Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 765 (13.3.1921)
- Date
- 1921-03-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 765 Wien, Sonnrag Wiener Morgenzeltimz 13. März 1821 Seite Ali au? dem Papier stehen und im VerwalLungs- L e'ben Polens nicht zur Geltung gelangen. Schli.ßlich hält Redner es für notwendig, endlich einmal mit der sogenannten Fremden frage aufzuräum.-n. , Die nächsten Redner Rathmann Kirschbraun mid Abgeordneter Dr. Thon sprechen sich für die von Ar. Nosstg vorgesch'agene Tagesordnung aus, während Abgeordneter Dr. Schipper der Regierung vorhält. büß sie bisher noch nichts initiativ unternommen habehie polnische Bevölkerung zu einem friedlichen Zusammenleben mit der jüdischen Bevölkerung atchu- Wuntern. So habe es peinlich berührt, daß Ministerpräsident W i t o s in seinem ersten Exposee die Juden? frage mit keinem Worte berührt habe. Rach dieser Geschäftsordnungsdebatte ergriff Minister des Innern Skulski das Wort, um namens der Regierung festzustellen, daß sie den Standpunkt Priluckis teile, daß vor allem über die allgemeinen Skichtlinien eine Verständigung erzielt werden müsse. Die Frage habe zwei Seiten: Einerseits haben die Judey berechtigte Forderungen an den Staat, andererseits aber stelle auch der Staat an b'ie.Juden berechtigte Forderungen. Die Regierung wünsche daher, daK die jüdischen Parteien alle ihre Forderungen zrrsammenfasssnd aus einmal formulieren, Has heißt, daß das jüdische Problem in seinem ganzen Umfange erörtert werde. Ferner wünsche die Regierung, daß die jüdischen Parteien auch die Verpflichtungen formulieren, welche sie dem polnischen Staate gegenüber übernehmen, wenn ihre Forderungen an den Staat erfüllt werden.? Auf diese Ausführungen antwortete Prilücki in einer längeren Rede, in welcher er dem Minister beipflichtet, daß nur eine offenherzige Aussprache zu einer Klärung der Situation führen könne. Ans diesem Grunde müsse er darauf vcxtveisen, daß die Regierung ihre Anschauungen über die a n g e b l i ch e I l l o y a lität der polnischen Juden auf die Berichte' gründet, welche ihr von den Lokalbehörden zukommen und . sich auch von der Presse beeinflussen lasse, welche jedoch nur die Anschuldigungen bringe, die Freisprüche jedoch Unterdrücke. Der Landtagsklub' der jüdischen Volks- Partei habe auch zur Aufhellung dieser Fragt? Heu Antrag an die Regierung Und ganz besonders an das $xiegsMinisterium gerichtet, daß alle auf die angebliche Illoyalität der Ju^en bezüglichen ^kte'n veröffentlicht werden ntpa«n. Würde dies geschehen und würde auch das von der jüdischen Dolkspartei gesammelte au hent'.sche Material berücksich igt werden, so würde s'ch bald die HalllösisMt hieser Anschuldigung erwe'.sen. Diese einseitige Presseberichterstattung zeitige.. die natürliche Folge, daß die polnische Gesellschaft, welche keine Ahnung davon hat, wieviel Grund wir zur Unsriedenheit Habens unsere Opposition zur Regierung als Illoyalität' ansieht. Opposition und Illoyalität sind jedcch zwei ve schieden« Begriffe. Die Juden Polens sehen ihre Zukunft in Polen und keiner von ihnen hat den Wunsch, daß-bas Haus, in welchem er sein Leben zu verbringen gehenkt, Zusammenstürze. .Aus die Frage des. Ministors Skulski bezüglich der Verpflichtungen, welche