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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-22 · Heft 774 (22.3.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 774 (22.3.1921)
Date
1921-03-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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wriw Wien, Dienstag' Wiener Morgenzeitung 22. März 1921 Seite 3 Zurück. —- C's wäre notwendig, darüber auch von Oesterreich etwas czenauereZ zu hören. Denn .bicfc Meldung enthält Werhaupt kein brauchbares-Wort. . Steinwendev gestorben. In Villach ist am Sonntag der erste Finanzminister Wer' österreichischen Mpublik, Dr. Ott» Steinwender, am 73. Lebensjahr gestorben. Mit ihm geht wieder fciit Stück Mtösterreich ins Grab. Steinwender, von Beruf Gymnasialprofessor, stand seit dem Jahre 1885 im öffentlichen politischen Leben und trat iM Parlament in dessen letzten Jahren als Budgetreferent Herchor. <§r befand sich in''einem ewigen Gegensatz zu den deutschen Abgeordneten, die das allgemeine Wahlrecht in dön Sudetenländern iir das Zentralparlament entsÄNdt'chatte/und die Differenz zwischen Alpeüländlern - Md-SüdMndeütsMn fand in ihm'Wn starrsten Vertreter. In den staatssirlanzieWtt' Fragen war SteinwdNKM ausgesprochener Fiskälist. AM Volkssteüern fMden 'in Htm -ihren VettreöSr/ -der ohne wtfsen- MüMche' Vorbildung das wirtschaftliche Leben nach putzen; Theorien beeinflussen wollte. Er.war immer der :UtzvMchi Und seine ganze Einstellung auf die politilscheu Lebensfragen des Staates geschah unter dem Gesichtspunkt der großbäuerlichen Interessen. Dies 'z-eigte sich sehr stark auch in seiner Schulpolitik. Steiniwender bekämsIfte erbittert die Errichtung von Mittelschulen und Universitäten. So geriet er und mit ihm der- Deutsche Nationalverband in immer stärkere .Abhängigkeit von den Christlichsozialen. Im Krieg kam Gteinwender ganz in das Fahrwasser der deutschradi- Dalen Hetzer - und seine unglückliche Rede über das deutsche Staatsvolk hat viel Unglück gestiftet, j: . Immerhin war Steinwender ein Mann von hoher Intelligenz, der sich' manchmal von seinen Parteigenossen sonderbar abhob. Nur in einem Punkt ist er ihnen gleich gewesen, im Antisemitismus. Er hat den Radau schro ff ab gelehnt, ist aber stets in der Reihe der sogenannten akademischen Bekampfer des Judentums gestanden. Das hinderte ihn nicht, für das „Neue Wiener :Tagblatt" und andere „Judenblätter" ständig zu schreiben, was er übrigens mit den meisten Wiener. Antisemiten gemeinsam hatte. Im Oktober 1918 wurde er von der konstituierenden Nationalversammlung zum Staatssekretär der Finanzen ernannt; das Ziel,: die durch seine eigene Politik und durch seine Partei zerbrochene Wirtschaft zu ordnen, konnte er nicht erreichen und trat bei der Bildung des Kabinetts Renner im März 1919 sein Amt an Dr. Schumpeter ab. Bei beim Wahlen zur Nationalversammlung fiel er gegen einen Banernbündler durch und verbrachte seither einsam und verbittert seine letzten Lage. " Die Grenzen Palästinas. Telegramme. Kein anttjapanisches Bündnis zwischen Frankreich und Amerika. Paris, 21. März. (Funkspruch.) Die „Chicago Tribüne" brachte in ihrer Pariser Sonntagsausgabe die Nachricht, daß V i V i a ni beauftragt sei, Amerika ein Bündnis mit Frankreich vorzuschlagen, das gegen Japan gerichtet wäre. Der Pariser Vertreter der Kokusai-Agentur ist in der Lage, nach Rücksprache mit berufenen Kreisen diese Nachricht als erfunden zu bezeichnen. ‘ König Konstantin mobilisiert. Paris, 21, Marz. (Fmikspruch.) König Konßan- 11 n hat an das griechische Volk eine Proklamation er- Wep, m der