Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 728 (4.2.1921)
- Date
- 1921-02-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 728___Wien» Freitag _Wiener Morgenzerirrng JnierpLÜLtion ansührt, ist grauenerregend. Das Ergebnis der Tätigkeit Balachowiez' ist der Ruio mehrerer Dntzerrd jüdischer Städte und Städtchen, die Ermordung von fast tausend Juden, die Schandung von einigen tausend jüdischen Frauen von elf bis sechzig Jahren, die Beraubung mehrerer tausend ljüdischer Familien. Es ist daher nicht zu verwundern, daß Balachowiez und seine Helfeshelfer, welche mit leeren Taschen auszogen, mit großen Reichiümern zurück-' kamen, die sie jetzt auf polnischem Territorium mit vollen Händen vergeuden. Pssromhetz« ln Wilma. Paris, 1. Februar. (Jüb. Korr.-Bur.) Litauischen Berichten zufolge wird unter den Soldaten Zieligswskis neuerdings eine Menge von Pogrom-' fl«gschriften verbreitet, in denen den Juden die Schuld an allen: in Wilna herrschenden Elend -gegeben wird. Auch die dortige polnische Bevölkerung wird gegeü die Juden .andauernd, aufgehetzt, so daß man wieder auf d6n Straßen die Losung: „Vernichtet d'e Juden" hört. Unter den Juden herrscht daher große Angst und viele Familien flüchten eiligst nach Kowrio sowie in andere litauische Städte. (Will sich Zielögowski, nachdem die WestrnLchte seiner Politik einen Dämpfer aufzusetzrn begonnen haben, einen „heldenhaften" Wgang nach dem Muster der Balachowiez und Petljnra sichern?) Die AbstiAimumg in Wilna. Mp-nharfrn, 3. Februar. (Wolfs.) Wie die Litauische T^gra-Hen-Ageutur mPeilt, Hat sich die litauische Regierung zur Unterstützung der Volksabstimmung unter folgenden Bedingungen bereit erklärt: Entfernung ZieltgowskiZ und der polnischen Truppen aus dem Abstimmungsgebiet, neutrale Verwaltung der Abstirnmungszone durch unparteiische, nicht interessiert« Staaten und die Gewähr, daß das Zieltgowski-Bbenteuer nach her Abstimmung nicht wiederhold werde. Bezüglich der Propaganda müsse Li Lauen mit Polen gleichgestellt werden. Weiters erklärt die litauische Regierung, sie sei ihrer Pflicht nach gekommen und habe mit der Sowietregierüng über die Mfstsllutzg einer internationalen TruppenabLeitung verhandelt. Jedoch feien diese Verhandlungen ergebnislos verlaufen. Ratifizierrmg des Vertrages von Rapallo. Uov, Februar. (Stefan!.) Minister des Aeußer» Graf Sforza und der jugoslawische Gesandte Antonievf«. haben die Ratifikationsurkunden drS Vertrages von Aäpalw auSgetaüscht. > Zapan urrtz Amerika. ‘ WaMngt-u, 3. Februar. (Tel.-Komp.) Wie Beamt« dys Ministeriums des Auswärtigen mittcilen, hat sich die Wilson-Regierung entschlossen, die Unterhandlungen mit Japan in der kalifornischen Einwandörungsfrage n ich t zum Abschlüsse zu bringen, sondern die Entscheidung darüber dem neue» Kabinett zu überlassen. BrlkgermngSWstamd in RnmKnien. . BnÄmest, 3. Februar. (Privat.) Die Regierung hat die Sperrung der Grenzen verfügt und den Belagerungszustand für das ganze Königreich angeordnet. (Diese Verfügung dürfte mit der von den Sowjets ««geordnete Blockade der Schwarzen Meerküfte in Zusammenhang stehen.) Dentscher Reichstag. . *?e*U*t, 6. Jänncv. Der Reichstag «ahm die erste Beratung des WebrgeseSentwurfeS vor. Der Gesetzentwurf wird einem S8glredrige« Ausschüsse znzewirsen. Sodann wird in allen drei Äsungen. der geme'wame Antrag de^r KoaUrionSparretM »nd der Mehr hritsloz allsten, beüessend die FSrdernnideS Wohnungsbaues, angenommen. RuheinOberschlesien. l Parts, 3. Februar. (HavaS.) Die interalliierte Derwal- Lungsmission in Oberschlesien stellt fest, daß sich die dortige Lag« gebessert und die K r i m i n a l i t ä t, däe dort stets sehr 'hoch war, sich nicht' gesteigert hat. Die Deutschen