Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 776 (24.3.1921)
- Date
- 1921-03-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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/Men,'DprmersM gerettet 'QKQttitnmmm - -■ .— 1 » .—: r-:\ g. Hf-—nJwjg'W - ^....^— :---—— Deutscher ^eich^rgh, t Berlin, 22. März. (Wolff.) Der ReichSrak nahm 'Heute eine Verordnung, betreffend Regelung des Waren- DerkehrS zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Ge« -biet, an. Das von der Entente als Strastnahnphme gegen Deutschland eingeführte Zollregime mache es notwendig, daß die ReichDregierung in der Lage ist/auf schleunigem Wege Matzregeln zu ergreifen, um besondere Schädigungen der deutschen Wirtschaft zu verhindern.! Mit dem Gesetzentwurf zur Durchführung der Artikel 177 und 178 des Friedensvertrages (Entwaffnung der Einwohnerwehren usw.) erklärte sich die Vollsitzung des Reichsrates einderstcmden. Der Einspruch der bayrischen Regierung auch gegen die jetzige Fassung hes Gesetzes fand keine Unterstützung. .; Kessel freigesprochen. f -Berlin, 28. März. (Wolff.) Hauptmamr. v. Kessel ist 'tett der Änklatze des. Meineides fteigesprochen worden. Nach eiustündiger Beratung veraemte» die Geschwornen die Schuldfrage.-wegen Anstiftung zur unerlaubten Entfernung unter Mitzrauch der Dienstgewaft in ^wei Fällen und fernes: die Schuld frage wegen Meineides. Bejaht wurde lediglich die Schuld frage wegen Herausforderung zum Zweikampf. Das Urteil lautete auf eine Woche Festungshaft, die durch die er» lrttene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurde. Außerdem wurde der Haftbefehl gegen dm Angeklagten aufgehoben tzack 'bie Kaution fteiaeaeben. I : ' ''■■■■■■" ' Aevlfiv» der Steuer« «nd Zolltarife t« HMriha. - VMKm, 23. März. (Tel.-Komp.) Aus Washington ^vird gemeldet, daß Har ding sich mit den Führern der Republikaner im Kongreß über.das gesetzgeberische. Programm geeinigt hat. Dieses sieht die.Aevisip n. der Steuern und Zolltarife nach dem Stande her- Valuta vor. i < Hardtng hat den Kongreß zu einer Svnder- Hagmrg für den 11. April einberufen. Kleine Nachrichteu. . Halle a. S., 23. März. (Wolfs.) Ein verbrecherischer Anschlag ist gestern abends in nächster Rahe von Halle begangen Morden. Durch Lockerung der Geleise zwischen Dieskau und DMtts halft» Verbrecher fct Eiseubahnlascheu gclöfi. Als ein D-Zug um 10 lshr 45 Mi«, die betreffende Stelle erreichte, entgleisten infolgrdeffe« drei Personenwagen, der Postwagen und die Maschine. Ein, Pöstheamter, der Lokomotivführer und zwei iRejsendtz' wmden verletzt. \ ' Pärtzi, A MüH. (HavE. UeMeuycm ist hrnte «achmittags .hier ringetröffen. Es wurde ihm ein begeisterter Empfang ßeitM echer.unadsehbgren Menschenmenge zutech j Warschau, 23. Man. (Tel.'Komp.) Heute kam ein Vorvertrag zum Abschluß, demzufolge samtiche Trlephonlimen in Polen Sau Me schwedische- Telephongesellschaft verpachtet wrrdcv sollen. I Lemberg, 28. März. (Tel.-Komp.) Die polnischen Beznksvcmptmanusciiastm in Ostgalizien richteten au sämtliche griechischkatholischm Pfarrämterrip Schreibe«, in dem verlangt wird, die alten Auischrstten auf. de» Tvuischeirien „Oesterreichs Kromand Galizien" durch „Klempolev" zu ersetzen. Tagesbericht. Purim-Bräuche. Das P-nrim-Fest ist fort alterSher das Fest volkstümlicher Lustigkeit. An diesem Tage ist eS in der jüdischen Gaffe geradezu GÄ»ot, den AlltagSernst beiseite zu legen und in lufirgem Schabernack die Sorgen des Tages zu vergessen. Am Osten, wo sich ein jüdischer Volksleben allen Widerständen