Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 764 (12.3.1921)
- Date
- 1921-03-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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R«. 764 Wim» Samsra- Wiener Msrgenzemrn- 12. März mi . Politische^undschau. ' Dle Zersetzung des Bolschewismus. Das Wiener kommunistische Organ veröffentlicht eine« LuSzuq der Rede, mit welcher Lenin am,8. März den Zehntey kommunistischen Kongreß in Moskau begrüßte. Danach führte Lenin unter anderem aus: „Unsere-inneren Schwierigkeiten sind mit der Lebensmittel- und Transportfrage und mit der Demobilisierung.verbunden. Wir haben hinsichtlich der Lebensmitteltzerteilung Fehlen begangen» oblgeich unsere Vorräte bedeutend größer waren olS die im vorigen Jahre. Die Schwierigkeiten in der Hetz- Materialversorgung wurden dadurch hervorgeruwn, daß wir in zu großem Matzstab an die Wiedereröffnung der industriellen Unternehmungen schritten und den Nebergang von her Kriegswirtschaft zur Friedenswirtschaft zu sehr beschleunigten. Die Landwirtschaft durchlebt «ine Krisis» dis nicht nur eine Folge des imperialistischen und des Bürgerkrieges ist, sonder^ auch damit zusammenhangt, daß der neue Staatsapparat seine Methoden nur langsam ausarbeitet und deshalb manchmal Fehler begeht. Die internationale Lage wird durch die äußerst langsame' Entwicklung der revolutionären Bewegung in der ganzen Welt bestimmt und wir dürfen in keinem Falle den schnellen Sieg btt Weltrevolution in unsere politischen Berechnungen, ausnehmen. Wenn man über die i n n e r e Lage S o w j e t- Rußlands spricht, so muffen die K r o n st ä d t e r E r e i gyjisse erwähnt werden. Die mit Hilfe der Franzosen und Söwjetrebolutionaren organisierte Meuterei wird in den nächsten Tagen unterdrückt werden, aber es muß uns dazu qnregen, ernst über die allgemeine innere Lage Sowjetruß- IpndS nachzudenken. Der Bauer glaubt, daß ihm von seiten der zaristischen Generäle keine Gefahr mehr droht, und meint, daß er viel zu wenig Jndustrieerzeugniffe erhält. Der Bauer glaubt deshalb, daß die Opfer, die der. Staat von ihm fordert, -u groß sind. Wir müssen den Bauern zu Hilfe kommen. Wir werden Naturalienscheine, die in Lebens- Mitteln zu leisten sind, etnführen, die entsprechend der Leistungsfähigkeit der Bauern eingehsbcn werden sollen und ihnen freie Bahn lassen für die Betätigung ihrer persönlichen Interessen. Diese Naturalscheine werden nur einen Teil der Ernte in Anspruch nehmen, den Neberschuß, der den Bauern dann noch bleibt, sollen sie dann die Möglichkeit Haben, im Wege der freien Handels zu verkaufen» Ebenso wie die Konzessionen uns Produktionsmittel für unsere Industrie geben sollen, so erreichen wir durch ein Entgegenkommen den Wünschen der Bauern gegenüber e'ne Milderung der wirtschaftlichen Krisis und ' eine B-fferi'"" im Verhältnis zwischen den städtischen Arbeitern und der Bauernschaft. Die Frage der Naturalsteuern ist eine der wichtigsten Fragen der Howjetpolitik. Ihre Durchführung verlangt die größte Einigkeit in der Partei und ein klares Verstehen der Schwierigkeiten, mit"denen die Diktatur des Proletariats in einem klein» ärgerlichen Lande zu kämpfen hat.