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Wiener Morgenzeitung · 1921-02-06 · Heft 730 (6.2.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 730 (6.2.1921)
Date
1921-02-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Men. Sonntag Wiener Mor^enzeltrmq V?anl Sandor wlttschnaubend repliziert: „Meine Stufte fft die ungarische. Ich habe keine andere Nasse." Dieser Paul Sandor ist sicherlich ein bedanernS-- werter Mensch, aber noch bedauernswerter sind die Juden, die sich von ihm leiten und betören lassen. Tenn es gibt tatsächlich in Ungarn Inden, die über Aufforderung des letzten jüdischen Blattes, des „Egyenköseg" sogar Geld für ein Denkmal dieses „letzten Juden" in Ungarn spenden. _ Telegramme. Demission der griechischen Negierung. Athen. 5. Februar. (Havas.) Gebern nack?- initta s hat das Kabinett Nballyc demissioniert. Wahrscheinlich wird G u n a r i s mit der Bildung eines neu n Ministeriums betraut werden Deutsche DeLegierte nach London eingeladen. Berlin, 8. Februar. (Wolfs.) Der französisch« Votschastcr hat gestern im Auftrag des Präsidenten der Pariser Kvnfcrenz an'.Lglich eines Besuches beim Neichsniinister dos Aeustcrn mündlich die Einladung übermittelt, zum t. März beutjcheDelegierle nach London zu entsenden. Der Minister hat sich die Antwort auf die Einladung Vorbehalten. Keine Einigung mit den Kemalisten. Konstontinop 1, 4. Februar. (Havas.) Es ist unmöglich, mit den Kemalisten zu einer Einigung zu gelat'izen, da ihre Bedingungen übertrieben sind. Die Berichte für die Londoner Konferenz werden hier eifrig vorbereitet. Außenpolitische Konferenzen in Moskau. London, 5. Februar. (Tel.-Komp.) Nach einem Moskauer Funkspruch sind anläßlich der Amreseuhe t KrasjiuS in Moskau eine Reihe A u S l a n d S v e r t r eter zu einer Konferenz berufen worden. Außer Sit* winow und Ko pp sind auch die russischen Vertreter von Helsingsors und Stockholm in Moskau amveiend. Aus der Konferenz werden die wicht'gften F.azen der russischen Außenpolitik besprochen werde». Enthebung der politischen Staatssekretäre in Ungarn. Budapest, 5.Februar. (U. T. K. B.) Wie daS Amtsblatt meldet, hat der Reichsverweser über Antrag des Ministerpräsidenten die politischen Ctaauskretäre aller Nessorts von ihren Stellet, enthoben. Eine BanLierkonferen; Ln Paris. Loirdon, 5. Februar. Für den 15. Februar ist eine Konferenz der Bankiers der Enreiuestaat.'n in Paris geplant, um zum Projekt Louch.urs Steilung zu nehmen. Venesch in Nom. Nom. 4. Februar. Die amtlichen Kreise begrüßen rnzi großer Vcsriedignng die Ankunft Dr. Be ne sch' in Rom. Minister Bcnesch wird anläßlich seines Aufenthaltes in Rom im Einvernehmen, mit der i'.alienischon Negierung die Grund;üge der gemeinsam n Poli ik festzusetzcn. welche den Auegangopunkl für dre Detail' arbeiten der verschiedenen Kommissi.nn bild-.n werdrn Dom. po.'i.ischen Standpunkt zeig.« sich ein gemeins.-mes Interesse beider Länder, sich allen Versuch.