Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 756 (4.3.1921)
- Date
- 1921-03-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gelte 2 - Men, Freitag 'fiber die Welt zusantmenbällen. Der Zwiespalt zwischen -en europäischen Ententemächten und Deutschland, der bis zu einem viertägigen Ultimatum gediehen ist, konnte 7Mr durch Amerikas Desinteressement seine Tiefe gewinnen. Amerika ist der Gläubiger der Entente gewor- Len. unL wird der Gläubiger der Welt werden. Seine zuwartende Haltung resultiert einerseits aus der korrekten Auffassung, daß eine abtretende Pättei ihrem Regierungsnachfolg'er nicht eNbatzwren dürfet andererseits aber aus der' Erwägung, daß ÄmeriEa dse ans Eukopa herüberspielende Welle der wirtschäftliHeri Ermatftrng erst verlaufen lassen müsse. Es Mutz.seine'Mittel wieder ordnen, den Uebergang von der Kriegszur' Friedenswirtschaft vollziehen und erst bann n?it der gesammelten Kraft seines fast unerschöpflichen Staatsyrganismus in die Revision seiner Beziehungen zu den Freunden und Feinden von gestern, die vielleicht Femde und Freunde von morgen sein.werden, eintreten. Die Gestaltung der Verhältnisse in Europa aber drängt gebieterisch einer raschen Entschließung Amerikas zu. Es ist vielleicht nicht unmöglich, datz das von der Agenee Havas angekündigte viertägige Ultimatum der . Entente an Deutschland eine taktische Wendung Lloyd Georges ist^.dev in Liesen vier. Tagen eine Intervention der nördamerikanischen Union herbeizuführen bestrebt sein wird. ' Die Geschichte hat den Präsidenten Harding in einem für die ganze Welt schicksalsschweren Augenblick vor eine Konstellation gestellt, die die ganze Entschlossenheiss der amerikanischen Politik erfordert. Die alte Welt droht in einem Sumpf von Haß und Rot zu ersticken. Sie ist noch immer in der Hand der Männer von 19U, die den Krieg innerlich nicht überwunden halben. Sie alle tragen noch in sich die Stimmung dieser unglückseligen Jahre, zwischen ihnen stehen die Schatten der Toten und die Erinnerung an. die eigene Schuld. Harding ist ein neuer Mann. Er ist im politischen Leben nie an exponierter Stelle gestanden und der Ruf seiner Nation, die den Krieg um ideeller Gitter willen geführt hat, hebt' ihn hoch hinaus über die Sticköünste der Schlachtfelder. Alle Hoffnungen, der gequälten Menschheit Europas begleiten ihn auf seinem ersten Gang zum Weißen Hause. Amerika ist immer den Verfolgten Europas als die Verkörperung der -Freiheit erschienen. . Harding, der unter den. Äugen ' einer von Sorgen geschüttelten, von 9kot zermürbten Welt die Leitung der Vereinigten.Staaten übernimmt, trägt bas Vertrauen von vielen Millionen, von.Kränken, Frauen und Kindern: Hoffentlich schöpft cr daraus die Kraft, Ihnen den Frieden, wiederzugeben. ,, Der neue Präsident der Bereinigten Staaten. : Von Harding, btt. heute offiziell als Wilsons Nachfolger sein Amt antritt, entwerfen die. - amerikanischen Matter das folgende Charakterbild: . Darren Gamaüal Harding, der netze Präsident der Vereinigten Staaten, würde am 2. November 1863 geboren und entstammt einer armen Familie. Er mußte schwer arbeiten, bis er sich einen Weg bahnte und das höchste Amt erlangte, welches ein Bürger der amerikanischen Republik erreichen kann. In seiner Kindheit» welche er in einer, kleinen dorfähnlichen Stadt in Ohio verbrachte, zeigte er kerne außerordentlichen Fähigkeiten, er war, was man so einen durchschnittlichen Jungen vom Dorfe nennt. Für geistige Ausbildung interessierte er sich wenig, sein LiebliugSplah, an welchem er seine freie Zelt verbrachte, war die Werkstätte des Sattle cS. Dort pflegten sich alle Müßiggänger des Dorf-S zu versammeln und es gab Konzerte auf allerhand Musikinstrumenten. Der Sattler selbst konnte ein wenig die Klarinette spielen und er organisierte aus den Müßiggängern eine ganze Kapelle, welche hei den Unterhaltungen im Dorf aufspielie. Der junge Harding war ein lebenslustiger