Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 720 (27.1.1921)
- Date
- 1921-01-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Telle? g&lfrt, ftnj der Ansicht Lloyd VKVrgcS nicht gän-l.'ikb an^,eschlossen; er betonte, cS sei wenig wahrscheinlich. dos; die Banken sich ni dieser Krcditaktion entschlichen würden, wenn sie nicht vorher aus die feste Unterstützung der alliierten Negicrungen rechnen könnten. Graf Sforza erklärte hieraus, das» Italien seinersritS bereit sei, zur Sicherung der Lebensfähigkeit Lester- . reichS Opfer zu bringen. Gr schlug vor, vasz der ucht Millionen Pfund betragende Rest der von England Amerika, Italien und einigen neutralen Staaten für die Ern^rnng Mittclc"-"tzas bcw'll'i'eu Kredite i.nvcrzüpl'ch s ur O e st c r r e i ch s l ü s s i g g emacht werde. Tie alliierten Mächte sollten Oesterreich nicht nur materielle Hilfe gewähren, sondern an sc .cm Wiederaufbau selbst interessieren und int Mi tcl geben, an diesem Wer' m''7.rarbe'len. Man könne zu diesem Zweck eine Art AktiengesellschastenvonStaaten schaffen, der Oe st erreich angehören solle. Smrza bczcichnete es als notwendia. die in Oestsrrc'ch l"«'',en kostsvieligcn interalliierten Organe, wie die militärische Kontrollkvmmiffon, so bald als möglich au^zu lösen und das Personal der Nepa-ationskommisiion zu v e rmindern. Graf Sforza erklärte, das; Julien b-r^it sei. seine Vertreter in der Kontrollkommission abzuLerufen. Schließlich wnrde, wie bereits gemeldet, eine „uS drei Mitgliedern bestände tt n t e r k o m m ir f i o ti eingefetzt, deren Vorschläge vom Obersten Rate nochmckS werden werd.n. Paris, 26. Jänner. (Tel.-Komp.) Ans der Sitzung der Pariser Ministerkonferenz vom Dienstägvormittag. in der das österreichische Problem besprochen wurde, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Der Vertreter der österreichischen Sektion der Wiedergntmachungskommission Seydoux wies darauf hin, dag man in Oesterreich jetzt noch ebenso viele Beamte habe, wie zrrr Zeit des Kaiserreichs. Oesterreich habe noch bis zum 15. April zu leben, von diesem Zeitpunkt bis zur diesjährigen Ernte seien 30 Millionen Dollar, von der heurigen bis zur nächstjährigen Ernte weitere 80 M i 11 i o n e n T o l la r nötig. Seydoux schlug eine Konferenz der Nachfolgestaaten vor, die die wirtschaftlichen Beziehungen dieser Staaten untereinander und mit Oesterreich regeln soll. An der Diskussion beteiligten sich. namentlich die | Italiener und Engländer. Graf Sforza gab der Ueberzeugnng Ausdruck, Oesterreich sei lebensfähig, wenn es sich richtig organisiere, jedoch verlasse es sich zu sehr auf die Entente. Er besprach hierauf den Plan j einer inneröste r reichi f cf)c n A nlei he. die j von den Mächten garantiert würde. Lloyd - George unterstützte die Ansichten des Grasen Sforza und sagte, Oesterreich dÄrfe sich nicht ans Almosennehmen gewöhnen, da England seine Hilfe nicht ewig fortsetzen könnet „Mat in" ist der Ansicht, das;, tw den rein menschlichen Erwägungen zu schweigen. ft r Q n fr eich ein Interesfe daran habe, den unglücklichen Oester« reichern Brot zu verschaffen. Das Blatt führt das Wort eines französischen Delegierten apf der Konferenz an, der sagte: Den Wienern Mehl geben, heißt di ^Verträge von Versailles und S a i n t - G e r m a i n schützen. Das Blatt sieht voraus, daß jede Macht 000 Millionen für drei Monate werde beitragen nüisscn. F ran frei ch werde für diesen Zweck seinen Bestand an Papiermark venverten können, sowie eine gewisse Menge von Getreide, das es in der Nachbarschaft O e st e rre ich s besitze. Die Sukzrssionsstaaten sollen Oesterreich helfen. London, 26. Jänner. (Funkspruch.) Die beabsichtigte Reise des tschecho-slowakischcn Alißemniuisters nach Paris und Nom. die Anwesenheit südslawischer Politiker in Paris und die bevorstehende Ankunft des polnischen Staatsoberhauptes