Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 740 (16.2.1921)
- Date
- 1921-02-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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mt rtti jtmett, rvnmovrb Marqemerrimq vom St. März 1920; der ehemalige MinisterpräsLtSut Grabski, als er im Juli 1920 den Rat für jüdische Angelegenheiten gründete; der Bizepremier Daszynski in, den letzten Wochen des Jahres 1920 vor den Vertretern der polnischen Presse und bei Unterhandlungen mit den jüdischen Parteien; Gesandter Fürst LiMmirski bei den Uüterhandlüngen mit den jüdischen -Hrganv- ' sati-nen der Bereinigten Staaten; die Delegierten beim Völkerbund Paderewski und Ascheknasi in ihrem Brief an drkn Vertreter der jüdischen Organisationen. Pizepremier Daszyn ski, welcher die-Arbeiten des Rates für jüdische Angelegenheiten weiterführte, hat als nächstes Programm der Regierung in der Jutenfrage folgendes bezeichnet: 1. Einstellung der antisemitischen Bewegung; die Regierung wird einen Aufruf über die Ratwendigkeit/eines friedlichen Zusammen- Mens der ganzen Bevölkerung des Staates erlassen; die Regierung, wird in gehörigem Maße auf die polnische Presse einwirken; sie wird auch die Vorwürfe aufklären, welche offiziell über angebliche jüdische Illoyalität zur Zeit der bolschewikischen Invasion erhoben wurden. 2. Auf dem Gebiet der Gesetzgebung und Verwaltung: Revision des Geseier über dir Sonntagsruhe; «P Gesetz. welches alle Beschränkung?» abschafft, welche aus der russischen und österreichischen Gesetzgebung übernommen wurden; Bestimmung eines Residenten für jüdische Angelegenheiten beim Präsidium des Mmtsterratetz; Reorganisation der jüdischen Gemeinden und Ausbau der jüdischen Autonomie. Die jüdischen Parteien haben im Rabe für. jüdische - '• Angelegenh 'iten und jväh!eyd tzepAMrhandlung. n mit dem Pizepremier Däszynssi fAgeÜde Forderungen angemeldet; - ,;'v r7/'. 1 ' ' ‘ •. Der jüdischen Bevölkerung mutz' die ynberühr- HtMt von ' Perfon und Eigentum gesichert wMeu^ Hß heißt,antisemritische Exzesse, aller Art. br-' soyders auf Pah n HF fe r;.. und Eise n b a h ne n, Müssen energisch bekämpfthie Schuldigen.an solchen Messen und auch die Beamten., welche durch, passives. .Verhalten bei Exzessen sich mitschuldig gemacht haben- Mssen be straft werben. ' . ' ' - L. Di« Mögiepung soll für hi» Op-fer bör^Exz ü s!>e sorgen und ihnen eine E n t sch ä d i g u stg für Wgesetzliche Requisitionen, für Beraubung an Hab M Gut usw. leisten. ' . / Faktische Durchführung der bürger-- Mch e n G l ei ch b e r echt i g u n g für die .Mische.! Bevölkerung:.Alle Dekret», Befehle, Zirkulare und bergl., welche das Prinzip her Gleichberechtigung vergewaltigen, t besonders die gt gcn die Jude» gerichteten Verordnungen des K r ie g s m i n i st e rin ms LEn abgeschafft werben; der Boykott jüdischer Häu fle nt» und Handwerker bei RegierungSlieftrungest und dergHsthen muß aufhören; die Mische Bevölkerung muß bei der Zusammenstellung der Steuerkommisfwnen und dergleichenbei der Auflage von S L e u e r n wie auch bei der Bestätigung der Statuten von Aktiengesellschaften ustv. gehörig berücksichtigt werden; die Juden sind zu den Stellen in Staats- und Kommunalinstitutionen . zuzulasfen; jene Beamten, welche' sich ungehöriger Behandlung von SLaatsbürgcrn infolge ihrer Nationalität und Religion schuldig machensind zu bestrafen; die Zwangsliquidation jüdischer Kultur-, GewerIchafts- ..und öffenKchex.. Institutionen durch R e q u t fit io n ihre r Lola le? istabzustellen; die Bexationen gegenüber der, j ib b i f che n S pr a ch & müssen aüfhören. 