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Wiener Morgenzeitung · 1921-03-13 · Heft 765 (13.3.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 765 (13.3.1921)
Date
1921-03-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Men. Gsmwg Nr 76s iwmimui l. ■ --r---- Wir.Pürdvn tzaynt tzerlieren. was wir so, dnngend Irmrchm: His Hympathien der Welt. (Beifall.) i,, Können wir nun auf Grund der gegenwärtigen Sach» lgge in wettere Berhandwnse« mit d«n Gegner eintreien? Nach Veberzeugung der Reichsregierung müssen wir freilich ayes tun, was rpw tonnen Lpd neue Mittel und Wege finden, um Gegenvovsch: rge auf anderer Basis zu ermöglichen. In einem Moment« wo man unS eine solche Ohrfeige gibtgleich wieder die Hand hinzustrecken und zu sagen, wir wollen wieder Freunde fein, daS ist zu viel verlangt. Wenn Lloyd George gesagt hat, daß, solange wir unsere Vorschläge auf Oberschlesien einstellen, sich nur eine Verhandlung für fünf Wochen ergebe, so möchte ich darauf Hinweisen, daß die Basis für neue Verhandlungen durch dre Sanktio.en ganz außerordentlich verengert war« den ist. Man darf die Wirkungen der Sanktionen nicht unterschätzen. (Rufe: Sehr richtig!) Ganz Deutschland wird schwer unter den Folgen her Sanktionen zu seiden haben. SS nchrdpü in großem Maße die Industriestädte von ErzeugungSstätten der NtUwandlung in Fertigfabrikate auseinandergcrifsxn und darüber hinaus wird der Warenverkehr, die Ein- und Ausfuhr aufs schwerste getroffen. Je schwerere Folgen die Sanktionen haben werden, desto weniger werden wir unser Angebot von London wiederholen können und wir werden : nach neue« Woge« suche» m'üffen/ wenn sie von uns verlangt werden, und Zwar selbstverständlich auf Grundlage der für unS so erheblich ver» fchlechtert'en DasiS. Abgeordneter Trimborn (Zentrum) verlieft im Namen der KoalitlvnSpar leien -ine Erklärung, die dis Forderungen bU Megnßr für unerfüllbar und unsrinchrphqr erklät. die Bereitwilligkeit des deutschen Volkes, Verpflichtungen im Rahmen schW HMnngSsqhigkoit zu übernehmen, apsspriM Lügeordnster W e s s (Sozialist) erklärt: Kip Summe bg» W6 Milliarden bedeutet dis Vernichtung der gesamten deutschen Industrie und ledes Eigentums. Für den WiederWs» bau Frankreichs hätten allerdings Pläne vargelegt werden sollen; dis Arbeiterschaft hätte ihnen begeistert gugesümuU. Die Vgrhandlungen dürfen nicht unterbrochen werden, Pie Zollgrenze soll dazu führen, das RMMntz hu^ch Hunger zum Anschluß an den Westen zu sther die Arbeiterschaft wird dort die stärkste Evteuer Morgenzereung 13. März 1921 (Sette d ö'l’l h e? Deutschtums sein. (Beifall.) Mit Gewalt erreicht die Entente nur, daß ihre Aufgabe erschwert, der HMeraufbgu verzögert wird, und dgh sie kein Geld bekommt. Wir wollest bis an die Grenze des Möglichen gehen. Was Lltztzd Georgx herausgerechnet hat. ist falsch. Per Völkerbund hat jetzt Gelegenheit, seine Stimme zu erhebest. Graf Pestarp (deutschnational) protestiert gegen Me ,-WHpyhe» PöskerrechteS und den Bruch des Versailler dtrggeS pstd erklärt, es läge eine glatte Erpressung vor. ' Inzwischen ist ein Antrag der Regternn-Sparteien eingelgngt. wonach der Reichstag billigt, daß die Reichsregievung trotz her Gewaltmaßnahmen der Entente bej der Ablehnung der unerfüllbaren Forderungen beharrt. Dieser Antrag wird schließlich folgendermaßen formuliert: Per Reichstag hilligt, daß die Reichsregierung die Ablehnung der Pariser Bedingungen in London der Unterwerfung unter dw unerfüllbaren Forderungen vorgezogen hat. Abgeordneter Br eit scheid (Unabhängiger) begründet einen van seiner Partei eingebrachten MißbilligungSä nt rag, der lautet: Der Reichstag mißbilligt, daß die Regierung durch ungenügende Durchführung des