Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 749 (25.2.1921)
- Date
- 1921-02-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gtihTaT Hvi'ei,.'Freiing Exponent des WeltkapttaliSmuS der kämpfenden Arbeiterfchast m Len Nucken falle. Die Sowjetregierung trifft es genau so gut wie das kapitalistische System, Petroleum für Vaterland zu erklären. Man fängt einen Krieg an, hat Friedrich der Große gesagt, und findet dann einen Profestor. der ihn juristisch bergündet. 1 Für die sozialistische Konferenz, die feit drei Tagen fet Wien mit heißem Bemühen den Weg zur Einigung des von der Reaktion angegriffenen Proletariats sucht, ist dieser georgische Streit nicht angenehm.. Die Kon« ferenz ist nicht gegen Moskau, nur gegen ihr Tempo in der Revolutionierung der Welt. Auch für ste bleibt Moskau das geistige Zentrum des Sozialismus. Tie Konferenz faßt die sozialistische Internationale als Endzweck ans. Für die Herren Rußlands ist sie nur ein Mittel zur Zertrümmerung des demokratischen Sozialismus. In diese Aüsnnandersetzimg über Zi?l oder Zweck platzt die Nachricht von dem Krieg Moskaus gegen Sozialisten. Dieser Anschauungsunterricht ist * grausam, aber notwendig. Polittsche^rm-schau. Der russisch-georgische Krieg. Die Ereignisse, deren Schauplatz in den letzten Monaten Armenien war und die dort' zur Bildung einer Sowjetrepublik führten sowie verschiedene Nachrichten über Zwischenfalle in Tiflis und Datum ließen mit Sicherheit darauf schließen, daß die Zeit des Friedens fiir die sozialistischeRepnblik Georgien vorbei sei. Zielbewußt steuerte die Moskauer Regierung' darauf los, die hindernde Barriere auf dem Wege Nach Persien und in die Türkei, beiseite zu schieben. Ein Vorwand ist in solchen Fällen bald zur Hand. Georgien hat sich vor zirka zwei Wochen geweigert, seine Truppen ans der neutralen Zone zwischen ihm und Armenien zurückzuziehen. Tschitscherin ließ darauf-' hin in Tiflis seine guten Dienste zur Erledigung des armenisch - georgischen Konfliktes anbieten. Georgien machte aber von dem Vorschlag keinen Gebrauch. Daraufhin eröffneten die Sowjetrepubliken Aserbeidschan und Armenien die feindliche Tätigkeit mit einem vehementen Ueberfall auf Georgien, dessen letztes Ziel die Beseitigung der der Moskauer Regierung nicht, unbedingt gefügigen sozialistischen Regierung ist. In den Reihen der Angreifer tämpsen such reguläre russische Truppen. viebenbürger ungarische Magnaten beim König von Rumänien. r'; Aus Bukarest wird uns geschrieben: Die im Züge befindliche Agrarreform sieht bekanntlich die Parzellierung und Aufteilung größerer Latifundien an die bodenhungrige Bauernschaft vor. Die in Siebenbürgen hochbegüberte ungarische Aristokratie fühlt sich durch diese Maßnahme schwer bedroht. Sve hat daher durch die ihr nahesiehnche Presse die kleinen Leute zu magyarischchauvinistischen Dummheiten verleiten wollen und ganz besonders bi« Juden von Siebenbürgen zu beeinflussen versucht, sich zum Magharentum zu bekenne«. Die Zahl der Opfer dieser gewissenlosen Propaganda ist kerne geringe. Als sie aber sahen, daß die rumänische Regierung fest entschlossen ist, ihr Agrarprogramm durchzufühven, ließen die ungarischen Magnaten die kleinen Leute im Stiche und suchen nun nach alter Magnatensitte für sich zu retten, was zu retten ist. So erschienen sie denn vor kurzem in Deputation Leim König und baten um die Aenderung des Bodenreformgef^tzeS. Die Deputation bestand aus dem Grafen Teleki, einem nähen Verwandten des ungarischen Ministerpräsidenten, der selbst in Siebenbürgen begütert ist, dem Grafen KMntin Bethlen, Grafen Ladislaus Lolbolaghy, Aaron Mos Ke me nY und dem