Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1921-02-20 · Heft 744 (20.2.1921) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 744 (20.2.1921)
Date
1921-02-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2979773-2979823--06738-2992721
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

\ jöfttf 4' Wien. Sonntag 1,1 »llf««1 » .. .1 „|B|- ^,i..! Telegramme, Die Orientkonferenz. , F Bofo&m, 18. Februar. (Reuter.) Die Vorbereitungen für die Orientkonferenz sind bereits im dpllem Gange. Montag wird der Oberste Rat in der Twwnmg Street eine Sitzung abhalten, an der die Delegierten der amtierten teilnehmen werden. Die türkisch-griechische Konferenz wird im Saint- James-Palast nicht vor Dienstag, möglicherweise noch später zusammentreten. Die Sitzungen der Konferenz finden in der Bürgergalerie statt. Minister Alfred Mond über feine Reife «ach Palästina. Lomdcm, 18. Februar. (Jüd. Korr.-Bür.) In einer Unterredung, mit einem Mitarbeiter des „Evening Standard" über seine Eindrücke in Palästina wies Sir Alfred Mond auf die günstigen Voraussetzungen für den Wiederaufbau des Landes hin. die er als"wunderbar bezeichnete. Das Land leide noch heute unter den Folgen der Vernachlässigung unter dem türkischen.. Regime. Erst fetzt werden die Arbeiten, die zur Erschließung des Landes erforderlich sind, ausgeführt. Ungeheure Arbeiten stehen bevor. Das Land müsse buchstäblich gebaut werden. Es köyne und werbe für drei bis vie,r Millionen Menschen während vieler Jahre Arbeit geben. Es werden jetzt große Pläne erwogen und die Regierung sei eben daran, eine Anleihe von einigen Millionen Pfund zum 'Zwecke der Entwicklung des Landes zu emittieren. Diese Anleihe sei genügend sich er ge stellt. \ Es ist wichtig — sagte Sir Mo^> --- baß die Engländer zur Einsicht gelangen, daß die Entwicklung Palästinas sowohl in ihrem Interesse als auch im Interesse des Landes seäst liege. Palästina wird das Wichtigste Bindeglied zwischen dem Osten und der Kultur des Westens sein. Das religiös^,Problem werde keine Schwierigkeiten machen. Die Juden, und die Arabeii arbeiten freundschaftlich zusammen. Die Judep wandern in größeren Scharen nach Palästina und die kooperative Bewegung, die sich im Lande ausbrejtet, ist das beste Mittel gegen Bolschewismus." Wie das Blatt ferner «itteilt, hat,Sir Alfred Mond ein Grundstück in Galiläa erworben. .. . Tagung der zionistischen Exekutive. London, 18, Februar. (Jüd. Korr.-Bur.) Die Ankunft Dr. Weitzmanns, SokolowS und Naidrisch' wird heute erwartet Nach ihrem Eintreffen wird die zionistische Exekutive zu einer Sitzung zusommentreten, um den Bericht über die Palästina- Reise Dr. Weitzmanns und Sir Alfred Monds entgegenzunehmen und die Frage der Entsendung einer zionistischen Delegation nach Amerika in Angelegenheiten des Keren Hajessod zu behandeln. Lloyd George über Deutschlands Iahlungspflicht. Lorch»«, 18. Februar. (Reuter.) Im Unterhaus« be- -ntragte Bottemleh ein Amendement zrtr Adresse, wann er ttm Bedauern Ausdruck gibt, daß in der Thronrede mit Rücksicht darauf, daß das Land keine Gelegenheit'hatte, seine- Meinung Wer die Bestimmungen des Friedensvertrages zum Ausdruck zu bringen, nicht die Auflösung des Parlaments anzekündigt habe. Bottomleh kritisiert die Politik der, Regie», eung. und verlangt, die Entsendung Äner Kommission nach verlin, um die Zollein nahmen zu beschlagdu nicht; des Nachts verlangtest du niemals nach meiner Brust und ließest mich ruhig schlafen." „Du hast mich, für nichts um Verzeihung zu bitten und du kannst sicher fein, der Allgütige wird dir wegen alles dessen ein großes Glück bescheren." „Und das topT die Lampe," sagte hierauf einer der Dichter, „was wrr jetzt vernommen haben, genügt vollkommen, um unsere Frage zu beantworten. Aber waS für eine gute Mutter