Friedensvertrages, insbesondere durch die Nicht» entwaffstung der Konterrevolution, und durch wangelhafte Vorbereitung und Führung der „Der Med. Dr. Adolf Fischhof. welcher im Jahre 1816 in Post geboren wurde, ledigen Standes und israelitischer Religion ist, und gegenwärtig in Wien, Innere Stadt, Seitenstädtengasse No. 4. wohnt, war im Jahre 1848 österreichischer Re'ichstagsdepuüerter und wurdo in der Nacht vom 7. auf den 8. März 1849 auf Veranlassung einer Sektion, der auf hiesigem Platze bestandenen MlitäruntersuchungSkommission in Kremsier verhaftet, und nach Wien inS StabsstockhauS eingeliefert. Die Verhaftung wurde damit begründet, daß Dr. Fischhof, wie aus den militar-gerichtlichen Erhöhungen hervorging,. während der Oktoberereignisse einen häufigen und geheimen Verkehr, mit den Befehlshabern der Nationalgarde unterhielt, daß er am 30. Oktober mit den RevolutionS-Coriphäen Goldmark, Blum. Fröhel den StefanSturm erstieg, nm sich von der Ankunft dB ungarischen Hseres zu überzeugen, Hatz, er mit Becher, Ten nab erg und anderen auf die beabsichtigte Entsetzung MessenhauserS vom Oberkommando der Nationalgarde einwirkte, ferner auch auf den obgleich picht zur Ausführung gekommenen Beschluß eines Ausfalles gegen die beym JnvalidenhauS auf der Landstraße aufgestellt gewesenen k. k. Batterien Einfluß nahm und im Einverständnis mit Goldmark. den am Olstober-Auf* stände im hohen Grade betheiligt gewesenen Dr. Empeugen bey sich yerbarg und daß er überdies schon am 14. Oktober auf die Besetzung der Gt. Marxer-Linie mit Mannschaft und Geschütz gegen die k. k. Truppen dräng, daß er endlich am 90. des gedachten MonatS nach feiner Zurückkimtt^vom GtefanSturme das Volk zur Beybehattung der Waffen ermutigte. Nach diesem Anschuldigungsstande gehörte Fischhof in bk Katsaon« lener wichtige» such thätigm A ■ ■ - - »»K « ««r Ansvraltl! FABRIKATION KBfiSfifin»«« IPreflse! Zigarettenspitzen aus Bernstein, Ambroid. Meerschaum, Silber, inwelith, Galalith, Kokos und Weichsel Englische Holz-Matrosenpfalfsn sowie Pfeifen aus Meerschaum, Bruyfere- und Birnholc ioss I Weichselrohre und Hernimundblsse m nt Tabak« und Zlg6ratSand®s.®t» sowie alle Artikel der Rauchrequisitenbranclu» HU /n kiurch den Verkauf meiner Erzeugnisse in Rain SitfHrn nichtverkaufte Waren Ir /U V(.ruiBn$l den Nationalstaa'en und dem übrigen Ausland, ' lUSEIl BU5HIQ zurückgenommen werden. / PHILIPP BE!iMANy,W:en VH.,3Iarialiilfer8trasse:6ß Verhandlungen In London der Entente einen Vorwand , für unerfüllbare Forderungen und Gewaltmahregeln geliefert und damit zum Scheitern der Verhandlungen beigetragen hat. j Der Reichsrat erspartet, daß die Negierung jede brauchbare! Gelegenheit zur Wiedereröffnung der Verhandlungen mit der Entente ergreifen wird. Reichsminister Dr, Simons reflektiert in einer kurzen Erwiderung auf einige Bemerkungen der Abgeordneten ■ Westarp unb' Breitscheid über sein Verhalten in London.^ s Abgeordneter Dr. L e v i (Koinmunist) vertritt vor fast , leerem Hause den abfälligen Standpunkt seiner Paxteigej nassen gegenüber der deutschen Politik. Hierauf wird über den Antrag der Regierungsparteien namentlich abgestimmt. Der Antrag wich mit 266 gegen 49 Stimmen (Unabhängige und Kommunisten) a n g e n om< men und das Mißtrauensvotum der Unabhängigen abg^hut, ebenso ein Antrag des Kommunisten Hoffmann, jjr unter dem Ausdrucke des Mißtrauens für die Negierung dg? Verlangen gestellt wich, die wirtschaftlichen Beziehungen mit der Sywjetregierung wieder aufzuyehmen. - Jularch, Dir. SsteMSichiMen DK;egier.tetz in LsrrÄon. kondo^, 12. März. An der heurigen Sitzung des Obersten Nah» iprqch Vremiermiptster Lloyd George, der den Voisitz Mrte, zunächst einige einleitende Wv'te zur E-wirkirung der österreichischest