Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 764 (12.3.1921)
- Date
- 1921-03-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ÄZten. SamsttA Lrre»er Mdrienzei»»»» tzovrauszahlungen auf Rechnung einer in einer künftigen BcsoUmngSordnung festzufetzenden Bezugsregelung zu ge. Währen." Das Gesetz tohsb!n dieser Fassung zum Beschluß er. hoben. Bezüglich des Nachtrages zum Prnsionistenm'setz Würbe «in Subkomitee eingesetzt, welches mit tunlichster Be- Mlwmigung da- Gesetz vorzuberaten haben wird. Die neuen Gemeindeabgaben. In der gestrigen Sitzung des Wiener Landtages wurden die neuen Gemeindeabgoben beschlossen^ welche sich auf die geistigen Getränke, Bier, Wein und Schaumwein, die Lustbae» keitSsteuern, die Fürsorgeabgaben, die Untermieten und die gewerbsmäßigen WohnungSvermietungen beziehen. Der Referent Stadtrat B r e i t n e r führte hiezu au-, daß sich für die Gemeinde die Notwendigkeit ergibt, für eine Bedeckung von insgesamt über 400 Millionen Kronen . fiu die städtischen Angestellten Borsorge zu treffen. Stadtrat Br er tner referiert sodann über die Unter- Mietabgabe. Gemeinderat Zimmer! (christlichsozial) beantragt, daß Untermieten bis 200 Kronen pro Monat von der Besteuerung freibleiben, ferner, daß die Beträge für Beheizung, Beleuchtung und Bedienung, nur insofern sie die Eigenlüsten übrschreiten. zu besteuern seien und daß endlich der Haupt- Mieter berechtigt sei, die geleisteten Abgaben auf den Untermieter zu überwälzen. Gemeinderat Dr. P l as ch k e S (jüdischnational) unterstützt den Antrag Zimmer! auf Abgabefreiheit der Untermieten brS 200 Kronen und erklärt, daß auch Untermieter, welche heute für ein bescheidenes Kabinett 300 Kronen, für ein Zimmer 400 Kronen Miete zahlen niüffen, durch die zehnprozcntlge Abgabe sehr hart betroffen werden. Zumeist seien. eS'ja arme Studenten. Angestellte und Arbeiter. Vielleicht entschließe sich die Mehrheit, auch hier noch eine Milderung vorzunchuien. Gemeinderat Bermann (Sozialdemokrat) erklärt, ihm scheine die Grenze der abgabefreien Untermieten etwas zu niedrig gegriffen, weshalb er für eine Hinaüfsetzung eintrete. Gegenüber dem Abänderungsantrag Zinünerl und Plas.hleS schlage er die Vermittlung in dem Sinne vor. daß er beantrage. Untermieten bis zu 150 Kronen von der Abgabe zu befreien. Gemeinderat Dr. Plafchkes (jüdischnational) sagt. eS wäre eine Augenauswischerei. wenn man sich mit 150 Kronen hier abfinden wollte ES müßten 200 Kronen als Grenze «mgenommen werden, wenn man jenen helfen wolle, d'e am schwersten betroffen sind, weil, unter 200 Kronen derzeit ti'n Kabinett zu haben sei. Die Gesetzesvorlage Wirt» in erster und zweiter Lesung angenommen. Stadtrat Drei tner referiert über die GcsetzeSvorl -.t wegen Einhebung erhöhter Gemeindecrbgaben von g^vrann'en geistigen Flüssigkeiten, Bier, Wem und Ichaumw^n. Die Abgabe ist bescheiden und beträgt beim Liter Bin 20 Hrllrr, bei einem BierpreiS von 70 Kronen; im Frieden betrug sie 8.8 Heller, bei einem BjerpreiS von 18 Heller per Liter. Damals waren es 33 Prozent. Heute ist dieser Sah gesunken. Da» gleiche sei bei Wein und Alkohol der Fall, weil das Steuersystem auf den Inhalt des Litermaßes ohne Zusammenhang mit der Gestaltung der Preise aufgebant ist. Tie stärkste Erhöhung ist die bei Alkohol. Das Erträgnis wird mit ungefähr 80 Millionen Kronen veranschlagt. Die Begründung der Vorlage ist in der Notwendigkeit der Erschließung neuer Ern- «ahmsquellen gegeben. DaS Gesetz wird sodann in erster und zweiter Lesung angenommen. j » I ■ III» ir I I ■■■ Mitteilungen ans dem Publikum. ZUR VERLOBUNG des Fräulein Mimt» Benczer, Ralusz, mit Herrn Sigmund Brumberger, Krzaköw, gratuliert herzlichst Moritz Schars t» ~ ZUR VERLOBUNG des Frfc'ilein JVVnna Benczer, Kalusz, mit Herrn Sigmund Brumbergcr, Krzaköw, grat lieren herzlichst Geschwister Fenzel tein Brillanten; Perlen. Gold, SUbe». Platin mühren ümtt und Terkintt 776 ETTER Rotentnrmr'r. 23, Mariabllferatr. 