Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 771 (19.3.1921)
- Date
- 1921-03-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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>5. TOtat, vamsray Wiener Morgenzettm»- ». Msr, tm v ’ bs wurde weiters beschlösse», die Frage der Volksabstimmung über den Anschluß an das Deutsche Reich rvach Len parlamentarischen Osterferien sofort im Ausschuß zur Behandlung zu bringen und auf die verfassungsmäßige Verabschiedung dieses Gesetzentwurfes 4u drängen. _ Politische Rundschau. Die Ermordung TalaaL Paschas. Die Ermordung des gewesenen türkischen Groß- 'wesirs Talaat Pascha in seinem Berliner Exil pellt sich als ein politischer Racheakt dar. Ein.armenischer Student, dessen Eltern von türkischen Gendarmen erschlagen worden waren, hat den einst so mächtigen Mann iniedergesch-ossen. Talaat Pasch« hat sich von Mem kleinen Telegraphenbeamten in Saloniki zum alt- Mächtigen Minister emporgeschwungen. Sein Ausstieg beginnt in der Zeit der jungtürkischen Revolution/ deren hauptsächlichste Vorkämpfer neben Talaat noch Mnver, Nazim Bei, Mahmud Mukhtar Pascha . Und Achmed Riza waren. Die Ereignisse dieser Revolution stallen in die Zeit vor dem ersten Balkankrieg, in welchem die europäische Türkei in der Frist von vierzehn Tagen zertrümmert wurde. Der rasche Erfolg dieses Feldzuges war nur der jungtürkischett Revolution zu danken, die auf. rein militaristischer Gnrichlage fußte und vom Mrkischen Volk kaum verstanden, viel weniger getragen wurde. Die türkische Kammer war eine Vereinigung von Großgrundbesitzern und von Vertretern der MichLtürtischen christlichen Balkanvölker. Die Führer her Revolution gedachten, mit den Waffe;: eine neue Türkei zu schaffen. Ihr Erfolg war zunächst der Krieg Mit Italien, dann der Balkankrieg und schließlich die .Anteilnahme des türkischen Torsos an dem Weltkrieg. Der Vertrag von Sevres ist das vorläufige Ende. jEs ist möglich, daß es zu einer Revision kommt, die »aber bestenfalls nur mehr die Umgebung von Konstantrnopel und den Küstenstrich von Smyrna an die Türkei zurückbringen witt). Ihre alte Größe und Welt-' Machtstellung kann die Türkei nicht mehr erreichen. Nhre Zukunft ist außerordentlich düster. Das Attentat auf Talaat Pascha ruft der Welt die schrecklichen Leiden der armenischen Nation Mieder ins Gedächtnis. Seit es eine türkische Frage gibt, hat man stets von armenischen Greuel» gehört, die, ähnlich wie die Judenmetzeleien, immer nur an den Armeniern verübt worden sind. Sie traten aber rm Weltkrieg mit einer Intensität hervor, für die es in der Weltgeschichte nur »och das Beispiel der Neger- Verfolgungen* gibt. Eine Million Armenier ist in der kurzen Zeit von kaum zwei Jahren in de» Tod getrieben worden. Die offiziellen türkischen Quellen geben die Zahl der Getöteten auf dreimalhunderttansend Personen an. Die Schuld an diesem Gemetzel trage» En per Pascha als Sriegsminister und Talaat Pascha als Großwesir. Die Massakers Abdnl HamidS am ÄuSgang des vorigen Jahrhunderts bleibe« weit hinter den Taten dieser beide« zurück. Alle Warnungen und Interventionen der Vertreter der Zentvalstaateu Sonnte» tzs nicht verhindern, daß die Führer der jungtürkischen Partei m ihrem grenzenlosen Chauvinismus an die Ausführung ihres Programms gingen welches nach. einer Erklärung Talaat Paschas die Ausrottung aller Fremden in der Türkei vorschrieb. Die Armenier sollten den Anfang machen. Dann wäre die Reihe au bk Griechen, die Juden und schließlich' an die Europäer gekommen. Harry Morgeuthau, der amerikanische Vertreter, schlug namens seiner Regierung die Ueberführung der gesamten armenische» Ratio« nach Amerika vor. Die Aufnahme seines