* . > Diese Rede ist nichts anderes als ein offenes Eingeständnis des Bankrotts. Die Hoffnung auf einen schnellen ^ieg dtt Weltrevolution ist geschwunden, dle Fehler, der inneren Organisation schreibt Lenin selbst dem System zu., Naturalienscheine für Lcbensmitel, Freiheit für die Betätigung der persönlichen Jntereffen der Bauern — wenn man has liest, so ist man versucht, nachzusehen, ob das w.irkltch Lettin sagt. DaS ist ja der freie, vom Staat nicht kontrollierte Handel. . Die Konzessionen (an das Auslandskapital natürlich) sollen Produktionsmittel für die Industrie bringen! Etzkht bergab und die Kronstadt«« Meutereien, die sorgen ihres zaristlschen Hintergrundes überwunden werden, find nur «in Anfang. Die Rede Lenins zeigt, daß die Zersehung in seiner Partei begonnen hat und daß die Hungerholten der Arbeiter nur der äußere Ausdruck des inneren ' Sin republikanischer ReichsbunÄ tu r Deutschland. t r Der kürzlich gegründete republikanische Reichshnnd Mußt sine» Ausruf mit der Aufforderung zum Heitritt Mer ehrlich zur. Republik stehenden Männer und Frauen verschiedensten BerufZstärrde in Stadt und; Land. Wl»y. denen, die im Kampfe gegen die Republik stehen, Msse die geschlossene Front a llec Republika n e r gegenübergestellt werden. -; n „Dazu ist eine durchgreifende AüfkkkrüngS-- Md- Erziehungsarbeit erforderlich. Diese Arbeit aber ' kann nur geleistet werden durch eine.organisatorische Zusammenfassung aller auf dem Boden der Republik stehenden Persönlichkeiten und Verbände. Nicht um' Grünhvng einer neuen Partei handelt es sichsondern um Vie Schaffung eines Bundes, der eine notwendige Ergänzung?« beit für alle republilanischen Parteien leistet, eines Bundes, der, außerhalb der Partei-' und Wirtschaftspoltlischen Arena -stehend, sich zur Aufgabe/stellt: Pflege der idealen Grundlagen und Werte! republikanischer Staatsg.'sinnung und Förderung einer Entsprechenden Kultur des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens, Erziehung des deutschen Volles zu einem politischen,Ehr- Md Persönlichkeitsgefühl, das den Anhängetn des alten ObrigkeitSstaates den Stolz des Republikaners entgegensetzt." ' Der Aufruf ist unter anderem vom früheren ReichSßrnzler Bauer, Konrad Haenisch, dem preußischen Alu'lusminister, Max Liebermann, dem Reichstagspräsihessten Löbe. den bekannten Pazifisten Professor stüidde, Professor Schütting u. u. unterzeichnet. LW George für Die Entente solidarisch. — Dsütschland soll ein neues Anbot machen. London, 10. März. (Router.) Im Unterhaus unterzog das Mitglied der Avis eitert artet C ly ne s die Sanktionen einer scharfen Kritik. Er. machte Lloyd George den Vorwurf, * das Parlament nicht befragt und sich der französischen Politik unterwarf e n zu halfen. - Die Verbündeten hätten zwischen den beiden von Deutschland angebotenen Alternativen wählen müssen. ' Lloyd George erklärte in seiner Antwort: Es wäre unmöglich, Deutschland -dazuzubringen, daß,es Zahlung leiste, ja überhaupt ein Abkommen mit ihm zu schließen, wenn es überzeugt wäre, daß es niemals gezwungen werden könnte, die als Grundlage der Hntschetdungen bür Konferenz von, den Sachverständigen der Verbündeten und nicht Frankreichs allein aufgestellten Ziffern zu achten. Von den beiden Vorschlägen Deutschlands sei der erste eine gsw ö h n l i ch e Beleidigung gewesen, der zweite aber unannehmbar, da der Zusatz bezüglich Oberschlesiens jedes Uebereinkommen talsächlich aushebenwürde. Es sei durchaus nichts Exorbitantes, von Deutschland die Zahlung von 100 Millionen Pfund und eine IZprozentige Ausfuhrtaxe zu verlangen, da Deutschland, im vergangenen Jahre Waren im Werte von 1,25 Milliarden Pfund ausgeführt habe, nicht eingerechnet den Betrag der an Frankreich geleisteten Wiedergutmachungen. Deutschland werde 130 Millionen Pfund zu zahlen Hatzen, was ungefähr ein Viertel der Lasten Englands darstelle. während Frankreichs Schulden derzeit 600 Millionen Pfund erfordern, wozu noch die erdrückenden - Lasten seiner riesenhaften Erfordernisse für Pensionen und seine Verluste kämen. Obwohl die französische Bevölkerung 43 