Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 723 (30.1.1921)
- Date
- 1921-01-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 723 Wie«!. Gönntatz Wiener MorqenMrLtmg Äü. zSEt mt Mb? Wrrs LE' GMAeNlaNd. Wrnn der Herr ObsMrutvanr e^eB'onunc; brascht. Äudapest, 27. Jänner. Ein krasser Beweis dafür, wie groß die Macht des Militärs heute in Ungarn ist und wie wenig Schutz ein Jude heute in diesem Lande finden kann, geht aus folgender Affäre hervor: Oberstleutnant Geza Kelemen richtete dieser Tage an daß Wohnungsamt das Verlangen, das dem österreichischen Staatsbürger: BMaMiN Hirsch gehörende Geflügel- und Spezereigeschäft aus dem Lipöt-körut 5 anzufordern und dem Oberstleutnant zu überweisen. Begründet wurde dieses Ansinnen, damit, daß Hirsch österreichischer Staatsbürger und aus dtzm ungarischen Landesgebiete ansgewieftn sei. Bei der ersten Verhandlung wurde zunächst festgestellt, daß das Geschäft nicht dem Hirsch, sondern dessen Frciu gehöre, die ungarische Staatsbürgerin ist und das Geschäft noch als Mädchen gekauft hatte. Da überdies der Oberstleutnant in dieser Verhandlung auch nicht den Beweis zu erbringen vermochte, daß Hirsch äuS Ungarn ausgewiesen ' sei, wurde die Verhandlung auf den 23. Jänner vertagt? Und nun geschah das Unerhörte: Am 24. Jänner, zeitlich früh: erschienen Detektivs m der Wohnung des Hirsch, erklärten sowohl ihn als auch seine Frau für verhaftet und brachten sie sofort in das Schub haus, wo ihnen noch am selben Nachmittag der Rusweisungsbrschluß sub Zahl 1.404-192'' rgestellt wurde. Am selben . Tag . noch erhielt Oberstleutnant Kelemen eine beglaubigte Abschrift dieses Ausweisungsbefehles. So war Oberstleutnant Kelemen bei der tagsdarauf, am 25. Jänner, abgehaltenen zweiten Verhandlung bereits in der Lage, die Ausweisung des Hirsch und seiner Frau nachzuweisen. Da jedoch Hirsch gegen seine Ausweisung den Rekurs erhob, konnte das Wohnungsamt auch jetzt keine Entscheidung treffen, weil die Ausweisung noch nicht die Rechtskraft erlangt hat. Ein Oberstleutnant schrickt vor einem solchen Hindernis nicht zurück, besonders wenn es sich um einen Juden handelt. Tatsächlich wurde das Äusweisungsurteil mitsamt tot Rekurs noch am selben Tage vom Schubhaus mittels Boten dem Ministerium des Innern zugestellt, wo gleichfalls noch am selben Tage der Rekurs abgelehnt und das Ausweisungsurteil bestätigt wurde. Wie die Budapester Blätter hiezu melden, dürste Benjamin Hirsch nunmehr rasch in das ' Internierungslager von Hajmasker und von dort, nach den üblichen Qualen im Jnternierungspurgatorium, über die Landes grenze geiHrfst werden. Die Budapester Blätter glossieren diesen Fäll, ttrdem sie ironisch bemerken, daß der Amtsschimmel auch im Galopp rasen kann, wenn er durch die Sporen eines geübten Reiters dazu animiert wird. Das Unglück jedoch ist, daß solche weißterroristische Sporen nicht den Amtsschimmel, sondern gewöhnlich jüdische Existenzen blutigschinden. Die Einlageirfperre i« Ungar«. Budapest, 29. Jänner. In einer heute erschienenen ergänzenden Verordnung des Finanzministeriums über die Sperre von 20 Prozent der Einlagen wird bezüglich der ausländischen Personen folgendes verfügt: Die Sperre erstreckt sich nicht auf Forderungen ausländischer Staatsbürger und Firmen. Forderungen solcher ausländischer Staatsbürger und Firmen, die ihren ständigen Sitz in dem unter ungarischer Der- Dieser scheue, häßliche Mann hatte eine große Menschenliebe und eine große Kindlichkeit. Er log nie, nur nach altem Scherzbrauch am ersten April, und da mir kurdischer Freude. Er vertraute jedem, den er liebgewonnen hatte, und dachte nie daran, daß sein Vertrauen getäuscht werden könnte. Und doch wurde er von seiner Familie