Jüngling und wurde bald der Führer dieser Kapelle. Wo es eine Unterhaltung gab, dort war bald Harding mit Mesner Kapelle zu finden. . Hardings Vater, welcher.Arzt in Hardings HeimatSdorf war, und Außerdem den Pferdehandel bettteb. sah ein, aus seinem einzigen Sohne würde nichts' werden, wenn er ihn in der Gesellschaft der Müßiggänger ließe.' Da der junge Harding zum Studium nicht viel Lust hafte,. nahm ihn der Vater als Lehrling in die kleine Zeitung. „Argus", welche er nicht lange vorher erworben hatte. Darren erlernte dort das Setzerhandwerk und arbeitete fleißjg. Pald aber wurde er dieser Arbeit überdrüssig. Im Dorfe hatte sich nämlich gerade damals eine neue Kapelle unter. Leitung eines wirklichen Musikers gegründet. Hardings musikalisches Gemüt konnte der Versuchung nicht widerstehen und er schloß sich dem neugegxündeten „Bund" an. Er befreundete sich mit dem Bundesmeister, von dem er feine Kunst lernte, die ihm später gut zunutze kam; denn er verdiente damit die kurze Zeit, während welcher er die Schule besuchte, -feinen Lebensunterhalt. Das sind jedoch nicht die einzigen Gewerbe, in denen er arbeitete. Harding ist auch einguter Landarbeiter, er versteht mit dem Pflug, umzugehen, war in seinem Leben auch schon Kutscher. Habdings Vater war allerdings mit. diesen Kenntnissen seines Sohnes nicht zufrieden und steckte seinen Darren ins i Gymnasium. Das' Studium ging dem jungen Hardirig nicht allzu leicht und überdies müßte ec ävch in seiner fteien Zeit arbeiten, um zum Teil seinen Lebensunterhalt zu der» dienen. Nachdem - er bk Schule beendet hatte, echiett er eine Stelle äls-. Lehrer in einer DörfschlÄe für' 30 Dollar movAtlich. Als ervon diesem Berufe genug hatte» begann er Jurisprudenz an studieren, aber auch dohef Lieft es r«M Wiener Movse«zelt»«s Die Ausweisungen der Ostjude« aus Oesterreich. Ein Abkommen in Paris getroffen. Paris, 23. Februar. (Haoas.) Nachdem der V'ölkerbundraL den Bericht Balfours angenommen hatte, wonach Oesterreich nicht daran zu hindern sei, Personen auszuweisen, die nicht österreichischer Nationalität seien, datz es jedoch geboten sei, dieses Recht mit M L tz i g u n g a u szuü b e n, find die Delegierten Pole«s uud Oesterreichs zu einem A b k o m men gelangt und haben in alle geforderte» Bedingungen gewilligt, * . Diese aus französischer Quelle flammende Mitteilung ist ziemlich unklar gehalten und es wird erst abzuwarten sein, was für einen.Wortlaut das Abkommen hat, das zwischen Oesterreich und Polen in der strittigen Frage getroffen wurde. Augenscheinlich haben beide Parteien den Vermittlungsvorschlag Äalfours angenommen. Belustigend wirkt nur, wenn die Agenee Havas von einer „österreichischen Nationalität" spricht. lange aus. Me bereits-erwähnt, war Harding sehr, lebenslustig, dazu aber brauchte man Mittel», die ein' Rechtshorrr nicht zu erwerben imstvüde war. Daher wurde Harding Agent. •' ', ’ : : - v ' ' '' Zu. dieser Zeit: lernte. er, einen EiftnhHnacheLtec kennen, welcher vor kurzem eine Erbschaft von 1600 Dollar gemacht, hatte. Harding ging mit ihm in Kompagnie» sie kauften eine kleine Zeitung, «Stär", und legten sich nun 'inS Zeug. Sie allem fetzten, druckten und schrieben die Zeitung und wenn sie fettig war, mutzten sie sie auch noch an btt Allonnrnten austragen. Die. große Erbschaft des Eisenbahn-, ürbeiters reichte jedoch nicht für lange und die Zeitung ging bald em. Harding erhielt dann eine Stelle als Reporter in einer demokratischen Wochenschrift, aber er konnte sich nicht lange halten. -Harding war nämlich ein heißer Repilblik-aner. Damals fanden gerade die PräsidentschastS- WaÄen sdxli irnd er uwtetstühte offen den republikanischen Kandidaten. Er stellte sich" dem AgitalisnSbureau der rLpttblikanifchsn Partei zur Verfügung uwd machte sich ball» einen Namen als Redner, so daß ihn die- Parteipolitiker häufig zu verschiedenen Meetings mtfanbten. Schon im Jahre lW>-Hürde er als Kandidat