Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 735 (11.2.1921)
- Date
- 1921-02-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Skr 738 Wien. ^enag empsinblichkeit grenzenden politischen Selbstgefühl beherrscht. Aber man braucht dieses Gefühl gar nicht zu kennen und kann fjch doch vorstellen, welche Wirkungen solche Aeufi/^mgen in New-Pork auSlösen müssen. Das ges hlagene Deutschland leistet sich den LuruS der Taktlosigkeit, der das rei.che, Waffen-» starrende Hohenzollernrekch zugrunde gerichtet hat. ktnd die deutsche Pr"sse tut nichts, um dem verderblichen Einhalt z« gebieten. Sie hat StrefemannS Rede kritiklos gebracht. Das PalKMna-Manv^t in der englischen Presse. (Von «nserem Londoner Spezialberichter^aSter. Land o «, kr. nar. Di« Veröf^enUichung de? Man^EentwurfI Äfn „Jew! fh Chroniele" geschehen und n'cht ans offiziellem W'ge. Da-um hat die allgemeine englische Presse die Veröffentlichung nicht ist solcher Weise vor-» genommen, wie es geschehen wäre, wenn ihr die Manhatsbestimmungen auf offiz-ellem Wege, der ganzen Presse zu gleicher Ze't, Zur Veröffentlichung übergeben worden wären. Diese 2M der Veröffentlichung beeinträchtigt natürlich auch die Beurteilung der Bedeutung b«S MandatSenfwurfK durch die verfch'edenen Ze'tungen. Die „D a ikh New s", das führende liberale Organ Londons. widmet einen großen Teil seines Kommentar einer Kritik des Rates des Völkerbundes, der in Genf eine offizielle Vekanntgebung der ihm .-«gegangenen Mandatsentwürfe ab gelehnt und so die Möglichkeit geschaffen hat, daß der Entwurf in einer der Bedeutung des Aktes nicht angemessenen Weise durch^esickert ist. Ammerbin ist eine Anzabl von Pressestimmen m v^«- zeichnen, die einen Rückschluß auf die Beurteilung des Mandats in der englischen Oes entlichkeit gestatten. - - Ein Moment ist von besonderem Interesse: Es war von vornherein anzunehmen, daß die Veröffentlichung des Mandatsentwurfs eine außerordentlich, scharfe Kritik in jenen politischen Kreisen, beziehungs» weise Redaktionen auslösen würbe, die nicht nur in einem prinzipiellen politischen Gegensatz, zur gegenwärtigen englischen Regierung stehen, sondern ihren Kampf hauptsächlich nnt den Anklagen führen, daß die Regierung den englischen Steuerzahler allzusehr belaste und auf Kosten des englischen Staatssäckels unangemessene Verpflichtungen auf sich nebme. Bezeichnenderweise ' ist dis erwartete - Kritik dieser Art. wenn nicht ausgebliebsn. so doch viel schwächer als es zu erwarten war. Zum Teil ist dies dadurch zu erklären, daß gleich "eitig auch der Mandatsentwurf für Mesovotamien veröffentlicht worden rst und daß die auf Grund dieses Mandats für England erwachsenden materiellen Verpflichtungen ungleich -größer .find als im Falle Palästina. Auf die vergleichsweise geringe Höhe der Ausgaben in bezug auf Palästina hat unter anderem der „E v e n i n g S t a n d a r d" hlngewieseu. Die „Times" haben in ih"er Beurteilung des Palästina-Mandats überhaupt n'cht den Gesichtspunkt der „Verschwendung" gegen die Regierung ins Tref'en geführt und im Gegenteil darauf h'.ngcwi?srn. daß die Lasten in bezug auf Palästina in nicht zu ferner Zeit zu einem Ende kommen werden, wenn auf Grundlage des Mandats eine systematische JmmigrationSPolitik jüdische Massen ins Land bringt und so das Entstehen eines selbständigen .Staates durch die Ausnützung der materiellen und geistigen Kräfte des jüdischen Volles beschleunigt. Dies ist deshalb bedeutsam, weil sonst die „Timest das Hauptorgan von Lord Northcliff.e, in der gatt'sn „Anti-Waste Campa'gne" g'gen die Negierung führend ist. Di« „Times", die seit Jahren die zionistischen? Forderungen unterstützen, haben ihren Lesern e'nen Wechsel in der Politik nicht zumuten können, dagegen hat