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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-24 · Heft 776 (24.3.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 776 (24.3.1921)
Date
1921-03-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ZK. 776 Men. Donnerstag Unb Ke foaiattemoleoK^c Portei mutz, wie ihr Zentvalsrza» hcrvorhebt, darauf bestehen, datz an diesem Tage eine beschlußreife Novelle zum Einkommensteuergesetz auf seinem Lisch finde. ., _ Wiener chrisMchso^aler Parteirat. Der weitere Parteirat der Wiener Chrisilichsozialen hielt vorgestern eine Sitzung ab, in der Parteisekretär Abgei rdneter Schön st ssiner über den vom 8. bis 5. Mai in Wien stattfindenden R-eichSparteitag berichtete, der 1L1 Delegierte zählen tpird. Auf Wien entfallen 85 Delegierte. Bundesrat Dr. Ä i e n b öck erstattete sodann eine» ern- Aehenden Bericht über die geplante generelle Mahnung Sa nforderung. ES wurde folgende Ent- .schlietzung angenommen: „Der Wiener Christlichsoziale Parieirat verwirft jede Maßnahme, durch, welche Wohnparteien hinsichtlich der Wuhnraüme neuerlich öer Willkür »nrontrollierter und »vLerufeneL Personen preisgegeben werden. Der Parteirat fordert dringend die. Beseitigung der durch die sozialdemokratische Genreindewirtfchaft heEeigeführten chaotischen Zuständsbe.i der W o h n u n g S z u w e i su n g. Der Parteirat betont, daß . eine Anford er Ung v o n G e° schaftöräumen nach Len bestehenden Normen überhaupt unzulässig ist. Der Parteirat verlangt großzügige Maßnahmen zur Aufnahme der B a u 13 t i g k e t t und zur Förderung de§ SiedlungswesenS.* Das AebereinKommen der Negierung mit der „Treuga". Eine amtliche Darstellung. DaS Dundesministerium für Finanz«, hat an die Wiener Kammer für Handel, Geiverle und Industrie öte. nachstehende Zuschrift gerichtet: In der Vollsitzung der Kammer vom 21. März l. I. ist ein Dringlichkeitsontrag der Kammerräte Stephan Robitsek und Genossen zum Beschluß erhoben worden» der sich mit einem von der Finanzverwaltung mit der „Treuga". Aktiengesellschaft für VeredlungSvcrkehr und treuhändige Güterderwertung, abgeschlossenen Vertrag befaßt und die Kammer anweist, über einige Punkte dieses Vertrages Aufklärungen zu erlangen. Unter Anschluß einer Abschrift des bezüglichen Erlasses vom 21. September 1920 nebst Statuten der „Treuga" sowie eines einige Punkte dieses Vertrages modifizierenden Erlasses vom 9. März l. I. stellt das Bundesministeriurn für Finanzen fest, daß das Uetereinkommen mlt der .Treuga" kein Gehe imvertrag, vielmehr vom. KäLinettSrat in seiner Sitzung vom 4. Juni 1920 nach Vortrag des damaligen Staatssekretär^für Finanzen genehmigt worden ist. Sr ist auf Verhandlungen mit eine'r holländische» Finanzgruppe Zurückzuführen, cm deren Spitze eine der führenden großen Banken Hollands, die Rotterdamfche Bankvereinigung,, steht, und welche die Errichtung eines besonderen Finanzinstituts, der Reeonstructiebank voor Ostenrijk (d. h. Wiederaufbaus,»k für Oesterreich) proponierte, um die Gewährung ausländikchsr Kredite an die österreichische Industrie und die Beschaffung von ausländischen Rohstoffen für Gewerbe und' Industrie Oesterreichs zu organisieren. Diese Bank ist tatsächlich mit dem Sitze im Haag m,it einem Kapital von 4 Millionen hollarrdischen Gulden ins Leben getreten, wovon die Hälfte von der erwähnten holländischen Finanzgruppe, die andere HL'fte mit Bewilligung der österreichische« Sektion der ReparariouSkommifsion aus den Erlösen der der Entenre für Hilfskredite verpfändeten ausländischen Wertpapiere beschafft worden ist. ES sind also durch bi:s: Gründung 4 Millionen holländische Gulden ausländischen Kapitals der österreichischen