4. Die Frage der sogenannten .Hremb'an" ist im Einklang mit dem wahren Sinne der' betMfenhen Bestimmungen des Versailler Vertrages zu Meln. / ' ö. Realisierung hes Traktats.'über hiPRechie di'x nationalest MinderHerten: He jüdische Gemeiube muß reförrniert werden und ausrßichende Kompetenz auf dem Gebiete bei Bildung und Mitzfen Hilfe erhalten; es ist ein Zentralorgan der jüdr- De^.'Mtonomre zu schaffen;, die auf die Rkchw der >. Nationalen.Minderheiten bezüglichen Bestimmungen fint> ist die Verfassung aufzunehmen.; S. Der jüdischen Bevölkerung muß die gebührend« Vertretung in den gesetzgebenden K ö r p e r s ch a f t e n gesichert werden, zu diesem Zwecke find hi« nötigen Bestimmungen in die Wahlordnung einznfügen. > ■• i . ' Inzwischen ist, wie der „Demps" meldet, folgende Erklärung des Präsidenten Pilsudski an die Vertreter der „Alliance Israelit« Universelle" Galomon Reinach und Si^vain Levy erfolgt: „Polen hat vor allem dafür gesorgt, daß sein« Verfassung sich mit den v Prinzipien der Weftnr ächte im Einklang befinde- Die Juden haben jetzt an allen bürgerlichen Rechten teil. Wenn der frühere Zustand Mißverständnisse zwischen verschiedenen Religionen und nationalen Gruppen hervorrief, so wirb di« Regierung mit gutem Willen sich bemühe», daß sie verschwinden; und die Entwicklung dev demokratischen Idee» wird allmählich die nationale Bereinigung verwirklichen, welch« wir alle wünschen, um den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt Polens zu sichern." Diese ziemlich nichtssagende Er* Äörrmß. mit der die Herren Levy und Reinach gewiß nicht Staat machen können, wie sie es-bestimmt versuchen werden, enthält jedoch den einen faßbaren Satz, daß die polnische Regierung sich mit gutem Willen bemühen werde, die Mißverständnisse zwischen; den und AMR anderen AatiorMtäte» pi)'Wm -16. Februar 1921 tzelie 8' aus der Welt zu schafsen. ist also moralisch ebenso bindend wie die andren in dem Memorandum. anaLführten früheren Erklarungsn. Anvraffy — Führer der christlich« «ationalenPnrtri. Bo« «»fmtn Budapester KvrrefpqnbenL«». Graf Julius Apdrassh wurde von seinem Schicksal ereilt. Nach monatelangepr Herumschlängeln um ddn Kern der ungarischen Politik, nachdem er in dem Dutzend Artikel, die er in den letzten Monaten veröffentlicht hat, von Artikel zu Artikel immer mehr von seinem ursprünglichen liberalen Programm abgewichen war, ist er nun endlich im Sumpfe der christlichnationalen Partei gelandet. Er hat nun offiziell seinen Eintritt in jene. Partei angernelder, deren Führer der erzreakttonÄve Stephan Ha l her ist und der j formell jetzt nur deshalb zurückweichen muß,, weil dre *Ent« hüllungen über seine Panamageschichleu ihn zwingen, aus einige Zeit voy derMherfläche der ungarischru Po^ litik zu verschwinden. Graf Julius Andrassy soll nun die, -Führerschaft der christlichnationalen Partei .übernehmen, nachdem es ihm nicht gelungen, war, ein« eigene ParKi zu gründe». Dieser Entschluß deö! Trägers einesgpoßen htstprischew Namens, dev in sich -Hahrzehnte/j hindurch den Gedanken des Fortschritts und des Eüropaertums in Ungarn verkörperte, ist, wenn es nicht Wahnsinn ist, sicherlich ein- Verbrechen. Gin ungarisches Blatt wollte wisftn, daß die Familie'!des Grasen Andrassy diesen seinen polttisch-moralischen- Sturz als ein: Symptom geistiger Dekadenz ansehen und irr ihrer .Besorgnis um die Gesundheit ihres,Familiendberhanpies daraus dränge, daß er, sich Pin Sanatorium zurückziehe. G'.äf Julius. Andrassy chat es. jtzdoch vorgezogen', in die Partei der Christlichnationalen einzuziehen und dort alle Niedrizkeidru öex .UWuhsn disfrr Partei mit seinem Namen zu decken. ' Denn es ist wirklich Heller Wahnsinn,' wenn G af Andrassy glaubt, daß seine An- . Wesenheit oder selbst seine Führerschaft S.t ph°ün Haller Veranlassen soerde, in seinem. Wahlkreis Czegl?.