er mitteilt, daß die Einberufung von d-rsi Jahrgängen angeordnet wurde, um die Truppen öer Orientarmee zu verstärken. Kommnnefeier in Paris. Paris, 21. März. Zur Feier des Jahrestages der Errichtung der Ko'mmune im Jahre 1871 wurde gestern von der k o m m u n i ft i s ch e n P a r t e i und einer Anzahl sozialistischer Organisationen deS Seine-Departements in Saint-Denis eine Versammlung. unter freiem Himmel veranstaltet. Da die Polizei Demonstvationsumzüge verboten hatte, löste sich die Versammlung, nachdem sie die Reden von Ploch, Cachin und Rappoport angehört hatte, die den Umsturz von 1871 mtt der russischen Revolution verglichen, auf. An der Versammlung, die ruhig verlief, nahmen nach sozialistischer Schätzung gegen 30.000 Personen teil. Chamberlai« — Führer der englische« Unionisten. ' London, 21. März Muter.) EhamberlM' w'Me einstimmig zur Führer der univnistischen Partei ge- Der Krieg in Irland. " Dttbün» 21. März. (Reuter.) Gestern abends wurde hi« von S i n n k e i n e x n rin militärisch« Lastwagen ryit Bomben angegriffen, die explodierten und zwei Soldaten töteten, sowie sechs verletzten. Die übrigen Soldaten des Lastwagens schossen hinauf und verwundete« drei Zivtlpersomn.; Bei einem Angriff auf einen anderen Lastwagen'machten die Soldaten gleichfalls von d« Feuerwaffe Gebrauch und verletzten vkL Aivilvrrknm, darunter^ - London, 20. Mürz. /Jüd. Korr.-Bur.) D'aS englische . Austonamt veröffentlicht dey Text des französisch-britischen Abkommens vom 23. Dezember' 1920, betreffend die Grenzregulierung 'zwischen den britischen und französischen Mandatsgebieten. In diesem Text find die Grenzen zwischen Palästina und Syrien bereits genau festgestellt. .; Der polnisch-russische Frieden. Warschau, 22. März. Alle Blätter widmen aus" führliche Artikel dem Rigaer F r i e d e n s s ch l u ß. Der „Knrjer Polski" betontH daß dieser Friedmsschlnß die g ü 11 i ch e A.u sc i n a n d e r s e tz u n g in dem historischen,Konflikt zwischen Polen und Rußland bedeute. Polen wird seine bisherige Politik den auf denTrümrnern des russischen Zarenreiches entstandenen Staaten gegenüber fortsetzen. Nevolutionaren und panslawistischen^ Programmen wird Polen immer das'Programm - der Freiheit der Völ.ker gegenüberhalten, auf 'das sich auch gleichzeitig die Regelung der Grenzfragen Galiziens und Litauens stützen soll. ' Der „Kurjev' PorannjÜ' veröffentlicht den Inhalt des geheimen Zusatz Protokolls, auf Grund «dessen den Polen die Zahlung von 27 Millionen Rubeln in Gold für bas nicht rückerstattete rollende Material garantiert wird. Die Sowjetregierung wird.vorläufig Kleinodien und Edelsteine im Werte von 30 Millionen verpfänden. Im Effekt wird also Sowjetrußland zusammen 60 Millionen Rubel in Gold an Polen bezahlen. - \-,\ ■ ■> :■ i -v;. : / ■; : i;; TschitscherLn über Herr Frieden. Warschau, 22. Mürz.. Aus Riga wird gemeldet: Rach Entgegennahme des Berichtes über den Friedensvertrag erklärte Tsch itscherin, das Ergebnis der Friedenskonferenz entspreche durchaus den friedlichen Intentionen SowjeRußlands. . _ ■ . Die Einnahme Kronstadts. Mosüarr» 21. März. (Funkspruch.) In Kronstadt kehrt daS normale Leben wieder zurück. Der Eisenbahnverkehr wird wieder'nach und nach ausgenommen. Heute fand um 1 Uhr anr roten'-Platze die Parade der roten Truppen statt, die von Dybmlo abgenommen wurde. Alle Sowjetinstitutioncn funktionieren bereits wieder. Machno geschlagen. - Moskau» 21. März. (Funkspruch.) Unsere Truppen haben die Banden Machnos zersprengt. Ueber zweihundert Mitglieder der Bande wurden niedergemacht, ebmsoviele, darunter