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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-21 · Heft 773 (21.3.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 773 (21.3.1921)
Date
1921-03-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wie», Montag Wiener Morgenzsitnng '2i. YMz 'ISU mi.ivar-iVyrKaa /Stt. 773/ ♦ - p~"—'“'N war «och immer der größte Anhänger der Freigeiftigtelk/ Dennoch begann er zu merken, daß der alte böse Trieb! seiner Jugend in feinem Herze« wieder Platz genommen hatte, aber eS war ei» verkehrter böser Trieb, ein böser Trieb, der LH«zp Aüdischkeit, FrSmMgLeft Thora zog. ' Seine Tätigkeit' begann mit dem sogenanrr Nationalismus. Man -an« gewiß ein Freidenker i . ein Weltbürger »sein, aber dys eigene Volk steht einem doch Iräher. Das ist Gefühlssache, welche die Wissenschaft nicht ableugnen kau» und mit der sie rechne» muß. .. Worin besteht aber.doS Nattonaljüdische? Im Sabbat, den Feiertagen msb anderen Bräuchen deK Volkes. > Vnb wenn es Freitagabend wird, da spürt Avon genau so wie tu seiner Ztnabenzeit, daß der böse' Trieb! sich an ihn heranmacht: Warum soll deine Frau nicht die Lichter segnen? Darin liegt doch so viel Poesie.. . Und als Leon an einem Laden vorbeikcnn, in Hessen Schaufenster Sabbatlenchier ausgestellt waren, da ihn der böse Trieb und Leon hatte nicht die Kraft,' ihm Widerstand zu leiste». Er Mt tu den Laden und' kaufte vier richtige jüdische Leuchter... Er kaufte fte'F vorgeblich alS Prunkstück. Das war aber nur eine List x des bösen Triebes... Denn als er sie nach Hause brachte »mb seiner Fra» Mn Geschenk machte, murmelte W ,Hier, die habe ich für dich gekauft... Vielleicht willst du am Freitag abends die Lichter segnend! Menu du Kidusch machst, will ich die' Achter ftgneu," stellte die Fra» zur Bedingung. „So?" erwiderte Leo« lächelt. „Das kannst du habe«. Ich habe im Labe» einen sehr schönen KLwsch* becher gesehen." Eines Tages lud er am Freitag einige ftimch „fteigeistigen" Bekannte« zu sich' ein, goß scherzweise! Wein aus einer Flasche in de« Kiduschbecher nnd sagtet ^Jch will eümml probieren, ob ich noch KiduW machen kann..." j De« Gäste» gefiel der- Vorschlag: Ktdnsty „ ist ein interessanter Zeitvertreib! . . . Ju Leo» war der böse Trieb schon übermächtig geworden er machte den Ktdusch' mit ernster SK&tte und dar alten jüdischen Melodie. Er war ht seiner Rollej drinnen, daß die FrettagSgäste vergasse», es sei bloß? ei» Spiel. Und als Leon zu Ende war, hatte« fwj! beinahe „Arnen" gesagt; glücklicherweise erinnerten si« sich im letzte» Moment, dies wäre ein großes Oer*] breche». I 1 Nach dem Effien rannte der H öfe Trieb' Liettn wäre Gelegenheit, das Tischgebet zw sprechen." Und scherzend sprach Leon zu seinen Freu»-! hon, Mabojssaj, wir wollen benschen!" *) ' 1 Uber da mischte sich! der gute Trieb »kn und' Red «f nicht zur „5Du gehst zu weit, Lev» ..." Die Edü spräche des gute« Triebwirkt». Lev« ging nicht weiter/ Uber mit jedem Tag fühlt ix, daß der bös» zur Jüdischkett bei ihm stärker wird. Bor _w_. Tagen erst ist« de» Abends « einem Beth-Hamidrasc vorübergegangM «» konnte sich mit Mich» zvxüc (Sitte DrmttzLatastrophe. Da» Dorf Grafenschlag oogebrannt. — Die, Perfvnens Opfer Pro Brandes. Die Wielen Wienern^bekannte Ortschaft Grafevschlag bei Zwettl ist gaml ichniedergebrannt. Von 62 Häusern, welche der Ort zählte, find 86 abgebrannt. I» de» Nammen habe» vier Mensche» hen Tod gefunden, ein Greis und eim Fra« sowie zwei Mnder. Ueb« 300 Mick Dreh find zugrunde! gegangen. Der Riesenbrand ist im Anwesen des