allerdings die ebenfalls Lord Northclifse gehörende „D a i ly Mail", die sich in der Anwendung demagogischer Schlagworte mit Rücksicht auf ihren Leserkreis keine Rücksicht aufzuerlegen braucht, nicht darauf verz'chtot, zu betonen, daß die Uebernahme des Mandats eins ungerechtfertigte Belastung der engl'fchen Finanzen bedeutet. Die „Morning Post", die feit jeher die zionistischen Bestrebungen bekämpft und hiebei, wie in der Beurteilung jüdischer Angelegenheiten überhaupt, keine Waffe aus der antisemitischen Rüstkammer verschmäht, hat in ih'em Kommentar zu den Mandatsbestimmungen zunächst auf nichts aude es hinzuweisen als darauf, daß der Entwurf, wie man gerechterweise zugeben müsse, alle Bedenken entkräftet, als ob di« Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte eine Gefährdung der Rechte der Nichtjuden in Palästina bee deute. Allerdings glaubt die „Morning Post", daß das Mandat die extremen Forderungen der Zionisten nicht befriedigen dürfte, die darin bestanden hätten, die nichtjüdischen Einwohner Palästinas ihrer bürgerlichen, und religiösen Rechte zu b e r a u b e n; sie unterläßt es dabei, der Wahrheit gemäß zu sagen, baß derartige Forderungen niemals von zionistischer Seite erhoben worden sind. Eine der wichtigsten Pressestimmen ist der Kommentar des „D a i l y C h r o n i e le", ist doch der „Daily Chroniele" wegen seiner besonderen Beziehungen zu Lloyd George gewissermaßen ein offiziöses Sprachrohr. Der „Daily Chroniele" weist. damuf hin. daß da- Mandat formell so lange nicht in Geltung ist. als die Blligung des Rates des Völkcrbitndes aussteht. Im üb 'gen al'er sei das Mai at n'chts anderes als das formale R e ch t ö d o t u in e n t, das die Bollmackwen und VerviLicktunuen des. DdrudntarL feststes, wie sie schon von England übernommen worden seien. Es wi"d h'obei darauf hingewiesen. daß die Prinzipien der PaMtiua B '«waltuntz von Sir Herbert Samuel schon früher k^r" au^einandergeß'ht U'.^ im Pa'lament teipr-chm wor ea seien. D'es deu^t damufhkn. in welcher Wüse hie Regierung viellelwt eoe'^tnellen Interpellationen im B-^rlamont über die im Mandatsentwurf formulierte Pol'tik begegnen dürfte, solange das Parlament nicht anfge^r^ert w'rd bas Mandat nach erfo^g^r Billigung durch den Völkerbundrot auch seinerseits zur Kenntnis zu nehmen Der „Daily Chroniele" w^'st darauf hin. daß'das Palästina- Mandatseine B spnderheit durch die Maßnahmen erhält, die für dis Errichtung des natio.nälen Herms fü r d aZ jü di sche Volk erkcrderl'ch find, und unterstre'cht die Bedeutung der Tatsache, daß b'e Zionistische Organisation als e'ne öf'entliche Körverschast zur Brbandlu-'g aller, die Mischen Interessen berührenden Angelegenheiten anerkannt sei. Außerdem sei natürlich der besondere Umstand zu beachten, daß sich in Paläst'na die heiligen Stätten befinden und baß in Pal'"st'na d'ei of'izielle Sprachen — Englisch, Hebräisch und Arabisch — aneckannt werden. Die Nebersicht über die Stimmen der englischen TageZ"resse zeigt, wie b'e, englische Öffentlichkeit d'e Maubatsbestimmungen ausnimmt. Natürlich werden noch andere Stimmen folgen, insbesondere in den politischen Zeitschriften und Revuen. Man wird auch nicht überrascht sein dürfen, wenn einzelne Zeitungen in der nächsten Zeit Zuschriften aus dem Leserkreis veröffentlichen werden, die einer scharfen Kritik der MstimmnngenLfaum geb m. aber auch solche kritische Aeußerungen werden den Eindruck nicht verwischen können, daß die e-ste Aufnahme des Mandat'entwurfJ in der engl'fchen Presse eine günstige gewesen ist. Dies wird sicherlich nicht ohne Einfluß auch auf die Behandlung im Parlament sein. . ' \ : '$elegramine.:: ■ Eirje WelLMrWrnmHkVkrfLrLRZ in ' Amerika. . W W gtnr, 10. Februar. (Fuukspr'.'ch) D?r