Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 754 (2.3.1921)
- Date
- 1921-03-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 _ _Wien. Mittwoch Steife des Ministers Heinl nach Prag. Wir die Korrespondenz Herzog erfahrt, begibt slÄ der -Minisier für Industrie und Handel. Heinl. über Einladung!drr ischcÄischrn Regierung kommenden Donnerstag nach Prag, um Mit dem tschechischen Handelsminist« H o t o v c c bezüglich der Einleitung von HandelsvcrtragZverhandlungcn zu konscrieren. Die Prager Verbandlungcn sind für zwei Tage anberaumt. Nach Aesilcgung des Programms werden dre Berhandlnnge» vom 11. d. M. an in 23 i e n sortgcsctzt werde«. Die Bewegung unter den Staatsangestellten. Die Bewegung unter den StaatSangestellren, soweit sie «ich! der Besoldungsteform unierstchen, dauert fort. Die Forderung der Staa'sangestellten zielt »ach crnrr 100°/oigrn Erbohung des Gehasts. Diese Forderung gründet sich.. darauf, daß den Eisenbahnerneinerseits eine 1M/»'ge Erbohung ihrer Teuerungszulagen zug.'standcn wurde, andererseits solldamit beiweckt werden, den Vorivrung, den d'e.Eisenbahner auf Grund der Desolduagsreform baden, einzubolen. Unter den Telrgr.rpbcnangestelllen ist eine Bewegung entstanden, welche ihren Grund darin bat. daß ras Finanzministerium die bereits fertige B e s o l d « n g S r e f o r m für die Tele- Kraphrnangestelllen uochnichtdurchgerechnet hat. Die Konferenz von Portorofe. Brag, 1. März. Wie die Blatter erfahren, wird die Konferenz der EukzessionZstaalr» in Portorofe anfangs April de- Sinnen. - . Tagesbericht. HirfsÄktron der.,kntspooI!s§!sts Menorah Association“, New-Vork, für jüdische Hochschüler. Eine der wichtigsten Aufgaben des derzeitigen jüdischen Lebens ist die Hilfstätigkert für notle'dende jüdische Hoch'chüler. Das American Joint Distribution Committee, Abteilung Wien, hat im Juni 1919 eine großzügige Hilfsaktion für Hochschule? emgrlettet. Seit ungefähr zwei Jahren werden tausend Hochschüler auf Kosten des American Joint Distribution Committee in der Mensa academica austzespeist, Hunderte von Hochschulen! werden mit Kleidern bealt, die Bibliotheken der FaLvurin gungcn erhielten Subventionen für Einkauf von Büchern und sonstigen Studienbehelfen, die Mensa academica wird mit Lebensmittel« beliefert und mit periodischen Subventionen nntci stützt. Sirt einer gewissen Zeit jedoch war dorauszrrsehen, daß da? Ameriesu Joint Distribution Committes nicht in .der Lage fein | wird/ seine-HllßStangkeit. im bisherigen -Ausmaße fört-usrtze«, und daß die Stirdentrn^Lrsorge-'unter anderem mit Rücksicht. auf die ditsbezügllchen, in Amerika herrschenden allgemeinen Anschauungen erheblichen Einschränkungen unterworsm werden dürfte. Von der Sorge grle tet. dem Entstehen einer Lücke in dieser io wichtigen Hilfstätigkert vorzubeugen, hat Herr Begrsualdirektor . tfeon Wechsler bereits im August 1920 das Ernlerte« einer besonderen Sammlung in Amerika für die notleidenden jüdischen Hochschül'er angeregt. Dank den Bemühungen des Herrn und Fräulein Dr. Goldman sowie des Herrn Prof. Dr. Felix Frankfurter aus New-Drnk hat die „lnUicolIegiate Students Organization Menorah" Sammlungen für einen Siudenten-UnterstüyungSfondS eingeleilet, die bereits befriedigende Resultate ergeben haben und weiter fortgesetzt werden. Herr Repionaldirektor Wechsler wurde ermächtigt, in W i« », Prag, B u d a p r st sowie anderen in Betracht kommenden Stadien auS Vertretern der Professoren, Studenten und Mitglieder drS Joint Distribution Committee Bene lungskomitdes zu gründen und im Einvernehmen. mit Fraulen Hedwig Gellner aus Prag und Herrn Dr. Errrö Deutsch aus Budapest einen Brrteilnngsschlössel unter den drei Staaten zu bestimmen. Es wurde vereinbart, daß von dm derzeit zur Verfügung stehendcir Menorah-Sammlungen drei Sechstel