Vorschlages war derart, Hatz er es als nutzlos erklärte, zu Männern, wie Talaat tzmd Enver, von Zivilisation zu sprechen. Der Vvrjsitzeude der deutsch-armenischen Gesellschaft, Doktor Johannes Lepsius, gibt f» einem int Jahre 1919 im Tempel-Verlag zu Potsdam erschienen«, Buch, „D e r Todesgang des armenischen Volkes", eine Darstellung, die sich in nichts, von den über Rußland erschienenen Pogrombüchern unterscheidet. Nach seinen Mitteilungen wurden 'während' deK Krieges in Zilizien und Nordsyrien 238.850 Armenier deportiert oder ermordet; in Ostanatolie« 817.600; in Westanatolien 309.800; iu der europäischen Türkei 30.000. Insgesamt also wurde« 1,396.350 Personen aus ihrem heimatlichen Gebiet von Militär und Gendarmen entfernt und tu die glühende arabische Wüste transportiert. Der Transport vollzog sich nicht auf der Eisenbahn, sondern in Fußmärschen. GS ist kein Wunder, daß nur eine geringe Anzahl de» Bestimmungsort erreichte. Auf diese Weise iß die Zahl der Armenier von 1,845.000 vor dem Krieg auf 448.650 Köpfe herabgemindert worden. Dieser Massenmord war der Lohn für die nvtionalpolitische Assimilation der Armenier, die sich stets auf feiten der Jungtürken befunden hatten. DaS Schreckensbild wäre nicht vollständig ohne die Feststellung, daß die Verrichtung dieser Ration unter dem frenetische» Beifall de« Alldeutsch«: geschah und daß Graf Revrntlow noch im Februar 1915, als man in Deutschland die furchtbare Wahrheit bereits kannte, entzückte Artikel über die Niederschlagung des armenischen Aufstandes" schrieb und das Vorgehen der Türkei rechtfertigte, während er zur gleichen Zeit Sir Roger C a s e m e n t zum Rang eines deutsche« rtionalh-iligen erhob. Der Zusammenbruch der Türkei hat sie von dieser Zionisten. Erklärungen Wettzmanns. London, '15'. März. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Zionistische Föderation Englands ist zu einer besonderen Konftrerrz in Kereu-Hajessvd-Angelegenheiten zusammengetreten. v Dr. Weitzmann schilderte in seiner Eröffnungsrede die Lage irr Palästina und sagte: Das Tempo unserer Arbeit in Palästina sei zu langsam. Daran seijedoch « nichtdie jüdische Volk schuld. Die Aufgabe der VerwaMpg, besonders die des High Eommissioners, sei äußerst schwierig. Nur dank seines -Taktes habe er .eiM->L«K^^schaffH, wie sie sonst nirgends im Orient.zu finden sei. Es sei nicht die Schuld Samuels, baß die E in Wanderung nach Palästina sticht so groß sei. wie sie sein sollte, und iaj; 33 der zionistischen Organisation an Mitteln zu einer Tätigkeit in Palästina auf breiter Basis fehle. Es soll nicht geleugnet Wörden, dgß der Verwaltungsapparat nicht ganz frei sei von dem Geiste, der vor der Ernennung Samuels herrschte. Gs gebe noch viele im Adntedie unsere Ziele vielleicht nicht verstehen oder mit ihnen nicht sympathisieren, aber die Entwicklung der politischen Läge werde von der AttMugung, die die Juden machen werden, abhängeN. Wenn wir erwartet haben, daß die Verwaltung ein nationales Heim für uns bauen wirL, so haben wir uns selbst betrogen. Die Verwaltung kann uns helfen, sie kann den Weg ebnen, aber für uns ein nationales Heim bauen kann sie nicht. Man ist in der zionistischen Bewegung geneigt, Au glauben, daß Sir Herbert Samuel als High Commissioner für Palästina uns alles garantiere. Es wird noch lange Zeit verstreichen, bis Palästina und ein jüdischnationales Heim identische Begriffe sein werden. Es ist Pflicht des jüdischen Volles, aus.Palästina das nationale Heim zu machen. Dr. Wer tzmantt sprach sobamt Über die Einwanderungsfrage in Palästina und wies auf die chon den Einwanderern gebrachten Opfer hin. Die Lage habe sich im Vergleiche zum vergangenen Jahre