die jüdischen Parteien auf sich zu nehmen gedenken, könne nur geantwortet werden.'daß die Jude» als vollberechtigte Bürger des Staates, der sie vor jedem Unrecht, schützt - tznd ihnen selbst Sein Unrecht zusügt, mit Freuden alle Pslichlen genau so erfüllen werden, wie die anderen Vichtjüdischen Bürger des Staa es. Nachdem noch Abgeordneter Fa röste in sich darüber beschwert hatte, daß, während jetzt Ausgle'chZverhandlungen mit den Juden geführt werden, im Landtage Gesetze eingehracht werden,die sich ausdrücklich gegen die Jude n pichten, wurde die Sitzung geschlossen. In d^r nächsten Sitzung soll die vom Minister Skulski gewünscht« Generaldebatte über das Judenproblem in . Polen im allgemeinen abgesührt werden. Die Sowjetregierung «nd die jüdischen Emigrationspläne. ' La bon. 11. Marz. (Jüd. Korr.-Bur.) Dey Verband ukrainischen Juden in England erhielt von seinen Vetretern in Moskau, den .Herren Bell in und Salztnann, einen Be icht über den Plan der Emigrationsarbeit. bezüglich welcher ein Ucbereinkommen zwischen hem De ba d und der Sowjetregierung erzielt worden ist: 1. Jeder Emigrant muß im Besitz einer ^ssiziellen Erlaubnis von der Regierung des Landes sein, wohin er auswandern will. .? i 2. Der Emigrant muß die Mittel für die Reisespesen haben. < 3. Eine a»S fünf Personen, einschließlich, eines Vertreters des Verbandes, bestehende Kommission, wird hie Papiere des betreffenden Emigranten zur. Ueber- Prüfung entgegennehmen und beschließen, ob er das Recht hat, das Land zu verlassen i. 4. An der Grenze muß s'ch ein Uebernahyrskomitee des Verbandes befinden, das die Emigranten übernehmen und sie weiter befördern soll^ . Die Mtönde in Russland» Ein Ultimatum ßtt die Sowjets. Berlin, 12. März. Der „Lokalanzeiqer" gibtden .Inhalt eines Funkspruches der „Morning. Post" aus Helsingsors wieder. Danach Halen die Aufständischen Narwa besetzt. Beiderseits, der Newa wird erbittcrö . weitergekämpft Zarskojeselo liegt im Brennpunkt der Kämpfe. Die Gegenrevolutionäre haben den. Sowjetbehörden in Petersburg ein Ultimatum gestellt, das; heute abläuft. .! .; i i Kiew—Charkow rmterbrochnr. v Berlin, 12. März. Nach einer Meldung des „Lokalanzeiger" aus Kopenhagen nimmt die Streikbewegung in Moskau weiter zu. Nach Stockholmer Nachrichten seien Kämpfe zwischen den Natstruppen und den Streikenden an der Tagesordnung. Aus Weißruß"and werde die Allsbreitung der antibolschewikrschen Bewegung gemeldet. Die Eisenbahn Kiew—Charkow sei unterbrochen. Die Nachrichten von einem Aufstand in Pskow bestätigen, sich. Die sibirische Eisenbahn, sei..in. den Händen der Aufständischen. Anfftand in Odessa. Berlin, 12. März. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" berichtet'aus London: Wie aus Bukarest.gemeldet wird, ist di« Sperrung der rumänischrussischen Grenze erfolgt. Den Anlaß hiezu gab der Ausbruch des Aus st an des in Odessa. ' Bauern in Aufruhr. Warschau. 