Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 746 (22.2.1921)
- Date
- 1921-02-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Re. 74« ipfrBlni Wien. DkMOst 38f*«t«r Morgettzetmnft 22. 'ffanutt tm Vetke 8 baß entschiedLüste, daß tt ttntfct Inen sest:beuen Zerhält-' uissSn jede republikanische Propaganda als Sünde gegen d i v h e 1 l l ß en Inte ress e n der Nation beteachden würde. Abgeordneter Stephan Milotai bemängelt die seiner Ansicht nach zü kse Zusammensetzung der Regierungspartei, die sich auf ei» einheitliches, nationales und christliche s Pr ogramm stützen ' müsse, und weist stuf die Hetze hin. di« von kommunistischen Elementen auf dem Lande unter dem Schutze der' wMovltendM Neutralität gewisser Nachbarstaaten gegen Ungarn geführt werde. Er gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß in absehbarer Zeit eitt Zusammenarbeiten mit. der s oziatdemokratischdin Partei Möglich sein werde, da diese einschrn müsse, baß durch Unruhen und die daraus folgende Wirtschaftsnot die Arbeiterschaft am härtesten betroffen werde. Redner fördert eins rie.HewNßte außenpolitische Orientier rung und erwartet, daß die Regierung eine äußere Politik verfolgen werdewelche wenigstens dis Zurückertangung einetz Teiles der durch den FrichenSverlxag veskisrengegangenett G-sh tete als möglich erscheinen lasse. Bezüglich der westungarischen Frag.« erklärt Redner, das Land laufe Gefach:, noch ein Gebiet zu verlieren, das in den Wirrnissen der Revolution sich nicht mitretßen ließ Und an dessen weiterem B sitz nicht nur das Anschsn der Regierung und derch r ist lichnat zonalen Rich tung. ,sondern auch wichtige politische, wirtschaftliche und soziale Interessen des ganzen Landes .geknüpft seien. In Beantwortung einer Interpellation des Ab- .geordneten GömböS erklärt Finan'minister Hegedüs, haß anläßlich der Kunlmachu-g her Verordnung über die Beschlagnahme der Baniawleihen jeder Mißbrauch und Verrat des Amtsgeheimnisses LUS» geschlossen gewesen sei, da er die Verordnung eigenge, ch.leben und zu einer Zelt in den Druck getzqhe. wo die Banken bereits gesperrt waren, so tzine etwaige F.'ucht der An.'e'.hen unmöglich gewesen scts Der M^n'ster erklärte, daß die Einlagen keinen M^i te ßN Ab gäben ü.rterwsrfeN s.in w rd.n und d^ß ygtz Publikum in seinem e.genen Interesse s.inGeld in BWMetzen unterbringen solle, da hiedurch nicht nur die ßprozeUtige Austausch gebühr für die ntzuen Noten vermieden, sondern auch das Kapital der produktiven Arbeit zugrfüh.t werde. Die Bildavester AdvoklrtenKaMMer. Budapest» 2t. Februar. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Die hiesige A d v o k a t e n t a m m e r, welche gegen alle Advo« kqten. die an den kommunistischen Bestrebungen irgendwie teUgenommen hatten, eine DiSziPlinarurrter. s u ch u n g eingeleitet hat, beschloß, dem bekanntlich heim Sturz der Proletarierdiktatur flüchtig gewordenen Volks» beauftragten Dr. Eugen Landler die Ausübung der Advokatenpraxis zu verbieten.. Hafenbraud in Antwerpen. Brüssel, Bl. Februar. (&eI.