Volkswirtschaft neu zugeführt worden, abgesehen»»» den Krediten, welche dir Neconstructiebank vermöge ihrer Verbindung mit der Gruppe der Rotterdam schen Bankvereinigung in Oesterreich zu elozirren vermag. Die „Treuga", an der die Gruppe der Reconstructiebank finanziell beteiligt ist, fungirrt qls österreichische Vertretung der genannten holländischen Bank und hat für deren Rechnung und im Einvernehmen mit ihr die erwähnten Kredite in Oesterreich zu placieren und den damit iu Verbindung stehenden Veredlungsverkehr zu organisieren. Außerdem ist die „Treuga" als eine allseitig unabhängig« Aktiengesellschaft, welche sich unter ganz besondere Kontrolle der Regierung gestellt hat, mit der Bewirtschaftung jener Rohstosfkredtte betraut worden, welche durch die vov der Reparationskommission organisierte internationale HilfSaftion der österreichischen Regierung zugckommen sind oder yoch zukommen sollten. Diese Betreuung geschah im Einvernehmen nflt der österreichischen Sektion der Reparationsbommission, welche durch eigen« Delegierte bei der „Treuga" eine Mtkontrolle ausübt. Die Verwaltung dieser / staatlichen Rshstosfkrcdite geschieht vollständig nach den Weisungen und für Rechnung der Ftnanzverwaltung, welche in diesem BerwaltungSzwrig, der durch die internationale Hilfsaktion entstanden ist, eines vertraurnstpürdigen und kontrollierten kaufmännischen Apparates selbstverständlich nicht ««traten kann. Sämtliche Bestimmungen der in Rede stehenden staatlichen Uebereinkommens mit der „Trc.uga" bezwecken: 1. den sich betci'igenden ausländischen Kreditgeber« die nötigen Sicher-, hüten zu gewähren, 2. dem Kreditbedürfnis von Industrie Und Gewerbe nach Möglichkeit neue ausländische Mittel zuzuführen, . 8. die Gebarung der Gesellschaft, soweit sie das Interesse der Finanzverwaltung berührt» unter wirksame Ikontrolle zu stellen, und 4. die Gewinne der Gesellschaft soweit als möglich der Allgemeinheit und den angegebenen Interessen dienstbar zu machen. Eine unvoreingenommene und Wf besangen« Prüfung der einzelnen Bestimmungen de- Vertrages Wutz ergeben,, daß sich die Gesellschaft in ihrer Tätigbeit. Äser unK veiMenduua Wiener Morge«ieirirnq 24. Marz 1921 Die Unruhen in Deutschland -; v :&■ ß Berlin, 23. März. Di« kommunistischen Umtriebe im mitteldeutschen Jndustrierevier und in Hamburg werden von der „Vossrschen Zeitung" auf eine bestimmte Parole aus Moskau -urückgeführt. Trotz des verbrecherischen Treibens der Kommunisten bestehe, wie das Matt hervorhebt, kern Anlaß, die RuP zü verlieren. Es könne mit aller Bestimmtheit gesägt werden, daß ein bewaffneter Mmmunistischer Ausstand keinerlei Aussicht auf Erfolg' habe. - Das „Tageblatt" fordert die Negierung auf, mit den schärfsten Mitteln vorzügeheu und einer politisch organisierten Bande entgegenzutretsn. - Der „Vorwärts" bezeichnst es als die Pflicht der gesamten deutschen Arbeiterschaft, ihre bisherige muffe gültige Ruhe und Besonnenheit zu wahren. Stelltet, 23. März. In der heutigen Sitzung , des sächsischen Provinziällandtages machte Oberpräsident Börsing über die Lage im Mansfelde.r Gebiet folgende Mitteilungen: Im Laufe der Nacht.haben ungefähr fünfzig bewaffnete Banditen das Postamt in Mansfeld überfallen. Gestern nachmittags sind Polizeibeamte mißhandelt und ausgeplündert worden. Sie haben sich in ihre Kaserne Zurückgezogen. In der Nacht wurde eine Patrouille beschossen, die um die Kaserne herumging. Die Kaserne selbst lag zwei Stunden unter schwerem Feuer: Die Polizei hat keinen Schuß abgegeben. Ich werde, sagte der Oberpräsident, den . Kampf mit den verbrecherischen Elementen aufnehmen und alles tun,' um das Land von ihnen zu reinigen. ArbettslosenkrawaLe in Hamburg. Hambmcg, 