Ä die . Juden fortan als.gleichberechli^Le-Menschen zu behandeln oder daß die einzelnen. Ossiziersdetachemnits. von denen jedes einen Vertrauensmann in der christlichnationalen Partei sitzen,hat, aushören würden^, ihr einttäglicheI Erpressergeschäft an . den Juden zu betreiben. - Graf Julius Andrassy hat durch. seine Abirrung vom alten Wege den liberalen Gedanken in Ungarn so stark Ismpromittier^ daß der Abgeordnete Karl H e n q z daran' denken kann, die Dissidenten der verschiedenen Parteigruppen Mm sich zu vereinigen und mit ihnen die Bild::ng einer liberalen Partei zu, versuchen. -Karl Hencz Mr ursprünglich eines der eifrigsten Mitglieder der antisemitischen^^ VolkspartLi^^ wurde von dort wegen ,verschiedener Malversatiönen' und Korruptionen nnß auch wegen Verrats aN der'Partei ausgeschlosssn, schloß sich' dann der nationalen ArbeitsparLei des Grasen Tis za an. aus welcher er aus Reinlichkeitsgründen' gleich sakls hiuauskomplimeytiert wurde. / Dieser Mensch will, nachdem er'nunmehr auch» in 'der/Parteider klesnerr ßanb?, wirte nmnöMch geworden ist, die Stelle des Gtafe» Andrassy auf liberaler Seide erunehmen, um newrrdingS zu einer wenn möglich einträglichen Führerstelle zn gelangen. >; Beobachtet man diese Zwei Erscheinungen, so ivird man Stephan Szabo-Nagyatad.recht geben, wenn er sich über die zustande gekomnrene Parteikoaliti-on ironischäußert: »Mitz sind an: einem- Ruhepunkt angelangt und dennoch ist dje Situation heute wie das Aprilwetter: Am Morgen heiter, am Abend kühl. Wir gehen in keine einheitliche Partei hinein,, wollen aber die ^ParteikoaMon ehrlich einhalten." Dasdürs.e das treffendste Urteil über die heutige politische Lage in Ungarn sein. Es/ist ein Ruhepunkt und altes hängt nur davon ab, ob dieses politische Aprilwetter nicht zufällig von irgendwo einen heftigeren. Sturm bringt, der daun die Ruhenden gegeneinander in Bewegung setzt. Telegramme Die Hilfsaktion für Oesterreich. Beginn der Pariser Konferenzen. Paris, 15. Februar. Morgen, Mittwoch» tun 2 Ahr nachmittags beginne« im franzSfische» Unanzminifterinm unter bem Vorsitze Loncheur» die Beratnn en mit den Brrtretern der franzVsischen Mnanzwelt «ege« der Hilfeleistung an Oesterreich. 507. Verdienst durch den Verkauf meiner Erzeugnisse in den Nationalstaaten und sonst im Ausland kein Risiko da nichtverkaufte Waren zurückgenommen werden lisMWWM -fsHstion MW Bnioim, Wien, 511., Maria&fctase H 10*ö Spftie*. Werfen, Dosen, RoJsrc etc. i, die von «mm Teile der i r i f. ch e n B e v ö l 11 r u n g Ä semrm BrÜtebrn zur Errrchtung tiner mrabhänkrsten NchublA^ verübt werden, und erklärt« weder die iriiche Einheit noch «ineautonome N g ervna könnten durch solche Mitte! erreicht werdend!Dre Maßnahmenzur Durchführung deS GeleyeS über die tniche! Reg'erung seien nunmehr w it vo) geschritten,und es sxi zu .hoffen,!- dah in nächst«.' Zeit, die Mehrheit, des Voltes die Gewstülärig--! /feiten wiüliuctfw und ber der Ein-ühiurig eines Gesetzes Hilfecheisten werde, das chm die BeninUvortlichke len emer autonomrus : Regierung einraumt und dzr.SÄaHug - eines Organismus vor-: üeht, d r die msche Emheitl«it Wassttntzswäßrgekl Mitteln der»' swrrklicht. » LL.- Eröffn««« der englische« Parlament«-! fesfio«. Di, Thronre»«. London, 15. Fbruar. Reuter.) Der König kröstnete die Session deS Parlaments mit einer Thronrede, in der er die Herrüchen Bezirhungm Englands mm Auslande tmft 8tcut>e hervorhebt und die Hoffnung auSspricht, daß die Londoner Konferenz neue Fortschritte m der Durchführung drS FrirdenSvertrageS. in der Wl«derh«,stellnng derA-ntracht m Europa und ,» der Her» beiführung der Ruhe r« nahen Orient zeitigen «erde. E» lei ieri'er m hoffen, drß die Verhandlungen «it Rutz» l a n d knützlich eitles Hände lsadkommrn» *n ein«» befried igevden Abschluß kommen werden. DÄ TbrdmrdeMNHLL tzigGevaUiIIä18«U«ä, London. 