Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 748 (24.2.1921)
- Date
- 1921-02-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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tot 748 Wien, Doimenus- Amerika gegen die ManLatsentwiirfe. Vertagung der Beratung. Die Angelegenheit der Insel Da p im Stillen D'ean, die du-ch Mandat des Völkerbundes unter japanische Ksntrolle kommen soll, hat dazu Anlaß gegeben, daß der in Paris tagende Bölkerbundrat die Verhandlung der Mandatsfrage überhaupt vertagt hät^' Die Insel Dap beherrscht das deutsche Kabel Emden—New- Dark. Würde sie an Japan fallen, so könnte dieser Staat den amerikanischen Verkehr mit DeuMland überwachen. Ämetika, das sich gegen den Völkerbund in feiner hen Lgen Zusammensetzung sehr scharf ausspricht, hat nun in einer'Note gegen das japanische Mandat <Einsp"nch erhoben. Gleich'eilig hat Amerika auch eine Aederprüfwrg 'bes' französisch^englischen Abkommens über die Oelfelder Mesopotamiens', gefordert. Es handelt sich um den Gegensatz zwischen der amerikanischen Siandars Oil und der englischen Royal ^utch-Gesellschaft, der das Verhältnis der Leiden angelsächsischen Staaten schon s-'it geraumer Zeit, vergiftet. Man erinnert sich an die Drohung des Washingtoner englischen Gesandten, Sir Auckland Ged des, der in einem Interview mit einem Hearst-BlatLe sogar von - einem Krieg gesprochen hat. Die Frage, der Mandate über die ehemals deutschen Kolonien hat ebenfalls große Schwierigleiten 'gebracht. Nach einer Mitteilung des „Corriere delaS'ra" hat J'aliens Vertreter die von England, und Frankreich vorgelegten Entwürfe beanstandet. Er hat darauf aufmerksam gemacht, daß sich die,.Entwürfe über die wesentlichsten Bedingungen der'Völkerbundsakte hinwegsetzen. Die Bedingungey, die allen Völkern Gleichberechtigung im Handel mit den früheren deutschen Kolonien zusichern, wurden geschickt umgangen und in die von England, und Frankreich vorgelogten Satzungen eine scheinbar harmlose Klausel aufgestommen, die es gestattet, zugunsten der Mandä'armächte die st re n g ste n ß ch utzz öl le emzusühren. Der Bölkerbundrat schien ^ie Einwendungen des Marchese Imperiali günstig äufznnehmen. ' s Telegramme. Re«wahlen in Italien? \> \ MaütMd, 83. Februar. (Tel.-Komp.) Die Opposition Ürgen daS Kabinett GioliLLi nimwr .in parlamentarischen Kreisen immer mehb zu. Die Führung dieser Bewegung hat offenbar Nitti. In - Rom rechnet man - bereits mit der Möglichkeit, daß noch vor der Annahme des Gesetzentwurfes über die Regelung der Mietverträge Neuwahlen - stattfinben werben. Der parlamentarische MitarLsiter deS >,Eorriere della Sera" bestätigt, daß in* den Warrdelgängen Parlaments mehr-von den kommenden Wahlen und-der Stellung des Kabinetts gesprochen werde als über die zur Behandlung stehenden laufenden Fragen. Die deutsche Delegation für London. Berlin, 23. Februar. (Wolfs.) Ms Mitglieder der putschen Delegation für London wurden außer Reichs- 'minister Dr. Simons, Staatssekretär Berg mann, Ministerialdirektor von S r m s o n, Ministerialdirektor G öppe r t und Dr. R a t h e n a u nominiert. Ein arabisches Königreich. Purks, 29. Februar. P e r t i n a x berichtet im „Echo Paris", eine Persönlichkeit aus englischem Delegiertenkreisen habe sich zu dem Ansuchen Emir Faisuls, Vom Obersten Rate gehört zu werden, dahin geäußert, englische Volk wünsche nicht, fortgesetzt'jährlich 90 bis 85 Millionen Pfund Sterling für die Kosten her Besetzung Mesopotamiens