in Paris iuirt» mit dem Plan in Verbindung gebracht, die Nachbarn Oesterreichs zu der» Wiederaufbau dieses Landes mit heranzuziehen. Die heutige Sitzung. Paris, 26. Jänner. (Havas.) Die heutige Sitzung der rnterallüerten Konferenz begann etwas nach 11 Uhr. Außer den Bevollmächtigten wohnten der Versammlung Doumer, Louchenr. Seydoux und der englische Gesandte in Berlin, Lord Abernon. bei; .die beiden letzteren als Delegierte der Sachverständigenkonfercnz in Brüssel. Die Versammlung beriet heute die Wiedcrgutmachungsfrage. Doumer brachte eine Darstellung der Frage vom finanziellen Standpunkt.vor. Vor der Sitzung hatte Loucheur mit Vriand eine lange Unterredung, mit dem sich auch Doumer mehrfach besprach. Paris, 26. Jänner. (Havas.) Im Verlauf der heutigen Vormittagssitzung der Konferenz wurde Flnanzmiuister Doumer um Erklärung mehrerer Einzelheiten ersucht, woraus er versprach, ergänzende-Untere lagen beizubringen. Die Frage wird von neuem auf die Tagcsodnung der Konferenz kommen, sobald die Mitglieder der Konferenz von dieser Unterbreitung Kenntnis genommen haben werden. Doumer betonte vor allem die Höhe der Summen, die Deutschland Frankreich für Wisderautinackrunaszwecke schulde, und wies daran» bin. daß der französische Staatsvoranschlag sur dieses Jahr über 16 Milliarden Francs für Zwecke des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete, sowie znr Rentenzahlung an die Kriegswitwen und Kriegsbeschädigten vorsehe. Doumer fügte hinzu, daß diese Summe auf Rechnung Deutschlands gestellt werden müsse, wenn der Staatshaushalt im Gleichgewicht bleiben solle. Im übrigen beschränkte er sich auf die Mitteilung dieser Tatsache, ohne praktische Möglichkeiten ins Auge zu fassen, wie Deutschland diese Summe bezahlen solle, da diese Frage von Loucheur behandelt wenden wird. Die Darlegungen Doumers nahmen in hohem Maße die Aufmerksamkeit der Konferenz in Anspruch und Lloyd George stellte mehrmals Fragen an den französischen Finanzlninister, dessen Ausführungen heute nachniittagS den einzelnen Delegationen mitgeteilt werden sollen. Paris, 26. Jänner. Auf die Tagesordnung deS Obersten Nates wurden noch folgende PunktegesteLt: die Möglichkeit einer monarchistischen Neftauration in Deutschland, Oesterreich oder Angarn und die daraus sich ergebenden Gefahren, die Dezieijun^eir der Alliierten zu den Dereinigren Staaten, die V rbindl'rchkeite i der alliierten Slaaten re rnüber den Vereint ten Staaten und der amerikani che Vorschlag ans Errichtung einer Dölkerveremigung. Die Orientfragen. Paris. 26. Jänner. (HavaS.) Die interalliierte Konferenz hat beschlossen, in allernächster Zeit in London Beratungen zur Regelung der O c i e n t s r a g e abzuhalten. Diesen Beratungen werden auch griechisä-e und türkische Vertreter beigezvgen werden. Paris, 26. Jänner. (Havas.) Heute werden vom Ministerpräsidenten B r i a n d an die Negiernngen in Alhen und Kon staut inopel Telegramme abgeschickt, um'sie von dem Beschluß in Kenntnis zu setzen, eine Konferenz für die zweite Hälfte des Monats Februar nach London einzuberufen. Der verfassungsmäßigen türkischen Negierung in Konstantinopel wird cs freistehen, sich mit der nationalistischen Regierung in Angara 'ms Einvernehmen zu setzen, um ein Abkommen über die Zusammensetzung einer einzigen ottomanischen Delegation zu treffen. Vor dieser Entscheidung hatte Me Konferenz zunächst die hellenische Frage geprüft. Alle Delegiert«'« waren darin einig, Griechenland in seinem jetzigen Bestände. gemäß, den Beschlüssen der Londoner Dezember- Konferenz äHnerkenneN. Die Gesandten der Alliierten werden auch fernerhin keine amtlichen Beziehungen nut König Konstantikr Unterhalten, sondern nur mit der griechischen Negierung in Verbindung stehen. Die finanziclle Unterstützung seitens der Alliierten bleibt auch für die Zukunft e i n g e st e l l t. Die alliierten