Besitzer- C i n* siedler Freitag um 9 Uhr früh zum Ausbruch gekommen und eine Stunde später war der gcnye Ort te ein Flammenmeer gehüllt, denn der heftige Sturm brachte emit sich, daß sich der Brand mit rapide» Schnelligkeit verbreitete. Die Feuerwehren aller umliegenden Orte ruckten aus, doch war eS ausgeschlossen- Hilfe zu bringen, da die Hitze jedes Vordringen unmöglich mochte. Dir Ortsfeuerwehr Grafenschlag konnte nicht in Aktion treten, da daS Spritzenhaus selbst brannte, Die Frau,.dst in den Mammen umkgm, ist allem An^ schein »ach bei dem Versuch, einen Teil ihrer Habe z» retten, zugrunde gegangen. Der Mann war ein gö^ brechlicher achtzigjähriger Ausnehmer.' Zwei Kind« sind abgängig nnd eS muß leider angenommen werdet daß auch st« den Tod in den Flammen gefunden haben. * Ä. " 1 Die Verzweiflung der um ihre ganze Habe g«-l brachten Bevölkerung ist unbeschreiblich; nicht nur viq Wohnhäuser, sondern alle Scheunen, Schuppen tmtf Stallungen find vernichtet. Auch die Kirche ist abgebrannt, der Kirchturm ist eingestürzt. Stehe» geblieben ist nm die Schule, der Pfarrhvf Md einige Anwesen außerhalb deS Orte». Der Gesamtschade wirds nach Millionen beziffert. > In Palästina. 'i De» ^Hapoel HagNiN' Ar. N mtnehm«» wir auszugsweise den folgende« T_„ . „ . Artikel tarn Z. Libermaua. \ |Qr Sc» hewen letzten Monate« hat die Einwanderung aufgehört. Die Ursache dieser Erscheinung liegt m -er jLperre der Tore, die j« Warschau und Kischrnew beginnt ftnd in Jaffa und Haifa endet. Auf Umwege«, durch Mtzen Doch Spalte», dringen noch eisige Dutzend wöchentlich ins Land. Da» ist das Tempo der Stuwaudenmg «den letzten gwpj Monaten. In den letzten zwei Monaten sind gegen 1000 Menschen Saß Land gekommen. Und obwccht der Strom der Immigration fast ganz auftzchort hat, war die Lage des Arbeitsmarktes nicht nur nicht glänzend, sonder« gewifsermaßea «Uh kritisch Hunderte Gesoffen konzentrierten sich auf einige« Orten, verlangte« Arbeit «nd bekamen, keine. Müßiggang. Not und die ungellärie Lage b%6 Arbeitslosigkeit machten besonder» die neuen Ankömmlinge ganz mißmutig, die voll Energie und Hoffnung da» Land betreten hatten. Die Ursachen war«: fÄgende: 1. Dis Regenzeit. I» dieser Periode hört die Bautätigkeit auf und hunderte Arbeiter werbe» vo» der Arbeit entlassen. 2. Die UebergangSzett zwischen dem Aufhöre» der praktischen Arbeit durch die Parteien imb dem Beginn der Arbeit durch die neugegründete allgemeine Arbeiterorganisation. Die Vorbereitungen zur allgemeine» Konferenz, die Konferenz selber, die Liquidation der alte« mW die Errichtung der neuen Institutionen, die Besetzung der verschiedenen Posten — das alles raubte viel Zeit und Energie, beeinflußte ungünstig den Gang der alten und verhinderte die Aufnahme von neue« Arbeiten. 8» entstand ein gefährlich« Zustand, d« die nmt Organisation ganz hätte lahmlegen Annen — der vierte Teil diese» neuen Körperwar arbeit»- Jpf. Geldmangel, Verzweiflung, Klagen ustv. Ende Tebeth waren an folgende» Orte» Arbeitslose: r In Jaffa (meistens neue) zirka 800, in Haifa CTO, i» Jerusalem Sk i« Dttb 48. i» Mschoa 80, in Petach-Nkwah 36, in VberiaS 100, tm untere» (BaW 80, zusammen 1S70, -SW. Im Monat Tchewat (mzwffchen haben die «eugegrünbeten Slemter die Arbeit ausgenommen) habe» Arbett bekmmnenr 1. Durch daS Katt für öffentliche Arbottr»; i« tzawne zirka 200, in Sarpand (Eisenbahn) 180, Thauffee TiöericrL— Femach 60, Chauffee' Afula 6P, zusammen »60; L. durch das Amt für Arbeitsvermittlung: Fachleute und ungelernte Arbeit« 800; 6. durch eigene Initiative 400, zusammen *a».. Am 1. Adar Ware» arbeitslos: In Jaffa zirka 200, in Jerusalem 80, in Haifa 100, in Tiberia» 80, zusammen zirka 400. In den Kolonien gibt es fast keine Arbeitslose«. SS ist Hoffnung vorhanden, den llebriggebliebenen im Laufe d« nächfwn oder zweitnächsten Woche Arbeit zu dev- Waffen. Die Krise ist vorüber. Fast alle attbekte». W» Bedingungen find zwar nicht überall sonderlich gut. ab« auch dies läßt sich bessern. Und die Einwanderung stockt! Nnd waS besonders schmerzlich ist, es fehlt auf unserer Seite an Wärme und Begeisterung, es fehlt die permanente» ununterbrochene Förderung, und es ist sehr zu bedauern, daß viele von unsere» guten Genoffen infolge d« st^oierige» Lage indifferent werden gegenüb« der Immigration, die für »»S da» Um und Aus ist. Nichts soll uns daran htnden, die Mauer, die die Tinwanderur^ sperrt, niederzuveißen. Auch jetzt» rck^war die letzten zwei Monate nicht rosig waren, «üffe» die Arbeit« Errz Israels ihre Stimme erhebe« «ü> verlange», daß bt» gm» nächsten Frühjahr, das heißt in den kommende« drei di» vi« Monaten, nicht weniger als IOjOOO Arbeiter und Lrbeiteriannen in» Land kommen« pnd Arbeitsgelegenheit- Mittel «sw.? — Bor allem sollen fte Kitt. sein. Die österreichischen GroßdeuLschen gegen die Londoner HilfsaMon. — Mahr hat $«t London „Boiksoerrat" getrieben. Gestern, am Tage der Volksabstimmung i» VkerfchlesieN. fanden in Wie» im Zirkus Schumann rmb im Dreher^Saal zwei große von der Großde nt scheu Volkspartei veranstaltete massenhaft besuchte Versammlungen statt, die Sympathiekundgebungen 'der Deutschen Wiens und Deutschösterreichß für das Deutsche Reich darstellten und in der einmütigen Forderung nach A ns chlutz ^Deuts chö sterreich» an da- Deutsche Reich gipfelten. In der Versammlung im Dreher-Saal auf der?öandstraße sprach auch außer anderen Rednern zur» Schluß Abg. Dr. Waneck, der unter anderem erklärte, daß, wenn nur ein Teil der Nachrichten wahr sei, die über das Verhalten des Bundeskanzlers Mayr in London gerneldet werden, hier der nackte Volksd e r r a t festgestellt werden müßte. Bundeskanzler Doktor Mayr werde sich vor dem Parlamentärs scheu Ausschuß für Aeußereß zu verantworten ha b"en und die Großdeutsche Volks- Partei werde dieser Verantwortung entsprechend Gelegenhett haben, ihre Stellung zur Regierung einer ttientuell nötigen Revifian £.» »g£e,t« priüJUft. MürnÄLer KMlU Im Sinne der Ausführmrgen der Redner wurde eine Entschließung angenommen, in der der entscheidenden Bedeutung Obei-schleffenS für Deutschland gedacht wurde. Die Enffchließung fordert mtt aller Scharfe, daß endlich in der nachösterlichen Sitzungsperiode der von den großdeutfchen Abgeordneten elngebrachte Gesetzentwurf über die Veranstaltung einer Volksabstimmung Mr den Anschluß sofort zur Erledigung gelange. Di« I^lekreichische« Alldrulschr» find in ihrer Mentalität —- köstlich. Dr. Mayr bemüht sich iu Lyfldo», Oesterreich aus seiner jetzigen deroute» Lage zu bringen, die Großmächte unterstützen diese Bemühungen, und dies alles nennt der Alldeutsche, mit dem slawischen Ramm Dr. Wan eck,, kurz entschlosien und—naiv: VolkSverrat. DaS deutsche Volk wäre wirtlich schwer gestraft, wenn eS nur solche Führer hätte. Sie sind, wirklich Großdeutsch geworden die Herren alldeutsche» Ehauvmisten, trotz aller Verfolgungen der letzten Zähre. Dr. Otto Stelnwe«der gestorben. Gestern ist in Villach der ehemalige StaatSsekretör für Finauzm Dr. Otto Steinwender im Alter von 74 Jahren gestorben. Der Verblichene war lange Jahre hindurch im alten österreichischen Parlament