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Wiener Morgenzeitung · 1921-02-06 · Heft 730 (6.2.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 730 (6.2.1921)
Date
1921-02-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr 730 Wien. Sonntag Wiener Morqemeituiiq 6. Februar 1921 Seile S Zionist. Bezirks Sektion LeopoSdsiadt liot Heute den 6. dt.M., um halb 11 Uhr vormittags, Im Hotel Post, Fleischmarkt (ßinpang Drachengasse) VOLKSVERSAMMLUNG Referenten: Abgeordneter Ingenieur Robert Stricker, Gerne ndcrat Dr. Leopold Plaschkes- Die Judert im Ga'uth und die Palästina-Frage. PslMfche^ArrndschM. Die Pariser VeschLüsse. Der Pariser Bcr'chierstattc'r der „Wcstminster Gazette" sch reibt: Aus-tirrf seltsamen Au?bru'ch üM.stro7'er- Freude, der in allen.-Kreisen.zum Ausdruck kam, als ob auf der Pariser Kon'erenz etwas Wirkliches zustande gekommen sei. folgt der unvermeidliche Zwri'el, ob ddS Pariser Abkommen auch' vevstand'.g seill Besonders Mit Bezug aus die Haltung Amerikas steNen sich ernste Politiker 'heimliche .'Fr-tHen. Man'' fragt' sich, wie weit der Oberste Rat'daß Recht habe, e'ne-Politik gti beschließen, die ande.'e Nationen, die das Abkommen nicht unterzeichnet haben, berühren kann. In diesem Falte handelt es sich darum» baß die neutralen/ Lander und vor allem'' Amerika durch den Plan des. Obersten Rates in gewissem Maße ihrer AktionSsrechsit' beraubt werden, ohne befragt worden zusein7 ob-sie einer solchen Politik Anstimmen.- Die Parisor/Konserenz hat eine unang'nehme Lage, geschaffen.. in' fett ssiel es versäumt hat, die Wirku n g ihrer Bedingungen in Amerika zu erwägen. Die Pariser.PoliiiÄr werden einseben, daß mindestens .in zweisacher, Hinsicht amerikanische Interessen - durch die! lebten Beschlüsse verletzt werden: erstens durch den Zoll.auf hie AuSfuhr, zws'tms durch die Kontralle der deutschen Anleihen..In beiden Fallen haben sich hie Staatsmänner' außerhalb des FriedensVertrages '-begeben und ihre Vorschläge berühr.'n nicht allein Deutschland, sondern auch Amerika m id alle anderen" Länder der Erde. Es ist sofort klar gewesen, daß man durch hie Besteuerung der deutschen Ausfuhr einen Zoll auf eine potentielle Einfuhr nach Amerika lege. Nach in Parts eingrtrof'enen Berichten, die zu gewisser Beunruhigung Anlaß geben, will Amerika nicht, daß die Alliierten es hindern, mit Deutschland Handel zu tteiben, wie es ihm beliebt. Die Veveiuigten Staaten tvpllen durch ein Dekret, bas ohne Rücksprache mit ihnen angenommen wurde, nicht gezwungen werden, d ie Schulden Deutschlands zu bezahlen, indem sie von ihm Waren kaufen und dafür einen' ISprözentigen Zoll entrichten. Aus alldem zieht der Berichterstatter der „Westminster Gazette" den Schluß, daß eine endgültige Entscheidung dieser Frage erst getroffen werben könne, wenn der neue amerikanische Präsident am 4. März fein Amt angetreten und seine Politik dargelegt haben werde. Daher werde die geplante Londoner Konferenz, am 28. Februar vollkommen zwecklos sein. Jetzt, wo das europäische Problem schon so lange in der Schwebe gehalten worden sei, dessen Lösung auf der geplanten Grundlage Amerika so unmittelbar berühre, erscheine es notwendig, noch ein paar Tage zp warten, um Harding die Gelegenheit zu bieten, einen Vertreter zur Teilnahme an der Londoner Konferenz zu entsenden'. Paris, 4. Februar. (Havas. Verspätet eingelangt.) In der gestrigen Sitzung der Kammer stellte T a t b \ e u M, daß