Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 721 (28.1.1921)
- Date
- 1921-01-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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5K. 72t Wien, ^reüag Unterricht, Kunst und Kultus. Der Finanz- und Budgctausschuß zog in feiner gestrigen Sitzung die Kapitel des Staatsvoranschlages: Unterricht. Kunst. Kultus in Verhandlung. Berichterstatter Dr. Schneider referiert über die Kapitel Unterricht und Kunst und gibt eine eingehende ziffernmäßige Darstellung der einzelnen Trtel. Im ganzen ergibt sich, daß auf den Kopf der Bevölkerung für Unterricht aller Art an Ausgaben 43 Kronen entfallen, ein Betrag, der zeigt, wie wenig wir für die Pflege der Unterr'chtes tun. ,, - Berichterstatter P a u l i t s ch res r'ert sodann über baS Kapitel „Kultus" und verweist darauf, daß die Ziffern dieses Kapitels sich in bescheidenen Grenzen bewegen. \ Vizekanzler Breisky pflichtet den Klagen über die dev Unterrichts- und Kultusverwaltung zur Verfügung stehenden ge.ingen Mittel volllommen bei? Die Zeitumständü legen aber der Staatsverwaltung eine^ außerordentliche Zurückhaltung in den Ausgaben aus. In bezug auf die H o ch s ch ulen konstatiert der Vizekanzler mit Bedauern, daß das Steigen der Preise aller sachlichen Erfordernisse eine große Schwierigkeit für den Betrieb, insbesondere der Hochfchulinsti'ute, mit sich gebracht hat. Die Notlage unserer Hochschulen hat im Ausland bereits das lebhafteste Mitgefühl erweckt und die Rockefeller-Stiftung hat, allerdings unter der Bedingung, daß die österreichischen Hochschulen, namentlich die medizinischen Fakultäten, in Hinkunst einen, etwas kaufmännischeren Gesichtspunkt hinsichtlich der Behandlung der Ausländer wahren, den Betrag von, 60.000 Dollar zur Verfügung gestellt. Erfreulich ist es. daß das /Historische Institut" in Rom uns'erhalten bleibt. , Der Sachkredtt fürM ittelfchulen ist-ganz, unzureichend. Die Kosten für die Beheizung allein verschlingen das gesamte Präliminare. , In bezug auf die Museen ist an eine rationelle Zusammenlegung gedacht. Die Museumbkomunssion hat ein Gutachten erstattet, auf Grund dessen ein. Nrfarnrplan ausgearbeitet wurde, der im wesentlichen zum Ziele hat, daß die gleichartigen Sammlungen nach Möglichkeit vereinigt werden. Der Erlös, bcziehungsweisL d r Austausch.der Dubletten soll eine Erg'Inzung der Sammlungen in die Wege leiten und sie lebendig erhalten. Hierauf ergriff der Pr "sident der StaatstheaterverrvLttung. Sektionschef Dr .Vetter.'das Wort, dessen Ausführungen wir an anderer Stelle vrriisientlichrn. Abgeordneter Glöckel erinnert dar .n. daß die vergangene Unterrichtsverwaltung ganz unier dem Zeichen der Schulreform g.'standen ist. Er kommt daun auf den-drohenden Schullehrerstreik zu srr ch n und verlangt dom Finanzamt, alles, da anzu,etzen, um den Streik zu vermeiden. Er verlangt von drr Liegierung die sofortige Herausgabe eines Kinogesehes. Die Ersparungskonmission. Die vom M n stenat e nges tzte E pa,una?om mssion w \b sich foüen-tlm chen zuiomm nütz n Vrästde't: Dr Mar L-latimir B e ck, P Lin e t d'S Neclm-'noSliofes Vi; vuisi.ern Kal P t t t n t r, ehemaliger Gouverneur der LandeSbank ilir DoSnren und die Hcrzegow na. Außerdem werden .er Kommi sion Periönlrchkc ten aus der Jndusti ir u'w. angehören. Argentinisches G treide für Oesterreich. Wien, 27. Jänner. Nach Meidün ien. dn bei d r W ener «rgenlivächen Geianvt'chaft erngelawen send, ist em Transport von Mehr ülS 4OM Tonnen Getreide. F tt niw. die auf Grund des von Argentinien der Revublrk Oesterreich emgeräumlen Kredits eingekaufr wurden, «ach Hamburg abgegangen. Die WirtfchaftsKonferenz. Prag. 87. JänNcr. Zu der mMeleur pä ichen W rtfchaßs» konferenv m Porlorose