Budgetrefereul und seiner poltischen Gesinnung nach Dentschnattonaler. Nach dem Umsturz wurde er UnterstaatSsekretür, bewarb sich bei den Neuwahlen um ein Mandat in den Nationalrat, fiel aber durch. Steinwender war einer der gescheiteren Köpft in der deutschrmtionale« Part«, der eS an Größe» immer «angelte. WM g«r«ck»»toS ZitrolinpAlver (vo» BvnvrSsioistnvr« für SM»ernäbn»o «mtrr Nr. Mt »«nligv, yoneügNcb für «t Nücke» n» r«, tsanti, SbMBtbc, «tfrsKmon osenrbehrlich. tlederaN erdMMebl Sl.rLwt»FsvttLaae SA.». DEUTSCH, Wien O. Bezirk, Ettsabethprometnrb« Nr. 4| Der amerik. Einheitsanzug der modernen Menschen.Orig.Modell von K 2500 aufw. nur iV^ Weyringergasse 29 Tagesbericht. Der alte bSse Trieb. Eine HmsorrSke von Abraham Aeife». / Nische als Knabe wußte Leibek, jetzt Leo«, tfo# fei Herzen des Mensche» zwei Engel sitze«; einer heißt der gute Trieb, der andere der böse Trieb. Der gute Trieb sitzt ün rechten Winkel beS Herzens, der böft im linken. Der gute Trieb zwingt zu sündigen, der böse Gutes zu tun. In seiner Kindheit hatte LePl mehr mtt dem bösen Trieb z» tun, der gute Trieb' zwang nie zu etwas. MS er zehn Jahre alt wurde und morgens schon beten mußte, da rührte sich der gute Trieb überhaupt nicht, als säße er gar nicht im Herzen. Der böse Trieb aber arbeitete mit Volldampf. Und oftmals erreichte er fein Ziel uick Leibl aß — natürlich, heimlich, ohne baß die Mutter eS sich — vor dem Gebet. Ein paar Jahre später, als Leibl in die Jeschiwah gehe« mußt», btt erhob sich der böft im Herze» Und ließ Leibl ntzht i» die Jeschiwah, sonder» flüsterte ihm ein, Leber fe de» Wald xn gehen . Der gute Trieb versuchte rin Wort einzmoersen, aber er strengte sich nicht sonderlich an, sagte nicht mehr als ein Wort. Der böse Trieb aber nahm Lttihl beim Kragen: den Wald! In den Wald! Doch später, als Leibl, noch ohne Wisftn von Baker und Mutter, zu rauchen begann nnd Freitag abendeine Zigarette bei sich hatte, da packt» ihn gleich, «ach dem gute» Nachtmahl der böse Trieb »rck schleppte ihn in den Hof hinter die?8chen« zum Rauchen. LeiblS Furcht war jpveifiach: Erstens mischte sich der gute Trieb ein und riet ihm ab, zweitens hatte Leibl Angst, der Vater könnte ch» erwischm; dann wäre es um seine Anochtzn geschehe». Aber der böse Trieb erreichte sein Ziel, Leibl raucht» eine Zigarette am Sabbat und bmm schwand auch sch» die Furcht. Noch später aber hieß Leibl schon Loon. <8x fegte es darauf an, ein Mensch zu werben und studierte bei Lehrern und auch allein. Daun fuhr er in die weite Welt, kam «ach Amerika und dort ,-entwickelte" er sich in radikalen Kreisen. Die Religion fegte er gänzlich ab, aber nicht jo leichtsinnig wie ei» grüner Jünge, sondern aus Ueberzeugung. Leon war dessen gewiß, die Religion sei ein Unglück für die Menschheit, eür Schwindel der herrschenden Klassen, um das Proletariat zu verdummen... Und alles, Ms er gegen die Religion tat, geschah ganz ohne Zutun des bösen Triebes, sondern nur. aus der reinen Beruunft... So verginge« die ID«. Leon stand in der Mitte des Lebens. Im Laufe der Zeit hatte er sich ftfte Ueberzeugungcn er- Mrtfe itoiitithW h4ß mhA;■ igUjf ffiI*t,tTtt- JPPWTIßIWBr^ - .UW» Der Dirb als Am W. d. M. wurde auf viiischrettrn der Arbeiterräw tfofof PlaSkurS nnd Johann Z‘r»^9 des Materialmaga-» zins FlovidSdorf der Magaglmsmedfirr Aipis der«! haftet. Cr war beschuldigt, auf Grund lr^»"ngSgemäßen FaffungKscheine» 3808 KÜogvamm Echtvarzblech üuj *)' TraüitWNÄue KortMr...Mit der das Tikbaebet einj' 'yw "P wmmäMäa

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