Großgrundbesitzer Paul Verdi. OL diese Huldigung ihnen den Besitz ihrer je mehre« lausend Joch betragenden Güt-r retten wird, ist noch fraglich. Daß sie aber nach Budapest ununterbrochen Berichte darüber gelangen lassen, wie dis Juden sich rasch in die neuen Verhältnisse gefügt hätten, um auf solche Weise gegen die Juden zu hetzen, und datz sie unzählige ungarische Beamte zwangen, den Treueid für Rumänien zu verweigern und nach Rumpfungarn zu gehen, wo sie heute dem Weißen Terror, in ihrer Verzweiflung Dienste leiste«, ist eine wiederholt nach? gewiesen« Tatsache. . i Der polnisch« Premier über de« Friede« mit Rußland. Marschau, 23. Februar. (Pol«. Set-Stg.1) Fm Landtag erklärte Ministerpräsident Witos in der Debatte über das Exposee der Regierung, de« Widerstand der sowjettstischen Delegation beweise, daß die Sowjet regierung allein daran schuld sei, wenn die Verhandlungen in der ersten Hälfte deS Monats Februar nicht zu Ende geführt werden konnten. Die Sowjetregiexun'g gehe auf eine Verminderung der bereits in den Friedenspräliminarien angenommenen Verpflichtungen aus. Nach den letzten Berichten gehen die Verhandlungen vorwärts. Bezüglich des Besuches des Staatsoberhauptes in Paris erklärte der Ministerpräsident, daß durch den Besuch die über Polen in Frankreich verbreiteten tendenziösen Nachrichten paralysiert worden seien und eine freundschaftliche Atmosphäre geschaffen worden fei, aus her M. tzeute konkrete Vertr.äüe entwickeln. Diele Ver- Mener Morgenzellunq 25. Februar 132f Ar. 749 Handlungen nehmen einen günstigen Verlauf. Pole» sucht engere'Beziehungen mit den Nachbarstaaten, soweit diese die im Wege stehenden Hindernisse ihrerseits wegräumen. Das Haus nahm die Erklärungen des Ministerpräsidenten zur Kenntnis und sprach der Reg-erung das Vertraue« aus. ■ Telegramme. Die BolkDabstimmung in Wilna. Warschau. 23. Februar. (Privat.) Leon Bourgeois hat im Namen des Völkerbund.^ der litauischen Negierung folgendes bekanntgegeben: Die Polen haben zugesagt, Z i e l i g o w s k i s Truppen etappenweise a bzuziehen; die letzten Abt.ilungen ZieUgowskiS werden das Gebiet von Wilna in dem Moment verlassen, wenn die ersten internationalen Truppenabteilungen ankommen. An der Organisation der Ziv ilv erWallung im Wilnaer Gebiet werde aüch Polen teil» nehmen. Der Völkerbund wird die nötigen Schritte unternehmen, damit die Entente Litauen de jure anerkennt. Me Polen ersuchen um Beschönigung des Termins für das Plebiszit. Außerdem enthält die Not« die Bestimmung, daß die polnische Regierung fü« alle Komplikationen, die sich zwischen dem internationalen Militär und der Näteregierung, welche bekanntlich gegen die Entsendung von Völkerbundtruppen nach Wilna protestiert hat, ergeben können, verantwortlich ist. Aus Pariser politischen Krttsen wird folgende voraussichtliche Form der Erledigung der Wilnaer Frage gemeldet: Sobald Wilna und die wichtigsten Punkte von Mittellitauen durch internationale Truppenabteilungen besitzt sind, sollen Zieligowskis Truppen evakuiert werden. Es bleibt nur die Zivilverwaltung, deren Funktion sich auf die Zeit der Anwesenheit der internationalen Truppenkontingente erstrecken wind. An der Spitze der Verwaltung soll bis zum Beginn des Plebiszits ein internationaler Kommissär stehen. Eine andere Quelle will wissen, daß die französtsche Regierung ihre Zustimmung zu geben bereit sei, daß General Zieligowski an der Spitze der Verwaltung verbleibt unter der Bedingung, daß ihm ein Franzose, ein Engländer und ein Italiener als Beisitzer beig'geben wevden. Do« Völkerbund. Paris, 24. Februar. (Privat.) Zum Präsidenten der Kommission für Aenderungen des