Machno selbst, v«mundet. Das arme Minsk. Baranorvrtsch» 21. März (Wolff). Die w e ißruthe«ischrvAufstLndisch en besetzten am 16. d.M. Minsk. Die achte rote Division ist z« de» weißruthenischm Revolutionärm übergegangen. DO Aufständischen haben die weißruthrnische Volksrepublik ausgerufe«. Kütrrchtu — König der Mongolei. London, 21. Marz. (Wolfs.) Die „Times" melden, daß nach der Einnahme Urgas durch eine von dem russischen weißen Führer Baron Ungern befehligte Streitmacht der K u t u ch t u zum König dev Mongolei gekrönt und die Unabhängigkeit dieses Lantus proklamiert worden sei. Die polnisch-jüdischen Verständigungs- Verhandlungen. WUr schau, 20. März. (Privat.) Die Konferenzen der jüdischen Politiker zur Feststellung der jüdischen Forderungen an die Regierung, fanden heute ihre Fortsetzung. In der nächsten Woche sollen Besprechungen der, Regierung mit Vertretern der polnischen und jüdischen Presse in der jüdisch-polnischen Frage stattfinden, desgleichen eine gemeinsame Konferenz jüdischer und polnischer Journalisten. Als. Vermittler ftmgjert Dr. Rostig. Erklürrmge« Steczkowskis. Warschau, 21. März. Finanzminister Steczkow s ki legte in Gegenwart der Minister Sapieha und Wroblewski den Pressevertretern die Richtlinien der poluisch-jüdis chen Verhau blungen bar. Die polnische Regierung halte es für notwendig, die jüdische Bevölkerung für den Staat zu gewinnen. Zn diesem Zweck ist die Revision aller Gesetze und Ver* vrdnungen in Aussicht genommen, welche noch irgendwie die Rechte der Juden einschränken. Ebenso tverde an die Organisierung der jüdischen Gemeinden geschritten werde«. Der Minister ersucht die Presse, an dem Merke einer Verständigung zwischen den Polen und den Juden eifrigst mitzuarbeiten. Ci» Pogrom in Rußland. SBteWj.au, 20. März. (Privat.) Kr der stadt Dom brow'ka bei Minsk veranstalteten Bauer» einen Pogrom gegen die Juden. Die Zahl dev Opfer ist nicht bekannt. . ,;; '>;• j. Jüdische Selbstwehr i« Rußland. Dolnvlon, 20. März. '(Mb'. 5kvrr.-Bnr.) Die aus Rußland unter Führung Saltzinamrs znrüügekehrte Hilfsorganisation berichtet, daß in allen russischen und uftairrischen Städten jüdische Selbstwehrabtetlungen ..nraWTM^Wdm. Me. ÜM im der. anerkannt ivorden, die ihnen Waffen und Instruktoren zngewiüsen hat. Diese Abteifungeu haben , gar keinen politischen. Charakter und bezwecken lediglich den Schutz voir jüdischem Leben und Ehre. Gegend wärtig' gebe es in Rußland keine Pogrome. He antt-, bvlschewikisch'en Truppen des Generals Antonosf kämp^n unter der Devise: „sstämpset nicht gegen die Juden» die selbst leiden". . ■ /■ ■' ' ■ BatAM von den Türken geräumt. Konstantin op el, 21. März. (HayqS.) Die- Türken sostep- 33 u t a m geräumt haben, wo bereits Ableilimgen der georgischen roten Kavallerie echgetroffen sein sollen. Die Türken haben die Sowjetgciscln berfreit, die von der ftüheren georgischer Reginimg in Haft gesetzt worden waren. Die Koffer der rrrssischen HarrdelS- - MssisÄ. Nom, 21. März (Stefani). Die BehördeÄ haben gestern nachmittags 12 von dew 27 im Zollamt zurückgehalteklen Gepäckstücken, die der russisclien Handelsmiffion gehören, geöffnet und ein, große Menge von P er je u, Br i l l a n t e.n, G o l d. Di ad e m e ii, Pers e r t e p pichen und silbernen Medaillen vor sehr großem. Werte vorgesunden. Es wurde ein Inventar auß genommen. ,Die Uniersnchung wird morgen fortgesetzt werden Des einen Frend^ ist des andern Leid. Rom, 21. März. (Stefani.) In Triest wurde, gestern unter großer Begxisterüng die Füer der- Einverleibung Julisch-Venetiens in Italien begangen,. Laibach, 21. März. (Laib. Korr.