muß das.auch gewesen sein? Vielleicht hat Allah auch ihr zu Liebe den Sohn so sehr bedacht." ' - In Josef Poppers Selbstbiograph re finden wir folgende Stelle: „Meine Mutter war die Tochter eines in Prag sehr geachteten jüdischen Gelehrten; die Mutter war für Musik sehr begeistert, hatte eine große Pietät für Männer der Wissenschaft und Kunst und war eine der höchst seltenen Frauen, die von allen sogenannten spezifisch-weiblichen Fehlern vollständig frei sind. Ihr Wohltätigkeitssinn überstieg beinahe das, was unsere Vermögensverhältnisse erlaubten." Äor kurzem erzählte Popper von seiner Mutter, sie wäre einmal bei einem heftigen Unwetter außer HanS gewesen und ihre Angehörigen, von Sorge getrieben, gingen auf die Straße, um Fe zu ermatten. Hier gefeilten sich zu ihnen Freunde, angesehene Männer der Gemeinde, die ihre Angst mit den zuversichtlichen Worten beruhigten: „Dieser Frau kann doch nichts geschehen?' „Was für eiye gute Mutter muß das auch gewesen sein? Vielleicht hat Allah auch ihr zu Liebe den Sohn so sehr bedacht." Heute ist es uns mehr denn je Bedürfnis, bei dem Andenken dieser gütigen, edlen Frau zu verweilen; sie vor allem würde verstehen, was ittfS in dieser Stunde am tiefsten bewegt. Josef Popper ist vor kurzem erst po« schwerer Krankheit genesen; an seinem Bette stand Wiener Moraenzeitunq n ah men, falls Deutschland seinen Verpflichtungen nicht. Nachkommen sollte. ' Claude Howther unterstützt das Amendement. Wyfe ist der Ansicht, daß Deutschland in Goltz zahlen könne. Er macht auf die Gefahren für die Alliierten aufmerksam, die Zahlungen Wären zuzulaffen. Premierminister Lloyd George regt dar. daß dre ' Schätzungen LowtherS über den augenblicklichen Wen der von Deutschland verlangten letzten Anuttäten schlecht berechnet seien. Er verteidigt den Vorschlag, oem et in Paris zugestimmt hatte und erklärt, daß er ihn auch auf der Londoner Konferenz verteidigen; werde.' Er werde, den übernommenen Berpflichtungßn treu, Deutschland bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit zahlen lassen. Der Premrerminrster erklqrt, er fei entschlossen, auf der Londoner Konferenz sein P'esteS zu Mn. um von Deutschland den letzten Pfennig zu erhalten, aber er werde nicht mit dem . Gedanken zu der Konferenz gehen, ihr undurchführbare Vorschläge zu unterbreiten. Er werde auf der Konferenz darauf bestehen, daß Deutschland die wesentlichen Teile des Vertrages durchführe, die es bis jetzt vernachlässigt habe. Deutschland müsse sein Bestes tun, um den Markwerj zu steigern und sein Budget ins Gleichgewicht zu bringen. Man darf nicht vergessen, schloß Lloyd George, daß, wenn Deutschland vorsätzlich seine Verpflichtungen nicht erfüllt, die Alliierten zu Z w a n g S m ahn a h m e rr ihre Zuflucht nehmen werden. Verschiebung der ostgattjische« Frage? Krakau, 19. Februar. Wie „Gonjee Krakowski" mrtteilt. dürfte die yst galt zische Frage von der Tagesordnung der am 2 h d. U. stattfindenden Konferenz des V ölkerb und rate s abgesetzt werden. Angesichts dessen erscheint die Entsendung der polnischen Sachverständigen Skarbek,, Buzek und Dr. Loewenherz nach Genf überflüssig. Die Verhandlungen in Riga. Moskau, 19. Februar. (Funkspruch.) In den Rigaer Verhandlungen ist erye Wendung zum Besseren ein* getreten. Eine Einigung ist in der Frageder Aufteilung des Goldschatzes und in den finanziellen Fragen erzielt worden, so daß die Verhandlungen ein raschere- Tempo an» nehmen wertzen, Die Unterzeichnung wird im Verlauf von zwei Wochen erwartet. Eine gegeurevolutionüre Truppe in der Ukraine. Pari-, 19. Februar. (Funkspruch.) Zwischen Kiew und Odessa sammelt sich unter Führung defrüheren Volk-» kommissärs A n t o n o w ein gegenrevolutionareS Heer, das bereits 8V.000 Mann zählt. Die. meuternden Matrosen der baltischen Flotte