für den Senat nvminiert tznd da er in .seinem Bezirk noch von J'ugknd an üMr der Nebolkerüng populär war, wurde er dümäks gewählt. Damit begann' fein politische Kavttere. Im l allgemeinen NaW. Harding irgendeimn:. polittschrn Frageeickr - eigene richtete sich stets nach' den Beschlüssen -stmdr'^irkä. ohne Zweifel wird, Obwohl dbn Titel des - Präsidenten Harding trage« wird, die Politik des Landes nicht von ihnü sondern von drn Führern der rcprrblikanischen Partei besttnimt werden. PolitischeNundscharr. Dir Mandatsfrage and Amerika. j - TuS Paris wird uns gemeldet: Nämens 8eS Völkerj bundrates hat d a C wn h a auf. die amerikanische Note-über die Mandatsftage geantwortet. Die Antwort hebt hervor, dätz > die Lage dadurch verwickelt werde, datz die Vereinigten! Staaten es nicht für angebracht gefunden haben, den Pakt ■ von Versailles zu ratifizieren Noch ihren Sitz! im Völkerbundrat einzunehmen. Vas die Mandate selbst betttfft, führt die Antwort aus: A. Mandate über dieehemaligen ottonianischen Besitzungen einschließlich Mesopotamiens: Die Antwort versichert, daß durch den Völkerbundrät keinerlei Entscheidung getroffen werden, wird, ohne, daß den Vereinigten Staaten Gelegenheit gegeben wird, ihre Ansichten zum Ausdruck zu bringen. Was die Mandate über die ehemaligen deutsch-« ' Kolonien in Afrika anlgngt, so vertagt der Rat die werter«; Prüfung dieser Frage bis zur nächsten Tagung, die vorauSl sichtlich etwa im Monat. Mai stattfinden wird, und lädt dre j Bereinigten Staaten ein, an den Besprechungen teilzunehmen. , B. Hinsichtlich der. Mandate über die ehemaligen j deutschen Besitzungen im Stillen Ozean hat; der Rat schon seine Entscheidung getroffen. Die Haupteinwendung in dieser Hinsicht scheint'die Ausdehnung des an; Japan übertragenen Mandats auf die Insel Aap zu treffen. Der Rat erinnert, daran, daß für die Zuteilung der einem Mandat unterstehenden Gebiete der Oberste Rat zuständig jst, nicht aber der Völkerbundrat. Der Rat hat seine Note sofort den allnerten Mächten übermittelt. Zu der im Völkerburrdrat über das Wesen der Mandate geführten Debatte wird dem Londoner »Daily Chronirle" aus Paris berichtet: Die kleineren Mächte hatten.das Bestreben, die Mandate und ihre Bedeutung,, besonders aberdie Mandate über Mesopotamien, Palästina und Syrien, zu bagatellisieren und ihre Dauer abzukürzen. Die englischen und französischen Delegierten als die Vertreter der hauptsächlich in Betracht kommenden Mandatarmachte, ließen jedoch die übrigen D elegierten keiäe Minute lang im Zweifel darüber, daß der Gedanke» bäßdaS Mandat für Mesopotamien, Palästina und Ghrken gewisfermäßen wie die Vermietung öineS möblierten ZimmerS für die Dauer von zum Bsifpiel tzrei Jatzren mit feKsmomwige? Kündiguna angMeN »M 4. März IM Nr. m . r 1 1 ff.»/. .------ behandelt werden solle, von vornherein als. indiskutabel abgelehnt werden nrüsie. ■ „Philadelphia P uülic 'Le dg er" erfährt aus be-stunterrichteter Quelle, datz Harding den englischen und: den ftanZösischen Botschafter in Kenntnis, gesetzt habe, rlach seiner Meinmrg. sti nichts gewonnen, wenn man Amerika' zum Einlritt.stü-den tzegenwartigeü Völke-rLutti? zwingen wolle. Er, Senator Knox und die anderen rspublikanischen Führer, seien in' der Frage Mesopotamiens sind der übriges Mandate Nachfolger de-r Wii« fonfchen Politik. ^England mH Frankreich bedürfen der moralischen Unterstützung der Vereinigten Staaten, um von Deutschland He Wiedergutmachung zu erzielen. Amerika wolle aber zuerst reinen Tisch in der Frage von Mesopotamien und Nap, bevor es sich für die Frage der Wiedergutmachungen, erwärmen könne. Auf keinen Fall werde militärischer Beistand geleistet werden. Ein E n t g c g e wk o m m e n in der Frage der Rückzahlung der Anleihen ^der Ententestaaten sei' zu erwarten, ein gänzliches Nachlafsen aber nicht. Die Republikaner seien nicht der.Ansicht, daß die. Abwesenheit Amerikas vom Völkerbund einen Grund abgeben dürfe, sie unter die Verlierer des Kriegeeinzureihsn. Die neue amerikanische Regierung werde es als u n e r f r e-u l i ch.betrachten, wenn der Völkerbundrat fört* fahre, auch weiterhin nur ein willfähriges W e.