Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 747 (23.2.1921)
- Date
- 1921-02-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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4K«* H» 4txnt% ett Alliierten und die Konferenz mit den Türken und Griechen in London und der Rat des BötterbunLeK in Paris tagen, die definuivs Erledigung des Paläktina- Mandats erfolgt. Die nächste Woche kann so für Palästina und den Zionismus historische Dcdeutttng bekommen. ES jahrt sich zu« zweiten Male der Tag, La Weitzmann. Sokolüw und Ussischkin vor die Pariser Jriedenskottserenz traten. ES wäre mSgttch. vatz Sie defrnitive Erlebttzung des Palästina-Mandats genau zwei Jahre später erfolgt TelegraMMe. Die Landlagswahl«« in Brenßen. Berlin, 22. Februar. (Wo»ff.) Auf Grund des vorläufigen Ergebnisse» der preußischen Lamdtngsrvahlen er» scheinen 8S8 Abgeordnete gewählt. Hiezu treten «och dbe bisherigen 22 Nbgeoridnttrn des Krerfe» IX (Oberschlesien) a«S d'et LarL>eSversammku-ng, so daß die Gesamtzahl der Äbge» ordneten 421 beträgt. Davon sind: Mehrheitssozialisten 113, Demokraten 28, ZentrumSmrtglieder 8V, Mitglieder der deutschen Volkspartet 67, der dcutschrMonalen VolkSpartri 73, der Wirtschaftspartei des deutschen Mrttelstanides 4. Die Unabhängigen sind durch 88, die verrrmgte« Kommunisten ourch 30 Abgeordnete vertreten. Brrli» 22. Februar. Durch Me Ergänzungswahlen fÜt den Reichstag in Schleswig-Holstein und in Ostpreußen hat sich die Mandatszahl der einzelnen Fraktionen nicht unerheblich verschoben. So haben die Deutschnationalen drei Mandate gewonnen (69 statt bisher 66), die deutsche Dolkspartei zwei (64 statt bisher 62), die Kommunisten eines (3 statt bisher 2). Dagegen haben die Demokraten sieben Sitzs verloren (38 statt bisher 45) und ebenso die Sozialdemokraten «chs Sitze (107 statt bisher 113). Berlin, 23. Februar. Nach den Aifssrri deS Landes-, Aahlleiters werden sich einschließlich der verbleibenden oderschlesischen Mandate folgende Stärkeziffern der Fraltionen ergeben: MehrhritsfeWaldemokraten NI (bisher 148), Zentrum 83 (84), Demokraten 25 (65), Deutschnatiorrcvle 78 (50), Unabhängige 28 (23). Deutsche Bolkspartei 66 (21), K»mnnrmsten 30 (0), Wirtschaftspakte! 2 (0), Welfen und Schleswig-Holsteiner 6 (4). Dm Gesamtzahl der Mandate beträgt humt 414 (402). Die KsaMiSA. Berlin, 22. Februar. (Wolfs.) Heute hak zwischen den ln der Rörchsrsgierung vertretenen Parteien eine Besprechung über die durch die preußischen Wahlen geschaffene Lage stattgefunden. Hiebei trat die volle Einmütigkeit darüber zatage. daß auf eine Lösung hingewirkt werden müsse, bei der' Me,Regierungen im Reiche und in Preußen Von derselben Aarteienkoalition getragen werden. Es wuvde vereinbart, daß von diesem Gesichtspunkt aus ein elnhertlkches Vorgehen der in.der Reichsreglerung vertretenen Parteien M her Neubildung der preußischen Negierung angestrebt werden soll. (E§ wird sich also darum handeln, ob Scheide Mann und StinneS Zusammengehen. Die ilted./ Die ArKeiLslsfigkeit in Deutschland. Borlln, 22. Februar. (Wolfs.) Trotz aller Gegen- Maßnahmen ist die Erwerbslosigkeit im Jänner weiter ganz bedeutend gestiegen. Di« Zahl der thtfcfc. stützten Bo!l-Erwerbslosen ist von 410 000 aus 432.000 gestiegen. Unter Berücksichtigung der unterstützten Fa" nulienangehörigen und der Tatsache, daß infolge der Beschränkung der Erwerbslosenunterstützungen nur etwa die Hälfte der Erwerbslosen Unterstützungen erhält, ist anzunehmen, daß etwa zwei Millionen Menschen das gewohnte Arbeitseinkommen entbehren. Hiezu treten die Kurz-Arbeiter. Es dürften also etwa 10 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig ober zu einem lrssent. Men Teil von der Arbeitslosigkeit betroffen sein. -Das E«de der galizlschen La«de»» autonomie. ÄSarschan, SS. Februar. (Tel.