der Zeit zum Trotz erhalten hat, wird noch mancher Brauch geübt» von dem in unseren Landen wohl schon j^>e Spur verblaßt ist. So werden zum Beispiel auf den Höfen der Synagogen vielfach figürliche Karikaturen, welche Haman symbolisieren sollen, auf den Boden gemalt und die Jugend, aber nicht immer bloß sie, wetteifert, um unter allerlei tollem Spiel auf diesen herumzutrampeln. Der Brauch selbst ist sicher uralt und ein Responsum aus der Gaonimzeit weiß AehnlicheS zu berichten: ES fei in Elam und Babylon Sitte, vor Purim Figuren zu formen, die den Haman darstellen, und sie auf die Dächer zu hängen, worauf sie an Purim herakyeholt und unter Jubel und Tänzen ins Feuer geworfen werden. Auch an anderen Stellen wird dieser Mummenschanz erwähnt und der. Talmud selbst scheint aus diesen Brauch hin« zudeuten. Die Maskm-ade zu Purim wird schon zn Beginn des 16. Jahrhunderts als alte Sitte erwähnt und ein wirkliches Purim in traditionellem Milien ist ohne den »Narren" Aar nicht zu denken, der im Hause des Reichen gut traktiert und wohkbeschenkt wird, oder aber sein lustiges Gewerbe im Herumziehen von Haus zu Haus übt, begleitet von einer munteren Schar, die sich an den ergötzlichen Spassen des Purim-.Narren nicht satthoren kann. Ein rechter Purim-Narr ist aM auch «n Meister wirklich jüdischer Komik, die selbst ein Stück nationaler Tradition bildet, wie die vielfach alten Mnliedev, die man noch an Purim Hort und von denen manches einen Meister aus der spanisch-jüdischen Literatur» «poche zum Äutor hat. Has Purim-Fest in der jüdischen Gaffe bietet ein Unverfälschten jüdischen Volkslebens und zeichnet sich durch eine; besondere' Stimmung au», die mit jener keineswegs identisch Hst, welche Purim-Feiern und ähnliche Veranstaltungen zu jitttwägB», die m fx&w ffcOg* «fe m&ot pliiVnHK I V0W Sonntag den 27. lllärz 1.3. erscheint in verstäritter HulSago «na wird aispropägana «»krummer ns eh p-ien, 3«goslswien, Rumänien «nd an dar «srige Kurland verrclttpktt. m nSSri N normaler Anzeigentarif! m m m Entgegennahme von JnsertionsaustrSgen durch alle Annoncenbureaus sowie in unserer Administration, 2. Bez., Tabor- .straße 1—3. Ueber telephonischen Anruf <44^0-38, 43-3-1S) Besuch durch - Unsere Vertreter. S45 gate gyzusehen M>, welchx hjp echtjüdische, spezifische Purim- Lustigkeit nur durch eine fat&fefe Wd Pom Anlaß losgelöste BexansialLungsheiterkeit zu ersetze« vermögen. Eine alte jüdische HgusmmMymS-se, In der ^Frankfurter Zeitung" Hefen wir: »Mekirath Josef" (Verkauf Josefs), das 1710 In Frank* fuyt erschienene Pprim-Stück, ist. öhwe Angabe eines Verfassers gedrückt worden, Gustav KaMles schreibt es in seiner »Geschichte der jüdischen Literatur" einen gewissen Beex^ mann aus Limburg zu, und es soll po« Talmudschülern aus Hamburg und Prag mit großem Aufwand an Dekorationen, Maschinerien und sonstigen szenischen Effekten aufgeführt Wochen sei». tem Umstande, Latz es die Frau des Pytiyhch: ^elicha nennt, darf man wohl den Schluß ziehen, datz dem Berfhssqr Christoffel pon Grimmelshausen» ^Keuscher Joseph" hekanyt gewest». Im übrigen hctt das Gtuck dyl zeitgemäße» Stil: es ist eine HanryurstkomödiL. -PikkeL, Hering" ist der Diener de» Potiphar lych beträgt fich recht ungeschlacht als Zotenveißer. Dagegen ist die Szene zwischttl Josef und Selicha verhältrnsmäßrg anständig. Einzelne Wendungen darin erinnern immerhin an die Dramen des 16. Jahrhunderts, Selicha redch zu Josef: «Er soll willkommen sein, Der liebster Joseph mein, ' Ich bitt, du sollst mir mein Bitt gewähren. Welche