Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 774 (22.3.1921)
- Date
- 1921-03-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979853--07048-2993061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
s f Men, Dienstag Wiener Morgenzeitrmg Ä2. M8rz 1921 Är. 77% Inland. jwerdsn. Zur Begründung feiner Anfrage ging Lord Lamingtoa auf die Geschichte der Verhandlungen mit König Hussein und Emir Faisul zurück. Die den Arabern gemachten Versprechungen seien im Mandat für Mesopotamien jbsrüässlchügt, soweit 'aber daS \ Mandat für Palästina M Betracht komme, könne der Redner nicht gruben, daß die Araber m Palästina tatsächlich gewünföWbätten, daß die nationale Heimstätte für die Juden so stE in Erscheinung trete, wie es geschieht. Dazu kommt, daß der Eirtflutz FränlxeichK m <Ä)rien das Mrßtrxmen der Araber weckt. * Namens der Negierung antwortete Staatssekretär Kord Curzon. Bezüglich Palästinas lerMrrte er: Zweifellos ist «s richtig, daß die Araber in Palästina vvrziehen wurden, die Zionisten überhaupt e«cht im Lande zu halben. Aber es ist als sin großer Akt der Sbaat«^olitik in einem frühen Stadium des Krieges beschloss«« worden, ebne DeRavatian zu gelben, die mit dem Namen von Mr. Balfour verbunden war« Diese Dellaration ist durch die anderen Mächte angenommen Wochen. Sie ist endgültig ^inverleiLt und wiederholt in den Bestimmungen des Vertrages von Sevres, mid rkpräseniievt daher zricht nur die hebräische Politik, sondern I die Politik der Alliierte«. Das Ziel unserer Regierung war feit diesem Zeitpunkt sicherlich die Wiedererschafftmg dessen, was daS nationale Heim in Palästina genannt wird, mit den Rechten deS arabischen Volkes in EinÄa-ng zu bringen. Diesem Punkt messe ich die höchste Bedeutung zu, und soweit eS mich angeht — Lnd ich hatte mit den Bestimmungen des Mandats sehr viel Au tun — war es mein Ziel, den Rechten, den Ansprüchen und der Lage derjenigen volle Gerechtigkeit zu sichern, die eine große Majorität der Bevölkerung des Landes bilden. Wenn die Frage der Juden bei Seite gelassen wich, so ist vermutlich kein Zweifel, daß die Araber in Palästina das britische Mandat jedem anderen vorziehen! Auch in Mesopotamien'und Syrien feien die Wünsche der Bevölkerung durchaus berücksichtigt worden. In Beautwor- Lung der Ausführungen von Lord Brhce und des Erzbischofs von Canterbury verwies der Staatssekretär auf die Rechte, die dem Völkerbund und dop» Rat des Völkerbundes durch Artikel 22 des Bölkerbundstsatuts Vorbehalten worden sind. Mit dem Mandat habe die Regierung zuerst vor de» Rat des VölkeckbmÄeS gehen müssen und dieser werde in vierzehn Tage« ikt Behandlung der Mandate in Angriff nchmrn. Wahrscheinlich wich der Rat des Völkerbundes an die englische Regierung dieselben Fragen richten, wie sie hier iw Oberaus gestellt Wochen sind, vielleicht wich der Rat Aenderungen Vorschlägen. Die Analogie zwischen Mandaten und Staats- Verträgen gehe weiter als Loch Drhce mrnehme. Die Mandate, jedenfalls die englischen Mandate, seien keineswegs nur in der Abgeschlossenheit des Amtes ausgearbeitet worden; als die Mandate veröffentlicht wurden, fanden sie in der Presse aller Richtungen unerwartet günstige Ausnahme. Was mit den Mandaten nach der Annahme durch den Völkerbund geschehen wich, lasse sich nicht genau sagen; vermutlich würde das Parlament ausgefordert werden, eine» allgemeinen AuSdnrck seiner Meinung zu formulieren, Sollte sich gegen eine besondere Bestimmung im Mandat eine stäche Gegnerschaft zeigen, so würde das wahrscheinlich auf. die Regierung tmn großen Eindruck machen. Aber es fei kaum anzurrehmen, daß das Parlament die Mandate, wenn sie vom Löl keckbundrat mit oder ohne Aenderung akzeptiert such« in Stücke reißt, v Hieraus schloß die Debatte in der üLtzchen Weist. Das Haus war schwach besucht urw es kam memanh zu Wort, der sich durch sein Interesse für die zionistischen Forderungen besonders ausgezeichnet hatte. Daist zum Teil darauf zurückzuführen, daß die stärksten Freunde des jüdischen Nationalheims nicht hier, sondern im Unterhaus sitzen. Dip Debatte war aber jedenfalls von nicht zu unter» schätzender Bedeutung, sowohl was die Aussprache über di« LerhÄtnisse im Palästina grchmgt. als auch was piy Stellung betrifft, die hervorragende Mitglieder des Hauses zu dem MarchatsshstMr überhaupt einnehmen. Politische Rundschau. „Kurjer Polstt" über Me Verständigungsaktion. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen rnch die jüdischen Abgeordneten deS polnischen Landtages haben un» auSgesetzt darüber Beschwerden geführt, daß er Hauptfach, lich die rechtsstehende polnische Presse sei, welche durch ihre Hehartitel die Verständigung zwischen dem jirdi» schen und polnischen Volke erschwere ob« gar unmöglich mache. Anfangs haben die jüdischen Politiker diese Giftpfeil« der polnischen Hetzblätter resigniert über sich ergehen lassen. Äs sie endlich zur Neberzeugung gelangten, daß auch in dieser Frage der Hieb die beste Parade sei. Dann kam die VerständigungSattio» in Fluß. Es ist bezeichnen für die Sinnesrichtung der polnischen Presse, daß sie, und zwar nicht nur die gemäßigtere, sondern auch die äußerste Rechte, welche über Juden in urbaner Weise überhaupt nicht mehr schreiben konnte, sich über den »Ton* der jüdischen Presse und per jüdischen Politiker beklagt. Im »Kurjer Polstt* widmet Stanislgw Sarnecki dieser Frage einen längeren Artikel, in welchem er die Vermittlerrolle Zwischen den Helden Lagern übernimmt und Heide zur Mäßigung Lnggtznt, KM» Mt &MMU oiI*A »Von polnischer Seite wurde für die BerstandigungSaktion ein doppeltes Losungswort auSgegeben. DaS eine lautet „Tete - a - tete", daß zweite „do ut es". „Tete - a - iete" bedeutet, daß die Juden mit uns direkt unterhandeln mögen, weil wir darin den einzigen Weg zur Verständigung erblicken. Kas beweist jedoch iroch nicht, daß wir unsere Augen verschließen vor der Tatsache, paß die Juden, welche sich ass volle Bürger Polens fühlen, sich auch als einen Teil des großen rassenreligiqfen. Stammes suhlen, welcher über die ganze Welt zerstreut und eben im Begriff ist, sich in Palästina ein staatliches Zentrum aufzübauen. Wir behaupten durchaus nicht, daß dieser Teil der polnischen Gesellschaft durch seine Auffassung Polen feindlich gesinnt sein muß. Umgekehrt: wir sind der Meinung, daß die heutigen. Reibungen vorübergehen werden, und wir halten es für unerläßlich, daß die Verständigung mit den Juden sich auf das gesamte Weltjudentum erstrecke. ES müssen bei uns die mittelalterlichen Märchen über die Juden als ein Vost hon schrecklichen Mördern, die Legenden über den Talmud als eine geheime „Magna Charta" und der Unsinn von der jüdischen Herrschaft über die ganze Welt ausgemerzt werden. Polen, welches nunmehr in die Weitpolitik eintrttt, darf diesen Faktor nicht vernachlässigen und sich seiner ebenso bedienen wie die anderen Staaten, das heißt im Wege der eigenen Bürger« Diesen Weg halten wir für notwendig und wünschenswert." Auch gegen die falsche Interpretation des Prinzips von »do nt es" wendet sich Sarnecki, indem er sagt: „ES kann bei einer solchen Aktion keine Rede sein von einem politischen Geschäft oder einem Kuhhandel. Wip können heute nicht daS, was wir in der Verfassung vom 3. Mai schon einmal gegeben haben, wieder verkaufen." Sarnecki schließt seinen Artikel mit der Feststellung, daß^die Verständigungsaktton mit gewaltiger suggestiver Kraft vörwärtsschreiie und hegt den Wunsch, daß sie die Verständigung auch hevbeiführen möge. Die jüdische Presse Polens bespricht den Artikel Sarneckis, dessen Sachlichkeit anerkannt wird. Sie weist jedoch den Vorwurf, im Kampfe nicht den richtige» Ton gefunden zu haben, zurück, .indem sie es als eine Charakterlosigkeit bezeichnet, wenn die jüdische Presse nach all dem vielen jüdischen Mut. welches infolge des aufreizenden Tones der antisemitischen Presse fließen muhte, nicht mit heiliger Entrüstung und mit