Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 760 (8.3.1921)
- Date
- 1921-03-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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- Riga 1× ep/1000826
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Seite 4'_Wie», Dimstsg StS eS sich zeigte daß die-im Saale tagende Versammlung dazu izieigc, den Streit abzubrechen, drangen die Kommunisten in den Saal ein,wobei es zu e i ne r frü st en Sch l ä ger e i kam. in deren Verlaus, mehr als 50 Tiche, Stuhle und Fensterfche ben zertrümmert und mehrere Personen erheblich verletzt wurden. Herbeigerufene Polizei stellte die Ruhe - wieder her und nahm mehrere Verhaftungen vor. Die Abstimmung konnte dann beendigt werden und ergab eine bemerkenswerte Mehrheit für den Abbruch des Generalstreiks. Neue Schmierigkeiten des Kabinetts Witos. Warschau, 6. Marz. (Tel. d. »Wr. Morgenztg.") Bei der letzten Sitzung des MinisterrateS stellte der. ArbeitSmimster Deplowski die Forderung nach Abschaffung der Miliiansierung der Eisenbahnen Mit der Begründung, -aß der Eisenbahnerstreik nunmehr beendet sei. Der Premer-W.ito s lehnte «S im Namen der Mehrheit des Ministerrares ab, einen Beschluß über die Festsetzung eines Termins iür die Abschaffung der Bahnvrilitarisierung zu taffem Im Zusammenhang damit hat der NrbeitSminister dem Premier sein DemissionSgesuch unterbreitet und gleichzeitig dem Klub der nationalen Ärbciis-i Partei, dem er angehört, Mitteilung darüber gemacht. Der Klub hat die Demission. seines Ministers zur Kenntnis genommen. Aufhebung der StreiLrnilitarisierung in Polen. Warschau, 7. März. '.Privat.) Die Regierung hat in einem Samstag abends abgehaltenen Ministerrat die. Aufheb u « g der Militarisierung der Eisenbahnen beschlossen. Grenzfestlegung zwischen Polen «nd RntzlanL. Warschau, 7. März. Dem »Kinjer Poranny" wird aus Riga gemeldet: In den letzten Beratungen ist die Grenzfxage endgültig bereinigt worden, so daß nunmehr die Gren-e zwischen Pole« einerseits, und Rußland, Weißrußland und der Ukraine andererseits festgelegt ist., Jetzt wi.d über die Frage der Pensionen, de. Schadloshaltung für Requisitionen und der Entschädigungen privatrechtllcher Natur verhandelt. Polen nimmt an der Konferenz in Portorose tjetl. . Warschau. 7. Mirz. (Pol». LI -Agentur!. Wie in g» informierten politisckkn Kreisen verlautet, hat sich die polnisch Regierung bereit erklärt, an der Konferenz w Portorose teil zuneymen. . Volkszählung in Polen. . Warschau» 7. Mürz. Der Mmisterral beschloß, de« statlstischru Amt die Durchführung einer allgemeinen Volkszählung am 3 0. September d. I. auszutragen. Dir nächste Volkszählung soll am 31. Dezember 1930 erfolgen. Die Komrrmrnstenprozefse iu der Tschecho-Slowakei. Prag, 7. März. In der abgelanfene» Woche wurden von den mqhrischen Gerichtshöfen zahlreiche Teilnehmer a» de« kommunistischen Generalstreik im Dezember v. I. verurteilt. Die Urteile lauteten bis zu neun Jahre« schweren Kerkers. Der Redakteur des .Lude Pravo". Dr. Bacek. der ebenfalls im Zusammenhänge mit dem Dezemberstreik wegen Aufreizung zur Störung der öffentlichen Ordnung augeklagt war, wurde bloß wegen unberechtigten Waffenbesitzes bedingungsweise zu einer Geldstrafe von K 20 verurteilt. Tagesbericht. Die Hofburg als Belrrstigrmgsort. r Die monarchistische Wiener „Montags-Zeitung" beverrchtet, daß allen Abwehraktionenzum Trotz, dpch wieder ein Ball in der Hofburg abgehalten werden soll, mnd zwar der-Ball des Deutschen Burschen- Lundes. Er soll zwar nur von