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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-27 · Heft 720 (27.1.1921) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 720 (27.1.1921)
Date
1921-01-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 720 Wien. Donnersrag Wiener Morqen^eitnnq 27. Jänner 192! das Heimatrecht von Krakau damals vom. Familienoberhaupt auf Grund der Ersitzung oder auf Grund der freiwilligen Aufnahme in den Heimatverband errvorben wurde. Oder ein anderes Beispiel: Ein nach Wien zuständiges Mädchen hat vor Jnkrnflt eten des Friedensvertrages einen Mann geheiratet. der nach Krakau zuständig war, wurde dadurch ebenfalls nach Krakau zuständig. Der Mann ist' inzwischen gestorben. die Wi.we, ßatls .sie 18 Jahre oder'darüber ist, kann für Oesterreich optieren. Ins diesen Beispielen ist ersichtlich, baß in diesen» Falle der Option ans Eirund deS früheren Heimatrechtes. ein doppeltes Heimatrecht nachgewiesen werden muß: ■ 1. Di« Heimatbcrechtigung in einem Orte, der auf dem Gebiete der ehemaligen im R ichsra:« ver. tretenen Königreiche und Länder gelegen ist. Z. Das vorherige Heimat recht in einer Gemeinde die zum Heuligen Oesterreich deS Fried,-nsvertrag-s, zu dem Gebiet d.r Repubbk Oesterreich, gehört.; Wer diesen Nachweis liefern kann, kann bis,zum ZS. Juli 1921 für den österreichischen Staat optieren. Die rEsch-rumiiriksche Spannung. Trotz der vielen Dementis und der Mitteilungen über „Demobilisierungen" großer Teile der russ'schcn Armee wollen die, Gerüchte von russischen Kriegsyorbere:tung-n gegen Beßarabien nicht, verstummen. Bgld soll Rußland an' der Grenze gegen, Nngheni- JassY große Truppenmassen ausammeln, i um nach Ungarn zu gelangen, bald sollen russische- Truppenkonzentrationen an der Bukowina«« Grcn'.e vor sich geben, um durch C^ernowitz nach Ostoalizien zu kommen, bald will der gegenwärtig in Budapest weilende General der Armee Wrangels, M, a r u s z e w s k i, w'ssen, baß die erwartete Frühjahrsofsensive der Bolschewiken sich aller Wahrsche'nlichkeit nach gegen Rumänien richten dürfte. Denn es ist kaum anzunehmen, daß sich Rumänien du"ch freiwillige Zurückgabe Beßarabiens Ruhe . Vor den Bolschewiken verschossen wird. Bald meldet der „Universnl", daß der Notenwechsel zwischen Bukarest und Moskau andauert. In ihrer letzten Note protestierte die Sowjetregiernng gegen die Vereinigung Beßarabions mit Rumänien und verlangte, daß die rumänischen Truppen das Land räumen. Die rumänische Rcg'erung erwiderte, daß die brßarabische Frage endgültig durch das in Paris Unterzeichnete Mkommen zwischen Rumänien und den Alliierten erledigt sei. Veßa abien mit K i s ch i n e w als Hauptstadt, das zwischen dem Dniestr. dem Schwarze^ Meer, der Donau und dem Pruth gelegen ist. weist aus seinem 35.000 Quadratkilometer zählenden Gebiet eine Bevölkerung von nahezu drei Millionen Seelen auf. Davon gehören 382.000 Personen der jüdischen Nation (ohne die 22.000 Karaiten) an. etwa H4 Millionen sind Moldauer. Der Rest ist ukrainisch, russisch,. bulgarisch und deutsch. Plädiert also die Statistik in diesem Falle nicht zugunsten Bukarests, so noch weniger der kundgetane Volkswille, Allerdings berüsen sich die.Rumänen, auf den Beschluß des beßaraüi scheu Landtages, des sogenannten „Sfatul Tserij" in Kischinew. Wohl aber mit Unrecht. Denn die zwei Jahre, während deren Beßarabien von den rumänischen Truppen besetzt gehalten wird. sind Jahre des grausamsten Terrors gewesen. Die von einer beßarabischen Delegation in Paris publizierten Dokumente zeigen die Auswüchse der rumänischen Okkupation in voller Blüte und lieferten beredtes Material zur Beurteilung der freien öder unfreien Willensäußerung der Bevölk rung. Selbst der beßarabische Landtag, in dem Herr Marghiloman, damals rumänischer Ministerpräsident, am 9. April 1918 in Person erschienen war, um ihn