-r kzeug der vier Haup-t'mächte zu sein. Die Erschwerung der Amerika- Emigration. Die vom Senat beschlosienen Einschränkungen dev Einwanderung nach den Vereinigten Staaten werfen bereits düstere Schatten'voraus. Wie aus Warschau gemeldet wird, erschwert das dortige amerikanische Konsulat in der letzten Zeit die Erteilung des Visums an Amerika-Emigranten überaus. Es werden nicht einmal die Pässe derjenigen vidiert, welche zu ihren nächsten Anverwandten, wie Brüdern rmd Schwestern, fahren wollen. In Ausnahinsfällen wird das amerikanisch Visum solchen Emigranten gegeben, welche zu ihren Eltern fahren; diese Emigranten erhalten. es aber erst zehn Lage nach der Einreichung. Durch diese Erschwerungen befinden sich die Tausende jüdischer Emigranten, welche auf Grund dev. ihnen von den Angehörigen erwirkten Erlaubnis und nach Erhalt der Schiffskarten ihren ganzen Haus- und Wirtschaftsstand in Polen aufgelöst haben, in einer lehr kritischen Lage. In Warlchau gibt es eine große Zähl solcher Emigranten» .. : New-Aork, 28. Februar. (Jüd. Korr.-Bur.) Auf der 12. Jahresversammlung'der „Haya" (Hachneseth Orchim and Immigrant Aid Society), an der M0 Mitglieder teilnahmen, wurde eine energische Protestresolu« tion gegen die vom Kongreß der Vereinigten Staaten beschlossenen Beschränkung der Einwanderung gefaßr. . Die Resolution zählt alle negativen Seiten dieses Beschlusses auf, der als „unwissenschaftlich", unamerr-. kanisch", „undemokratisch" und „unmenschlich" bezeichnet wird, undfordert, falls die ganze Bill nicht suspendiert werden sollte, die Ermöglichung der Vereinigung der in Europa gebliebenen Familien mit ihren Angehörigen in Amerika, ferner eine gerechte Stellung zu den Minderheftsnationalitäten, sowie zu den neuen und den vergrößerten Ländern, weiters die Bestimmung der Zahl der nach Amerika Eingewanderten' nicht nach dem Zensus von 1910, sondern nach dem vou 1920, und schließlich die Erh ö h u n g des gestatteten! Einwandenmgsprozentsatzes von 3 auf 10 Prozent. Diese Protestresolution' wurde an den Vorsitzenden und die Mitglieder der Jmmigrationskommission des Senats und des Kongresses, an den Vorsitzenden des Senats und des Kongresses und an den Präsidenten, der Vereinigten Staaten verschickt. Bevorstehende Abdankung des Sultans? Ein Mitarbeiter des „Az Es^ hatte eine Untere redung mit einem türkischen Diplomaten über die Vorgeschichte der geplanten Revision des Vertrags^ von Sevres, in welcher der türkische Diplomat nach /einer Zusammenfassung der bereits bekannten Vorgänge in Vorderasitn schließlich noch folgendes sagte: „Die siegreichen Aufständischen unter Ke mal Pa scha standen anfangs in sehr schroffem Gegensatz, ja.in offener Feindseligkeit gegen die Konstantinopler Regierung, welche wegen der ^Unterzeichnung des Vertrags von Sevres die Regierung der Landesverräter genannt wurde. Noch vor der Abreise der beitzen Delegationen der Konstantinopler und der Abordnung der Angora-- Regierung waren diese Gegensätze nicht ausgeglichen. Erst in London gelang es, eine Einigung herbeizuführen und. in den wichtigsten Punkten eine Ver-> ständigung zu erzielen'. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß nach Abschluß des neuen Frieders, beziehungsweise nach Durchführung der Aenderung gewisser Vertragspunkte der Sültan zurücktreten und d^v Kkvonprinz die Herrschaft' übernehmen werde. Die Kemattsten wollen unterschreiben. London, 3. März. (Reuter.) Die Regierung von Angora hat amtlich mitgeteilt, datz sie bereit ist. den Vertrag von Sevries'zu unterzeichnen, wobei die Fragen von Smyrna, Thrazien, Armenien und K u r di st a n s p ät .e.r g e l ö st werden sollen und dis wirtschaftliche und finanzielle Souvemmtat der