Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 753 (1.3.1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1. M8rz 1921 Seite 4 Wien. Dienstag Die neuen städtischen Steuern. L ’ Dar -emetnderätltchc Finanzausschuß beriet gestern vom GtaLtrat D r e i t n e r vorgrlegten Gesetzientwnrf über die Einbevung erhöhter Gemeiiideabgaben Äon Bier. Wer« und Alkohol. Der Referent bemerkte, daß biele Abgaben entsprechend den.geänderten Preisverhältnissen eine Neubemessung erfahr?« müssen. Der Gesetzentwurf sieht eine Erhöhung der. Gemeindeabgabe auf Bier, die bisher 20 Heller pro Liter betrug, auf 40 Heller vor. Für Wein wurden bisher p^o Liter Ä Kronen Gemeindesteuer eingehoben. Nach dem neuen Vorschlag wurde dieser Steuersatz verdoppelt. Die Gemeindeabgabe für Alkohol, die bisher mit 10 Kronen für den Liter bemessen war, wurde auf 50 Kronen erhöht. 'Die Vorschläge wurden im Finanzausschuß ein- Mmmig angenommen. Das Gesetz über die Wertzuwachsabgabe wird'abgeändert Der neue Entwurf unternimmt den Versuch, eine Reihe von Umgehungen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben und schon zu einer förmlichen Gewohnheit geworden sind, zu erfassen. Er bezieht sich tu erster Linie auf die Optionen, die, in welcher Form immer gegeben, dem Verkaufspreis zuzurechnen sind, sofern dieses Verkaufsrecht innerhalb eines Kalenderjahres vor dem tatsächlichen Kaufabschluß gegen Entgelt gegeben worden ist.' In scharfer Weise werden auch die Strafen erhöht. Die Hinterziehung wird künftitz bis zum zwölffachen der verkürzten Gebühr geahndet werden. Neben der Geldstrafe kann auch eine Areststrafe bis zu drei Monaten verhängt werden.' 9?eu ist ^rner die Bestimmung, daß bis ^u einem Drittel her nachträglich bemessenen Gebühr und der Strafgelder als Anzeiger- und Ergveiferprämie verwendet werben können. (Das ist eine Züchtung des Denunziantenwesens. — Red.) Gleichzeitig aber wurde auch für den alten Hausbesitz eine sehr namhafte ts x* * Mäßigung des Abgabesatzes beschlossen. Weiter hat dem Finanzausschuß der amtsführende Stadtrat Breitner' einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Einführung einer Abgabe vom Entgelt für Untermieten im Gebiete der Stadt Wien vorsieht. Der Entwurf bestimmt, daß jeder Mieter für Untermieten eine Abgabe in der Höhe von 10 Prozent des jährlichen oder auf das Jahr umgerechneten Entgelts zu entrichten hat. Als Mieter gilt, wer eine Wohnung, ein Geschäftslokal oder einen sonstigen vermietbaren Raum unmittelbar vom Hauseigentümer in Benützung genommen hat. Die Hauseigentümer sind verpflichtet. Untermietblätter den Parteien vorzulegen und sie dann dem magistratischen Bezirksamt; abzuliefern, worauf denn die Abgabe vorgefchrieben wird.'Untermieter bis WO Kranen sind abgabefrei. Der „Rozwoj" rührt sich wieder. Unter dem Titel „Der Rozwoj und die jüdischen Verbrechen" bringt Paderewskis Organ, „Rzeczpospokita" folgende Notiz: Die, verbrecherische Tätigkeit der jüdischen Elemente, Polen und der polnischen Gesellschaft' zu schaden, nimmt letztens so überhand, daß man Unmöglich daran Vorbeigehen kann. Die erwiesenen Verbrechen der Juden und ihre Agitation für einen Umsturz richten sich gegen die' polnischen Interessen und ruf m Befürchtungen für die. Ordnung im Lande hervor. Diese Gefahr wird noch mehr verstärkt durch den ständigen Zufluß bslschewikisch-jüdischer Massen aus Rußland und anderen Nachbarländern. Da solche Zustände nicht länger 'geduldet, werden dürfen, beruft der „Rozwoj" in