23. März.. (Molff.) Der Chef der Ordnungspoli'jei teilt mit: Heute zwischen 5 und 6 Uhr früh hatten sich etwa 400 bis 500 Erwerbslose ans dem Heiligen Geist-Feld angesammelt. Von dort vertrieben, zogen sig nach der St. Pauli-Landungsbrücke, doch wurden sie auch dort an Ansammlungen gehindert. In Altona wurden mehrere Zusammenrottungen zerstreut. Mehrere hundert Arbeitslose drangen in die Werft Blohm u. Voß ein und forderten die zwangsweise Arbeitseinstellung. Polizeilicher Schutz ist, soweit er angefordert wurde, gestellt worden. In der Stadt und in den Häsen herrscht sonst zurzeit Ruhe. Die Werft Blohm u. Voß ist von der Werftleitung bis auf weiteres geschlossen worden. Die „Volkszeitung" fordert weiter zum Kampfe auf und schreibt: 5teins leeren, kraftlosen- Demonstrativ»«» wollen wir unternehmen. Nur durch Taten können wir unseren kämpfenden Brüdern^ zu Hilfe kommen. Nur durch Taten verstärken wir den Sturm, der Deutschland z u durch brausen beginnt. Das Blatt fordert zu Massenkundgebungen auf. Die Arbeiter sollten endlich den Willen zur Tat fassen und sich Waffen derschassen. Tate und Verwundete. HamLikrg, 23. März. (Wolfs.) Heute nachmittags kam es vor der Vulkan-Werft zu einem Zusammenstoß zwischen der Schutzwache und der Werftarbeiterschaft. Die Arbeiter durchbrachen die Postenkette und versuchten die Mannschaft zu entwaffnen. Es würde von der Polizei geschossen und mit Handgranaten geworfen. Von den Arbeitern sind vier getötet, zwölf schwerverletzt und vierzehn leichtverwundet worden. Die Feuerwehr eilte mit Sanitätswagen herbei und schaffte die TokeH und Verwundeten fort. i i . i i *: Rusnahmszustand in Hamburg. \ Hamburg, 23. März. (Wolfs.) Der Senat der freie«- u.ch Hansastadt Hambu g g'.bt bekannt, daß inAnK.'trachE der Vorkommnisse auf der Werft Blohm u. Voß und iu ayde an Betrieben, mit fofor.iger Wirkung der VusruchMZ zustand über Hamburg verhängt ist. Expropriateure in MitLelberrtschl^an^ MmsfeB, 23. März. (Wolfs.) 35 auf einsm Kraft»! wagen angekommene Bewaffnete raubten nach Aüs^ stellung eines Maschinengewehrs vor dem Landratsamt 199.000 Mark aus. der im Amtsgebäude hv» findlichen Krsissparkafse und suchten auch die Spar» und KreditbirnL heim. \ Helbra, 23. März. (Molff.) Die RöteLerbande, Lr^ heute vormittags die Kreis-Sparkasse in Mansfeld ausgeraubt hat, war vorher in Helbra in die Volksbank! ein^.brochen und hatte dieselbe ausgeraubt. MLenLate in Sachse». Dresdeu, 23. März. (Wolfs.) Heute mittags ererE nete sich im Landgerichtsgebäude am Münchener PlM eine B 0 m b e n e x p l 0 s i 0 n. Die Bombe war unter' «dem Verhandluugssaal A gelegt worden. Drei Personeit wurden verletzt. Der Sachschaden ist ziemlich bedeutend. Die Täter sind entkommen. — In Freib -rg wurde kurz' nach 10 Uhr vormittags auf das Gerichtsgebäude ein schwerer Anschlag verübt. Anscheinend war eine Bombe in einem Abort des ersten Stockes gelegt worden. Die Explosion richtete großen Schaden an. Die Ver< Wüstungen sinid sehr schwer. Eine Person wurde verletz^ Bombenanschlag, ■> PÄme«, 23. März. (Wolfs.) In' Rode wisch wurde heute früh gegen halb 4 Uhr ein Bombenanschlag gegen das Rathaus verübt, das dabei schwer beschädigt wurde. Zahlreiche Decke» sind eingestürzt und sämtliche Fensterscheiben zertrümmert. Auch in den um» liegenden Häusern sind zahlreiche Fensterscheiben zer«! sprungen. Die Täter schein^ nach auswärts entkommen. M sein. ■! .; StreiSuuruhe« in Eisleben. \r EiZleS«. 23. März. (WM.) D«r „Eislebcns^ Tageblatt meldet, daß in der letzten Nacht mit kurzes Zwischenpausen G e w e h r s e u e r und heute früh schivers. Detonationen in den Straßen zu' hören waren. Sptö Streikenden sprengten drei Weichen der Bergwsrksetsenbahn in die Luft. Die Arbeitswilligen wurden in den Schächten durch Streikende mit Waffengewalt von dev «Arbeit abgehalten. , . 