in Oberfchlesien haben gegenüber den Beschlüssen der Verbündeten, betreffend der Regelung der V o l k s abstirnmung, keineswegs Feindseligkeit bekundet. Beweis dafür ist die in jüngster Zeit erfolgte Abschließung des Abkommens von Oppeln Zwischen deutschen und' polnischen Delegierten unter Patronairg der interalliierten Kommission, wodurch es de« deutschen Minoritäten in Polen und den polnischen Minoritäten rn Deutschland ermöglicht wird, an der Absttmmüng teilzunehmen. Polen setzt seLne GoLtzfortzerAKgeN «mf die Hälfte herab. Kopenhagen, 3. Februar. (Wolfs) Wie »Poli° Liken* aus Riga meldet, habe Polen im Zuge der Rigaer Verhandlungen seine Goldforderungen auf die Hälfte herabgesetzt. Die Demobilisierung in Polen. Warschau. 8. Februar. In den allernächsten Wochen soll d .. Ia.ugang 1*98 remobrl st n werden. Tie Ttmobilrsienrnii der Züugänge 1836 und 1tjS7 ist bereits im >jnge. Ein Dekret des Sta.Uöchels verfügt, daß a« 1. April-. I. H Ve«rält «9 bol MchchWN wücll vudr». Der Verband der ungarischen Inden in Amerika gegen HorLhy-Nngarn. New Hork, 1. Fäbruar. (Privat.) Der Verband der^rr n gari sche n Jn*en - n An erika. hat in seiner jüngst stattgehabten Jahresversammlung eine. einhellige Resolution angenommen, in welcher die Regierung der Vereinigten Staaten ersucht wird, eine eigene Missio n nach Budapest zu^ entsende«, welche als Vertreterin der Vereinigten Staaten den Auftrag erhalten soll, die amerikanische Regierung von Zeit zu Zeit Mer die w a h r.e n Z u st ä n d e in Uugarn zu informieren und ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß in Ungarn endlich Gesetz und.Ordnung zur Herrschaft gelangen, damit dieses unglückliche Land wieder in die Reihen der zivilisierten Nationen zurückgesührt werde. Eine- Zweite Resolution protestiert gegen dre Johnson-Bill zur Einschränkung ober gar züm völligen Verbot der Einwanderung. Der Präsident dieses außerordentlich wohltätig und besonders in der ungarischen- Judenfrage hervorragend tätigen Verbandes ist Rabbiner Doktor Samuel B ü ch ler, der sich um die notleidenden Juden in Europa sehr verdient gemacht hat. ' Kleine Nachrichten. Washington, 9. Februar. lFunlspritch.'» Präsident Wilson hat mit je ner Frau gestern da§ Theater besucht; es ist düs »ein erstes Er« cheunn m der Oesfenllichkttt feit drM Ausbruch seiner Krankbett. Markau, 3. Februar. lFunkspruch.) Nach Meldungen aus Köustantmovc! sind der der Untei.dritckung des An'standrZ der Wranpel-Truppen 6000 Mann umS Leben gekommen. Moskau, 3. Februar. (Fimkvruch) Der ruistsche Vertreter rn Berlin, Kovp, bat hier berichtet, daß sich rn Deutschland noch 50.of> > eh:m rüge rwsi'che Kli-gscresang'ne befinden, die vor.russichtlich r« Lause des Sommers werden hrimzcschafft werden. Washington, 3. Fdruar. lFunk'Prnch.) Nach, den amtlichen Zräammensikllrrnoen för den Monat Jänner ist eine gerrnge Abnahme her Albetslosen zu verzeichnen. Lo rdon. 3. Februar. (Tel.-Komv.) Die „Times" erfahren, daß die britischen Truppen Hodeida geräumt haben. Inland. Das Prsgramm vorr PorLsZrose. Prag, 3. Februar. „Tribuya" veröffentlicht Aeußerungen des. HaudelsministerS Dr. Hotovee über die bevorstehende Wirtsch a f t S konferenzin Porto r o f e. Der Mirister ist der Ansicht, daß die erste Beratung bloß VerkehrSangelegenheiten zum Gegenstand haben und Beschlüsse fassen könne, die am dringendsten erscheinen, dabei aber in keiner Weise die Losung prinzipieller Fragen tangieren können,' was durch die bisher zerrütteten Verhältnisse einiger Staaten wie durch die valutarifche Differenz unmöglich sei. Solange die Dalutafragen nicht geregelt würden, könne man von einer Annäherung des gesamten Wirtschaftsleben und am wenig° sten von irgendeiner