berich en P.agrr Blätter. daß der englische Gesandt in Wien, ^mvley. n ch vor Zusammentritt der Konstrenz Prag. Warschau, Belgrad und Bukarest betuchen «rrd. Langenhan abgeblitzt. Prag» 37. Jänner. „0eS!6 Slsva" Mbei aus Wien, daß dre Kandidatur des Dr. Langenhan am den Berlmrr Gcsandlenvosten drstnrtw gefallen sei Oesterreich und Horthy-Ungarn. Prag, 27. Jänner, ^öas* meldet, aus Wien: Der neue ungätüche Mrmsier de- Aeuuern Dr Gratz sandte kurr nach Antritt trrneS Amtes «ine Note nach Wien, in w lcher er AMpröMivverhLrirlUngk« zw.schen der österre.chlschen und ungarischen Rearcrüng bezüglich WeiiungarnS befürwortet. Der österreichische Ministerrat lehnte d eien Vor'ch'ag ad und bebarrt auf die Ucdeigabe Dcutsch-WestungarnS an Oesterreich im Sinne des FriedenSver»rageS. Minister Alfred Mond und Dr. Weitzman« tm Jüdischen Rattonalrat von Iernsalem. Jcrufalene, S6. Jänner. (Jüd. Korr.-Bur.) Der Jüdi,V,. Nationalrat (Waab Leumi) ist heute zu einer Sitzung zusammengetreten, an der Sir Alf.ed Mond und Dr. De itzmann teilnahmen. Sir Alf-ed Mond und Dr. Äeitzmann besuchten g stern Haifa, wo ihnen von den dort arbeitenden Chaluz.im ein herzlicher Empfang bereitet wurde-. Wiener Morgenzettun- .'28. Jänner 1921 Prag, 27. Jänner. Minister Dr. Ben t s ch hielt heute im Abgeordnetenhaus ein Exposä Über die wichtigsten.Fragen der Auslandspolitik. Ueber das VerhäMis der ' Tschecho-Slowakei zu Italien sägte der/Minister: Nach. Rom fahre ich/gern ange- / slchts der Tatsache, daß Italien in allen, die mitäl- - europäische Politik betreffenden Fragen einen ähnlichen. : oder parallelen Standpunkt einnimmt, wie er in unserem Abkommen mit Jugoslawien und Numän'en zum Aus-, druck kommt. Meine Relse nach Rom bedeutet eine Bekräftigung.' dieser Politik und eine d i r e k t e V e r st ä n- - d i g u n g m i t I t a l i e n über die österreichis ch e t und die. um g.a rische F r a g e. das. Problem der Hab sburge'r-DYnastie und die Versuche einer Wieberhestellüng des früheren Zustandes sowohl in wirtschaftlicher als. a".ch in politischer Hinsicht. -Bezüglich des Verhältnisses,der Tschecho-Slowakei zu Oesterreich jftthrte der Minister aus: Nach unse-ccr -Meinung kann die Frage des Anschlusses an Deutschland in Wirklichkeit heute gar nicht gestellt werden. Die internationale Situation gestattet nicht, daß der betreffende Artikel des Vertrages von Saint-Germain ab ge ändert werde. Auch das Dilemma: Anschluß an Deutschland oder -D.o n an f ober a?tio entbehrt e'ner seriösen Crund- . läge. .Die Absicht, auf die Nachbarn einen Druck anszuüben. läßt sich -nicht verkennen. .Jugoslawien und < Rumänien kommen nicht -in Betracht, da beide vom Zentrum der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie zu weit entfernt sind,- Und was die Tschecho- Slowakei anlangt-, 'so. steht - fest, daß. , sie-, mit überwältigender Mehrheit den Gedanken daran a priori ' a b l e h n t und - sich mit allen zu Gebote , stehenden» Mitteln <widersHen würde. Uebrigens denkt/ auch in ' Oesterreich, a'gesehen von einigen wenigen Theoretilern> niemand Baratt-. Aus der Tradition der Vorlriegszeit - läßt-sich erklärefz. daß diese Idee in gewissen französischen- und englischen Kreisen hie und da Ankla :g findet .doch steht fest, baß das rnitteleu'.wpäische Problein auf diese Welse nicht gelöst werden kann. Die Wi-rLschasLUche und ^nänzieLe WLfe N Wr Dekterreich. Vrzüglich der österreichischen und ungarischen finanziell-n und wirtschaftlichen Krisö sagte der Minister' Wir können einey ernsten Schritt nach vorwärts tun, wenn wir uns daöci> unserer Entente, mit Jugös l a w i e n und Rumänien bedienen. Man muß in Europa ein neues politisches und Wirtschastosystem schaffen, das die Ruhe und den Frieden garantiert. Zu diesem Zwecke mühten nach Ansicht , des. Ministers zunächst einzelne Verträge zwischen der Tschecho-Slowakei und Ungarn, der Tschecho-Slowakei und Oesterreich, Oesterreich und Ungarn, der Tschccho-Slowalei und Jugoslawien, Jugoslawien und Oesterreich. Jugoslawien und Ungarn sowie Rumänien und allen diesen Staaten abgeschlossen .werden, die in erster Linie Äerkcbrsangcleg«'nhciten, verschiedene Finanz, und Ban?» Institute sowie den Warenaustausch betreffen und nach und nach v»w Susjkm der freien Wirtschait und des freien Handels führen könnten. Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Beziehungen mit den Nachbarstaaten, die weder den natürlichen Voraussetzungen der Nachbarschaft noch der geographischen Lage noch auch den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechen, könnten sich aus die Dauer nicht behanpten, da alle Staaten einem ^gewissen? wirtschaftlichen Nationalismus huldigen, der, wie die Erfahrung lehrt, zugleich wohl seine Vorteile, aber auch seine g r o ß e rt N a ch te i l e hat. Bezüglich der Kreditbewilligüng sprach der Mi-nster die Ansicht aus, daß man Oesterreich mit einem l,r.g° sristigen Kredit zu Hilfe kommen müsse, der aber mit einer Sani-nng aller mitteleuropäischen Staaten Hand in Hcknd gehen sollte. Würde ein. solcher Man sich als nndurchsnhrbar erweisen und die Tschecho-SlowakLi aus ihre eigenen Kräfte angewiesen sein, so werde sie i nmerhin eine erträgliche Situation erzielen, doch würde djcsr Selbsthilfe zugleich eine Verschleppung jener kris tt» haften Periode bedeuten, die wir seit dem Kriege dn'. hleben. ' " ' , Das Problem Mitteleuropa, wie es während des Krieges aüsgestM wurde, ist für die Tschecho-Slowakei von eminenter Wichtigkeit. Wir sind das tatsächliche Zentrum Europas, und als der pa"germanische P'an Mitteleuropas aufgestellt wurde, war es vor allem das tschecho -slowakische Volk, das verschlungen werden sollte. Es geht nicht an, diese Gefahren zu verkennen, und es ist unsere Pflicht, ein bestimmtes. genaues Progrnrnm durchzuarbe:ten und in diesen Fragen die Initiative zu Ergreifen. Von feindlicher Seile werden über.uns falsche Nachrich'en verbreitet, daß wir di^ Lebenssähigknt Oesterreichs und Ungarns hemmen. Es ist nicht nötig, bi».'fe tendeu/.öseii Sirott zu entkr 'sten, da allgemein feststeht, daß die Trch.'cho-Slowakei mit allen Krästen bemüht ist. mit ihren Nachbarn'auszukomnren und ihnen wirtichasttich beizusteyen. Mit Rücksicht auf die. Uns-'cherheit im Osten und in Deutschland ist es 'unbedingf notwendig, daß im Süden von uns Ruhe und Ordnung herrschen. Dies kann nur erreicht werden^ wenn .fiteA Zentraleuropa ein . neues politisches und wirtschaftliches System ausgearbeitet wirb, das eine definitive Verständigung zwischen allen Staaten Mitteleuropas in allen Fragen l d^s'Verkehrs und des Handels zur Folge-hätte. jetzige Zustand der wirtschaftlichen. Beziehungen ist auf die Dauer nicht haltbar. Dies gilt vor allem für das . Verhältnis zwischen uns und Ungarn und für das' Bev-' - hältnis zu Oesterreich. IS eher die normalen 'wird«' schastlich-n Bezilhüngest eingeschaltet werden, .Ämsg.- früher wird das notwendige,'neue wirtschaftliche undfinanzielle Milieu geschaffen werben. Es heißt , in dieser oder / jener Beziehung gewisse, Opfer brürgen, damit auf der - anderen Seite soundsoviel gewonnen werde. Das bedeutet die, tatsächliche Konsolidierung des Staates und seiner Umgebung; das ist der wahre Kampf gegen den Bolschewismus. , ' . -t Das österreichische Problem ist nicht nur |ciir: Ptzob^em /ZentEaleürppas, sondern eich Weltproblems -es ist die heutige'wirtschaftliche Krise, .