auszngeben,' uyd werde Patzer bereit sein, die Räumung des Gebietes zwischen Euphrat und.Tigris vorzubereiM! Man beabsichtige sich auf Bassoxa h zurückzuziei-en, wünsche Uber im Lande eine politische Organisation zurückzulassen, die die Rückkehr der Anarchie verhindere. England fei daher entschlossen, ein,arabisch es Königreich zu gründen. InBagdad gebe es jetzt vier Kandidaten um die Königskrone.'Emir Abdullah und Emir Faisul, beide Söhne-des Königs Hussein/ sowie zwei a abische Scheiks. Es sei aber fthr Wahrscheinlich, daß Faisul den Sieg savontpa'gen werde. > Faisul will in London verhandelch Paris, 23. Februar. (Funkspruch.) (§mk Fqisül hat den Wunsch ausgesprochen, von der Londoner. Konferenz angehört zu werden; in Anbetracht des Widerstandes Priands gegen Faisul dürfte an seiner Stelle Her syrische General Haddad Pascha von der Konferenz gehört werden.! Englands Schulden an Amerika. > London, 28. Februar. (Wolff.) In Beantwortung einer TMcage erkätte Lord' C h a m b e r l a i n, die 'S ch u! v OrotzbritannienS an die Vereinigten Staaten belaufe sich ohne die Zinsen vom 31. März 1619 an auf t197 Millionen Dollar. Die von Großbritannien den - 211° U'erten gewährten Darlehen letragen insgesamt 172Y Mil» /wnen Pfund. ' . Hardings Kabinett. - Paris. 23. Februar. Nach Meldungen aus Wattgryn habe Hqrding sein 'Kyb'iyett folgenderdmßen zusammengesetzt: Staatssekretariat --- Charles K u g he s, Schatz. Andre William Me l lv n, Kr,w^ itttcner Morgenzerrung 24. Febmar 1921 eeitilgt X, — John Wingato, Landwirtschaft — ^Henry C. W a lläee, Justiz — Henry M. Daugherty, Inneres — Albert D Fall, Post — William Hays, Marine — Edwin Denby, Arbeit — James John Davis» Handel — Ha ov 'er. Nationalistischer Putsch in Persien. Teherqn, 23. Februar. (HävaS.) General Nescbä Chan, der/ gestern an der Spitze von 2600 persischen Kosaken von KaLwm ab marschierte, hat sich, heute ohne W'dörftmw der Stadt Teheran bemächtigt und die Negieru.ng gestürzt. Nescha Chan verhandelt mit. dem Schah wegen Bildung eines neuen Kabinetts. Take Zonefeu über RnmLniens answllrtige Politik. Dularest, 23. Februar. (Funkspruch.) Im Senat erklärte Minister des Aeußcrn Take Joneseu in Besprechung der au8wätti-en Politik, die Banatfrage sei endgültig geregelt. Rumänien.sei unbedingt gegen eine Rückkehr der Habsburger. Zwischen Rumänien und Rußland bestehe kein Kriegszustand, weil auf die zwei Ultimaten Rußlands kein feindlicher Akt gefolgt sei. Die Verhandlungen mit Rußland würden in Reval ausgenommen werden. Die russischen Vorwürfe wegen angeblicher Einfälle von Banden Petljuras aus Rumänien seien unbegründet. Zwischen Rumänien, Polen und der Tschecho-Slowakei bestehe eiin Vertrag zur Gewährleistung der Durchführung der Bestimmungen des Friedens von - Trianon. Die Grenzfrage zwischen Rumänien und der Tschecho-Slowakei sei zufriedenstellend geregelt worden. Die Dobrudscha bleibe rumänisch. Herz! forderte 9 die Schaffung einer öffentlich* rechtlich gescherten Heimstätte für das jüdische Vo’k im Erez Israel . . . . („Basler Programm** ) Was SfspaS forderte, ist heute erreicht. Das Mandat Englands über Erez Israel rückt die Schafung des in greifbare Nähe. Die Juden Oesterreichs, in deren Mitte Wffirzl gelebt und gewirkt üiat, ehren den toten Führer in dem Jahre der Verwirklichung seines königlichen Traumes durch Stiftung eines Wades von 309,000 Bäumen am Kinerethbergam Tiberiassec! Der ,Jaar Austria4 „WÄ'sesJUI 8 soll ein Zeichen der Verknüpfung des österreichischen Judentums mit dem Lande Israels se.n. « S??8 M« Stiftung elnasSsamss kostet lOOKrontn Jeder Jude Oesterreichs spendet dem . JQiäfischSfi NationaBfomSs (II., Zirkuspasse 33) mindestens je 1 Baum auf se nen Namen und die seiner Angehörigen tfir den „Jaar Austria“. — Der „Jaar Austria“ wrd nur dann gepflanzt, wenn wenigstens 100.000 Bäume gestiftet werden WWche EMgrarrLeR in Italien. Rom, 20. Februar. (Jüd. Korr.