98 Restaurant Hohn Ik Wien. XX, Heinzelmanngasse 1—8 (Ecke Wallen* steiustrasse) / Vorzügl. Küche / Weinspezialitäten Sebrelbmnsehinenrepsrataren rasch. und Biireauniöbel die grösste Auswahl Leopold Ste*n!sart *Vl0", x., Slberstraaae Kr. n billig and gut 158 Tal. 4073/V1U Ctadtradt Breitner referiert über die GeseheSvorläge, betreffend die Erhöhung der Fr'emdcnzimmcrabgabe. Dar Erträgnis dieser Steuer kann, wenn die. günstigen VerhäUnisse im Hotelbehrieb voran S'ichtllcli fortbesteben. auf run^ 50 Millionen Kronen veranschlagt werden. Dieser Ertrag wird »m Zusammcnh«ing mit den Erträgnissen der anderen Steuergesehe die Bedeckung für die erforderlichen 400 Millwnen Kroncn schaffen. Bel der Abstimmung wird das Gesetz in zweiter Lesung beschlossen. Stadtrat Brei tner berichtet sodann über die Abänderung der Bestimmungen der Lustbarkcitsahgabe. Der Ertrag der Erhöhung dieser Abgabe wird auf 40 Millionen Kronen veranschlagt. Gemeinderat Pollak (jüdischnational) findet die Lustbarkeitssteuer gerechtfertigt^ ist jedoch mit jenen Verfügungen, die sich auf die sportlichen Vorführungen beziehen, nicht e i n v e r st a n d e n. Er stellt daher den Antrag, daß bei sportlichen Vorführungen pnd Wettbewerben der bisherige Prozentsatz der Abgabe bestehen'bleibe., ebensb bei Box- und Ring-' känipfen/'soweit^sie" sportlich? Vorfuhrüngon -sind, 'während bet solchen durch professionelle Athleten die Erhöhung auf 50 Prozent dnrchgefnhrt werde. " - Bei der Abstimmung wird der AbänderungSantrag Pollak abgclchnt, die Vorlage in zweiter Lesung zum Beschluß erhöben. Der Anschluß an De«L?chlc»--. Der Salzburger Landtag hat gestern beschlossen, im Lande Salzburg am 24.. April d. I. eine Volksabstimmung darüber zu veranstalten, ob dem Völkerbund Eine jüdische Fünfhundertjahrfeier. Die Iudenverbrennunq auf ^er CrdbergeriLnde zu Wien am 12. Marz 1421. Am Morgen des 12. März 1421 verkündeten Hevoü>e unter Glockengeläuts, Trommelwirbel und Hörnerklang auf sieben Plätzen Wiens, das; in den nächsten Stunden den Wienern ein seltsames Gaudium bevorstünde. Man werde die Ghettojuden tv-.'gen einer - Hostienschändung „vor ettleichen jarn daez Enns ver- ' gangen, richten mit dem prannt". Alsbald bewegten sich 86 Armesünderkarren längs des Donaukanals zur Erdbergerlände. Voran ritt feierlich der Herzog mit seinem Trotz und Hofstaat und ungezählte Volksmenge flankierte die Wagen, auf denen die gefesselten Juden und Jüdinnen saßen. Man hielt ihnen unentwegt bas rettende Kreuz vor Augen. Sieblieben standhaft, sangen Gebete, ja. von den Frauen heißt es, daß sie angesichts der Scheiterhaufen einen Tanz anhuben, ,^ls führte man sie unter die Chupa".'Mit dem „Höre Israel!" auf den Lippen hauchten sie auf dem Scheiterhaufen Ihre edlen Seelen aus. Als die Glub?n nicdergebrannt waren, gab es noch ein Nachspiel. Das Volk, voran die Herren Studenten, durchwühlte den Schutt nach Kleinodien... Es war der letzte Mt einer Heldenttagödie, wie sie nicht leicht ein zweites Volk aufzuweisen hat. In Verehrung und unvergänglicher Bewunderung für di'se heiligen Vorfahren erinnern wir uns bet der h.uttgen Fünfhundertjahrfeier der geschichtlichen Ereignisse, die der Judenverbrennung vorangingen. Am 23. Mai 1420 erfolgte zur nämlichen Stunde ganz