>9om|).) Im Holzlager detzAntwerpener Hafens ist e.n großer Brand tiusgebrochsn. der über vier Millionen Francs Schaden verursacht hat. Sämtliche Schuppen ton Aus-» nr<aße von 5000 Quadratmeter sind n'.edergebraNnt. Feuerwehr und Militär waren gegen das Element machtlos. ‘ - . Inland. Die Reise der Minister nach London. - Ein gestriges Morgenblatt hatte ber!chi«t, daß' dis Entente der österreichischen Regierung den Verzicht auf ihre Londoner Reise nahegelegt habe. .Die „Politische Korrespondenz" erfährt nun „von informierter Seite", daß eine Mitteilung dieses oder ähnlichen Inhalts w^cer am, Freitag noch überhaupt hier eingelangt ist, daher die an die Meldung geknüpften Schlußfolgerungen jeder Rich igkeit entbehren. Diesem Dementi stellen wir folgende Note des Rculer-Bureaus entgegen» die. wir im,-Prager Tagblat." vöM 19. Februar finden und die der Wiener Presse nicht Mitgeteilt wurde: Nach einer Information des Reuterschen Bureaus ist es die tteberzeuznng der britischen Regierung, daß eS das einzige Mittel zur Wiederherstellung Oesterreichs ist, wenn dieses gute wirtschaftlich^ Beziehungen mit seinen Nachbarn aufnehme. Zu diesem V Aweck empfiehlt Großbritannien, daß ShdswrrS die ^pon Italien vorgeschlagene Konferenz in Portt>* o se zusammentrete. Dle grohbritannische Regierung ist jedoch der Meinung, daß die. ganze Angelegenheit in eine Sackgasse geraden würde, w!nn sich die Konferenz nur mit einem Teile des ganzen Problems und nicht mit dem Problem als Ganzem befassen würde. . Die Anwesenheit des österreichischen Kanzlers auf der Konferenz in Porto rose wird, wie es scheint, eine bessere Wirkung haben als sein Besuch bei den westlichen Regierungen, welchen seine Anschauungen bekannt sind, für die sie im Übrigen lebhafte Sympathien hegen. Das heißt doch sehr deutlich aßgelvinkt. Für Oesterreich ist eben hie Audinändersetzung mit d.N Nachbarn von - öderer Wichtigkeit als ein« Hondonär Reis?.. Säbitt aber war dieses. Dementi nötig?. Q103 Kronen=30 Millionen!! Wenn jetfer Jude Oesterreichs heuer bii zttm 20. Thamuz, 'der Jahrzeit THEODOR nur r einen für den* („Wald Oesterreich“) spendet, dann erhält der J9 lisch* Nation9lfonils rund dreissig Millionen Kronen dis Ende Juli 192t * - * 8778 BIO Stiftung Jedes Baumes kostet100 Kronen Der „Jaar Austria“ wird am Kinerethberg am Südwestufer des T'beriassees gepflanzt, wenn bis 20. tThamuz wenigstens 109.009 Bäume d 100 Kronen dem Jüdischen Natien a l f ond s.li.,ZirkuSsgftgSC33, gespendet werden Bdt Oesterreich und dir Sukzessionsstaaten. London, 21. Februar. (HavaS.) In einem Interview, daS Graf Sforza baLd nach seiner Ankunft gewährte, erklärte er bezüglich des österreichischen Problems: Wir sind bereit für die Konferenz von Portorose, deren Einberufung in Paris beschlossen worden ist, so wie wir bereit sind für eine Konferenz in Rom zwischen drn Staaten, die einst zur österreichisch-u: garischen Monarchie gehört hohem Der Erfolg der Konferenz von Portorose'hängt von der Hat» tung ab, zu der sich die neuen Staaten gegenüber der Konferenz 'entschließen werden. Einer öder der andere von ihnen stößt sich an gemessen natürlichen Schwierig' ketten» die Italien begreift. Die Italiener, Jugoslawen und Tschecho-Slowaken widersetzen sich alle dem Gedanken einer Wiedergeburt dör alten österreichisch-ungarischen O i*> ganisatiön. Wir in Italien sind uns der Notwendigkeit bewußt. Etwas zugunsten der Sukzessionsstaatsn einschließlich Oesterreichs zu tun. Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich behaupte, daß ein .derartiges Arrangement Oesterreich viel mehr helfen würde als eine ganze Reihe diplomatischer Formeln, ' Aus Budapest wird gemeldet: Don kompetenter Stelle wird mitgeteilt, daß det von der Regierung der Bereinigten Staaten bestellte Schiedsrichter Walker, der gemäß dem Friedensvertrag über die Aufteilung des Donanschisfsparka) zu' Entscheiden hat» am 24. d. M. das Schiedsgericht ab» halten wird, zu dem die Vertreter aller interessierten Staaten eingeladen worden sind. Dem Sinn« des Friedens-- vertragenach ist Ungarn ebenso wie Deutschland