12.' März. (Funksprnch.) Die ' Eisenbahner der Nikolai-Linie haben sich nach Meldungen aus Helsingsors der Gegenrevolution angeschwssen und. ein eigenes revolutisnävrs Komitee, gebildet. Dse Moskauer. Züge kommen bis Bologoje. Eine bewaffnete Vauernschar hat in Garschina ein Regiment, vernichtet, sehnliche Bauerntrupps bilden sich in ganz Rußland und überfallen die Kommunisten. Die Bolschewiken, haben in Tiflis den deutschen Gesandten verhaftet. Moskauer Meldungen. Moskau, 12. März. (Funksprnch.) In Petei'sburg sind Briese der Kronstädter Matrosen eingetroffen, in denen sie bitter über das Abenteuer klagen. Die Bevölkerung der Stadt slüchteL„ die Matrosen bL?omme>Enur eine ganz unzureichende Verpflegung. Unter t>cw Arbeiterschaft herrscht mächt'ge Erregung. Die Nach-p richt, daß der gewese e G ro. ß sürst D imi t rji P aw-i. lowitsch an der Spitze des Aufruhrs stehe, bringt! die letzten Anhänger unter den Matrosen und Arbeiter', zum Wanken. „P avda" veröffentlicht eine ÜnterredunA mit Kalen in über die Kronstädter Ereignisse, in derp er hervorhebt,- daß keiner der wirklichen .Führer Hers Gegenrevolution den Mut habe,, seinen Namen zui^ nennen. Die Matrosen seien irregeleitet und dies seil der Grund gewesen, warum die Regierung so milde,, gegen sie vorgegangen sei. Wir wollen,, sagte Kalenin,, k e i n B l u t vergießen und nicht Irregeleitetst tref'en. Gestraft werden nur jene werden, die sich. Wissen und Absicht gegen die. Herrschaft des-Volkes! aufgelehnt haben. Lrnin fordert zur EinrekeiL arrs^ Mos'au, 12. März. (Funkspruch.) In her Schluß--! rede bei Aushebung der Tagung des 10. Kommunisten^ kong"esses, führte L e nt» aus: DaI politische. 'Er-s. gebuis des gegenwärtigen Augenblicks ist die vollkom-.j mene Ein'gseit der Partei. W.rLschastlrch zeigt siH'etne' neue Reihe von Wegen für dir Zusammenär'bei,^ zwischen den Arbeitern und den Vackern.. Di« Aufgabe des Kongresses war es, das Brauchbares vom Unbrauchbaren zu scheiden. Rußland ist von der, Demokratie noch nicht durchdrungen, um die wahre Demokratie durchzusühren, sind Taten notwendig, WortK alsein genügen nicht. ' .j Lenin polemisiert dann gegen die Theorien dev, Genossen Schljapnikow und Kolontaj, die^ kleinbürgerlichen Auffassungen züneigen/ Die Diktatur des Proletariats sei nur durch die konH munisttsche Partei zu verwirklichen. Anschließend ddrÄ forderte Lenin zur Be k ä rn p f u n g des B u r e a u« kratismus auf und schlug eine Reihe von Maßnahmen zu diesem Zwecke vor. Zum Schluss« seiner! Rede forderte Lenin zur Einigkeit aus und ersuchtes Meinungsverschiedenheiten der Parteileitung zur, Schlichtung vor'ule-en, wie er und Tro tz ki dies getanhätten, als sie in der Frage der Berussgenossenschasten. verschiedener Meinung w-r^n. Zionistische Bea'rk-^sektion Leopoldstadt des 500. Jahrestages der Judenvesrhtrenming .auf dar Eribergarlända xa Wien (t3. März 1431) präzise halb 11 Uhr vormittags, im Hotel Post, I., Fleisch* markt 24 (Eingang Drachengasse) Gedenkfeier Programm: Gemeinderat Dr. Leopold Plaschlsesi ^JOdbche Heroen". — Dr. ©tto Abeies: „Das H tdenschlcksal der österreichischen Ju<!en im Jahre 1421“. Dr. Abraham Schmerle:* a Vorlesung aus der „wiener Geserah“ Telegramme. Zustandekommen des Handelsvertrages jetzt nur noch davon- * ab, daß die Näteregierung in der Propagandafrage Die VerharrdlVNgen in Riga. Wasfcha», 12. März. (Poln. Tel.-Ag.) AuS Riga wird dem „East Expreß" gemeldet: Dett Redaktionsausschuß beschäftigte sich in seiner letztett Sitzung mit der Frage des Schutzes der natio» n a l e n M i nderheiten. Die Arbeiten des Aus«' schusses nehmen einen günstigen und raschen Verlauf. 