aus Wim, zwei Sechste! auf die Tschecho-Slowakei (Piag, Brünn, Bratislava) und ein. Sechstel ans Budapest entfallen. Am 5. Febrmrr fand tn Wien die konstituierende Sitzvng des Wiener Menorah-KomiteeS statt, dem iolgende Herrm ange» hörm: Bom American Joint Distribution Committee, Abteilung Wien: Oberrabmer Prof. Dr. H. P. Ehaje S. Dr. Artur Kuranda.. Dr. Karl Ornstrin. Abgeordneter Ing. Rodert Stricker; Regioualdirektor L. Wechsler, Dr. Schaje Hecht» Die Universitätsprofessoren Dr. Ludwig Braun, Dr. S. Ehtman«, Dr. Salvmon Fiankturt«. Dr. Bernhard Geiger, Dr. Sigmund Kornseld, Dr Heinrich Neum.mn. Die Hochschüler Dr. jur. und atud. msd Jsak Braunstein, eand. msd. Josef Finzr, Dr. mod und stud. zur. Otto Gersuny, Vr. zur. und otud. pbii. Moses Landau, eand. lür.Srul Osterer, cand. stir. et rer. com. - Leo Steinig. Es wurde ein Präsidium gewählt, welches aus den Herren Ovnrabdiner Prof. Dr. H. P. Ehaje Hofrät Dr. Solomon Fianksutter, Prof. Dr. Heinrich Neumann und Direktor Leon Wechsler besteht. Mit den Funktionen eines Schlifiibbrres wurde Herr «and. zur. S. Osterer betraut. Die Aguda und ihre Presse. Das Wiener Agudablatt beantwortet die objektiven Betrachtungen über „MiSrachi und Aguda" von I. Fr. („Wiener-Morgenzeitung" vom 17. Februar) mit einem persönlichen Angriff gemeinster Sorte. Die. Berlogenheü wird : so weit getrieben, baß die Aguda-Organisationen jenen Elementen^ die die »Sclsande" begangen und. bei den letzten . Nationalratswahten dw v-rdrenswollen jüdischen Vertreter - bekämpft haben, absichtlich :dcnnn--,?r: rvir7, damit!':r- Ei'^' ' Druck entsteht, als wäre P>--/;chr'.v.r'.l; ^.wrdrrlicht.- l»hetv> __Wiener MorgeuzeiLrms_ Mitteilunge« ans dem Publikum. Regine Broäbar Gedalje Möhler Chodorow Horodenka empfehlen sich als Verlobte «ms Wien, im Februar 1921. Den Neuvermählten Herrn LewI Schlffman und Frau Sofie Sehlffman geb. liimhäuser gratulieren berzlichst Baroeh Retter cnd Fra« 4599 Herzliches Maseltow entbietet dem ehrwürdigen Ehepaar Saal Weinrcb anlässlich der glflckl chen Geburt eines Sohnes Der Jugendverein „Ahawath Zion“ 4530 B9LLANTESI, Perlen, Gold.Silbe-,Platin «.Uhren kauft uud ▼erkauft 774 ETTER Rotenturmstr. 23, XZarlahilferstr. SS Grösster and bester Käufer Wiens 453s Brillanten. Perlen Juwelen, Edelstelnhändlerftabinowitsch, Juwelier I. Mahlerstrasse 5 (frühere Maxlmllianstmse) Tel. 854! II. Hollandstrasse 3, nur Nr.3(frühere Stephanlestr.)Tel.45145 in eigenen Hanse freitag 5 Ufcr«. samttag getdtioaaea. Hören Sie auch unsere Preise Uterr alt u»a ueu •u grros und n detail 811 ll.lTaborat7asse 39 MAYER und Bureauvnöbel die grösste Auswahl Leopold Steinhart Wien, r., Blberatraas« JSr. 8 Sehrelbaaaehineareparatarea rasch, billig and gut 159 Tal. 4073/V111 Individuen" den Agudisten überhaupt beigelegt worden. Derartige Anpöbelungen sind gewiß nicht wert, daß man über sie auch nur ein Wort verliert. Aber im vorliegenden Falle handelt es sich um eine notwendige Feststellung. Bor nicht langer Zeit nämlich sind an die Spitze der Wiener Aguda» gruppe „Chassidim.Führer" getreten. Die „Jüdische Presse" steht mithin unter ihrem Einfluß und sie find folglich mit den fortwährenden Schmähungen gegen jüdischnationale Führer, die ihr persönliches Interesse dem Volkswohl unterordnen, nicht aber umgekehrt, einverstanden. ES ist außer jedem Zweifel, - daß die persoulichß« Verunglimpfungen. und die MiSrachisten- und Zion'isten.Fresferri unter so gotteS« fürchtigen Patronen nur ad majdrem der gloriam geschehen können. <5. Die judenfeindttche Granate. Man muß die Berichte über die Sitzungen der ungarischen Nationalversammlung genauer lesen, um von Zeit zu Zeit selbst aus dem Munde christlicher Abgeordneter Beweise dafür zu erhalten, daß in Ungarn der weiße Terror gegen Juden noch immer in voller Blüte ist