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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-17 · Heft 769 (17.3.1921) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 769 (17.3.1921)
Date
1921-03-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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jfeSRe 0 ffltfttt, DomrrEtz * Mrwvbnerwehverr bilden bis Abwehr gegen StörungSver suche und haben köinerc militärischen Charakter. Von ihnen rsei jede Politik fernzrrhalLerr. Wenn dir Gegner aus die Militärische' Bedrohung durch die Einwohnerwehren Hinweisen, ,1o sei das nur ein Vorwand, und n«nn sie die Aufhebung!vrrlonc;ry, so geschehe dies' nur roegen des Aufbauwerkes (!), VsS Ln den Ernwohnerwehren liege. 28\tutt «orgett-emms Mlttriluvgrn ans dm Publikum. RÄUMTEN, Perl«», Gold, Silber, Platt* «.Bbr« kauft und T«r!r*uft 776 ETTER Roteaturastr. 23, BEartafcUforstr. 98 Eine scharfe Rede Briauds gegen DenLschlard. 'Paris, 16. März. (Havas. — Kammer.) In BekttrtworLurrg von JnLerpettaLivnen erklärte Ministerpräsident Briand, daß er, wenn auch die Londoner Kvrrsrrenz nicht eine Lösung aller.aufgeworseneir Fragen gebracht habe, .feststellen könne, baß d« Fahnen Belgiens, Englands und Frankreichs Seite an Seite auf dem rechten Rheinufer wehen und so den Willen der Verbündeten bekunden, Deutschland zur Erfüllung feiner Verpflichtungen zu zwingen. Dies habe moralische Wirkung nicht nur bei den Verbündeten und auf dem anderen Rheinufer, sondern in der ganzen Welt. (Lebhafter Beifall.) Die Strafmaßnahmen wurden einmütig von den Verbündeten infolge der Sprache Dr. Simons',. die seither noch eine Verschärfung erfahren hat, getroffen. Die deutsche Delegation in London trat überzeugt, daß die Verbündeten betreffs der Strafmüßnahmen zu keinem Einvernehmen gelangen würden, «und hatte den Hintergedanken, die'Soldaten der Verbündeten würden mit einer Empörung der deutschen Arbeiter empfangen werden, aber diese begriffen, daß wir kamen, ran die Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen zu fordern und daß die Strafmaßnahmen durch die Haltung ihrer Führer unbedingt notwendig waren. ' Wir dürfen das „Non possumus" Deutschlands' nur mit der Rechtswohltat des Inventars annehmen. Man' muß bei ihm den Eindruck erwecken, daß. die Verbündeten einig bleiben und die Strafmaßnahmen in Wirk-' samkeit fetzen werden, f.'bald der böse Wille Deutschlands offenkundig werde. Nur dann wird Deutschland, seine ftaunenerregenden Hilfsquellen zeigen. Man muß daran erinnern, daß gleich nach der Niederlage Deutschlands die Männer, die Furcht davor hatten, daß' man ihnen Imperialismus zum Vorwurf mache,' ihre Vorrechte und Unternehmungen zu retten suchten und sich in der ganzen Welt in alle Industrien einzuführen trachteten, während sie ein verarmtes Deutschland zeigten. * Das lügnerische Deutschland versucht, Zugeständnisse gn erlangen, indem es auf die Zwietracht der Verbündeten rechnet. Dann würden' die Verbündeten em anderes Deutschland vor sich sehen, das vollkommen bereit ist, auf wirtschaftlichem Gebiet es mit dem Imperialismus zu versuchen, Hessen Eroberung auf politischem Gebiet ihm nicht gelang. (Beifall.) Briand verwies darauf, daß Deutschland, däs behaupetr, 800.600 Tonnen'Kohle monatlich nicht aufbringen zu können, infolge eines Ultimatums 2,000.000 Tonnen förderte, tnib daß es, indem es bei der letzten Londoner Konferenz unter der Androhung eines Ultimatums die ersten fünf Jahresraten des Pariser Abkommens annahm, anerkannte, daß es m der Lage sei, diese Verbindlichkeit zu erfüllen. RegierungsLnderrrng