Delegierten. Nachdem Bundeskanzler Dr. Mayr seine Ansprache gehalten hatte und diese in die verschiedenen sprachen übersetzt worden war, nahm Premierlninistek Lloyd. George das Wort. Er fand warme Worte für die schwere Lage Oesterreichs, Mag möge die Verzögerung der Hilfsaktion bloß dorau» zurKöiühren, daß die R.'gierltngen aller Länder mit großen finanziellen Schmierigkeiten zn kämpfen habest, Die ö!t?rreichtschen Herren mögen aber versichert sein, daß es nicht an gntem' Willen fthle, Oesterreich in seiner schwierigen, Lage zu helfen. Nachmittags fand im Schatzamt unter dem Vorsitz ChamberlainS eine ^omiteeberatung der Fach, minister der Entente und der österreichischen Delegierten statt. Deutsche Kosile als HUfe. Lsnbsn, 12. März. (HavaS.) ..Daily Ehronicle" schrelbt. | das beste Mittel, Oesterreich zu Hilfe zu kommen und ihm > zu ermöglichen, seine Industrie wieder in Gang zu bringen,! wäre, ihm deutsch? Kohle zukommen zu lassen, i Diese Lieferungen wären als ein Teil der Indemnität, die Deutschland den Alliierten zahlen soll, anzusehen, und Oesterreich wäre den Alliierten haftbar für di? Summe, die diese Lieferungen au§machen würden. Natürlich müßt? Oesterreich versprechen, der Notenistflation ein End? zu setzen und ei» zufriedenstellendes fiskalisches System anzunehmen. R-q-ermtgSkrodrie? 12. März. (HavaS.> Der Korrespondent deSs «Voulcnal" meldet auS London vom 11. d. M., er glaube zu wissen, daß da? Expose? der österreichischen Delegierte«' über hi? Leiden Oesterreichs auf ein Mindestmaß beschränkt sein werde, ha die Lage Oestprreichs ohnehin bekannt sei. Der Korrespondent erinnert an den Vorschlag LoücheurS. dev dis Hilfeleistung hon Bankier? der verschiedenen Länder in sich schließe, um diese Staatsangelegenheit in eine prtyate oder gemischte Angelegenheit umzuwandeln. Die ständig voni Parlament und der Presse geführte Kampagne, um das englische Schatzamt zur Durchführung von Cr» s^axungep zu verastlassen, gestatte, diesem nicht, sich direkt oder durch irgendwelche Garantie zü beteiligest,-doch glaube der Korrespondent, daß das englische Schatzamt geneigt wäre, auf di?. Priorität, die es bezüglich der Rückzahlung senrer frühepen Porschnffe genieße, zu verzichten und den . Zeichnern der neuen Anleihe zu gestatten, sich durch erste Hypothek zu sichern. Wahlen für den Landtag von Riederosterreich-Land und die Gemeindever- . tretnngen. Die Landesregierung für Riederösterreich-Lystd hat hiß , Neuwahl deS Landtages und derjenigen GemeindehertretustF gen» bis gleichzeitig mit dem Landtage zu wählen sind, apf Sonntag den 84. April 1921 ausgeschrieben. Dieser Tag ist laut per gleichzeitig verlautbartev neuest Lattdiagswahlorh. nüng für paS Wahlrecht von Bedeutsamkeit, weil hei Zutreffen der sonstigen Voraussetzungen nur derjenige wahlberechtigt ist. der an diesem Tags feinen ordentlichen Wohnsitz in einer Gemeinde des Landes Riederösterreich-Land hat. Außerdem ist dieser Tag für die Parteien tzon Wichtigkeit, weil innerhalb acht Tagen , nach der Wahtausschreibung die Vorschläge für die Bestellung der Wahlbehörden einzubristgest sind. Aüf das Viertel ober dem Wienerwald entfallen fünfzehp ) Abgeordnete, auf daS Viertel unter dem Wienerwald neunzehn Abgeordnete, auf da? Viertel ober dem Manhartsberg zwölfe Abgeordnete und auf daS Viertel unter dem Manhartsberg . vierzehn Abgeordnete. , .:r Das Ultimatum bezüglich der Milchkühe.; AuS Kreisen, welche den hiesigen Ententever». tretern nahesiehen, erhält die «Korrespondenz Herzog" dazu nachfolgende Information: Die Anforderung von M09 Milchkühen hat in englischen und amerikanischen Kreisen u ngemein peinlich berührt, nicht nur wegen der In» opportunität deS Zeitpunktes, sondern auch