berichtet? Der Student Karl Braßler, der in der nationalistischen Studentenschaft in der deutschnationalen Bewegung eine führende. Mlle spielte, wurde vom Münchener Schöffengericht wegen eines völlig grundlosen antisemitischen. Angriffs auf den Zahnarzt Pick zu einem Monat Gefängnis, der Mitangeklagte verantwortliche Redakteur des „Völkischer, Beobachters" zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt, Wi-e die Gerichtsverhandlung ergab, hat sich Braßler den verleumderischen Artikel,vpn der Urheberin, einer eifersüchtigen Frau, mit 1'700 Mark zahlen lassen und daE' das Material für. 1200 Mark an ge booten. Auch der mitbeteiligte Vertrauensmann des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, Ho st er, ließ sich von de, Frau unter dem Titel eines „Vorschusses" 1500 Mark, anszahlen. Der Artikel wurde dann auf dem schwarzen Brett an mehreren deutschen Universitäten angeschlagen und zu einer antisemitischen Wahlagitation ausgenützt. Das Gerichtsurteil stellt ausdrücklich fest, daß Braßler den aMsemitischen Kampf nicht aus ehrlicher Ueberzeugung, sondern aus Eigennutz in der verwerflichsten Weise geführt habe. Braßler, der noch in mehrere ähnliche Fälle verwickelt ist, bleibt übrigens bei seiner Behauptung, daß die M ü n ch en e r P 0 l i ze U direktion ihm für seine antisemitische Agitation gewisse .Polizeiakten zur Verfügung gestellt habe. J Von der Wiener AniverfLLLL. Eine Maffenversammlung der Zahntechniker. In der Volkshalle des neuer: Rathauses fand gestern eine von mehr als 2000 Zahntechnikernreistern, Gehilfen und Lehrlingen besuchte Versammlung statt, in welcher der Ehrenpräsident des Reichsverbandes Anton Bulin und der Präsident der Standesvertretung dsr befugten Zahntechniker Otto Busch Mitteitmrgerl über Vorsprachen machten, welche gestern und vorgestern im Buudesministerinm für soziale Verwaltung ftattgefnni&feu hatten. In dem genannten Mmisterium wurde für die Erledigung der Streitfrage die günstigste Prognose gestellt. Es sei anzunehmen, das;'der Kampf bald nach Ostern in einer für die ,Zahntechnikerschast g ü n st i g e n W e i s e beendet rverden könne. (Lebhafter Beifall.) Hiefür käme auch in Betracht, daß der bisherige Widerstand der Zahnärzte gegen die Extraktion bedeutend nachgelassen .habe Es sei dies begreiflich, denn der wirtschaftliche Schaden, welchen die Zahnärzteschaft durch die seitens der Zahntechniker verfügte und lückenlos burchgeführte .Aussperrung erlitten habe, sei ein ganz enormer. , ' Vorstarrdsmitglied Löwe verwies daraufbaß der Widerstandsfonbs, der bei Beginn des Kampfes anderthalb Millionen Kronen betrug, auf ettvas mehr als eine halbe Million Kronen herab gesunken, sei,. Er beantrage, daß ein jeder Meister s v f 0 r t.2 0 0 0 K r v'n e n feem Widerstandsfonds znzuführen habe, damit derselbe wieder auf seine ursprüngliche Höhe von anderthalb Millionen Kronen gelange. Dieser Antrag wurde einstimmig angenontm^n, ebenso feer Zusatzantrag Hoffmann, daß auf die Dauer des Kampfes allwöchentlich dieser Fonds , von iefeem. MeWr mit lfiOQ ta m bewchen Frauen als Doktorinnen. Mit dem vorgestrigen Tage wurde das Wintersemester an der Wiener Ilmbersität geschlossen. Bei den in den letzten Tagen ml der Wiener Universität stattgefundenen Promos tionen wurde abermals eine. Anzahl von Frauen, zu Doktoren promoviert. .So . wurden-zu Doktormr der Staatswissenschaft die beiden Damen Valentine Adler und Martha Hermann promoviert, i^nter den Kandidaten der Doktoren für Medizin befanden sich die Damen Ernestine Brett l er- Mine Lauterbach, . Karoline Sedkobic, Regine Kopanie, Anna Halbern, Martha Rappaport und, Thekla Fischer. Iu. Doktoren der Philosophie wurden dis nachstehenden Damen-proyrobiert:. Frau Mina Kober geborene Crämer, die Gattin deß Professors für Geologie Dr. Kober, Elsa Je.sta, Anna- Spitzer,- Eugenie R i e s e n f e l d, Maria H a np.t stl ei s ch, Nora Fei ch.L i n» ger, Rosa Trümmer, Hänsi Psesch, Emma Brock» b erg er nud Anna Sam enb erg^ Beginn der Inskription für . das Sommersemestor an der Wiener Universität. — Eine Kundmachung des Rektors Dop sch. Der Rektor der Wiener Universität Professor Doktor Dop sch hat nachstehende Kundmachung betreffs ' der Jnskriptionsfrist für das Somnierseinester an die Studierenden erlassen: „Der akademische Senat hat den Beschluß gefaßt, für die Durchführung der Inskription im Sommersemester 1921 folgende Fristen festzusetzen, und zwar .läuft die Inskriptionsfrist . für „ I n I ander vont 20. Mürz bsH 9. April, für Ausländer vom n. April biss 16. April 1921. Nachträgliche Inskriptionen werden nur ganz ausnahmsweise bewilligt, wenn dafür die im 8 22. der Studienordnung angeftihrten Gründe in nnzweifelhasiec Art nachgewiesen werden und die Vorlesungen nicht schon zu weit vorgerückt sind, um mit gehörigem Erfolge gehört zu werden. Nach dem 30. April 1021 werden Gesuche inu nachträgliche AnMtztiok hon den «kadernijAen Behörden nicht aWe, 0332