in Prag. Prag, 16. März. „Tribuna" behauptetdaß im Parlament die Frage einer Reorganisierung der fetzigen Beamtenre gierung in den letzten Tagen besonders eifrig erwogen ttrnrbe. Diese Reorganisierung wird aktuell sein, wenn der Gesundheitszustand des Präsidenten Masaryk größere politische Veränderungen erlaubt. In erster Reihe sind es die Sozialdemokraten, welche P-ersonaländenrngen in der Regierung verlangen. Zum Chef des neuen Beamtenkabinetts soll rin tschecho-slowakischer Diplomat erwählt werden, der derzeit im Ausland weilt. Eisenbahnattentat bei Hatte. Drei Tote. Aakke, '16. März. (Tel.-Komp.) In der vergangenen Nacht hat sich zwischen Ammendorf und Halbs ürht schweres E isenbah nunglück ereignet, das durch verbrecherischen Anschlag entstanden ist. Die Täter hatten beide Geleise ausgerissen, wodurch zwei gegen 12 Uhr nachts sich begegnende Güterzug entgleisten. Die Lokomotiven beider Züge stürzten den Bahndamm Himmler. Die Packwagen und zahlreiche Güterwagen entgleisten. Drei Personen wurden getötet, sechs schwer verletzt. Der Materialschade ist sehr bedeutend. Bon den Täter« fehlt bisher jede Spur. Hauptma«« Kessel freigelassen. Berlin, 16. März. In der heutigen Verhandlung hegen den Hauptmann Kessel wurde beschlossen, bin Angeklagten gegen eine Kaution von 150.000 Mark »ans der Untersuchungshaft zu entlassen. (Kessel' hatte dem Oberleutnant Mar loh den Befehl zur Schießerei in der Französischen Straße gegeben. In feiner Aussage beruft er sich auf den ausdrückliche« Auftrag Moskes.) — Kaiser Wilhelms Jacht wird verkauft. ‘l/aris;, 16. März. (Funkspruch.) IU Barcelona wird Me ßafyt „M-eieoe" des ehemalig« tetüi&ttt Grösster und bester Käufer Wiens «ne Brillanten, Perlen Juwelen, Edelsteinhändler Rabinowitsch, Juwelier 1. Malilerstrasse 5 II. Hollandstrasse 3, a«r Nr. 3 (frühere Maximfllanstrasse) (frühere Sieptianleetrfceee) Tel. 8541 und 45146 im eigenen Hause Freitag 5 Uhr «.s.»n,x geschkus«. NSren Sie auch unsere Preise und BureaumSbel die grösste Auswahl Leopold Steinhart Wien, I., Biberetraiso Sr. 8 SehMibmMOhiBmrepar&taren rasch, billix and gat 159 Tel. 4078FVUl Zugunsten des Vereines „Jüdische Kinderlreuede11 findet . Sonntag den 20. März 192! .um halb 4 Uhr nachm, im Mittleren Konzertiianssaalc ein der Frau mit Herrn Prof. Mim Sokolskaja Jaliusz Wolfsolm statt Karten an der Konzortbauskasse, bei Kehlendorfer. Löwit, „Aida“ und im Sekretariate der „Jüdischen Kinderfreunde“, 11., Obere Donaustrasse 91. mos Restaurant Kohn lik Wien, XX., Heinzelmanngasse 1—3 (Ecke Wallen- | steinstrasse) / Vorzugl. Küche / Weinspezialitäten I Füp Polen 17 fabiikinM« KAPP El-Schreibmnchlnon nit polriKhar Klaviatur lramito Wien per sofort lieferbar Schreibmaschinenhaus Reichste Auswahl zu billigsten Preisen in einfachen and y LtJXUS- 1Im t **^^*^^ WWtai £00^^ Brodheim <7 VII,, Kaiserstrasse " bei ttariahUfcrotmM WeferteB* der StronenhalndWM S «ad » Kleine Nachrichten. Prag, 16. März. Die Telegraphenderwaltuna errichtet in der Nähe Prags eine Radiostation, welche ausschließlich für Hemdelsbeziehunaen der Tscheche-Slowakei mit den euro. päifchen Staaten dienen soll. Die Station dürfte im Herbst fertiaaestellt und ihrer Verwendung überaelen werden. Sie wird mit der Praaer Telearaphenzentrale drahtlich verbupden werden. Außerdem werden für den inländischen Bedarf noch weitere Radiostationen kleineren Umfanges errichtet werden, die auch noch im heurigen Jahre in Betrieb dreien sollen, Tagesbericht. Die neue Siedl«ngsbewegung. . Es ist sehr gut, baß die Wiener Stadtverwaltung der Oeffentlich^t gelegentlich