^ie allgemeine / Unzulänglichkett an Kredit und die schwere finaüzielle Lage überhaupt. Wir müssen es Utts Ungelegen sein lasM, i m Verein mit Jugoslawien- und Rumänien alle /wirLschastlichen Vorbedingung-n genau abzuschätzen, um /ynser künftiges Verhältnis zu Oesterreich und zu Ungarst'. auf eure feste und dauernde Grundlage zu stellen tö# dadurch alle künftigen Versuche eines pattgermaüischen ' Mitteleuropa zu vereiteln, al^n Angriffsversuch^n,-dis in der Unzufriedenheit mit den Nachbarn begründe^ erschienen. Betreffend Un gar n sagte Dr. Be ne s ch : Die Wiedereinsetzung Exkaiser Karls wäre für einigt Nachbarstaaten Ungarns ein tatsächlicher und berechtigter Casus belli. Die Einsetzung einer ausländischen Dynastie - oder einer Familie der magyarischen Aristokratie scheint wederaktuell noch gut möglich, da sie aus ittnerew ' Gründen überhaupt nicht.realisierbar ist. Was die Kaw didalur eines anderen Habsbu.'ger und spezwll des Erzherzogs Jo se f betrifft, verweist btt Minister darauf, daß es besonders die Lschecho-slowakische Regierung, war, welche es durchgesetzt hat, daß Erzherzög Josef,, als er nach, dem Sturz Bela Kuns ans Ruder Law,., zürücktreten mußte, wobei die '.tschecho-slowakische Regierung von der jugoslatvischen ünd der rumänischen Regierung sowie Pom Frankreich, Italien' und England unterstützt wurde. Aus der am 2. FebrUar. 1920 faßten Entschließung der Bots6)afberkoUserenz geht het^ vor, daß die . ' l Rückkehr der Habsburger-Dynastie in welcher Form und in welcher Person immer, auf irgendeinen Thron i« Zentalenropa aüsgefchloffeü ist und daß sich dieses Veto nicht nUL auf Exkaiser Karl, sondern auch auf die anderen Mitglieder des gewesenen Herrscherhauses bezieht. Auf diesem Standpunkt wird^ die tschecho-slowakische Regierung -konsequent und be-> dingungslos verharren. Wenn ein Versuch gegen unseren Ent,chluß gemacht würde, würden wir im Einvernehmen mit unseren Freunden alle in unserer Mächt stehenden' Mittel anwenden, da wir der Meinung sind, daß dio Rückkehr der Habsburger.den Frieden .Und die ExistenF der neuen,-durch die FriedMsverträge s.ich^rgest-esltem Ordnung in Zentraleuropa gefährden würde. J In Besprechung des Verhältnisses zu Polen berührt der Minister vor allem die Leschener Frage nn8 sagt: Wir wünschen, daß darüber nur sachlich und mit Ruhe, wie dies das Interesse des Staütes erfordert, debattiert werde. Wir wissen, daß niemand mit.besonderer Begeisterung für die Ratifizierung sein ifeivb; aber, wir sind überzeugt, daß die Entscheidung im des Staates war. ' ] Unsere Politik ist von der Ueberzeugung eingegebdd» > daß beide Staaten aufeinander angewiesen sind. Eine weitere Frage, die uns von Polen trennt, ist Unser Verhaltni8 zu Rußland und das Verhältnis Polen s zu U n g a r n. Das künftige Rußland wird viel zu wächtig sein, als daß Polen damit nicht rechnen dürfte.' Wir müssen, ebenso wie in der bulgarischen rrnÄ in der südslawischen Frage, unvoreingenommen trachten, uns möglichst wenig direkt in diese Fragen einzumischen. - Wenn die Polen-glauben, daß es in ihrem Interesse und im Interesse des Friedens ist, in engen Beziehungen mit Ungarn zu stehen, können wir nichts dw gegen, haben, aber wir müssen verlangen, däß die Polen zu uns, als einem der Verbündeten, loyäl sind. Damit hangt auch die o st g al iz i s ch e Frage zusammen, in der die tschecho-slowakische Regierung sich loyal M-i hält. — . . ' Unsere Polittk gegenüber : : i. Rußland; ■/’ ist die der NichtintervenüoN; eS versteht sich,'dör Men.- seitigen. Da wir uns nicht das Recht zusprechen, untz' in die russischen Angelegenheiten einzumischen, verlangen wir von -der Sowjetregierung dasselbe. Dahitt gehört auch, daß Rußland von jeder.Propaganda ab- ' lasse, durch die es in Westeuropa die definitive soziale . Revolution herbeiführen will. In Rußland geht di«