-» um die Auf der Flucht. Boa L. Joffe. Drr Amor, en brkann'er bebräMs' Schrütsiellrr. der im Jahre lülS zv'mnnen * mit dem tünlich veistvibonrn iüsnck'n Eckrornestsr Ä n — f t, lRa ravorl) vo» den ' Bol chrwiken flüchick'' un> sich dann in Pilv't na niederl eß. veiösfentl chi mtetzchuii'ch v läst'mrn ischen Zr tung die so! ende stimmu-"»yolt- Sk>ne. Wir flüchteten aus dem Bolschewikenland. Mit großer Not bekamen wir die NeiseerlaubniS. Es war nach dem Attentat auf Lenin. Der „rote Terrorbegann. Die Artikel der Zeitungen und die Beschlüsse der Arbeiterverfamnilungen wurden blutdürstig, schrien nach Rache, nach Ausrottung der Bourgeoisie, der Revolutionsscinde. Hunderte Personen in Petrograd und Moskau wurden hingerichtet. Nach Mitternacht hörten wir in den Straßen Moskaus Schüsse. Bei irgendeiner Inspektion in. einem der vielen Gefängnisse in verschiedenen Stadtvierteln tötete man die von der „TjchereSwitfchajka" verhafteten Leuts. Biele 'Sozialrevolutionäre. welche in den Augen der Bolschewiken als besonders gefährliche Gegner galten, wurden h'ingeiiiordet. Diese ganze Partei wurde außerhalb der Gesetze gestellt. In jenen Tagen fanden wir P. R ... in den Straßen herumirrend, denn nach seinesgleichen fahndeten die Bolfchewiken besonders. Wir fuhren in einem Lastzug, mit welchem — gemäß des Vertrages mit den Deutschen — die Flüchtlinge in ihre Heimat, in daS besetzte Gebiet, zurückbefördert wurden. Die Last- oder DiehwaggonS waren ohne Oefen. statt der Fenster — Löcher.' mit Laden versehen. Wir lagen auf den Holzbauten oder aus Verband l&di^cher Forscher, Schriftsteller und Künstler „Haruach" In Wien. Samstag den 12. Februar, präzise 10 Uhr abends, im Mittleren Konzerthaussaale Jüdischer Yolksliederabesd Ausfßhrende: Frl BoriskaJakobovits und Herr IsakDeufsch, Direktor der Freieif Jüdischen Volksbühne. Künsterische Leitung: Dr. Robert Weil. O Karten ron K 80 bis K 10 erhältlich bei der Konzerthaushasse, in den Hucbhai diungen Hugo Meller, L, Bauernmarkt S, und R. I.rtwit, I., Itolenturmstrasse 22, und im. Zionistischen Zenlra'bureab. II, Z rkusgasse 33. 44,4 Wiedereinsetzung der Habsburger entgeg^nz'/stetten. Was die wirt-gastliche Srite anbelangt, wird sich Italien nach allen Kräften bemühen, den tschecho-slowakischen Händel,st.om an.Triest zu knüpfen. Was die Kleine Entente betrifft, liege Italien daran, daß es mit alten Mitgliedern dieses Gebildes in vollem Einvernehmen lebe. Die parlamentarischen Verhandlungen in Prag. Praa, 6. Februar. Die Verhandlungen der tschechls.hen Klul>ob:>:ä.m.'r hab.'n vor'ünsig nicht zur Ktärnr,a der- ''arlam.'ii'arls 'in, Litua.i.», g.führt. „S'a 0 nt Pvti i.a" zus.lge hätten di.' lßhechis!en So iatdeinvkrateu du» Ministerp.äii.ienten ork.ärt, da'; si: Neuwahlen als den beste» Ausweg .'rächten und b.rcn Au.schrci^ung mit aller Eutschied.'Niheit ailslr.-bm werden. Das HAltschLner Ländchen. .Berlin, 5. Februar. (Wolfs.) Das Abkommen betreffen die lieberleitung der Rechtspflege im Hnl. licht uer Landchen ist beute in Doilin seitens der Bevollmächtigten der ReichSregrerung und der tschecho-ftorvafischen Negierung unterzeichnet werden. Tusar in Berlin. Berlin. 8. Februar. -(Wolfs.) Der tschecho-slowakisckie Gesandte und bevollmächtigte Minister Lusar ist gestern abends in Berlin eingetrossen. Englisches Mrh! für die Tschecho- Slowakei. Prag. st. Fedrn.n. lrel-Komp Wir drr „Benkov" melde», ivn de de Lsf rte für 7;U0 W ^gonS M bl und Gckreite. von der oeüern Min üer Ho' voc nuS onton dtr Prtgrr Regt'iung er'.a-i.nchtip e. io ort l rüm gt nnd der Fman mimÜer hat d» nur Rate von 15.U)o Piund 5:al nß telrglaphiich nach London .Mgew'k' N. Ein Warschauer BIrseuskandäl. Warschau, st Fe-riar tT l-Knmp-l Dre polnische Ren't aus d e Sour ein s großen Bor' nstrndir's oekommm. Es. hü' sich nömlrch hrrauenreste r. dnß n rin die D ut (Ikh. wie <nu» pol ich r -!