-Bur.) Seit einigen Monaten vergrößert sich der Emigrantcnstrom, der sich von Beßarabien durch Italien nach Amerika richtet. Dress Wanderung hat das italienische Judentum völlig unvorbereitet gefunden und deshalb wurde den Emigranten anfänglich fast keine organisierte Hilfe geleistet. Nach drei oder vier Monaten hat der Gcmeindebund Schritte unternommen, um diese Hilfe zu organisieren. Im Jänner hat in Bologna eine Zusammenkunft von Gemeindevertreiern stattgefunden, auf der dre Leitung der ganzen Arbeit dem Rechtsanwalt Sullän-Vcnedig (der Vizepräsident der zionistischen Föderation ist) anvertraut wurde; daraufhin wurde ei» Emigrantenamt in JÜ e a p e l organisiert; in Triest war ein solches schon vorhanden und in Genua wird dessen Eröffnung bald in Aussicht gestellt. Die. überwiegende Mehrheit der Durchwanderer sind ukrainische Juden, die nach Argentlmen und Brastlien gehen; erne gewisse Zahl von ihnen mutz auf bas Geld ihrer Verwandten in Italien warten, und da die Organisationsarbeit eben noch am Anfang ist, dauert diese Wartezeit manchmal Wochen- und monatelang. Die Konferenz in Bologna hat für die Emigrantcnver» forgung ein ^ahreSbudget von 600.000 bis 800.000 Lire präliminiert. Die Z«ternirru«q ver magyarische« Offiziere i« R«ßla«d. DMapest, 23. Februar. (Nng. Tel.-Korr.-Bur.) In der Nationalversammlung tritt der Minister des Aeußern in einer Interpellation auf das entschiedenste den Gerüchten entgegen, als lege die ungarische Regierung der Rückkehr der Kriegsgefangenen absichtlich Hindernisse in den Weg, weil sie die Gefahr der Einschleppung einer bolschewikischen Propaganda befürchte. Dieftr Gedanke sei nie aufgetaucht. Man erwarte piit Sehnsucht den Augenblick, die Aktion der Heimbeförderung der ungarischen Kriegsgefangenen aus Rußland stoße auf techmM, wirtsHaftlW und politische, .Schwierigkeitejt. Auf Anstiften der nach Rußland geflüchteten ungarisches Kotntnuntften habe die russ'sche Regierung 'bty ungarischen Offiziere und die intelligenten Elemenht' unter den Gefangenen in Lagern und Kerkern inte« n rer t. Es sei zu hof'en, daß bald eine Einigung erzieu werde. Es sei unrichtig, daß der Delegierte der ruW scheu Regierung Bela Kirn sei. ' Deutscher Reichstag. - ' ' Berlin, 23. Februar.' (Wolff.)' Der' ReichZrag Heute-nach beinahe dreiwöchiger Pause , wieder zusam«i mengetreten.! Das Haus verwies einen Antrag der Staatsanwalii -Mast auf Genehmigung der Strafverfolgung des Äbgeordneten Erzb.'rger wegen Steuerhinterziehung und prtalsflucht an den Gesckpstsordnungsausschutz. Die VoLLsabstimmuug tn OLerschlLstäRk -Oppeln, 23. Februar. lWolfft) Von dsr Jnterq alliierten Komm'ffio» wird mitgeteilt: Durch Vorschrift der Interalliierten RegierungZ- und PlebiZzitkommission für Oberschlesien vom 23. Februar 1921 findet bi« Volksabstimmung für alle Stimmberechtigten Sonntag-! den 21 März l. I. statt. . . Dr. Benesch te Prag. , , Wag, 23. Februar. Minister des Aeußern Doktor B e it t s ch ist ljute abends nach Prag zurückgekchrt. Kleine Nachrichte«. Lrieft» 23. Februar. (Tck.