-Komp.) Der Warschauer Sefm hat einen Beschluß gefaßt, wonach sämtliche Befugnisse des galizlschen Landtages, Me aas dem galizlschen Gemeindegesetz hervorgehen, aitf das' polnische Ministerium des Innern übertragen werden. Stet* ««gttfchrr Protest gegen da» französisch-polnische Abkommen. Paris. 23. Februar. Die Agence Havas meldet aus London: In diplomatischen Kreisen werden die Informationen einiger Blätter, wonach von britischer Seite bezüglich des jüngst abgeschlossenen französisch-polnischen Abkommens Vorbehalte gemacht worden wären, in striner Weise bestätigt. In diesen Kreisen hält man im Gegenteil dafür, daß das Abkommen eine feste Bürgschaft füt die Aufrechterhaltung des Friedens in Mitteleuropa bilde. Andererseits dementiert die britische Botschaft in Paris dies« Informationen in formeller Mise und erklärt sie als jeder Begründung entbehrend. Das Strafverfahren gegen Balachowiez. Zürich, 23. Februar. (Jüd. Preßzentrale.) Aus Warschau wird gemeldet: Auf die Interpellation des Äbgeo.dneten Hirschhorn wegen der von den Truppen Miachowiez' vr. übten Exzesse, e.tei.te der KriegSralnister folgende schriftliche Antwort: «Die Hebelgriffe^ Gewalt- $s?icrwrf 'sve&Vßmsvttnfig 23. Februar 192! 'Bitte 3 ZiMirede 6MkÄym»««g S ffspMMintt (Sektion JMa). Der Arierparagraph durchgefaste«. der geschäftliche Teil der Sitzung, der offenbar bei den Gestern abends um halb 6 Uhr fand die in beiden Lagern fi.berhaft vorbereitete Generalversammlung des Alpenbereines „Sektion Austria" statt, die, wie zu erwarten war, einen sehr starken Besuch aufzuweisen hatte. Bereits um halb 5 Uhr begann «der Zustrom der Mitgki?der deren Berechtigung zum Eintritt von zahlreichen Ordnern, darunter auch solchen der Opposition, kontrolliert wurde. ES mochten zum Beginn der Versammlung zirka 2000 Personen anwesend gewesen sein. Den Vorsitz führte der erste Vorsitzende der Sektion, Holz Hausen, welcher erklärte, daß er durch Ausschutzbeschluß diese Funktion ausübe. Bekanntlich Harken Sie alldeutschen Schreib beabsichtigt, den Inspirator dos Ärierparagraphen Baum zum Vorsitzenden zu Wahlen. Der Vorsitzende brachte einen Antrag auf Umstellung der Tagesordnung vor, zuerst den geschäftlichen Teil und dann den Antrag auf Einführung des Arierparagraphen abzuwickekn. Der b.'nüchtigte Hetzer Walter Riehl erklärte, er hätte gegen den Antrag nichts einzuwenden, glaube aber, es sei besser, den Ärierparagraphen als ersten Punkt der Tagesordnung zu belassen. Der Antrag aus Umstellung der Tagsordnung wurde abgelehnt und vom Vorsitzenden für die Debatte als Generalredner pro Dr. Riehl, als Kontraredner Herr Oskar lat* morek vorgeschiagen. Riehl, der alsg.rftiger Initiator bezeichnenderweise erst seit sechs Wochen Mitglied des Alpenvereins ist, erklärte, daß das bodenständige Wiener Judentum nichts mit zugewanderten Jr»i"-en zu tun haben wolle, daß die bodenständige Alpenbevölkerung durch die Juden beleidigt Werde, welche sich die Einreise Nach Tirol mit Hilf.' von Alpenvereinskarten erschleichen. Im übrigen bewegten sich seine Ausführungen in dem Rühmen der althergebrachten Phrasen vom völkischen Wesen, vom Ostjudentum (als ob die Oftjuden zu den notorischen Hochtouristen gehörten) von den Schiebern, die in die Schutzhütten kämen und ähnlichem