Millionen Seelen zähle und Deutschland 60 Millionen, habe F.ankreich 1,1 Milliarden Pfund. Deutschland dagegen nur- 130 Millionen Pfund zu decken. Um eine billige Regelung zü erzielen, müßten die Deutschen zur Erkenntnis kommen, daß nicht einfach Frankreich, Belgien oder England, sondern alle Verbündeten zusammen den Willen haben, es zur Erfüllung der gerechtfertigten Wiedergutmachungsforde-- rungen in den. Grenzen seiner Leistungsfähigkeit zu veranlassen. Deutschlands Ausfuhr nach den verbündeten Ländern sei von 40 Prozent in der Vorkriegszeit au? 60 Prozent in der Gegenwart gestiegen. Die Vorwegnahme eines Teiles der Ausfuhrvaluta sei das praktischeste Mittel, um in diesem Jahre etwa 20 Millionen Pfund Sterling zu erzielen. Ebensa wie Deutschland selbst, sei hie ganze Welt an seinem Gedeihen interessiert. Verarmung und Unzufriedenheit in den Ge- Hardiugs Abrüstungsplan. Wie der „Basischen Zeitung" aus Washington gemeldet wird, hat Präsident Harding seine Pläne für die von ihm geplante allgemeine Abrüstungskonferenz fertiggestellt. Eine allgemeine Besprechung wird, wie die „Chicago Tribüne" meldet, die Vorbedingungen für die BiDung eines Völkerbundes f.stsetz^n, in den Amerika als Mitglied eintrelen würde, ohne dadurch die von dem republikanischen Senat aufgestellten Pläne für den Vertrag von Versailles zu verletzen. . Harding begünstigt eine Aussprache über die allgemeine Mrüstung in Washington, und zwar mit der B grü düng, daß d;e unruhige Atmosphäre Europas unvereinbar, sei mit. einer frei,:« Aussprache, die ein solch wichtiger. Gegenstand verlangt. Die diesbezüglichen.Verhandlungen "werden bald durch die Botschastw der verschiedenen Großmächte ausgenommen werden. Man dü'fie nicht darüber erstaunt sein, so wird weiter gemeldet,, wenn darauf eine Art von Bund zwischen den. Nationen folgen wird, die durch bevollmächtigte Vertre'er bereit sind, inb-rnationale K-Nslikte jeweils vor Eröffnung der-Feindseligkeiten zu diskutieren. - .; - Die Ideen Hardings sind noch'nicht bis ins einzelne ausgearbeitet, doch beabsichtigt man, sie den AuSlandSinteressenten zu unterbreiten, bevor sie der amerikanischen Regierung vorgelegL werden sollen. , Aüschlutz Albaniens an Jugoslawien? Belgrad, 11. März. (Südsl. Prcßbnwau.) Hier ist eine Abordnung der Arnauten-Stämme cinget.roffen, urn der jugoslcNvischen Regierung die Bitte vorzulegen, daß Albanien dem jugoslawischen Staate angegliedert werde. •.;:/ vberhaLsdrdatte über die, Mru'rdatsfrage. L» von. 7. März. (Berspät.'t.) (Jüd. Korr.-Bur.) Heute wi.d im englischen Oberhaus die Aussprach: ü.tzr die M a n d a t e f ü r Palast in a und Me so p vt a m i e n beginnen. Wie verlautet, soll Lord Jslingtdn von der Regierung verlangen, daß dem Parlam.nt die Gelegenheit gegeben werde, die Mandate gutzuheißen oder #1 verwerfe». Noch, Bfte jiü dem Bölkerbrmdrat bieten Mitteleuropas bedeuten eine Gefahr für du Welt. . Aus eine Anfrage MaeleanS, der für ein samrnengeh an rn i t D e u t s ch.la nd eintrgt» er«i widerte Lloyd George, daß sich Deutschland davon freimachen müsse, Anbote wie die letzten zu mLcheu, ,denn. es:' würde dadurch die Empfindlichkeit-nur steigern»' D e u i f ch la n d m ü s se ei n Au erbieten m achem« da§ geeignet sei,^. als befriedigen.d angLK sehen z u w e r d e n, und von Deutschland müsse eS, ausgehsn. : : Nach einer Rede Chamberlains, der den StaM» Punkt der Negierung guthieß, nahm das Unterhaus einstimmig die Kredite für das Außenamt an. ' \ Clynes gegen die Regiermtg. Lorrdon, 11. März. (Wolfs.) Clyner erklärte^ der Beschluß der Alliierten sei eine Frage der äußeren - Politik, deren Bedeu'ung hinter