Zollunion sprechen. Berlin, 3. Februar. Die »Vossische Zeitung" meldet aus > Rom über die Konferenz von Portorose: «Ueber Wunsch ' Italiens soll jede politische Debatte -ausgeschaltet wevden. Die internationale Finanz ge sellschast zur Unte rstützung Oesterreichs hat folgende Aufgaben: Der österreichischen Industrie Kredite zur Rohstoffbeschasfung zu besorgen, die L a n d w i r t s ch a f t Oesterreichs zu heben und die Eisenbahnen neu zu organisieren. Am 10. Februar sollen in Paris Vertreter dieser Finanzgruppe sich vereinigen, um endgültige Beschlüße zu fasten. London, 2. Februar, Das. Nouterfche Bureau.glaubt zu wissen, daß die in der letzten Woche in Paris beschlossene Triest er Konferenz betreffs Oesterreichs n»ahrscheinlich in einigen Tagen - stattfinden wird, da dre interessierten Kreise, sich vollkommen der Notwendigkeit bewußt seien, dringend zu hairdoln. Pie( italienische Regierung werde den genauen Zeitpunkt der Zusammenkunft festsetzen. Es sei wahrscheinlich, daß Sir Hubert Levellhn Smith. Großbritannien vertreten wird. Äie EKtsKte verla«gt die Abiinderung des Wehrgesetzes. ■ Wie die „Reichspvst" meldet, verlangt die iuteralliierte Milit'irkommission in Wien Aenderungen des Wehrgesehes, die die" Stärke der (Wehrmacht betreffen. Die Entente verlangt, die im Friedensvertvag vorgesehene Höchstzif'er von 30.600 Mann, derart zu fixieren, daß auch die Reservisten hiebei mitgezählt werden. Ein« Erhöhung des Standes darf auch im Falle einer Bedrohung der Republik nicht erfolgen. Als die wichtigste Forderung der Entente erscheint uns die folgende Formulierung des § 34 des Wehrgesehes:. „Wer unbefugt eine bewaffnete Macht oder irgendeine Organisation ausstellt, die zur Umb itdüng in eine bewaffnete Macht geeignet ist usw." Bisher war nur die unbefugte Aufstellung einer bewaffnetün Macht' in diesen Pa.'ag"aphen mit besonderen Strafen belegt. Das Verlangerl der Entente trifft also die Heimwehrvrganisationen, deren faktischen Wirkungskreis vorgestern ein sozialdemotratischer Abgeordneter im BüdgetauSschuß dargestellt hat. Wir möchten in Erinnerung rufen, daß die jüdischnationale Partei von allem Anbeginn an gegen die Militürspielerei Stellung genommen hat. Abgeordneter Stricker hat setnerzcit im Parlament auf die Gefahren h-ingewlesen, die daS Bestehen einer Armee bei dein charttscheu Zustand unfercr Berualtnisse mit sich, briiurt. 4, Februar 1021 Serie 3 Die Mutzer rmd die ANschlUtzfrLK.^^ -Die Salzburger Landesregierung hatp»',' für den verflossenen Dienstag die Landeshauptleute ' aller österreichische« Länder zu einer Beratung in der A n s ch luß fra ge/ nach Wein geladen. Mittlerweil« war jedoch der Bundeskanzler nach Linz gereiste wo er mit dem tschecho-slowakischen Außenminister zu-^.> sa^rmentras. Ohne /den verantwortüÄen Leiter &e* - österreichischen Außenpolitik wollte mair aber nichts unternehmen und: wartete darum vorerst die Rückkunft Dr Mayrs ab, Gestern waren nur mehr vier christlich-- soziale Landeschess in Wien anwesend. Der Deutschs nationale Dr. Lemisch aus Kärnten war mittlerweiks. wieder abgereist und an das Oberhaupt des Landes, Men, den Herrn Reumann, scheint man bei der Ein-/ ladüng zu der Anfchlußkonferenz vergessen zu haben^^ UM schließlich aus der geplanten Anschlußkürck^" gebuttg der Bundesländer keine Schwierigkeiten für di« Außenpolitik be§ Bundeskanzlers entstehen zu' lassen^ wurde vormittags im Parlament von christlich sozialer > Seite mitgeteilt, daß die für heute zu erwartende Rote über das Ergebnis der Pariser Konferenz eine neuerliche Bekräftigung des Anschlußverbotetz enthalten werde. Die vier in Wien anwesenden christ-, lichsozialen Landesvertreter hatten dann um die Mittagsstunde