-Komv) Der Stre t' bdr Speditr-mSbr^mnn in Trieft, der Über eine Woche sedaueft hattet ist beendet worben. - ■ : 5Rem, 23. Februar. (Tel -Komv ) In Neapel wnd demnächst eme nalienifch-volniiLe Handelskammer eruchtet werden. Rom, 23. F bruar. (Te'-Komv.) Dre. beiden soüali>'tn'che» Devuüerren dellr Dera und Grenader wurden rm Cai^ Äragyp m Rom van Fasi-stm anaeanmn. Der Erstgenannte erhielt ems' Kopfwunde durch einen Etockined. Teiest, 23. Februar. cTel.-Komv) De Faicisten haben dir, Ardeitvkammer >n Cerv-gnano zerstör und d» gksanue Ern«, ltchtrmg und das Aitenmakeual vernichtet. Inland. Die interwationale soziMWche Konferenz. ■>. Die Beratungen des Internationalen Sozialisten«' kangressrs wurden gestern vormittags begonnen. $o&>- sitzender Grimm (Schweiz) teilt mit, daß die! Mandatsprüs ungskommission ihre Arbeite« ifpch nicht beendigt habe, daher beantrage er, die Debatte^ über Punkt Ir „Imperialismus und soziale Revo luti on" zu beginnen. Nach einer kür^even GeschäftsordnungIdebaite begann Hallhead (Englands das Referat. Er entwickelt die Geschichte des Imperial iS m u s, der seit 1881 mit der Besetzung Aegyptens du 'ch die Engländer angefangen habe. Es' war dies der Beginn der Raubzüge einer Reihe großer Länder, Frankreich und Deutschland inbegriffen, welche dann nachfolgten. Bis 1903 hat England vier Mil>. li-onen englische Quadratmeilen okkupiert. Die Bourgeoisie begründete dies mit den Erweiterungen deZ! Marktes, in Mrklichkeit war es eine Expansion des Imperialismus. Der Handel in England ist von 1881' bis 1908 nutz «nt die Kleinigkeit von drei Prozent gestiegen, während! tausende Millionen für Rüstungszwecke ausgegeben' wu.den. Lloyd George sagte einer Arbeiterdeputation^ die englische Bourgeoisie führe den Krieg nicht, um aüchj n ü r e i n e n Z o l l L a n d e s zu erobern. Das ist abeL durch die Friedensverträge nicht bestätigt worden. Denn 'durch die Verträge von Versailles und Saint-Germain erweiterten die Engländer ihre Macht um Millionen Ouadratmeilen. Es war ein Krieg von Räubern für imperialistische Zwecke. Das zu bekämpfen wird?lufgabe der Arbeiterschaft sein. England habe * zweieinhalb Millionen Arbeitslose, das sind die Früchte für die arbeitenden Klassen. W man Deutschland seiner Flotte beraubt, hNben in England die Werftarbeiter nichts zu tun. Der Allgefneinhrit ist nicht gedient, wenn an Stelle des deutschen" Militarismus ein anderer tritt, wenn statt der deutschen f.anzösische Heere, statt der deutschen die britische Marine Europa behrrschen. Redner kam auch auf die Arbeiterverfolgungen in Indien zu sprechen, wo die Hindus um einen H u n L r r kö Y.y! arbeiten. Das Kapital bediene sich dieser aüsgeb.'üteteA Arbeiter zu Konkurrenten der europäischen Arbeiter. Tatsächlich zeige sich, daß jetzt die Arbeiterschafi gedrückter sei als vor dem Kriege. Es gibt keifte Rettung aus dieser Not als die Vereinigung aller Kraft« zur Ueberwindung des imperialistischen Systems zur Be^ fretung vom Imperialismus. j Nach der Rede des Delegierten Wallheaft, die von Dr. Otto Bauer übersetzt und auch ins Frünzösischtz übertragen wurde, stellte Abgeordnet 'r C r i spie n auU Berlin-den Antrag, eine kurze Generaldebatte abzuhalteN^ Gegen diesen Antrag wandten sich namentlich die fra» zösischen Delegierten, weil die ManüatSprüfungi Kommission mit ihren Arbeiten noch nicht fertig sei. 'Die Konferenz beschloß, die ungar'.sckie Kun.f> Gruppe als. Vertretung der ungarischer! A,ozralder t J. Mt.