mehr. Er verabsäumte es aber nicht, im Sinne der Schule der Israelitischen Union, zu betonen, daß sich di« Aktion nicht g gen das bodenständige Wiener Judentum richte, welches sich mit der bodeustänöigen Wiener Bevölkerung eines Sinnes fühle. (N?) D x' 'Kvntr^r^ner' Syrr M.armo r.e,f txVfek. dasi es sich nur um Schlagworte handle, da man nach dem Umsturz zuerst gegen die Offiziere und jetzt gegen die Juden hetze. Es würde die Hetze auch inszeniert worden sein, wenn sich nicht der einzige biezu notwendige jüdische Schieber gefunden hätte. Der Redner verwies weiter auf dis anderen neun Wiener Sektionen des Alpenvereins, di« zwar auf arischer Grundlage stehen, aber bezeichnenderweise ein nur kümmerliches Dasein fristen. Gerade die Sektion Austria, die biSnun bei der Aufnahme der Mitglieder keine Unterschiede der Rasse oder Konfession gemacht habe, habe sich zu ihrer bedeutenden Höhe hinaufgearbeitet. Während die Rede deS Pogromisten Riehl von seiten der Opposition ruhig angehört wurde, begleiteten die alldeutschen Radaubrüder die Rede Marmoreks mit lärmenden Zwischenrufen. Vor dem Rathaus hatten sich unterdessen zahlreiche Deutschnationale angesammelt die sich ihre freie Zeit mit dem ..Abbrüllen" alldeutscher „Kampflieder" vertriben. Die Abstimmung ergab 1254 Stimmen für und 652 gegen den Arierparagraph, womit öle notwendige Dreiviertelmajorität nicht erreicht und derAntra g zu Falle gebracht worden war. Während des SkrutiniumS, daS in voller Ordnung vor sich ging, aber längere Zeit in Anspruch nahm, wurde Anwesenden gar kein Interesse erweckte, ohne Debatte erledigt. Die Verkündung des AbstimmungsresultaieS erfolgte unt.r stürmischen „Pfui"-Rufett der Alldeutschen. Als letzter Punkt der Tagesordnung war nunmehr die Wahl des neue«. Ausschusses zu erledigen. Hiezu gab der Vorsitzende Holz hausen die Erklärung ab, er habe vor der Versammlung bereits seiner festen Absicht Ausdruck gegeben, für den Fall W absoluten Majorität der Stimmen, für den Ärierparagraphen eine Kandidatur für den Ausschuß nicht m e h r a n z un e h rn e n. Da aber die Liste Holzhauseu die offizielle war «nd die Liste der jüdischen Opposition von vornherein keine Aussicht hatten kann man es nicht, ganz von der Hand weisen, daß durch den Rücktritt Holzhausens der Weg für die antisemitische Liste frei wurde. Es wurde auch sofort von Dr. Riehl die Erklärung abgegeben. er habe persönlich nichts gegen Herrn Hslzhausen, müsse aber im Interesse der völkische« Sache (?) für die Liste Pich § eintreten. > Als pikantes Detail sei noch erwähnt, büß Doktor) Riehl Herrn Holzhausen vorschlug, er werde zu seine«,' Gunsten von der Kandidatur zurüStreten. ' ,; Es entwiMte sich zur Wahl noch e’ite Iure Debatte,/ in welcher Seklionsches Grrenberger, der dritbA P. äsident des Hauptausschussts des Deutschen uE Oosterreichi'chen Alpenvereins in München, unter stürmischen Protestrusen der antisemitischen Mehrheit an die Versammlung appellierte, die Ll.en ersahr6N.7N Ausschuß- Mitglieder ohne Rücksicht auf politische Strömungen weiter arbeiten zu lassen. Jrn gleichen Sinne sprach auch Hof rat Dr. D 0 nab au m, ebenfalls Mitglied des Haup^ ausschusses. Der Appell dieser alten und wirklich an» ständigen, angesehenen Männer fand ein Echo bei dem sattsam bel-anttten Agitator des Wiener Ausschusses V-rüm, der, obwohl er als Ausschußmitglied sich hätte neutral verhalten sollen, ganz offen die unerhörtestes Wahlagitation sogar bei der Urne betrieb und wiederholt von den jüdischen Ordnern znrechLgewresen; werben mutzte. .; Die