Dölkerbundver» trageS wird der englische.Minister Artur Balfour .ernannt. Mitglied dieser Kommission ist auch der tschechische Minister des Aeußern Dr. Benesch. ■xr ' Martens' Bericht t« Moskau. Moskau, 84.Februar. (Funkspruch.) Ludwig Martens, der aus Len Bereinigten Staaten ausgewiesene Vertreter Rußlands, und 17 Mitglieder seiner Gesandtschaft,, darunter Georg Weinstein, sind in Moskau eingetroffen. Martens teilte mit, baß seine Ausweisung ein Werk der Wilson-Partei gewesen sei; Senat und Volk seien der Maßnahme ferngestanden. Mit der Uebernahme der Regierung durch Harbins werde sich die Lage gänzlich ändern, da dessen Partei an der Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit Rußland interessiert sei. Die amerikanische Handelswelt treffe bereit«, Vorbereitungen für die Ausfuhr nach Rußland. Das Syndikat, in dessen Auftrag Banderlip tu Rußland weilte, habe den von ihm überbrachten Vertragsentwurf gutgeheißen und Banderlip werde demnächst wieder inMvSkau eintreffen. Der Vertrag könne aber nur dann* Früchte tragen, wenn Amerika die nötigen Garantien gehe und Vorfälle, wie di« Ausweisung Martens', sich nicht mehr zutragen werden. In Kreisen her amerikanischen Industrie herrsche große Mißstimmung gegen die Politik WilsonS, die die Annullierung zahlreicher Geschäfte mit Rußland jit« Folge hatte, umsomehr, als dadurch die Arbeitslosigkeit in ^qgünstiger Weile heeinllußt worden hei. - , Bevorstehende Reife Churchills «ach Paliifttna. London, 23. Februar. (Jüd. Korr.-Dur.) Wie vir erfahren, wird der neue Kolonialminister Dinston Churchill anfangs März eine Reife nach dem nahe» Osten antreten, wobei er Palästina und Mesopotamien einen längeren Besuch abstatten wird. Kolonialminister Churchill wird mit den High CommissionerS beider, Länder Konferenzen über die Art der Durchführung der britischen Mandate in Palästina und Mesopotamien abhalten. Den Besprechungen wird, auch Marschall Allenby zugezogen werden. Masaryk» Kandidatur für de« Friedens-Nobelpreis. London, 22. Februar. (Jüd.Korr.-Dur.) Da» Joint Foreign Committee hat mit Rücksicht auf die liberale Politik des Präsidenten der tfchecho-slowakischen Republik Masaryk und seiner beharrlichen Bekämpfung des Antisemitismus beschlossen, sich an das norwegische Parlament mit einem von den Präsident«» deS. Komitees Air Stuart SattULt Lind Lord Rothschild gefertigten Schreiben zu wenden, in dem die Kandidatur des Präsidenten Masaryk für den Friedens-Nobelpreis befürwortet werden soll. (Das Joint Foreign Committee ist der aus den verschiedenen englisch-jüdischen Gemeinden gebildete Ausschuß zur» Schutze der allMischen Rechte.) Kämpfe zwischen arabischen Stämme«. Jerusalem, 21. Februar. (Jüd. Korr.-Bur.) Hier trafen beunruhigende Rachrichten aus Transjordanien ein, denenzufolge zwischen den arabischen Stämmen im Distrikt von K e r a k Kämpfe ausgebrochen feie», bene» bei den ersten Gefechten 22 Araber -um Opfer gefallen sind. Warschau vom Verkehr abgeschuittru. Warschau, 2t. Februar. (Tel.-Komp) Die Versuche der kommunistischen Gemente unter den Warschauer Eiseubahnvrrkstätttnardeiteru, ihren wilden Streck auch auf die Maschinisten auszudchne», haben Erfolg gehabt. Ei« großer Teck der M a s ch » n i st e n »st in dm Strelkgetrete«. Heute . vormittags war dadurch der ZugSverkehr «ahez» l a h m g r l e g t. Die Regierung veröffentlichte eure« Aufruf a» die Bevölkerung, i« dem diese anfgesmdert wird, die gegmwärtigr Lrdknsmittelkkuerung « Ruhe zu ertrag» und »och ewige Monate durch zuhalte». Kleine Nachrichte«. Warschau, 24. Februar, (ist. T-A.) Gestern ist der frans zosische Gesandte. Panafieu aus Parihi« eingetroffen^ i Warschau, 24. Februar. (P. L.