1 Die Wilnaer Frage. Warschau, 12. März. (Poln. Tel.-Ag.) Dev Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten Hab eine Reihe von Ent'chließnngen bezüglich der Wilnaer Frage angenommen. Die Entschließungen stellen das. unantastbare Recht Polens aus das Gebiet von Wilua und die Nichtigkeit des Vertrages zwischen den Bolschewiken und den Litauern vom 12. Juli 1930 fest. Aenderungen in der zionistischen Leitung. Wondo«, 10. März. (Privat.) An Stelle der aus der Zionistischen Exekutive endgültig ausgeschii:d«nen Herren Simon und de Lieme sind seitens des P.ästdiums die Mi:g!ieder des Großen Akt'.onskomi.ees Cowen, Jabotinsky und Lichtheim in die Exekutive berufen und mit der provisorischen Leitung verschiede..ec Ressorts bis zum Kongreß bctraüt worden. Die Hauptaufgabe der neuen Leitung bosteht in der Einberufung und Vorbereitung des Kongresses, welcher bestimmt im Lause dor Monate August und September an einem Ort« Mitteleuropas tagen wird. Die Exekutive besteht nunmehr aus den Herren Dr. Weitzmann, Svkolow, Cowen, Jab otinsky, Lichtheim, alle in London» und Usfischkin in Jerusalem. — Dr. Weitzmann begibt s'ch am 23. d. M. in Begleitung P osessor Einsteins und U s s i s ch k i n s zwecks Fühlungnahme mit den amerikanischen Z'onisten nach New-Hork. Herr Solo low ist gestern nach Palästina abgereist, KraM« i« London. London, 12. März. (Tel.'Komp.) Der englische Handels minister empfing gestern K ras sin. der mit neuen Vollmachten zum Abschluß eines englisch-russischen Handelsvertrages versehen ist. Wie es heißt, hängt das Ein Hafen für Litauen. Kowno, 7. März. (Privat.) Der Dotschafterrai ha! bist litauische Negierung ermächtigt, den Hafen von Memel fütz die kommerziellen Bedürfnisse zu benützen, ohne die Zollgebühren zu bezahlen, denen bisher die lriaurschq Ausfuhr unterworfen war. Morde irr Irland. ' London, 12. März. (Tel.-Komp.) Der Bürgermeisrer ooq Limerick in Irland und ein Rechtsanwalt, der früher; Bürgermeister der Stadt war, wurden Sonntag nachts iq ihren Häusern in Gegenwart ihrer Frauen von bewafsneteni Männern, die Autohrrllen trugen, erschossen. I England gegen griechisch-deutsche Äandelsbeziehnnge». * Älthen, 11. März. (Privat.) Dem „Emprvs" zufolge hat dir griechische Regiemng in Deutschland radiotelegräphrsche Apparate bestellt und einen bezüglichen Kontrakt unter-> schrieben. Gleichzeitig ging eine griechische Abordnung noch Berlin, um die Frage der- Ablieferung des Panzerschiffes „Salamis", das schon vor dem Weltkrieg bestellt worden war, zu regeln. Nun hat aber der englische Gesandte gege^ die Anknüpsung von Handelsbeziehungen sein Veto hier eingelegt. Daroushin ist seitens der griechischen Regierung irtz Gegenwart des englischen Gesandten, der auf die Radioapparate bezügliche Zdontrakt zerrissen worden. Was dach Panzerschiff betrifft, wird die Ablieferung erfolgen, da de« Nachweis erbracht wurde, daß, wie erwähnt, die Bestelluna schon vor dem Weltkrieg erfolgt und auch die Bezahlung leistet worden ist. i Unentbehrlich für das Frühjahr! Blau-, Polar-, Kreuz-, Zobelnad A’aakafiichse w.e auch grosse Auswahl in Zobel-, Marder-, Hermelin- und CEinchüIa-&toles «« Felzhaus Ü, J. FIpersberg, 11., Prafersirasse Mr;S«