Deutschland bisher nur 15 Milliarden Gpldmark restituiert habe, auf Konto der Reparationen habe e§ 12 Milliarden gezahlt. Es hätte vor März 1821 29 Milliarden Goldmark bezahlen sollen. Im weiteren Erlauf seiner Rede beschwor Tardieu da8 Pariatttent, der französischen Negierung klar zu sagen, damit es auch die englische Negierung wisse, daß das Gefühl des Landes keine Konzessionen dulde. Er verlange von der Regierung, daß sie die Verhandlungen mit den Älliierien wieder aufnehme, da die überstürzte Konferenz von Paris zu keiner ratifizierten Entscheidung gekommen sei. Am Schlusie seiner Rede forderte Tardieu. die Kammer auf, das Abkommen von Paris nicht anzunehmen. . Ministerpräsident Briand erwiderte, er kenne dis Korzüge des Versailler Vertrages und auch feine Fehler, tardieu habe sich getäuscht, wenn er behauptet^ habe, Frankreich habe 80 bis 35 Prozent seiner Forderungen «msgegeben. Briand protestierte gegen den Gedanken, Frankreich würde die Frage der Kriegsschulden der Al- Nlerten mit jener der deutschen Forderungen verquicken Annen. Briand sprach sodann von Len neuen Zoll- Maß nahmen, die vorgesehen worden seien. Während 'der Fnedensvertrag von Versailles nur Zölle auf ge» wisse deutsche Produkte vorsehe, handle es sich jetzt um öie allgemeinen Zolle und um die Zollkontrolle im Rheinlande, das komme einer militärischen Klausel gleich. Alle , Awangsmaßnahmkn würden solidarisch angewendrt. so daß eS Dentschlanb unmöglich fei. den Versuch zu machen, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen, ohne haß Zwangsmaßnahmen Kraft treten. Man habe Deutschland die Zwangsmaßnahmen nicht natifiziert^ HgedMWgWl der mm®-- ’]4 Die VEskÄmMMre geZsn KrasstA. -- BerschLePpungsLsML MosLaus. MMe GegeNVsr^chlLgL'an Englsmd. - London, 5. Februar. (WM.) „DailyTelegraph" erfährt von gutuntcrtichtetcr Seite, der Bericht Ärafsinö bezüglich des russisch-britsschen Handelsabkommens sei in Moskau aus großen Widerstand seitens der Mehrheit der Kommissäre gestoßen. Leuist habe sein Bestes getan, um diesen Widerstand zu bekämpfen, und sogar gesant, er wc'gere sich, negative Beschlüsse anznerkcnnen. Er habe anscheinend nur .stn? Teil Erfolg gehabt. Krassm werde demnächst, statt eine endgültig Antwort dec Räteregiernng zurnckzubringen, mit einer R e i h e von Gegenvorschlägen nach London kommen. Es sei auaewcheinlich die Absicht der russischen Regierung, die gesamte Erörterung von neuem zu beginnen und wieder dort anzusaNgen, ws Sir Robert Hörne die Verhandlungen ausgenommen hat. Wenn eine der beiden Parteien nicht vollständig nachgebe, bestehe wenig Aussicht für eine Unterzeichnung des Abkommens .in nahev^ Zukunft. Es sei sehr gut möglich, daß Krafsin weitere^ sechs Monate in England mit fruchtlosen Erörterungen zubringen werde. Der russisch-polnische Vertrag sei noch' nicht unterzeichnet; die Lage in Persien sei sehr urtbe. ständig; die britische Gesandtschaft in Teheran könne jeden Tag zurückgezogen werden; die bolschcwikische Provaganda im Osten gehe in der bisherigen Starke weiter. Es gebe genügend Zündstoff, um einen nenerlk.chen Zn.' sammenstoß zu bewirken, .während sich England augenblicklich in der Lage bewaffneter Neutralität befinde. Polnische Politik und MttelM Die polnischen SlantsM'iEeit lnPa^i-r. Paris, ß. Februar. (Funksprnch.) Minister Savieba hatte heute seine erste Besprechung mit Briand. „Petit Parisien" erfährt, daß Sapieha nach der Abreise des Marschalls Pilsudski noch in Paris zwecks Verhandlungen finanzieller Natur Zurückbleiben werde. Paris, 5. Februar. (Funksprnch) Marschall Pils n d s f t hat die bestimmte Erklärung abgegeben, General Zieligowski werde das Gebiet von Wilna räumen, sobald die Truppen, die der Völkerbund zu schicken sich verpflichtet hat. dort eingetroffen sein werden, um den Sicherheitsdienst während der Abstimmung zu versehen. Das Gesetz üDrr die PrafidLAtenWa?'