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Wiener Morgenzeitung · 1921-02-23 · Heft 747 (23.2.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 747 (23.2.1921)
Date
1921-02-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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GM'4 DKen. Müiwoch Wiener Mor^ertzeitAnq - - —... ----- --.- '■■— Faseisten gegen die Sozialdemokratie. Matland, 22. Februar. Die Blätter melden, daß die Zusammenstöße zwischen Fascisten und Sozialdemokraten stark zunehmen. In Bari gebe es Verwundete. Die sozialistischen Deputierten Tassinari und Campanini wurden durchgeprügelt. In Bra gab es einen Toten und zwei Verwundete. In verschiedenen Orten der Provinz Verona kam es zu Zusammenstößen, bei denen Rcvolverschüsse gewechselt wurden. In Florenz haben die Fascisten eine Sitzung des Provinzialrates gestört. In Triest sind sie während der Annexionsfeierlichleiten m die Arbeiterkammer eingedruugen. Auch hier gab es Verwundete. Triest — Freihafen. No», 22. Februar. (Funkspruch.) Die Regierung hat beschlossen, Triest zum Freihafen zu erklären. Jüdischer Miaoritätenschutz in Finnland. Paris, 20- Februar. (Jüd. Korr.°Bur.) Anläßlich der vor die Völkerbundratjitzung gebrachten Frage, betressend den Schutz der nationalen Minderheiten in Finnland, hat der bevollmächtigte finnische Minister in Paris dem Vorsitzenden des Komitees der jüdischen Delegationen, H. So ko low, einen Besuch abgestattet und ersuchte ihn, die nach dem Ermessen der jüdischen Delegationen notwendigen gesetzlichen Schutzmaßnahmen zugunsten der jüdischen Minorität in Finnland vorznschlagen und deren genauen Text zu formulieren. Die sinnländische Regierung geht nun daran, die während der Völkerbundversammlung in Genf übernommenen Minoritätsschutzverpflichtungen nach jeder Richtung zu erfüllen. PaläMna-EMigranLenfürsorge in Bagdad. Bagdad, 18. Febiuar. (Jiid. K?rr.-Dlrr.) Hier winde ein Hilfskomtre gebildet. das ten üder Mesopotamien winternden südiscken Em'granrrn die Weite" e sc nach Palast wo ermöglichen ivll. Vorige Worbe wurde 70 Emig> arten' zur Weckerrrtse über Bombay verdvlfen. Das Fürsoraelvmite' bat, eine ene gsche HllfSaknsn . emgele«tkt, um in den nächsten Tagen giosere Emigranten-Transportr nach PaWma.zu brmsen. ZKlmd. Die KonfereRz vsir PsrLsrose. Wie wir erfahren, ist die Konferenz von Pordorvse den 18. März einberu-en worden: SLkLioKschef SchMer in London. Paris, 22. Februar. SelüonZchef Schüler ist heute r:0ch Lc-.dsn aögereist. Die westungarische Frage. Me dis „Politische Korrespondenz" erfährt, ist gestern abends die ungarische Delegation, die mit der Führung der fachtechnischen Verhandlungen über die aus den Friedensvertragen von Saint-Germain und Trianon sich ergebenden Bestimmungen über Westungarn betraut wurde, in Wien emgetroffen. Die Delegation besteht aus Graf Emmerich C s a k Y, Graf Sandor Khuen-Hedervarh, Ministeri alrat Ala-; dar Edvi-Jlles, den SektionsräLen Anton Geber, Ernö Träger, Tibor Pechy und dem Abgeordneten Lingauer. Die Verhandlungen beginnen heute, im Ministerium des Aeußern. OesterreichischerstitS find mit her Führung der Verhandlungen Sektionschef im Ministerium für Inneres Dr. D a v Y und Sektionsrat im Ministerium für Zleußervs Dr. Di Pauli betraut. Die sozialistische Konferenz. Gestern nachmittags wurde im Arbetterheim die internationale Sozialistenkonserenz eröffnet. Der Saal ist ,mit zwei großen Marx-Büsten geschmückt. Zu beiden Seiten des Podiums stehen rote Fahnen, die knapp vor tm Eröffnung von Vertretern