dieser Sache' eine spezielle Konferenz b:t Vertreter der nationalen Institutionen und Vereine in seinen Lokalitäten ein. Der „Rozwoj", dessen antisemitische Boykotthetze allbekannt ist, bemüht sich anscheinend, eine neue energ'sche Hetzkampagne'zu eröffnen. Das erste Organ, welches.ihn dabei publizistisch unterstützt, ist Herrn P a d e r e w s k i s „Rzeczpospolita". Um eilte Million Nerzpelze entlockt. Im Laufe der letzten sieben Wochen wurden ans den. Garderoben der Cafss Siller, Splendid und Krantz und aus der Garderobe der Volksoper und der Renaissancebühne fünf kostbare Herrenpelze im Gesamtwerte von 900.000 Kronen entlockt. Die Million wird voll und überschritten durch die Herauslockung eines Koffers mit Wertsachen in der Höhe von 120.000 Kronen aus der Garderobe der Ostbahn. Aus den Meldungen der einzelnen Kommissariate ging hervor, daß der Betrug in demhalben Dutzend Fällen in der nämlichen Weise verübt worden ist. Der Garderobeschein wies beim erstens Ansehen gar keine Aenderung gegen den echten Garderobezettel auf. Nummer und Aussehen stimmten. Erst bei genauer Betrachtung sah man, daß der Schein wohl der echte war. daß aber eine Fälschung der Nummer vorlag. Im Sicherheitsbureau führte die Amtshandlung Polizeikommissär Dr. Josef Wessely, der seine Erhebungen auf den Kreis ungarischer Flüchtlinge erstreckte und baraufkam. baß ein förmliches Komplott mehrerer ungarischer Gauner vorliege, die sich hier aufgehalten und sich falsche Namen beigelegt haben. Der eine war der 23jährige Privatbeamte Anton Adler, ein Proßbutger, der sich den Namen Zoltan Günsberg beigelegt hatte. Der zweite'ist der wirkliche Zoltan'Günsberg, 23 Jahre alt, zu Tab geboren, der wieder unter dem falschen Namen Anton Adler hier gelebt hat. Ferner gehört der Bande der 24jährige angebliche Kaufmann Michael Friedmann aus. BalallaMrmat an. der; Wiener MorsenzeiiimF Mitteilungen aus dem Publikum. mMNTEN, Perlen, Gold,Silber,Platin «.Uhren kan ft and rirkintt 77» ETTER Botentnraetr. 93, Kerlebllferatr. 98 Grösster* und bester Käufer Wiene «ra Bi*iSlamt@n9 Perlen Juwelen, EdelstefnhändlerRafoinowitsch, Juwelier I. Mahlerstrasse 5 (frühere Wexlmillanatraaee) Tel. 854t II. 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Als Hehler der entlockten Pelze kommt vorerst die 45jahrige Frau Malvine L i g e t h y. eine Budapesterin, in Betracht. Auch sie ist. nachdem sie die Pelze in Wien veräußert hat, nach Preßburg geflohen. Die Pelze, die im einzelnen durchschnittlich 150.000 bis 160.000 Kronen wert waren, wurden um nur 5000 bis 6000 Kronen abgefetzt. Während Anton Adler und Friedmann in Wien verhaftetwerden konnten, gelang es, Frau Ligethy und Günsberg in Preßburg. auszuforschen und festzunehmen. In Preßburg wurde auch einer der'Nerzpelze zustande gebracht. Der auf der Ostbahn entlockte Koffer wurde samt Inhalt von dem 40jährigen Kaufmann Max Weiß, einem Budapester, gekauft. Er war auch danach geflüchtet und ist in Preßburg verhaftet worden. Außer ihnen wurde noch als Mitschuldiger der 25jährige Kaufmann Karl Legrand, ein Budapester, verhaftet. In seinem Besitz fand man acht silberne Handtaschen, die aus. der gleichen Fabrik stammen und einen Wert von 120 000 Kronen haben. Die Nachforschungen über die Herkunft der Handtaschen sind im Zuge. - , DschiedS^end für Professor Bernhard C'iger. Professor Är. Bernhard Geiger begibt sich in den nächsten Tagen auf eine Studienreise nach den Bereinigten Staaten. Ern intimer Kreis seiner Freunde und