gebessert. ,Menn wir Hunderttausende von Leuten dieses Schlages nach Palästina hineinbringen können, würde Palästina für die Juden gerettet sein; dies muß aber rasch geschehet" Die Errichtung von Schulen müsse fortgesetzt werden, damit in Palästina kein" Sprachenbabel herrsche, wenn die Einwanderer iu größeren Massen ins Land kommen. Immigration, Schulen und Sfc&e» seien miteinander verbunden. . Berlin «ub von bork nach Rußland, wo er ei» verhätschelte- Schoßkind /der Bolschewiken geworden Ist. Talaat Pascha ist das Opfer seiner eigenen Politik geworben. Er war ein sehr fähiger «nd vielseitig gebildeter Mann, der vielleicht in einer andere« Periode Gedeihliches und Gutes hätte schaffen können. Aber er war ein Fanattker des türkischen Nationalismus und die schauderhaftsten Verbrechen, die im Namen dieser Idee begangen wurde», heften sich an ftirr« Namen. Die deutsch-russischen Beziehungen. Aus Berlin wird berichtet: Die Verhandlungen Über den Ausbau und die Stabilisierung der zwischen Deutschland und Rußland bereits beitehenden Bcziehlmgen haben zur Aufstellung eines vorläufigen Protokolls geführt, das am 18. Februar 1921 in Moskau von den Beauftragte» des Auswärtigen Amtes und des VolkskommisiariatS des Aeuher» unterzeichnet worden ist. DaS Protokoll enthält neben einem Zusatzabkommen über die endgültige Abwicklung der Kriegsgefangenenangelegenheiten ein Abkommen über di« Rechte der beiiderseitrgen Vertretungen und Staatsangehörigen. Dieses zweite Abkommen nimmt bereits die bestehende» gegenseitigen Vertretungen zur Grundlage und erweitert ihre Rechte in konsularischer und handelspolitischer Hinsicht. In bezug auf die Rechte der beiderseitige»/ StaaüzemgehSrigen sind in dm» Abkomme» Bestimmungen getroffen, die den ungehinderten wirtschaftlichen Verkehr zwischen den beiden Ländern ermöglichen und sichern sollen. Das Protokoll bildet gegenwärtig den Gegenstand der Prüfung bei den in Frage kommenden Regierungsstellen in Berlin und Moskau. Es besteht «die Hoffnung, dytz beide Abkommen aus dieser Prüfung im wosenttichen unverändert hervorgehen werden und daß die Umerzerchmmg und das Inkrafttreten nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen beider. Länder bald erfolge» wird, Die Zollgrenze am Rhein. Der Korrespondent der „Times* meldet aus Köln: Die Eierten Sachverständigen am Rhein befinden sich in größer Schwierigkeit, weU sie nicht wissen, wie man die Loirdoner Beschlüsse in die Praxis Umsetzen soll. In der französischen und amerikanischen Zone rm Süden möge» sich solche Beschlüsse vielleicht durchführen lasse», ab« i» der englischen Zone sei dies unmöglich. Diese Zone durchschneide eine» der dichtest. Was bas Mandat' begrifft, so feien nickst alle feine Bestimmungen befriedigend. Es werden Anstrengungen gemacht, um entsprechende Verbesserungen zu erlan gen. Die Realisierung des Mandats hänge vor» guten Willen sowohl Britanniens als auch vo« dem! der Verwaltung ab. Die Zionistische Organisation wirb die Aufgabe haben, der Verwaltung Ratschläge zu erteilen. Ob diese werden befolgt werden, würde davon abhangen, oh wir aus der Zionistischen Organisation eine mächtige Körperschaft machen werben. Die einzig mögliche Interpretation des WöandatS ist harte Arbeit Wir können jetzt beträchtliche Bodenflächeu; bekommen, nur fehlt es uns an Mitteln, sie nutzbar zu machen. Dieser Boden wird nicht für immer auf «nsi warten. Während wir jetzt 800.000 Dunam Boden! in Palästina besitzen, können wir noch weitere 2,000.000j erhalten.; 5;., Wen» wir die äußersten Anstrengungen machen mckj 300.000 Juden nach Palästina hineinbringen, bau»!! wird die politische Lago vollständig geändert sein. Zionj tvird nicht