über die Mahllisten vorgenommene Abstimmung ergab, wie es nicht anders zu erwarten war, eine ü b e wiegende Majorität für die antisemitische Liste. Die Mablabftimmung wäre sicher anders ausgefallen, wenn sich nicht zahlreiche jüdische Mitglieder vor der'Abstiimmung entfernt und wehr von ihnen den wiederholten Aufrufen zum Besuche der Der-" fiimmlung Folge geleistet hatten. Zum Schlüsse der Versammlung erklärte der neu^wählte Obmann Ingenieur P i ch l unter stürmischen Heilrufen, die Wahl anzunehmen und die Sektion „Austria" im v ö l k i s ch e n S i n n e (!!) auszubauen. Es werde auch sein Bestreben sein, der« völkischen Gedanken auch im Deut [ ch c n Reiche zum Durchbruche zu verhelfen. (!?) * ■ Wir haben zu der Versammlung zu bemerreu, daß es wohl Pflicht des neuen strammen antisentitischen Ausschusses wäre, die jüdische« Spenden, die sichet nicht im völkischen Sinne gegeben wurden, den Spendern zurückzuerstatten. Jedenfalls ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit nicht gesprochen. Die jüdischen Mitgliedes? der Sektion „Austria" werden im Namen des Abwehr- Komitees ersucht, vorläufig nicht mrszutreten, sonder« den Mitgliedsbeitrag für 1921 zu bezahle« und behufs! Mitteilung weiterer Beschlüsse ihre Namen und Adresse« an Herrn Oskar M a r «1 ö t e!, 2. Bez., Taborstraße 17/. (Telephon 43090), bekanntzugeben. taten und Raub übe rsälle der Abteilungen Balachowicz' sind mir bekannt, jedoch tragen die polnischen Behörden keine Verantwortung, da sie alles getan haben, um diesen Mißbräuchen entgegenzuwirken. Jetzt, nach der Internierung dieser Abteilungen, werden im Falle der Feststellung Schuldiger unter den Internierten, diese den betresftuden Gerichten ausgeliefert, zwecks Durchführung einer Untersuchung und Heranziehung zur Berantwortung für dir verübte» strafwürdigen Taten. Argentinisches Getreide für die Tschecho-Dlowakei. Prag, 33. Februar. (Dsl.-Komp.) Wie das Abendblatt des „Ceske Slovo" meldet» unterhandelt Handelsminisier Hotovec gegenwärtig in Holland wegen des Ankaufes von 20.000 Waggons argentinische» Getreides. das sich um zrvei holländische Gulden pro Meterzentner niedriger stellt, als das amerikanische. Den Ankauf vermittelt die holländische Firma Wilhelm Müller mit einem Bankenkonsortium, daß einen Kredit bis zut Höhe von 40 Millionen holländischer Gulden verbürgt. Der Mrter'entner dieses Mehles würte f'ch ln her Tschecho-Slowakei aus «rgesShr 600 tschechoslowakische Kronen ÜelLn. Die blKtige» DorMKe i« der Slowakei. Die Ursache: PottttfÄe RgitaLioncht. Prag, 22. Februar. Das Ministerium des Innern teilt mit: Die gestrige Meldung, wonach die Ausschreitungen der Arbeiterschaft in den EisenwerSen von. Krompach ihre Ursache in Approvisionierungsschwierig-' ketten hätten, beruht auf irrigen Jnsormationrn. Die wahre Ursache der Unruhen ist auf politische Beweggründe zurückzuiühren. Die Krompacher Eisew werke beschäftigen ungefähr 2000 Arbeiter, zum größten Teil Magyaren und Deutsck)«. Einige Agitatoren haben i« letzter Zeit die Arbeiterschaft zum Widerstands gegen den Staat aufgehetzt und sollten aus Gründen dev öffentlichen Ruhe und Ordnung ausgewiefon werde». Um diese behördliche Maßnahme zu verhindern, sind dir Unruhen inszeniert worden. Dr. Girsa bleibt in Prag Prag, 22. Febniar. (Privat.) Der für Warschau designierte tschecho-slowakische Gesandte Dr. Girsverbleibt definitiv in Prag, um den Slußenminister Dr. B e n e f ch zu vertreten. Wegen der Besetznng deS Warschauer Postens siM poch keine Dispostüsnen getroffen wordene