Staatsmänner behante'.ten sodann die türkische Frage. Graf Sforza, Lord Curzon und ^»land legten nacheinander ihre Auffassungen dar, so namentlich hinsichtlich der unenvarteten Rückkehr König Konstantins, der Entwicklung der kemaliftisehen Regierung und der Beimgnis. daß die Nationalisten sich mit den n,loschen Bolschewiken vereinigen könnte». Die kürzlichen Mißerfolge der griechischen Truppen in Kleinasien gaben umsomehr Anlaß, eine neue Aktion seitens der Alliierten zu rechtfertigen. Lord Eurzon gab als erster dem Gedanken der Konferenz Ausdruck. Vriand nahm den Vorschlag bereitwillig an und fügte hinzu, daß sie in 2unfOrt stattfinden möge. Es verlautet, daß diese Kenf"rcnz von der französischen öffentlichen Mmung günstig aufgenonnncn wird, in der sich ' ^ch dem r im-ge N:-.:'zelos' ein St ör. nug zugunsten der Revision des Vei-tragcS von EevreS gebildet hat. Das Eingreifen der Alliierten beweist, daß sie die Regelung der ernsten Orientfragcn nicht mehr hinauSschieben wollen. Die VerhandlnngSgrundlage der Londoner Konferenz wird der Vertrag von SevreS bilden, der augenscheinlich verbessert werden wird. Man schlägt setzt vor, an die Stelle der militärischen Bcsetzungszone eine wir1sck)a fl liehe Jnteressenzone zu setzen, wo die Oberhoheit des Sultans anerkannt würde und sich keine griechische militärische Besatzung mehr befände. Die EnLivrrffnuttstsfrage. PariS^ 25. Jänner. (Havas.) Die Sachverständigen für das Heeres-, Sec- und Flugwesen, sind in drei Kommissionen znsan'mcngetreten, um eine znsammenfasseude Liste der Verletzungen des Versailler Vertrages aufzustellen und Vorschläge bezüglich der Maßnahmen zu erstatten, die Deutschland zur vollständigen Durchführung der Entwaffnungsbestimmungen zu ergreifen hätte. Die Kommissionen verfaßten einen Gesamtbericht, worin die Notwendigkeit betont wird, die Durchführung aller vorgesehenen Maßnahmen in Fristen zu verlangen, die sich zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten bewegen, 'wobei der weiteste Termin nicht über den Juni hinausreichen soll. x Paris, 26. Jänner. (Havas.) Im Laufe des Vormittags hat Marsck)all Fach der Konferenz den Bericht -der interalliierten Versailler Kommission, bezüglich der Verstöße Deutschlands gegen die Entwaffnungsklauseln, zur Kenntnis gebracht, mit dessen Ausstellung diese Kommission betraut war. *7 t"»l , . , Der deutsche Standpunkt ln der EH schSdigungsfrage. Berlin, 26. Jänner. (Wolfs.) Der RcichSminister des Aeußern und der ReichSfinanzminister haben den» Reichskanzler einen eingehenden Bericht über die Frag', der Reparationsverhan'dlungen erstattet. Es bestan! volle Uebereinstimmuug 'in der Beurteilung des Sachverhaltes und der Stellungnahme der deutschen Regie» rung. ES erscheint alS ein dringendes. Interest, Deutschlands, die Höhe seiner Rtzparationsschulden sobald als möglich kennen zu lernen. Deutschland hat eir, vertragsmäßiges Recht darauf, daß ihm diese Kenntnis bis zum 1. Mai 1921 verschafft werde. Die deutsch,' Negierung wäre bereit, auf diese Frist zu verzichten, wenn eine Verständigung über die Teilzäyl'.uM Deutschlands während der nächsten fünf Jahre herbeigesiHr-t wird. Die deutsche Negierung verlangt, daß zunächst Deutschlands Leistungsfähigkeit erörtertwerde, und daß über die Höbe der gesamten Schuld nicht erst nach Ablauf der fünf Jahre, sondern sobald als möglich weiter verhandelt wende. Dieses Verlangen ist vom französischen Botschafter ln Berlin als berechtigt anerkannt worden. Ohne ein Entgegenkommen der alliierte« Regierungen auf dem von der deutschen Delegation in Brüssel bezeichneten Gebiete könnte die deutsche Negierung die Annahme der fi'mf Jahresleistungen, die ein großes Entgegenkommen ihrerseits darstellen, nicht vei> antworten. - - Die Option auf Grund des frühere» Helmatrechtes. , Ben RtckuSanmnlk De. fJt. Reiß. Am 15. Jänner 1921 hat di« Frist geendet, bis^ \ti deren Ablauf man auf Grund der Zugehörigkeit zum deutschen Volke für die österreichische Staatsbürger-' schaft optieren konnte. Trotz Ablauf dieser Frist' ist aberi' noch i mmer die Option für die österreichische Staatkauge^ Hörigkeit möglich, zwar nicht mehr auf Grund der VolW Zugehörigkeit zur deutsch.