des Soldatenrates des dritten Infanterieregiments gebracht wurden. Zur Konferenz sind 71 Delegierte gemeldet. Unter den Gästen befindet sich Karl K a u t s k y. Das Präsidium besteht aus Ledebour, Longuet, Grimm und «Vallhead. Namens der Einbevufer begrüßte Dr. Friedrich Adler die Konferenz. „Wir kennen nur einen Feind, die Bourgeoisie. In uns lebt das Bewußtsein der Bescheidenheit und der größten Aufgaben. Wir müssen unseren Optimismus zügeln und nicht glauben, daß wir mit einem Schlag in die neue Internationale ernteten. Die Konferenz ist noch keine Internationale. Eine solche besteht nicht, da weder die Dritte in Moskau noch die Zweite in Genf Internationalen im rechten Sinn des Wortes sind. Wir konstatieren aber, daß wir gleich jenen ein Drittel' des Weltproletariats vertreten. Wir ziehen nicht die Konsequenzen, daß die soziale Revolution unmöglich sei, bauen aber auch nicht auf den Reformismus. Wenn wir die witzigen Stil- Übungen (der Kommunisten) über uns lesen, dann , sagen wir uns. daß die gegenwärtige Situation nicht zum Lachen ist. angesichts der blutigen Niederlagen, die sich das Proletariat in der letzten Zeit tzelt. Es $ nicht zweckmäßig. <teoca Moskau uu Mittrilungcn ans dem Publikum, bstlier Kornbaum Zwi Torten Brzezany Podhajce Verlobte Wien, im Februar 1921 E Anlässlich der Verlobung unseres Freundes Herrn Hermann Neubauer mit Fräulein Rost Sthosrr gratulieren herzlichst Lasar Pfefferfcaam tmd Frau 4m SILLAKTEM, Perlon, Gold, Silber,Platin u.Ukren kittü «ad Ttrktoli 775 ETTER Rotectnrmstr. 23, ZSarlahilfsratr. 98 Bekannt seriöser Käufer für Brillanten, Perlen Juwel-EeSelstelnhSndler Rabinowitsch Juwelier «©e I. MaximWp.strasse 5 (heisst jetzt Mahierstr.), Tel. 8541 ii. Stephanisstrasse 3, nur Nr.3. im eigenen Hause. Tel. 45148 Freitag 4 Uhr n.Samstag; geschlossen. Horon Sie auch unsere Preise alt unfl non en prros und n detail 611 MAYER 88., Taborstrassa 33 und Bureaismöbel die grösste Auswahl Leopold Stelnliart ----- Wioi, A., SeLrslbmischinenMparalarsn rasch, billig and gut £.. Biberstrssü* Kr. 0 153 Tel. 4073/VI« Tone Moskaus zu polemisieren. Hatte Moskau gesiegt, dann könnten wir hier über diese Fragen nicht sprechen, weil wir hier nicht mehr die Diktatur der Arbeiter, sondern die der Bourgeoisie hätten. Im Gegensatz zu Moskau, das alle Köpfe unter eme Schablone bringen will, streben wir danach, alle Parteien auf dem Boden der Mehrheit zu vereinigen und die Minderheit dazu zü bringen, daß sie sich den Beschlüssen der Mehrheit fsigt. Wir wollen eine Arbeitsgemeinschaft jener Parteien schaffen, die es übernimmt, die Internationale vörzubereiten. Wenn Moskau sich an die Devise hält: „Teile und'herrsche!", so stellen wir ihnen datz. Wort, Karl Marx entgegen: „Einigt mich, um zu siegen!" Die Rede' Adlers wurde sodann ins Französische und Englische, übersetzt.. Ein Schweizer Delegierter überbrachte die Grüße seiner Partei. Die Forderrmgerr der Staatsbeamten im Harzptausschuß. ..Bekanntlich wurde in den am letzten Samstag einvernehmlich zum Abschluß gebrachten Verhandlungen der Bundesregierung mit den Vertretern der Organisationen der Bundesangestellten, betreffend die neuerliche Gewährung eines Vorschusses, die Vorlage der Vereinbarungan den Hauptausschuß für Dienstag den 22. d. M. in Aussicht genommen. Aus mehrfachen Gründen, insbesondere infolge, der derzeitigen Abwesenheit zahlreicher Mitglieder des Hauptausschusses von Wien, vermochte die Sitzung des Hauptausschusses seitens des Präsidiums der Nationalversammlung für Dienstag nicht