und den Menschen oft und oft mißbraucht; geradezu vührend aber ist sein Unglück mit, den Frauen. Dostojewski suchte erst spät, als er in den Dveißigerjahren stand, Frauenliebe und seine kindliche Naivität brachte ihm hier sogleich schwere Enttäuschung. Seine erste Frau Maria Dmitriewna, eine Witwe, die er m Sibiren heiratete, die übrigens die Tochter eines Mameluken Napoleons war, betrog ihn von der ersten Stunde der Ehe an mtt einem Pnvatlehrsr, den sie sich sogar nach Moskau mitnahm. Sie Hatzte ihren Mann und auf ihrem Totenbett drohte sie noch seinem ^!:de mtt der Faust und schrie: „Sträfling, ehrloser Sttük- Ihtßl" Dann gewann Dostojewskis Herz eine abenteuernde Studentin, die schon oft von Hand zu Hand gegangen war. Pauline N. (wahrscheinlich übrigens eine Jüdin). Sie ging ihm in Paris mtt einem Franzosen durch. Er vergaß sie später so gründlich, daß er sie einige Jahre später, als sie ihn aufsuchte, nicht mehr erkannte. Und doch jcheint sie seine wahrhafte Liebe gehabt zu haben, die zugleich Haß war. Ihr Konterfei im Roman „Der Spieler" gibt Zeugnis davon. Zu seiner zweiten Frau machte Dostojewski dos junge Mädchen, >daS leine Romane stenographierte. Dieser Tätigkeit blieb die Frau während der vierzehn Jahrs, die ihr Gatte an ihrer Seite verbrachte, treu und sie hat nach Dostojewskis Tode die erste Gesamtausgabe seiner Werte zusammengestellt. Jetzt bereitet die Witwe Dostojewski Erinnerungen an ihren Gatten vor. Airnee Dostojewitz erzähltüber üe sine b«Leichnevds Episode, waltung stehenden Gebiet haben oder die mindestens fett einem Jahre behufs Erwerbes sich längere Zeit hier aufhalten, sowie Forderungen solcher Firmen, die auch in Ungarn eine Niederlassung haben, unterliegen jedoch ebenfalls der Sperre. Bezüglich der auf tschechischem Gebiet zuständigen Personen und Firmen bleibt die frühere Verordnung aufrecht, wonach 20 Prozent dieser Forderungen der Sperre unterliegen, solange zwischen den beiden Staaten körne besondere Vereinbarung getroffen wird. - Ertzöhnng des Zinsfußes in Ungar«. Budapest, 29. Jqnner. „Az Est" zufolge haben die Budapester Banken«und Sparkassen beschlossen, den Zinsfuß fiir Spareinlage^ vom 1. Matz angefäNgen tun das' Doppelte Zn erhöhen. Keine psLMch-rnMänische MiWW- , Konvention. Bukarest, 29. Jänner. (Privat.) Lagt.. „Addeberul", ist kürzlich in Bukarest der polnisches ®enet:dl eistgetrosfen. Um mit den rumänischen maßgebenden Kreisen über eine Militärkonventioa zwischen Polen und. Rumänien zu verhandeln. Da jedoch Minister Take Jon e s c u sich ausdrücklich gegen eine solche Konvention ausgesprochen hat. ist die Misson General HallerS als endgültig gescheitert zu betrachten. Auch die LEscherr Bsmerrr liefern Berlin, 29. Jänner. In der heutigen Sitzung des Reichstages wurde die zweite. Beratung des NotetabS für Landwirtschaft und Ernährung fortgesetzt. In der Debatte richteten namentlich die linken Parteien heftige AUtgriffo gegendie Bauernschaft, da diese ihren; Verpflichtungen bezüglich der Getreide^ieferungen nicht na ch ko mm e, und forderten die Regierung auf, mit den schärfsten Mitteln die Bauern zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu zwingen. Reichsminister Hermes erklärte,, daß von einer katastrophalen Lage, der Brotversorguug keine Rede sein könne. DaS Quantum von 200 Gramm per Kops sei aus den. Auslandskäufen gesichert. W-enn der Absatz der kiinstlicheu Düngemittel sich so weiLeventtvickle wie bisher, könne man bald an ben SIB Bau bet Brotpreijs denken. Besetzung der tSrkische« ZoM«tter. Kopeichallerr, 29. Jänner. (Tel.