*. W«rscha«, 4. Februar. (Poln. Tel.-Agentur.) In der gestrigen Sitzung des Landtages wurde bei der Abstimmung über den Versassungsentwurf Artikel 39, wonach die Wahl des Präsidenten der Republik durch die aus Landtag und Senat bestehende Nationalversammlung erfolgen soll, zum Beschluß erhoben. Der seitens des nationalch istlichen Arbeiterklubs gestellte Antrag, daß nur ein Pole und Katholik Präsident der Republik sein könne, gelangte gle'chfalls zur Annahme. Schließlich nahm das Haus einen Ant.ag an, wonach der Präsident im Kriegsfälle die Oberste Heeresleitung nicht innehaben dürfe. * Damit haben die Rechtsparteien in Polen ihren Zweck erreicht, da sie durch das Gesetz über die Präsidentenwahl ihren Kondidaten zur Mehrheit verhelfen» weil sie eine Angelegenheit der Alliierten seien und Deutschland nichts angehen. Es habe sie nicht zu diskutieren. Wenn die Deutschen dem Abkommen von Paris Hindernisse entgegensetzten, dann könne die Kammer sicher sein, daß sie mit aller erforderlichen Strenge werden angewendet werden. Die Pensionen und die Reparationen seien für die kommenden Fahre sichergestM. Man müsse bei den Alliierten Anstrengungen machen, um gewisse Vorteile durch die finanzielle Solidarität zu erreichen. Er könne nicht nach London gehen, ohne die Ermächtigung zu besitzen, im Namen Frankreichs zu sprechen. Wenn man ihm nicht voll und ganz Vertrauen schenke, hätte man, wie Tardieu gesagt habe, selbst einen vorübergehenden Bruch mit den Verbündeten ins Auge fasten können. Das sei alles, was Deutschland hätte hoffen können. Seine Pflicht als Franzose sei eS, zu einem gemeinsamen Abkommen zu gelangen. Er habe sich nichts vorzutverfen. Wenn die Kammer das glaube, dann soll sie es offen aussprechen. (Beifall.) Nach einer weiteren Debatte vertagte sich das HauS auf Dienstag. ■ Der Keffthrliche Paul Sandor. Ans Budapest wird unS geschrieben: Paul Sa n d o r, den nachsichtige Politiker einen Eigenbrötler nennen, wächst sich allmählich zu einer Gefahr für das anständige bewußte Judentum aus. Die Tatsache, daß er zitr Zeit der Proletarierdiktatur von den Kommunisten als Geisel in Haft genommen worden' ist, ist ihm als Heldentat in den Kopf gestiegen und obgleich der christliche KurS in Ungarn es ibm deutlich genug rügt, daß der Jude, selbst wenn er Panl Sandor beiß» lMv sich noch so selbstbewußt in seine magvarische Brust Mägt immer als Jude betrachtet und verachtet wird, läßt er keine Gelegenbeit Vornbergehen, zu erkläre«, daß ihn mit dem Judentum außer dem Zufall der Geburt nichts verbinde und daß er auch nichts dabei empfinde, wenn, sagen wir, die galizischen Juden aus jedenfalls wenigstens Pilsudski beseitigen wotr-n." Würde der Präsident-durch direkte Volksabstimmung gewählt, so wäre dies nicht möglich; aber im Senathos'en die Nationalhemykra'.en und die mit ihnen vee-' bundenen Parteigruppen aus eine Mehrheit durch bis. ernannten Senatoren. Gegen Pilsudski richtet sich' auch der Beschluß, daß der Präsident im Kriegsfälle nicht oberster Heerführer sein dürfe. Bezeichnend für den reaktionären Geist der polnischen Mehrheit ist dis Bestimmung, daß nur ein Pole und Katholik SiaatZ--; Präsident sein darf, eine Bestimmung, die alte Ange->. hörigen der nationalen Minderheiten von der höchste^ Staatswürhe ausschließt und damit deutlich zeigt, tsne^ die polnischen Gese^geber hie Stellung der nationalm Minderheiten im Staate auffassen. '... Französische WirtschKstsprssekte. , Warschau. 