die Bercini- Beßarabiens mit Rumänien beschließen zu lassen, ist einem fürchterlichen Druck unterwerfen worden, indem vier Abgeordnete kurzweg ermordet wurden und die übrigen am Tage der Abstimmung einen militärischen Kordon passieren mußten. Daß trotz dieses Zwanges eine Anzahl Al geordneter der Sitzung fernblieb und andere wieder den Mut hatten, sich der Stimmabgabe zu enthalten, war und bleibt ein Beweis gegen Bukarest, das sich so sehr um die unerlösten Brüder jenseits des Pruth bemühte. Kein Zweifel: Der beßarabische Großgrundbesitz zieht zu einem Teil die Herrschaft der Bojarenwirtschaft der Enteignung der Ländereien vor, die als die Folge der russischen und der nationalen Revolutionen unvermeidlich ist. Aber von dieser Feudalschicht abgesehen (wobei beisprelsrveise der Großgrundbesitzer K r u p e n s k i j den Kampf gegen den rumänischen Annexwnismus führt), sind die Bauern, die Arbeiter und die Intellektuellen g:gen den Segen, der von Bukarest kommen soll, und sämtliche jüdisch e», Abgeordneten nahmen an der Abstimmung über den Bereimgungsentwurf nicht teil. Daß der Oberst.'Rat mit der Zutelung Beßarabiens an Rumänien eine Barriere gegen den Bolschewismus .zu errichten glaubte, ist kaum anzunehmen: sind doch die walachisch-moldaui scheu Regie.ungsmethotzen nur geeignet, Wasser aus Lenin-Rakowskis Mühle zu leiten. Und merkwürdig, trotz der Versicherung der rumänischen Negierung, daß die Gerüchte über die Konzentration bulichewikijcher Truppen an der rumänischen Grenze Machenschaften von Walutajpelulanten seien, beltätigen An unsere p. t. Abonnenten! Am 1. Februar beginnt ein neues Abonnement auf die „Wiener Morgen-' eitung". Wir ersuchen, die Erneuerung rechtzeitig vorznnehmen. damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Erlagscheine werden unseren Abonnenten. in den nächsten Tagen zugehen. Abonnementpreise: Für Wien (zum Allholen in den Trafiken oder mit Postzusendung) Kr. 50.— monatlich. Mit> Postzusendung: Deutschösterreich monatlich ......... Kr. 50.— Tsckecho.Clorvabei monatlich ....... . Kö. 15.— Polen monatlich. ... . poln. Mark 50.— Jugoslawien monatlich.Dinar 8.— Deutschland „ . f . ..Mark 10'«— Rumänien », .......... Lei 15.— Holland . i . . § . i ■ hoü. st. 150 Schweiz ,» . FreS. S- Engtand ur d Kolonien monatlich .... sli 3 — Italien monatlich. Lire 6. Amerika * .......... Dollar —.50 Zahlstellen: Oesterreichische» PostsparkastenKonto 150.303. Tschecho-slowatisscheS Postsparkastenkonto 59.351. Pole«: Wiener Lombard- und Esbomptebank, Filiale Krakau» Rynek 12. Rumänien: Allgemeine Devofitenbank» Filiale Tzernomitz. Ingoslawic« A8er KiSieltt». b^nlr. «ln., Osijek 1.., Gajev trg 11. Deutschland: Jeitnnesbnreau Hamewaster. Berlin 6. 54 Rojenttzaterftraße 43. Die Verwaltung der Wiener Morgenzeltung". Wien. II. Taborstraße 1-3. Tel. 44 038 und 43 319. Einzelheiten aus gut iusormierter Quelle alle Meldungen von der Ekchlir einer bolichewikiichen Bedrohung Runi-iiri.ns und besonders Be^a ablens. M. P. POl^ische^NNKd schlSN. Jüdische SLaatSMänner als MitLLer zwischen England und dem Orient. Das Kommissariat Herbert e'n 'P o isrium? In der „Vossischen Zeitung" schreibt W. H. S-: In den letzten Monaten ist in der englischen Presse eine außerordentlich ausführliche und sachliche Aussprache über die Neubesetzung der wichrigsten Posten des englischen KolomalherrschaftssystdmS geführt worden. Den äußeren Anlaß dazu bot die Notwendigkeit, für Indien einen neuen Vizekonig.zu finden. Seit dem 1. Jänner 1921 ist in Indien das neue Selbstverwaltungsgesetz in Kraft getreten, das auf Wahlen begründete Provinzialvertretungen geschaffen hat. Dieses Gesetz. d,er erste Schritt auf dem Wege der Entwicklung der britisch-indischen Verwaltung, die bisher auf der Grundlage der aufgeklärten Despotie basierte, zur Verfassung eines „Dominrons", ist das Werk des Staatssekretärs