haben, sich aller Russischen Häfen des balttschen MeereS bemächtigt. Ktzieg in Dublin. Dublin 18. Februar. (Reuter.) Die Militärbehörden ließen einen Teil der' Stadt im Umfange von fünf Quadratmeilen e i n sch l i e ß e n. Die Truppen lassen die Bewohner weder in die Stadt noch aus derselben. In de« Hauptstraßen wurden Stacheldrahtverhaue etrichtet Der Sftatzenbahnverkehr ist teilweise eingestellt. Sturmwagen and Panzerautomobile patrouillieren in den Straßen» -während in allen Häusern strenge Hausdurchsuchungen durchgeführt werden. *■ Die Steuerhoheit des jüdischen Dolksrates in Palästina. Jerusalem, 16. Febiuar. lJlid. Korr-Bur.) Die s«t längerer Zeit andauernden' Verhandlungen drS W a a d Leum' mit dcm PlLsrdmlen des. Oberste» Gerichtshofes Mr. Benlwich bezüglich der Sieue Hoheit der jüdischen G meinden sind zum Abschluß gelaugt. ES würde e»n Modus zur Organisierung dtp jüdischen Gemeinden mit dem Rechte der Steuere rnl r e r b «rr g bei den Gemeindem gliedern ee'unden. - - i „,i, «„. . .i.ii i ■ durch viele bang» Wochen ein furchtbarer Engel und seine dunklen Fittiche hatten mit ihrem Schatten das ehrwürdigste Menschenanllitz gezeichnet. Die Liebe der Menschen hat mit diesem Engel gerungen, besiegt aber haben ihn die wunderbare Lebenskraft und Willensstärke des großen Mannes, der es wohl fühlen mochte, daß wir ihn nicht entbehren können. Es ist nicht lange her, da hat in dem stillen Hjetzinger Gelehttenheim eine Begegnung stattgefunden, die schon heute von historischer Bedeutung ist. Albett Einstein fährt zu Josef Popper, um den großen Denker zu ehren und zu grüßen. Augenzeugen dieser Begfdgnung werden die Erinnerung an diese Stunde ewig bewahren. Der wunderbare junge Gelehrte, dessen Lehre von den Sternen selbst beglaubigt ist, an dem Krankenlager "von Lynkeus, und dieser, strahlenden Auges beglückt von dem Wesen des seltenen Mannes, der zu ihm gekommen ist — „als wäre Spinoza zur Türe hereingttreten" — soll er später gesägt haben. Tie Unterhaltung bewegt ftch zunächst buchstäblich in den, höchsten Regionen; sie sprechen von der Gravitation und — vom Zionismus. Beim Abschied sagt Popper: ^Bleiben Sie standhaft, auch in der Judenfrage." Das ist der Mann, der körperlich noch ein wenig inÜde von kaum überstandener Krankheit, geistig abfr in völlig ungebrochener Kraft, morgen seinen Geburtstag feiett. Wüßten die Menschen» was sie an Poppep. LyNkeuS besitzen, das Haus faßte die Gäste nicht, die hepbeiftrömen würden, ihn zu beglückwünschen. Wir anderen aber, die wir dgS große Glück haben, Schüler zu sein des hohen Mannes, und die wir UNS seine Ftermde nennen dürfen, .wir kennen nur eine Aufgabe, nur eine Feier: Die Lehren von Popper-LynkeuS zu verbreiten und fein Leben vor jeder Sorge zu schützen und zu bewahren, Margit O r n st e r n. 20. Februar 1921 7Nr. 744, »»„«.um » —;—-■ " .. > ' ■' 'i'.'1"»'" jn .... | Die Ententedelegierten gegen die Volkrsabstimmung in Wilna? Moskau, 19. Februar. (Funkspruch.) Nach, Meldungen aus Korvno haben die englischen» belgischen und italienischen Mitglieder der PolksabstimmungSkommisfionen sich gegen die Abstimmung ausgesprochen, da die Stadt zu Litauen gehöre; die französischen Mitglieder der Kommission enthielten sich der Meinungsabgab e. Anzeige» gegen die Bnbapester Mereur- Bank. «Mq-K 19. Februar. (U. T.-K.-B.) «ix Blätter melden, wurde gegen die hiesige Mercur-Bank-- Aktiengesellschaft eine Reihe von Anzeigen erstattet, in denen angegeben wird, daß die Wiener Filiale dieser Bank Wiener Ueberweisungen' nicht ausbezahlt. Die Polizei hat den Direktor der Bank, P i ck, unter Aufsicht gestellt und eine Skyntrierung der Bücher der Bauls veranlaßt. , i v Beschlagnahme einer russischen Gold^ sendnng. Rout, 19. Februar. (Tel,-Komp.) An 'Bord ded Dampfers „Ancona", der aus Rußland angekommen ist, wurden Il/gMillionen Goldrubelbeschlag-« nahmt. Angeblich war das Geld zi;r Bezahlung für italienische Warenlieferungen bestimmt. Die Angelegenheit wich von den italienischen Behörden weiter untere sucht. . Abwanderung ukrainisch-jüdischer Flüchtlinge ans NnmLnien. Paris. 