15. Februar. (Tel.-Komp.) Die englische Politik! beckgüch der R visisn de^S Fr edenSverrrages von Sevres ist nochnicht klirr trsichklrch. Sie wird wahrscheirr! ch davon abhängig gv-i - - macht wkrden. was daö englische Kabinett, beüehungswerfe das'?Ko1snia!mmi6ernun, das jetzt von Churchill übernommen wurde,!mit Mesopotanue« zu tun gedenkt. n v ©le t«te««attö«ale Berkehrs^ons«re«z. Gtich IS. Februar. kSLweiz. Depcscheii<igentur^ - Das Organisarionskomitee, der Konferenz für Ber- 'kehr.s-/Mb Tra-n'sitfragen, die am 1V. .März- :in Barcelona Zusammentritt, ist für den 21. Februap - ^n'ü'ch/Pa'r i's einbsrufen. D-en Vorsitz des .Organs- Ifationswinltees führt Hanvtaux.- > Die WerhTreforM ln Rumänien und . ' die Irrderr. -. ' Czeruswitz, 12. ' Februar. (Jüd. Korx.-Bup.) Mu^winaer zionistische' Dandesortzanisation hati an' den MinWrppüsideuLen Gener-atP v e r e s e \ folgendes 2Älx^-., -grqmm gerichtet: „Die Negierunß legt soeben hew:> jParlamer,L eipe ."neue Wahlreform;boc. Nach dieser 'W»r- > klaget sollen;bi*: Städte mit den umliegenden Tanh- " Egemsinden ^zu Wahlkreisen .vereinigt , werdest. HiedurK. : werden Me Juden, welche hauptsächlich in den Stadest.- lwohnen, .nicht:einnrLl.die, -WahlzLhl-/err^iHckr, um auck^-I nur einen einzigen^ Mischen Vertreter bei den allge^ .meinen Wahlen durchzusetzen. Wir Juden haben aber ein grvß-es Interessen an einer Unserer'Zahl und Be?» beutung angemössensn Bertretung. Wir schen «in Mahlrecht nach nationalen Kurien, zumindLs^ aber verlangen wir, daß die,ft 8h t,istchen Wah l<' kreise von de» Ländlichen gesMert werden. Im der Ueberzeugung, daß die Regierung selbst wünscht,:!dgß die-Juden des Landes eine angemessene Vertretung! in Kammer und Senat haben, gehen wir der Erwartung Ausdruck, daß die Regierung unserem Wunsche Rech-! nüng tragen wird." Im selben Sinne sind auch vo« den jüdischen Organisationen in Bukarest, Cluj, Eeipes- ' var und Kischinew Schritt» bei der Regierung unter-, nommen worden. ' ' ,- fi Mlwränie« «nt» Sowjetrutzland. ) Moskau, >1. tzebraar. IDolst.) D» rumänische MM« , drß Aenßern Hot an Tsrhiticherin eine Mitteilung eerrchtet, worin , dem Wunsche narb freundschaftlichen Begehungen unstr gegen- , seifigem Berz cht ans Einmüchung in die mn-ren Angelegenheiten Ausdruck gegeben wrrd. D:e rumänische Regierung schlage zu. diese» tfwecke vor, e>nrn Pe'egiertcn nach Riga -u entsende«, um, hie Fiag-'n, die bei den Verhandlungen entschieden werden soffen, - feftwlegcn. N^ch einer anderen Aieldung soff England ferne" 'ginnt.Dienste.als Vermittler angedste» haben.? O Der Krieg 1« Irland. , Lsavo«» 15. Februar. (Fuykipruch.) Das Bestreben dep^ Reg erung. ausgediente Soldaten i n I X!« n an - nsiedeln. üövt auf heftigen Widerstand der den Smu^ seiner«, ^ene Personen, die zu , diesem Zwecke Land obfteteti wallen, und die Soldaten, die H Sdernebnren «offen, werdest durch daS rrpnblrkannche irische siamitre mit dem Tode bedroht. .'»r G Sapieha in London. KM»»«, 1ü. Februar. (Funkspruch.) Der polnifäL Minister des Aeußern Fürst Sapieha ist gestern hiereingetroffen. Er hatte eine Besprechung mit Lorch Curzon. Die Pogromoffizierr Balachowtez' vor, Gericht. ,5 Warschem, 13. Februar. (Jüd. Korr.-Bur.s In Beantwortung der Interpellation der jüdischen Depu» teerten, betreffend die Auslieferung der pogromschuldige» Balachowiez -Leute, erklärte dev Kiegsmintster/ ÄaL dik dMh^üAiK.e«. KrMMgeu gegenwärtig durch.