für Indien M o » t a g u. der es in langwierigen Beratungen mit den Intellektuellen der verschiedensten indischen Konfession en und Stämme vorbereitet und in mühseligen Verhandlungen durch die Klippen der parlamentarischen Verhandlungen in England hindurchgesteuert hat. Da sich gegen dieses Gesetz in den Kreisen der radikalen Nationalisten Indiens eine obstruktive Opposition geltend gemacht hat. entschloß sich die englische Regierurig, die überaus wichtige Durchführung des Gesetzes nicht dem bisherigen Vizekönig. dem tüchtigen Verwaltungsbeamten Lord ChelmSford, anzuvertrauen, sondern eine Persönlichkeit zu suchen, die durch Veranlagung und kulturelle Einstellung geeignet erschien, zwischen der geistigen Entwicklung der Völker Indien» und den LebenSbedirrgungen der britischen Weltreiches durch taktvollen Ausgleich zu vermitteln. Man wählte für diese Aufgabe den. höchsten richterlichen Beamten Englands» Earl R e a d i n g, der besser bekannt ist unter seinem bürgerlichen Namen NufuS JsaacS. Durch diese Ernennung wurde der dritte wichtige Posten im asiatischen Herrschaftsgebiet der Briten mit einem Engländer jüdischer Abkunft besetzt. Der Staatssekretär für Indien Lord Montagu — der voraussichtlich jetzt, nachdem sein Gesetzgebungswerk für Indien vollendet ist. seinen Posten mit einem anderen Ministeramt tauschen wird — ist aus der Bankfirma Montagu hervorgegangen, die seit Jahrzehnten für das britisch-irische Schatzamt alle Sübertransaktionrn zu erledigen hatte und damit einen bestimmenden Einfluß auf die Entwicklung der indischen Wirtschaft ausgcübt hat. Nicht minder wichtig ist die Nolle, die Sir Herbert Samuel» der Oberkommissär des Völkerbundes für Palästina, Vertrauensmann der britisch-indischen Negierung in allen semitisch-arabischen Problemen Kleinasims. spielt. Wie aus einigen Meldungen englischer Blätter hervorgeht, wird er seinen Posten in Palästina, sobald die Verwaltung dort einigermaßen eingerichtet ist. mit der umfassenderen Aufgabe .vertauschen. Mesopotamien, Persien und die angrenzenden Länder der englis.-lien Wirtschaftsexpansion zu erschließen. Die Tatsache, daß die drei Posten mit Angehörigen an-; gesehener englisch-jüdischer Familien besetzt sind, | /Teiles hat die konservativen Blätter veranlaßt, sich darüber zu Yq schweren, daß solche Posten, die bisher den Angehörigen dej allen englisck>en Aristokratie vorbichalierr waren, der jüdische» Intelligenz und dem jüdischen Geldadel zugewicsen werden. Sie machen ihrem Parteigenossen Lord C u r z o n, der aus diese Ernennungen zweifellos einen bestimmenden. Cmflus ausgeübt hat. den Vorwurf, daß er eine hergebrachte Einstu& sphäre und Machtposition der englischen Herrenklasse vreisr gegeben hat. Organe, die der Negierung nahcstchen. uni liberale Blätter weisen demgegenüber darauf hin. daß dr-s« Ernennungen kein Zufall seien, sondern wohlerwogen! Entschlüsse deö besten englischen Äsicn-Kenners Curzon 'darstellen. Er und seine Ministerkollegen glauben, daß die nationalistischen und auf Kulturautonomie gerichteten Bewegungen in den kleinasiatischen und mdlschen Gebieten de! britischen Weltreiches nicht durch Vertreter des englischen Herrenstandpunktes richtig beeinflußt und in die Entwlck» lung des brrtischen Weltreiches eingegliedert werden kön,r?n« Dazu ersckn'uien Persönlichkeiten besonders befähigt,, die. wie JsaacS, Montagu und Samuel zugleich traditionelle, ver» sönliche und wirtschaftliche Beziehungen zum Orient und die Anpassungsfähigkeit besitzen, sich in die Gefühlswelt und die Ideen der erwachenden orientalischen Volker verständnisvoll einzufühlen. Nicht die Vertretung der äußeren Macht und des Glanzes des Weltreiches, sondern Klugheit und Regierungskunst sind jetzt die Eigenschaften, die von de« neuen englischen Kolonial rezenten erwartet werden, denen die Aufgabe zugefallen ist, zwischen