• tc belmu'tet itnut% dm StN'i per polm'ch-n ä'.rlu a v'-miucht lmd n, syn ein pi>v dm 'ie W a r s ch a n e r " bin 1 sch r n Banken mt> d e B..sfeer r olni chen u.'ark 'pckul er cn und >.u d r>em F ve-le üe ig' Mmg'N polnnchrn G irr# tu vluiomnt'ilen übrr de Gr nze schniu arlten. D>: 0 wischen Gunzd boibcn hrlen iürzl ch an dcr Gikn e rttc c enbun.r non 80 Millionen M a r k b e s ch l a gn ahm't/wodmch rer simze?landal ougcdckt wur^e. unseren Bündeln. Die Juden sammelten sich in separaten Waggons. Bevor der Zug sich in Betvegung setzte, erschien vor mir auf dem Perron Sch. An—ski. Im Vorbeigehen flüsterte er mir zu: „Ich heiße Ravpaport." Ich begriff: Er fliehe vor den Bolschewiken und niemand dürfe seinen literarischen Namen kennen, unter welchem er jenen bekannt sei. Für iby war die Lage gefährlich. Er war ein berübnitcs Mitglied der Sozialrevolutionäre, war Mitglied der russische/t Konstituante und einer der tätigen Gegner der Bolschewiken^ Bevor wir die Grenze past sierten, wußte atrch niemand im Zuge, wer der Alte mit der weißen Löwenmähne, mit dem markanten, adeligen und lenchtet^en Antlitz sei. Im Rn eroberte er sich die Liebe seiner Nachbarn, vor allem der Jungen und der Kinder, denen er Sagen und Scherbe ohne Ende erzählte. Er wttrde ihr Liebling und ihr Mittel- Punkt. Alle merkten es. daß ein ungewöhnlicher Mensch in ihrer Mitte sei, und mehrumiS fragte man mich üher ihn aus. Wir verließen Moskau am Erew Jomkipur. Abends als der Zug ans einer Stat'an sieben hlieh. gingen wir in den Wagen An-^skiS hinüber. Wir wurden anfgelotdert. zusaimnen niit den Insassen dieseS WaggonS das Kol-Nihrei beten. Es tvar ein trüber, kalter und regnerischer Abend. Die Türen und Fensterläden geschlossen. Eine schwarze! nnd traurige Abendfinsternis umgab unS. Der Regen i fiel unaufl'örlich und beängstigte die Seele. Er klopfte an die Wände und än daS Dach. Eine schwere und bedrückende Trauer senkte sich auf da- Herz nieder. Aus Kästen und Brettern machte man ein Betpult und bedeckte es mit einer Decke. Kerzen wurden ange- 6. ME 5921 Nr. 73v Brand im Prager Elektrizitätswerk. Prag, v. Frbmar. (Tel -Komp.) In einem Präge» ElektrizitätZwerk ist gestern abends ein Brand auSgedroch«^., Der Brand habe zur Folge, daß die S t r a ß e» d a h u i» einem Teile der Stadt nicht verkehren konnte. Arbeitsmöglichkeiten für 8000 jüdische Arbeiter in Palästina. Die palästinensische Regierung ist bereit. 8000 ägyvtische Arbeiter, die zurzeit bei den öffentlichen Arbeitey' besckiäftigt sind, durch j ü d i s ch e A r b e i t e r zu er» setzen. Der Mangel an Geldmitteln und Arbeitsgeräten hindert jedoch augenblicklich den Abschluß weiterer Arbeitskontrakte durch die jüdischen Organisationen. Die goldene Freiheit der Dalachowiez- Banditen. Warschau, 5. Februar. In einem aussührlichen Artikel über di« russische^ antibolschewikischen Truppenteile, welche in Polen interniert sind, erzählt der Warschauer „Nobotnik", daß in A d u n s k a - W o l j a als Kaserne für ein« internierte Donkosakendivision das Gebäude der Jtelsohnschen Fabrik requiriert wurde, welche 450 Arbeitern und 500 Handw«bsr»'t Beschäftigung gab. Di« Fabrik mußt« wegen d«r Requisition eingestelkt werdew und die Arbeiterschaft ist brotlos, damit di« internierten Banditen nur ja gut aufgehoben seien. Die Zeitung bemerkt weiter, daß in Zdunska- Wolja die internierten russischen Soldaten und Offiziere der Bevölkerung