-A) Die Mitglieder dev Völkerbundlommission für da» Plebiszitgebiet von Wilna haben sich gestern zur Sitzung de» «ülkerbundrate» »ach, Pari» begeben. % ' Washington, 24. Februar. (Funkspruch.) Bei de« Zufammenstoß zweier Tramwahwage« in Rew-Aork geriet eme auf der voroeren Plattform des eineü Wagen» befindliche Petroleumkanne in Brand und explodierte. Acht Fahrgäste, darunter mehrere Minder, kamen um» Lebe«. Rom, 24. Februar. (Funkspruch.) In der Nähe von Positano wurden die Ueberresbe einer «mische» Ortschaft ausgedeckt. Mexiko, 33. Februar. (Reuter.) Da für morgen ein allgemeiner Eisenbahnerstreik beabsichtigt ist» erhielten die Truppe« Befehl, sich marschbereit zu halten. In den Hauptzentren drohen die Eisenbahner das gesamte staatliche Eisenbahnnetz vollständig lahmzulegen. Prag, 24. Februar. lPriv.-Tel.) Am'ttch wird wiqftM, daß d»S tschrchv-slvwakischr Evenbahnmimstermw Vmstellvnam in Wien gegen die E rstellung der Schntllzüae Pra«-*Lnest— Belgrad erhoben habe. Der Eriolg rst noch nicht betaust. j Vadapvft, *4. Februar. <u»a. Tel.-Kott.-Vur.) Einer Mitteilung der Direktion der Äonigllch-unäarischtn Staatsbahnen zufolge wurde in Anbetracht VeS KohlenmanaelS aus sämtlichen Lmien der ungarischen Staatsdakinen der El- und Frachtgüter» verkehr sowohl in Stückgütern wie auch in Waggoneingestellt. Bahore, 44. Februar. (Havas.) Zwischen Kanslenten «ub Pilger», blt mm Tempel von Rena Sahib gepilgett waren, kam «S zu einer Schlägerei. wobei zahlreiche Pilger getötet oder verwuudrt wurden. Der Te»pA ««d von Trupp» bewacht. Inland. Dt« intersattanale sozialistische Konferenz. Auf der Tagesordnung der gestrigen Sitzung staich dis Generaldebatte über da» Referat Friedrich Adlerüber, .Methoden und Organisation pe» Sllasfenkampfe»". Der> erste Redner war der Dertreex der linken sozialistische« Revolutionäre Rußlands, Schreiber. Er führte aus, daß. zur Gründung einer neuen Internationale in allererster Linie «in positive- Programm zur Verwirklichung der sozialistischen Ideen notwendig sei. Die Zweite Inter» nationale habe e» an einem solchen Programm fehlen lassen» die neue Periode der sozialistischen Revolittion müsse damit begonnen werden, daß die sozialistische Bewegung zunächst eine Basi» erhalle. Die Prophezeiungen der sozialistischen Theorrttke? hätte« sich nicht verwirklicht. Schreiber schildert dann die Entstehung der Revolution in Rußland. Di« russischen Revolutionäre haften im Augenblick, da dte Revolution lo»< brach, schon all« Formen geschaffen gehabt» in denen sich dattn die Tatsache« vollzogen. Das müsse in der ganzen Well gleich werbe». Der Terror ist keine wtbebing-e VeMterfchetnUng des Sowjetshstem». «s gibt t» Rußland eigentlich keine Sowjet», sondern ' «me Oligarchie. . ' Doch be-eutrn die Sowjets, die man nicht als Gewaltshstem auffassM darf, eine» großen Erfolg. Die russische Regierung hat zwar alle» getan, um bas Gowjetsystcm zu diskreditieren. «S wird sich ab« doch auf der ganzen Welt durchsetzen.! Erl spie« (Deutschland); Wir müssen unS bemühen» aus dem Zustand der lnternatteUÄlen Ohnmacht der Arbeiterschaft heranSzuwmmeu. Die Dritte Jntetnationalg ist ehr! i ■ ' , ( T! '* > ' > Wnbtß Verfteng in h« Händen Moskaus. Di« Diktatur Ist beim Uebergang zur Macht notwendig. Bezüglich de» RätejhstemS stehen wir vor zwei Aufgaben: vor dem wlrtschaft.' lichen Rätesystem, baS die Gegensätze zwischen den Ärbeitern beseitigt und die Schulung der Arbeiter für die Uebernahme der Herrschaft durchführt; dieses System kann schon jetzt elngeführt werden. Das politische R & t e« system ist noch unmöglich, wir nicht die volttilchp