Mannesmut gegen die Duldung' dieser Aufreizungen Stellung gekommen und hie Rechte ihres Volkes vertreten hätte. Der rote Terror gegen hie Jude« in der Ukraine. Der Nkrainihtze Pressedienst meldet: Der Präsident des Hilfskomitees zur Unterstützung der jüdischen Bevölkerung in der Ukraine I: Drachler wendet sich in einem offenen Schreiben an die Juden in Amerika- und schildert die gegenwärtige Lage der Jude» in der Ukraine folgender¬ Heber der jüdischen Bevölkerung in Podoilien schwebt der Geist der Vernichtung durch den »roten Terror". Zahlreiche TschereSwhtschajka-Abteilungen mit Hunderten von Agenten wüten in den Städten und Städtchen. Mehr ÄS Sv Prozent der jüdischen Bevölkerung dieses Ortschaften werden zur Bourgeoisie gerechnet, als Spekulanten behandelt, ihr Vermöge« imld sehr oft auch ihr Leben sind der Willkür der TschereS? whtschajka ausgeliefert. Vor nicht langer Zeit, am 19. Jannsr l. I., hat die- Tschereswhtschajka 4« Kamenotz Podölsk Iß Personen, darunter Jakob W e i n b a u m. MoseS G euch mann und Israel Feld mann erschossen unschön ist eine neue Liste von 85 zum Tode durch Sr» schieße nverurteilten Personen ferttggestellt. Dasselbe geschieht in arideren- Ortschaften -PodoNens. Alle Gefängnisse sind überfüllt. Hunderte -warten l auf den Transport, der sie ztr schweren Arbeiten in die weiten russischen Gorwernements führen soll. Di« Atmosphäre der Provakatio« und de» Frevels, welche durch die Dschereswhtfchajka geschaffen wurde, treibt die jüdische Bevölkerung zur Emigration. Di« Emigration wird aber amtlich verhindert. MralMch-jüdrsch? Emigranten an Präsident Harding. Aus Wat schau wird UNS berichtet: Warschau ist gegenwärtig ein großer Sammelpunkt von jüdischen Flüchtlingen aus allen Teilen des ehemaligen russischen Reiches. Sie alle leiden Not und leben in Unsicherheit wegen ihrer Zukunft. Am entsetzlichsten leiden die jüdischen Flüchtlinge aus der Ukraine, welche hier schon seit. Wochen auf die Möglichkeit warten, nach Amerika auszuwandern.' Es sind unter ihnen nicht nur solche, denen zur Zeit der großen Pogrome das ganze Hab und Gut vernichtet wurde und die überhaupt nicht mehr zurückkehren können, sondern auch solche, die unter dem Zwange der Verhältnisse alles, was sie besaßen, verschleudert haben, um nur mit heiler Haut der ukrainischen Hölle zu entrinnen. Sie alle haben in Amerika Verwandt« und auch die Mittel zur Ueberfahrt stehen ihnen zur Perfügung. Aber das amerikanische Konsulat verweigert^ihnen bas Paßvisum, wodurch ihre Lage trostlos geworden ist und eigentlich eine Rettung aus dieser Situation kaum gesunden werden kann. Bor einigen Tagen fand nun hier eine Versammlung dieser Flüchtlinge statt. Sie fanden keinen anderen Ausweg, als aus der Versammlung eine Depesche an den neuen amerikanischen -Präsidenten Harbing zu entsenden und ihn flehentlichst zu bitten, ihnen die Einreise nach Amerika zu ermöglichen. In den dem amerikanischen Konsulat nahestehenden Kreisen , wird jedoch daran ge- Mayr verzichtet auf Le« Anschluß. Paris, 21. März. (HavaS.) Ueber die Unterredungen, dich dieser Tage zwischen Dr. Mahr und Lauche«r stattgtt fu-nden haben, gibt der „Matin" folgende Emzelhyfteu: Di« platonischen Versicherungen, die der österreichische Bundes» kanz-ler betreffs Ernährung und den Wiederaufbau seines Landes in London erhalten hatte, haben ihn dazu -bewogen, i« Paris klare Forderungen zu stellen. Pie Unter» redung, die binnen kurzem hier mit Briand stattfinden soll, wird das Programm Dr. Mayrs richttgstellen, und zwar, endgültig. Dr. Mahr bat Frankreich, Oesterreich ein Jahr lang ungefähr 200.000 Tonnen Kohle von den deutsche» Lieferungen zu überlassen. Er hoffte mit diesem Kredit im Anschluß an die seinerzeit von den Vereinigten Staate» und^England gewährten Kredite und einigen finanziellen Zu» satzverfügungen, daß Oesterreich bestehen könnte, ohne zum Anschluß an Deutschland gezwungen zu werden. Die finanzielle Frage verschwindet vor dem