auch eine Besprechung mit dem Bundes^ kanzler; ob sich diese aber nicht mehr mit den ständiges . Finanznöten der souveränen Bundesländer als mit der Anschlußfrage befaßt hat, entzieht sich der öffentlichen Kenntnis. i Soziattstenmz des Wiemer Arsenals. Der AMneltSrut hat crm Dienstag beschlossen, die: Arsenalwerke,wi Wien tu eine gcmeinwirtschaftliche Anstatt umzuwandeln. Der Kanzler Mer die Preffe. Auf dem Eoncordia«Ball, der am letzten Morckag statt» fand, erwiderte der Kanter Dr. Mayr auf die BegrüßungS-lausprachs des Präsidenten Dr. Wengras, die Regierung kenne die Notlage der geistigen Arbeiter mrd sei bestrebt, Hilfe und Linderung zu bringen. Er habe der Presse stets seine Sympathien entgegengebracht, «nicht bloß darum, weil ich den hohen Wert und die weittragende Bedeutung der Presse kenne, sondern auch, weil ich die Liebe der Journal listen zu unserem Volke und Lande, ihren Mut, ihre Auf, opferung und ihre Pflichttreue werte und schätze. Unsere.. Gesetzgebung, beschäftigt sich zurzeit mit^zwei Entwürfen, oie. dem Volke^ der Presse im allgemeinen und dem der Journalisten und Schriftsteller im besonderen dienen. Ich hege dre feste Usberzeugung, daß die Volksvertretung alles daran setzen wird, um die materielle Lage der Journalisten und Schriftsteller zu bessern." Der österreichische GeschKststräger ln Ber». Wie die „Politische Zborrespoudenz" erfährt, Hut die schweizerische Vundesrrgierung der Ernennung des> Sektionsrates im Bundesministerium für Aeußeres,. Dr. Leo D i Pa u li, zum österreichischen Geschäftsträger in Bern das Agrement erteilt. Die ukrainische Rada i« Wie«. Die ganze gestrige Vormittagssißung wurde durch eine Rede des gewesenen Ministers der Groß-Ukraine- Dr. Razaruk (radikal), ausgefüllt. Er schilderte die Ereignisse des dreijährigen-Kampfes um die Unabhängigkeit und erklärte, daß nur Ostgalizien als OrganisStionszentrum für den Aufbau des Staates in Betracht kommen könne. Er besprach das russische Problem und warnte vor unüberlegten Beschlüssen: gegen die Kräfte, welche aus dem Osten loszubrechen bereit sind. Zwischen diesen Kräften und den Polen bestehe ein Ge he im vertrag, wonach die Polen ihren weiteren Kamps nur maskieren, während Ostgalizien die ganze Wucht der neuen Dumpßwalze aushalten müßte. Die Rada sollesich vor übereilten Schritten hüten, die zu - einer unberechenbaren Katastrophe führen-könnten. Er fordert den endgülügen Rücktritt der g ro ß ukra inischen Re glern n g. Sie habe in bezug auf die internationale Politik, nichts geleistet und se t in so I ge ihr er Machtlosigkeit gegenüber den vielenP ogromen,. die ein friedliches Element beträfe n, bei der K u l t u r w e l t i n ü b l e n R uf'ge raten. Die Feinde der ukrainischen Ratior^ hätten dies aus genützt,, um deren staatsbildende Fähigkeit zu verneinen. Amj Schlüsse betonte-Dr. Na za ru k, daß die ostgaljzische Negierung, die aus legalen Wahlen hervorgegangen sei, sich im vollen Einverständnis mit allen Schichten der Bevölkerrrng befinde. (Lebhafter Beifall.) Am Nachmittag sprach der sozialistische Föderalist Lito c-ky j, her ausführte, daß endlich die Westmächte den Zerfall Rußlands offiziell anzuerkennen beginnen. Nun kommt die Reihe an die Ukraine., In dem Augenblick des inneren Zerfalls des Bolschewismus. für den sich schon positive An^. Zeichen zeigen, muß auch die Ukraine ihre Ünab-' hüngigkeit erlangen. Ein Handelsverkehr mit Sowjets rußland sei nur irr geringem Maßstabe möglich. Es fei dort fast nichts zu holen und das wenige, was noch vorhanden ist, sei wegen der Transportschwierigkeiten! unbrauchbar. Lloyd George und alle, die Konzessionen von Lenin Qnftreben oder erhalte^ werden sich. gründliÄ lüttDir. vielen SSWBJ;