-n Meh heit Ocstrr.'ich9/- sondern nur noch auf Grund des früheren Heimat^' rechtes. Die Erklärung, aus diesem Grunde für dieösterreichische Staatsangehörigkeit zu op:ieren, kann mit" RcchtSwirkung noch bis einschließlich 16. Juli 1921 abgegeben werden. Im wesentl chen gelten bezüglich Aus^ Übung des OptionsrcchteS, Alter und Wirkung auf hre Familienangehörigen, bezüglich Beibringung der U»> künden und bezüglich der Behörden und der Wohnsitz^ Verlegung die gleichen Bestimmungen wiebei der Option auf Grund der Volkszugehörigkeit. Der Unters schied zu dieser ist aber nicht nur bereits in der Frist gelegen, die bet der Option auf Grund des frühetoir^ ' Heimakrechtes bis einschließlich 15. Juli 1021 dauert.!: sondern auch darin, daß der Kreis derer, die zu'optierest.: berechtigt sind, enger gezogen ist. ES können aus Grund deS früheren Heimatrechtes für die österlichische! Staatsangehörigkeit nur ehemalige Ocfterv>.'ich.'r im eügeren Sinn optieren, das heißt nur solche, die vorher^ bevor sie auf Grund des Friedensvertrages ihre-tzj--. herige StaatSangehöngleit verlohn haben, Angehörige der ehemaligen im Reichs rate vertret?nen Königreiche, und Länder waren, baS heißt, das Heimatrecht in einem.- Orte besaßen, der auf dem ehemaligen Gebiete der im Ne'ch"rate vertretenen Königreiche und Länder lag. Die einschlägige Ge setze? stelle lautet: Angehörige der ehemals im N-'ichSrate vertretm.n Königreiche und' Länder, die aus Gründ des Staatsvertrages von Saint- Gcrmain-en-Laye ihr« bisherige Staatsangehörigkeit? verlieren und vermöge ihres Heimatrechtes unter schlntz der öftere chischen Staatsangehörigkeit dir Staatsangehörigkeit eines Staates erwerben, zu., dem Gebietsteile des ehemaligen O.swrrnch gchören, können innerhalb eines Zeitraumes von einem Jahre vorn J,^ krasttn!t.'n deS Staatsvertrages an, somit bis ein-, schtießlich 15. Juli 1021, für die österreichische Staatsangehörigkeit optieren, wenn sie in einer Gemeinde des nach dpm Staatsv?rtrag zur Republik Oesterreich gehörigen Gebietes heimatlerechtigt waren, b.vor sie das Heimatrecht auf die GeU'te des ander-cn Staates exwgrben (Artikel 78 des Staat.Vertrages). Es gibt viele, die vielleicht für diese Option in Betracht kämen, die Wirkurrg dieser Option auch wollen^ ohne die angeführte gesetzliche B^stinnnnng, zu k?nney! und deren Bedeutung zu ersaisen. Wer vorher, bevor er das Heimatrecht in dem Orte erwarb, in dem ti. zur Zeit, als der FriedenZvertrag in Kraft trak (15. Juli 1020). hcimatbcrcch igt war. in einem Orte hc'.maib^rrchti^t war. der zu dem heu'igen O'.st rreich^ des Fr!edensvort"äges gehört, kannfür die öst-rrichische' StaatSangehörigk. 't optieren. Gle'chgül.ig ist Aller u.ilx der Stand, in welchem er das Heimat recht in der zum nunmehrigen Oost.'rre'ch gehörigen G^m.inde verloren und das Heimatrecht in der Gemeinde erworben hat,- in der er es zur Zelt.' als der Frieöensvertrag im Kraft trat (15. Juli 1020), besaß. Beispiele sollen Gesagte erläutern: Wenn vor dem Zusammenbruch ein Beamter, der in Wien heimatbcrechtigt war, nach Krakau verschö wurde, so erwarben er, seine Gattin' und seine Minders jährigen Kinder automatisch baS HeiwatrLch'tvost Krakau, und sie besaßen es noch zur Zeit, als der- Friedensvertrag in Kraft trat.- Bon di.'fer Familie kann das Oberhaupt, derÄ'eamre, derderze t noch mach Krakau zuständig ist, für Oesterreich optieren, ebenso alle s.-im'i Kinder, die bl^-itS 13 Jahre alt sind, falls u-’iH'i'* storben ist, auch fein? WtUve. Das gleiche gilt, wwn