deswegen, weil matz rn Kreisen der Reparationskommission diese Frage eigentlich, als abgetan betrachtete. In englischen und amerikanischen Kreisen ist man sich darüber klar, daß es in keiner Weis? z« motivieren und zu billigen ist, daß die Nationalstaaten ist, Zeitläuften, wo die umfangreichsten Hilfsaktionen zugunsten der ipherkulosest und rhachitischen Kinder in verdoppeltem im—lujTffnriiijuw Leiter des OktoberaufstandeZ. welche nach den für die Kriegsgerichte erlassenen Bestimmungen der militärgerichtlichen Aburteilung vorzubehalten waren und so wurde denn Dr. Frischhof samt den ihn betreffenden Untoiluchungsakten am 13. Marz 1819 von der Militär- Central-Untersuchungskommission an das Kriminalgericht ahgeliefert. Letztere hat hiernach gegen. Doktor Fischhof wegen Hochverraths und Aufruhrs hie Untersuchung abgeführt, ans 7. September desselben Jahres, jedoch dahin erkannt, daß das weitere Verfahren aus Abgang rechtlicher Bewrise einzustellen und Fischhof des Arrests zu entlassen sey. Seit dieser Zeit hat Dr. Fischhof von seinen früheren excentrischen Ideen abgelassen und eine ruhige Auffassung der Politischen Verhältnisse gewonnen, lebte fortan nur seinem Berufe und beobachtete eine so correcte Haltung, daß es zu keinem Bedenken gegen ihn mehr Anlaß gab. Er hielt sich seitdem von jeder politischen Tätigkeit fern und hatte demnach keinen Grund, um die Ah. Nach-, sicht der rechtlichen Folgen seiner ab instantia Aburtheilttng einznfchreiten. Aber eben durch diese Reserve erhielt er sich sein Ansehen in politischer Beziehung und er wäre, wie mir versichert wurde, vollkommen gualjfictrt und auch bereit dazu, ans die bestehenden politischen Partheyen zu Gunsten der kais. Regierung großen Einfluß zu üben. Dieser letztere Umstand läßt e8 mir nun sehr wünschenswert erscheinen, daß Dr. Fischhof bezüglich der im Jahre 1849 gegen ihn ergriffenen Maßregeln auSgesöhnt und für die kais. Regierung gewonnen werde, was am leichtesten zu erzielen seyn dürste, wenn für ihn ohne seyn fpecielleS Einschreiten von Amt» Wege» «tf de» vomnseMhrten Motiven die Uh. NaMcht der rechtlichen Folgen der Aburteilung bey seiner Majestqt erwirkt werden möchte. hinter Anschluß der den Dr. Adolf Fischhof betreffenden kriminalgerichtlichen Untersnchungsacten^ welche ich beym hiesigen k. k. Landesgerichte beheben ließ» beehre ich mich Ew. zu ersuchen, meine eben ausge-, sproölMe Ansicht gefälligst in Erwägung ziehen und den . dietzfallS gefällten Beschluß, eventuell die hierüber erflossene Ah. Entscheidung mir bekanntgeben zu wollen. Hirtl." «An Se. de» Herrn Adolf Fischhof Med. Dr. Wohl- ■ geboten, Seitenstettengasse No. 4. «Eure Wohlgeborenl Se. k. k. Apostol. Majestät haben sich mit der Allerhöchsten Entschließung ddo. Wien, 14. d. M. bewogen befunden Ihnen aus besonderer Gnade die Nachsicht der gesetzlichen Folgen des vom bestandenen Wiener Krimi- , nalgerichte am 7. September 1349 gefällten und obergerichtlich bestätigten Nrtheils, durch welches die widep Sie wegen der Verbrechen des Hochverraths und des AnfrichrS geführte Untersuchung ans Abgang rechtlicher Beweise für aufgehoben erklärt wurde, hüldreichst zu gewahren. Ich beeile mich E. W. hievon mit dem Ausdruck hetz wärmsten Thcilnahme in Kenntnis zu fetzen.—) *) DaS Schreiben an den nicderösterrekchischen Statthalter ist flkMlautend mit dem oberwähnten, enthält nW noch am Schluß folgenden Passuv: Indern ich den Doktor Fischhof von diesem Ah. Gnadenalie von hieraus uymjttel, bar versiändiae. beehre ich mich If. D. hierüber mit dem Be-' merken d,e Nttteilung zn machen, daß ein» wie immer ae-? artede amtlickw Vcrlaurbarmrg dieser Rehabillttsruna WM 30,"w*ct» *iV

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