4. Februar. (W. P. G.) „Polpreß" meldeö aus Paris: Im Zusammenhang mit dem Besuche dsH polnischen Staatschefs sind in Pariser finanziellen; Kreisen allerhand Gerüchte über wirtschaftliche Projekte Frankreichs in Polen im Umlauf. Insbesondere wird viel über die Erteilung von verschiedenen Kon< zessionen an französische Kapitalisten gesprochen. DiesL' Konzessionen sollen angeblich nicht bloß die Eisen/ bah ne n, sondern auch das Telephon betreffen:! Auch Las Gerücht über eine Polen zu erteilende Anleihe wird kolportiert, man glaubt aber, daß e§ siE eher um Kredite für die poknische Industrie-, und den Polnischen Handel handeln dürfte. Dia französische Regierung soll angeblich die volle Bürgschaft' für bis Bezahlung der nach Polen exportierten Ma--: schinen^ und Rohstoffe übernehmen. dem Lande gesagt werden. Sein Haß gegen alles Jüdische, das nicht die rot-weiß-grüne Maske trägt, geht so weit, daß er in einem Teile der ungarischen öffentlichen Meinung Wohl znr lächerlichen Figur eines Monsmanen geworden, in den offiziellen Kreisen jedoch bei allen Schlechtigkeiten, die gegen die Juden arisgeheckt:. werden, gerne als Kronzeuge dafür angeführt wird, daß' die ungarischen Juden die Berfolgungsmaßnahme» gegen ausländische Juden nicht nur gutheißen, sondern sie vielfach fordern. Das mußte züm Beispiel auch Herr y. Polnar, den eine intime Freundschaft mit Pank Sandör verbindet, erfahren, als er jüngst, durch die Stimmung im Atrsland hiezu' getrieben, bei der Regierung dagegen Beschwerde erhobf daß die berüchtigte AusweisungS- und JnternierungSverordnnng auch auf solche galizische Juden angewendet wird, welche vor dem Jahre 1914 nach Ungarn gekommen sind. Damls hielt! Staatssekretär V i e i a n Herrn v. Polnai vor, daß die Juden selbst und ganz besonders die jüdischen Stadtverordneten die Ausweisung der galizischen Ir,den ur* giexen. Polnai, der so tat. als ob er nicht wüßte, nm weg es sich handle, erwiderte hierauf erregt, selbst der letzte Jude könne die Austreibung der galizischen Inden nicht fordern. Hieraus entstand eine recht reizende- ZeitungSpolemik. in welcher Paul Sandor konfeauent . der letzte Jude" genannt wird. Dieser Name du rite ihm verdientermaßen auch bleiben. In einer der lehLen' Sitzungen der ungarischen Nationalversammlung hat HandelSminifter HegyeShalmy in Beantwortung einer Interpellation, betreffend die ominöse LiefernngSangelegenheit der Gtaatsbahnen, auf einen Zwischenruf des Paul Sandor, ob denn der Biedermann, welchend die Lieferung übertragen wnrde, ein so guter Ebrist daß der christlichnationale Minister gerade il'm die Lieierung übertragen ließ, ganz korrekt geantwortet, daß'' er bereit sei. ein für den Staat vorteilhaftes Geithätt auch mit einem anständigen Juden abzuschließen. Dev Abgeordnete Sandor aber scheine geneigt zu sein, zur Kräftigung seines StandpunkteZ selbst seine eigene Nasse zu vtzrlsuane«, üwasaf der monomarrtz

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