ich schon oftermal habe chun von dir beg< hren,, Indem ich dich lieb in allen Stucken. Werf aus mir deine Liebes Blicken Und sei nit so tyrannisch und unerbärmlich gegen mir, Seh, waS vor Schwachheit ich Hab über dir. Denn ich trag zu dir solche Inklination, Drum bitt, du wollft meinen Wille» Hon. (Sagt Joseph.) . In allem bin ich der Frau Dienst veroblrgiret, Mein in diesem lassen sie mich ohngemolestirct So sie solches' führt in ihrem Sinn. Gibt ja noch mehr dergleichen als ich bin. We soll ich mich unterstehn, Ueber ganz meines HerrnS Gebot zu gehn. Denn mein Herr hat mir fein ganzes Haus unter Kommando gestellt. Aber dft gnädig Frau ausgenommen gemeldt. Zudem wärs ihr ein großer Affrunt. Hiemit Adisui Sie bleiben gesund!" M. V. Die „Geheimnisse -er Weise« »o« Zion«.' Das Werk rnffischer Erpresser. Dieser- Tage erschien der Jahresbericht de» American Jewish Committee für bas Jahr 1920, in welchem die Geschichte jener antisemitischen PwtvboNe, mit denen Henry Ford in Amerika und seine Gesinnungsgenossen in Europa ihre Hetzpropaganda betreiben, einen großen Raum einnimmt. In dem Bericht wird festzestellt, daß die Divekffon des American Jewish Commitbee von diesen „Geheimnissen der Weisen von Zion" Kenntnis erhielt, noch ehe fte ln Europa veröffentlicht wurden. Die russischen ÄftttisemideN, welche, die falschen Prvbokolle zu dem Zwecke verfaßten und hergestellt hatten, um durch sie den Judenhaß in Rußland wachzuhalten und reaktionäre Propaganda zu treiben, wandten sich an das amerikanische Mische 5komiteemit'dem Lorschlag, gegen eine große Ablösungssumme' die angeblichen OriglnalpvotoVölle zu vernichten. Das Komitee lehnte selbstverständlich ein solches Anfinnen ab und wies den Srpressungsversuch entschieden zurück. Daraufhin wurden barm diese Prvtorolle unter den verschiedensten Titeln in England und später auch in anderen Ländern, vornehmlich in Deutschs lanb, veröffentlicht. Interessant ist auch die Feststellung ' des Berichtes, daß General D e n i k i«»sich dieser Proto» . volle hei seiner gegenrevolutianären Kampagne bediente, indem er de«. Haß geg^t de» Bolschewismus dadurch zu erwecken suchte», daß «r M^M.e^ MiLbe . WT^R*3!7?51'j4 24. Marz 19^1 Rr. 776 KlMhxuttg pee L4-Vtnnden-Zeit (vBevkrehrS' .* : f ' zeit") ' v Im morgigen BüMsgefttzblatt gelangt folgende BW vrbyunZ, d(s Hzfldesmjnisheriusns M Verkehrswesen vom 19.'März 1921, betreffend Einführung der Z4°Stunden-ZeN (,Mrkehrszei^) M UMMtbapang; .Gemäß.dem BeschAß hes WnWrpyjeS^ pam.1'S.FchiWs, 1981 ist Mf alle» Hanpt- M OoMMssN, hei ber .Host.^ Tolegraphen-, N«nkp«>chs. WhWWWjM«-! bei bt%. vom Staate LetriebeyM GchiffcchrtsWteWehmWgen und im. Bereiche des Luftfahrjxesens um M;tt«macht vom 31. Mas zum 1. 8»»i von hex Wherigep StzindenzähSung mit zweimgl. Ist.StnrchM »ns dj-e. ungnteHp-chey» SN:yLenzählung. 0 bis 24 von Mitternacht über Mftag HK Mitterrracht über) . Mgehe». , Die Forderunge» der Rechtsprskti-^ --kynie«- ... .'.ch In einem MrsaM der .Mivepfftät 'yprsanmyLÄ^ sich' vorgestern ^beyds" hip' bei' deft Mener^ Gerichteft' tgtigen RechtsprakMnicn, um tthe? ihre an dasHuWZ^' Ministerium zu üb^rveHendeu mate/iftleft' Fächerungen, zu berate» und über die einzuschlftgerchem Schritte' zu^ deren Durchsetzung Beschlüft zu fassen.' Namens bei' einberufenden Vereines der Rechtspraktikanten eröffnet^ Dr. G e s s e l b a u e r die Versammlung mit einer Ansprache, in welcher er auf den dieser Tage beim V e-- zirksgericht Keopoldstadt aus gebpocheneft Streik hinwies, worauf Dr. Joh. Beer die miß^ liche Lage der bet den Gerichten tätigen Rechtspraktikanten eingehend erörterte- Er Abte auch in abfällige« Worten Kritik an dem bei vielen Gerichten vovkommenden Mßstand, daß die Bezüge nicht am Fällig- 'keitstage zur Auszahlung gelangen, welcher auch! die Ursache des Streiks beim Leopvldstädter Bezirksgerichts war. Die Bezüge der Rechtspraktikanten seien geradezu lächerlich zu nennen, kein Taglöhner fei so. schlecht bezahlt- Die Rechtspraktikanten verlangen eine Erhöhung ihr^r Bezüge, welche derzeit 2100 bis. 2460 Kronen betragen, auf die Höhe des Gehabes der.Richteramtsanwärter, 'ferner verlangen sie die . pünktliche Austzühlung an jedem Ersten des ' Monats, die Rückwirfting her gleitenden Zulage wie bei den anderen Daatsbeamten und Keilnahrüe der Rechtspraktikanten^^ an der Krankenkasse. Im Siftne ftineft Ausführungen empfahl der Referent die. Annahme eineft Resolution, welche dem Bundesminister für Justiz durch eine Depptation überreicht werden soll. Die DesolutipL wurde hierauf einstimmig angenommen. Die nette« Gas« Und Strompreise vom Siadti - senkst genehmigt.- Der Stabtfenat hat gestern die vom GeMlNdü^ ( ratsausschuß vorgeschlagenen neuen Preise für Gas- und Elektrischen Strom füv die-Zeit vom 13.- Februar ' bis 31. März genehmigt.' -Sitz Beträge« für einem' ' Kubikmeter Gas 10 Zkronen '60 Heller, füv'eM'-HeM^ - Wattstunde Lichtstrom 2 KrvNeü 25' Hektowattstunde Kraftstrvm 1 Kwne- M HelLr. ' Lebensmittelfälschungen.! DaS Marktamt der Stadt Wien hat im 'Februar wegen Lebensmittels älf'chung und Warenwucher 2385 Anzeigen erstattet. Die meisten Anstände ergaben^ sich bei der Milchkontroll«. Bon den bisher vorliegenden Untersuchungsresultaten des Monates Februar lauten 80 Prozent auf „Wässerung". Besonders arg war der Wasserzusatz bei der Gemischtwavenverschleißerin Anna Stuhlpfarrer, 10. Bezirk, Steudelgasse 2, mit 38 Pvo» Mt, bei Antonie Daurek, 6. Bezirk, Marchettigasse 1 11, mit 85 Prozent Wasserzusatz und bei Elise KaranitsM 6. Bezirk, Mollardgasje 25. mit 37 Prozent Wafferbeh. mengung. >! Ebenso weisen die W ü r st« in den meisten Fällen noch immer einen übermäßigen, nicht deklarierten Mehh zusatz und auch Färbung der Wursthülle mit Teerfarh-! stoss zur Bortäuschung der Räucherung auf. j Als „Ebelrum" wurden vielfach Produkte angebotenn die nicht einmal den für Mnstrum geforderten Alkohol gehalt austveisen. Minderwertiger lkognak wurde zwo Vortäuschung einer guten'Qualität mit dem Beisatz „Medizinal" bezeichnet. Eine diesbezügliche Beanständung erfolgte bei dem' als „Medizinal-Kogna^ ift Verehr gebrachten Produkt der Firma Grof Koglevich-Pal'- Budapest (Zweigniederlassung Wien, 3. Bezirks Areni bergring 12). Einige krasse Preistreibereien wurden aufgebeckt':! Gustav Greiner, Gemischtwarenverschleißer, 3. Bezirk/ Hauptstraße 87, verlangte für „Spatries" (Hutformen) zuerst 65 Kronen, zwei Tage später für dieselben 75 Kronen und weitere zwei Tage später 95 stronen per Stück, deren Einkaufspreis sich auf 46 Körnen stellte. Im CafS Lovrana, 3. Bezirk, 'Löwengasse 36,. wurdenfür ein Stück Bwt, 5 Dekagramm schwer, 5 Kronen verlangt, wodurch für einen Laib Bwt (in der Größe' beS rahonieiten) 12Y. Kronchl erzielt wurden.; Beschlagnahmt, beziehungsweise konfisziert wurden; 11§ Kilogramm Getreide^ 50ß Kilogramm. Mehl,-1.6$. Kilogramm Zucket,. 13M Stück Weißgebäck, 359 Laib. Brot, 775 Kilogramm Fleisch, 106 Kilogramm Fett,. 8864 Kilogramm Kartoffeln, 7450 Kilogramm Gemüses 2463 Kilogramm Obst, 9360 Kilogramm Kaffee, lO-OOPj tzotz ism flUotfcamm, Ütffa