geladenen Gästen besucht werden, doch findet das Blatt darin keine Entschuldigung, sondern meint: „Es handelt sich doch nur mm ein.primitives AnstandsgefLM das jedem anständigen Menschen sagt, daß ein Raum, der einst nur für die wichtigsten Staatsakte des alten - Oesterreich Lenützt wurde, nicht zu einem Tanzlokal entweiht werden darf. Oder ist es keine Entweihung, wenn in den Nebenräumen für die tanzenden Gäste vierzig Zimmerklosetts ausgestellt werden müssen, weil die Hofburg für derartige Nachtfeste bisher nicht eingerichtet war? Diesem Mangel sott in Zukunft allerdings abgehölfen werden durch: die Errichtung einer eigenen Klosettanlage. Die.Herren können sich bei dieser Geschäftsspekulation auch gründlich verrechnen und wir können heute schon mitteilen, daß eine Bewegung im Zuge rst, dieses neuerliche Attentat auf die Hofburg abzüwehren." Wir sind neugierig, welcher Art. die hier angekündigte „Bewegung" ist. Das geeignetste Forum zur Bereinigung der Angelegenheit wäre eigentlich der Antisemitentag, da'es bisher nur antisemitische Korporationen gewesen sind, welche sich die Hofburg zum Schauplatz ihrer Belustigungen aussuchten: Zuerst die beutschösterreichische Schriftstellergsnossenschaft und jetzt der deutsche Burschsnbund. Wir bezweifeln aber, daß der Antisemitentag der Sache das; nötige Interesse «itgegenbriuLen wird« da La. die üerrennickt zur mübe- Wiener MorKenzeitung& März 1921 Nr. 760 Mitteilungen «ns dernPMilM. Mali SGherl Isak SchRrl r> h Gr Unberg New-York <7i empfehlen sich als Vermählte Gusta Lebensolm Josef Ginskrg , Rodwoloczysk^ Buczacz empfehlen sich als Verlobte «n .. *' Wien, im März 1921 ' ZUR VERLOBUNG unaeror Schwester Gusta Lebensofcn mit Herrn Josef Gins* herg gratulieren wir herzlichst Geschwister leftensohp „„ ZUR VERLOBUNG ihres Freundes Herrn Emannel Xeuprröscliel mit Fräulein Razsy Kratz gratulieren aufs herzlichste Meier Schmidt David Zlmmermastn n» RSLLÄNYBN, Perlen, Gold.Silber,Platin «.Uhren kauft und tsrkittft. 778 ETTER Soteaturmstr. 23, Marlahllierstr. 98 Grösster und bester Käufer Wiens 4530 Brillanten,. JPenlen Juwelen, EdelsteinhändlerRabinowitsch, Juwelier I. Mahlerstrasse 5 (frühere Maximilianstraase) Tel. 8541 II. Hollandstrasse 3, nur Nr. 3 (frühere Stephanlestr.) Tel. 45146 im eigenen Hause Freitag 5 Uhr v. Samstag gesehiossen. 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Ihre Aufgabe ist, die ungarische Literatur zu fördern,-die Herausgabe von Werken ungarischer Dichter und Schriftsteller zu ermöglichen. Allzu viel Judenfreundlichkeit hat in dieser Gesellschaft niemals geherrscht, als aber der christliche Kurs zur Herrschaft gelangte, war wohl die Kjsfaludi-Gesellschast eine der ersten, die das Prinzip des Numerus clausus sich in dem Sinne der ungarischen Universitäten zu eigen machte, indem sie keine Juden mehr als. Mitglieder aufnahm. Diese Gesellschaft ist» wie alle Kulturanstallen in Ungarn, seit der Herrschaft Horthhs und der christlichen Renaiffance in großen Noten. Das Elisabethstädter Kasino, das politische Refugium der Budapester Juden, sah sich nun veranlaßt, der Kissaludr-Gesellschaft zu Hilfe zu eilen und bei einem eigens hiezu veranstalteten Bankett eine große Schrorverei anzulegen. Auf diesen Bankett nun geschah das Widerliche und Unglaubliche, daß der Präsident der'Budapester neologen Gemeinde, Hofrat Franz S z e k e l y, ausdrücklich in seiner Eigenschaft als Kultuspräsident den- Betrag van 280.000 Kronen als Spende der Juden für die literarischen Zwecke der Kisfaludi »Gesellschaft anboü Geradezu vonrirend wirkte di« Begründung,- daß die ungarländische Judenschaft durch diese Widmung zeigen wolle, daß sie trotz der verschiedenen Zurücksetzungen sich dennoch als Magyaren siihlen und zur Demonstration dieses Gefühls den genannten Betrag widmen. Die noch liberal tuende Presse hat dieses Ereignis in der ihr eigenen Art für politische Reklamezwecke ausgcnützt' und die antisemitische Presse wies natürlich diese Zudringlichkeit zurück und verwahrte sich dagegen, daß jemand mit 250.000 Krone« ein nicht existierendes Magyar'entum kaufen könne. Das zlonistrsche Organ »Zsido Szemle" halt diesem Kultuspräsidenten > mit Recht vor, daL er es war, der «och vor kurzer ZÄt fing Betteldelegatlon nach Amerika entsenden wollte, mn mit' Hilfe amerikanisch-jüdischen' Geldes die notleidende« jüdischen. Institutionen von Budapest vor dem Zusamrnenbruch zu retten. Wenn es möglich ist, im Handumdrehen in einem kleinen Teil für nichtjMsche Kulturzwecke eine Viertelmillion aufzubringen, so müsse es auch nicht schwer fallen, die wichtigsten jüdischen Anstalten.aus eigenen Mitteln z« erhallen. Das jüdische Gymnasium tarnt nicht - unter Dach gebracht werden. Die ungarisch-jüdische L i t e r a t u r g e s e I l s ch a f t ist nicht in der. Lage, ihre Publikationen herausz «bringen. Der ungarischisraelitische K'u l t u r v e r e i n hat seine Tätigkeit' fast ' ganz emstellen müssen, well die Juden ihm die Mittel ver- ' sagen. Die jüdische' Bürgerschule " ist m einem geradezu unwürdige". Gebäude untergebrächt. Und..stun. die" andere Seite des Bildes: Jüdische Schriftsteller 'werden auZ'/ allen Organisati'orte'n und Verlagen' hinäusgeekelt, jüdische Künstler finden keinen Verdienst und Kunstbeflissene keine Studienmöglichkeit. Zur selben Zeit, wo' die ametikänischen ' Juden dem Büvgerineister von'Budapest 16 Millionen Kronen zur Unterstützung' ohne Unterschied der Konfession ' einhän- •: digten, wurde der jüdischen Gemeinde von der Stadt Budapest die Subvention' entzogen: Und nun erniedrigt sich der > Präsident der Budapester neologen' Kullusgemeinde ' und spendet in aufdringlicher Weise, die den Ghettogeist verrät," einer Gesellschaft, welche die jüdischen Schriftsteller boykottiert, förmlich zur Kräftigung des Bohkottfonds eine Viertelmillion, während auf jenem--Bankett die Spenden - der Nichtjuden sich zwischen tausend und fünftausend Kronen bewegten. Nein, wahrhaftig! . Den ungarischen Juden kann nicht geholfen werden, solange ihr Schicksal von der Vertretung ihrer Interessen durch Männer wie Polnai, Paul S a n d o r und Hofrot S z « k e l h abhängt. Oesterreichischer Tropenkoller. Wir erhalten, unter Berufung auf den § 19 des Preßgesetzes folgende Berichtigung: Es ist unwahr, daß de« Untersuchungsrichter des Landesgerichtvs Salzburg, der mit der Untersuchung gegen Therese L., Moritz L. und Julius St. wegen Vergehens der Preistreiberei durch Zkettenhandel befaßt ist, an dem Trauschein, mit - dem sich Therese 'L.legiti-1 - nneren wollte, nur die'- auch in das Pvotokoll aufgenommeue Tatsache interessiert hat, daß es ein „israelitischer Trauschein^ ' war. Wahr ist vielmehr, daß weder das mit Therese L. noch ein sonstiges vvy Diesem. Untersuchungsrichteraufgenommenes Protokoll.irgendeine Bemerkung enthält, daß es. ein' . „israelitischer Trauschein" ist, und daß''vom Untersuchungsrichter auch keine, auf-diesen. Umstand bezügliche.oder sonst das Glaubensbekenntnis der Therese L. betonende Bemerkung gemacht worden ist. Unwaht ist, daß dieser Umstand (das heißt die Konfession) der Therese L. drei Wochen durch kein Gesetz begründete Haft verschafft hat. Wahr istvielmehr, daß- Me'.. Staatsanwaltschaft Salzburg mit Antrag vom - 26.. Jänner 1921 die Einleitung der Voruntersuchung gegen Therese L.. Moritz L. und Julius St. wegen Vergehens der Preis-. . treiberei durch Kettenhandel und die Bethängung' der Unitersuchungshast nach §8^ -175- Z. 2 :unb S, -umd StPO, gegen die drei Vorgenannten beantragt,' daß.der Untersuchungsrichter des Landdsgerichtos Salzburg diesem durch \ die Sachlage begründeten Anträge stattgebend, gegen die auf ihr eigenes Verlangen vom Bezirksgerichte Zell am 0^°' an bas Landesgericht Salzburg überstellte 'Therese L. mit Beschluß vom 27 .Jänner 1921 wegen des vorerwähnten Deliktes die Voruntersuchung eingelellet und nach den zitierten Gesctzesstellen die Untersuchungshaft verhängt hat, und daß die von ihrem Verteidiger eingebrachte Hastbeschwerde von der - Ratskammer des Landesgerichtes Salzburg als: unbegründet - abgewiesen worden ist. Unwahr ist, daß erst auf Intervention des Wiener Rechtsanwaltes Dr. Alfred Zkramer samt- . licke Opfer des Salzburger Kreuzzuges ihre Freiheit. wieder erlangt haben. Wahr ist. vielmehr, daß zur Vermeidung einer Verabredungsgefahr der Untersuchungsrichter über den vorerwähnten Antrag der Staatsanwaltschaft die Verhaftung deD Moritz L. und des Julius St., die sich inzwischen von Salzburg nach Wien begeben hatten, in Wien veranlaßt und das Landesgericht für Strafsachen in Wien ersucht hat, nach Abhörung des Moritz L. und des Julius St. dieselben wieder zu enthaften, die erfolgte Abhörung telegraphisch dem Ländesgerichte Salzburg'mitzuteilen) und baß näch dem Ernlangen dieser telegraphischen Mitteilung der Untersuchungsrichter sich mit der.Staatsanwaltschaft ins Einvernehmen gesetzt und über deren mündlichen Antrag am 14. Febnrar 1921 vormittags die Enthaftung der Therese L. verfügt, hat, bevor noch der Staatsanwalt von der Eingabe ix# Dr. Alfred Kramer Kenntnis erlangt hatte. Präsidium des Lanbesgerichtes.Salzburg, am '4.' März 1921. ' Unterschrift unleserlich. Deutsch im „Jüdischen. Die Tracht der Ostjuden, der lange, schwarze Tuchrock und die „Pekesche",. sind, genauer betrachtet, nichts anderes als die süddeutsche Kausmannskleidung des Spät- ' Mittelalters, jener Zeit, in der die große Einwanderung der deutschen Juden-nach dem Osten erfolgte. Diese Tracht haben die Juden einfach beibehalten, sind, dabei stehen geblieben und haben so die charakteristische Judentracht geschaffen. Ganz ähnlich ist es. mit der Sprache ergangen. Die Juden haben bas Dleutsch des Mitteta alters weitergesprochen» ein Deutsch, dein die Entwicklung abgeschnitden war, haben es teilweise mundartlich geformt und stark mit hebräischen Worten durchsetzt, und so entstand das „Jüldische". Daß die beutschsprechenden Juden diese Sprache nicht oder nur mit großer Mühe verstehen, bewerft gar nichts.- Bekanntlich ver-. ständigt sich auch der Pveuße mit dem Schwaben nicht leicht und wer je in der deutschen Schweiz gereist ist,, weiß, daß man in manchen Gegenden leichter mit dem Französischen durch kommt als mit der gemeinsamen Muttersprache. Immerhin ist aber die Beziehung des Jüdischen zur deutschen Sprache noch enge genug, um in vielen Fallen aufgezeigt zu werden.. Wenn der Ostjude den Gulden als „Ranisch" bezeichnet, meint err „rheinisches" Gelb. Der „Belfer" oder Lehrgehilfe ist ein „Bethels gewesen«, der „Marschalek" nichts anderes als der deutsche ,M«v« Hu*?', m mm mm M.- mm