-Komp.) „Berlingsle Tidende" meldet aus New-Aork: Die Alliierten haben die türkischen Zollämter besetzt und Hamit die letzten Emnahmsguellen der türkischen Regierung belckilagnahmt. Die Nationalisten benützen die gute Gelegenheit und senden Geld nach Konstantinopel, um auf diese Weise die Beamten der Regierung an sich zu fesseln. ' Kleine.Nachrichten. Paris, 29. Jänner. (Frrnksprnch.) .Clemenoeau ist itr Bombay, angrkommcn. Warschau, 29. Jänner. (Funkfprüch.) Marschall Pil-- sudski wird anr 3. Februar in Paris eintreffen. In seiner Begleitung werden sich der Außen- und der Kriegsminister sowie der Generalstabschef befinden. Warschau, 29. Jänner. (Funkspruch.) Eine amtliche Verlautbarung des Außenministeriums teilt die _ Anerltznnung Estlands und Lettlands durch Polen mit. Moskau, 29. Jauner. (Funkspruch.) Die Regierung erklärt in einer amtlichen Verlautbarung die in dev Presse des Auslandes verbreitete Nachricht vom Tode Lenins und einem Attentat auf Lenin während des allrussischen Kongresses als Erfindung. Bei einem Aufenthalt in Dresden mußte Dostojewski bei der MeLdung auf dem Polizeiamt auch Vor- und Mädchennamen seiner Frau angeben. Der Mädchenname siel ihm absolut nicht ein und er mußte nach Hause gehen'und sich ihn von seiner Frau aufschreiben lasten. Es scheint überhaupt, daß Dostojewski dem Wesen „Frau", trotz aller Zartheit und Ritterlichkeit, mit der er Frauen entgegenkam, in seinem Leben stets irgendwie fremd und unbehaglich gegenüber. Die merkwürdig unbestimmte Charakterzeichnung vieler Frauengestalten in seinen Romanen läßt 'darauf schließen Auch dies gehört zum Bilde seiner seelischen Eigenartigkeiten. All diese itttimen Züge aus 'tot Leben Dostojewskis, äu denen auch die Schilderung seiner feinsinnigen, aus jede Regung des Kindergemütes achtenden Güte als Vater gehört, find in Annöe Dostojewskis Lebensbeschreibung ihres Vaters mit dem Stifte kindlicher Verklärung gezeichnet. Auch sein sanfter Tod nach einem jähen Blutstürz ist menschlich schön geschildert. Das künstlerische Phänomen.Dostojewskis ist freilich im Buche zu kurz gekommen, nur den ernsten Fleiß, mit dem Dostojewski schuf, hebt die.Tochter hervor. Es ist 'charakteristisch für den Sckraffenden, der sich seiner Sendung bewußt ist. Cr spricht auch ans jeder Zeile seiner Werke, llm mehr, Endgültiges über, die Persönlichkeit j ihres Vater zu sagen, 'dazu war Armee Dostojewski noch I zu jung, als ihr Vater von der Welt ging (sie zählte j damals neun Jahre). Ihr Buch zeigt, wie sie in ihrer ' Weise das Andenken ihres Vaters ehrt und verklärt. In; der Welt aber, die durch wahres Schaffen immer aufs i neue vorwärtsschreftet, ist Dostojewskis Werk ein großes , Geschehnis, das in die Unendlichkeiten reicht, auch jenseits seiner Träume, die er von Zukunft und Unendlichkeit begte. I Wien, Stofrieb Schmitz. mmm&m a!i*r Art liefen neck end uiUier W’en, II. Praterstrasse 56" f BLEPHÖM 44-3-39 ■-:!! Ziorristisches LandsskomUee für Oesterreich. Dir vrdrnkliche Februsrsitzvvg de- 11 to t i 11 r t«» zionistischen LandeZwmilrrS findet .M i k t w o ch den 2. Februar " um Vrs0 Ühr chotmütagS nn NrederöKerrrtchiHeu. Grwetbeverem,^ l, Esche«baö>sjasse Li> statt. Tagesordnung: W.I- Schriftliche Einladtntgm torrder? nicht versendet. ,.•* Die SitzunZ-: des tzes ch äst § kützM«d.e u L « s ch u s s e S wird MZnahmkwrise in der kvwmnrdm Woche nicht? MWag, . soMrn Dienstäg den 1. Nbrnav tzm 6 Uhr Nistrfchen Bmeau stattfintze». OLLSkar Czerüf« über die Küge Oesterreichs.