britische' Botschafter wird mit Vollmachten für die Zu- ' stimmung zu einer Welt abrüstungsk onserenz demnächst wieder in Amerika eintresfen. (Bim InLerVieW-GeschichLe. .. London,,, 10. Februar. (Wolfs.) Das Hauptthema der Presse äst der von amerikanischen Blättern aus London gebrachte Bericht über die Unterredung eines, hohen Beamten heA Fqreigu Office, mit einem amerikanischen Journalisten in London, in der der englische Beamte davor gewarnt haben soll, daß sich das englische und das amerikanische Volk einander entfremden, und erklärt haben soll: Wir gehenaus. einem Wegeder zum Kriege führt. Dieser Bericht stammt -von der Hearst-Pr esse und ist von der „Uni'ed Preß" in den Vereinigten Staaten verbreitet worden. Er hat dort beträchtliches Aufsehen erregt. Er beruht, wie in amtlichen Dementis und von den englischen Blät'ern mitgeteilt wird, auf einer falschen Darstellu tt£ der Tatsachen. Der von dem amerikanischen Berichterstatter erwähnte . hohe Beamte" war der brili'cheBotschafter in den Vereinigten Staa'en, Sir Auckland Ged des. der in einer vertraulichen Unterredung mit ame ikanischen Journalisten dk> Frage der englischameriksttischen Beziehungen erörterte. Der "Hauptzweck der Unterredung war, die Notwendigkeit eines englischen Einvernehmens zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten zu betonen. Die „Times" melden, daß die-Mehrzahl der amerirkanischen'Berichterstatter in einer Sondersitzung die Frage ihrer.zuküuf igen Be-iehungen zu den Vertr tcrn der Hrarst Presse und der „United Preß" erörtert ^abe. „Daily Expreß" meldet aus New-Uork, daß das Staatsdepartement die amerikanische Botschaft in London beauftragt habe, beim Auswärtigen Amt in London Erkundigungen in dieser Angelegenheit einzuzirhen. Sollte es sich bestätigen, daß Sir Auckland G e d d e s zu den amerikanischen Berichterstattern von der Möglichkeit eines K rie ges zwischen - Amerika und England gesprochen habe, so unterliege es keinem Zweifel, daß dies auf. seine Stellung bei der gegenwärtigen amerikanischen Regierung nicht ohne Einfluß sein werde. „Daily Chroniele" zufolge hat GcddcS jedoch das Wort Krieg bei der Unterredung gar nicht gebraucht. (Bekanntlich hat sich vor dem Krieg in Wien eine ähnliche Geschichte zugetragen. Die „N. Fr. Pr." brachte ein Interview mit dem britischen Botschafter Cartw r i g h t, das dann bestritten wurde. Die Red.) Exzeffe italienischer Nationalisten in Triest. Laibach. 9. Februar. (Korr.-Bur. Laibach.) Einer Meldung des Blattes ^utroaus Triest zufolge drang gestern früh eine Gruppe italienischer Nationalisten in die slowenische Druckerei „E d i n o st* ein. zertrümmerte "die Einrichtung sowie die Druckmaschinen und verwüstete die Lldniinistrarion des Blattes „Edinost". Der anaerich'ete Schaden wi'd auf 800?l>0 Lire geschätzt. Das Blatt »Edinost- Hl wenn auch mit VekiMtinL erschienen. 11. Februar 1921 _ Vor eineM Streik der engljschen GiseMahNTr. Lorrdon, ist. Februar. (Dotst.t Wie die B?äit«r melden^ dreht in drr näckisten 28oche e'n Str'ik der Eckenbohner auStU"^ t'^cben. E n-ge Mikcilirder des Verbandes der LokomotivMre?^ nyd Hei'er wa'tn Mrhch bei einer Scküsrerei m Jckand utnflr den gekon'nun. . und der Vollrugsattsfcbnß wrdnt jetzt von deis Nr'enma eine. Nruechuckmna dn Anpelkflerheit. Der Ausschuß d',vw. daß aste M'tgNrder des Vnb indes in den Ansstand treten w rden, wenn die Unter^uebung n'rdt statistnde. . Der Genesis iekretär dcs Vcis,andes pilart. die Lage sei sehr ernst. ' ' ß ‘ <■ , . 'Ä,/,v Dle fraNzöfis«*»«» Sozialisten gegen ** Mosstan. Baris» 9. Februar. (.Hanas.) Der Verchands«E ausfchuß der C. G. T. hat mit 8? gegen 24 Stimmey: bei 10 Stimmenenthaltungen beschlossen, nicht aus der.