und noch lange nicht daran denkt, sein blutiges Handwerk auszugeben. Erst vor einigen Dagen. hat Prälat G r e ß w e i n, wie wir berichteten, von dem tragischen Ende eines Hejjas-SpielS in der Kinderstube erzählt und in der vorgestrigen Sitzung gab der Abgeordnete Attila Orbok, der an der Regierung scharfe Kritik übte, folgenden Fall.bekannt: Orbok verlas, heißt es in dem Parlamentsbericht, einen Artikel des Debrecziner „Feh-r Ujsag" („Weiße Zeitung"), in welchem berichtet wird, daß von 'den dem Arbeiterbataillon zugeteilten jüdischen Soldaten, welche zur Aufwärmung ihres Mittagmahls im Walde ein Feuer anlegten, eine infolge des Feuers explodierte Granate einen Mann getötet und sieben verletzt hat. Das Blatt verherrlicht die Granate, welche eine patriotische Tatvollbracht habe. Die Zensur und die Staatsanwaltschaft haben; diese Mitteilung passieren lassen. Wenn die Zensur schon unbedingt notwendig sei, so .mögen doch solche Artikel zensuriert werden, welche mit der Menschlichkeit in krassem Gegensätze stehen und in höchstem Maße aufreizend wirken. Es ist ganz klar, daß diese patriotische Lat nicht von einer leblosen und willenlosen Granate/ sondern von irgendeinem lebendigen.Patrioten weißer Couleur zum Platzen gebracht wurde, genau so, wie die Bomben in Czegled, die auch nicht von selbst, sich die jüdischen Häuser ausgesucht haben, um dort aus purem Antisemitismus zu explodieren. Es ist über ebenso begreif lich, daß die Christlichnationalen . in der ungarischen Nationalversammlung und der von ihnen gewählte Präsident Rakovszky den Abgeordneten Orbok wegen seiner Entrüstung über diese menschenunwürdige Art, solche Massenmorde zu behandeln, einen Verräter nannten. Die jüdische« Schrebergärtner. Zu den spärlichen, ach! wie spärlichen Vorteilen, dve uns die einst so stürmisch gerühmte „große Zeit^ gebracht hat, gehört die AuSLreirung des Schreber* gartenwesentn den. Großstädten. ES ist vielleicht die emzigr Bewegung der ^tztzeit, deren man sich mit y:o\v.:./ lrichtern Herzen freuen kann, die einzige, di«. nzan tffjue jegUch-m BoröchaLt anerkennen kann. Än dieser 2. März 1921 Nr. 754 Sehnsucht nach der Scholle, die. in der Bewegung lebt, pocht das Herz der Großstadt, pulst gesunder Urtrieb unserer Zeit. Und wie jede Vereinigung von Schrebergärtnern, so hat auch die Vereinigung der' jüdischen Schrebergärtner ihren Sinn und ihre Berechtigung, wenn aus keinem anderen, dann doch zumindest aus dem Gesichtspunkt, daß es dem Juden leichter ist, Stammesgenossen zu . Anhängern zu werben als dem Christen. Diese Werbetätigkeit gehört aber zu den schönsten und wichtigsten Aufgaben des jüdischen Schrebergärtners. Denn wenn die Arbeit in freier Natur, wenn die Heimkehr zur Scholle jedem Großstädter eine Auferstehung bedeutet, so kann sie dem Juden mit seinem durch Jahrhunderte gezüchteten'Hang zu rein geistiger Betätigung und der daraus entstandenen; Einseitigkeit mehr werden als jedem anderen. Natürlich ist der Anfang nicht leicht und die Zahl von 145 Mitgliedern, die in den knapp drei Jahren seines Bestandes erreicht wuride, wäre für den Verein jüdischer Schrebergärtner durchaus nicht unbefriedigend: Aber die Mitglieder des jungen Vereins zahlen zwar alle brav und pünktlich den kleinen Geldbetrag, den seine Statuten vorschreiben, aber damit ist leider für die Mehrzahl der Vereinsgenossen das Maß der Anteilnahme erfüllt. Nur ein Häuflein Aufrechtes ist da, die die wirkliche Arbeit leisten. Sie kämpfen wie die Helden gegen mancherlei Mißgeschicke und gegen die große, große Gleichgültigkeit der jüdischen Allgemeinheit, die diesen Verband verschlingen will, wie sie so manche andere gute und schöne Einrichtung verschlungen hat. Dev Kampf ist nicht leicht. Waren doch die jüdischen Schrebergärtner bisher entschieden nicht vom Glück