17. Februar.'lJäd. Korr.-Pnr? Einem Teleäramm deS Jnpenieur Tenkln an die Exekunve der jüdischen Weltdilfszenlrale zafolge dabensich bereits 14V00 jüdische Flüchtlinae, die rn Rumänien »e ben, nach Amerika, Argenlimen und Pai lästina begebe». Es gibt noch eine groß? Zahl solcher Flüchtlinge, die auSwandern wollen, sie begegnen jedoch unzäbligm adm'nmratlvc»' Hindernissen. inSbe!andere in bezug auf die E langun'g des om»«* tanischrn B i s » m S »ach neu Bereinigte» Slaate«. Di« Aufgaben der Konferenz von ' Portorose. .. V; PattS, 13. Februar. (Hgvas.) Journal des Debajkskl gibt der Meinung Ausdruck, daß eine Kreditgewährung an Oesterreich Hand in Hand mit einer vollständigen Reorganisation gehen müßte, wenn die Kredite nicht im Abgrund des Defizits verschwinden sollen.' Im allgemeinen leide, Zenttal- und Osteuropa vor allem unter de» Desorganisation der Transportmittel. Die Leiden Oestero. reichs seien zum Teil auch der Apathie seiner Bewohn«;! zuzuschreiben. Das Matt nimmt scharf gegen die Anschlußbe--. wegung in Oesterreich Stellung und kommt bann auf die bevorstehende' Konferenz von Portorose zu, sprechen, über es schreibt: Diese Konferenz kann ausgezeichnete. Ergebnisse liefern, wenn dort die Probleme richtiggestellt werden. Es handelt sich vor allem darum, jbie Gesamtheit des Transportwesens in Ordnung zu bringen, und sich, so weit als möglich, dem VorkriegSzustanb zu näher», indem die Grenzschwierigkeiten zum Verschwinde» gebracht und die verschiedenen Eisenbahnverwaltungen eingeladen werden/zu einer gegenseitigen Anpassung deS Verkehrs und der Fahrpläne zu gelangen. Auch der Warenaustausch könnte in weitgehendem Maße jenem aus der Zeit vor dem Kriege angenähert werden. Die Sükzessionsstaaten, sind alle dazu bereit. Sie könnten also zu einer Verständigung gelangen, unter der Bedingung, daß bei den Besprechungen bas wirtschaftliche Gebiet nicht verlassen und nicht auh. politische Frage» Wergegriffen wird.' ' ’i i . i , ' I—7”—:—' 'K; Der Streit «m de« Herr« Peinlich. Graz, 19. Februar. Parteiamtlich wird verlautbart: Die heute abgehaltene Sitzung der steirischen christlichsozialen Landesparteileitung hat nach Referaten des Lanbeshauptmanners Professor Dr. R inte len und des Landeshauptmännstellvertreters Ah rer und nach eingehender Wechselrede einstimmig e n tscheidenb'e Beschlüsse gefaßt, die dem Obmann der Ehriftlichsozialen Vereinigung des Nationalraiez sofort durch einen Abgesandten übermitM wurden. — Bekanntlich ist zwischen steirischen Christlichsozialen und der Regierung wegen der Pensionierung des Landesgendarmeriedirektors P «i n l i ch ein scharfer Konflikt entstanden^ Bereits Ln der vergangenen Woche hatten einzelne steirische Abgeordnete mit ^r Opposition im Nattonalrat gedroht. , '. , Arbeiterkammerwahlen. . Die Wahlen in die Kammlr für Arbeiter und Angcsiclltk iv N»edttösterreich. die für den 19; rmd^So. d. M. ausgeschrieben waren, «erde» von einer HauptwahlkoMmNsion Qcltittt, an deren Spitze als Wchlkommiffär Minist rtalr.lt Dr. P r i b r a m vom , Bundesmlmstkrium für soziale Buwaltung sieht. Die Festsiellung deS Ergebnisses der Wahlen wird längere. m nt AniprUkh nehme«, rä die Wahlberechtigung jener Wähler, die ,hr? Stimmen nicht bet der «ach >brem Betriebe zuständigen ^kallommi'sion, sondern der her Lolaliommrssion ihres Wohnbezirkeabgegeben haben, erst aus Grund der Wählerlisten von der LauvUvahllommrision feßgestelll »erde» «utz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.