Liner der Fragen zurück-, stehe, die seit denr F^ietzensschlnß. sich^. dargeboten-hätse^ Die Arbeiterpartei, sei her Meinung, daß keineswegSx alle Mittel erschöpft wurden, um-eine Lösung aufderw Wege eines Uebereinkommens zu erreichen. Sie sei der Ansicht, daß. die' Sanktionen wahrscheinlich^ bi«; fu rch tbaron . Wirt sch a stlichen Schwisrig-- keiten Englands erhöhen werden. Di/e bis-, her angewendeten Maßnahmen machten Deutschland nnfShig, zu zahlen. .Redner fragt,-wieviel von diesLH letzten Beschlüsssn aus. Rechnung FrankrtzichG und tvieyiel auf jene Englands komme'' und verlang^ Ausschluß darüber, warum die. Regierung keinen Schritt: getan habe, um zu erreichen, ,daß, man einem letzten deutschen Vorschläge zustimmte. Er stimme, nicht, mit Lloyd Seorge überein, daß der , Vorbehalt bezüg^ lich Oberschlesiens es zur'Unmöglichkeit gemacht haöLfeine vorläufige Regelung' zu erreichen. Fürdie ÄM zögerung seien die Alliierten zum Teil seihst che r», a nt wo r t l i ch. Hätte ..Lloyd , George .nicht. , wartzM können, als.die Deutschen um eine .tpeiterL'Kst, vM einer Wocbe.baten? Deld könne nie durch militWckE Maßnahmen. eingetrieben werden. Wir. haben. gekämpfL^ sagt Redner, um den Kriegen ein Enhetz«. mqchen,.. yiK wir bekommen jetzt einen. Frieden, der-. 'w e'ile-r^ Kriege zur Gewißheit macht. Redn^p^rnüss^ fragen, ob der, Völkerbund, so schattenhaft sei,' .HK er diese materiellen und finanziellen SchwierigkeiM,^ zwischen Deutschland und den Alliierten nicht zu bef. handeln vermöge. Zur Regelung dieser Frage häM auch Amerika als Schiedsrichter augerufe^ werden sollen. Die Verantwortung für die bisherige».. Schritte habe allein die Regierung zu überriehmen. , :. zur Genehmigung unterbreitet werden: Nord Lanringtor^ bereitet eine Anfrage vor, ob dir Regierung gemäß dem. Artikel 22 des Vötkerbundstatuts auch mit den Arabernzu einem Einverständnis gelangt sei. . Die ökonomischen Möglichkeite« Palüsti«as.? Paris, 10. März. (Jüd. Korr.-Bur.) UsfifchM und Dr. N-ossinson sind auf ihrer Reise nach LvH'A in Paris ein ge troffen. Ussischlin erklärte einem Mi» arbeiter des Jüdischen Korrespondenz Burcaus. Palästina/ biete gegenwärtig alle Politischen und ök'onE mischsn Möglichkeiten. Mnn die Juden diese Gelegenheit, nicht ergretfm wollen, werden andere ans, Palästina in kurzem ein blühendes Larrd machen. ‘ \ Inland. i Bm desrat. Die gestrige Sitzung des BundeSrates leitete LaNdöS^ Hauptmann Reumann mit einer SymparbiekundgebünAs für Deutschland ein. Hierauf wurde die Novelle über diE Vermögensabgabe durchberäten — es fvn-rchen ganM zwei Redner — und in der Fassung des Natiormk^NeS angs^ nommen. Nächste Sitzung am 18. März. , l'X . : v- ■-;!spÄ• SSM MlckMhr abUetem*,;lJ . In hiesigen parlamentarischen Kreisen? wurde bekannt^ daß die, Neparationskommiffion neuerrick an die Sitttreickrischtz: Negic.rung ,einc Note richtete, in der krair dr» FriedenSver« träges die sofortige Ablieferung von 401V MstckckMen an , Italien und von -je 1000 Milchkülien an Jugoslawr«» ünd Rumänien /verlangt wird. Wie' verlautet/! ü.-H ' über die?e . Forderungen der WiedcrgutmawnngSkomnnffio« skgrttÄ'ärtigs Beratungen im Ministerium für Larrd- und' FvrstwirifchasHt im-Gange. - ■■■ . /■■■;i G Borausz^lungen an dir BrwÄssLnZ'rftvKLeM - Der Finanz, und. Dndge'ransschutz M ^esrsru da» ' Gesetz über die' Gewährrnrg von BorauSzMunge» K W BundeSangestelltrn auf Rechnung, einer VeZNgSrsgÄMH Berhandluntz. Der Berichterstatrer. bsantrqtzt« Fassung: »Di« BundeSregittung wird ttmäch^r, dev tzrsängesteÜteu -tü den Monaten Jänner» Februar rwL "WdE 1L21 N.stzgrr.btz hex vüLÜaKtze.Ltzy- )■ i •;; K ,/ / -/