-Bttr.) Gestern fanden in Laibach', in Agram und in Marburg:' T r a u e r k u n d g e b u n g e n als Protest gegen die am gleichen Tage in Triest ab gehaltene Emverleibungs-. seier statt. In der in Laibach' veranstalteten Versammlung, au der auch' Vertreter tschechp-sivwakischer, russi-D scher und polnischer Verbände teilnahmens nrunterten die Redner das jugoslawische Volk zur endgültigen Befreiung der gesamten jugoslaivischeu Nation aus. Die AhstiMMANg, in Dder?ch§LsteM. - Barlitt, 21. D^irz. Nach den bisher vorliegenden! Meldungen über die einzelnen Abstimmungskreise zeigen diese nach der. Feststellung der interalliierten Kommission folgende Ergebnisse: Rosenberg 24.200 deutsche Stimmen, 11.400 polnische Stimmen, Lublinik 15.100 (13.800), Krenzberg 4A.000 (2300), Darnowitz 17.600 (27.000), Groß-Strelitz 22.500 (22.900), Oberglogau 32.700 (4500), Koftl 36.300 (11.700), Gleiwitz 58.000 (32.000), Leobschütz 65.100 (300), Ratibori' 4-8.700 (20:700), Kottewitz 76.400 (69.800), Königs-. Hütte (Stadt) 31.800 (10.800), Beuthen 73.900 (73.500), Hindenburg (Jnowrazlau) 45.200 (43.000), Pleß 14.400 (41.000), Ribnik 28.500 (50.000), Oppeln.' 81.000 (26.000). : . , - Generalstreik iisi IndnstriereVier Merseburg. Halle a. d. Saale, 21. März. (Wolfs.) In der Oiachß zum Sonntag begann hie vom Oberpräsidenten angekündigte polizeiliche Besetzung des Jndüstriereviers des Regierungsbezirkes. Merseburg. Daraufhin. stellte die Mansfelder Arbeiterschaft der Schutzpolizei ein Mi--. ■; matnm, das Sonntag nachmittags ablief. Da es nicht beantwortet wurde, setzte heute früh der ^.Generalstreik ein. In einem Aufruf wird die Arbeiterschaft zum Gene-.- . ralstreik aufgefordert, bis die Schutzpolizei völlig au^ \ dem Bezirk zurückgezogen worden sei Eisleben, 21. März. (Wolfs.) Das hiesige „Tage^'' blatt" berichtet, daß zur heutigen Frühschicht die Belegs - schäften nur teilweise eingefahren seien. Der Paul-,s der Vitztum- und der Hphental-Schacht melden voll-!' eingefahrene Belegschaften. Auch die Hettstedtev Werke' sowie die Wansleben-Werke arbeiten. . Reichskynferenz dev Unabhängigen.) Beplin, 21. März. Gestern wurde im Reichstags-^ . gebäude die Reichskonferenz der unabhängigen sözia^^ listischerr Partei eröffnet, die bis Dienstag tagen svll.t '' Die Konferenz ist von ungefähr 200 Vertretern be^'' schickt. Zu Vorsitzenden wurden Crispien und Lede-i bour gewählt. Der Kongreß beschäftigte sich Haupts sächlich mtt der durch das Inkrafttreten der S an ktionen geschaffenen neuen Lage. Einen breiten Raunt' in den Beratungen nahm die Frage ein, wie sich! die; ' Unabhängigen zu einer etwaigen Besetzung weiterer! deutscher Gebiete stellen sollen. ' ' Die tschechisch-magyarUche«; Besprechungen. Pvatz, 21. März. „Pravo LidU" schreibt Wer dom. Versauf der Verhandlungen des Ministers des Aeußern Dr.-Be ne sch mit dem ungarischen MmisterprSsiLentew Del eky und dem Außenminister Dr. Gratzr Es ist nicht einmal so viel bekannt, um sagen zu können, wK die Formulierung her magyarischen Forderungen kautet U„nd welche Antwort der tschechische Außenminister getzebrn hat. Als selbstverftäiidlich kann angesehen Werders daß die magyarischen Versuche, betreffend politische oder territoriale Konzessionen, abgelehnll worden sind und daß die Verhandlungen ausschließlich auf das wirtschaftliche Gebiet zurückgeleitet wurdem Die tschecho-slowakische Republik ist weit entfernt von Reaktionen und Monarchismus, die jetzt im politischen Ungarn herrschen und jedes Kompromiß' mit diessrtz MW wüM M die. .i

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