unvorhergesehen die Verhaftung der Juden in allen herzoglichen Städten Oesterreichs. Zweck: Die herzoglichen Kassen waren leer und es schlte Geld zum »riegführen. Die H storiker (insbesondere Samuel Krauß ckr ^mem Buche „D!e Wiener Veserah vom Jahre 1421") stellen fest, daß schon anno 1420 auf Befehl des Herzogs genaue Aufstellungen über das jWiche Eigentum und die Jndcnschuldcn gemacht wo.den waren. Diese Verzeichnisse sind der untrügliche B?leg dafür, was man mit dieser Judenverfolgung wollte. Und auch der Vorgang bei den Verhaftungen selbst läßt die Absicht klar erkennen. Zunächst wurde die „Kanaille" (die nichts besaßen) ausgesch'eden. gef f;clt auf ruderlosen Kähnen verladen und die Fahrzeuge schwammen zum Ergötzen des Pöbels d'e Donau hinunter. Ein Teil , der traurigen Flotte soll auf ungarischem Gebiet nelotibpt sein un) d'e svät«'r''n blühende Judengemejnde Preßburg gegründet haben. Die anderen aber, deren Hab und Gut in sorgsam angelegten Verzeichnissen gebucht war, wurden von den herzoglichen Bütteln längs der pfingstlich blühenden Wachau nach Wien gebracht. Hier, wo sich, verborgen hinter modernen Straßenzügen, ungefähr in der Gegend zwischen Ma ie.ib ü.ke und S.ephan drücke, stadts its ein wunderschönes, hügeliges, verträumtes Stück Altwien zum Donaukanal neigt, befand sich im 13. und 14. Jahrhundert, mit dem Jubenplatz (dem damaligen „Schulhof") als Mittelpunkt, das sogenannte erste Wiener Ghetto, dessen Modell, angefertigt nach einem Bilde von Houfnagel aus dem Jahre 1609, im Wiener jüdischen Museum zu sehen ist. Vereint mit den nach Wien geschleppten Brüdern und Schwestern, wurden die Bewohner dieses Ghettos, soweit es sich lohnte, gefangen gesetzt und es begann ein acht Monate währendes Martyrium, das unsere Ahnen mit unerhörtem Heroismus ertrugen, bis sie der Tod erlöste. In einem teuren' Dokument, einer Volksschrift, die ein entronnener Jude niederschrieb und die leider unserer jüdischen Jugend weit weniger bekannt ist als etwa die Sagen vom -.Stock Im Eisen" oder vom „Braven Bischof Kolonitz, in der „Wiener Geserah", sind die heldenhaft ertragenen Leiden der Opfer anschaulich geschildert. Es wird von jüdischen Müttern erzählt» die chre Linder tüteten, um sie der Taufe zu entziehen; it. 2Wrz 192t Sk: /<& der Antrag, den Anschluß Oesterreichs an Den.ts»h« l a n d ehestens zu vollziehen, vorgelegt werden solle. Der Abstiminungstaq gilt für den Fall, als die Bundesregierung nicht schon vorher auf Grund eines Beschlusses im Nationalrat Pie Abstimmung im ganzen Bundesgebiet' anordnet. 21 Geschütze gestohlen/ Im Tiroler Landtag gelangte gestern ein DringlichkeitS« aNtrag Rapoldis (Sozialdemokrat) und Genossen, betreffend de» Diebstahl von Geschützen in Kram Sach zur Verhandlung. Abgeordneter Rapoldi teilt mit, in' Kramsach seien 21 unbe- ■ wachte Geschütze verschwunden und befinden sich nun »M. Besitz , der Heimwehr. Redner verlangte von der, Landesregierung die Einleitung einer Untersuchung. Der Antrag wurde dem Wehrausschütz zugewiesen. Eltte ^eetnhettfteaee in Tirol. Der Tiroler'Landtag haj .gestern die Einführung, einer , Fremdensteue r beschlossen und sodann die D i a t e d der Abgeordneten rückwirkend bis 1, Jänner auf 200 Krone». V.. täglich (für die in Innsbruck wohnenden nur 100 KroUenj erhöht. Tschecho-slowaki'ch-österreichische Vorhand» lun en. i Prag 11. März. (Privat.) Morgen begibt sich eine Ab», ordnung mit dem bevollmächtigten Minister Dr. Schuster,, nach Wien, um mit den österreichischen Negierultgsstellen . . die Vorarbeiten für den. Abschluß eines Handelsvertrages einzuleiten. Tagesbericht. Die