1 Ein kommunistischer Bürgermeister. HettstedL, 23. März. (Wolfs.) In der gestriges Stadtverordnetenversammlung wählten die 13 Kommunisten in Abwesenheit der bürgerlichen und rechts-- sozialistischen Stadtverordneten den wegen Verleitung zum Beamtenmeineid von der Eislebener Strafkammer verurteilten Bürgermeister Albert GerickL wi.der Zum Bürgermeister der Stadt. .... 11 111111.. 1 um..; ihrer Mittel der Regierung gegenüber solchen Bedingungen unterworfen hat, daß sie gegenüber anderen Firmen nicht nur nicht begünstigt, sondern im fveien Wettbetverb eher ungünstiger grstellt erscheint. (Im übrigen verweisen wir auf unseren heutigen Artikel im Handelsteil. Die Red.) Telegramme. Da» franzSsisch-englische Grenzabkomme« über Palästina. Detrldsu, 21. März. (Jüd. Korr.-Bur.) Im Zusammenhang mit der Festsetzung der palästinensisch-'' syrischen Grenze enthält das französisch-englische Abkommen auch B stimmungen wi tschaftlicher und staatsrechtlicher Natur in bezug auf die sich aus diesem Abkommen ergebenden Fragen. Der Vertrag sieht die Einsetzung von Experten zur Prüfung der Fragen, betreffend die Ausnützung der I ordan- und Narmuk-Gewässer, zwecks Erlangung hydroelektrischer Kraft für Palä.stina vor.. Zur Absteckung der Grenze soll e^ne Kommrss'yn eingesetzt we ben. Die im Zusammnchang mit der Arbeit der Kommission entstandenen Differenzm werden dem Völkerbundrat zur Entscheidung unterbreitet werden. Die «e«e Naturalsteuer i« Rußland. MoSka«, 22. März. lFimksprrich) Das Präsidium des obersten allrussischen VollzugSa nsschusses hat einen Erlaß über den bevorstehenden Ersatz der Aufbringung durch die Naturalsteuer hinausgegeben, worin die Bauernschaft aufgerufen wird, die Anbau« und FrühjahrSarbeiten zu beginnen, in der Ueberzengung, daß dis Fruchte ihrer schw«^«?N Arbeit nicht nur dem Arbeiter- und Bauernstaat zu-- gute kommen, sondern auch ihr «eigene Lagever*^ bessern. Die Steuer gebe der Bauernschaft die Mag*, lkchkeit, ihre Ueberschüsse zum Austausch gegen die für; die bäuerliche Wirtschaft notwendigen Gegenstände zlt verwenden. Die Ausarbeitung d.'r grundlegenden Bestimmungen des entsprechenden Gesetzentwurfs wisch' , einer besonderen Kommission bis zum 20. März zuh Bestätigung durch den obersten Vollzugsausschuß übet* tragen. . , Die Schwierigkeiten der römische« : Sowjetmission. Mailand, 23. März. (Schweiz. Dep -Ag.) NachrkchM aus Rom besagen, daß einige Fremde, die sich im Hobck.. de Londres in Rom anfhalten, wo auch die Mitglieder bet} russischen HandelSmission abgestiegen sind, die HoteldkrektioH ersucht haben, die Sowjetvertreter zn entfernen, um unliebsame Zwischenfalle zu vermeiden, zu dene« e§ bei längeren^ Aufenthalt dieser Gäste kommen könnte. Mailand, 23. März. (Schweiz. Dcp.-Ag.) Me Blät melden, daß die Behörden nur 17 Koffer der russischnK' Handelsmission sreigegeben haben, und zwar jene, die Steifet? und Bücher enthielten, während die Koffer mit Wertge^n-L ständen zurückgehalten werden zur Sicherung der. Buße voE 20.000 Lire, die der russischen HandelSmissiy« wegen falsche Inhaltsangabe aufertegt wurde. \ Frankreichs Staatsschuld. Paris, 23. März. (Tel.-Komp.) «nlSßllch der gestrigiÄ Büdgetb:ratung si-lt der Berichterstatter Choren «ine femerfenip werte Rede, in der er hervovhob, baß Frankreichs RationaSß schuld, die gegenwärtig 320 Milliarden Francbetrage, M Kürze auf 600 Milliarden anwachsr« werfe. Er erklärt' daS französische Finanzproblet» für unlösbar, falls. tzelW». D^flichfenM NW Wchb»«M.. '

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