Mitarbeiter im Verband, jüdischer Schriftsteller, Forscher und Gelehrter . Harüach*. dessen Präsident „Professor Geiger ist, benützte diesen Anlaß, dem allseits verehrten Gelehrten einen Abschiedsabend zu geben, der am 26. Februar im Atelier des Malers Wachtel abgehalten' würde. In herrlichem modernen Hebräisch richtete Dr. David Rothblum Worte der Freundschaft an Professor Geiger, den er als anerkannten Gelehrten und Forscher und als treuen, bewußten Juden, der an der Wiederbelebung des jüdischen Volkes hingebungsvoll mit» arbeitet, feierte. Namens deS »Haruach" sprach Redakteur Jakob Krausz. Professor Geiger gankte für die ihn ehrenden Beweise der Freundschaft und versicherte, auch fern von Men gerne de» Kreises zu gedenken, in dessen . Mitte er an der Herbeiführung der Ziele des „Haruach" arbeitet«. SS war ein sehr anregender gemütlich» Abend, der di« Anwesenden »och lange beisarnmenhiett» Skr. 753 Letztst Nachrichten. Der erste Verhandlungstag mit best Deutsche«. Dondon, 28. Februar. (Wolfs.) Amtlich wird be*-, lautbart: Die erste Vollsitzung der Konferenz, in der die Re^arationSfrage verhandelt werden soll, findet morgen um halb 13 Uhr vormittags im Lancaster House statt. Die Griechen gegen eine Aendernng des türkischen Friedensvertrages. | Paris, 28. Februar. (Wolfs.) Nach hier vorliegenden Meldungen haben im Piräus, in Athen und in Smyrna große Kundgebungen stattgefunden. Die Teilnehmer übernahmen die Verpflichtung, mit ihrem Bluts alle im Friedensvertrag von Sevves Griechenland zn-s gesprochenen Rechte zu verteidigen. Allgemeine Ausfuhrfrelhelt i« der Schweiz. Bern, 28. Februar. (Schweiz. Depeschenagentur.') Das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartsment erläßt in der Absicht, die bisher erteilten genev-llen Ausfuhr« bewiMgungen auszudehnen, eine Verfügung, wonach mit Ausnahme einer beschränkten Anzahl von Warenkal«« gorien für sämtliche Waren des schweizerischen Zoll«' tarifs unter dem Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufes? eine allgemeine Ausfuhrbewilligung erteilt wird. Unter den Waren, für die noch Ausfuhrgesuche einzureiche« sind, befinden sich unter. anderen Schokolade, &mben4 fiertc Milch, Käse, Nüsse, Vieh, Gold, Silber, Platdtz und Holz.! * Bersonalnachricht. Herr Dr. Fuß Georg Stein er. Mitchrf des Banthause» Kola & Co., hat sich mit Fra« Elf« Harmonier grd. Franzos verlobt. * Mitteilung der Redaktion. Briefliche Anfrage« ohne Rückporto können nur in «nserem Montag erscheinende« „Briefkasten* beantwortet werden.. | * Barfraudatur der Rostanweisungen. Die Post* direkiion teilt mit: Vom 1. Marz angegangen ssnd die bei dee Aufgabe m zahlenden Gebühren für Pvsta «« Weisungen nickt mehr in Bneimuken, sondern bar >« e n t r i ck t e n. Poftan veilungen mit auvroruckier Briefmarke weiden N'ckt mehr aufgelegt. Bis zum Aulbrauche der vor* handenen Vorräte können sie jedoü verwendet werden. Bei Äer« Wendung solcher hot der Absender den Betrag, um den d«e Post« anwessungSgebühr dm'Wert der ausgedruckten Marke überschreite^ bar zu bezahlen. Wem der Ab>noer mr Ausgabe der Post« anwk"ungen ein Postrukgabebuch benützt, ko hat er die Post« anweisunoSgebühr tzuziighch der all'alligen EiszussellgehÜhr nnd der Gebühr für d'e von ihm etwa verlangte AussahlungSbe» ssatigung^ tn der Spalte ^Gebührdes Aufgabebuckes selbst tm*,«<® tragen. Verwendet er eine Postanweisung m't au^'hruckter Marke, so hm er den Wert der Marke tn der AnmerkungSspalte (unter Beifügung deS WoneS ,Marke") und nur den dir entr'cktettn Teil der Postanweisungsgebühr m der Spalte „Gebühr^ nachznweisen. i " Schriftführer für die MietÜmter. Mitglieder dek VtreineS der venssoniertrn städtischen Beamten, die sich zur Der« iehung deS CchrifiiühseramieS bet den Mietämtern für gemnet erachten, mögen ihre Bewetbvng sckrisil'ck beim Obmanne vov bringm. Des Maschinschreihms Kundige Haben den Vormg. j 9 Wetterbericht. Nach mehrtaarger Penode fast wolkenlosen Det'ers tn Mitteleuropa ist gestern als Folge der vorgestr gen Nmlagrrung der lütitdiuckvertrilung em vvllstöndicrr Witterungswechsel m>t assgewemtr T'Üdw g und starken westttch'n Winde» nördlich von den 8'niralalpm rin« getreten. Die T mperniur steigt »ntermtzs nicht mehr so hoch und sinkt in der Nackt nicht ly tief w e in den letzten Tagt«. Damit dürft « auch dir Nachtfröste für die nördlichen Alvenländen vorderhand ihr Ende er« eicht haben. Voraussage: Vorwiegend trüb, zeitweise r e a n e r i s ch. kein Nachtfrost, geringe Temperatur« schwankungm, lebhafte westliche Winde. j * Benzinabgabe. DaS Bezirkswirtschaftsamt Dien, Stelle 5, l.. Seitzergaffe 1 ^Pnvatveilehr wochentags von 9 bis 1 Uhr^ als Landeöbenzinstelle für Wien überwei s über Ansuchen de« suoter Berbrancher Benzm außer tür Lastkiastwagen auch tür Peisonenkrasiwaaen. di' zu Fahrten für geschäftliche oder ander-» berufliche Zwecke verwendet werden. DaS Benzin kostet ad heute K 5M5 für Mittckbenün, K S7.15 für Schwerbenzm und K 85.6S für Ben'o' ab Laa<r d-S Händlers. * Ei« Dchrelbmaschinenbiebstahl. Am Vt. Februar L I. verschwand der keim RecktSanwalt Dr. Ignaz Rappapoä, 2. Bezirk, Obere Donaustraße, bedienstete Diener Stegmund Deutsch plötzlich von seinem Dienstorte. Nach seiner Entfernung wurde der Abgang eines Pelzes, einer Schreibmaschine und anderer Gegenstände im Werte von zusammen 100.000 Kronen entdeckt. Deutsch wurde am 25. Februar vom Kriminalbeamten Ullrich in Ottakring, Hotel »Goldenes Faßt", verhaftet. * Um zwei Millionen Kronen Schmuck gestohlen. Am 26. Februar zwischen 8 und halb 6 Uhr ttachmittags wurde die Wohnung des Direktors WW Ernst Winter. 4. Bezirk» Viktovgasse 20 wohnhaft, mittels Nachschlüssels geöffnet. Der Eindringling erbrach den Wäschekasten und entnahm im eine Schmuckkassette. Durch die Erhebungen des Kommissariats Wieden wurde festgestellt, daß die eigenllichen Täter ein ge« wisser Richard P ö l z l, 4. Bezirk. Karolinengasse 29 wohnhaft, und der > 16jährige Goldarbeiter Alois Reinberger, 10. Bezirk, Düvgergasse 16 wohnhaft, sind. Reinberger und der Kammerdiener : des Direktors Winter» Hehrndorf, waren am 26. Februar in einem Kaffeehause gesessen, und Reinberger batte dem Diener den Wohnungsschlüssel aus der Tasche genommen. Er entfernte sich aus dem Kaffeehaiuse. öffnete di« Wohnung und raubte die Schmuckkassette. Dann kehrte er in das Kaffeehaus zurück, gab den Schlüssel einem Spießgeselle«, der ihn dem Diener wieder m die Tasche steckte. An der Tat betelligt soll auch der Comptoirist Franz Bor» sei«. Reinberger ist flüchtig; er ist seinen Mitschnldigrn mit de« Schmuck durchgegängen. E, wird beschrieben Äs mittelgroß» mit vollem, rundem Gesicht, schwarzen Haaren, kleine« englisch gestutztem Schnurrbart. Er näselt ei» wenig beim Sprechen. * Nachschan tn Gtundenbotels. Heute früh nahmen Beamte teS Si'tenamieö eine Nachschau im Stund:nhoirl FrEnShpf. II.. Gto' e Svrtlggsi: ist. vor. Sämtliche vier aus» «"fmkn Mädchen mußten all .QeföUätöJiant hus &uuca» übergebe« anbei»