- Getverbschaftsmtsrngtionale von Amsterdam auszutreten und sich Moskau nicht anzuschlietzen. Der mm Sowjetvertreter fAr RoM.; VerNn. 10. Februar. Wie das „8-1!hr°Abend^ ans Kovenhaoen meldet, teilt die Sowjetpresse mit. daß die russische Räteregierung Lunatscharsky^ zu ih^em Vertreter in Rom ernannt habe. - ' Die Nateregierung habe weiters befchloffer^ 8000 italienische Arbeiter, die sich bereit erklärte^ nach- ■' Rußland zu reisen, in den Cowjetfabriken zu be-, schüfttgen. Dir Bslaradsr Regiernng versagt -deM dentsch-rngostawifchen Handels-' sÄkommen die Zustimmung. Berlin, 10. Februar. (Wolfs.) Der Ministerrat in Belgrad hat dem zwischen den jugoslawischen unkden deutschen Unterhändlern nach eingehenden und lang* w'erigen Verhandlungen vereinbarten und bis auf die Unkerschriften fertiggestellten vorläufigen Handels^ vertrag seine Zustimmung versagt. ZisZigSWfkr wZrÄ WilNK räVMe«. Gen', 9. Februar. (Schweiz. Deo-Agentur.) Daff^ Komitee des VlUkerbundrates, das sirh mit der A tfr gelegenbeit v o n W iln a zu befasien HM benützte die Gelegenheit der Anwesenheit des polnischen Staatspräsidenten P i l s u d s k i und des polnischen Ministers' des Aeußern' in Paris. zu Besprechungen^ über diese Llngeleqenbeit. Dabei gab die polnische Re< gierung das Versprechen ab, daß sie die Truppen deF Generals Zielt g o w skr etappenweise vor der An^- Kunst der internationalen Detachements zurückziehen' werde. Gleichzeitig ersuchte sie um möglichst. Bekanntgabe des Zeitpunktes des Eintreffens internationalen Trupvsn. andererseits stimmte, Ze^dÄ Reorganisation des Gebietes zu, wo alle .polirisH^ Elemente ausgeschieden werden sollen Der-, Pö.lkeH bundrat wird dem Wunsche Litauens Rechnung tragen und sich bei den Machten für die Änerke'nnüno Litauens einsetzen. , F-H Die jüdische Autorromie l« Lika«"e«.^- ' K.'wno, 31. Jänner. (Verspätet. Jüd. Korr.-Bur.j' - In der jüngst stattgesundenen Sitzung des Jüdische^^ Nationalrates für Litauen wurden die der Regierung vo7-::(c^-nden^ Amendements zum Gesetz, betreff nd die . Steuerhoheit der jüdischen Gemeinden. zuW Beschluß erhoben. Die Resolution lautet: Sämtliche jüdischen Gemeinden bilden einen vereinigten Ge«» meindebund. Als dessen Organe gelben: 1. Die Borstandsta^ung der Gemeinden. 2. Der von der Nationalratstagung gewählt^ Nat:onal"at. 3- Die aus Wahlen hervorgegangene Exekutive.' ., Der Natwnalrat ist die g e w ä h l te Be r t re t u n der gesamten jüdischen Bevölkerung Litauens. Zur Ksm^ petenz der Gemeinde- und Nationalratstagung gehört' unter anderem die Vereinheitlichung der Tätigkeit de« einzelnen Gemeindskomitees und deren gegenseitige Verbindung. ferner die Verwaltung des der jüdischen Gesamtbevölkerung gehörenden Vermögens. Die Tagung der jüdischen Gemeinden und des Nationalrates bestimmt den jeweiligen Kandidaten auf den jüdische« Ministerposten, ihr steht auch das Recht zu, den jüdie schen Minister ab'uberufen. Der Minister für jüdische Angelegenheiten übt seine Tätigkeit im Einvernehmen mit den Organen des Gemeindebundes. - s Der Nationalrat. der mit den Rechen einer juristischen Person au°grstattet ist, hat die SteuerausschreibunZ des jüdischen Ministeriums zu begutachten. Zur Deckung seines Budgets steht d:m Nationalrat das Recht zu. bei den einzelnen Gemeinden einen Teil der vorgeschriebenen Abgaben der jüdischen Gemeinden einzuheben. Künstliche Hindern«« der Answandernng der nkraintsche« Inden «ach Amerika. PnriS, 8. Februar. (Jüd. Korr.-Bur.) Wie bekannt kommen die jüdischen Flüchtlinge aus der Ukraine ohne jegliche Dokumente nach Beßarabien. Die rumänischen Behörden stellen ihnen Zeugnisse aus. die als Pässe ge't.m. Das amerikanische Konsulat in Bukare st verweigert nun die Vidi.'rung solcher Pässe denlenigeu Juden, die von ihren SerwaMen in llmexitz