durch die Anstrengungen weniger großer! Juden, sondern von den Ma s s en des jüdische« Volkes! wiederaufgebaut werden. Die Bewegung muH das ganzes Judentum von einem Wellende bis zum anderen um-i ftrssen, nm die Aufgabe, die rms vo« der VeftMtej gestellt wird, zu vollziehen. - j In den darauffolgenden Sitzungen wurde von vielen Delegierten daS Palästina-Mandat einer Kritik mtta> Zögen. Eine lebhafte Opposition zeigte sich gegen die Msicht des Oberkommissärs Sit Herbert Sam »eh! die Errichtung von 800 arabischen Schulen in' Angriff zu. nehmen, während sich die palästinensische! Verwaltung für das jüdische Schulwesen fast nichH interessiert.^ ' j Die dritte Sitzung war dem Keren Hajefsod (Palästina-Aufbaufönds) gewidmet. Minister Sir Alfred Mond gab eine Schilderung der vorhandenen sofortigen Arbeitsmöglichkeiten in Palästina. Das Schlußwort s hatten Dr. Weitzmann und Ussischki«. Dr. Weitzq mann gab die Erklärung ab, daß der Kongreß sicher im August stattsinden wirb, wo ein fertiger Kolonisativ nS plan vorgelegt werden wird. Es sollen zwei Millionen Dunam Staatsländereien übernommen und im ersten Jahre 10.000 landwirtschaftlich vorbereitete Leute aus Chaluzim, Jemeniten und! KolonistensShr», angesiedelt werden. Mitte« durch dies« Gebiet könnte nur künstlich sei« »nd ohne Wirkung. Die Gtahlwaremndustrie in. Solingen, die Tuchmduftrte in Krefeld mch die SisenbahnuMerialfabriken i» Köln bezöge» «och Mitteilung der alliierte» Sachverständigen selbst 80 Prozent ihres Rohmaterialaus dem unbesetzten Deutschland »nd lieferten oMch wieder de» größte« Teil ihrer Fertigware nach dem unbesetzten Deutschland zurück. Hiev würde also schon eine doppelte Verzollung eintreten, die dazu führe» würde, daß jeder Handelsverkehr mit dem RheinlarH a»fhöre.Die Sachverständigen der Alliierten am Rhein sehe» deshalb in der künstliche« Zollgrenze keine Lösung, um darauf die Entschädigungen zu erhalten. Seien die Tarife zu niedrig, so gewinne Frankreich «ich». England erfahre jedoch eine Schidigung seiner Handeltnteressen. Hohe Tarife würden eine völlige Blockade des RhemlandeS darstellen und gar nichts einbringen. Ferner kommt noch die Haltung der Berlin«; Regierung hinzu. Werde diese in Zukunft noch die Gehälter: der Zollbeamte« im Rheinland bezahle» oder müßte dies die alliierte RheinlaudSkommission tunk Wen» «an bedenkt, daß im letzte» Monat die Zolleinnahmeu an der Westyrenze tttuj 15 Million«, Mark einbrachten oder 62,000 Pfund Sterling, toafl tm Jahre TB0.000 Pfund Sterling ausmache, dann könne «an das Resultat dieser Sanktionen bereits beurteilen. Wohin solle» derartige Experimente führen'? fragen die .Time-"- «•tfii i Liga für Menschen* «nd Bürgerrechte tu Polen. Ä» Warschau fand dieser Tage die konstituierende Generalversammlung der Liga für Menschen- und Bürgerrechte tu Pole» statt. Die Gründung dieser Organisation ging do» einer Gruppe progressiver Demokraten au- und der erste Redner der Versammlung, Doleslaw Limanowski, legte die Notwendigkeit einer solchen Organifation kt Polen dar, indem er unter anderem sagte: »Dir Schaffung ein« solchen Organisation konnte nicht länger auf. geschoben werde», denn die traurige« 'Bedingungen, unter denen wir lebe«, drängen zur Gegenwehr. Gewalttätigkeiten. Rechtlosigkeit, Kerkerstrafe für Frauen, Quälereien in de» Gefängnissen sind Erscheinungen, welche wir d« siegreiche» Reaktion gu danken haben. Die Liga richtet sich nicht gegen Polen, solchem will im Gegenteil Polen aus den Händen der Reaktion, in bereu Macht es g^enwartig ist, retten." Et« B«nd der Magyaren tm Auslände. >t *ni «»d-h-fi MW tm» «eWrfeSen: Nachdem durch btt Annahme der Gesetzes über den kesseren Schutz de»