Wiener Gezerah. < (Sitte Thrvnjkerzahlting l er Wiener Judenverbrennanim f nlltc 1421. Die Vertreibu"g der Juden aus Wien und Oestor- ' reich.im Jahre 1420. welche mit dem „Judenbrand". am 12. März 1421 ihr grauenvolles Ende fand, Hab anscheinend die Gemüter der damaligen Judenheit deS^ l Römischen Reiches deutscher Nation mächtig '' Wohl waren in dieser Zeit Judenvertreib un^en nicht alllu se fen und auch, Aute:ivcrbr.'nnun^en kamen vor» ' So hat.en ein p--ar Jahr-ehnte vor der Wiener Juden» ve bre.müng ir P'ai 70 Juden den Feuertod erlitten^ > Die große Zahl der Opfer der Wiener Judenverbren» nung (über 200) und die wirtschaftlichen Gewaltmaßregeln des Herzogs Albrecht scheinen nun Anlaß zu' einer. Art Bericht über das Geschehene an die verschie- : denen jüdischen Gemeinden gewesen zu sein, von denen r übrigens auch viele ,,von den Flüchtlingen nach der - Pieirec ^u^;€,n&a^ü^^r^>^0e richt, welcher wahrscheinlich hebräisch geschrieben war'- - und von einem Zeitgenossen des Ereignisses, vielleicht von einem Schi^jalsgenossen, abgefaßt wurde, muß sich großer Popularität erfreut haben. Welche Gründe fjte*v für maßgebend waren, können wir nur vermuten, da uns diese u sprüngliche Darstellung nicht mehr vorliegt. . Es liegen jedoch jüdische Bearbeitungen dieses Berichtes im jüdischen Volksidiom vor, von denen eine in 'das berühmte' Maasebuch (Grfchichtenbuch) „Maase Adonaj" des Simon Äkiba Ber Brn Josef guf^. genommen wurde. Diese Bearbeitungen, von deüen — ...... ..NI.... »..»>>!>> -.,»« mii.« II!»M von jüdischen Männernd die die surchtbärften Qualen erdukbeten, obwohl sie sich auch nur durch Scheintaufe .. von allen Leiden befreien können, von Jünglingen die in zugenagelben Fässern, bei denen nur das Spundloch offen stand, straßauf und straßab gewälzt wurde» - und dennoch treu blieben. Aber diese überaus lebendig geschriebene, mit Legenden geschmückte Chronik in deutsch-jüdischer Sprache könnte als gefärbt gelten und so lassen wir einen Wiener Historiker, der den Jude» nicht gerade grün ist, Bermann, zu Worte kommen. Er schreibt in seürer Geschichte Wiens über diese Zeit der Judenfolterungen mt Schergenhaus: „Manche benützten die Besuche der katholischen Geistlichen, um durch däs Begehren der "Taufe das Leben zu retten,, viele aber entleibten sich selbst samt ihren Angehörige» durch Aufschneiden dsr Adern, Erdrosseln mit Riemen, Stricken und dergleichen. Das Weib des reichen Israel, erwürgte sich in der Diebsschergenstube mit ihrem eigenen Schleier, ein Jude aus Tulln stieß sich de»' Dolch ins Herz, viele Jüdinnen zu Mödling und Perch«» toldsdorf öffneten ihren Kindern die Adern und erdrosselten sich selber, umihren Männern ein heroisches Beispiel zu geben. Die weitaus größt? Anzahl d?c Jude» blieb jedoch unter all diesen Schrecknissen ihrem Glaube» . treu und wartete standhaft das Ende ab." Wir gedenken insbesondere des Märtyrers Rabbi Misterl und seiner Söhne, des edlen Rabbi Aron und des heldenhaften Rabbi Jonah, um den sich ein Legendenkreis gebildet hat. Ein Teil der Juden war in der Synagoge versammelt und beschloß zu sterben, um den Versuchungen der katholischen Geistlichen zu entgehen. Jonah wurde ausgelost, die anderen zu töten. Er fticfc jedem den! Dolch ins Herz, flehte Gott um Verzeihung ob dieses Blutvergießens, goß Oel auf die zusammengetragenen Betpulte und verbrannte sich auf dein felbsterrichteten Scheiterhaufen. Kennt die jüdische Jugend die Sage, die sich an diese Selbstaufopferung knüpft? Sie ist für sie nicht minher wissenswert als die Geschichte vom «ßfefctt Augustin". Mau schleifte dir Leiche» »us der