Bri llantringe. kostbare Kleidungsstücke und sonstige Beutest ü cke aus ihrern Raube zum K a u s e a n b i e t e n. Sie. beschenken damit ihre Dirnen; bei einig?» von ihnen wur^ den Revisionen vorgenommen und wurde dabei ein großer Tcil von Wer tgegenständen zutage gefördert.Der Pogromchat sich also reichlich gelohnt und die ihn veranstaltet haben, erfreuen sich liebevoller Fürsorge und können in der Freiheit der Internierung die goldenen Früchte ihrer Raubzüge ungestört genießen. Kleine Nachrichten. W-rs^-.v, 4. Februar. (Poln. Tel.-Agentur.) MitMck» sicht tut! die Altersgrenze sind 300 Ossiziere, darunter sechzig Generale, in den Ruhestand versetzt worden. R?m, 5. Februar. (Funkspruch.) Der Mvokat Sal» vatore Bella sich ist fast ^einstimmig zum Bürgermeister von Fiume gewählt worden. London, 5. Februar. (Funkspruch.) Gestern sielen zwei Kraftwagen der Polizei in der Näl-e von PdlläS (Gräfscyaft Limerick) in einen Hinterhalt. Neun Polizistep, würben getötet, zwei schwer verrvmrdet. Boit den Angreifern fehlt jede Spur. Wäshinglon, 6. Februar. (Funkspruch.) ES verlautet, daß Präsident Har ding den Herausgeber der .Fkordamer^ kanilchen Revue", Georg H a r v e y, zum Botschafter in London ernennen werde. Vorcclor«, 4. Februar. (HavaS.) Der Sekretär des Aftsschuf^S für Verkehrs- und Trausitscagen beim Dölkerbunh ist mit mehreren Funktionären hier eingetroffen» um die Vorarbeiten für die am tO. März zu eröffnende ltonferenz «stv zulclten. Washington, 5. Februar. (Funkspruch.) Die plötzliche Einstellung von Kohleubestellunger, hat mehrere der im Kriege entstandenen Mohlensirmen, ruiniert, aber auch alte Firnien befinden sich in Scl)wierigU'iten. , zündet und ihr trübes Licht verscheuchte die Finsternis und machte die Sckratlen schU'äizer. die in den Eckeq deS Waggons umherirrten und hin- und herhnschten. An-^-skl legte einen geflickten nnd vom Alter vergilbten Tayith an und begann Kol-Nidrei vorzntragrn. in der Metodie eines alten, erfahrenen Pal.T'fllah, wie Man ihn nur npch ln den entlegensten Städtchen finden kann. j Wr alle standen um ihn. Auch die Frauen und die" Kinder stiegen vyn den Bänken und Bündelst herunter und sammelten sich um Um. Betäubt, und bin« gerissen lauschten wir dem Gebete und sprachen ihm nach. Seine Stimme war etwas heiser, die Melodie gelang nicht. Vielleicht war auch das Hebräisch nicht ganz korrekt. Aber noch nie in meinetn Leben habe ich ein solches Gebet, voll von unsäglicher Trauer über ein Leben der Unstetigkeit und der Bedrohung, voll dee Gefühle einer den Elenden beweinenden, sich sehnenden und flehenden Seele gehört --- wie dieses erschütternde > Gebet am Jomkipür-Abend, in den unendlichen Steppen, im finsteren Waggon, in welchem wir lv»e in! einen Totensarg eistgeschlossen waren, beim trüben und zitternden Kerzenlicht, beim Heulen des Windes Und. beständigen Klopfen des einförmigen Regens. ES war so befremdend. An —ski in der Roll« des Bal T'sikah zu sehen, das Mitglied der Partei „Volksw'.lle", das unter die Bauern ging, um sie zu unterrich en «nd ihre Kinder zu erziehen, den Soztalr'volurionär. den Sekretär von Peter Lawr.'w und Mitglied der Konsti'ni'tte wohin er als Vertreter der Bauern j irgend«!nes G " -.r ements Tiefruß^ands geschickt worden war. ch Und yen^e. «'! diesem Abend, stand vor meinen Augen wieder jener Abend vor zwei Jahre» in de«

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