und Oesterreich verpflichtet, einen Teil seines Schiffsparkes -für dje Zwecke der Wieder^utntrchung den alliierten und assoziierten Staaten abzuliefertt. In Paris wird auch in allen jenen Fällen entschieden werden, in denen bezüglich des Eigentumsrechtes an dem schwimmenden illatertal zwischen den einzelnen Staate» MeinungSberfchiedettheiten herrfchen. Der Ahbau der fremden Missionen. Dte italienische Delegation der Internationalen Kontrollkoinmifsion hat auf Weisung des Grafen Sforza ihre Tätigkeit In Wien eingestellt. Der Chef der Kommission, General Zuccari, verlädt mit den tlalientschen Offizieren und dem Hilfspcrsoilal Wien und begibt sich, auf seinen Standort zurück. Die Mitglieder der französischen, englischen und japanischen Delegationen verbleiben weiser hier und sehen die Mntrolltättgkeit fort. Den Vorsitz in der Kommission übernimmt Genetal Halfter. . Durch die. Abreise der italienische» Delegation entfällt nunmehr die direkte Beteiligung Italiens an den Kontrollarbeiten. Die italienische Delegation bestand aus 40 Offizieren und Hilfskräften. - Zur Pensiontstenfrage. Die »Korrespondenz Herzog" meldet: Bekanntlich plant die Regierung: die außerordentliche Notlage der Ältpenkionisirn provisorisch durch prozentuelle Erhöhung der Versorgurlgbgenüsie wenigstens einigermaßen zu lindern. Die definitive Regelung des Derforgüngsrechtes soll dem Zeitpunkt der Erlassung der BesoödungSreform Vorbehalten bleiben. Das Präsidium der ständigen Delegation der Pensionistenvereine unter Führung des Ministers a. D. Leih hat aus diesem Anlasse die Forderungey der staatlichen Ruheständiler dem Mimsterial-> rat Dr. R edinger und seinen Referenten vorgebracht. An der Verhandlung haken die Natioyalräte Dr. Odehnal uid Kollarz teilgenümmEn. Nach Feststellung einiger unbedingt nötiger Ergänzungen und Richtigstellungen des RegierungSentwutfeS bezeichneten die Vertretet der Pensionisten die geplärrten Hekungspvozentsätze als unzureichend und legten der Regierung nahe» die Altpensionen sofort auf die Basis der OktoberNochtrageS zum BefoldungSübdrgangSgefetz zu heben. Mit Befriedigung wurde zur Kenntnis genommen, daß die PensionSerhLhungen in Balde auch den bisher nicht von Oesterreich übernommenen Stuheständ- LS e « Hüter! »ttL«» Men. Tagesbericht. Wie Oesterreich im Ausland Sympathien erwirbt. Der Jüdische Nationalrat ln Wie« schreibt unS: - .!- Wir sind in der traürigen Lage, Ihnen einen sehr lehrreichen Beitrag zu dem jüngst in Ihrer Zeitungerschienenen Artikel: „Wie Oesterreich im Ausland Sympathien erwirbt zu liefern und glauben, daß dessen, Veröffentlichung manchen zum Nach- und Umdenken; anregen dürfte. .. i Wie allgemein bekannt, befindet sich die Diamantschleifeeei in Holland und Belgien ganz ausschließlich in den Händen von Juden, und' zwar solcher, die gus Galizien, späterhin auch «us Rußtlanb, Ungarn^ Oesterreich und Deutschland dorthin eingewandert sind. Wohl aus diesem Gruüde'wandte sich eine sehr maßgebende Stelle in Oesterreich an das Gewerbe förderungsamt des Jüdischen- Nati o n a l r a tes um dessen Ansicht bezüglich her E inführung d er D iamantschlei ferei in Oestevreich. Wir nahmen selbstverständlich diese Anregung sehr gerne auf. Heven Verwirklichung O^s^sich unabf.hba.e wirtschaftliche Vorteil bieten könnte, und wandten uns sofort an unsere Freunde in Holland und Belgien um ihre Ansicht in dieser Angelegenheit und um einen genauen Plan für die Realisation dieser Idee. Di-r bisnun cingelanfene» Antworten lauten sehr wenig ermutigend. , ' . In einem Bricfe heißt es unter