begünstigt- Sie hatten im vorigen Jahr ein Grundstück in der Zkrieau zugewiesen bekommen, auf dem sich im Frühling und Frühsommer eine emsige Tätigkeit entwickelt«. Da^ wurde ein Schulgarten eingerichtet, der von den Kindern der nächstgelegenen Schulen eifrig besucht wurde, ein Trupp Chaluzim erschien, der hier seine Vorstudien zur Landarbeit betrieb, eine große Gruppe Gymnasiasten meldete sich, die sich mit der wilden Wut von Halbwüchsigen ans Graben, Harken und Pflanzen machte und am liebsten den ganzen weiten Platz an einem Sonntag „umgestochen" hätte. Die 5kinder, die die Anfänge der Gärtnerei lernten und füHbie damit ein Verhältnis zur Natur mit all seinem erziehlichen Nutzen angebahnt wurde, mochten zu Hause wohl den ganzen Tag von „ihrem" Garten erzählt haben. Denn langsam zogen sie die Väter nach sich. .Da. kam ein Schneider und begann bedächtig ein Beet anzulegen, ei« Beamter fand sich ein, der seine Kindheit auf dem Lande verbracht hatte und alsbald eine Stütze der ganzen Kolonie wurde, ein Tischler erschien, ein Privatöhrer mit ein paar Schülern, der jedem anderen den Rang an Ungeschicklichkeü ablaufen konnte. Und wer einmal gekommen war, kam Abend um Abend wieder. Denn hat' man erst einmal den ersten Quadratmeter Erde um gegraben, dann hat einen auch schon die Schrebergärtnerei fest; und läßt ihr „OpfeE" nicht mehr los- Es war ein. fröhliches Arbeiten von alt und jung. Aber bann kam der Regen-August. Und gerade zur besten Erntezeit, da der Lohn für alle Mühe reifen sollte, brach eine Hochflut in das Gartenland ein, die alles Erreichte zunichte machte. Aber die Kämpfer um ein Stückchen Volksgesundheit, um ein Stückchen Schollenglück lassen sich nicht so leicht entmutigen. Heuer bemüht sich der Verein der jüdischen Schrebergärtner um einen neuen und sichereren Grund am Ufer der alten Donau. Es ist ein bißchen weit draußen und der Fahrpreis hoch. Aber Chaluzim aus der Brigittenau haben sich doch schon bereit erklärt, bei dev Urbarmachung des Brache landes mitzuhelfen, und die Kinder werden kommen und ihre Väter werben sich auch nur das erste Mal bitten lassen. Vielleicht werden Männer darunter sein, die bisher keine andere Zerstreuung und Erholung kannten als die traurigen Großstaotfreuden: Kaffeehausbesuch und Kartenspiel, vielleicht werden Männer darunter sein, für die ein Buch den einzigen Lebensw«rt gebildet hat. Mit der erste« „selbstgezogenen" Kohlrübe beginnt ein neues Leben, sie sind der Natur, der Mutter Erde wiedergewonnen. Sie gehen hinanals Verkünder der neuen Lehre von der alleinseligmachenden, schaffenden Arbeit, als Glieder der großen Brudergemeinoe unter der „grünen" Fahne. Mutter Natur fragt nicht nach Glauben und Rasse, in einigender Liebe umschließt sie alle ihre Kinder, und auch die Schrebergärtncvei ist, wie jede werktätige Arbeit, ein Weg aus dem Ghetto. ES sind nicht nur ,j$te paar Kilo Gemüse", wie viele geringschätzig meinen, um die man sich da müht, jahrhundertealte Fesseln springen, versteini« Vorurteile fallen ab, wenn Juden beginnen, Land zu bebaue». ES braucht nicht viel, um hieseS große Ziel der Schrebergärtner zu erreichen. Ein Stück Grund, das die Gemeinde Wien gerne beschaffen will und — ein bißchen Anteilnahme der Mischen Allgemeinheit. Klara Mautner. Jüdische Tischgesellschaft Leopoldstadt. Vortrag De. Gauel Beer. Ucbrr Einladung de- KiubS jübischnauonattr Armen- und Ortsichulräle für den U. Bezirk «rrd morgen, Donnerstag. S Uhr abends, Herr Dr. Eanel Beer im Kiublolal, U., Praler° straße SS, East Olirnt. einen Vortrag über das Thema ,D a S «e r ö S s«j ü d i s ch e K i u d" halten. Hst BrranÜalter machen alle, denen hi, Er ithnng der Kinder am Herzt« liegt, insbesondere ad« die jit-tschru Mütter, ans dies«» «to$aatta.$htat MiscKtisn. «Äst herzlich »ife IflUMS» ' '*