zeigt, baß man die Lösung des Wohnungselends doch nicht ausschließlich dem D«magogentum überläßt, das alle Ucbel vom Judenpunkt aus kurieren will,./sondern daß man auch di« ernste Arbeit berufener' Männer in den Dienst dieser höchst wichtigen oSache gestellt hat. Diesen Beweis liefert in sehr befriedigender Mise die Ausstellung der' Siedln« gsgenossenschaftsplä ne im. Wiener Rathaus, anläßlich des Stäbtetagesi Es handelt sich bei diesen von der Gemeinde Wien geförderten Plänen um den vielversprechenden Versuch, die Parole „Zurück I zur Natur e in den Dienst erster höchst praktischen Sache zu stellen, nämlich Wohnungen zu schaffen, die trotz der äußersten Sparsamkeit mit Baumaterial und Geld ihren Bewohnern die Behaglichveit und das Glück eines trauten Heims bieten. Diese Behaglichkeit wird aber nicht die des Luxus sein und ihr Glück wich nicht in der raffinierten Ausnützung aller technischen Errungenschäften zwecks Schonung der eigenen Körperkraft liegen, sondern ganz im Gegenteil im emsigen- Regen der MuSveln und Hände mit Spaten und Schaufeln. Nicht die Verweichlichung, sondern der zu tiefst menschliche Trieb, fruchtbare Erde sich und den Seinen dienstbar zu machen, locken den Siedler. Man baut jetzt nur für Menschen, denen der Besitz eines Stücks grünen Rasens über den kostbaren Teppich geht und die mehr als das prunkvollste Mobiliar einen Obst- und Gemüsegarten schätzen, den sie selbst gepflanzt haben und unermüdlich hegen dürfen. : Solche Idealisten haben schon vor dem Kriege m dem trostlosen Gemäuer unserer Stabt, am. Heimweh nach der Natur, nach der eigenen Scholl« gelitten, damals aber noch, ohne für ihr Sehnen besonderes Verständnis bei der Allgemeinheit und deren I gfftifeffML flüncAiBtttenOM m State, ftsfc >»g .Atta 17. «SKStj Mil Rr, TB» hat uns mit dem Zwange, nichts aus dem Mge ztt lassen, was irgendwie, sei eS auch nur in bescheidenste« Maße, den Mangel an Lebensmitteln zu lindern versprach, einen Aufschwung der Schrebergärtnerei und das Verständnis für diese Liebhaberei in solchem Maße gebracht, daß wir ihre Errungenschaften zu . dauernde« Institutionen auszugestalten uns anschicken. Das luftig« Bretterhaus des Schrebergärtners ist der Ahne der stolzen Siedlungen, die wir heute por unserem geistige« Auge erstehen sehen, in gar nicht allzu fermer Zeis aber,' dank der zielbewußten Arbeit der Architekten, die uns heut« ihre Plane erklärten, auch greifbar vsr uns stehen werden. Vorläufig sind folgende Siedlungen im Bau: Im Lainzer Tiergarten, am Rosenhügel, in Rannersdorf, am Wolfersberg i« Hütteldorf und in Kag ran. Im letztgenannte« Orte wird der Siedlungsgedanke bis irr fein« letzte Konsequenz verfolgt: Die künftigen Sichler — Straßenbahnbcdienstete der Gemeinde Wien — stellen aus ihre« eigenen Reihen di« zum Baue nötigen Professionisten. Jede Arbeitsstunde wird, mit einem Scheck bezahlt und eine gewisse Anzahl von Schecks bildet dis rechtliche Grundlage für den Besitz auf ein eigenes Heim ta der so wahrhaft „mit eigener Kraft" erbauten Siedlung. Aber auch die anderen Siedlungen werden den Charakter streng geschlossener Kolonien erhalte». Dies geschieht durch eine Anzahl gemeinsamer Gebäude, ix der sich die Siedler zu Beratungen, gesellige« und bildenden Veranstaltungen finden sotten. De« Kinde« stehen eigene Schulen' und Spielplätze.zur Verfügung, ja, die Kagraner Siedlung glänzt sogar durch ei« eigenes „Säuglingsheim", das die der Arbeft nachgehenden Mütter der Beaufsichtignngspslicht über ihre Kleinsten in zweckdienlichster Mise enthebt. Am Wolfersberg soll gar, in geschickter Ausnützung