anberaumt zu werden. Es wird die nächste Sitzung des Hauptausschusies Freitag den 25. d. M. stattfinden, in welcher die Negierung Gelegenheit nehmen wird, die Frage der auf Grund der letzten Verhandlungen in Aussicht genommenen Vorschüsse' und deren weitere finanzielle Auswirkungen zu vertreten. Die Zuckerverhandlumgen mit Prag. Prag, 22. Februar. Hier sind neuerlich die Delegierten der österreichischen Zuckerstells. eingetrvffen, um die Zuckerfrag« mit der tschech o-slowakischen Regierung definitiv zu erledigen. Die BerKehrseinschvSnku«ge«. Die «Politische Korrespondenz" schreibt: Infolge Güter- «vnstauung ist bekanntlich die österreichische Eisenibahnveriva»» tung zu verschiedenen VerkehrSemschränkungen gezwungen worden, was in den Verfügungen über Einstellung der Güterannahme im inländischen Verkehr mit Ausnahme der lebenswichtigen Transporte und Einstellung gewisser SchnellzugSverbindurigen seinen Ausdruck gefunden hat. Damit waven, Rückwirkungen auf den Auslandsverkehr, besonders mit der Tfchecho-Slowakei, verbunden. Jur Behandlung und Regelung der dadurch entstaiLenen Fragen ist der tschechoslowakische Eisenbahnminister Ing. Dr. Burger mit den SektionSchefS Dr. Madl und Bafchta in Wien singetroffen. Die sich daran knüpfenden Besprechungen hatten den Zweck, die in Oesterreich bezüglich der VettehrSeinschcänkangen getroffenen Maßnahmen dadurch zu unterstützen, daß die Tschecho-SlowaLei ^dre Annachme von Gütern für Oesterreich und über Oesterreich hinaus im Vnvernehme« mit der österreichischen Sisenbahnverwaltung in demselben Ausmaße beschränk«, wie dieln Oesterreich gegenwärtig verfügt wurde. Äße hierüber unter Vorsitz de» öjterxeichiMen Ministers für 23. Februar 1921_Nr. 74- Verkehrswesen Dr. Pesta geführten BerhaMungen habrG. -u einem vollen Einvernehmen geführt. Einschränkung -es SchnellzugsverkehrS auf -en Ssterreichifchen Staat?bahnen. 1 Wrge« vnfäiä-üen Kohlrnmangels wrrdm aui die Dauer von ungkfatzr zwn Wochen solpende Schnellzüge außer Verkehr gesetzt. Bon Donuers»aa den 24. d. M. an unterbleibe« die Schnellzüge v 805 und T> 206 aus der S«r ck: W'kn-Westbahnhof—Innsbruck—Buch^- ^Abiab't von Wi:n Donnerstag, Samstaa. Montag nm 7 Uhr 2."> Mm. adendS, Ankunst in Wien Samstag. Mankaq,' M'ttwoch um 11 Ndr vormittags. V->n Freitag den 2',. d. M. an nnterbstiben die?uruszüge Varis—Wien L t und L9 auf der Strecke Wlen-Weßb ibnhol—, Salchürg—München. Abtabrt von Wien Samstag, Dienstag, Donnerstag um 7 Uhr 30 Min. früh, Ankunst in Wien Freitag» Sonntag. Mit'wock», nm 1v Ndr 65 Min. abends). Ferner die Schnrllzügr Ostende—Wien v 407 und D 408 auf der Strecke Wren-Westbahnbof-Prstan-Nirnderg. lUdfahrt von Wie» Sumsiag. DrenStag, Donnerstag am 8 Uhr 25 Min. früh, Ankunft in Wu» Freitag. Sonntag, Mittwoch um 10 Uhr öö Min, abends.) _1 Tagesbericht. Die „Arier«. An dem Tage, d« in der Generalversammlung be§. Alpenvereins die Entscheidung fallen soll, ob der Verein „avisiert" wird oder nicht, erinnern liberale.Blätter ent die Tatsache, daß die so heiß umstrittene Touristenvereinigung von einem Manne gegründet worden ist-' dem man zwar die größten Verdienste auf allen möglichen Gebieten der Wissenschaft^ und des öffentliche« Lebens nachsagen, aber dennoch das eine abstreiten muß, nämlich das „Verdienst", ein Arier zu sein. Die Auffrischer dieser Erinnerung huldigen offenbar in.unver-, wüstlichem Idealismus der Ansicht des alten Sokrates,' daß der Mensch nur aus Unkenntnis des Guten da^ Böse tue und wollen mit ihrem guten Gedächtnisse der schlechten Gesinnung