Okzident und Orient, zwischen dem britischen Weltreich und dem Nationalismus der orientalischen Völker die taktvollen Vermittler zu spielen.. Die liberalen englischen Blätter könnten in diesem Zusammenhang auch an die Tatsache erinnern, daß die Idee der britischen Kaisermacht in Indien von DiSraeli stammt. Neue Pogromhetze im Umgarn. . Aus Budapest wird' uns berichtet: Von den- VerhandlunISn zwischen der unaorischcn Negierung und T s ch i t s ch e r i n, wegen eines even:uellen Austansches der verurteilten Volkskommissäre mit den in Rußland in Hast gesetzten ungarischen Geiseln, ist es jetzt ganz still geworden. Hingegen arbeiten die „Erwachenden Ungarn" mit allen Mitteln, um die Bevölkerung von Budapest und der Provinz gegen die Befreiung d.e r V o l k s k o m m i s s ä r e aufzuhetzen. In letzter Zeit wird in ganz Ungarn in Hunderttausenden von Exemplaren ein Flugzettel verteilt, der direkt zum Pogrom gegen die Juden aufruft, für den Fall, als die verurteilten Volkskommissare nicht hingerichtet oder dem Zuchthaus« überantwortet werden.^ Nach den aufreizendsten Verleumdungen gegen die Juden heißt es in diesem Flugzettel schließlich: „Kannst du es. geli.'btes Ungarn, dulden, daß der Generalstab deiner Entehrer, die Ob.rhelfer, die Volkskommissäre unter dem „christlichen" Kurs mit Begünstigung der „christlichen" Negierung hohnlachcnd in Salonwagen sich aus dem Lande entfernen, welches!, sie in des Wortes wahrstem Sinne zu einem Friedhof gemacht haben? Sie sagen, es komme die Rechtsordnung. wohlan denn! So sei denn die Rechtsordnung! Heißt das aber Rechtsordnung, wenn eine Regierung nach erfolgtem Urteilsspruch de^ Gerichts mit den in Sicherheit brüllenden und drohenden, über das Leben der hier steckengebliebenen Mitglieder der Räuberbande einen KuhhaMel beginnt? Sie sprechen von der Rache des Tschitschcrin?! Haben wir denn nicht auch Geiseln, befinden sich denn nicht noch die Angehörigen der geflüchteten jüdischen Volks kommissäre unter uns? Wir lassen das Wort der Wahrheit nicht verschachern!"- Unterschrieben ist diese Schandschrift: „Das Ungartum,- düs Rechenschaft verlangen wird." Diese Flngzettel werden von den Behörden unbeanstandet verbreitet und es ist begreiflich, daß die jüdische Bevölkerung, besonders der Provinz, durch diese Aufreizungen *** ständiger Aufregung lebt. 8ieligow?kis neues MinifteriAM. Würflhau, 26. Jänner. Da dis politischen Diffis-l renzen zwischen der p av: so rischen regier.ndenKommission,/' an deren Spitze Witold Abramowicz stand, und dem- General Zieligowski nicht mehr zu Überdrücken warerr und die oppositionellen Mitglieder der Kommiss'on ihre Äemter zurücklrg^n. kam es zur Gesamtd^m ssion di.-s^r Regierung. Nunmehr wurde von Zieligoivski eine neue Regierung ernannt, welche jedoch nur fachliche Kompetenzen hat, während die politischen Befngnisse ausschließlich Zieligowski zustchen. Vorsitzender der neue» provisorischen Regierungskommission, welche eigentlich' nur ein Scheindasein führt, ist General Moksieeki. der bisher ein militärisches Kommando in Ziettgowskis Armee bekle bet hat. In der nenenRegiernngskommission, welche aus acht Mitgliedern, ausschließlich Polen, besteht, gehören drei der nationaloemokratilchen Partei an, die übrigen sind parteilos. Das Deparlement jür V o n; § b i I b u n g, baS für die nichlpolimche Bevölkerung von Wilna eine gewisse Bedeutung hat, ist noch n'cht besetzt. D.e n^pe RogierungSkommiision betreibt eifrig die Wahlvorbereitungen für den Wilnaer Sejm Bei den n'ch polniichen Parteien herrscht Gleichgiitligkeit gegen diese Wahlen, die nur als Scheimvatilen angesehen werden. D.e Warschauer jüdischen Sejmdepntierte» Hirschhorn und Priluzki. welche in Wilna Beratungen mit den Führern ver jüdischen, polniichen mrd lttüauijchcn Parteien gepflogen habe» und auch' t

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