eines den Mittelpunkt der dortigen Siedlung bildenden Steinbruchs, eitr Naturthea ter erstehen. Und dieser Pla« erscheint uns als die tiefsinnigste Erfassung und glücklichste Symbolisierung des ganzen SiedlungsgedanftnSr Versöhnung und Vermählung der Großstadtkultme mit den Freuden des Landleberrs. - Die Aufgabe dieser Vereinigung scheinbar polarer Begriffs war auch die härteste Nuß, die eS beim 8a« der einzelnen Wohn- und Wirtschaftshäüser zu knacke« gab. Wir wagen, es nicht, zu entscheiden, welcher dev damit, betrauten .Architekt»: der Herren Loos. Ägli. Dessenoff, Mayer und Tichy, diese Schwierigkeit im Detail am besten bewältigt hat, da sie alle sehr Zweckmäßige s geschossen haben. Auch stimme« die Herren selbst in der Erkenntnis übevein, daß der eigentliche Typus des Siedlungshauses sich erst aus de« Erfahrungen der Zukunft h^rauskristallisiere« wird. Der Zukitnft, die dem Siedlungsgedanksn ohne Zweifel gehört. In dieser Hoffnung liegt etwas auch m höherem Sinne unendlich Tröstendes. Die Erbauer der alten Städte pferchten die Mensche« hinter Wälle und Mauern. Dorthin wies den Mensche«, der ei« ' wirtlich Dach suchte^ die Angst vor seinesgleichen. Das Mißtraue« und der Abwehrgedanke war das Leitmotiv des Städtebaues in früheren Zeiten. 3Venn heute das entgegengesetzte Streben bei d-eu Städtern sichtbar wirb, wenn sie hinausstreben aus dem schützenden, aber beengenden Gemäuer in die Weite der Natur, liegt darin etwas wie ein Symbol für die Neugestaltung aller menschlichen Beziehungen. Möge sich diese intuitive Zuversicht pwphetischer erweisen als der Pessimismus, mit dem die kritische Vernunft vorläufig «och in feie Zukunft z« sehe« gezwungen ist... «.. Yn bet am Sonntag abgehaltenen Sitznng hak der österreichiiche Städtetag einhellig zur Vorlage der Regierung, betreffend das Siedlungsgesetz, Stettüng genommen. Er erklärt eine einheitliche Gesetzgebung auf diesem Gebiet als durchaus notwendig. Doch sei ei,« zentrale Regelung nicht zweckmäßig. Der Städtetag stellt das Verlange«, daß die Vollziehung den Ländern übertragen werde. Die in der Vorlage vorgesehenen Beiträge zum Fonds aus BundeSmiriel« seien völlig unzulänglich, weshalb eS der Städtetag als unerläßlich erachtet, daß, fortlaufend ausreichsnd hohe Gummen ms Budget eingesetzt werden, zum ersteumal für daS Jahr 1921 wenigstens 300 Millionen. , Der A«ttsemitenko«gretz. . ■ Senn man von dieser Veranstaltung irgendwelche geistige Werte ^rwar-et hat, so ist man enttäuscht. Die Reden und Reseralr brachte« Seme einzige «ufbauenda Idee und bewegte« sich durchaus auf der Linie der schon aus de« Mittelalter überkommene« Beschimpfungen. Nirgendein versuch, die Lag« des JudenmmS zu verstehen, nirgends ein Ansatz zu einer wirklich ernsten und seriösen Auseinandersetzung mit dem jüdd« scheu P.vblem. Die Absicht der Veranstalter, zu Straß.m. krawallen zu gelangen, war vom erste« Augenblick an unverkennbar. Die Leitung lag gar nicht bei Leuten, die für Oesterreich Verständnis haben. ES waren die Führer der reichsdeutschen O r g«s ch, der bekannten reaktionäre« Truppe, die zum Kriege, gleichviel wo, hetzt,>und der magyarischen Ho r t h y - L e u te, di« den ganzen Spektalel inszeniert hatten. Kein einziger Oesterreicher von politischem Ruf stand auf der Rednerliste, es waren immer nur Jerzabek und Riehl, der durch sein« Duette bekannte Schwiegersohn Schönerer^ Zboi»wski, und ei« paar Innsbrucker Hinterwäldler, sonst.aber nur Landfremde. Here Seipel, der christ- ' Mtzvttv mm m#* fcitm, semitisch« 320^517

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