der anderen vorbauen. Wir fürchten aber, daß die naiven Mnemotechniker eine gtoße Enttäuschung erleben werden. Arische „Gedächtnisfshle^ jüdischen Verdiensten gegenüber sind nämlich hierzulande schon so usuell, daß der Bruch mit dieser Tradition mehr Erstaunen .Hervorrufen würde, als deren weitere Befolgung. Das Beispiel des siegveichen Christen- . tnms, das sich in dem Momente, da es das Stadium der Verfolgungen gesund überstanden hatte,. so energisch! . von der jüdischen Mutterreligion emanzipiert hat, daß es heute n.icht selten als geistiger Ausdruck des Ariertums dem mosaischen des. Semitentums gegenübergestellk wird, hat im Großen und Kleinen nirgends so Schule gemacht wie in Oesterreich. Jüdische Ideen sind es, von. denen die .antisemitisKen Leuchbey. iy:. Gtaah- .und Ge- .. meindr ehrten —, manbenke^ nur an die Hasftrversor^ gung Wiens und die geplante. Elektrifizierung der Bahnen und jüdisches Geld, jüdische Initiative hat, den materiellen und. ideellen..Grundstein zu manchem! stolzen Bau, , der jetzt als „Bollwerk des Ariertums^ mißbraucht wird, gelegt. Der Alpenverein will in.dieser Beziehung nur das Beispiel nachahmen, das ihm hundert andere Pereine geliefert haben, unter anderem die akademischen Fachvereine, deren mit Judengeld erworbene Bibliotheksn den jüdischen Studenten verschlossen sind. Vielleicht glauben die österreichischen Arier mit dieser iNethode des „Erbens" besonders schlau zu fein. Wie sehr sie sich indessen mit dieser. Schlauheit ins' eigene Fleisch schneiden,.dafür liefert die von uns wiedergegebene Meldung, des jüdischen Nationalrats über daS Scheitern seines Versuches, Oesterreich in der Dia- , mrrntenschleiferLi eine neue Industrie zu schenken, einen., eklatanten Beweis. Mit Recht fürchten die in diesem! Gewerbe maßgebenden Faktoren, daß e§ in Oesterreichs den jüdischen Händen, in denen es sich jetzt befindet^ entwunden werden nnd nur den Antisemiten, zugute . kommen könnte. In Oesterreich, wo das Christentum! von Petrus und Paulus auf den Pater Scheicher, dev Sozialismus von Marx und Lassalle via Vogelfang , auf Kunfchak und JeLzabek und der Alpinismus von Eduard - Süß auf Walter Riehl gekommen ist! Und . ihre Deilnahme für has unglückliche, wirtschaftlich eine Renaissance so dringend benötigende Oesterreich, wird durch die Entrüstung über die Zumutung wirkungslos gemacht, daß hier jüdische Arbeitskraft den Antisemiten die Kastanien aus dem Feuer holen soll. Der Schaden, den diese Tradition stiftet, trifft also Oesterreich ungleich! . härter als die Judenschaft, die schließlich auch noch! ihren etwaigen Ausschluß aus dem Alpenverein überleben dürfte. _________ Dr. H. Sp. »Das Martyrium iu der Ukraine." Wir erhalten folgend« Zuschrift, die wir ungekürzt wiedergeben: , „Ich ersuche mit ge fl. Mitteilung , wer an der Spitze der Aktion zugunsten der ukrainischen Pogrom- - Waffen steht, und zwar wünsche ich zu wissen: 1. wer die Verwaltung der Geldbeträge innehat. 2. went die Verteilung der bedauernswerten Waisen obliegt. Ihre Artikelserie über das Martyrium der Ukraine hat mich derart bis ins Innerste erschüttert, daß» ich, obschon selbst nicht kinderlos, mich im Einverständnis mit meiner Frau entschlossen habe, ein Waisenkind im zartesten Alter, und zwar einen Buben» aufzunetzmen. Außerdem sind noch mehrere mir befreundete kinderlose Ehepaare, die sehe gut situiert find, bereit, je eines der Kinder an Kindssstatt antzEM». Ich bitte alsum. gsfl. Witteiüm-,. Mit 554^188

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