-' , : ' Im Jnduftriellenklub hielt am Donnerstag Abgeordneiep Czernin, der gewesene Minister deZ Aeußern, einen Borttag über die politische Lage der Welt. Er glaubt an einen , neuerlichen militärischen Vorstoß LentnS, dem die Wst-M machte, die den Frieden brauchen, nicht gewachsen sind. Die Sowjets muffen Krieg führen. In diesem Kampfe von Ost getzen West ist Oesterreich ein armer steuerloser Kabn. Die Christlrchsozialen müßten ihre erste Garnitur in die Regierung schicken und den Kampf mit' den SozialdemokratM.. männlich durchfechten. Einen Kommunismus wird sich die E österreichische Landbevölkerung nicht gefallen lassen. . . Eine | Donauföderation scheint dem Redner, der sich für den An» i schluß an Deutschland auSspricht, unmöglich. Die Frage? to % Staatsform, ob Republik oder Monarchie, sei nebensächlich, J Hauptsache sei die Demokratie, die Bestimmung des Volkes jf über sein Schicksal. Eine Armee ist für Oesterreich über- * flüssig. Die Chrrstlichsozialen sollten eine Koalition aller | bürgerlichen Parteien mit dem Programm: Arbeit, Ordnung | und wirtschaftlicher Wiederaufbau versuchen. Im übrigen ) soll Oesterreich eine Politik der Neuttalität treiben; ist drese i nicht möglich, dann eine cmtibolschewikische, aber nicht durch « Schaffung einer Weißen Armee, sondern durch Untecflühung § der Ententetransporte nach genauen Geqenseitigkeitsabf machungen mit der Entente.? Von Ottokar Czernin hätte man doch etrvaS anderes erwartet. als diese seichte, demagogische, mit den Worten ^Rote Sozis" arbeitende Sammlungsparole an ein Programmloses, untätiges Bürgertum; etwas anderes auch als seine jjj direkt zum Bürgerkrieg führende antisoziale Politik. Oesters reich kann sich nur helfen, wenn eS auS der RegierüH^di^ Parteien entfernt und überhaupt keine Politik macbt.,? Äm wenigsten aber die der sogenannten Energie und der starkes Hand. Eine Regierung aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern^ die auf Grund eines vernünftigen ArbeitSkompromiffes Kredit und Rohstoffe im Ausland sucht, wäre ein siaug'lchere^.^ Mittel als eine bürgerliche Koalition, welche n'chtS - zu-«" sammenhält als der Hatz gegen die freie» politische unv Entwrcklrms. 112.451 Spttoven i« Wie«. -Wg Auf Grund des FriedenSvertrageS von SaintsGermär.r^^ war e§ den Angehörigen, der Nachfolgestaaten der alten Mon-- archie freigestellt, wenn sie nach Rasse und Sprache zur: Mehrheit der Bevölkerung Oesterreichs, gehören, für Oesters reich zu optieren. Die OptionSfrist wurde mit sechs. Monaten nach-der Ratifikation des Friedens bemessen unW endete am 15. Jänner 1921. Bis zu diesem Tage wurden . in Wien 112.451 OpttonSansuchen eittgebracht, davon 2884 in der Zentrale des KonskripttonSamteS und die übrigeü^ bei den magistratischen Bezirksämtern. Ob ünd wieviel Optionsanmeldungcn beim BundeZministerium unmiitelörMH .erfolgten, ist unbekannt. Von den 112.451 Optionsgesucher^ wurden bis IS. Jänner 11.784 zustimmend erledigt .untz 084 abgewiesen. ES wurde somit big zu diesen: rund ein Zehntel der eingereichten Gesuche erledig^. Der »stjüdische FwtzbaS. . In der B-orwoche haben erstdw Christlich so K.,.. den Sozialdemokraten, bmttt die Sozialdemokraten deü .Christlichsozialett die angeblich gute Behandlung to" Ostjuden vorgeworfen. „Ihr weiset nicht auS!" faMD .die einen, „Ihr habt nicht aus gewiesen!"die anLersnD Nun mengt sich der Antisemitenbund in das Spiels., wirft tot. Jerzabek LässigM in der OpLionL^H angelsgettheit vor und droht mit der ÄbwanherunA' von den Christlich sozialen. Das gibt wieder der „Arbeiter-^ Zeitung" den Arrlaß, den BaK aufznnehmeu. Sie. fvozzelt die Antisemiten, daß sie noch immer nicht ausf weisen. Jetzt sind die Christlichsozialen äm. Slnel. M h geht ja nur um jüdische Menschen! ' Z Merkblatt zur Bermögensabgave. Das Merlblätk- Nummer 1 zur einnraligsn großen Vermögensabgabe, welches die Bestrmnmngen des Gesetzes und der bisher erschienener^ Durchführungsverordnungen zum Verrnögensabgabsgesetz ' iitallgemein» und leichtverständlicher Weise darstellt, m i Verlage der SwatSdruSsrei erschienen.