politischen; Interesse. . . Zum Schluß bemerkt der „Matin", daß Frankreich besonderes Interesse daran habe, in der kleinen Donaprepublil im Eisenbahnzentrum Mitteleuropas Kunden und Freunde zu haben. Der Präsident der Republik und -ie Minister haben Dr, Mayr ihrer Freundschaft versichert. Paris, 21. März. isHavas.) Bundeskanzler Dr. Mayr stattete heute in Begleitung der Bundesmrnister Doktor Grünbergör und Dr. Grimm sowie des österreichischen Gesandten Eichhoff dem Mnisterprästdenten Briand einen Besuch ab. Vorher war der Bundeskanzler beim Kammerpräsidenten Raoul Per et erschienen. «. Paris, 21. März. Die meisten Blätter beschäftigen sich mit. der österreichischen Frage und heben hervor, daß die Oilf $ eine notwendige Versicherung gegen eine Zukunft bedeuten würde, die Frankreich vor schwere Sorgen und kostspielige Entschließungen stellen konnte Die Blätter weisen darauf hin, daß die Zeit der Worte. vorüber sei und nur schnelles, praktisches Handeln im Sinne der Londoner Beschlüsse Oesterreich als selbständig gen Stqat erhallen könne. Insbesondere wird auf die KyhltznauShilfe hingewiesen, die Oesterreich er» bitte, hln den Unterredungen, die der Vur'deskanzler den Vertretern der großen Tageszeitungen gewährte, legte ev das Schlvergewicht gleichfalls auf die Kohlenfrage. Abreise des Kanzlers nach Bern. PMS, 21. März. (H-avaS.) Bundeskanzler Doktoy! Maya: und di« Bundesminister Dr. GrünbergeÄ und Dr. Grimm sind heute abends nach! Bern abg^! reist.; . ,;; Ern 10v-MiMoneirs2Kilehen für das Landj Niederösterreich.! Der Landtag von Nirdnösterreich-Land gmehmigte gestern ohne Debnte die Erhöhung per LustbarkeitSy ste»er. Ferner gelangte ein DringlichkeUsanirag des Abg^ S r g « r, bMessend die Aufnahme - eines u n v e r z i n IM leche« lüg» M i l l i v n e « - A n l e h rn s für laufende! Angelegenhetten des Lande-, zvr Annahme. Zum Schlüsse dev Sitzung wurhe ein weNerrr DringÜchkeitsantrag, betreffend bie, Gleichstellung der Land'csdtnsiynisten mit den Staatspmnonissen, auf Grundlage des Beschlusses dch Narionalrares vom 17. M8rz 1921 anaenomMen. »- Die nächste Sitzung studrt heute vor«! mckaes stgttt .- . Die österreichisch-tschechische« Handelst vertragsvrryandlunge«. yeber die Wiener wirtschaftlichen Verhandlungen zwischen der Tschecho-Slotvakei und Oesterreich erfahre» wir von informierte« Seit«, daß die Konferenzen sehr gründlich geführt werden und all« Interessen der verschiedensten Jrchustriezweige in Betracht kommen. Die Majorität her tschechv-slowakischen Industrie verlangt: hie Oeffnung des österreichischen Marktes, der bisher durch die verschiedensten Perboir gesperrt war. Einzeln« Industriezweige verlangen wieder Schutz vor der österreichischen Einsirhr. In der erste» Beratung über die Wareneinftihr haben beide Parteien ihre prinzipielle Geneigtheit zur gegenseitigen Ein- und Ausfuhr erklär^ ohne daß das bisherige Evidenzsystem geändert werde. Die Verhandlungen werben in drei Sektionen geführt und man erstrebt eine Einigung auf der Gruitdlag« der gegenseitigen Erleichterungen. Bon tschecho-skowakischer Seite werden die Verhandlungen vom Ministe« Dr. Schu st er, von österreichischer Seit« vom Minister Heinl und Sektionschef Riedl geführt. An den Mr- Handlungen nehmen Vertreter alter interessiertem ösierreichrschen Ministerien teil. Die Berhaudlungeu über Westrmgrrrn. Ein« amtliche ungarische Meldung besagt: Die zwischen Oesterreich und Ungarn in Budapest vom 1v. bis 21. März fl»tgefetztey fachtechnifchen Verhandlungen über die weftunga» rische Frage gaben beiderseits Gelegenheit, die bei der letzte» Zusammenkunft empfangenen Eindrücke zu verwerten und dry > Stellungnahme der beteittgten Negierungen zu präzisieren., Die ln freundschaftlicher Form geführten Verhandlungen berechtigen zu. per Hoffnung, daß die Fortführung der Besprechung, die für die Zeit nach Ostern geplant ist, zu eine«; Annäherung der beiderseitigen Mffaffungen führen wird. zweifelt, daß MMent MM