ande^m: „Die in diesem meinem Briese zum Ausdruck gebrachten Ge^ danken, daß dis zur Jntzustrialisierung und zur wirbschasklichen Aufrichtung Orsterreichs berufenen Juden dort von der ch-'sttichen Bevölkerung und den Behörden in Unsinniger Weise verfolgt und äußer Landes gejagt werden, spiegeln sich im Kopfe der hiesigen (holländische^ Juden, also auch der Diamantfachleute, als.ausgesprochene Abneigung ge gen d as judenfeindliche, berfolgungssüchtige Oesterreich wider. Es wird deshalb nicht so leicht jemand hier-die Hand bieten,^damit am Ende die Juden für irgendeines christlichsozialen oder grotzdeülschen Hetzer die Kastanien aus dem Feuer holen und Oesperreich für dis .Bodenständigen' mit einer neuen Industrie versorgen. So sehr äch als Oesterreicher, der ich meinem Lande nach wievor anhänglich bin, dies bedaure, muß'ich Mit den Tatsachen rechnen. Ich halte es daher nicht für zweckmäßig, die beiden Anfragebriefe an die beiden angegebenen Ad--essen weiterzuleiten, weil das am Ende gar eine Gegenaktion auslösen könnte. Dcch will ich mich bö- Mühens da derzeit am Diamantenmarkt eine Krise besteht, statt an dk Unternehmer an Spezialarbeiter hrranzukomMen und Mir bei ihnen für Sie zweckmäßige Daten zu holen." > In eineM anderen Briefe heißt eS, der Schreiber wolle das antisemitische . Oesterreich ' nicht förde it n. MN dritter Herr -—. einer der größten Unternehmer auf diesem Gebiete schrieb, er habe wahrlich keinen Anlaß, sich im atttisemütischett Wien eine Konkurrenz großzuziehen. Wir werben selbstverständlich Unsere Bemühungen forttetzen und hoffen im Interesse Oesterreichs auf einen Erfolg. Däß es nicht-leicht ist, das Ausland für unK zu interessieren, wird aus diesen Briefen ivreder einiya( ers'ch.lich. Hetze gegen ItaNe». Der Haupimmn G e» r st e v r t s, der der .Rcichspoü^ durch Etzäb'.uugen über die Le ben der noch m Italien zurückpehastenen ösiertt chüd en Knegsge^angeneN zu sch irien Angriffen auf Italien den Anlaß stab», ist gestern Verba tct worden. Er heißt in SSta lichkcu Hermann Kalci»k und soll Ion.nilist sein. Im Krieg w.ll er EnrenteM.o« in Holland steweien secn. Et bc&iigte sich in l tzter Zeit als Gcwälnsmann chrcktlichsozialee/ Hrtzere en gegen Italien, vcrkehUe in monarch»MschcNdKle«sen.. Im Verlöre bn der Polizei mußwer alle der, Peichspost^ angehängtm Schauergcsch ch en über die M ßhandlüngc« Kttegsgeiangenen in Jtal.en als Lügen »klären. AntisemUismus Im Oesterreichische« Touristenklvb. - Freitag abends fand im Architektenverein dbs Generalversammlu rg der Zen trale deZ Oesterrei-< chischsn ToüristeNklttbs in Anwesenheit von über 300 Mitgliedern statt- Der Ausschuß hatte es sürsorglich unterlassen, die Generalversammlung in den Tages- - zeittzngen anzukündigen, und ebenso merkwürdig, war es, daß bis heute kein Wiener Tagesblatt auch stur, piekleinste. Notiz über den sehr Merkwürdigen Verlaus dirser ' Versammlung gebracht hat.! Der zahlreiche Besuch galt natürlich nicht, dem sehr uninteressanten geschäftlichen Teil, sondern' man > erwartete mit Recht einen analogen Vorstoß der Freunde des Arierparagraphen wie im Alpenverein, und diese Erwarttmg sollte nicht getäuscht werden. Am Schlüsse ' der Tagesordnung wurden tatsächlich sechs, fast gleich»; lautende Anträge auf Statutenänderung'im Sinne der^ Annahme detz Arier Paragraphen gestellt untz auch die Haltung des bis dahin korrekten und unparteiischen Vorsitzenden änderte sich mit einem Schlage^ Di« Herren hatten sich einen alld.'utsch.'N Abg^ordnetey, Drofeilar oiridlsr. als. Generalredner bestellt, deu .